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03/11/1901 Drittes Blatt
 
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werk." Ich wandte mich um nähere Auskunft an einen Herrn, anscheinend einen der Leiter des Baues, der mir denn auch auf das Bereitwilligste nicht nur den erbetenen Bescheid gab, sondern mir zugleich auf das Liebenswürdigste den wichtigsten Teil des ja jeden echten Gießener Bürger beson­ders interessierenden Bahnhofsumbaues zeigte und erklärte. So erfuhr ich denn, daß man einen Stollen angelegt hat, der zur Entwässerung der beiden Tunnels auf der Main- Weser- und aus d.er oberhessischen Seite dienen soll. Nun hatte ich imGieß. Anz." wohl schon verschiedentlich von dem geplanten Tunnelbau gelesen, aber mich durch den Augenschein noch nie davon überzeugt. Ich fragte deshalb meinen freundlichen Auskunftgeber, ob es ihm wohl seine Zeit erlaube, mir mit wenigen Worten die Anlage und den Zweck dieses Tunnels auseinanderzusetzen. Er erklärte sich gern dazu bereit. So hörte ich denn, daß man plant, den ganzen Personenverkehr unterirdisch durch Tunnels zu leiten, und zwar hauptsächlich deshalb, um ein lieber» schreiten der Geleise durch das reisende Publikum zu ver­meiden und auf diese Weise Unglücksfällen, die bei starkem Verkehr infolge des Hinübergeyens von einem Bahnsteig zum anderen so oft vorkommen können, vorzubeugen. Da wir uns auf der Main-Weser-Seite befanden, gab mir mein Führer zunächst einige Erläuterungen zu dem Tunnelbau auf dieser Seite, der im Großen und Ganzen bereits voll­endet ist. Schon stehen lange Säulenreihen da, und ebenso einzelne eiserne zusammengenietete Bögen. Sie sollen zur Ueberdachung des Tunnelausgangs und des neuen Bahn­steigs dienen, der an Stelle des bisherigen 3. Geleises angelegt wird. Der Fußboden des Tunnels selbst wird mit Fliesen belegt, während die Wände mit weißen Porzellan- platten verkleidet werden. Beides geschieht, um dem Ganzen einen gefälligen Anstrich zu geben, besonders aber deshalb, um den Tunnel möglichst hell zu gestalten. Während wir noch beim Besichtigen begriffen waren, kam plötzlich über unseren Köpfen ein Zug daher gebraust. Erstaunt, aber auch ein bißchen erschrocken blickte ich in die Höhe. Lächelnd beruhigte mich mein Begleiter und machte mich zugleich auf die beiden Geleise aufmerksam, die vermittels mächtiger eiserner Träger über den Tunnel hinweggeführt sind.

