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1.12.1901 Erstes Blatt
 
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Nr. 283

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Kernsprechanschluß Nr.ül.

Erstes Blatt. 151. Jahrgang.

Sonntag 1. Dezember 1901

GietzenerAnzeiger

** General-Anzeiger w **'

Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Derantwottlich für den allgemeinen Teil: P. Wlttko; für den An­zeigenteil: HanS Beck

Bismarckiana.

De* st)eben erschieneneAnhang zu Btsmrrrcks Gedanken und Erinnerungen enthält mannigfache wichtige Beiträge zur neuesten Zettgeschichte. Wir erfahren daraus, wie der Kronprinz, der während der Konflikts­zeit in schroffem Gegensatz zum Ministerpräsidenten Bis­marck gestanden hatte, sich nach Küniggrätz ihm näherte. Am 1. August 1867 schreibt er an ihn:

"Im Innern des Landes wächst die Unzufriedenheit über die Maßregeln Ihrer Kollegen Eulenburg und Lippe, wozu namentlich die Verfolgung von Leuten wie Twesten und Lasker beiträgt. Was jenen beiden während der Reichstagssitzungen zu verdanken ist, wissen Sie ebenso genau wie ich, und ich kann nicht verstehen, was es un3 nutzen soll, derartige Personen zu maßregeln und zu verletzen.

Ter Kronprinz ist es, der die Ernennung Fr red- 6ergs zum Staatssekretär des Reichsjustizamts dringend befürwortet. Er giebt auch die erste Anregung zur Berufung S i m s v u s an die Spitze des Reichsgerichts, und zwar in folgendem Schreiben an Bismarck vom 10. OÄober 1878:

,Mns vergaß ich neulich abend zu erwähnen, nämlich, ob nicht der Präsident des Äppellationsgerichts zu Frank­furt a. O. Simsou die geeignete Persönlichkeit wäre für den künftigen Posten eines Präsidenten des Obersten Reichsgerichts zu Leipzig. Noch eilt die Sache nicht, aber ich Null bei Zeiten meinen Kandidaten genannt und drin­gend empfohlen haben. Eine Persönlichkeit von solcher Verdangenheit und von so viel politisc^m Gewicht hat gewiß auch die richtige Begabung, um unser Oberstes Gericht einzusetzen und alsdann zu leiten!"

Tiefe Anregungen hatten Erfolg. Völlig dagegen fiel der Kronprinz mit einer Emvfehlung Geffkens ab. Ter Kronprinz lenkte die' Aufmerksamkeit des Staatsmannes auf den Straßburger Professor als einen Mann, der reiflich nachdenke und viele Erfahrungen gesammelt habe. Aber da kaut er übel an. Bismarck erwiderte am 8. Januar 1876:

Bei den Verhandlungen, welche im letzten Sommer bei mir angeregt wurden, ist mir von ultramontaner Seite gerade der Dr. Gefscken als der Mann angedeutet worden, der eventuell die ultranvomanen Wünsche und Interessen zu vertreten bestimmt sei. Ueber sein Buch (Staat und Kirche) kann ich ziemlich unbefangen urteilen, denn ich habe den speziellen Inhalt der Maigesetze, den ich damit nicht tadelll will, nicht zu verantworten; ich war damals an den Arbeiten des preußischen Ministeriums nicht be­teiligt und namentlich weder Kultusminister noch Mi­nisterpräsident. Um so unparteiischer kann ich konstatieren, daß in den mir bekannten Kreisen der Fachmänner Tr. Gesfckens Buch als eine seichte Kompilation bezeichnet wird, wie seine Kritik der Falkscheu Gesetze jedenfalls von dreister Anmaßung, aber nicht von sachlicher Prüfung Zeugnis giebt. Ich habe Herrn Gefscken auf seinen Wunsch zur Professur in Straßburg vorgeschlagen, in dem guten Glauben, oaß es ihm um wissenschaftliche Thätig- keit ehrlich zu thun sei, und daß fein augustenburgischer und hanseatischer Partikularismus durch die Herstellung des Reiches versöhnt sein werde. Ich habe mit Bedauern gehört, daß ich mich darin geirrt habe, und er selbst an einem so wunden Punkte wie im Elsaß die Reichs­interessen befeindet. Es würde mich das alles nicht ab- halten, ihn, wie so manchen Gegner, zu sehen, wenn ich nicht eine Unterredung ohne Zeugen mit ihm scheute, und wenn ich nicht fürchten müßte, daß jeder Verkehr mit diesem Wertzeug konfessioneller Jntriguen das Mißtrauen der öffentlichen Meinung und insbesondere das meiner Kollegen gegen mich wecken müßte."

