Ausgabe 
2.2.1901 Zweites Blatt
 
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unter sehr wenig undparlamentarisch" zu, und es fehlt nicht viel, daß es zu Thätlichkeiten kommt. Auch heut wieder gab es im Reichstag einen heftigeu Zusammenstoß, diesmal zwischen dem Abg. Dr. Thiele (Soz.), Redakteur aus Halle, und dem bekannten DoPpelwährungS-Mann Abg. Arendt (Rp.) Beide Herren gerieten zunächst in eine Dis kussion über die Bezahlung der Arbeiter in den Mannsfelder Bergwerken und über den Fall Rothe. Als die Erörterung dann vom Präsidenten Graf Bal le st rem ziemlich katego risch geschlossen war, folgtenpersönliche Bemerkungen" der beiden Redner. Die Auseinandersetzungen wurden immer energischer. Dr. Arendt drohte mit einer Klage wegen ^Verleumdung", falls Thiele seine Behauptungen außer ualb des Hauses wiederholen möchte; der Letztere lehnte dies ab und sprach die geflügelten Worte, Dr. Arend sei ja be­kannt als derlustige August" des Reichstags! Groß«' Empörung rechts. Graf Ballestrem sprang zornig auf, klingelte und rief den Abg. Thiele zur Ordnung. Wenn dieserurkräflige" Ton sich behauptet und womöglich ver­stärkt, so sind noch recht erbauliche Szenen im Parlament zu erwarten. Der österreichische Reichsrat, der heute bei seiner Eröffnung der Schauplatz unerhörter Tumulte war, ist ein Beispiel dafür, wohin es kommen kann, wenn Jeder den Ton anschlägt, der ihm beliebt unddeutlich" dünkt. Zu erwähnen ist noch, daß Staatssekretär Graf Posatowsky auf Anfrage des Abg. Rösicke (wildl.) für die nächste Session einen Gesetzentwurf über die Aichuug von Bierfässern verhieß.

D i e letzten Studentenunruhen an der Kiewer Universität, über die schon kurz berichtet wurde, werden jetzt in einem Erlasse des russischen Ministe­riums der Volksaufklärung eingehend beleuchtet. Darnach ist die Bewegung von Odessa aus, wo im Juni v. I. ein Studentenlongreß stattfand, veranlaßt worden. Dieser Kon­greß bezweckte die Schaffung einer Organisation, welche die Wünsche der Studenten jederzeit der Universitätsobrigkeit wirksam zum Ausdruck bringen könnte. In Kiew fiel die Agitation auf fruchtbaren Boden. Ein unbedeutender Anlaß bewog die Abhaltung einer Studentenversammlung, die einen stürmischen Verlauf nahm und schließlich mit der Aus­lösung endete. Wegen Lärmens und Tobens wurden hierauf einige Karzerstrafen verhängt und zwei exmatrikuliert. Nun kannte die Erregung der Studenten keine Grenzen. Sie drangen gewaltsam ins Universitätsgebäude ein, zertrümmerte7i Thüren und Fenster, Tische und Bänke und geberdeten sich vollkommen un­sinnig. Daraufhin wurde der Generalgouverneur um mili­tärische Hilfe gebeten, die auch sofort auf dem Schauplatze eintraf und die Hörsäle von den wilden Ruhestörern säuberte. Man drohte mit Obstruktion im Januar, doch ist es dazu nicht gekommen. Von den Schuldigen wurde ein Teil vom Minister begnadigt, die inerten indes der harten Strafe, der Abgabe zum gemeinen Soldaten, unterzogen. Diese Strafe ist seit Jahrzehnten nicht mehr zur Anwendung ge­kommen.

