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151« Jahrgang
9h-. 103 Erstes Blatt.
Freitag 3. Mai 1901
mit meiner
OMnMm, eRnbition und
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Me frei. Wattstunde" m«.
*** »«chintttih betgelegt.
in strengster Einzelhaft gehalten. Ich nach der Teufelsinsel, einem man früher die ^Aussätzigen in
dem Augenblick meiner Ankunft Vorschriften:
1895.
von der ich
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wurde dort einen Monat Am 13. April endlich kam kahlen Felsen, auf dem terniert hatte.
Ich stund dann Dow bis 1895 unter folgenden
Von der Insel Re nach dem Wiedersehen Frau:
Insel Re, 21. Februar (Am Tage meiner Deportation,
alle zwei Stunden abgelöst wurde. Weder Tag noch Nacht durfte man mich aus den Augen verlieren, und ich hatte zu diesem Zweck sogar nachts Licht in meiner Zelle.
Nachts wurde die Vorraumthüre von innen und au Herr geschlossen, so daß alle zwei Stunden bei der Ablösung, ein infernalisches Geräusch von Schlüsselrasselu und Eisenklirren entstand.
Fünf gewöhnliche Wärter und ein Oberwärter hatten den Dienst bei mir. Unter Tags war mir gestattet, mich auf einem Raum von ca. 200 Quadratmetern, von der Landungsstelle bis zu dem Thälchen, in welchem früher das Kampemeut der Aussätzigen gewesen, frei zu bewegen; ich durfte diese Grenze nicht überschreiten, wenn ich nicht riskieren wollte, Zellenhaft zu bekommen. Auch auf bem Spaziergang wurde ich von meinem Wärter auf das Schärfste bewacht, man hatte ihn mit einem Revolver, später noch mit Gewehr und Patronengürtel ausgerüstet. Es war mir offiziell untersagt loorden, irgend einen Menschen anzureden.
Zuerst bekam ich die Ration der Kolonialtruppen ohne Wein, ich mußte mir selber kochen und überhaupt mich in jeder Beziehung allein bedienen.
ttigltch mit ‘Sttieefrwt W Montag«.
Bit freier Familien- Wtt<« *HTb<H bem An-
Adreffe für Dtpef*mi Anzeiger Sietzen. Fernsprechanschluß #«.M_
Bekanntmachung.
Betr.: Maul- und Klauenseuche.
Zu Groß-Sarbeu und Büdesheim, Kreis Friedberg, ist die Seuche wieder erloschen.
Gießen, den 1. Mai 1901.
Großherzogliches Kreis amt Gießen.
v. Bechtold.
Tie ersten Tage der Ueberfahrt brachten entsetzliche Leiden, die Kälte in der offenen Zelle war fast nicht mehr zu ertragen, der Schlaf in der Hängematte beinahe eine Unmöglichkeit. Ich erhielt als Nahrung die Ration der Sträflinge, in Konservenbüchsen serviert. Tags hatte ich einen eigenen Wächter, der mich nicht aus den Augen lassen durfte, nachts wurden mir zwei Wärter mit Revolver an der Seite beigegeben, denen streng verboten war, ein Wort mit mir zu wechseln.
Nach dem fünften Tag durfte ich unter doppelter Bewachung eine Stunde aus der Kommandobrücke zubringen, nach dem achten Tage wurde die Temperatur milder, dann sehr warm. Ich fand heraus, daß wir uns dem Aequator näherten; wohin die Fahrt ging, wußte ich aber immer noch nicht.
Nach einer vierzehntägigen, unsäglich traurigen Ueberfahrt langten wir am 12. März 1895 in der Rhede der Salut-Inseln an, ich ahnte, wo wir uns befanden, da ich hier und da einmal ein Wort der Wärter aufgefangen hatte, die sich darüber unterhielten, wo sie stationiert sein würden. Sie nannten dabei öfters Oertlichkeiten von Guayana.
Ich hoffte so sehr, daß man mich sogleich ausschiffen werde. Aber vier Tage lang mußte ich in meiner Zelle in einer wahren Bruthitze aushalten, ohne auch nur die Brücke betreten zu dürfen, denn man war auf mein Kommen auf der Insel gar nicht vorbereitet gewesen und mußte nun in aller Eile alles organisieren.
Am 15. März vertauschte ich die Zelle im Schiff mit einer Zelle für Galeerensträflinge auf der Königsinsel und
Deutscher Reichstag.
Berlin, 1. Mai.