Wir kamen an unseren Ausgangspunkt, die Stollen- öffnung zurück. Nachdem einmal meine Neugierde rege ge­macht war, hätte ich doch auch gar zu gern das Innere des Stollens in Augenschein genommen. Mein Führer muß mir meinen Wunsch an den Augen abgelesen haben; denn unaufgefordert bot er es mir an, mich hindurchzu­führen, wobei er mich freilich darauf aufmerksam machte, daß meine leichten Schuhe und mein heller Anzug nicht gerade geeignet seien zu einer Wanderung in die Unterwelt, die viel Nässe und Schmutz aufweise. Ich aber meinte, es würde nicht so schlimm sein, und so machten wir uns denn auf die Wanderung nach dem anderen Ende des Stollens, das sich am Ufer der Lahn befindet. Die unterirdischen Ge­wässer sollen nämlich sämtlich in die Lahn ab geführt wer­den. Mein Begleiter mit brennender Laterne voran, ich hinterher begannen wir unsere Einfahrt. Schon nach we­nigen Schritten umgab uns völlige Dunkelheit, die durch das Licht, das mein Begleiter trug, mir notdürftig er­hellt wurde, uni) ich hatte wieder das eigentümliche Ge­fühl, das jeden Nichtfachmann beschleicht, wenn er sich unter der Erde befindet. Es ist eine merkwürdig dumpfe, feuchte Luft, die einen da umgiebt, und die sich wie ein Alp auf die Brust legt. An den Wänden und von der Decke sickert Feuchtigkeit herunter, der Fuß schreitet unsicher vorwärts, hier und da gleitet er aus und patscht ins Wasser, das gerade in unserem Stollen in mehr als reichlichem Maße vorhanden ist, ein Beweis für seine drützlichkeit. Der Stollen ist vollständig bergmännisch verzimmert und hat ungefähr Mannshöhe. Schon am anderen Ende hatte ich meine Verwunderung über die felsige Natur des Ter­rains ausgesprochen. Nun konnte ich mich überzeugen, daß der Stollen vollständig durch Felsen gehauen werden mußte, und es ging mir ein Licht auf, mit welchen Schwie­rigkeiten man bei seiner Anlage zu kämpfen hatte. Man hat denn auch fast fünf Monnte gebraucht, um chn er hat eine Länge von rund 130 Metern zu vollenden, wobei berücksichtigt werden muß, daß stets nur zwei Männer wegen seiner geringen Breite neben einander arbeiten konnten. Interessant ist, daß man bei dem Ausbau auf eine Grundmauer aus früherer Zeit stieß. Ganz deutlich unterscheidet sich die Grundmauer von dem Felsgestein rechts und links. Nachdem wir ein Stück gegangen waren, bemerkten wir einen Lichtschimmer. Wir kamen an einen Schacht, der angelegt ist zur Entlüftung und zur Orien-

unserer Kriegervereine auf sich genommen, die chr ganzes Können, ihre ganze Arbeitskraft wochenlang vorher schon für die im­posante Verwirklichung des großen Planes einsetzten. Dank gebührt in erster Linie den Ausschüssen und namentlich deren Vorsitzenden, die eine aufopferungsfreudige, selbstlose und überaus mühenreiche Thätigkeit entfaltet haben, Dank den zahlreichen Mitwirkenden.

Wir sind überzeugt, daß auch alle folgenden Vorstellungen sich des lebhaftesten Besuches zu erfreuen haben werden. Die schönen, figurenreichen, außerordentlich abwechslungsvollen Bilder, die uns das staunenswerte Vermögen Gießens zeigen an den verschiedensten Theaterutensilien wie an Männern, die sich darauf aufs Beste verstehen, sind in ihrer vortreff­lichen Anordnung des Sehens wahrlich wert.

Es kann keine Frage sein, daß Festspiele in der Art, wie sie Gießen jetzt zu schauen im Begriff steht, die Helden­gestalten des großen Krieges dem Volke in anderen Zügen vor Augen führen, als es die Geschichtsschreibung thut, daß andrerseits aber die gewaltige Predigt, die das lebendige Bild solcher Darstellungen dem Volle hält, einen starken Widerhall in den Herzen zurückläßt und damit auch zugleich mithilft, die Kunst dem Volke wiederzugewinnen, das Interesse für sie zu befestigen und neu zu beleben. Hinter­läßt es diese Wickung auch nur auf den empfänglicheren Dell der Bevölkerung, regt es immer weitere Kreise zur Freude an der Kumt überhaupt, und cm .dem Theaterbesuch im be­sonderen an, dann hat u. E. das Festspiel seinen Zweck er­füllt. Das wiedererstandene Volksschauspiel ist z. Z. ein nur in seinen Anfängen stehender Faktor der Volksbildung. So­bald aber gestaltungskräftige Geister es zu fördern und eine neue Blütezeit dieser Dichtungsgattung zu entfalten ihre volle Kraft einsetzen und ihre Stoffe dazu in unseren allen deut­schen Sagen, in der epischen Erzählung suchen würden, dann davon sind wir überzeugt würde das deutsche Volk in seiner Gesamtheck stets nur aus sich selbst heraus handeln und vom Schlendrian des Gewohnheitsmäßigen, des Niederen und Alltäglichen sich befreien, gern und freudig stets mit­wirken an edlen Aufgaben edler Zeiten l P. W.

