btc Hoffnungen, die die wackeren Freiheitskämpfer an diese Ernennung knüpfen, erfüllen!
Der Transportdampser „(Sih) of Linkoln", der aus Australien mit Pferden nach Kapstadt unterwegs war, wurde vom Unwetter überrascht. Von 700 Pferden wurden 200 vom Blitz getötet. — DaZ ist eine Schlappe, die-der Himmel den Engländern zugefügt hat.
Der „Frkf. Ztg." wird aus Bern gemeldet: Auf dem Kantonsrat von Solothurn rourbe beantragt, der Bundesrat solle bei den Regierungen Schritte thun, gegen die völkerrechtswidrige engllsche Kriegführung. — Love’s labours lost!
Aus Stadt und Land.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist mir unter genauer Quellenangabe: „Gieß. -tuz." gestattet.)
Gießen, den 30. November 1901.
— Verzeichnis der Sitzungen des Schwurgerichts der Pro- vinz Oberheffeu pro 4. Quartal 1901:
1. Montag den 2. Dezember, vormittags 9x/2 Uhr, Anklage gegen Benedikt Reupert aus Obersinn wegen Körperverletzung mit tätlichem Erfolg. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann, bie Verteidigung führt Rechtsanwalt Hoos.
2. Dienstag den 3. Dezember, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Heinrich Klug und Sibylle Klug Witwe, beide aus Metzlos-Gehag, ersterer wegen Vergehens aus § 175 des Str.-G.-G., letztere wegen Kindestötung. Die Anklage vertritt Gerichtsasieffor Dr. Hetzel, die Verteidigung führt für Heinrich Klug Rechtsanwalt Weidig, für Sibylle Krug Witwe Rechtsanwalt Hoos.
Mittwoch den 4. Dezember, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Balduin Traud aus Herbstein wegen Notzuchtversuchs. Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich, die Verteidigung führen die Rechtsanwälte Dr. Gut fleisch u. Engisch.
Donnerstag den 5. Dezember, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Paul Bau mb ach aus Crainfeld wegen Meineides. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann, •bie Verteidigung führt Rechtsanwalt Hoos.
Freitag den 6. Dezember, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Heinrich A. Lindenstruth aus Gießen wegen Meineides. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Reuß, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Grünewald.
** Ernennungen. Ernannt wurden die Regierungsbau- Mhrer Clemens Behle aus Frankfurt tu *DL, Karl ^Cellarius aus Worms, Robert Cramer vom Hof ^Ludwigshöhe (Kr. Gießen) und Ludwig Klump aus Darmstadt zu Regierungsbaumeistern.
*♦ Auszeichnungen. Der Großherzog hat dem .Garde-Unteroff. Grab bet Garde-Unteross. Komp, die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdiensb-Ordens Philipps des Großmütigen, dem Garde-Unteroff. Schnellbacher •der Garde-Untervss. Komp., den Wachtmeistern Wohlfahrt und Schmidt, den Fußgendarmen Gebhardt und Schäfer, — des Grvßherzogl. Gend- Korps, — das •Silberne Kreuz des Verdienst-Ordens Philipps des Großmütigen verliehen.
* * Konzert. Morgen findet in der Ostanlage Promenaden- ausik statt mit folgendem Programm: 1. Ouvertüre z. Op. (Bellini), 2. Carlotta-Walzer (Millöcker), 3. Krönungsmarsch (Meyerbeer), 4. Finale a. d. Op. Lohengrin (Wagner).
