Ausgabe 
3.4.1901 Zweites Blatt
 
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'marodierende chinesische Soldaten und Boxer hervorgerufen worden. General Kaulbars ließ die Militärposten auf der Eisenbahn strecke von Chardin bis Tschangthufu verstärken und ersuchte den General-Gouverneur Grodekow, ihm größere Truppenabteilungen nach Chardin zu senden, da im Frühjahr ein allgemeiner Wiederausbruch der Boxer­bewegung erwartet werde. Die gesundheitlichen Verhältnisse in Tsitsikar sind infolge Umherliegens zahlloser Leichen getöteter und Hungers gestorbener Chi- uefen und Mandschuren sehr ungünstig. Die russische Garnison hielt es in der Stadt nicht mehr aus, und mußte außerhalb auf der Höhe ihr Lager aufschlageu.

Ter ehemalige französische Marineminister Lockroy weist in einemDie Deutschen in China" betitelten Ar­tikel imTemps" auf die wirtschaftliche und militärische Bedeutung hin, welche Deutschland dem Äiautsck-vugebiete zu geben wußte. Er sagt: Deutschland habe in dem kurzen Zeitraum von drei Jähren in China so festen Fuß gefaßt, daß man es von dort nicht mehr verdrängen können würde, es habe einen gut besuchten Hafen geschaffen, eine kleine Stadt gegründet, mit Deutschen bevölkert, mit Verteidigungswerken umgeben. Auch habe es Eisenbahnen, Straßen und Schiffswerften gebaut. In 20 Jahren riß es einen großen £eil des Handels Ostasiens an sich, und wurde selbst für' England ein hochgefährlicher Konkurrent. Es hat für seine Industrie Absatzgebiete geschaffen, deren Bedeutung augenblicklich gar nicht zu ermessen ist. Es arbeitet erfolgreich an der friedlichen Eroberung Chinas; dies ist für Viele ein beachtenswertes Beispiel von Kolonial- und Handelspolitik.

Deutsches Mch.

Berlin, 1. April. Der Kaiser nahm heute vormittag die Meldung des Oberlandsorstmeisters Wesener und des Oberforstmeisters für den Regierungsbezirk Gumbinnen v. Alten entgegen und besichtigte heute vormittag im Reichs­marineamt ein Maschinenmodell.

Ter Reichskanzler Graf v. Bülow hat einen kurzen Osterurlaub angetreten, den er in Oberitalien zu verleben gedenkt.

In Hofkreisen erhält sich das Gerücht, daß der jetzige Gouverneur von Berlin, General v. B o m s d o r f, demnächst z u r ü ck t r e t e n werde; als sein voraussicht­licher Nachfolger wird der Chef des Militärkabinetts, Generaloberst v. Hahn re, genannt, der seinerseits wie­derum durch den Generalmajor Grafen v. Hülsen-- feier ersetzt werden soll.

Dem Reicks tage ist der Gesetzentwurf über die Annahme einer Garantie des Reichs in Bezug auf die Eisenbahn von Dar-es-Salaani nachMrogoro zugegangen. Zum Bau und zum Betriebe einer Eisenbahn von Dar-es-Salaam nach- Mrogoro wird den Anteils­eignern einer zu bildenden ostasrikonischen Eisenbahn-Ge­sellschaft die Garantie des Reiches für eine Verzinsung des in diesem Unternehmen anzulegenden Kapitals bis' zur Höhe von 24 Millionen Mark mit 3 pCt. und die Zahlung des um 20 PCt. erhöhten Nennbetrages der je­weilig ausgelosten Anteilsscheine bewilligt. Bergegeben ist dem Gesetzentwürfe eine Bau- und Betriebskonzession für die ostafrikanische Eisenbahngesellschaft; die einzelnen Be­stimmungen dieser Konzession sind im wesentlichen bekannt. Ferner ist beigefügt ein Tilgungsplan und die Satzungen der zu gründenden Gesellschaft. Es wäre vielleicht besser gewesen, die Angelegenheit, die doch so entsetzlich eilig nicht ist, bis in die nächste Session zu verschieben. Wir Haden in dieser Session wichtigere Sachen zu erledigen.

