Ausgabe 
2.3.1901 Zweites Blatt
 
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nm fast 300000 Personen mehr vermehrt, als die von ganz Bayern, die von Westfalen um 130000 Personen mehr als die des Königreichs Sachsen. Dicht hinter Preußen folgt in der Stärke der Bevölkerungszunahme Baden mit 8,18 v. H., hier war die Zunahme mehr als einmal so groß, wie in der Zeit von 1890 bis 1895 (4,08 v. H.). Dann kommen Hessen mit 7,83 (18901895 4,68), Anhalt mit 7,75 (7,78), Sachsen-Altenburg mit 7,74 (5,35), Sachsen-Meiningen mit 7,13 (4,53), Braunschweig mit 6,92 (7,46), Sachsew Weimar mit 6,72 (3,92), Oldenburg mit 6,62 (5,27), Bayern mit 6,13 (3,62), Sachsen-Koburg-Gotha mit 5,99 (4,90), Reuß j. L mit 5,19 (9,73), Elsaß Lothringen 4,66 (2,35), Schaumburg-Lippe mit 4,63 (5,26), Schwarzburg Rudolstadt mit 4,48 (3,18), Württemberg 4,07 (2,18), Schwarzburg- Sondershausen 3,34 (3,63), Lippe 3,25 (4,76), Mecklenburg- Schwerin 1,74 (3,21), Reuß ältere Linie 1,21 (7,49), Mecklenburg Strelitz 1,07 (3,61) und Waldeck 0,25 (0,87) v. H. Auffallend ist der starke Rückgang in der Volks- Vermehrung in den beiden Mecklenburg und Reuß. In Mecklenburg-Strelitz betrug die Zunahme noch nicht ein Drittel der von 1890 bis 1895, in Reuß ä. L. noch nicht ein Sechstel. Waldeck steht in beiden Zählungsperioden untenau.

Telegram» deS Giehener Anzeigers.

London, 1. März. Rach Meldungen der Blätter aus Pretoria machte General Smith Da ns en öftlicb von Amsterdam 80 Gefangene, erbeutete eine große Menge Lieh, 60 Pferde und 40 Wagen. Auch General French machte 50 Gefangene und erbeutete Bieh und Wagen.

Engländer und Bure«.

Mehrere Londoner Blätter meldeten gestern abend, Louis Botha habe sich Lord Kitchener gestern (Donners­tag) vormittag kurz vor 10 Uhr formell ergeben. Nach einer Meldung- desReuterschen Bureaus" hat aber die britische Regierung keine Nachricht bezüglich der Ueber- gabe erhalten. Wie demStandard" aus Pretoria vom 26. ds. gemeldet wird, hat Louis Botha die Dela- aoabai-Bahn mit einem kleinen Burenkommando über­schritten und steht jetzt nördlich von Middelburg (Transvaal). Wahrscheinlich ist er auf dem Marsche nach Viljoens Hauptquartier und dem Sitze.der Burenregierung m der Nähe von Roossenkal. Das würde nichts anderes bedeuten, als daß Botha weit im Rücken von Frenchs -Operationsabteilungen steht und jeder Gefahr ent­rann e n ist. Aus Kapstadt meldet Reuters Bureau vom 28. Februar:Die -Operationen und die Convois des Generals French werden durch anhaltende Regen­güsse verzögert. Täglich werden Buren gefangen genommen oder strecken die Waffen. Der vor French befindliche Feind hat sich in kleine Abteilungen aufgelöst.

Es hat den Anschein, als ist man zurzeit auf dem Kriegsschauplätze englischerseits ganz besonders bemüht, Rosen in die Welt hinauszustreuen, wo Disteln wachsen, um die optimistische Stimmung in England immer aufs neue anzufachen. Wir glauben zurzeit noch nicht an die Botha- Gerüchte.

Auch die Aufzählung der von French erbeuteten Dinge machte den Eindruck, daß er sie den Buren alle abgejagt hätte. Dem ist aber nicht so. Nach einer Meldung aus Standerton sind die durch French erbeuteten Geschütze viel­mehr von den Buren vergraben gewesen und von Schützen aüfgefunden worden, als man sich bemühte, die englischen Transportkolonnen über eineir angeschwollenen Fluß zu zu schaffen. Ebenso ist auch eine große Menge Munition ausgegraben worden. Zum Ueberfluß ist jetzt auch kein Zweifel mehr, daß die südwärts getriebenen Burenscharen nur einen Teil der ganzen Masse ausmachen.