* • Die Generalversammlung des Saalbau-Vereins am Donnerstag den 28. November war leider nur schwach besucht. Der Vorfitzende erstattete zunächst den Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr. Die Zahl der Mitglieder betrug 185. Als einzige künstlerische Aufführung fand ein Konzert des Herrn Dr. Ludwig Wöllner statt. Außerdem wurde am 22. Ium ein großes Jahrmarktsfest in Steins Garten veranstaltet. Der vom Finanzausschuß geprüfte und richtig befundene Rechenschaftsbericht schließt mit einem Ueberschuß von 1770 Mk. 15 Pfg. ab, womit das Vermögen des Vereins auf 8240 Mk. angewachseu ist. Dem Rechner Kommerzienrat Heichelheim wird Entlastung •erteilt und ihm der Dank für seine Mühewaltung ausgesprochen. In diesem Vermögen ist noch nicht inbegriffen der Reinertrag des Jahrmarktsfestes, der mit 5400 Mk. bei der Spar- und Leihkasse angelegt ist. Die Versammlung beschließt, der Einwohnerschaft Gießens und insbesondere den Damen und Herren, welche die Kauf- und Schaubuden aufs reichste ausgestattet und sich in ebenso eifriger wie liebenswürdiger Weise den Mühen des Verkaufs unterzogen haben, öffentlich den Dank auszusprechen. Der bisherige Vorstand wird durch Zuruf wiedergervählt; einige Lücken sollen durch Juwcchl ausgefüllt werden.
** Religionsgesckpichtliche Vorträge. Gestern abend hielt Professor Holtzmann seinen zweiten Vortrag, in dem er davon ausging, daß der Gehorsam gegen das Gesetz das hervorstechende Merkmal der jüdischen Religion bildet^ aber die Hoffnung auf den Messias treibt zu diesem Gehorsam. Bis Esra hat das später giltige Gesetz niemals auch nur yinsicUliH der öffentlichen Festfeier vollständig gegolten. Altisrael hatte 'überall Gottesbilder, die das Gesetz verbietet; auch im Tempel Salomos standen vom Gesetz verworfene 'Bilder lebender Wesen; in der alten Zeit opfert man überall, das Gesetz erlaubt nur Opfer in Jerusalem. Aber die alte .Frömmigkeit fehlt gegen das Gesetz, weil sie es nicht kennt; mach den Königsbüchern wurde erst 621 v. Chr- das Gesej 'des Mose int Tempel in Jerusalem gefunden. — Damals »mußte in Juda der assyrische Götterdienst beseitigt werden,
den man wegen der Nebermacht der Assyrer eingeführt •hatte; nur Jerusalem hatte den Assyrern widerstanden; feilt Tempel war rein israelitisch; die Propheten verlangten Einschränkung des Opferdienstes: so sollten jetzt alle Tempel und Altäre außer dem in Jerusalem fallen. Das verlangt das -im Tempel gefundene, durch König Josia trotz aller Schwierigkeiten zur Geltung gebrachte Gesetz: damit wird für die Landstädte Judas zuerst ein ovferloser Gottesdienst in Gebet und Predigt in Aussicht gestellt, ein Hinauswachsen über die ganze Welt des Altertums. — Nach der Zerstörung Jerusalems entwirft in der babylonischen Gefangenschaft der Prophet Hese kiel ein ideal gehaltenes Gesetz,'das Mach der Rückkehr gelten soll. Die Verhältnisse der Zurückgekehrten werden aber erst durch Esra 444 v. Chr. sicher geordnet. Er verpflichtet die ganze Gemeinde zu rein persönlicher Treue gegen ein umfassendes Gesetz des Mose. Nach Esras Zeit werden alle auf Mose zurückgeführten «BtaR SSätot Moje sÄneö. Msi
gilt Mose als Urheber des priesterlichen Rechtes und als erster Prwphet. — Das große Sammelwerk läßt die verschiedenen Stufen der israelitisck)en Religion noch deutlich erkennen. Zwei Bücher schildern die Geschichte der Welt von der Schöpfung bis zur Einwanderung Israels in Palästina, eines volkstümlich, die alte Sitte widerspiegelnd, das andre — das Buch des Esra — den ganzen (Ertrag der prophetischen Predigt verwertend; das durch Josia singeführte Gesetz ist als Anhang beigefügt, eine letzte Warnung Moses an sein Voll. — Das Gesamtwert enthält nun überall Reste eines abgestorbenen Glaubens, z. B- bei Aufzählung unreiner Tiere. Die