tierung. Wir gingen weiter. Bald sahen wir einen neuen Lichtschein vor uns, der diesmal von den beiden Gruben- Lämpchen der Arbeiter ausging. Nach kurzer Zeit waren wir am Ende des Stollens an gelangt und standen an der Oeffnung, die mir vorhin oben aufgefallen war. Mein Begleiter erklärte mir, daß die Oeffnung zu demselben Umfang wie die Stollen erweitert wird. Dann wird das Abflußrohr hineingelegt und nach dem anderen Ende durchgeleitet, von wo sich die Abwässer in die Lahn er­stehen. Durch die Oeffnung konnte man das Rohr sehen, >as durch den fertig gestellten Tunnel und nach dem Ober­hessischen Bahnhof bereits gelegt ist. Auf demselben Wege, den wir gekommen, kehrten wir an das Tageslicht zurück.

Jetzt hatte ich die Main-Weser-Seite gesehen. Nun war aber mein Wissensdurst erst recht erwacht, und ich wollte auch die oberhessische Seite betrachten. Mein Führer war bereit, mich dorthin zu begleiten. Auf der oberhessi- chen Selle sah ich zunächst mehrere Arbeiter mit Aus- chachten bejdjuftigt. Mir wurde erklärt, daß dies zur Anlegung eines Aufgangs geschehe. Es werden hier drei olcher Aufgänge mit Doppeltreppen angelegt, von denen der eine zu den Zügen nach Oberhessen, der zweite zu den Zügen nach der Laynbahn und der dritte zu den Zügen von der Lahnbahn führen wird. Gegenwärtig wird an der Anlage der ersten Doppeltreppe gearbeitet. Hatte ich mich chon auf der anderen Selle von dem großen Vorteil! der Entwässerungsanlage überzeugen müssen, so mußte ich das hier noch viel mehr. Denn überall, wo gearbeitet wurde, land Wasser. Am meisten siel mir das auf beim Besichtigen )es Kanals, den wir beim Gang von der Main-Weser-Seite nach der oberhessischen überschreiten mußten, und der nun Teil bereits wieder zugefüllt ist. Auch konnte ich bei dem noch in Arbeit besinnlichen Teil des Kanals wiederum ehen, mit welch ungemeinen Schwierigkeiten der Bau wrknüpft ist. Zum Teil liegen diese darin, daß auch hier das Terrain durchweg felsig ist, im Zusammenhang damit aber auch darin, daß deshalb, zur Vermeidung zu hoher Kosten, der Kanal nicht sehr breit angelegt werden konnte. So war es immer nur wenigen Personen möglich, neben einander zu arbeiten. Dabei muß ferner die Tiefe des Kanals, fünf Meter, in Betracht gezogen werden, die es nötig machte, daß in zwei Stockwerken gearbeitet wird. Die unten beschäftigten Leute schlagen das Gestein los und werfen es auf das höhere Gerüst, von wo es an die Ober- läche geschafft wird. u.

Aus Stadt und Kund.

(Der Abdruck der unter dieser Rrrbrik beftndtichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:,,Gieß. Anz." gepattet.) Gießen, den 2. November 1901.

