stand einer ernsten und eingehenden Prüfung sein müssen, bis zu welcher Höhe man, namentlich bei der unleugbaren Krisis in Industrie und Handel, welche eine Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse naturnotwendig im Gefolge haben muß, gehen darf. Für durchaus verkehrt iM£> mit den Grundsätzen der ausgleichenden Gerechtigkeit int* Widerspruch stehend, würden wir es erachten, die Zölle auf Vieh und Getreide — die notwendigsten Lebensmittel — so zu steigern, daß dadurch der Arbeiterschaft die Lebenshaltung ungebührlich er- erschwert, oder gar unmöglich gemacht würde. Hier das Richtige zu treffen, wird die Aufgabe einer ruhigen, alle Umstände in Rücksicht ziehenden Erörterungen sein."
Zu dieser ihr unbequemen Auslassung bringt die „Augsb. Postztg." den Beruhigungsbazillus in folgender Form:
„Tiefe Auffassung wird zweifellos in dem Sinne aufgefaßt werden, als ob die „Germania" gegen die jetzt vorgeschlagene Höhe der Getreide- und Viehzölle Bedenken habe. Tas scheint uns nicht zutreffend zu sein. Taß eine ausreichende Zollerhöhung eintreten muß, darüber ist man sich im Zentrum einig. Wir halten dafür, daß die Worte der „Germania" sich an die Adresse des „Bundes der Landwirte" richten, der bekanntlich einen Zoll von 7 einhalb Mk. für das Mindestmaß dessen hält, was nötig ist. An eine solche Höhe des Zolles ist natürlich nicht zu denken."
Tas Organ der süddeutschen Konservativen, die „Südd. Landztg." macht sich die Auslassung des konservativen „Reichsboten" zu eigen, der schreibt:
„Was den näheren Inhalt des Tarifs betrifft, so bringt er zunächst in der Hauptsache, den landwirtschaftlichen Zöllen, feine Ueberraschung mehr. Es ist mit herzlichem Tank anzuerkennen, daß die Regierung diesen verbesserten Schutz der Ueberproduktion ausgenommen und in diese Vorlage umgegossen hat: aber der Schutz geht nicht über das Maß hinaus, dessen die Landwirtschaft unbedingt bedarf, und was ihr fein verständiger, staatserhaltender Politiker versagen darf. Er ist die für die konservative Partei noch annehmbare untere Grenze."
Tie „Neue bayr. Lcmdesztg.", das Organ des „Bayerischen Bauernbundes" schreibt:
„Die Landwirtschaft könnte mit der Höhe der Zölle auf Vieh, tierische Produkte usw. vollauf zufrieden sein, aber leider ist bei diesen nicht, wie bei den Getreide-- zöllen, von einer Bindung des Zolles, nach unten die Rede. Die Getreidezölle, bei denen ein Minimalsatz angenommen ist, bleiben hinter der Forderung der Landwirtschaft beträchtlich zurück, und außerdem ist die ungleiche Behandlung der einzelnen Getreidearten im Interesse unseres einheimischen Gerstenbaues schwer zu bedauern."
Die bayerische liberale Presse mit den Sozialdemokraten und der Volkspartei ist direkt gegen die Erhöhung der Zölle; eine Ausnahme macht nur die „Allg. Ztg.", die sich den Standpunkt der Konservativen, wie ihn oer „Reichsb." kundgiebt, zu eigen macht, — die „Augsb. Postztg." ihrerseits konstatiert den Gegensatz der bayerischen Zentrumspartei zu den Forderungen der „Freihändler" und der „Bündler", die „den Boden, auf dem der Zolltarif steht, im Sturm nehmen wollen, um als Sieger im zollpolitischen Kampfe der Regierung und dem deutschen Reiche ihren Willen zu diktieren", und sagt: „Im Gegensatz hierzu betrachten wir den Zolltarif als einen neutralen Boden, auf welchem die berufenen Parlamentäre der verschiedenen Jnteressenkreise sich zusammenzufinden haben, um mitten im Kämpfe der Meinungen in friedlicher (?) ernster Beratung die Ansprüche der einzelnen Parteien zu prüfen, und, soweit sie berechtigt sind, zu erfüllen." Tann aber fügt die „Augsb. Postztg." verheißungsvoll an: „Die Aufnahme, welche der Zolltarif in der Presse findet, giebt einen Vorgeschmack von den erbitterten Kämpfen, welche nm die künftigen Handelsverträge im kommenden Herbst entbrennen werden."