Am Bundesratstiscye befinden sich Staatssekretär Wie- berding und Kommissare.
Ter Präsident Graf Ballestrem erbittet und erlitt die Ermächtigung, dem Kronprinzen zu seinem Geburtstage die Glückwünsche des Hauses auszusprechen.
Es folgt die Fortsetzung der dritten Beratung des Gesetzentwurfs betreffend Urheber- und Perlagsrecht.
Tie §§ 12 bis 15 werden ohne Debatte a n g e n o m m e n. § 16 wird mit einer vom Abg. Arendt beantragten redaktionellen Aenderung angenommen und ferner die Doppel- Paragraphen 17 und 18 nach den Beschlüssen der zweiten SefU3u § 19 beantragt Abg. Wetlftein (Ztr.) folgenden Antrag: Zulässig ist die Vervielfältigung, wenn die ®e> dachte nach Erscheinen in einer Sammlung ausgenommen sind und wenn die Werke von Schriftstellern in großer Zahl bereinigt, und ihrer Beschaffenheit nach, zur Benutzung bei Gesaugsvorträgen bestimmt sind. Wellstein erklärt, der Antrag sei in zweiter Lesung versehentlich abgelehnt worden durch den Antrag, wodurch Kommers- und Liederbücher geschützt loerden.
Abg. Hasse (ul.) begründet einen Antrag, wonach die Vervielfältigung zulässig ist in Sammelwerken zu eigentümlichen litterarischen Zwecken. .
Abg. Fischer (Soz.) begründet einen sozialdemokratischen Antrag, wonach die Vervielfältigung zulässig ist, wenn einzelne Gedichte nach ihrem Erscheinen in eine Sammlung zu eigentümlichen litterarischen Zwecken ausgenommen werden und die Werke einer großen Anzahl Schriftsteller vereinigt, jet>odi. bedarf es, so lange der Urheber lebt, dessen persönlicher Einwilligung.
Abg. Müller-Meiningen (fr. Vp.) beantragt, falls der Antrag des Abg. Hasse angenommen werde, dem § 19 folgenden Zusatz zu geben: Bei Veranstaltungen zu einem eigentümlichen litterarischen Zweck bedarf es, so lauge der Urheber lebt, dessen persönlicher Einwilligung.
Abg. Derlei (kons.) spricht sich für den Antrag des Abg. Wellenstein aus. Es sei Pflicht und Billigkeit, daß man den Autoren bei ihren Lebzeiten die Möglichkeit giebt, die Aufnahmen ihrer Gedichte in Anthologien zu Der* h^Abg. Beckhffr. Vp.) bittet, den Antrag nach der Fassung der zweiten Lesung anzunehmen. .
Rach weiteren Bemerkungen der Abgg. Arendt (Rp.) und Wellenstein (Ztr.) wird der Antrag Hasse mit den Zusatzanträgen Müller-Meiningen und Bertel angenommen, ebenso der Antrag WeNenstein. Dadurch erledigt sich d.r sozialdemokratische Antrag.
§§ 20 bis 33 werden nad), den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen. ß aQ , K.
Abg. Richter (fr. Vp.) beantragt, Dort § 33 ab die Beratung des Urhebergesetzes heute auszusetzen, da die nächsten "Paragraphen sehr wichtige, prinzipielle Bestimmungen enthielten. , . ,
Ta namentliche Abstimmungen beantragt werden, beschließt das Haus demgemäß ~ „
Das Verlagsrecht wird aus Antrag des Abg. Wellenstein en bloe angenommen.
Es folgt die Abstimmung über die zum Reichs - baushaltsetat pro 1901 gestellten und diskutierten Etats-Resolutionen. Die Resolution Beckh- Loburg über den Vogelschutz wird angenommen, ebenso die Resolutionen Münch-Ferber über die Subventionierung einer Zentral-Auskunstsstelle, Müller-Fulda über die Erhöhung der Gehälter des MUitär-Veterinärpersonals und von Carmer betreffend Tienftprämien für Unteroffiziere mit aufgelaufenen Zinsen. -
Abgelehnt werden die Resolutionen betreffend' die Einsetzung einer Kommission zur UnterM^ ung der Beziehungen zwisen ReiWamt de 3 uni) und dem Zentralverband .deutscher industriell ' chp Müller-Sagcm betreffend die Verbilligung und fachung der Güter- und Personentarife der ^nuuy des Reichsgebiets.
vorher keine Ahnung hatte.)