** Dem Regierungsblatt Nr. 66, das, wie wir gestern mitteilten, den Staatsvertrag mit Preußen, betreffs des Baues einer Bahn von Vilbel nach Stockheim ent­hält, sei u. a- folgendes von allgemeinerem Interesse ent­nommen: Beide Regierungen beabsichtigen, den Bau ge­meinsam auszuführen. Die Königlich Preußische Regierung wird die Strecke VilbelHöchst a. d- Nidder für eigene Rech­nung Herstellen, nachdem sie die gesetzliche Ermächtigung hierzu erhalten haben wird; die Großherzoglich Hessische Regierung gestattet der erstgenannten, den Bau dieser Strecke innerhalb des Hessischen Staatsgebietes. Der Bau der ausschließlich auf Hessischem Staatsgebiete gelegenen Strecke Höchst a. d- NidderStockheim in Hessen wird für Rechnung der Gvoßh. Hessischen Regierung ausgeführt wer­den, nachdem die hierzu erforderliche landständische Ge­nehmigung erteilt sein wird. Bezüglich der Ausführung des Baues, der Verwaltung und des Betriebes der Bahn, owie der Ausübung der Landeshoheit und des Aufsichts­rechts finden die Bestimmungen des Staatsvertrages zwischen Preußen und Hessen über die gemeinschaftliche Ver­waltung des beiderseitigen Eisenbahnbesitzes vom 23. Juni 1896 Anwendung. Die obengenannte Strecke Höchst an der NidderStockheim tritt nach Maßgabe der im Art. 11 Ab- atz 2 des vorbezeichneten Vertrages vorgesehenen Bestimm­ungen in die Finanzgemeinschaft ein. Für die bauliche Ausführung und demnächst für den Betrieb dieser Neben­bahn sind die Bestimmungen der Bahnordnung für die Nebeneisenbahnen Deutschlands vom 5. Juli 1892 und die dazu ergangenen und etwa künftig noch ergehenden er­gänzenden und abändernden Bestimmungen maßgebend. Die Gvoßh. Hessische Regierung übernimmt für den Fall der Ausführung Der Bahn bezüglich der in Ihrem Staats­gebiete von Preußen herzustellenden Teilstrecken die Ver­pflichtung: 1) den zum Bau der Bahnanlagen erforderlichen Grund und Boden innerhalb Ihres Landesgebiets der- niglich Preußischen Regierung unentgeltlich zur Verfügung zu stellen; 2) die Mitbenutzung der Chausseen und sonstigen öffentlichen Wege unentgeltlich und ohne besondere Ent­schädigung für die Dauer des Bestehens und Betriebes der Bahn zu gestatten. Alle Entschädigungs- und sonstigen privatrechtlichen Ansprüche, welche aus Anlaß des Baues auf Hessischem Staatsgebiete erhoben werden, hat die König­lich Preußische Regierung zu vertreten. Die Kosten der Beschaffung der für die neue Bahn erforderlichen Betriebs­mittel sollen von den beiden Regierungen nach Verhältnis der Längen der beiderseitig zu bauenden Teilstrecken ge­tragen werden. Die Königlich Preußische Regierung wird Gegenstände von natur- ober kunsthistorischem Werte, welche von ihr bei Ausführung der Arbeiten im Großherzogtum Hessen gefunden werden, wie Versteinerungen, seltene Mine­ralien, Altertümer, Münzen, Gebeine und dergleichen an die Grvßherzvglich Hessische Regierung abliefern. Im Schlußpvotokolle heißt es u. a-: Die Großherzoglich Hessische Regierung kann eine Straßenbenutzung nach Art. 11 des Gesetzes vom 29. Mai 1884 nur insoweit gestatten, als dies ohne Gefährdung und erhebliche Beeinträchtigung des son­stigen Straßenverkehrs möglich ist. Die Vertreter der König­lich Preußischen Regierung bemerken, daß eine Längsbe- nutzung öffentlicher Straßen nach dem allgemeinen Entwurf überhaupt nicht in Aussicht genommen sei.

B. S. Kunstausstellung. Die Besucher der nach langer Pause wieder eröffneten Ausstellung werden sich freuen, einer Reihe von Bildern des hier schon wohl bekannten Müncheners R. Scholz zu begegnen. Er bringt uns diesmal mehrere Hochgebirgslandschaften, die, frei von allem übertriebenen Pathos, das dieser Gattung so leicht anhaftet, den ganzen Reiz der großen Natur, in der sie entstanden sind, auf den Beschauer wirken lassen. Daneben ist das Hauptgebiet des Malers durch zwei aus­gezeichnete Portr'aits aus Gießener Privatbesitz vertreten, die ohne Zweifel besonderes Interesse er­regen werden. Im übrigen nennen wir zwei allerdings etwas wunderliche Meeresphantasien von F. Kleudgen und eine Reihe Landschaftsskizzen von H. Dietz, unter denen oberhessische Motive gegenüber denen des Hoch­gebirges sich vorteilhaft auszeichnen. In ganz andere, urallr SBtftüi Mr.en. uns ejn paar. fcyn. ÄrchäplMLchen