rein gottesdienstlichen Gebote zeigen am deutlichsten eine Entwicklung: das älteste Gesetzbuch fordert viele Altäre, das Buch, des Josua nur einen, das Buch des Esra führt das Versöhnungsfest ein. Auch das Recht des Hauses zeigt stufenweisen Fortschritt. Im Schuldrecht begegnet schon im ältesten Gesetzbuch das Zinsverbot, 621 kommt dazu noch das siebente Jahr als Erlaßjahr: das Buch des Esra sucht die letztere Be- timmung durch Einführung des 50. Jahres als Erlaßjahrs zu ersetzen. Der Armenfürsorge gilt die Vorschrift des ältesten Gesetzes, bie den Ertrag des siebenten Jahres den Armen zuweist; das Buch des Josia verlangt für die Armen jedes dritte Jahr ein Zehntel des Ertrags. — Sein Gesetz hat das jüdische Volk über den Zusammenbruch des jüdischen Staates hinaus in seiner Eigenart erhalten; andererseits stellen die spätesten Teile des Gesetzes gewisse leitende Lebensgrundsätze auf: die beiden Gebote der Nächstenliebe und Gottesliebe stehen thatsächilich in diesem Gesetz als etwas ganz Besonderes da. Aber auch die Betonung der sittlich gerichteten Zehn Gebote gegenüber der älteren Reiche der gottesdiensllich gerichteten zeigt den Fortschritt zu einer Frömmigkeit der Selbsterziehung. Solche bildet sich aber lieber an Vorblldern als an Bor- chriften. Das vorchristliche Judentum sieht solche Vor- )ilder in den Erzvätern und in Viose, die freilich diesen Anforderungen nicht überall entsprachen. So zeigt fidji als Resultat dieser religiösen Entwickelung die Sehnsucht nach einem einheitlichen Ideal und nach einer vorbildlichen Persönlichkeit: — Das Alte Testament ist Weissagung.
** Tie akademis che evangelische Vereinigung (akademische Ortsgruppe des „Evang. Bundes") hier, hielt gestern abend im Cafe Ebel eine Versammlung ab, in der Pfarrer Schlosser einen Vortrag über: „Grund- ätze und Aufgaben moderner Armenpflege" hielt. Sein Vortrag bot reiche Belehrung und Anregung. — Was Armut bebeutet, und welche furchtbaren Wirkungen sie ausübt, zeigte der Redner mit ergreifender Deutlichkeit durch vergleichende statistische Angaben über Sterblichkeit in den ver- chiedenen Gesellschaftsklassen, und durch Mitteilungen aus )en Erfahrungen, bie er als Gefängnisgeistlicher gesammelt hat. Er legte bann dar, wie es zu der modernew bürgerlichen Armenpflege gekommen ist. Sie war erst möglich auf dem Boden des Protestantismus, erst als der Staat als selbständige, sittlich berechtigte Größe anerkannt wurde. Sodann zeigte der Vortragende, welche großen Vorzüge bie gesetzliche bürgerliche Armenpflege hat und wie erfolgreich sie in der Organisation, die sich in dem „Nberfelder System" (seit 1853) ausgebildet hat, wirkt; andererseits aber habe sie auch Schwierigkeiten im Gefolge, besonders durch die Bestimmungen bezüglich! des Unter» tützungsw-ohnsitzes und des „Existenzminimums". Der Redner kam dann auf die gesetzliche Arbeiterversicherung und -Fürsorge zu sprechen, die sich wesentlich) auf die bei )er Armenpflege gewonnenen Erfahrungen stützt. Er childerte ihre Bedeutung neben der Armenpflege und ür sie. Sie hat zwar zunächst eine Entlastung der Armen- oflege herbeigeführt, der aber eine stärkere Belastung ge- ölat ist, weil die Versicherungsgesetze dazu beitrugen, die Lebenshaltung der arbeitenden Klasse im allgemeinen zu erhöhen. Mer eben dadurch trägt sie viel zur Verstopfung der Quellen der Armut bei, und dies ist doch schließlich >as letzte überragende Ziel bei der Bekämpfung der Armut. Zum Schluß würdigte Pfarrer Schlosser neben der bürgerlichen noch- bie freie und kirchliche Armenpflege. Sie ist eine notwendige Lebensäußerung christlich-sittlicher Gesinnung und findet ein weites Arbeitsfeld, auf dem sie — weise geübt in enger Fühlung mit der bürgerlichen Armenpflege — viel Freude und reichen Segen stiften kann.
