der Überzeugung hervorgeht, daß man dem Verlangen der Krone Rechnung tragen müsse, nicht daß seine Erfüllung sachlich den Vorzug verdiene.
Die gegenwärtigen Kundgebungen derProfessoren- Freise haben ebenfalls mit dem Volksschillerpreise gemein, daß in ihnen eine ehrerbietige Fehde gegen die Ansichten des Kaisers gesehen werden kann. Und auch sie bestätigen die Auffassung, daß die heutigen Einrichtungen nicht ausreichen, um die Verantwortlichkeit, nicht bloß die politische, sondern auch die moralische, von dem Herrscher auf seine Räte abzulenken. Auch hier haben die Amtsstellen nicht hinreichend erwogen, daß dre Nachteile auf den Monarchen zurückfallen können, wenn sich die Wahl eines akademischen Lehrers, den er besonders ausgezeichnet hat, als «politisch oder wissenschaftlich als verfehlt erweisen sollte. Es ist die Aufgabe der Minister, derart ihren Schuld vor den Monarchen zu halten, nicht nur staatsrechtlich, daß sie selbst überall als die wirklichen Urheber etwaiger Mißgriffe erscheinen müssen, daß vor allem in keinem Fall der Kaiser selbst als fehlbar vor dem Volke erscheinen muß. Diese Aufgabe liegt ihnen ob auf dem Gebiete der Politik, wie auf dem der Kunst, der Litteratur, der Wissenschaft.
Hätten sie verstanden, dieser Aufgabe zu genügen, so -wäre kein Schillerpreis des deuffck)en Volkes entstanden, so hätte man nicht von hösischer Kunst geredet, so brauchte man nicht darüber zu rechten, ob ein Herrscher besser nur dieselbe Stellung in der Kritik für sich beanspruche wie jeder Bürger oder in ihm sich die Kunst eines Landes verkörpere. Es ist bedauerlich, daß sich diese Gegensätze verschaffen, wie auch bei der Verleihung von Medaillen geschehen ist. Als Friedrich II. die Wahl Nioses Mendelssohns in die Akademie der Wissenschaften ablehnte, tröstete sich Mendelssohn: es ist besser, daß die Akademie mich vvrge- schlagen und der König mich abgelehnt hat, als daß der König mich vorgeschlagen und die Akademie abgelehnt hätte. Aber es ist nicht gut, wenn sich die Notwendigkeit solcher Trostsprüche oft ergiebt, und es ist nicht gut, wenn ein mit Arbeiten aller Art überlasteter Monarch genötigt wird, persönlich. als Kunstrichter zu wirken und als solcher in der Oeffentlichkeit zu erscheinen.
Der Träger der deutschen Kaiserkrone steht zu hoch Mrd erhaben da, als daß er in die Streitigkeiten wie der politischen so auch! der noch' der künstlerischen und litte- Tarif(^01 Parteien gezogen werden sollte. Und darum ist die Moral des Vvlksschiller Preises, daß alle Einrichtungen, die die Verantwortung für eine Entscheidung von dem Preisgericht oder dem Minister auf den Monarchen selbst, in Wirklichkeit oder auch; nur scheinbar, übertragen, vom Uebel sind und der Abänderung dringend bedürfen zum Schutze des Monarchen und seiner Volkstümlichkeit.
Politische Tagesschau.
Zudustrialifienmg des Ostens.
