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01/09/1901 Erstes Blatt
 
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Aus KIM im- Land.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original. Natzichten ist mrr unter genauer Quellenangabe: efc« gestaltet.)

Gießen, 31. August 1902.

* Auszeichnung Ter Großherzog hat dem Wald­arbeiter Karl Jung in Schlitz das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue ^Arbeit" verliehen.

** Wegen der Aufhebung von Sonntags-Rückfahrkarten haben die Landtags-Abgeordneten Haas-Mainz und Tr. David an die Zweite Kammer den Antrag gerichtet, die Regierung zu ersuchen, in der Preußisch-Hessischen Eisenbahngemeinschafts- Verwältung dahin zu wirken, daß die im früheren Gebiet der Hessischen Ludwigsbahn seit Jahrzehnten geltenden Sonn­tags-Rückfahrkarten, die sich im Wirtschafts- und Verkehrs­leben eingebürgert haben, auch für die Folge beibehalten werden.

Grunberg, 29. August. Gestern Mittag war Medizinal­rat Tr. Haberkorn hier anwesend, um in Folge einer an das Krcisamt Gießen gelangten Beschwerdeschrist das Wasser derHöf en tränke" auf seine Gesundheitsschädlichkeit einer Augenscheinnahme zu unterziehen. Tie Bestrebungen, denen die E'ingabe an das Kreisamt ihre Entstehung verdankt, sind, wie derGründ. Anz." mitteilt, auf die Zuschüttung des ge­nannten Weihers gerichtet, dürften indessen nicht ohne ent­schiedenen Widerspruch bleiben. Angebracht wäre es aller­dings, wenn von zuständiger Seite streng darauf gesehen würde, daß die Höfentränke nicht zur Aufnahme von übel­riechenden Flüssigkeiten und von verendetem Viehzeug dient. Heute wurde seitens des Kirchcnvorstandcs der Beschluß gefaßt, die Konfirmation statt wie bisher am 2. Pfingst- feiertag am Sonntag nach Ostern stattfinden zu lassen.

i. Laubach, 30. August. Nachdem die Ergänzungs­wahlen zum Gcmeinderat sehr ruhig verlaufen sind, scheint auch die auf den 5. September festgesetzte Wahl eines Bürgermeisters ohne große Erregung vor sich zu gehen imd die Wiederwahl des seitherigen bewährten Bürgermeisters Jochem gesichert zu sein. Äe seit mehreren Jahren un­besetzt gebliebene Stelle eines Kammerdirektors der hiesigen Gräflichen Rentkammer ist nun wieder besetzt worden, und zwar mit Herrn Schön, der früher in Solms-Braunfels'schen Diensten stand. Am Mittwoch fand in derTraube" wieder eine Konferenz von Religionslehrern der Umgegend statt. Lehrer Jakob von Wetterfeld hielt einen eingehenden Vortrag über die Aufführung geistlicher Volts - schauspiele auf dem Lande. Er berichtete von dem schönen Erfolge, den s. Z. die aus der weiten Umgegend überaus stark besuchte Aufführung des Lutherfestspieles von Herrig in seiner Gemeinde gehabt habe. Die Versammlung einigte sich in dein Wunsche, daß auch auf den: Lande der Geschmack veredelt werden und mit der Aufführung edler, klassischer Stücke weitere Versuche gemacht werden möchten. Leider war die Konferenz infolge der ungünstigen Witterung nicht so gut besucht als früher. Ende Oktober soll die dritte Kon­ferenz dieses Jahres stattstnden.

Laubach, 30. August. Der Bahnbau bei Freien­seen ruht augenblicklich vollständig. Am Kaff schrecket er nur langsam fort, da die Errichtung eines circa 8 Mtr hohen Dammes sowie die Ausdehnung des Jben Tunnel einleitenden Einschnitts einige Schwierigkeiten be­reiten. Am nächsten Montag wird unter Zuziehung meist italienischer Arbeiter der Bau am Ringelsberg in Angriff ge- nommen. Zur leichteren Unterbringung und Verköstigung derselben wird an der Straße nach Schotten eine Arbeiter- kantine errichtet.

Vermischtes.