Institut der Landesuniversllät ausgestellte Probenmy^ keyischer" Kunst, getreue galvanoplastische Nachbildungen von Originalen des athenischen Nationalmuseums. Der große Goldring mit den in seltsame Faltenröcke gelleideten mykenischen Damen, die augenscheinlich in einer Kulthand^ lung begriffen sind, das Fragment eines Silbergefäßes/ dessen Reliefschmuck eine von Piraten bedrohte Stadt bar* teilt, das dolchähnliche Schwert, dessen Klinge in sauberster eingelegter Arbeit Löwen auf der Gazellen- und Männer: auf der Löwenjagd zeigt, sind noch mykenische Funde Schsie- manns. Ter Golobecher, bei dcm nicht die geringste Ergänzung nötig war, ist später, mit einem genau entsprechenden Ge­genstück, in einem Kuppelgrab Lakoniens gefunden worden. Die technische Vollendung der Metallarbell, die Sicherheit' des freilich noch unentwickelten Reliefstils, die drastische Lebendigkeit der Darstellung Fang wilder Stiere sind höchst bewundernswert angesichts der Thatsache, daß dieses, Werk etwa 1000 Jahre v. Chr. entstanden ist.

* Auszeichnung. Der Großherzog hat dem Kutscher Peter Reiner Leuchtgens zu Lich und dem Forstwart Philipp Dörner daselbst, beide in Diensten des Fürsten zu Solms-Hohensolms-Lich, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür Verdienste" verliehen. Das Ehrenzeichen ür Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr der Dörr u. Reinhart-' chen Lederwerke zu Worms Adam Römer, Adam (Ebers )ard, Michael Heimerle, Bartholomäus Becker, Georg Aumann, Philipp Schneider, Ludwig Seibel unb< Christian Gernsheimer.

* * Wernings Kriegsfestspiel. Um irrigen Ansichten ent­gegenzutreten, teilen wir mit, daß zu sämtlichen Abend­vorstellungen noch zu allen Plätzen Einllittskarten zu haben ind. Auch sind stets an der Abendkasse Eintrittskarten zu- haben.

* Vom Landgrafen von Heffen. Wie verschiedene Blätter melden, ist der Landgraf von Hessen, der gegenwärtig auf Schloß Panker in Schleswig weilt, von einem Wagen­unfall betroffen worden. In der Nähe einer kleinen Bahn» ,'tation scheuten die Pferde und der Wagen fiel um. Der Landgraf selbst wurde nicht verletzt, Kutscher und Lakai kamen mit gelinden Hautabschürfungen davon, dagegen soll der Zustand des Kammerdieners nicht unbedenklich sein.

* * Gießener Volksbad. Im Oktober wurden 8 714 Bäder verabreicht gegen 7 456 im Septeniber 1901 und 7455 im Oktober 1900 oder im Durchschnitt auf den ganzen Badetag 300 Bäder gegen 266 im September 1901 und 257 im Oktober 1900. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilte Schwimmbad 4946 Männer, darunter 754 zu 10 Pfg.,

1194 Frauen, 255 10 ,

Wannenbäder 1. Klasse 208 Männer, 62 Frauen, 2. 500 403

Dampf- und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 131. Männer, 36 Frauen. Brausebäder 1096 Männer, 138 Frauen. Die Personenwage wurde von 140 Personen benutzt und das Bad von 15 Personen besichtigt.

m. Grimberg, 31. Oft. Was eine Stimme für die Bürgermeisterwahl wert ist, erfährt man in einem benachbarten Orte. Dort knetet ein bekannter Vogelsberger Zuchtviehbesitzer den Wählern, die den Bürgermeister wieder wählen wollen, 20 Mark, wenn sie an diesem Tage sich auL dem Ort entfernen und nicht wählen.

