Ichen Kaisers und am 9. Dezember kam endlich das Amerikanische Kriegsschiff, der „Marmorkopf", auf welches der Präsident so sehnsüchtig gewartet hatte, eine Halde Stunde später auch ein französisches; ein italieni- Iches und zwei englische wurden noch erlvartet. Wenn all diese fremden Schiffe am 6. Dezember im Steifen von Port au Prince gewesen wären, so hätte der Handstreich der deutschen Schulschiffe nicht stattfinden können; die fremden Konsuln und Minister hätten alsbald mit den Kapitänen iyrer Schiffe einen Kongreß, dieser hätte das übliche Komplott bei Neutralen gegen die Deutschen gebildet und der Präsident hätte Mittel und Wege gefunden, der Züchtigung, die er verwirkt hotte, doch zu entschlüpfen. Aber die Deutschen waren eben früher aufgestanden, als die anderen „Bereit sein ist alles", hieß es auch hier; die Deutschen waren bereit, und als die andern kamen, war alles vorbei. Bn Port an Prince wußten die Deutschen, daß der Minister olon Menos von Powell, dem Vertreter Amerikas, das Versprechen hatte, er werde dafür sorgen, daß kein Schuß hegen Haiti fallen würde, und dies hatte eben den Präsidenten zu seinem Troß ermutigt.
Jetzt fehlte nur noch die Bestrafung der Schuldigen. Der Schuldigste von allen war Pierre Frederique, der Redakteur des Blattes L'Jmparcial, der mit seinen Schimpfend Mordartikeln bei einem Haare ein Gemetzel unter den Deutschen zu stand gebracht hätte. Gr war noch am 6. Dezember verhaftet und an Bord eines haitianischen rkriegsschiftes gebracht worden, wo man ih» ohne »umständliches Verfahren hätte aus der Welt -schaffen können. Aber bei der Kunde von seiner Verhaftung entstand unter seinen Freunden und Gesinnungsgenossen eine solche Bewegung, daß ein Aufruhr befürchtet werden mußte. Da fuhr der Graf Schwerin zum Präsidenten und bat ihn, hm der Kolonie und um seinetwillen den Mann nicht zu bestrafen und diese Einsprache hat ihm das Leben gerettet. Ob er's den Deutschen gedankt hat, weiß ich nicht. Gewiß ist:
Ter Sieg der Deutschen war so vollständig gewesen, daß er nur gewinnen, nicht verlieren konnte durch einen Gnadenakt, wie ihn nur der wahrhaft Starke sich gestatten kann.
Ich habe Ihnen diesen Hergang erzählt nach den Berichten von Augenzeugen, unter denen derjenige der „Post"
der ausführlichste war. Jede Einzelheit in diesem Hergang spricht für sich selbst und sagt über den Geist unserer Diplomatie wie über die Schneide unserer Flotte mehr als alles nachträgliche Gerede darüber sagen könnte.
An demselben 6. Dezember, an dem diese FlottenÜ)at sich ereignete, entwickelte vor dem Reick)stag zu Berlin der Staatssekretär Graf Bülow die Grundsätze der neuen Weltpolitik in den Worten: In Abenteuer wollen wir uns nicht stürzen, aber — das müssen wir allerdings verlangen, daß der deutsche Missionar und der deutsche Kaufmann, die deutsche Ware, die deutsche Flagge und das deutsche Schiff in China gerade so geachtet werden, wie diejenige anderer Mächte. Wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne. In Osb- asien und in Westindien werden wir bestrebt sein, getreu den Ueberlieferungen der deutschen Politik, ohne unnötige Schärfe, aber auch ohne Schwäche unser Recht und unser Interesse zu wahren."