Man schreibt uns:
Das Thema von der Industrialisierung deS Ostens wird im Lauf der nächsten Monate wiederholt im Parlament erörtert werden. Hat doch der preußische Handels- mi nister durch seine sommerliche Informationsreise nach dem Osten dort die Jndustinalisierungspläne zu neuem Leben erweckt. Man war bet Herrn Müllers Ankunft freilich hoff- nungssteudiger als bei seinem Weggang. Wie Reif fiel besonders die Memeler Rede des Ministers, in der er die Kaufmannschaft ermahnte, der Notwendigkeit eines erhöhten Zoü- schutzes für landwirtschaftliche Produkte sich nicht zu verschließen, auf die Erwartungen von Handels- und gewerblichen Kreisen. Ein schwacher Trost schien den letzteren, daß der Minister, als er im Herbst gen Westen zog, den dortigen organischen Vertretungen des Handels und der Industrie gleichfalls und eindringlich zu Gemüte führte, wie die Landwirtschaft doch die eigentliche Grundlage unserer staatlichen Kraft und Ordnung sei. Nun, auch ein Minister hat biüiger- weise Anspruch darauf, nach seinen T hat en beurteilt zu werden, und von diesen Thaien wird Herr Möller erst in den parlamentarlschen Verhandlungen Zeugnis ablegen. So weit positive, auf die Hebung der Industrie Ostelbiens ab- zielende Maßregeln in Betracht kommen, geschieht dies im preußischen Landtag. -Herr Möller ist Fachmann genug, um die Ausdehnungsfähigkeit insbesondere der ostdeutschen Maschinen- und Holzverarbeitungsindustrie erkannt zu haben. Der Osten hat billigere Rohstoffe, billigere Arbeitskräfte und billigeren Grund und Boden als der Westen. Was ihm vor allem not thut, ist eine Ausgestaltung der Verkehrsverhältnisse. Als einstiger Industrieller des Westens wird Herr Möller die Bedeutung der Verkehrsge- legenheitan für die industrielle Entwicklung zu schätzen wisseri. Wenn es ihm gelingt oder gelungen ist, im preußischen Staatsministerium eine diesbezügliche Berücksichtigung des Ostens durchzusetzen, so erwirbt er sich ein nicht geringes Verdienst. Wie es weiterhin mit dem Wiedereinbringen der Kanalvorlage steht, darüber läßt sich zurzeit Bestimmtes nicht sagen. Aber der Wunsch der Industriellen des Ostens, das Projekt des masurischen Schifffahrtskanals alsbald und eventuell gesondert in Angriff genommen, zu sehen, dürfte Herrn Minister Möller bekannt geworden sein, sodaß sich ihm auch nach dieser Richtung hin ein Feld zur Be- thätigung seiner Sympathie für die Industrialisierung des Ostens eröffnet. Ferner sind Zollsätze, die der Erneuerung des Handelsvertrags mit Rußland nicht im Wege stehen, für die Entwicklung von Handel und Industrie der Ostmarken gewissermaßen eine Lebensftage. Der Minister wird also bestrebt sein müssen, was an ihm ist, zu chun, damit der agrarische Luftzug den Nicht-Landwirten Ostelbiens nicht die Grenzthür vorüber Nase zuschlägt ...
Das vationalsoziale Agrarprogramm.
D. Gießen, 30. November.
Gestern abend fand im Cafe Ebel eine zahlreich, besonders von Studenten besuchte Versammlung des Nation al- sozialen Vereins statt, in der Dr. Maurenbrecher- Berlin über „die Zukunft der deutschen Landwirt- schaftt sprach. Da der Vortrag gewissermaßen das Programm der nationalsozialen Partei nach dieser Richtung entwickelte, das manchem unserer Leser wesenllich neues bieten dürfte, so geben wir ihn im folgenden in etwas ausführlicher Weise wieder:
Dr. Maurenbrecher wies.zunächst darauf hin, daß, wenn man m politistken Vereinen über die Zukunft der deutschen.
Landwirtschaft spreche, man von vornherein sich darüber klar sein müsse, daß es sich da nicht um rein wirtschaftliche Gedankengänge handelt, sondern in erster Linie darum, welches der Weg ist, den die Agrarpolitik des Staates gehen soll und welche Bedeutung der Landwirtschaft beizumessen ist. Es sei ein schwerwiegender Fehler unserer liberalen Politiker, daß man sich viel zu sehr auf spezielle wirtschaftliche Fragen festgelegt habe. Die nationalsozialen Interessen, so setzte der Redner auseinander, gipfeln in zwei Punkten:
1. wollten die Nationalsozialen im Interesse der Leistungsfähigkeit des deutschen Volksganzen nicht, daß Stadt und Land durch verschiedene handelspolitische Parolen auseinander gerissen würden und wiederum politische Gegensätze würden. So gut die Nationalsozialen die Sozialdemokraten bekämpften, weil sie den Arbeiterstand von der übrigen nationalen Gesamtheit losreißen wollten, ebenso verwürfen sie die Politik des Bundes der Landwirte, weil sie den handelspolitischen Kampf der Gegenwart formulierten nach dem Schlagwort „Entlveder das Interesse der Stadt oder das Interesse des Landes", weil sie in der Forderung, des Minimalzolles auf Getreide durchaus scharf den Wunsch ausdrückten, daß für die Gesamtentwicklung unseres Wirtschaftslebens das Interesse des Getreide produzierenden Landwirts ausschlaggebend sei. Diese Parole sei unnational. Der Idee der selbstgenügsamen Wirtschaft auf dem Lande stehe in der Stadt entgegen der Gedanke der steigenden industriellen Entwicklung Deutschlands. Darum treibe die Nationalsozialen ihr politisches Gesamtbild von der Einheitlichkeit der Zukunftsentwicklung der Nation in Gegensatz zum Programm des Bundes der Landwirte.