Der Kronprinz war über diese leidenschaftliche Kritik einigermaßen erstaunt, fand aber begreiflich, daß unter diesen Umständen eine Unterredung zwischen Bismarck und Gefscken unterblieb. Tiefer Briefwechsel trägt manches zur Ertlärung des späteren Geffcken-Pvozesses bei. Recht inter­essant ist auch, aus den Aktenstücken zu erfahren, daß die württemb. Minister v. Mittnacht und v. Pfretzschner sich 1875 bei Bismarck bemühten, durch den Ausbau des Bundesratsbeschlusfes für auswärtige Angelegenheiten besser über die Weltgeschichte unterrichtet zu werden, da sie sich bei dem Krieg-in-Sicht-Äeschrei lediglich auf Zeitungs­nachrichten angewiesen sahen. Bismarck erwiderte u. a_:

Eine offene Aussprache über die Ziele und die Maß­nahmen der Reichspolitik wird meinerseits mit Genehmig­ung Sr. Majestät des Kaisers jedesmal ohne Anstand statt- ftnden, wenn sie den leitenden Ministern der im diplo­matischen Ausschuß vertretenen Souveräne gegenüber er­folgen kann; es würde sich nur um die Herbeiführung der Begegnung handeln. Unter welchen Modifikationen der bestehende diplomatische Ausschuß dazu förderlich wer­den kann, darüber würde ich gern auf jeden Vorschlag erwägend eintreten, namentlich wenn er von Euer Ex­zellenz oder von einer so wohlvertretenen Regierung wie kgl. wurttembergische, auch durch deren ständigenGesandten zunächst vertraulich an mich gelangte. Jedenfalls bin ichEw. Exzellenz amtlich und persönlich dankbar für die freundliche Anregung des für die Fortbildung der Reichseinrichtungen so wichtigen Gegenstandes."

Aus den Briesen des Kardinals Hohenlohe er­fährt man, daß schon im Frühjahr 1876 Verhandlungen über die Beilegung des Kulturkampfes eingeleitet waren. Er selbst sprach die Hoffnung aus, daß der Zentrums­partei das Handwirk gelegt werde. Am 26. November 1879 schreibt Gustav Prinz von Hohenlohe, Kardinal der römischen Kirche, Bischof von Albano, über die Jesuiten:Gut ist es immer, unser Vaterland vor dieser Landplage zu hüten." Ganz verwundert schreibt der Kaiser an Bismarck am 30. Dezember 1877, daß Biennigsen nach, Varzin berufen sein soll, um Minister des Innern zu werden, und

daß, als er Eulenburg erklärte, davon nichts zu wissen, dieser es gar nicht glauben wollte. (Der Heuchlet, fugt Bismarck bei.) Der Kaiser fährt fort:

Ich muß Sie also ersuchen, mir Mittellung zu machen, was denn eigentlich vorgehet?. Was Bennigsen betrifft, so würde ich seinen Eintritt in das Ministerium nicht mit Vertrauen begrüßen können, denn so fähig er ist, so würde er den ruhigen und konservativen Gang meiner Regierung, den Sie selbst zu gehen sich ganz ent­schieden gegen mich aussvrachen, nicht gehen können."

Da aber dieser Brief sich mit einem Bismarcks kreuzte, schrieb der Kaiser sofort, er bedürfe feiner Auskunft mehr:

Daß an all den Gerüchten nichts wahr sein konnte, verstehet sich ja von selbst, es war also nur die Berufung Bennigsens, die mich inquietierte, und da ich Ihnen ja nie verwehren kann, Personen, die Sie wirllich zu hohen Posten mir Vorschlägen zu wollen beabsichtigen, vorher noch genauer zu prüfen, so ist auch diese Jnquietude ganz beseittgt, da B. kein Kandidat ist."