Aus dem Betsch.uanenland und zwar aus Eben-Ezer sind jetzt einige interessante Nachrichten von den Hermannsburger Missionaren hierhergelangt. Wir ent- nehine77 beit Berichten das Folgende:Was wir zu An­fang des Jahres fürchteten, ist leider eingetroffen. Die Heuschrecken haben auch die diesjährige Ernte total vernichtet. Drei Monate lang hat das Volk hier Tag für Tag versucht, die Heuschrecken, bevor sie flügge werden, zu vernichten. Männer, Weiber und Kinder gingen jeden Morgen ins Feld, um'die junge Brut totzuschlagen, aber wenn sie auch noch so viele töteten, so kamen immer mehr noch aus der Erde heraus und als sie erst fliegen konnten, flogen sie in die Kafferngärten, wd das Korn, eben Aehren hatte und fraßen in wenigen Tagen alles <uf, und die dreimonatliche Arbeit des Volkes war um­sonst". In einem anderen Briefe wird folgendes mit­geteilt:Die Landesplagen, Dürre, Heuschrecken und Hunger sind noch nicht von uns genommen. Zu dein allen ist noch der Krieg gekommen, dessen Ende nicht abzusehen ist. Unsere erwachsenen Söhne sind meistens mit im Kriege und wir selbst bedroht von den an der Grenze noch wohnenden wilden Völkerstämmen. Einet: Ein­fall haben sie schon gemacht und haben wehrlose Frauen und Kinder ermordet und andere unter Mißhand­lungen weggeführt. Zum teil lernen die Frauen und Mädchen hier das Schießen, um sich wehren zu können. Denn die Männer sind fast alle im .Kriege. Die meisten unserer erwachsenen Gemeindeglieder sind aufkommandiert, nicht um mitzufechten, sondern als Bedienung bei Pferden, Ochsen und Wagen, und um allerlei Arbeiten im Lager zu verrichten. Ein anderer Teil wird auf die Bauern­plätze geschickt, um dort für die Dauer des Krieges ohne Bezahlung zu arbeiten. Dies ist für unsere Leute sehr schwer, da sie in diesen Hungerjahren etwas Verdienst wohl nötig hätten."

Deutsches Reich-

Berlin, 31. Jan. Kaiserin A u g u st a Viktoria hat auch heute nachmitag wieder der Kaiserin Fried­rich auf Schloß Friedrichshof einett zweistündigen Besuch abgestattet. Sie kehrte nach 6 Uhr nach Homburg zurück.

Staatssekretär v. Podbielski erklärte der heutigen Beratung des Etats der Post- und Telegraphenverwaltung, in der Budgetkommission des Reichstags, es für unthunlich, jetzt wieder BeutMihigung im Postverkehr hervorzurufen. Dte letzten Neuerungen müssen sich erst einleben, ehe man Wetter schreiten könne. Abg. Dr. Bachem (Ztr.)', Graf

l.° l a (natl.) und Richter (Freis. Bolksp.) empfehlen ebenfalls, fürs erste keine Aenderung an den Gebühren vor- zunehmen. Posttechnische ''Neuerungen hingegen scheinen sich der Sympathie der Verwaltung zu erfreuen. Sv teilte der Staatssekretär mit, daß die Einführung derlctterboxes" -Kastenfächer) im Plane liege. Vielleicht präsentiert 'sich nun auch der vielgelästerte Kartenbrief bald in einer prak­tischeren Gestalt. Nicht minder würden die für den Orts­und Nachbarortsverkehr bestimmten, zu dünnen blauen Post­karten durch eine Vervollkommnung gewinnen. Die Pause in der Tarifreform läßt sich also nach solchen Richtungen hin ausnützen.

Der Staatssekretär v. P o d b i e l s k i hat, um mit Vertretern der Handels und Jndustriekreise einige Fragen

)es Post- und Telegraphenwesens zu beraten, für den 18. Februar eine Sitzung im Reichspostgebäude anberaumt. Die Beratungsgegenstände beziehen sich auf Telegrammentstell­ungen, Verzögerung, Wörterverzeichnis zur Abfassung von Telegrammen in verabredeter Sprache, gleichmäßigeres Format für Briefe und schließlich die Postcheckfrage. Unter den zur Verhandlung kommenden Gegenständen wird auch eine Erörterung beabsichtigt über die Ursachen der häufigen Verzögerung der telegraphischen Korrespondenz im Verkehr mit England und über die zur Abhilfe getroffenen Maß­nahmen. Da bei der Versendung von Drucksachen unter einfachem Streifband oder in offenem Umschlag sich häufig, Briefe, Postkarten in diese Sendungen verschieben und auf diese Weise verloren gehen oder Verzögerungen in der Be­orderung erleiden, so soll die Frage erörtert werden, in welcher Weise die Vorschriften der Postordnung über die Verpackung solcher Sendungen ohne Schädigung der Inter­essen der Geschäftswelt geändert werden können, damit olchen Vorkommnissen vorgebeugt wird. Endlich steht auf >er Tagesordnung die Frage: Erscheint es empfehlenswert, >ie Bestimmung der Postordnung aufzuheben, daß Einschreib­endungen, Sendungen mit Wertangabe bis 400 Mark und Zostanweisungsbeträge bis 400 Mark, wenn der Empfänger oder sein Bevollmächtigter in der Wohnung nicht angetroffen oder dem Briefträger der Zutritt nicht gestattet wird, an ein erwachsenes Familienglied des Bevollmächtigten bestellt werden können?