* Die Verlobung von Rockefeller jun. Aus New-Pork wird die Verlobung von John T. Rockefeller, dem Sohne des Krösus derStandard Oil Company", mit Miß Abby Aldrich, der Tochter des Senators Nelson Wil-

marth Aldrich, gemeldet. Ta der junge Rockefeller die meisten Millionen seines Vaters erben wird, wird er einst jedenfalls einer der reichsten Menschen der Welt werden. Wie reich Rockefeller sen. ist, kann niemand genau sagen, aber man schätzt sein Vermögen auf Milliarden. Sein jährliches Einkommen beträgt ungefähr 80 Mill. Mark und durch die ungeheure Ausdehnung seiner Unternehmungen wächst das Kapital jährlich um viele Millionen. Im Ja­nuar verheiratete sich Rockefellers Tochter Alta mit einem jungen Rechtsanwalt von höchst bescheidener Praxis, der auch in der Sonntagsschule arbeitet. 9iockefeller, der in seinen persönlichen Gewohnheiten einer der einfachsten Menschen auf der Welt ish, sagte damals, daß es ihm bei seinem Schwiegersohn nur auf guten Charakter an­komme. Fräulein Aldrichs Vater ist ein Kaufmann aus Rhode Island und ebenfalls Millionär. Er sitzt seit 1881 im Senat, und ist einer der einflußreichsten Männer der republikanischen Partei.

Gerichtssaat.

e- Gieße«, 28. Aug. (Gewerbegericht). Den Vorsitz führt Beigeordneter Wolff. Die Erdarbeiter Georg Drescher, Wilhelm Failing, Georg Ferber und Andreas Jung von Wald-Girmes klagen gegen den Unternehmer Ludwig Weimer zu Wald-Girmes auf Zahlung von 199 Mk. 72 Pfg. rückständigen Accordlohn. Da der Beklagte trotz ordnungsmäßiger Ladung im heutigen Termin nicht erschienen ist, ergeht auf Antrag der Kläger Versäumnisurteil gegen den Beklagten. Der Tapezierer Heinrich Wülfing von hier verlangt von der Firma Karl Stückrath hier 350 Mk. Enffchädigung, weil er für dauernde Arbeit eingestellt, aber schon nach V« Jahr nach voraufgegangener 14tägiger Kündigung, entlaffen worden sei. Die Sache soll vorerst beruhen bleiben. Der Kläger behält sich jedoch die Stellung eines Antrags auf Anberaumung eines neuen Termins vor.

Wegen Mißhandlung eines Untergebenen hatte sich der Leutnant Reinecke vom Infanterie-Regiment Nr. 164 in Hameln -vor dem Kriegsgericht der 20. Division in Hannover zu verantworten; gleichzeitig war in dieser Sache der Sanitäts-Unteroffizier Grebe als Mitschuldiger angeklagt. Die Verhandlung, zu der 17 Zeugen und der Oberstabsarzt des Regiments als Sachverständiger geladen waren, fand unter Ausschluß der Oeffenllichkeit statt. Der Vertreter der Anklage beantragte den Ausschluß, da in der Verhandlung verschiedene Punkte zur Sprache kommen würden, die das persönliche Ehrgefühl der Beteiligten verletzen könnten. Das Gericht beschloß dem Anträge gemäß, die Oeffent- lichkeit für die ganze Dauer der Verhandlungen auszuschließen,wegen Gefährdung militärischer Jntereffen". Aus der Urteilsbegründung ergab sich ein schwerwiegender Thatbestand. Der Offizier hatte seine Leute gegen den Befehl in der freien Weser schwimmen laßen. Unter ihnen befand sich der Musketier Meyer IV., der sich freischwimmen sollte, aber nach kurzer Zeit nicht mehr weiter konnte. Nun beschimpfte der Offizier Meyer in der gröblichsten Weise, trat ihm, als er aus dem Wasser wollte, auf die Finger und versetzte chm Stöße in die Seite. Meyer mußte weiter schwimmen, und als er sich erschöpft an ein Floß klammerte, befahl der Leutnant dem Grebe, jenen loszumachen. Grebe that dies, wobei er den Meyer stieß und verletzte. Dieser erkrankte hieraus an einer Rippen­fellentzündung, erlitt aber keine dauernde Schädigung an seiner Gesund­heit. Aus dem Urteil ging ferner hervor, daß der Leutnant dem Musketier befahl, den Auswurf, den dieser infolge Erschöpfung von sich geben mußte, mit den Händen aufzunehmen und in die Tasche zu stecken. Leutnant Reinecke wurde wegen Ungehorsam gegen einen Dienstbesehl, Beleidigung und Mißhandlung eines Untergebenen zu einer Gesamtstrafe von zwei Monaten und einer Woche Gefängnis verurteilt. Der Umstand, daß Meyer eine dauernde Schädigung an seiner Gesundheit nicht erlitten hat, ließ das Gericht mildernde Umstände annehmen und davon absehen, auf Dienfientlaffung des Angeklagten zu erkennen. Grebe wurde wegen schwerer Körperverletzung zu vierzehn Tagen Arrest verurteilt.