Der 2. Punkt gipfele in der Frage, was uns vom nationalen Standpunkt aus die Landwirtschaft leisten solle. Der Bund der Landwirte behaupte, sie solle uns das Getreide bauen, damit wir von der Versorgung durch das Ausland unabhängig blieben. Die Nationalsozialen sagten, sie solle die Menschen schaffen, die fähig seien, die vaterländischen Geschicke zu tragen; das Land müsse der Urquell der nationalen Entwicklung, der Jungbrunnen bleiben, aus dem die in der Kultur der Stadt verbrauchten Kräfte sich immer wieder ergänzen könnten. Wolle die deutsche Nation einen breiten Raum auf der Erdrinde einnehmen, so bedürfe man im Innern Deutschlands eines Bauerntums, das überschüssige Bevölkerung aus sich herauslaffen könne, ohne seine Kraft zu verlieren. Deshalb müffe man dabei stehen bleiben, daß dieses Bauerntum sich nicht geschieden fühle von ber Entwickelung, die bie Stabt wohlhabend gemacht habe. Wenn auf dem Lande genügend Getreide gebaut werden solle, um das ganze Volk zu ernähren, bann könnten nicht so viele Menschen auf dem Lande angesiedelt werden, wie zu wünschen sei. Beweis dafür lieferten die Getreide exportierenden Provinzen des Ostens. Gerade diese seien es, die in den letzten Jahrzehnten den ganzen Bevöllerungszuwachs aus sich heraus abgeschoben hätten, und deren Bevölkerung viel langsamer wachse als im Westen. Wolle man den Getreidebedarf im eigenen Lande decken, so müffe man wünschen, daß die agrarischen Zustände im Westen sich auf die übrigen Provinzen ausdehnten. Denn die Provinzen, die einen zahlreichen Bauernstand ernährten, konsumierten chre Produktion selbst. Er sei überzeugt, daß dieser Gedankengang nationaler sei als d« des Bundes der Landwirte. Das Beispiel zeige, baß, wenn bas Mutterland nicht imstande sei, nachzusiedeln, sich in den Kolonie en sehr bald der Gedanke der politischen Entfremdung vom Mutterlande bemerkbar mache. Seine Parki wolle, daß Deutschland einen zusammengeschloffenen, breiten Raum auf der Welt bilde, der politisch einheitlich geleitet sei. Und um diesen Gedanken zu verwirklichen, bedürfe es der breiten Basis eines gutgenährten, rasch sich vermehrenden Bauerntums, denn der Arbeiterkreis sei für die Kanalisation bekanntlich nicht brauchbar.
Der Bund der Landwirte wollte, daß der Getreidebau künstlich verstärkt werde. Die Nationalsozialen fragten, ob diese künstliche Ausdehnung im Interesse des Volksganzen liege. Auf liberaler Seite sei häufig der Landwirtschaft geraten worden, vom Getreidebau zu anderen Produktionen überzugehen. Das halte er für falsch. Für die Nationalsozialen scheide die Frage, ob der Getreidebau aufzugeben sei oder nicht, aus, ganz abgesehen davon, daß immer noch eine gute Menge landwirtschaftlicher Betriebe mit erklecklichem Profit arbeiteten. Für die Nationalsozialen handle es sich um die politische Frage, ob man auf dem Wege der Handelspolitik künftig den Getreidebau zu stärkerer Ausdehnung an» reizen solle oder nicht. Die geschichtliche Entwickelung zeige, daß eine absolute Unrentabilität des Getreidebaues noch in weiter Ferne stehe. Das könne nicht dazu reizen, auf dem angegebenen Wege den Getreidebau noch weiter auszu- dehnen.