In demselben Briefe des Kaisers findet sich folgende Stelle:

Tie brennende politische Frage, ob Frieden oder Krieg, liegt ganz in Englands Hand; aber ich fürchte daß bei der Kriegs Lust der Königin Viktoria und chrem jüdischen ersten Ratgeber (Benjamin Tis- raeli Earl of Beaconsfield), der sie in ihrer Lust bestärkt, die Tinge zur Kriegsverlängerung und dann zu viel größeren Eomplicationen für Europa führen werden, als der bisherige lokalisierte. Enfin qui vivra, verra."

Aus einem Schreiben des Generals v. Albedyll er­fährt man, daß Kaiser Wilhelm I. schon im Juli 1885 in Ems einen schweren Ohnmachtsanfall hatte undsehr nahe an dem Augenblick war, wo ein Zuruckkehren ins Leben nicht mehr möglich gewesen wäre." Am 14. Mai 1886 wiederholte sich der Anfall mit Lähmungserscheinungen, Verworrenheit, stotternder und schließlich versagender Sprache. Schon nach dem ersten Vorgang hatte sich, der Kronprinz mit Bismarck über den etwaigen Thronwechsel auseinandergesetzt. Das letzte Schreiben Kaiser Wichelms an Bismarck, das mitgeteilt wird, lautet:

Berlin, 23. 12. 1887. Anliegend sende ich Ihnen die Ernennung Ihres Sohnes zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz, um dieselbe Ihrem Sohne zu übergeben, eine Freude, die ich Ihnen nickst versagen wollte. Ich denke, die Freude wird eine dreifache sein, für Sie, für Sohn u(u)d für mich! Ich ergreife die Gelegenh(ei)t um Ihnen mein bisheriges Schweigen (zu erklären- auf Ihren Vorschlag, meinen Enkel den Prinzen Wilhelm mehr in die Staatsgeschäfte ein­zuführen, bei dem traurigen Gesundheits-Zustande des Kronprinzen meines Sohnes! Im Prinzip bin ich ganz einverstanden, daß dies geschehe, aber die Ausführung ist eine sehr schwierige. Sie werden ja wissen, daß die an sich sehr natür(liche) Bestimmung, die ich auf Ihren Rat traf, daß mein Enkel W. in meiner Behinderung die laufenden Erlasse des Zivil- und Militärkabinetts unterschreiben werde unter der Ueberschrift:Aus Aller­höchsten Befehl", daß diese Bestimmung den Kron­prinzen s ehrirritiert hat, als denke man in Berlin bereits an seinen Ersatz! Bei ruhigerer Ueberlegung wird sich, mein Sohn wohl beruhigt haben. Schwieriger würde diese Ueberlegung sein, wenn er erfährt, daß seinem Sohn eine noch größere Einsicht in die Staatsgeschäfte gestattet wird n(n)d selbst ein Eivil Adjndant gegeben wird, wie i ch seiner Zeit meine Vortragenden Räte bezeichnete. Damals lagen die Dinge jedoch ganz (anders), da ein Grund meinen Königlichen Vater veranlassen konnte, einen Stellvertreter des damaligen Kronprinzen zu be­stellen, obgleich, meine Erbschaft an der Krone schon längst vorher zu sehen war, und meine Einführung unterblieb bis zu meinem 44. Jahre, als mein Bruder mich sofort zum Mitglied des Staats Ministeriums ernannte mit Bei­legung des Titels als Prinz von Preußen. Mit dieser Stellung war also die Zuteilung eines erfahrenen Ge- schäf.s marines no.wmcig ummch.zur jedesmaligen Staats Minifterial Sitzung vorzubereiien. Zugleich erhielt ich täglich die politischen Depechien, nachdem dieselben durch 456 Hände, den Siegeln nach, gegangen waren! Für bloße Conversation, wie Sie es Vorschlägen, einen Staatsmann meinem Enkel zu zuteilen, entbehrt also des Grundes, einer Vorbereitung, wie bei mir, zu einem bestimmten Zweck u(nd) würde bestimmt meinen Sohn von neuem u(nd) noch mehr irritieren^ was durchaus unterbleiben muß. Ich schlage daher vor, daß die bisherige Art der Beschäftigung-Erlernung der Behandlung der Staats-Orientierung beibehatten wird, d. h. einzelnen Staats Ministerien zugeteilt werde, und vielleicht auf zwei ausgedehnt werde, wie in diesem Winter, wo mein Emel freiwillig den Besuch des Auswärtigen Amts ferner zu gestatten neben dem Finanzministerium, welche Freiwilligkeit dann von Neujahr ganz fortfallen könnte, und vielleicht das Minist. des Innern an die Stelle (treten könnte), wobei meinem Enkel zu gestatten wäre, in einzelnen sanglanten Fällen sich im Auswärt. Amt zu orientieren. Diese Fortsetzung des jetzigen Ver­fahrens kann meinen Sohn weniger irritieren, obgleich Sie sich erinnern werden, daß er auch gegen dieses Verfahren scharf opponiert. Ich bitte also um Ihre Ansicht in dieser Materie. Ein angenehmes Fest Ihnen Allen wünschend Ihr dankbarer Wilhelm.