Der geschäftsführende Ausschuß derInternationalen Ausstellung für Feuerschutz und Feuerrett­ungswesen Berlin 1901" hielt unter dem Vorsitz des Staatssekretärs v. Podbielski eine Sitzung ab. Der Ge- chäftsführer der Ausstellung gab Mitteilungen über den gegenwärtigen Stand des Ausstellungsunternehmens, woraus hervorging, daß eine umfassende Beschickung der Ausstellung und deren Besuch durch zahlreiche Delegationen aus allen Teilen des In- und Auslandes gesichert sind. Ferner. legte der Schriftführer die von Professor Julius Jacob entworfenen Skizzen für sechs große Dioramen vor; es wurde beschlossen, diese zur Ausführung zu bringen und auszustellen. Die Dioramen geben berühmt gewordene Feuersbrünste aus alter und neuer Zeit wieder; sie werden transparent gemalt und mit besonderen Beleuchtungswirk­ungen ausgestattet, der Vordergrund wird plastisch ausge- ührt. Sodann wurde bestimmt, daß die Ausstellung zwischen )cnt 18. und 25. Mai eröffnet werden soll. Die Frist für )ie Einreichung der Entwürfe auf Grund des Bauplan- Ausschreibens ist am 25. Januar abgelaufen; unter Benutz­ung des eingegangenen Materials wird seitens der hierzu niedergesetzten besonderen Ausschusses der endgiltige Bau- ilan aufgestellt und, sobald die Witterung es gestattet, mit )er Ausführung der Bauarbeiten begonnen werden.

Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung die Vorlagen betreffend die Kapitalbestände der Großh. Hessischen Offizier- und Unter­offizier-Witwenkassen und betreffend die Ver­leihung von Korporationsrechten an die mit dem Sitze in Berlin errichteteDeutsche Agavengesellschaft" den zustän- )igen Ausschüssen überwiesen. Dem Anträge des 3., 4. und 7. Ausschusses zu dem Entwurf eines Schau mwein­teuer gesetzes und dem Anträge des 4. und 6. Aus- chusses zu dem Entwurf eines Gesetzes betreffend den Ver­kehr mit Wein, weinhaltigen und weinähnlichen Ge­kränkelt hat der Bundesrat zugestimmt. Der Reichstags­beschluß zu den Petitionen betreffend den Vogelschutz wurde dem Reichskanzler überwiesen, dem Ausschußantrage betreffend das Schreiben des Kgl. Sächs. Gesandten betreffend Abänderung der Satzungen der Arbeiter-Pensionskasse der Kgl. Sächs. Staatseisenbahnen wurde zugestimmt, ebenso dem Ausschußberichte über den Antrag Hessens auf Be- r e i u n g der dekretmäßig angestellten Bureau­beamten seiner land- und for st wirtschaft­lichen Berufsgenoss e n s ch aft von der Jnva- lidenversicherungspflicht.

In der 11. Kommission des Reichstages wurde heute die Beratung des Gesetzes über das Urheberrecht fort­gesetzt und nach mehrstündiger Debatte § 22 in der Fassung >er "Regierungs-Vorlage angenommen. Zugleich gelangte eine sozialdemokratische Resolution zur Annahme. Auch § 23 wurde nach der Regierungsvorlage erledigt. Bei § 24 wurden die Verhandlungen abgebrochen.

Der Zentralverein für Hebung der deut- chen Fluß - und Kanalschiffahrt nahm in seiner heutigen Hauptversammlung eine Resolution an, die die Kanalvorlage freudig begrüßt, die Annahme der Vorlage erhofft und die Erwartung ausspricht, daß es gelingen werde, >ie bereits als berechtigt anerkannten Wünsche betr. den Ausbau der Lippe zu erfüllen und Maßnahmen zu treffen, die geeignet sind, die Wettbewerbsfähigkeit Schlesiens gegen­über dem Westen auch für den Fall zu gewährleisten, daß ich eine hinreichende Fahrtiefe der Oder nicht ermöglichen lassen werde.