VefonberS aber kämen 3 Wirkungen, die eine Steigerung der Zölle nach sich ziehen würden, in Betracht. Die erste sei die Erschwerung der Lebenshaltung der städtischen Mafien. Der Getreidezoll schädige die städtische Bevölkerung, aber nicht nur als Konsument, sondern auch als Produzent. Das« sei die zweite Wirkung. Denn die Erzielung guter Handelsverträge würde dadurch erschwert. Dazu komme das dritte und fi"ir die Nationalsozialen Schwerwiegendste, wa§ sonst in der Bekämpfung deS Bundes der Landwirte nicht immer scharf genug hervortrete: Der Getreidezoll nütze der Landwirtschaft als Betriebsform, als soziale Schicht sehr wenig. Nach Erhöhung des Getreidezolls würden die Besitzer vielfach chren Grund und Boden verkaufen, weil nunmehr der Reinertrag höher sei, also auch die Kapitalsumme höher angerechnet werden könne. Dann dürfe man von einem Schutz der Landwirschaft nicht mehr reden. Denn der Nachfolger, der einen höheren Preis zahlen müsse, stehe da wie heute. So nütze der Getreidezoll auf die Dauer den landwirtschaftlichen Betrieben überhaupt nichts. Und wenn der Besitzer auch nichts verkaufe, so sterbe er doch einmal. Dann werde das Gut eingeschätzt, und die Erben hätten denselben Notstand wie früher. Nur dem momentanen Grundbesitzer nütze der Zoll, er hindere aber die bessere Entwicklung der Landwirffchast. Denn das Dringendste, was die Landwirtschaft bedürfe, sei billiges Land, damit ein möglichst großer Teil des Kapitals zum Betriebe verwendet werden könne. Der Mangel der Landwirtschaft liege darin, daß sie nicht kapitalkräftig genug sei, und der Getreidezoll bewirke, Laß die Verschuldung immer mehr anwachse, Der
Getreidezoll sei also als Hilfsmittel für die Landwirtschaft zn verwerfen.
Der Redner suchte nunmehr nachzuweisen, daß nicht der Kleinbetrieb, sondern der Großbetrieb es sei, der das Land veröde. Denn jener hat, so begründete er, viel mehr Gelegenheit, zu anderen Produkten überzugehen. Und auf dem Land, in der Nähe der Städte, auf dem ein Großgrundbesitzer wohnt, lassen sich Hunderte und Tausende von kleinen Besitzern ansiedeln, die wohlhabender leben können als der Großgrundbesitzer, weil sie die Möglichkeit haben, Waren zu produzieren, die auf dein benachbarten Markte einen höheren Wert haben und deshalb rentabler sind als der Getreidebau. Auch der Bund der Landwirte dehnt den Schutzzoll auf diese Waren wie Butter, Käse usw. in gleicher Weise wie auf das Getreide aus. Doch der Schutzzoll ist hier völlig überflüssig, i Der Redner sucht dies durch statistisches Zahlenmaterial nach^ zuweisen.) Ueberall, wo wir auf diesen Gebieten arbeiteten, haben wir auch ohne Zollschutz die Konkurrenz des Auslandes beseitigen können. Beispielsweise haben wir 1897 noch 106 000 Tonnen frische Kartoffeln aus England bezogen, im letzten Jahre aber schon 3000 Tonnen mehr an das Ausland abgegeben, als wir bekommen haben. Das ist doch sicher ein Zeichen, daß für alle Spezialprodukte die Entwicklung der Technik in der Landwirtschaft, allgemein gesagt, die Entwicklung der Bildung und geistigen Regsamkeit unter den Bauern mehr wert ist als der Schutz durch Zoll. In der Steigerung der Bildung und Regsamkeit unserer Landwirte liegt eine große Menge positive Agrarreform. Dieses Reformprogramm, zu dem der Ausbau der Verkehrsstraßen gehört, kostet fteilich Geld. Es stellt an die städtischen Steuerzahler die Anforderung, zugunsten bäuerlicher Verhältnisse auf dem Lande Geld zu geben. Aus diesem Gebiet versagt zum größten Teil das Agrarprogramm, das uns von den Linksfreisinnigen vorgetragen wird. Man giebt dadurch den Bauern das Geftihh als ob der Städter ihm aus feiner wirklichen Not nicht helfen wolle, und treibt ihn in die Arme des Bundes der Landwirte. Die Sozialdemokratie ist da vernünftiger. Sie weiß, daß jede Sozialreform Geld kostet. Kautsky hat es direkt ausgesprochen, daß deni Land, wenn man es braucht, Kapital zugeführt werden muß, auf dem Wege der staatlichen Entwicklung.