Worms, 1. Nov. Die Wahlbeteiligung bei den vor­gestrigen Stadtverordnetenwahlen war im Allge» meinen keine sehr beträchtliche; es haben von den 6000 Wäh­lern etwa 3000 chr Stimmrecht ausgeübt, also rund 50 °/0> Immerhin war die Gesamtbeteiligung diesmal etwas stärker^ als vor drei Jahren, denn auf die damals gewählten 19 Kan­didaten vereinigten sich 39 139 Stimmen, also durchschnittlich etwa 2060 Stimmen auf jeden Gewählten, während jetzt die 13 neu gewählten Stadtverordneten 31 805 Stimmen erhielten, mithin die Durchschnittsziffer für den Einzelnen rund 2450 be­tragen würde. Bei der vorigen Wahl wurden von den auf der nationalliberalen Vorschlagsliste empfohlenen 19 Kandidaten 17 gewählt; diesmal hat die ganze nationalliberale Vor­schlagsliste gesiegt. Bemerkenswert ist der rapide Rück­gang der Stimmen der Arbeiter- oder Gewerkschafts-Partei. Während vor drei Jahren die Minoritäten meist etwa 1100' bis 1300 betrugen, bewegen sie sich diesmal nur zwischen 454 und 539 Stimmen. Nur die beiden von der freifinnigen Partei mit unterstützten Kandidaten haben es auf 717 resp. 1142 Stimmen gebracht.

b. Mainz, 1. Nov. Hier fand in Anwesenheit des Kreis­schulinspektors des Kreises Mainz eine Konferenz der Fort­bildungsschullehrer mehrerer ländlicher Bezirke statt, in der über eine zeitgemäße Umänberung der Fortbildungs­schulen beraten wurde. Nach den neuesten Bestrebungen auf diesem Gebiet soll der Fortbildungsschulenunterricht in ganz neue Bahnen gelenkt werden. Es soll nicht mehr- wie seither in der Fortbildungsschule nur theoretisches Schulwissen gepflegt werden, sondern man will die Stoffe zunächst aus dem Berufsleben der Schüler nehmen, um so ihre berufliche Ausbildung fördern zu helfen. Dadurch denkt man mehr wie bisher das Jntereffe der Schüler und Eltern wie auch der Meister für die Fortbildungsschule zu wecken und befferc Erfolge zu sichern. Demgemäß wurde in der Konferenz be­schlossen, die Klaffen der Fortbildungsschulen so abzuteilen, daß jede Klaffe möglichst Schüler desselben oder doch verwandter Berufe umfaßt. Vorerst wurd^davonAbstand genommen,besondere Lehrpläne aufzustellen da man erst die nötigen Erfahrungen sammeln will.

** Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Am 27. Oktober feierte Förster Germann in Messel fein 50jähriges Dienstjubiläum. Die Weberei Salzmann u. (Eo­in Kassel stiftete anläßlich der Feier des 25jährigen Be­stehens der Firma 50000 Mark für eine Arbeiter- Unterstützungskaffe. In Lich starb der städtische Forstwart Ludwig Uhl im 73. Lebensjahre. Er hat über 30 Jahre seinen Dienst bei der Stadt treu versehen, war allgemein ge­achtet und beliebt.

Gerichtssaal.

D. Gießen, 1. Nov. (Strafkammer.) August Wilhelm Grasso von Ostheim steht unter der Anklage vor Gericht, am 28. August bei Ostheim den Dienstknecht Wilhelm Lein- hos vorsätzlich durch Messerstiche verletzt zu haben. Der Angeklagte ist in vollem Umfange geständig. Tie Staats­anwaltschaft beantragt gegen ihn eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten unter Anrechnung von. 3 Wochen der erlittenen