Von D e W e t, den die Briten recht hübsch denfliegen­den Holländer" getauft haben, haben in den letzten Tagen keine Nachrichten vorgelegen. Er schien wie vom Erdboden verschwunden. Heute liegen zwei Meldungen vor. Reuter telegraphiert aus d e Au r vom 27. Februar: Nach den letzten Mitteilungen lagerten De Wet und Steijn mit dem Gros des eigenen und des H e r tz o g schen Kommandos am Südufer des Oranje und warten eine Gelegenheit ab, den Fluß zu überschreiten, der jetzt unpassierbar ist. Dasselbe Bureau meldet-aus Kapstadt vom 28. v. M.: De Wet hat die Drift nördlich von Hopetown unpassierbar gefunden und sich südwärts gewandt. Detachierte Abteilungen haben die Bahnlinie überschritten und nähern sich, scharf verfolgt, Petrus Ville. Ein späteres Telegramm meldet. De Wet sei im Anmarsch auf Philipsto wn. Präsident Steijn sei bei De Wet. Ebenso seien Hertzog und Brand zu ihm gestoßen.

öo dürfte denn doch De Wets ursprünglicher P l a n , nach dem Süden der Kapkolonie vorzudringen, geglückt sein, und die Vorgänge in dem Oranjeknie zwischen Hopetown und Prieska nur als eine Episode er­scheinen, die zwar viel Zeit, viel Kraft und viel Material gekostet, den Lauf der Dinge aber nicht wesent- tich gehemmt hat. In englischen Blättern findet sich die Vermutung, daß die Buren, die jüngst bei Richmond, T30 Kilometer westlich von Middelburg (Kapkolonie), er­schienen sind, zu De Mets Leuten gehören. Das scheint nach der obigen Reutermeldung sehr wahrscheinlich. Rich­mond liegt 160 Kilometer südlich von Petrusville; das sind jür Burenreiter drei starke Tagemärsche, für welche die inzwischen verstrichene Zeit kaum ausreicht. Inzwischen Keilt sich heraus, daß auch der Verlust De Mets an Leuten in Anbetracht der verzweifelten Lage nur gering ist. DieDaily Mail" erfährt aus de Aar vom 27. Februar, es seien am 26. Febr. viel mehr Gefangene gemacht worden als am Tage vorher, darunter zwei Kommandanten, und die Zahl der Gefangenen belaufe sich nunmehr aus 200. Vtan tycit auf englischer Seite mit der Zerstreuungstaktik oer Buren schon die unangenehmsten Ueberraschungen er- St; nicht das erste Mal, daß De Mets zer-

Steilung im Rücken der Engländer alsbald als geschlossene Masse auftaucht.

.y_ ^ü!Ächen Bureau wird aus Cradock vom 36 v^M. gemeldet: Wie aus Middelburg verlautet, haben

Bu"n, letzten Freitag die Station Roode- Ijoogtt an der Larne Rosmead Graasireinet in Brand gefte-kN es entspann sich -'n l>estiges Gefecht die Buren wurden znruckgetneben An derselben Linie bat später bei Iakpoort noch ein Gefecht stattgefunden.

China.

Die amerikanischeDiplomatie hat sich während des ganzen Verlaufes der China-Wirren bekanntlich nicht mit Ruhm bedeckt. Tie aus Washington kommenden Noten brachten wiederholt Disharmonie in dasKonzert", indem sie mehr oder weniger die Geschäfte der Chinesen besorgten. Oder die Noten rannten offene Thüren ein. Das letztere darf im Grunde auch von dem neuesten Schritt der Ver­einigten Staaten gesagt werden, durch den sie eine Ver­ständigung unter den Mächten darüber herbeiführen wollen, daß nur so viel Grund und Boden in China angeeignet werden darf, als die Mächte zur Sicherung ihrer Gesandt­schaften brauchen. Deutscherseits wird dieser Vorschlag unterstützt, wie von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird. Und mit nicht geringerer Wahrscheinlichkeit darf gesagt werden, daß auch die anderen Mächte auf diesem Stand­punkte stehen. Denn der Grundsatz, von der Annektierung größerer Gebietsteile in China abzusehen, ist ja bereits im deutsch-englischen China-Abkommen, von dem sämt­liche Mächte zustimmend Kenntnis nahmen, festgelegt. Ruß­land nimmt allerdings durch sein Protektorat über die Mandschurei eine Sonderstellung ein. Aber diese kollidiert mit dem deutsch-englischen Abkommen in keiner Weise, wie beim Abschluß des russisch-chinesischen Spezialvertrags aus­drücklich konstatiert wurde. Die Mächte werden sich nach ihren Erfahrungen hüten, mehr vom Reich der Mitte sich anzueignen, als sie bereits besitzen, oder als zum aus­reichenden Schutz der Gesandtschaften erforderlich ist.Je weniger'China, desto Lesser!" zu dieser Erkenntnis dürsten die Staatsmänner allgemach gelangt sein.