Wenn ich Dich vor mir sehe, ist die Zeit so kurz, und vor lauter Angst darüber, daß die Minuten mit einer Schnelligkeit enteilen, die mir ganz fremd geworden, seit mir die übrigen Stunden so unendlich lang erscheinen, vergesse ich die Hälfte von dem, was ich Dir sagen wollte.
Ich wollte Dich fragen, ob Du gut gereift bist, ob Du ruhige See gehabt. Ich wollte es Dir aussprechen, wie groß meine Bewunderung für Deinen vernehmen Charakter, für Deine unvergleichliche Hingebung ist.
Und von den Kindern hätte ich so gerne recht ausführlich gesprochen. . . .
Ich werde, wie ich Dir gesagt, mein möglichstes thun, um das empörte Klopfen meines erbitterten Herzens zu beherrschen, um dieses entsetzliche, endlose Martyrium zu ertragen, damit ich mit Euch gemeinsam den glücklichen Tag meiner Rehabilitierung anbrechen sehe. Alfred.
•
* *
Beim zweiten Besuch hat meine Frau vergebens inständig darum gebeten, daß man ihr die Hände auf den Rücken binden möge, damit sie sich mir nähern und mich küssen könne; der Direktor verweigerte es ihr kurz und rauh.
Am 21. Februar sah ich meine Frau zum letzten Mal. Sie war von 3—3 Uhr bei mir gewesen, und ohne daß man ihr oder mir ein Wort mitgeteilt hätte, befahl man mir sofort nach ihrem Weggang, daß ich mich reifefertig zu machen, das heißt, meine Effekten zusammen^upacken habe.
Noch einmal entkleidete und untersuchte man mich, dann wurde ich unter Begleitung von sechs Wächtern nach dem Quai gebracht. Dort schifften wir uns in eine Dampf - schaluppe ein, die gegen Abend in die Rhede von Rochefort einlief. Hierauf kam ich direkt in das Transportschiff „Saint-Nazaire". Kein Wort wurde zu mir gesprochen, nicht die leiseste Andeutung über den Ort gemacht, an den man mich bringen wollte.
Auf dem „Saint-Nazaire" schloß man mich in ein vor der Kommandobrücke befindliche Deportationskabine ein, die nach außen hin ein einfaches Gitter hatte. Es war beinahe 14 Grad Kälte und eine dunkle, unheimliche Nacht. Man warf mir eine Hängematte in meinen Käfig und dachte nicht daran, mir irgend welche Nahrung zu reichen.
armer, geliebter Mann, mitgenommen haben, da Du von meinem Kommen nicht benachrichtigt worden bist. . . .
Die Bedingungen, die man an unser Wiedersehen knüpfte, waren aber doch unsagbar grausam! Seit vier Monaten sind wir getrennt, und sich bann nur von weitem sprechen zu dürfen, das ist unerhört! Wie gerne hätte ich Dich ans Herz gedrückt, Deine lieben Hände erfaßt, Dich, den armen Einsamen, ein wenig erwärmt. . .
Ach, wie es mir das Herz zerriß, als ich Saint-Martin verließ und mich wieder von Dir entfernte. . . . Lucie.
Amtlicher Teil.
Gießen, 1. Rai. detr.: Die Vertilgung der Raupennester.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
arr die Großh. Bürgermeistereien deS Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 4. Februar l. IS. (Gießener Anzeiger Nr. 32) noch nicht nachgekommen find, werden an deren Erledigung wiederholt erinnert.
v. Bechtold.
Bejugsprtis oientiji** Ml. 2.20, inonatl. 75 Pß». mit Brmgerlohn; durch M Abholrftcllrn vierlkljähN. Ml. 1.90, inonatl. 65 «G.
Lei Postbezug üiertel{*frrl. Ml. 2.00 ohne Bestell-«»
All« ilnjeiatn CermtmuneO» ftcHen ke< In- und «uSHeW nehmen Ulnjcigcn für Hb Vtetzener Anzeiger tntgWB. ZeUenprets lokal 11 Pit.
euBBärt« 80 <He-
Tie mir angewiesene Behausung aus Stein maß vier Meter im Geviert und hatte vergitterte Fenster. Tie Thüre hatte eine einfach vergitterte Deffnung, welche auf einen Vorraum von 2 Mater Breite und 3 Meter Sänge ging, und dieser Vor raum war durch eine schwere massive Holz- thüre abgeschlossen. Dort war ein Wächter stationiert, der
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Bekanntmachung.