Der Schillerpreis des deutschen Aolkes.

Als im Jahre 1829 die ersten romantischen Werke auf der Bühne erschienen undMarion de Sonne" von der französischen Komödie angenommen wurde, erging eine Bitt­schrift an den König Karl X., er möge das Theater allen

Werken derneuen Schule" verschließen. Der König aber lächelte und erwiderte, daß er in litterarifdjen Angelegen­heiten nur wie jeder Bürger seinen Platz im Zuschauerraum habe. Er lehnte es ab, fick), zum Richter in künstlerischen. Fragen zu machen und sie kraft seiner Staatsgewalt zu ent­scheiden. Anders Ludwig L von Bayern. Als Cornelius von München nach Berlin ging, sagte Ernst Förster zum Könige:Wir werden es schwer empfinden; beim schon seine Gegenwart hält die Kun/st auf der Höhe und scheucht von Irrwegen zurück; wir büßen viel ein, aber Ew. Majestät verlieren eine Perle aus Ihrer Krone". Woraus Ludwig, heftig entgegnete:Nicht an Cornelius ist die Kunsts in München gebunden; ich der König, bin die Kunst von München".

Welcher Standpunkt der richtigere ist, vielleicht gehen die Meinungen darüber auseinander. Ludwig I. hat der Kunst ein warmes Herz entgegengebracht; aber wie von seiner Fürsorge, so erzählen die Straßen der bayerischen Hauptstadt auch genug von seinen Fehlgriffen. Und wenn schon der Herrscher eines Mittelftaates für seine Fehlgriffe geltend machen kann, daß er von Regierungsgeschäften aller Art zu sehr in Anspruch genommen sei, um auf dem Ge­biete der Kunst und Litteratur mit dem Fachmann den Wettbewerb auszuhalten: wie erst muß dem Oberhaupt einer Großmacht, dem Leiter ihrer Politik, dem obersten Kriegsherrn ihres Heeres und ihrer Marine zu gute ge­halten werden, daß er mit Arbeiten und Sorgen überbürdet ist, wenn er in litterarischen und künstlerischen Dingen Ent­scheidungen trifft, die in den Kreisen der zuständigen Be­urteiler nicht immer Beifall finden!

Je größer ein,. Staatswesen ist, um so größer ist das Unrecht, das man gegen die Krone verübt, indem man ihr Ausgaben zuweist, die sie nicht zu lösen vermag. Es ist falsch, Verhältnisse zu schassen, in denen die Verantwortung nicht auf die Räte des Monarchen abgewälzt, sondern ihm selbst auferlegt wird. Dadurch wird die Nation genötigt, Stellung zu den Anschauungen des Herrschers zu nehmen, und da in den Fragen der Kunst, der Litteratur, der Wissenschaft nicht der Wllle auch der mächtigsten Person gilt, so führt die Stellungnahme zu den Anschauungen des Herrschers bei denen, die sich die Seb ständig leit des Urteils wahren, mitunter zur Stellungnahme gegen diese Anschau­ungen. Das bedeutet eine Fehde gegen die Meinungen des Vtonarchen, auch wenn sie in den ehrerbietigsten Formen geführt wird. Und es ist noch gut, wenn sie geführt wird; sie i|t der Monarchie heilsamer als das Schweigen der Erbitterung.