Ausland.

London, 31. Jan. Bei der Jahresversammlung der Handelskammer in Sheffield war der Hauptgegew stand der Debatte die geplante Einführung des deutscheu Eisenzolles, der verdoppelt oder verdreifacht werden soll. Man war der Ansicht, daß das eine sehr ernste Frage für die englische Stahlindustrie sei, und viele Mitglieder befür­worteten die Ergreifung von Schutzmaßregeln. Die allge meine Meinung war, daß ein Zollkrieg für Deutsch­land vernichtend enden würde. Es wurde beschloffen, eine starke Agitation gegen die Maßregel zu entfallen, und eine scharfe Resolution angenommen, von der eine Kopie der englischen Regierung übersandt worden ist.

Paris, 31. Jan. Präsident Loubet hat den Obersten Sylonke beauftragt, dem König Viktor Emanuel das Großkreuz der Ehrenlegion zu überbringen.

Rom, 31. Jan. Königin Helene gilt als sehr fromm und so soll sie denn in den ersten Monaten ihrer Ehe, wo das junge Paar sich auf der Insel Monte Christo aufhielt, ein Gelübde abgelegt haben für den Fall, daß sie Mutter werden sollte. Die Erfüllung dieses Wunsches ließ mehrere Jahre auf sich warten, und jetzt, wo die Königin nunmehr ihrer Niederkunft entgegensieht, erblickt sie in dem freudigen Ereignis ein Gnadengeschenk des Himmels, für das der König, dem vor mehreren Jahren geleisteten Gelübde zu folge», angeblich durch seinen Besuch auf der genannten Insel

seinen Dank abgestattet hat. Wenn auch diese Legende dem Volke sympathisch sein mag, so darf doch nicht verschwiegen werden, daß der Frauenarzt an der Universität Neapel, Professor Morijani, seinen Teil zu der Lösung der Frage beitrug, indem er während des verflossenen Sommers an öer Königin eine leichte Operation vornahm, dutch die das Hindernis beseitigt wurde, das ihre bisherige Kinderlosigkeit verursacht hatte.

Wien, 31. Jan. Die Hoffnungen auf die Arbeitsfähig' feit des Parlaments haben sich durch den Verlauf der heutigen Eröffnungssitzung stark vermindert. Gleich bei der Rede des Ministerpräsidenten v. Körber, mit der er den Abg. Dr. Weigel als Alterspräsidenten einsührte, verlangten die tschechischen Sozialisten und Agrarier unter großem Lärm, daß der Minister sich der tschechischen Sprache bedienen solle, was die Deutschnationalen veranlaßte, mitHmaus mit den Tschechen" zu antworten. Sodann verlangten die Tschechen, daß der Alterspräsident, wenn er der tschechi chen Sprache nicht mächtig sei, polnisch sprechen solle, was wieder Anlaß zu stürmischen Erwiderungen seitens der Deutschnationalen gab. Als dann der Alterspräsident der verstotdenen Königin Viktoria einen Trauernachruf hielt, suchten die Deutschnationalen dies durch Rufe:Heil und Sieg den Buren! Heil unseren Brüdern! Nieder mit England!" zu hindern! Die hierauf folgende Angelobung verlief ruhig. Nächste Sitzung Dienstag.

Der bisher deutschfortschrittliche Abg. Peschka be­gründete eine deutsche Bauernpartei. Die Partei proklamiert den Anschluß an die deutsche Gemeinbürgschaft, jedoch ein selbständiges Vorgehen in Fragen des Bauern­standes; sie verlangt auch ein Zollbündnis mit Deutschland und den engeren Zusammenschluß der mitteleuropäischen Staaten.

China.

Feldmarschall Graf Waldersee meldet am 31. Januar aus Peking: Die Kolonnen Hoffmann und Auer sind ohne Zwischenfall zurückgekommen, da die Räuber durch vor­züglichen Nachrichtendienst rechtzeitig gewarnt worden sind.