eh Niedcr-Moos, 29. Nov. Der vor etwa 6 Wochen in dem nahen Metzlos-Gehaag verhaftete 60jährige Landwirt Heinrich Klug, unter dem Verdacht der Beihilfe zu einem Kindesmord, wurde aus der Haft entlaffen.
r Lauterbach, 29. Nov. Eigentümlich handelte der Pfarrer eines Ottes in der Umgegend. Als ein Brautpaar sich auf dem Standesamt zur Civittrauung befand, begab sich auch der Pfarrer in das Lokal (SchulhauS) und nahm der Braut den Kranz sowie dem Bräutigam den Strauß ab mit dem Bemerken, daß Erstere sich in guter Hoffnung befinde und dies ein Unrecht fei.
siAus dem oberen Vogelsberg. Unser-s-Korre- spondent teilt uns zu dem am 22. d. M. in der Zweitem Kammer zur Beratung gelangten Projekt der Erbauung einer Nebenbahn Grebenhain-Gedern über Hartmannshain folgendes mit: Die Abgeordneten waren überrascht davon, daß die Vorlage so rasch und unerwartet kam. Es scheint, als ob die Petition der 13 Gemeinden wegen Führung der Bahn über Bermuthshain- Völzberg-Bo lkartshain usw. bei den Beratungen im Finanzausschuß nicht beachtet resp. überhaupt ganz totgeschwiegen wurde. Die Abgeordneten selbst sollen keine Kenntnis davon gehabt, vielmehr geglaubt haben, die Petittvn sei erst am Morgen des Verhandlungstages eingelaufen. Infolgedessen haben sich die Petenten genötigt gesehen, eine weitere, Vorstellung an bie Zweite Kammer abzusenden, in der sie il a. aus führten, daß ihre Petttion bei den Verhandlungen über bie Vorlage nicht die geschäftsordnungsmäßige Behandlung gefunden haben dürfte, sie in den Berichten nicht erwähnt worden sei. Als langjährige Bewohner des Bezirks hätten sich die Petenten zu der Eingabe für verpflichtet gehalten, da man schon im Verlauf des Bahnbaues Lauterbach-Grebenhain auf die Stationen Blitzenrod, Frischborn, Eisenbach usw. hingewiesen habe. Sodann werden die Angriffe der Abgeordneten Weidner und Schmalbach von den Petenten scharf zurückgewiesen, die die sachliche und wichtige Eingabe als eine Mache bezeichnet hätten. Zum Schlüsse uwrde noch an die Zweite Kammer die Bitte gerichtet, die geschäftliche Behandlung in die Wege zu leiten. Allgemein herrscht in der hiesigen Gegend große Aufregung und Erbitterung.
Mainz, 29. Nov. Der Ausschuß des landwirtschaftlichen Vereins für Rheinhessen hielt hier heute eine zahlreich besuchte Versammlung ab. Es kam zu einer lebhaften Erörterung wegen der vor einigen Wochen in Darmstadt abgehallenen V er s am ml ung der hessischenLand- wirLe. Der Vorsitzende des rhevchesfischen Leverns
stein sprach sich ganz entschieden dagegen ti§, baß man s. Zt. auch die extremen Agrarier zu dieser Versammlung eingeladen habe, die Vertreter des ^Bundes der Landwirte", der Bauernbündler, der Bauernvereine rc. Mit söchcn Leuten, die die Politik in die landwirtschaftlichen Verammlangen hineintragen, wolle er nichts zu thun Haden, br sei auch ür landwirtschaftliche Zölle, aber auch enischieden ür langfristige H andelsv ertrage. Ihm sei ein Gtteidezoll von 6 Mk. mit Handelsverttäge lieber, als ein socher Zoll von 7 Mk. ohne Handelsvetträge. Jndusttie und landwitt-- chaft müßten sich gegenseitig unterstützen. Wenn nan mit einer Stellung in der Zollfrage nicht eüwerftanbcn fri, wolle er lieber das Präsidium des Vereins niederlegen. De große Mehrheit des Ausschuffes erklärte sich mit den Ausfülrungen des Vorsitzenden einverstanden.