Eine solche Form der Fehde gegen die Ansichten des Kaisers über die Dichtkunst bedeutet der Schillerpreis des deutschen Volks, dessen Stiftung neuerdings angekündigt wird. Geschaffen unter anderen Umständen, als sie heute herrschen, hat. der alte Preis Jahrzehnte hindurch kaum zu lebhaften Erörterungen Anlaß gegeben. In neuerer Zeit aber ist es wiederholt vorgekommen, daß das Urteil des berufenen Preisgerichts verworfen und durch das Urteil des Monarchen ersetzt wurde. So konnte es kommen, daß drei der erfolgreichsten Dramatiker der Gegenwart, die der Mehrheit der Preisrichter ober ihnen allen bes Preises würdig erschienen, seiner verlusttg gingen unb ein Mann wie Wilden bruch öffentlich sein Bedauern über die Fülle der Zuwendung aussprach, die ihm durch die Gunst des Herrschers zu teil wurde. Da aber die Regierung durch Umgestaltung der Satzungen des Schillerpreises jetzt noch schärfer als ehedem zum Ausdruck gebracht hat, daß der Preis nach den Anschauungen der Zkvone zu verleihen ist, wie, so fragt dieVoss. Ztg ", kann es wunder nehmen, daß das Verlangen auftaucht, diesem Kaiserpreise den Schiller­preis des deutschen Volkes entgegenzustellen?

Tiefer Gedanke hat, kaum daß er bekannt geworden, außerordentlichen Beifall gefunden. Die Satzungen des neuen Preises sollen sich den alten Satzungen von 1859 genau anpassen, nur daß die Entscheidung des Preis­gerichts enbgUtig ist, nicht lebiglich bie Bedeutung eines unmaßgeblichen Gutachtens hat. Trifft die Wahl der Krone in Zukunft bieselbe Person wie die Wahl des unabhängigen Preisgerichts, so wird der doppelt gekrönte Dichter doppelten Ruhm genießen. Gehen aber die Urteile auseinander, so wird die öffentliche Meinung in dem Empfänger des Kaiser­preises nicht immer den Mann sehen, der besser ist als der Empfänger des Volkspreises. Aus dem Gegensatz zwischen Hof und Volk, der sich jn vielen Fragen der Kunst zeigt, ist der neue Preis erstanden; er wird diesen Gegensatz viel­leicht noch verschärfen. Aber die Stiftung des Schiller­preises des deutschen Volkes ist nur ein Symptom unerfreu­licher Verhältnisse, die auch auf anderen Gebieten bestehen und zu einer Bewegung der Geister geführt haben.

Ein Seitenstück zum Schillerpreis ist der Verdunpreis, der dem besten Geschichtswerke zufallen sott. Die Sachver­ständigenkommission hatte diesen Preis Heinrich b. Shbel zuerkannt für seine Geschichte der Gründung des Deutschen Reichs, das jetzt in einer Volksausgabe von dem Verlage R. Oldenbourg in München herausgegeben worden ist, recht­zeitig vor Weihnachten, ein Werk, das als Ganzes von einer Großartigkeit, von einer Bedeutung ist, daß ihm bie Mit­welt wie die Nachwelt sicherlick) die vollste Anerkennung nicht verweigert. Dennoch wurde ihm der Verdunpreis verweigert. Auch hier ist die letzte Entscheidung nicht dem Preisgericht, sondern dem Kaiser zuge^iesen. Man hat derlei Erfahrungen bei den Entwürfen ru großen Denk­mälern gemacht. Auch hier ist bas Urteil des Monarchen in Widerspruch mit dem Urteil des Preisgerichts gekommen. Und ähnliche Fälle mehren sich auch auf Gebieten, wo nicht ein Recht des Kaisers,' zu befehlen, gesetzlich! fest- steht, sondern nur die Frage ist, ob auf seinen W unsch Rücksicht genommen werden solle. 2luch hier entsteht manche Verstimmung, wenn die Erfüllung des Wunsches nur aus