Nach einer Depesche aus Peking übermittelte Graf Waldersee den Gesandten einen Plan mit folgenden Vorschlägen: Ehe eine Aenderung der militärischen Hal­tung der Verbündeten möglich sei, müsse die chinesische Re­gierung Schritte zur Erfüllung der Friedensbedingungen unter­nehmen. Die wirkliche Strafvollstreckung an den Schuldigen, deren Strafen die Gesandten verlangen, genügen hierzu. Nach Erfüllung dieser Bedingung könne der Truppenrückzug aus Peking und Paotingfu erfolgen, und die Zahl der Truppen in Petschili reduziert werden. Waldersee macht auf die Unmöglichkeit der Einschiffung von Truppen vor März aufmerksam. Tientsin und die Umgegend von Schanghai müßten von internationalen Truppen besetzt bleiben, bis China die Ordnung in Tschili hergestellt und die Indem­nitäts-Vorschläge angenommen habe. Waldersee giebt schließ­lich die Anzahl der notwendigen Okkupations-Truppen an den verschiedenen Stationen an, und schlägt vor, daß auf jeder Station nur Truppen einer Nationalität stehen, und der Oberbefehl jährlich zwischen den Nationen wechseln solle.

DerStandard" meldet bereits aus Tientsin, daß die Zurückziehung der internationalen Truppen be­vorzustehen scheint.

In Peking erschoß ein Däne, namens Lindsberg, seine Frau und dann sich selbst, nachdem er einen eng­lischen Offizier verwundet hatte. Letzterer wird wahr­scheinlich mit dem Leben davonkommen.

DerNorth China Daily News" wird telegraphiert, daß bei der Vernichtung chinesischen Pulvers in Shanhaikwa» durch eine Explosion 40 japanische Soldaten getötet und 2 Engländer verwundet wurden.

Aus Stadt und Sand.

Gießen, den 1. Februar 1901.

** Nächtlicher Unfug. Wie wir erfahren, verübten vor einigen Nächten eine Anzahl junger Leute Ruhestörung in dem Maße, daß die Polizei einschreiten mußte. Beim An­blick der Beamten riffen einige der Radaumacher aus, einer wurde jedoch festgenommen. Bei der Feststellung seines Namens benahm er sich sehr renitent und warf sich, Be­trunkenheit simulierend, auf die Erde.

♦♦ Der Gabelsberger Stenographen Verein und DameA- Kr'äuzchen Gießen feiert am 7. Februar, abends «/a9 Uhr in Steins Saalbau den Geburtstag Gabelsbergers mit Festspiel, Theater und Tanz.

Karneval - Konzert. Am Sonntag nachmittag 4 Uhr findet in Steins Saalbau wieder ein großes karnevalistisches Konzert statt (s. Ins.). Wir können den Freunden eines guten Humors den Besuch dieses Konzertes empfehlen.

* Variete. Am Sonntag finden im Konzertlokale zu denBier Jahreszeiten" zwei große Spezialitäten. Bor- stellungen mit vollständig neuem Personal statt. U. a. Auf­treten des berühmten Bureu-TrioS, vollendete Künstler auf dem Gebiete der GesangSkunst. Ferner Auftreten der beliebten Schwäbischen Singvögel im Nationalkostüm.

-o- Lollar, 31. Jan. Auf dem BuderuS'schen Eisenwerke hier waren am Mittwoch Nachmittag mehrere Arbeiter mit dem Abbruch eines unbrauchbar gewordenen Kessels beschäftigt. Diese Keffelanlage, die auf einem Mauer­werk ruhte, war bereits an der einen Seite unterhöhlt, jedoch vorschriftsmäßig durch Balken unterstützt. Eine große eiserne Platte jedoch stürzte und traf den Arbeiter Wilhelm Velden von Ruttershausen so unglücklich, daß ihm her ganze Unterleib aufgerissen wurde und die Ein- geweide heraustraten. Der Verunglückte wurde nach seiner Wohnung verbracht und starb nach wenigen Stunden.

** Friedberg, 31. Jan. Zum Zwecke einer Ber­einigung für Hessische Kirchengeschichte hatten sich am Mittwoch auf die durch ein Eomite ergangene Einladung ca. 50 Herren hier versammelt. Nachdem Prof. D Krüger aus Gießen im Namen der Einberufer Pfarrer Lic. Dr. Diehl-Hirschhorn, Pfarrer Fritsch-Rupperts-