Der eigentliche Punkt, wo man ein setzen mufe ist bie bäuerliche Gemeinde. Wie bie Stadt ein Gesamtkörper ist, der für feine Angehörigen wirtscbaftliche Aufgaben übernimmt, so muß auf dem Lande Die Gemeinde dieser Körper fein, der auch finanziell in die Lage gesetzt werden muß, den Bewohnern leistungsfähig gegenüber zu stehen. Diesen Gedanken verbinden wir mit dem Gedanken der „Hypothekarreform". Das ist der eigentliche GrundgedankeunferesProgramms. Was bisher die Hypothekenbanken leisteten, soll den Bauern in Zukunft die eigene Gemeinde leisten. Sie kann ebenso wie die Hypothekenbanken Geld erhalten, z. B. zu 3.25 oder 3.50 Prozent, das sie den Landwirten für 4 Prozent giebt. Der Bauer wird am Steuererlaß usw. bald merken, daß er dem eigenen, nicht einem privaten Institut den Gewinn vermehrt.; Auch die Hypothekenreform hilft natürlich dem Bauern nicht auf die Dauer; denn bei jedem Besitzwechsel wird das, was er an Erleichterung erhalten hat, wieder auf den Wert des Grundstücks geschlagen werden. Immer aber ist der Grundgedanke der, daß die Gemeinde leistungsfähiger wird, die länger bleibt als die einzelne Generation.
Am Schluß seines Vortrages betonte der Redner noch-j mals, daß feine Partei die ernste Notlage innerhalb der bäuerlichen Wirtschaftsverhältnisse durchaus anerkenne und auf den angedeuteten Wegen bereit sei, dem Bauern zu helfen. Es sei erforderlich, daß man Sinn bekomme für die Notwendigkeit positiver neuer Organisationen, um die Kluft zwischen Stadt und Land zu beseitigen, die entstanden fei durch die Agitation des Bundes der Landwirte. National müßte feine Partei den Bauernstand wünschen und sozial den Bund der Landwirte verwerfen, weil er im besten Falle das Individuum des Bauern schütze und seinem Egoismus diene, aber nicht der sozialen Gesamtheit der Lcmd- wirffchaft.
Es entspann sich nun eine sehr lebhafte Debatte; insbesondere beteiligte sich daran Oekonomierat Schien ke, der den Ausführungen des Dr. Maurenbrecher in allen Hauptpunkten entgegentrat, sie angriff und zu entkräften suchte, wobei er der Praxis entnommene Beispiele anführte. Leider machte die vorgeschrittene Zeit eine enbgütige Äus^ tragung der Debatte unmöglich
Tas Eisenbahnunglück bei Buir.
Wie wir bereits gestern und in unserer heutigen Vormittagsausgabe meldeten, ist der vorgestern abend in Köln um 7.40 fällige Personenzug Nr. 27 zwischen den Stationen Buir und Horrem entgleist. Der um 7.03 von Düren abgefahrene Zug hat planmäßig bis Köln keinen Aufenthalt mehr; das Unglück ereignete sich sonach bei schneller Fahrt auf freier Strecke, und da der Bahnkörper sich in guter Verfassung befand, auch an der Unfallstelle keine Kurve aufweist, so vermutet man, daß die Entgleisung absichtlich durch ein Verbrechen herbeigeführt worden ist. Die Folgen des Unglücks find überaus schwer. Die Maschine, ein Eil-» guttoagen, ein Postwagen und zwei Personenwagen vierter' Klasse sprangen aus dem Geleise; während die Maschine! links neben das Geleise sich legte, fielen mehrere Wagenl nach der rechten Seite um und stürzten die hohe Böschung herab. Das Fahrpersonal, von dem niemand erhebliche- Verletzungen erlitten hatte, sowie auch zahlreiche Passa- giere eilten sofort den Insassen der verunglückten Wagen zu! Hilfe und bemühten sich, dieselben aus den Trümmern, hervvrzuziehen. Auch die alsbald von Türen und Köln' herbeigeh-olten Aerzte sowie das Personal des von Kölni hinzugezogenen Hüfszuges beteiligten sich rege an dem Rettungswerke. Zwei Personen, ein Rottenarbeiter nebst dessen Frau, wurden alsbald tot aus dem Trümmerhaufen herausgehvlt. Fünf weitere Personen sind schwer verletzt und wurden, nachdem ihnen auf dem nahe gelegenen Gute des Herrn Höffeler Notverbaude angelegt worden, nach dem Krankenhause in Düren befördert; einer derselben, der Klavierstimmer Brück aus Köln, ist inzwischen bereits feinen Verletzungen erlegen. Außerdem find noch etwa 15 Personen leicht verletzt; sie konnten über Düren- Neuß nach Köln weiter befördert werden. Beide Geleiso waren infolge des Unfalles gesperrt.
Entgleist sind außer der Lokomotive zwei Eilgutwagen, ein Packwagen und zwei Wagen vierter Klasse. Ein inmitten des Zuges befindlicher Postwagen entgleiste mit einer Achse und machte so das Zurückziehen der nicht entgleiften Wagen' unmöglich. Während die Maschine sich, nach links über M