DieBerl. Korresp." schreibt: Der Berliner Gymnasiallehrer-Verein hat in seiner Märzsitzung einstimmig einen Beschluß gefaßt, in dem die Mitglieder ii. a. erklären, daß sie sich der Pflichten, die ihnen ihre Stellung auferlege, wohl bewußt und daß nach ihrer Ueberzeugung diese Pflichten in den Veröffentlichungen der Oberlehrervereine und ihrer berufenen Vertreter nicht verletzt seien. Dieser Auffassung gegenüber muß bei aller Anerkennung der Pflichttreue des höheren Lehrerstandes, doch betont werden, daß die Oberlehrervereine ihre Auf­gabe immer mehr darin sehen, den höheren Lehrerstand durch Aufstellung aller möglichen Ansprüche nicht zur Ruhe lummen zu lassen und zugleich durch geschlossenes Auf- licten eine Pression auf die Regierung auszuüben. Der Kultusminister hat in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vorn 8. März mit Recht vor diesem agitatorischen Treiben gewarnt. Es bleibt zu hoffen, daß diese Warnung in den beteiligten Kreisen nicht ungehört verhallen wird.

Von heute ab hört die Einteilung der Ober­stabsärzte in zwei Klassen auf. Die Bezeichnung des Dienstgrades ist nunmehr durchwegOberstabsarzt". Ten bisherigen Oberstabsärzten 2. Klasse des Friedens­und des Beurlaubtenstandes wird der Rang, den zurzeit in etatsmäßigen Stellen des H'eeres befindlichen inaktiven Sanitätsoffizieren dieses Dienstgrades der Charakter der Majors verliehen. Dementsprechend werden die Dienst­gradabzeichen getragen.

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Ausland.

Paris, 1. April. Der Kongreß der Arbeiter und Arbeiterinnen der staatlichen Tabakfabriken beschloß, dem Finanzminister eine Reihe von Forderungen vorzulegen, von deren Erledigung die Beschlußfassung über die Frage eines allgemeinen Ausstandes abhängig ge­macht wird.

Petersburg, 1. April. Eine sensationelle Nach­richt durchläuft die amtlichen Kreise. Es hat sich heraus­gestellt, daß bei der R eichsko n trolle (die gleichbe­deutend ist mit der preußischen Ober-Rechuungskammer) vom ^»ahre 1893 bis 1898 grobe Fehler in der Abrechnung vorgekommen sind, und zwar sind 44 Mill. Rubel des Barvermögens des Staates weniger ver­merkt. Man erwartet von der Reichskontrolle mit Spann­ung eine schleunige Aufklärung. Ein derartig unerhörter Fall ist bis dato noch nie dagewesen.

New Yor k, 1. April. Aus M anila wird gemeldet, daß bei den Armee-Lieferungen große Betrüge­reien entdeckt worden sind; 20 Personen wurden ver­haftet, darunter 12 Militärs.

Aus Stadt und Land.

Sieben, 1. April 1901.