Dolitische Tagesschau.
Man schreibt uns aus Berlin:
Heber den Zolllarifeutwurf führt noch immer auf allen Linien der erste Aerger das Wort. Paul Marx hat dem „Tag" mit Ironie nachgewiesen, daß Niemand sich darüber beklagen könne, daß Graf Bülow nur dem Volkswillen entsprechend den Tarif abgefaßt habe, der erste parlamentarische Kanzler. Bei einer geheimen Wahl mit allgemeinem Stimm recht müsse der Reichstag doch aber als Ausdruck der öffentlichen Meinung, des Volkswillens gelten, und diesem doch unleugbar schutzzöllnerisch gesinnten Reichstag entspreche auch der Entwurf. Eine andere Stimme, die in ihrer Entschiedenheit nichts zu wünschen übrig läßt, kommt aus Nordamerika. Dort hat der „Kommiffär für Reciprocität" Busson, also einer der höchsten Zollbeamten der Vereinigten Staaten, der den Entwurf offiziell zu prüfen hat, erklärt: „der Entwurf lasse alle Möglichkeiten offen für einen Handelsvertrag mit Amerika und biete keinen Anlaß zu Retorsionen". Privat- berichte aus Ungarn melden, daß dort alles bestürzt sei. Rumänien fürchtet, die Zinsen für seine große Donaubrücke "bei Czeruawoda (20 Kilom.) rc. nicht mehr aufbringen zu können u. s. f. Aber die Kornzölle verteuern ja doch nur unser Brod, die Kornzölle in dieser Höhe machen doch nur unfern Arbeiterstand elend — wozu da die Klagen in Ungarn und Rumänien? Oder fürchtet man dort, den Zoll auf die eigenen Schultern nehmen zu müffen? Dann wären ja unsere Klagen gegenstandslos?
'Die Aufstellung der Spezialetats in den verschiedenen Reichsressorts pflegt mit dem Beginn des August erledigt zu fein. Die Instanz, der die weitere Bc- l^andlung des Reichshaushalts obliegt, ist das Reichsschatz- amt. Dessen Leiter, Frhr. v. Thielmann, hat bekanntlich bereits im Mai d. I. an gedeutet, daß der Etat für 1902 voraussichtlich ein Defizit von 70—80 Millionen Mark aufroeifen werde. Ob der Betrag in der Thal so hoch sein wird, läßt sich natürlich auch heute mit Bestimmtheit nicht sagen. Doch ein Defizit ist unausbleiblich Dieses durch Erhöhung der BeiträgederEinzel st aalen auszugleichen, würde schweren Bedenken begegnen. Die Reichstags Mehrheit steht auf dem Standpunkt, daß in die Finanzverhältnisse der Einzelsdaaten nicht durch Anforderungen seitens des Reiches Unruhe getragen werden darf. Das Reich hat also für sich selbst zu sorgen, mit anderen Worten, neue Quellen ausfindig zu machen. Damit ist nun freilich nichts Ueberraschendes gesagt, denn das Thema von den Reichsfteuer Projekten wurde schon im Frühjahr in der Presse erörtert. Man hielt damals u. a. für wahrscheinlich, daß „die Bierfchlange ihr Siaupt er-
hebeir" werde. Nun, die Regierung dürfte auch in dieser Hinsicht mit ihren Plänen nicht allzulange hinter dem Berge halten. Zolltarif .und Steuervorlagen — das kann eine interessante Parlamentssaison werden.
Von der neuesten südamerikauischeu Revolution liegen heute die widersprechendsten Meldungen vor. Die „Köln. Ztg." meldet aus Caracas vom 31. Juli: Der Insurgenten- general GarbiraS hat mit 3000 Mann die Grenze bei Cucuta überschritten und steht bei San Cristobal. Die Regierung trifft Maßregeln fzur Abwehr, die Diktatur ist proklamiert. ES wird von der hiesigen Regierung angenommen, daß die Leute des GarbiraS verkleidete columbische Truppen seien. Man rechnet hier mit der Gefahr, daß daraufhin Präsident Castro an Columbien den Krieg erklären könne. — Der „New-York Herald" meldet aus Caracas, daß in Caracas zahlreiche Personen verhaftet worden feien, unter denen sich 26 hervorragende Bürger der Stadt befinden. — Eine Meldung des Reuter'schen Büreaus aus NewAork lautet: Der Generalkonsul von Venezuela hat vom Präsidenten Castro ein Telegramm erhalten mit der Mitteilung, daß General GarbiraS an der Grenze geschlagen fei, und daß die Regierung einen glänzenden Sieg erfochten habe. — Eine Privatmeldung auS New-Dorf aber besagt folgendes: Präsident Castro von Venezuela verlangte vom Kriegsminister Pulido, daß er die Rebellen gegen die columbische Regierung unterstütze, worauf der Minister seine Demission gab. Castros Truppen erlitten einige Niederlagen.