Bmgen, 28. Nov. Die Hessische Regierung beabsichtigt, wie in der heutigen Stadtverordneten-Versammlung mtgeteilt wurde, in der Gemarkung Bingen durch Ankauf von Weinbergen ein Do manialweing ut zu schaffen. Im Frühjahr des kommenden Jahres dürfte die Angelegenheit in Fluß kommen und die zur Anlage notwendigen Weinberge inge» kauft werden. Von den Winzern und Weinhändlem in Bingen und Umgebung dürfte diese Absicht der Regierung au§ naheliegenden Gründen mit Freuden begrüßt werdm.
Homburg v. d. H, 28. Nov. Auf der Hornburg-Fried- berger Bahn entgleiste gestern zwischen den Stationen Rodheim und Roßbach von dem um 3.12 Uhr hiec abgegangenen Personenzug die Lokomotive und ein Wagen. Personen wurden nicht verletzt.
• * Kleine Mitteilungen aus Hesien und den Nachbarstaaten. Heinrich Klingspor von Mannheim, Sohn der früher in Wetzlar ansässigen Familie Klingspor, hat 200 Mark zur Renovierung unseres Domes gespendet.
Vermischtes.
• Lüttich, 29. Nov. Die hiesigen liberalen Stu- ) e n t e n veranstalteten gestern Abend anläßlich des Empfanges der katholischen Studenten von Lüttich Sttaßenumzüge und kandalöse Auftritte. Die Polizei schritt ein und es kam zu einem Zusammenstoß mit den Studenten, wobei mehrere der Letzteren verwundet mürben.
• Paris, 29. Nov. Eine große Feuersbrunst zerstörte in der letzten Nacht in der Sttaße Bachaumoni 14 Wohnhäuser. Die Ursache des Brandes ist noch nicht bekannt, jedoch vermutet man, daß daß das Feuer in einem Möbellager angelegt worden ist, da dasselbe gleichzeitig an vier Ecken brannte.
* Zu dem rätselhaften Tote des Leutnants Freiherrn v. Hammer st ein vorn 15. Jnf.-Regt. Nr. 181, oessen blutübersttömte Leiche, wie wir kürzlich meldeten, unter eigenartigen Umständen in Chemnitz aufgefunden wurde, : eilt jetzt die dortige Polizeidirektion mit, daß nach den behördlichen Ermittelungen lediglich ein Unglücksfall vor- 1 liege, der den Tot des bedauernswetten, jungen Offiziers herbeigeführt hat. Das gleichzeitig mit ihm abgestürzte Mädchen sei mit unbedeutenden Verletzungen daoongekommen. Unrichtig dagegen sei es, daß das Mädchen auf der Polizeiwache gemeldet hätte, daß es von einem Offizier in der Nähe des Hauptbahnhofes über ein Geländer in den etwa 5 m darunter befindlichen Kohlenhof gestürzt worden sei.
Landwirtschaft.