Goldenes Doktor-Jubiläum. Professor Dr. Konrad Wilh. Albrecht Thaer begeht heute sein 50jähriges Doktor- Jubiläum unter herzlicher Teilnahme des hiesigen Pro- fifforen-KolltgiumS nicht nur, sondern der Bürgerschaft der Stadt Gießen. Der greise Gelehrte wurde am 2. April 1851 bei der Berliner Universität zum Dr. philos. Promo, viert. Er ist bekanntlich ein Onkel des berühmten Lehrers der Landwirtschaft Albrecht Thaer, dessen Denkmal von Rauch auf dem Schinkelplatze in Berlin, und in Leipzig an der Ecke der UniverfitätS- und Schillecstraße steht. Geh. Hoftat Prof. Dr. Thaer wurde als Sohn des 1863 verstorbeuen LandeSökonomierats Albrecht Philipp Thaer am 6. August 1828 auf dem Gute Lüdersdorf bei Wriezen a. O. geboren, studierte 1846 in Heidelberg Staatswisienschaften, besuchte danach die Akademie zu Möglein und die Universität zu Berlin, übernahm später die praktische Verwaltung zweier größerer Güter seines Vaters, führte die Senkung des StienitzseeS und dessen schiffbare Verbindung mit den Ge­wässern der RüderSdorfer Kalkbrüche aus und wurde 1859 Lehrer an der Akademie zu Möglein bis zu deren Aufhebung 1861. Im Jahre 1866 wurde er au der Universität Berlin außerordentlicher Profeffor. Vor 30 Jahren, 1871, wurde er als ordentlicher Professor der Landwirtschaft hierher be­rufen und gehört seitdem dem Lehrkörper unserer Universität als ein von Professoren und Studierenden gleich hoch- geschätzter Gelehrter an. Geheimrat Thaer veröffentlichte folgende Schriften:System der Landwirtschaft" (Berlin 1877), Die Wirtschaftsdirektion des Landgutes" (7. Aust., Berlin 1879),Die landwirtschaftlichen Unkräuter" (Berlin 1882), Untersuchungen über das Pächterkapital" (Gießen 1890). Fernerhin hat er PabstsRindviehzucht" neu bearbeitet (Stuttgart 1880). Geheimrat Thaer ist Ritter der 1. Klasse des Großh. Hess. Philippsordens mit der Krone und des König!, preaß. roten Adlerordens 4. Klasse. Heute vor­mittag um 11% Uhr begab sich das Professorenkollegium mit dem rektor magnifious Geheimen Justizrat Profeffor Dr. Benno Schmidt an der Spitze nach der Wohnung, wo sich Freunde und Bekannte bereits eingefunden hatten, um persönlich ihre Glückwünsche darzubringen. Der Dekan der philosophischen Fakultät Profeffor Dr. Elbs über­reichte Herrn Geheimrat Thaer ein Ehrendiplom der philo­sophischen Fakultät der Universität Berln (.Dekan Prof. Frobe- niuS), durch das dem Jubilar mitgeteilt wird, daß die Fakultät die Erneuerung der Promotion in ehrenvoller Weise ausge­sprochen habe und hiermit ihren herzlichstenGlückwunsch verbinde. Die Stadtverordneten hatten in geheimer Sitzung beschlossen, Herrn Geheimrat Thaer, der fast 10 Jahre lang dem Stadt- verordneten-Kollegium angehört hat, zum Jubelfest zu gratu­lieren. Auch diese Glückwunschadreffe wurde ihm heute morgen zugeftellt.

** Blutvergiftung zogen sich in der vorigen Woche einige Gießener Veterinärmediziner in Ausübung ihres Berufes zu. Sie waren nach Großen-Buseck berufen worden, um eine Geburt an einer Kuh zu vollziehen. Als die Herren dort anlangten, war das Tier bereits dem Verenden nahe. Trotz­dem wurde die Geburt vorgenommen, da sie nicht geringes wissenschaftliches Interesse bot. Einer der Herren hat sich eine besonders schwere Vergiftung zugezogen, er erkrankte be- renklich, befindet sich z. Z. aber bereits wieder auf dem Wege der Besserung.

** Landes'Lotterie. Bei der heutigen Ziehung der 2. Klasse fiel 1 Gewinn von 40 000 Mk. auf Nr. 15480, 1 Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 41854, 1 Gewinn von 5000 Mk. auf Nr. 8688, 1 Gewinn von 3000 Mk. auf Nr. 24517, 2 Gewinne ä 2000 Mk. auf Nc. 2363, 36941, 3 Gewinne ä 1000 Mk. auf Nr. 11351, 17543, 32476, 5 Gewinne ä 500 Mk. auf Nc. 15803, 22513, 36784, 43638, 44004, 11 Gewinne ä 300 Mk. auf Nr. 7173, 9350, 11539, 16437, 29224, 26091, 26204, 29224,31126, 31827, 41527, 15 Gewinne ä 250 Mk. auf Nr. 6913, 9716, 14306, 18587, 90145, 22026, 27176, 27350, 27681, 27963, 32243, 38738, 38906, 40982, 42019, 30 Gewinne ä 200 Mk. auf Nr. 1332, 1523, 1974, 3759, 5814, 7962, 9536, 13068, 16190, 17657, 19426, 19427, 19450, 19671, 20865, 21538, 22594, 24159, 25949, 29630, 29872, 32155, 36897, 37149, 37842, 39258, 40250, 41118, 41746, 44780. (Ohne Gewähr.)

Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat dem Wachtmeister Herbert im 1. Großh. Feld-Artillerie Regi­ment Nr. 25 (Großh. Art.-Korps) das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps de6 Großmütigen, dem 1. Dor- sitzenden des Säugervereins zu Offenbach Henry Fuchs das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen und dem Expeditor bei der Maiu-Neckar-Eisenbahn Johannes Englert zu Darmstadt aus Anlaß seiner Ver­setzung in den Ruhestand das Silberne Kreuz des Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen verliehen. Das Ehren­zeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde ver­liehen durch den Großherzog den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Bieber: Peter Herzing V., Peter Schrod, Jakob Barth, Ludwig Burkhart und Peter Bauer. Dem Hofkutscher Philipp Reichert wurde das Dienst­ehrenzeichen für 25 Dienfijahre zum 1. April l. I. verliehen. Ernannt wurde am 30. März der Stellenwärter, Hilfs kanzlist Karl Kling zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. April 1901 an zum Ministerialkanzlisteu bei dem Ministe­rium der Finanzen. Durch Entschließung des Ministeriums des Innern vom 1. April 1901 wurden die LehramtS- accessisten Emil Fuhry zu Bingen, Adolf Kunkel zu Bingen, Karl Ottmann zu Sprendlingen (Rheinheffen), Heinrich Winter zu Michelstadt, Karl Klinger zu Beer­felden und Jakob Rohr zu Mainz zu LehramtSaffefforeu ernannt.

Militärisches. Unter den Neuformationen, um die demnächst die deutsche Armee vermehrt wird, befindet sich ein Pionierbataillon mit dem Standorte Mainz und eine Train- Kompagnie (3.) mit dem Standorte Darmstadt.

* Versetzt sind: Der Regierungs Baurat Kirchhoff, bisher in Limburg a. d. L., nach Frankfurt a. M. als Bor- stand einer Werkftätteninfpektion bei der Hauptwerkstätte da­selbst, der Eisenbahn-Bau- und Betriebsinspektor Horstmann, bisher in Lauterbach, als Vorstand der Betriebsinspektion 1 nach Hagen, der Eisenbahn-Bau- und Betriebsinspektor A n t h e S, bisher in Mainz, als Vorstand der Bauabteilung nach Kreuz­nach, der Eisenbahn Bau- und Betriebsinspektor Rüppell, bisher in Münster i. W., als Vorstand der Bauabteilung nach Simmern, der Großh. Hessische Eisenbahn-Bau- und Betriebsinspektor Schilling, bisher in Simmern, als Vorstand (auftrw.) der Betriebsinspektion 1 nach Darmstadt und der Eisenbahn-Ban- und Betriebsinspektor Bockholt, bisher in Frankfurt a. M., als Vorstand der Maschinen­inspektion nach Limburg a. d. L.

Dem Eisenbahn-Lauinspektor Kerstenin Limburg a. d.L. ist die Leitung der Werkstätteninspektion daselbst übertragen.

* Ernannt ist der RegierungS Baumeister Schramke in Mainz zum Eisenbahn Bauirupektor.

* Gießener Volksbad. Im März wurden verabreicht 6820 Bäder gegen 5092 im Februar 1901 und 6563 im März 1900, oder im Durchschnitt auf den ganzen Badetag 240 Bäder gegen 208 im Februar 1901 und 230 im März 1900. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt:

Schwimmbad 3411 Männer, darunter 650 zu 10 Pf.,

342 Frauen, 88 10

Wannenbäder 1. Klaffe 193 Männer, 90 Frauen,

h 2. 740 433

. Dampf- und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 175 Männer, 34 Frauen, Brausebäder zusammen 1402. Die Personenwage wurde von 140 Personen benützt, das Bad von 25 Personen besichtigt.

* * Sein 50jähriges Dieustjubiläum feierte, wie wir bereits gestern kurz mitteilten, am 1. d. M. der Zugführer Georg Ramge. Herr Ramge, gebürtig aus Remheim, Kreis Dieburg, trat am 1. April 1851 in den hessischen Militärdienst ein, machte 1866 den Feldzug mit, erhielt 1867 das Feld­dienstzeichen und das Militärdienstalterzeichen II und nahm 1868 als Zugsoberfeldwebel der 7. Kompagnie des Großh. Heff. 1. Jns.-RegtL. in WormS seinen Abschied vom Militär. Er wurde in demselben Jahre als Bremser bei der damaligen Großh. Main-Weser-Bahn angestellt und avancierte 1870 zum Zugführer bei den Oberhessischen Eisenbahnen. 1888 erhielt er vom Großherzog das Allgemeine Ehrenzeichen. Herr Ramge erfteut sich der vollkommensten Rüstigkeit. Trotz der vielfachen großen Anstrengungen, die sein verantwortungs­volles Amt mit sich bringt, gedenkt er noch einige Zeit dem Staatsdienste treu zu bleiben als ein Beamter von muster­haftem Pflichteifer.