China.
In China rühren sich die Boxer wieder; sie verkünden in Maueranschlägen den Ausbruch eines großen Aufftandes gegen die Fremden, wenn die chinesische Regierung die Haussteuer eintreiben würde, die infolge der Kriegsentschädigung notwendig geworden ist. Vielleicht nimmt man an den Stellen, die einem krampfhaften Optimismus über die Situation in Ostasien huldigen, auch diese Zeichen ganz und gar nicht tragisch; vielleicht läck>elt man über die Fanatiker unb „vertraut" der chinesischen Regierung, daß sie mit den Aufrührern schon fertig werde. Die Ge- ssandten sind einig über die Entschädigungsfrage, der erhabene Prinz Tschun ist auf dem Weg nach Berlin, eine Sühnefahrt, die bisher dem Prinzen recht angenehm gemacht wurde, die Kaiserin-Witwe hat wiederum einige entgegenkommende Edikte abfassen lassen — was verlangt man mehr! Wir befürchten, daß diese rosige Zuftiedenheit mit dem in China „Erreichten" nicht lange mehr vorhalten wird. Uni> die „Voss. Ztg." hat Recht, wenn sie den Wunsch äußert, daß man dem Sühne-Prinzen bei seinem Berliner Aufenthalt Vergnügen und Ehren recht sparsam zumessen möge.
Der Londoner „Daily Expreß" will aus Shanghai erfahren haben, England beabsichtige in nicht ferner Zeit Weihaiwei an Deutschland abzutreten, zum Dank für die Unterstützung, die Deutschland England in den Jangtse-Angelegenheiten gewährt habe. Dazu bemerkt die „K. Z.": Wir wissen nicht, worin die Verdienste Deutschlands um England in der 9)angtfefrage bestanden haben sollen, die eine bei England so überraschende Geberlaune zur Folge gehabt hätten. Auch liegen für die Thatsächlich- feit der England angedichteten Absicht ebensowenig Anzeichen vor, wie für etwaige dahin zielende deutsche Wünsche, sodaß man die ganze Geschichte ruhig auf Rechnung der sommerlichen Stille setzen kann.
Im englischen Unterhause fragte Joseph Walton au, ob es wahr sei, daß den chinesischen Kommissaren in Peking ein kaiserliches Edikt zugegangen ist, in dem gegen die übermäßige Befestigung der Gesandtschaften, insbesondere der britischen Gesandtschaft, Einspruch erhoben wird. Unterstaatssekretär Cranborne erwiderte, die Regierung habe keine Mitteilung von einem solchen Protest erhalten. Der Plan des Schutzes der Gesandtschaften sei von den militärischen Vertretern der Mächte entworfen worden, und die Derteidigungswerke der englischen Gesandtschaft bildeten einen Teil des allgemeinen Planes.
Deutsches Keich.
Berlin, 1. Aug. Aus Bergen wird gemeldet: Kaiser Wilhelm, der heute ftüh Molde verließ, ist auf der „Hohenzollern" am Abend hier eingetroffen.
— Der Kaiser und der Kronprinz haben namhafte Beträge gespendet zu der für die Stadt Glatz geplanten Errichtung eines Denkmals für den General Grafen Friedrich v. Götzen, den ruhmvollen Verteidiger Schlesiens während der Unglücksjahre 1806/7 und Generalgouverneur dieser Provinz. Auch Prinz Albrecht von Preußen, Regent von Braunschweig, und der Großherzog von Sachsen haben neben dem Erbprinzen Bernhard von Sachsen-Meiningen zu diesem Behufe Beiträge übersenden lassen.
— Nach einer Meldung des „Manchester Guardian" schreibt K a i s e r Wi l h e l m eine historische Abhandlung über die Erstürmung der Takufvrts. Die erste Auflage, die 250 Seiten umfassen soll, ist für den Privatgebrauch von regierenden Fürsten, Ministern und solchen Kommandeuren bestimmt, die an der Aktion teilgenommen haben. Tie späteren Auflagen sollen vom Buchhandel vertrieben werden. Tiefes Gerücht ist schon vor einigen Monaten einmal aufgetaucht; durch die Wiederholung in dem englischen Sensationsblatte gewinnt es durchaus nicht an Glaubwürdigkeit.