Kttteratur, Miffensthaft und Kunst.

In der Verlagsbuchhandlung von Gose u. Tetz la ff, Berlin W, erschien kürzlich in der SammlungModerner Effay's zur Kunst und Litteratur", Herausgeber Dr. Hans Landsberg, ein Heft über tlttlOlD vöckli« von Rudolf Klein. Obgleich sich in den letzten Jahren die Böcklin-Litteratur schnell und ausgiebig entwickelt hat, verdient diese kleine Menographie doch besondere Beachtung. Sie erschließt uns, außer den Lebensmomenten des Künstlers, neue intereffante Anschauungen von der Schaffensart Böcklins. In kurzen Abschnitten führt uns der Verfasser den Entwickelungsgang der Künste bis auf Böcklin vor Augen, mit großem Geschick die bedeutendsten Geister und ihren Einfluß auf die Kunstfirömungen der Zeiten mit scharfem Streiflicht beleuchtend. Der alles zusammenfaffende Gedanke dieser Betrachtung ist wohl: Darwin und Richard Wagner bilden, als Typen genommen, Geistes-Pole. Sie lagen in ruhelosem vernichtendem Kampfe, in dem der größten Einer, Friedrich Nietzsche, erlag, während ein Anderer, jahrzehntelang abseits Stehender ihre herrliche Einheit bUdet. M. H.

Lus Frankfurt a. M. schreibt man uns: Die neu arrangierte September-Ausstellung im Kunstsalon von Hermes u. Eo. in Frank­furt a. M. vereintgt eine auserlesene Anzahl Meisterwerke unserer ersten Künstler. Wir finden Werke von A. Böcklin, A. Feuerbach, Teutwart Smitson, Han^s Thoma, Ad. Menzel, Max Liebermann, Wilh. Leibl, Uhde, Schönleber, Lenbach, Gebr. Max, F. A. v. Kaulbach, Otilie Röderstein, alle meist zwei und dreifach vertreten. Von Ausländer sind zu erwähnen F. Courtens, Victor Gilsoul, Paul Mathieu, Fritz Thaulow und ein junger Belgier Ferd. Willaert. Max Klinger sandte eine Bronze Tanzende Mädchen und Jes. Lambeaux-Brüffel eine Gruppe La seduction". __

UnioerMs Nachrichten.

Ueber vaS «edizirrfiudium der Frauen an den deutschen Universitäten tm Sommer,emester 1901 schreibt Eulenburg In der Deutsch. Med. Wocher.schr.":Bet der aktuellen Bedeutung, die die gesetzliche Regelung des FrauenstudtumS und der Zulaffung zur Praxis 'ür den ärztlichen Stand augenblicklich gewonnen hat und voraus­sichtlich in naher Zukunft in noch verstärktem Maße gewinnen wird,, macht sich der Mangel sicherer statistischer Unterlagen über dm Um­fang des gegenwärtigen Fraumstudtums an den deutschen Hochschulm in bedauerlicher Weise fühlbar. Wir habm deshalb geglaubt, durch eine an die sämtlichen medizinischen Fakultäten des Deutschm Reichs, sowie auch Deutsch-Oesterreichs und der Schweiz gerichtete Umfrage zunächst ermitteln zu sollen, wie hoch fich die Zahl eingeschriebener Hörerinnen da es sich zumeist noch nicht um immatrikulierte Stu­dentinnen handelt an den etnzelnm Fakultäten gegmwärttg beläuft und wie viele darunt r als deutsche RetchSangehörige für die AuS» Übung der SrzUtchen Praxis in dm nächsten Jahren vorauSfichtlich in Betracht kommen. Dekane der medizinischen Fakultäten Deutsch­lands babm fast sämUich durch Ausfüllung des zu diesem Zwrcke übersandtrn Schemas unserm Wünschm freundlichst entsprachen mit alleiniger Ausnahme von Münchm, von wo wir trotz wiederholter Bitte die gewünschte Auskunft nicht erhalten konnten. Unter dm nicht zum Deutschen Reiche gehörigen Universitäten, bet denen wir «nfragtm, haben Wien, Basel und Gens bisher keine Antwort gegeben. Wir laffm nun zunächst die ermittelten Zahlen in tabellarischer