Das in der Meldung derTimes" enthaltene rus­sisch-chinesische Abkommen enthält noch solgenoe Bestimmungen: China verpflichtet-sich, keine Truppen an irgend welchem Orte zu halten, wo die Eisenbahn nicht fertig gebaut oder der Bau nicht begonnen ist. Die höheren Beamten, die an den jüngsten Unruhen die Schuld tragen, sollen degradiert werden. Rußland wird dieselben namhaft machen. Rußland wird bestimmen, welche Waffen die Po­lizeitruppen zu führen haben, die Artillerie ausgeschlossen. Kein Angehöriger eines anderen Landes kann eine offizielle Stellung in der Mandschurei bekleiden. In der Mand­schurei, Mongolei und dem chinesischen Turkestan dürfen keine Bahnen, Minen oder andere Konzessionen an An­gehörige anderer Mächte erteilt werden. Auch darf China selbst keine Eisenbahn dort bauen. In der Umgebung von Niutschwang darf fein Landgebiet an Ausländer verpachtet werden.

DieAgenzia Stefani" erklärt es für vollkommen un­begründet, daß die italienische Regierung da­mit umgehe, von dem Gebiet an der Nimrodbai Besitz zu ergreifen.

Die Uebernähme der Peking-Sch anhaikwan- Eisenbahn durch die englischen Behörden ist beendet worden; die Werkstätten in Tongschau wurden in besserem Zustande vorgefunden, als erwartet -tvar. Graf Waldersee meldet: Die Uebergabe der Bahn an die englische Armee- Leitung ist ohne Schwierigkeiten beendigt worden.

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U-Üegra»»W deS «ttehener Anzeigers.

London, 28. Febr. Einer Depesche derTaliy News" au§ Singanfu zufolge, istYnhsien am 22. ds. in Lautschau hin gerichtet worden.

Deutsches Reich.

Berlin, 28. Febr. Heute morgen unternahm der Kaiser den gewohnten Spaziergang im Tiergarten, hörte im Aus wärt,gen Amte den Vortrag des Reichskanzlers Grafen o. Bülow und empfing im königlichen Schloß den Kriegs. Minister von Goßler und den Chef des MilitärkabinetS v. Hahnke zum Vortrag.

DerMünch. Allgem. Ztg." wird aus Berlin ge> meldet, der Abschied des Kaisers von der Kaiserin Friedrich sei absichtlich kurz gewesen, um über jede Er­legung hinwegzutäuschen. Nach dem Kaffee begab fich der Kaiser zusammen mit König Eduard in die Gemächer der Kaiserin Friedrich, wo sie etwa zehn Minuten verweilten Irgend welche Aufregung der Kranken hat hierbei nicht statt­gefunden.

Der Großherzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin wird am 9. April, dem Tage einer Großjährigkeit, die Regierung übernehmen. Er rerläßt die Universität Bonn, die er seit etwa einem Jahre besucht, in den nächsten Tagen.