P. Der Alldeutsche Verband feierte gestern Abend im oberen Saale des Kaiserhofs den Geburtstag Bismarcks in anregender, bis nach Mitternacht dauernder Unterhaltung. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, für die Zukunft all­wöchentlich einenparlamentarischen Abend", an dem in. ungezwungener Weise über Politik gesprochen werden soll, zu veranstalten.

** Allgemein eBanordnuna. Jüngst waren, wie wir berichteten, die Bürgermeister der Städte Mainz, Darm- ladt, Offenbach, Gießen und Worms versammelt, um eine Neuregelung der allgemeinen Bauordnung und ihrer Ausführungsbestimmungen gemeinsam zu beraten. Nun hat sich als Ergebnis dieser Beratungen herausgestellt, daß im ganzen der Inhalt und Gedankengang sowohl der allgemeinen Bauordnung wie ihrer Ausführungs-Verord­nung nicht zu beanstanden und durchweg zutreffend sind. 9tur hat man es für notwendig befunden, die beiden Geistes­werke einer besseren und präziseren redaktionellen Fassung zu unterziehen und dabei einige Bestimmungen der Aus­führungs-Verordnung gleich direkt in die allgemeine Bau- Ordnung hinüberzunehmen. Sodann aber ist einstimmig beschlossen worden, zu einigen Punkten neue Stellung zu nehmen, die jedoch die Grundzüge der bestehenden Bau- Ordnung nur unwesentlich alterieren. Tas erste und weiteste Interesse beanspruchen von diesen neuen Beschlüssen die in Bezug aus Zulassung geringerer Straße n - breiten als 12,50 Meter (bei Straßen-Neuanlagen) und in Verbindung damit die neuerliche Stellungnahme gegen zu hohe Häuserbauten, gegen die sogen. Himmels­kratzer als Wohnhäuser. Es war bei den Beratungen von einer Seite beantragt, 9 Meter als geringst zulässiges Maß für eine Straßenbreite zu erklären. Doch konnte man sich hierüber noch nicht einigen, und es ist die Frage deshalb einstweilen offen gelassen worden. Von hoher Bedeutung ist die neue Stellungnahme gegenüber Straßenverbreiter­ungen. Es werden in die allgemeine Bauordnung ausdrück­liche Bestimmungen dahingehend eingeschaltet werden, daß die Wertsteigerung des verbleibenden Grundstückteiles von der Schadenersatzpflicht für die abgetretenen Haus- oder Grundstücksteile abzurechnen ist. Eventuell sollen die gegen­überliegenden Grundstücke gleichfalls zu den Kosten der an der einen Häuser- oder Grundstücksreihe vorgenommenen Straßenverbreitung beizutragen haben. Zum Zwecke der Verschönerung des Straßenbildes und der H ü u s e r f a c a d e n ist dann auch eine Milderung des Art. 30 A. B.-O. und des § 49 der Ausführungsordnung beab­sichtigt. Es soll zukünftig das Vorspringen von Risaliten, Pilastern, Sockeln und Fundamenten ic. gestattet, jedoch aus­drücklich bei Balkonen, Erkern 2c. die sogenannteLuftsäule" nicht als Eigentum des .Hauseigentürners, fonbern als zur Straße gehörend erklärt roerben. Schließlich ist auch noch gegen eine neue Unsitte, bie Treppen ohne jeben vernünftigen Grund in das Innere der Gebäude zu legen, Stellung genommen worden, und ebenso sollen betreffs der Stärke d e r B r a n d m a u e r n bei der Mänderung der Bau-Ord­nung präzisere Bestimmungen Platzgreifen.

* * W a s H e r r F a l b vom A p r i l w e t t e r er zählt. Recht lieblich kann die Witterung im April werden, toenit Rudolf Falb Recht behält; er entwirft folgendeallgemeine Charakteristik" für den Monat April:

Es treten in diesem Monat, soweit die Theorie ergiebt, fünf Phasen scharf abgetrennt hervor. Zunächst reichliche Niederschläge in ganz Mitteleuropa mit mäßigen Schneefällen bei ziemlich tiefer Temperatur. Dann etwas trockeneres Wetter, ohne Schneefälle, bei normales Temperatur. Darauf stärkere und ausgebreitete Regen«

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