Darmstadt, 29. Nov. Die in Reinheim und Umgegend, sowie in einzelnen Otten der Kreise Bensheim, Groß-Gerau und Worms mit dem Baeeellischen Verfahren angestellten Heilverfahren haben, wie wir gestern telegraphisch nach der „Darmst. Ztg." mitteilten, ein befriedigendes Ergebnis nicht gehabt. Nach den bis jetzt eingelaufenen Berichten der mü der Ausführung dieser Versuche beauftragten Kreisvetettnärärzte sind selbst einige von denjenigen Tieren, bet welchen schon vor Einttttt der ersten Krankheitserscheinungen mit den intravenösen Sublimateinspritzungen begonnen wurde, noch während die Behandlmig im Gange war, chwer an der Seuche erkrankt und einzelne von ihnen auch eingegangen. Hiernach stellt sich die in einigen Fällen gemachte Beobachtung, daß behandelte Tiere leicht durchseuchten, als Scheinerfolg dar. Auch die Viehbesiher in den betroffenen Gemeinden haben in der Folge kein Vettrauen mehr zu dem Verfahren unb verhalten sich nach den Mitteilungen der bettesfenden Kreisveterinär-- ärzte gegen die weitere Anwendung des Verfahrens ablehnend. Aus diesem Grunde hat sich die Ministettalabteilung für öffentliche Gesundheitspflege veranlaßt gesehen, die Versuche ein- zustellen.
Unioersitäts Nachrichten.
— Aus Marburg ging folgendes Schreiben an Mommsen ab: Hochgeehrter Herr Prostsior!. Im Anschlüsse an die Erklärung, der Münchener Kollegen sprechen auch die unterzeichneten Pro-' essoren der Universität Marburg Ihnen aufttchtigen Dank dafür aus, daß Sie Worte zu einem dringlichen Warnruf gegenüber, einem Vorgang gefunden haben, in dem wir eine Gefahr für das Prinzip der Freiheit in Forschung und Lehre, die Grundlage der deutschen Universitäten erblicken. Mit der ohne Zweifel weitaus überwiegenden Mehrheit der deutschen Hochschullehrer teilen wir die von Ihnen verfochtene Ueberzeugung, daß unsere Universitäten nur bei völliger wissenschaftlicher Freiheit ihre Aufgaben als Pflegstätten der Wissenschaft zu erfüllen vermögen, und empfinden tun' oeßwillen die sonst so erwünschte Vermehrung der Professuren, wenn sie den Zweck verfolgt, einer bestimmten Konfession, statt; allein der Begabung und der Leistungskraft den Besitz von Lehrstühlen zu sichern, als eine Gefährdung der Universitäten und des geistigen Fortschritts. Mannkopff. Justi. Bergmann. Varren- trapp. Kissner. Max Bauer. Zincke. Cohen. Westettcmw.
Frhr. v. d. Ropp. Fischer. Herrmann. Niese. Ahlfeld. Achelis. Gasser. Ernst Schmidt. Hans Meyer. Kayser. Maaß. Sirt
Oetker, v. Sybel. Schröder. Jülicher. Budde. Ernst Hüfttr.1
Mirbt. Arthur Meyer. Ribbert. Schotsky. Heß. Korschelt. Natorp. Tuczek. Btetor. Jensen. Weiß. Richarz. Andree.! Bach. Rathke. Friedrich Schenck. Romberg. Bonhoff. v. Drach.' fteuffner. Fittica. Kohl. Cremer. Ostmami. Oldenberg. Brandt. Enderlen. Kühnemann.
— Die Berliner Finkenschaft hat beschlossen, eine allgemeine Studentenoersammlung einzuberufen, um zur Berufung des Prof. Spahn an die Sttaßburger Universität Stellung zu nehmen.
— Dio deutschen Universitäten und Mommsen. Aus Königsberg ivird gemeldet: Mit der Unterschrift des Rektors Prof Dr. M. Braun, war auf vorigen Freitag, 22. er., eine Versammlung sämtlicher ordentlichen und außerordentlichen Professoren sowie der Privatdozenten der Universität einberufen worden zur Beratung über eine eventuelle Stellungnahme zu der Mommsen- schen Erklärung. Herr Prof. Braun erklätte ausdtticklich in der Versammlung, daß er diese nur als Privatperson einberufen habe, und forderte die Amvesenoen auf, sich einen Vorsitzenden zu wählen. Die Wahl fiel auf Herrn Prof. Braun. In der Versammlung war ungefähr ein Drittel sämtlicher Dozenten der Universität — 30 bis 40 Herren — erschienen. Bon einet Seite wurde beantragt, daü