In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde der Beschluß des Reichstages zu dem Entwürfe eines Gesetzes wegen Versorgung der Teilnehmer an der oft« asiatischen Expedition und ihrer Hinterbliebenen zur Kenntnis genommen. Die Beschlüffe des Reichstages zu einer Petition wegen gesetzlicher Regelung der Faßaiche und Einführung einer periodischen Nachaiche wurden dem Reichskanzler und die Beschlüsse deS Reichstags zu einer Petition, betreffend die Einführung einer Reichs Kom Mission zur Prüfung der sanitären Verhältnisse der mehreren Staaten gemeinsamen Ströme, den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Ebenso wurden den zuständigen Ausschüssen überwiesen die Vorlagen, betreffend a) die Be stellung des Schiffsvermeffungsamts als RevifionSbehörde für die Aichung der Binnenschiffe im Bereiche der mecklen­burgischen Wafferstraßen der Elbe, Stör und Havel nebst zugehörigen Seen und Schiffahrtskanälen; b) Ergänzungen zu dem Gesetzentwurf wegen Feststellung des Reichshaushalts Etats für das Rechnungsjahr 1901 uud zu dem Reichs Haushalts Etat; c) der Entwurf eines Gesetzes wegen Der« sorgung der Kriegsinvaliden, sowie der Kriegs« h int erblichenen des Reichsheeres, der kaiserlichen Marine und der kaiserlichen Schutztrupp en. Der Vorlage, betreffend die weitere Prägung von Denk münzen und dem Ausschußantrag zu dem Entwürfe eines Unfallversicherungsgesetzes für Beamte und für Personen des SoldatenstandeS wurde die Zustimmung erteilt.

<Bcr -RcichSanz." veröffentlicht einen Erlaß des vreußischeu Kultusministers vom 26. Febr., nach dem alle Mbitnrieatee nicht blos der deutschen Gymnasien, sondern auch der deutschen Realgymnasien oder als völlig gleichftehend

anerkannten außerpreußisch-deutschen Oberrealschulen gleich­mäßig zur Prüfung für daS Lehramt an höheren Schulen, ohne Einschränkung auf bestimmte Fächer, zuzulaffen find.

DerReichsanz.- veröffentlicht daS Gsetz betr. Fest­stellung eines dritten Nachtrages zum ReichshauS« Halts-Etat für 1900 vom 25. Febr. 1901. (Koste» für die ostafiatische Expedition.)

Nach einer Mitteilung des HauptverbandeS deutscher Flottenvereine im Ausland bat der deutsche Flotteu- d er ein zu Ao ko Hama für dieses Jahr auf die Einsendung eines Beitrages für Flottenzwecke verzichtet, weil die Mit­glieder deS Vereins durch mehrfach veranstaltete Sammlungen für die Kranken und Verwundeten unserer deutschen Streit« kräfte in Ostasien insbesondere auch durch die Unterstützung des in Yokohama errichteten Genesungsheims Gelegenheit genommen haben, ihren patriotischen Sinn und ihre Hilfs­bereitschaft für die deutschen Jmereffen zu betätigen. Der Rest des Kassenbestandes für 1900 ist dem Chefarzt des deutschen MarinelazaretS zu einer Weihnachtsbescherung für die in Aokohama weilenden Kranken und Rekonvaleszenten zur Verfügung gestellt worden, und dieser hat nicht unter* l'ffen, dem Verein den herzlichsten Dank für die seinen Pflegebefohlenen bereitete WeihnachtSfreude auszusprechen. Vom deutschen Flottenverein zu Sao Paulo ging dem Hauptverband ein Beitrag von 5600 Mk. mit der Bestim* mung zu, die Hälfte davon den Hinterbliebenen der im China-Feldzug Gefallenen zu gute kommen zu laffen.

Die Berliner Stadtverordneten-Versammlung nahm mit allen gegen die Stimme des Baurats Kyllmann die Petition gegen die Erhöhung der Getreidezölle an.

DenBerl. N. N." wird geschrieben: Schon mehr­fach ist in der Preffe darauf hingewiesen worden, daß infolge des Gesetzes vo.n 1897 die vor diesem Zeitpunkt pensionierten Offiziere in der Höhe ihrer Pension gegen die nach diesem Zeitpunkt ausgeschiedenen und ausscheidenden ungünstiger be* handelt werden. Diese Hinweise waren bisher ohne Erfolg- Günstiger dürfte für die Erreichung einer gerechten Gleich­stellung der jetzige Zeitpunkt fein, wo vom Reichstag zur Ver* befferung der Lage der Kriegsinvaliden so wohlwollende An­träge gestellt sind, denen der Herr Reichskanzler seine warme Befürwortung zugesagt hat. Wohl schwerlich ist es aufrecht zu erhalten und zu verteidigen, daß die alten Offiziere, von denen die meisten ihre Gesundheit und ihre Kräfte in den Kriegen, die zur Einigung Deutschlands führten, geopfert haben, in Bezug auf ihre Pension schlechter gestellt find, als die Osfiziere, die nach dem erwähnten Termin gezwungen sind, auszuscheiden. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß von Seiten der Regierung und des Reichstags oben dar­gelegter Umstand endlich eine gerechte Würdigung findet.