In den Kampf, der an eben diesem 6. Dezember im Reichstag um den Neubau unserer Kriegsflotte begann, war der Kaiser selbst höchstpersönlich eingetreten mit dem ganzen feurigen Ungestüm seines Temperamentes und mit der ganzen begeisterten Zuversicht, die ihm der Glaube einflößt an die Sendung, die er als der Seemann unter den Monarchen, und als der Monarch unter den Seemännern unzweifelhaft empfangen hat. Eingeleitet hat er ihn mit den zündenden Kaiserworten: „Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser"; „Bitter not thut uns eine starke deutsche Flotte"; „Seegewalt ist Reichsgewalt und Reichsgewalt ist Seegewalt . Und siegreich hat er ihn durchgeführt. Tas neue Flottengesetz, das er am 10. April 1898 vollzog, durfte er als ein erstes Votum des Tankes und Vertrauens betrachten, das ihm durch den Reichstag das deutsche Volk selber darbrachte. Diesem Votum schloß die Fremde draußen sich unwillkürlich an, als sie den Neubau der deutschen Flotte, der hier eben erst beschlossen war, behandelte, als ob er schon vollendet wäre. Das zeigte der glanzvolle Empfang, den der Kaiser von China dem Prinzen Heinrich in Peking bereitete (13. Mai 1898). Das zeigte das Verhalten des stolzen Englands, das, allerdings durch den Verlauf des Burenkrieges schwer getroffen, sich in zwei Fragen hintereinander, in der Samoa frage und
in der Frage der Reichspostdampfer von Seiten Deutschlands amtliche Vorstellungen und öffentliche Beschwerden gefallen ließ, wie sie ihm so ernst und nachdrücklich noch niemals von uns geboten worden waren und uns in beide« Fällen schließlich volle Sühne und Genugthnnna leistete, unter entschiedener Verleugnung dessen, was es rurz vorher selbst gethan und weit über das Maß oon Entgegenkommen hinaus, das wir eben noch für möglich gehalten hatten.
Ich fasse mich zusammen. Was immer uns auf den Wegen der neuen Seepolitik an Unfällen und Enttäuschungen nod) bevorstehen mag, gewiß ist, rückwärts können wir nicht. Ter Schritt über den Rnbico ist geschehen, er kann nicht mehr zurückgethan werden. Es ist so wie der Generalmajor v. Hoepfner es ausdrückte, als er am 4. Juli 1900 unseren Seebataillonen bei der Ausreise von Wilhelmshaven zurief: „Jetzt keinen Blick rückwärts wehr! Vorwärts» mit Gott!"
Und dies „Vorwärts!" dürfen wir auch in voller Zuversicht wiederholen. Denn, auf der Kommandobrücke deS deutschen Reiches steht ein großer und edler Monarch, mit dem weiten Blick und der festen Hand einer echten Herrscherseele und mit dem freudigen unerschütterlichen Glauben an die Zukunft des deutschen Reiches und an die Jugend des deutschen Volks, den er eben bei der feierlichen Einführung seines hochbegabten Kronprinzen auf der Universität Bonn In einer denkwürdigen Rede ausgesprochen hat. Zu diesem jungen Deutschland gehört auch unser allergnädigster Landesherr, Großherzog Emst Ludwig, früher auch ein Hörer an unserer ahna mater, jetzt ihr fürsorgender Rector Magnisicentissimus. Auch Er eirt*treuer Verbündeter S. M. des Kaisers in seiner Arbeit am Neubau der deutschen Flotte, der Schirmherr unseres Vereins von den Tagen seiner Gründung an, unter dessen Borantritt wir im vorigen Jahre die Marine-Ausstellung in Darmstadt eröffnen durften, die für die Ausbreitung unseres Vereins im Lande Hessen so durchschlagend gennrrt hat. Wir können unserer heutigen Versammlung, der ersten, die unseren Landesverein festlich zusammenführt, keine würdigere Weihe geben, als inoem wir rufen: S. M. der Kaiser und König Wilhelm II. und S. K. H. der Grvßherzog Emst Ludwig von Hessen und bei Rhein, sie leben hoch! hoch! hoch?
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II. a) An die Musik (Schober), b) Die Taubenpost (Seidl), o) Fischer- weise (Schlechte), d) Ahnde (Rochlitz) von Fr. Schubert.
III. a) Der Musikant (Eichendorf!), b) Heimweh (Morike), c) Auf ein altes Bild (Mörike), d) Denk es, o Seele (Mdricke), e) Fussreise (Mörike) von Hugo Wolf.
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