— Der Reichskanzler hat auf eine Eingabe des Bundes deutscher Frauenvereine betr. den internationalen Mädchenhandel folgende Antwort aus dem Auswärtigen Amt erteilt:
„Auf die Eingabe vom 15. Mai teile ich Ihnen mit, baifj' die Frage der Bekämpfung des internationalen Mädchenhandels von der kaiserlichen Regierung seit Jahren mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt wird. Es ist anzunehmen, daß, falls es zur Berufung eines Kongresses zum Zwecke der Unterdrückung dieses Handels kommen sollte, Deutschland sich daran in demselben Umfange beteiligen wird, wie die Regierungen der anderen Länder. Dem Bunde deutscher Frauenvereine kann nur anheimgestellt werden, wenn er an der Frage Interesse nimmt, sich mit dem Deutschen Nationalkomitee zu internationaler Bekämpfung des Mädchenhandels in Berlin in Verbindung zu setzen."
—, Ter „Reichsanzeiger" widmet dem verstorbenen Kultusminister Dr. Bosse.einen Nachruf, worin es heißt: In allen Aemtern, die er im preußischen Staatsdienst und im Reichsdienst bekleidete, ergriff der Verewigte die ihm anöertrauten Aufgaben mit Wärme und setzte an ihre Durchführung nicht nur die ganze Kraft seines Geistes,
ienbern auch die ganze Liebe seines von hohen Idealen erfüllten Herzens. Ter „Reichsanz." weist auf die Verdienste des Verstorbenen hin, während seiner Thätigkeit im Reichsamt des Innern, an der Spitze des Reichsjustizamts, als Vorsitzender der Konimission für Ausarbeitung des bürgerlichen Gesetzbuches, sowie als Kultusminister, und schließt: Unvergeßlich werden allen, die mit ihm amtlich! und auheramtlrch in Berührung kamen, die schonen Eigenschaften echter Humanität bleiben, die ihn auszeichneten. Mit reichem Wissen und größter Vielseitigkeit der geistigen Interessen, die auch in reger litterarischer Betätigung ihren Ausdruck fand, verband sich ein seltenes Matz menschlicher Güte. Mit dem Andenken an den pflichttreuen, in hohen Stellungen bewährten Staatsmann, wird sich daher stets die Erinnerung an einen lauteren, christlichen Charakter und treuen deutschen Mann verbinden.
Der nach Berlin einberufene Ausschuß des „H an - d e l s v e r t r a g s v e r e i n s" (beschloß einstimmig, einen Ausruf zu erlassen, „der zum Kamps gegen den die wirtschaftliche und politische Machtstellung unseres Vaterlandes und die Lebensinteressen weitester Kreise bedrohenden Zolltarif auffordert".
v- Behufs Stellungnahme zum Zolltarif, dessen einzelne Posiftonen auf die fernere Entwickelung der verschiedenen Gewerbe von wesentlichem Einfluß sind, wollen die Handwerker der verschiedenen Branchen, in erster Linie die Schlächter- und Bäckermeister, besondere Versammlungen ihrer Innungen einberufen. Die Meinung über die vorgeschlagenen neuen Zollsätze ist in Jnnungs» kreisen sehr geteilt. Eine Gruppe von Bäckermeistern, die der Innung Concordia nahesteht, ist entschieden Gegnerin erhöhter Getreidezölle, während in der Germaniainnungs die Bestrebungen, höhere Zollsätze einzuführen, unterstützt werden .
— Wie jetzt bekannt gegeben wird, haben vom 1. August ab sämtliche Rückfahrtkarten nach London, sowie auch im Verkehr mkt Dänemark und Schweden eine fün fundvierzigtägige Giltigkeit.
Hamburg, 1. August. Am 5. ds. Mts. findet eine "außerordentliche Versammlung der Bürgerschaft statt, in der der Senat die Verleihung des hamburgischen Ehrenbürgerrechts an den Generalfeldmarschall Grafen von Waldersee beantragen wird.
Friedr ichsr u he, 1. August. Heute mittag wurde in der Pruftkapelle eine Trauerfeier für das Fürstenpaar Otto Bismarck Und den Grafen Wilhelm abgehalten^ Außer den Familienangehörigen nahmen daran teil die fürstliche Beamtenschaft und die Post- und Eisenbahn- beamten von Friedrichsruhe unb Schwarzenbeck. Die Predigt hielt Pastor Westphal-Brunstorf.