Die Proviuzialfohlerrweide bei Merlau.
Ter Weidebetrieb auf der genannten Anstalt beginnt in diesem Jahre am 1. Juni. Die Fohlen müssen an diesem Tage Zwischen 10 und 2 Uhr mittags daselbst mit gezeichneter Halfter und Kette, sowie mit Gesundheitsschein der betr. Großherzogi. Bürgermeisterei, oder eines approbierten Tierarztes abgeliefert werden. Die Weidezeit dauert bis gegen Ende September je nach den Witterungsverhältnissen dieses Monats.
Die Fohlen erhalten neben dem Weidefutter auf circa 34 Hektaren Waldfläche, wozu jetzt noch ca. 2 Hektar freies (ve lande einbezogen worden ist, jeden Morgen vor Austrieb 4 Pfund Heu, abends 3 Pfund Hafer, sodann Grün- ftrtter von Kleegras ev. Wickfutter auf die Raufen. Jeder Besitzer kann jedoch Haferzusatz in Natur ober durch Bezahlung geben lassen.
Tas Weidegeld für die bezeichnete Zeit von 4 Monaten beträgt pro Fohlen 55 Mark und muß die Hälfte beim Eintrieb, die andere Hälfte vor dem 1. August an den Rechner des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen: Herrn Stadtrechner Schreiner in Laubach, bezahlt werden. Die Besitzer ' der Fohlen können ihre Tiere wegen begründeter Verhältnisse zu jeder Zeit zurücknehmen und bezahlen dann nur für die entsprechende Weidezeit. Kranke und bösartige Tiere, sowie über eineinviertel Jahr alte Hengste, welche die anderen Tiere stören, werden ausgeschlossen.
Die Aufsicht über die Anstalt führt eine von dem Prvvinzialverem ernannte Kommission, bestehend aus den Herren Oberverwalter Beilstein-Laubach, Gutsbesitzer Müller-Neuhof bei Lang-Göns und Mühlenbesitzer Zimmer sen.- Bingmühle bei Lauter, von welchen Herren auch sonstige Auskunft erteilt wird. Anmeldungen sind schriftlich gleichfalls an diese Herren, oder an die Geschäftsstelle des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen in Alsfeld, zu richten.
Hardt-Hof, den 4. April 1901.
Ter Präsident hes landw. Vereins für die Provinz Oberhessen. S ch l e n r e.
Die Memoiren von Alfred Dreyfus.
Meine Frau hatte die Erlaubnis erhalten, mich zweimal wöchentlich au zwei aufeinander folgenden Tagen je eine Stunde besuchen zu dürfen. Zum ersten Mal sah ich sie am 13. Februar, ohne daß man mich davon b en ach richtigt hätte. Ich wurde auf die Kanzlei geführt, die sich in der Nähe der Ausgangsthür zu meinem Hof befindet; es ist das ein langer, schmaler, weißgetünchter, kahler Raum. Meine Frau saß im Hintergrund, der Direktor des Gefängnisses in der Mitte des Zimmers zwischen meiner Frau und mir. Ich mußte bei der Thüre stehen bleiben, die innen und außen von Wärtern bemacht wurde.
Der Direktor teilte uns mit, daß es uns nicht gestattet sei, irgend etwas in unserem Gespräch zu berühren, was sich auf den Prozeß beziehe.
Obgleich wir tief verletzt waren über die grausamen Bedingungen, die man uns gestellt, trotzdem wir in wahrer Todesangst empfanden, wie die Minuten uns enteilten, erfüllte uns doch ein inniges Glücksgefühl, als wir uns wiederfahen. Tie Situation war aber zu schmerzlich, als daß man sie mit Worten schildern könnte. Aber einen wahren Trost schöpften wir doch daraus: wir fühlten, daß unsere Seelen zusammengeflossen, daß unser aller Wille, unser aller Intelligenz nur noch einem Ziel entgegen- frrebte: der Entdeckung der Wahrheit, des Schuldigen.
Meine Frau besuchte mich hierauf am 14. Februar und reifte dann nach Paris ab.
Am 20. Februar kehrte sie nach der Insel Re zurück, und wir sahen uns am 20. und 21. Februar zum letzten Mal.
Von meiner Frau nach ihrer Rückkehr nach Paris: Paris, 16. Februar 1895.
Wie waren wir beide bis in die tiefste Seele erschüttert durch unser Wiedersehen, wie muß es besonders Dich,