Crouberg, 28. Febr. König Eduard beschäftigte fich heute früh mit Regierungsangelegenheiten. Der politische Kurier ist mit Aktenstücken gegen Mittag nach London zurück­gereist. Nachmittags besuchte der König mit der Kron­prinzessin von Griechenland und seinem Gefolge die Burg Crouberg, das Krankenhaus und die evangelische Stadtkirche. Der König fährt, soweit jetzt feststeht, am Samstag mittag von Frankfurt a. M. nach Köln und von dort mit Extrazug nach Vlissingen, sodaß er am Sonntag früh wieder in England ist.

Straßburg, 28. Febr. Der Landesausschuß nahm heute bei der zweiten Lesung des Etats den als erste Rate für den Ausbau der Hochkönigsburg geforderten Kredit von 150 000 Mk. mit allen gegen die Stimmen der Abgg. Wetterlö und Winter an. Von 58 Mitgliedern des Hauses warcrn 53 anwesend; 51 stimmten dafür.

Ausland.

L o n d o n, 28. Febr. (Unterhaus.) Grauborne er­klärt, es sei nicht die Rede von Abtretung der Wal- ischbai an Deutschland. Cranborne erklärt, die Re­gierung erfahre, daß in Zusammenhang mit den Ent­würfen zur Verteidigung des Gesandtschaftsviertels in Peking der Plan erwogen werde, rund um dasselbe eine 150 Aards breite offene Zone anzulegen. Hierzu wäre nötig, einen großen Teil des bisher von der Zollverwaltung inne­gehabten Geländes zu benützen. Sir Robert Hart habe an den englischen Gesandten und an das diplomatische Korps geschrieben; er habe in dem Schreiben feine Ueberraschung über die Inbesitznahme ausgedrückt, dabei jedoch erklärt, wenn militärische Notwendigkeiten das erforderten, werde er keinen Einspruch erheben. Cranborne setzt hinzu, die Regierung stehe jetzt über die Sache in Meinungsaustausch mit Satow. Ashmead Bartlett fragt an, ob die Regierung Schritte gethan habe, um sicherzustellen, daß die Mngtse- Vizekönige, die den Interessen der Zivilisation und Groß­britannien große Dienste geleistet hatten, in ihren Aemtern verbleiben dürften. Cranborne erwidert: Der englische Ge­sandte berichtete, daß keine Gefahr betreffenb die Absetzung der Vizekönige vorhanden sei. Die britische Regierung wisse die von den Vizekönigen geleisteten Dienste voll zu würdigen.

Lissabon, 28. Febr. Die brasilianische Regierung hat ihren Konsul in Oporto angewiesen, sofort mit seiner Familie nach Brasilien zurückzukehren.

Wien, 28. Febr. Wad) einem Telegramm aus Graz ist an Professor Escherich eine Depesche aus Sofia gelangt, die meldet, daß Prinz Boris einen Rückfall hatte, und Symptome von Unterleibstyphus aufgetreten seien.

Wien , 28. Febr. (Abgeordnetenhaus.) Die Dringlichkeit des Antrags Sileny betreffenb En tschul- bung bes Bauernstandes wird abgelehnt. Der An- ttagsteller betont u. a., daß das BünbnismitDentsch^ land dem Reiche keinerleiVorteile bringe, solche seien nur von Rußland zu erwarten. Sodann verfügt der Präsident die Anberaumung einer geheimen Sitzung zur Verlesung einiger als anstößig erkannter Stellen aus zwei Interpellationen der Alldeutschen. Angeblich handelt es sich um Interpellationen wegen der Ablaßzettel bezw. Kon­fiskation eines Zeitungsartikels in derLos von Rom"- Frage. Abg. Kaiser wendet sich zuvor noch gegen die Ein­dringung und Verhandlung von Dringlichkeitsanträgen zum Zwecke der DbftruFtion und fragt den Präsidenten, ob» er gewillt sei, die Anttagsteller. darauf aufmerksam zu machen, daß ihre Dringlichkeitsanträge ohne Zefivergen-- dnng ben Ausschüssen zugewiesen werden können. Während