Ausland.
Paris, 1. Aug. Nach einer Meldung der „Libre Parole" aus Besauyon landete gestern ein deutscher Luftballon in der Gemarkung MeSlai bei dem Städtchen Arbois im französischen Jura. Don seinen angeblichen 5 Insassen sollen 2 verschwunden sein, die übrigen 3 seien dem Staatsanwalt vorgeführt und in Verwahr gehalten worden. Mau vermutet, daß es aus dem Großherzogtum Baden gekommene Offiziere feien.
Konstantinopel, 1. Aug. In der Angelegenheit der für das serbische Generalkonsulat in UeSküb bestimmten von den Zollbehörden beschlagnahmten Postsendungen erklärte der Minister des Aeußeren, Tewfik Pascha, daß die betreffenden Sendungen gegen Empfangsbestätigung seitens des serbischen Gesandten, Gruitsch, ausgeliefert werden sollen.
Tanger, 1. Aug. Der marokkanische Botschafter Menebhi ist am 27. Juli von Mazaqan nach Marrakesch abgereist, wo er am 29. Juli eingetroffeu sein dürfte. Sein Begleiter, Kaid Mac Lean, blieb zurück, wird ihm aber sofort nachfolgen, wenn die nötigen Reit- und Lasttiere zur Stelle sein- werden. Es ergiebt sich schon hieraus, daß die Gerüchte über die Verhaftung des Botschafters Menebhi unzutreffend sind. Sie waren auch von vornherein unwahrscheinlich, da man nicht anuehmen konnte, daß der Sultan einen Botschafter, den er eben noch unter Gnadenbeweiseu an zwei mächtige Höfe entsandt hatte, nun plötzlich werde verhaften laffen. Entstanden ist das Gerücht vielleicht dadurch, daß in Marrakesch ein Wechsel im Kriegsministerium stattgefunden hat.
Aus Stadt und Land.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist »Ur unter genauer Quellenangabe: „Gtetz. gestattet.)
* Unser Regiment hält seit gestern auf den hiesigen Schießständen Preisschießen ab. Nachdem gestern daS 1. Bataillon Preisschießen hatte, beteiligen sich heute und morgen die beiden anderen Bataillone daran.
Radfahrerfest des G. R. V. 1885. Interessenten seien darauf aufmerksam gemacht, daß die Preise zu dem am Sonntag beim SchützenhauS stattfindenden Großen Rad- fahrerfest des G.-R.-V. 85 in dem Schaufenster des Herrn Aug. Kretzschmar am Marktplatz ausgestellt find..
-r. Zur Statistik der evangelischen Kirche. Im Jahre 1900 find zur evang. Landeskirche im Großh. Hessen über- getreten in Starkenburg 43 Katholiken und 4 Juden. Aus- getreten find 4 Evangelische zur römisch-katholischen Kirche, 4 zur freireligiösen Gemeinde, 6 zu den Jrvingianern. Irr Oberhessen traten zur evang. Kirche über 20 Katholiken, 11 Alt-Lutheraner und 1 Baptist; ausgetreten zu den Baptisten ist 1 Evangelischer. In Rheinhessen find 48 Katholiken, 14 Freiprotestanten und 1 Konfessionsloser zur evang. Kirche übergetrelen. Ausgetreten sind 3 Evangelische zum Katholizismus, 1 zu den Mennoniten und 1 zu nichts.
WH. Familientag. Am 29. und 30. Juli feierte hier die in Hessen und über die Grenzen unseres Landes weitverzweigte Familie Bernbeck ihren 16. Familientag. In Verbindung mit der letzten Zusammenkunft wurde das 25jährige Jubiläum des Familienbundes und des Korrespondenzblattes gefeiert. Seit dem Jahre 1876 haben in Zwischenräumen von 1, meist 2 Jahren Familienfeste, und zwar sämtlich in Gießen, stattgefunden. Bemerkenswert ist, daß die Familie Bernbeck die einzige in der Welt ist, die seit 25 Jahren ein monatlich erscheinendes, gedrucktes Korrespondenzblatt besitzt, das nur Familiennachrichten enthält. Die Dorversammlung im Hotel Viktoria beschästtgte sich mit Wahlen und den Institutionen der Familie. Am. Haupttage waren in Steins Garten zum Festessen zirka 130 Personen vereinigt. Die Zahl der Teilnehmer erhöhte sich am nachmittag noch um einige. Gestern fand im Philosophen--