Uebnficht folgen:

Universitäten Zahl der eingeschriebenen Hörerinnen der Medizin

des Deutschen Reichs.

darunter Jnnländerinnen

Ausländerinnen

im Sommersemester 1901 in

Berlin .... 25

(Reichsdeutsche) 4

21

Bonn . . .

. 5

5 9

BreSlau . .

. 2

2

Erlangen . .

Freiburg i. B.

. 18

14 -)

4

Gießen . .

Göttingen . .

Greifswald

.

Halle a. S. .

. 12

3 9

9«)

Heidelberg . .

. 6

6 0

Jena . . .

. ------

Kiel ....

Königsberg

1

1)

Leipzig . . .

. 24

2

22

Marburg . .

Roftock . . .

Straßburg

. 2

2

Tübingen . .

Würzburg . .

.

Gesamtzahl 95 39 56

Wie auL dieser Zusammenstellung und dm Anmerkungen hervor- geht, verfügt nur die Minorität der medizinischen Fakultäten Deutsch­lands bisher überHörerinnen" der Medizin, die als solche in das FakultätSalbum eingetragen werden; immatrikulierte Studentinnen haben bisher nur die badischen Fakultäten (Freiburg und Heidelberg). Ganz oder überwiegend ablehnend gegm die Zulassung von Fraum als Hörerinnen verhaltm fich, wie aus den unS zugrgangmm Begleit­schreiben hervorgeht, einstweilen die mediztnischm Fakultäten von Kick und Tübingen."

0 Darunter nur 4 eigentlich inskribiert (mit Reise vorn hum. Gymnasium); 1 ohne Reifezeugnis hört nur einzelne Vorlesungm.

2) Darunter 10immatrikuliert", 4 (ohne Maturitätsexamen) nur alSHörerinnen" eingeschrieben.

») 3 Inländerinnen haben in diesem Jahre baS Staatsexamen absolviert, eine davon ist zum Dr. med. promoviert worden.

4) Russinnen.

Schisssnachrichten.

Norddeutscher Lloyd, tn Gtetzm vertretm durch den Agenten S. Looö.

Bremen, 30. Aug. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschraubm'PostdampferNorderney", Kapitän R. Pesch, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern Nachmittag wohlbehaltm in Galochon angekommm.

in den Schlafräumen herrschte, den Satz aufrecht zu er­halten:Was wir noch weiter in diesen Häusern, die mit einem verschwenderisschen Aufwand von Mitteln aus­gestattet sind, sahen, sind nur ewige Variationen des bereits Geschehenen. Ein solches Tohu va Bohu von un­bewußt oder absichtlich gesuchten Geschmacklosigkeiten und unverdauter Formwiedergabe von längst Vorhandenem wird man tauni auf einen so kleinen Raum Zusammentragen, vielleicht nie wieder zu Gesicht bekommen."

Es scheint, als wolle sich die Parodie-Ausstellung solcher und ähnlicher Behauptungen in launiger Weise be­mächtigen. Wenn's nur glückt! Mit Wort, Ton, Pinsel, Meißel kann nian parodistisch arbeiten aber in der Sprache des Architekten läßt sich eine eigentliche Tra­vestie schwer zu stände bringen. Einzelne Vorwürfe wie Wiener Gschnasausstellung",Schießbude",Waffelbude" sollen, dem Programm nach, allerdings ausgebeutet werden. Hoffentlich hat man auch die Sedersche BezeichnungMe- uageriebude" für das Ernst Ludwig-Haus nicht übersehen!

Doch zurück zu Ludwig Habich. Ter Witz findet an. seinem .Hause so gut wie gar keine Operationsflächen, und in dem Katalog, den wir etwas individuell gefärbt gewünscht hätten, kommen auch nicht die geringsten Ambitionen zum Vorschein! Ein Register nichts weiter wird gegeben.

Das wirkt äußerst beruhigend auf krakehlsüchtige Ge­müter, freilich auch enttäuschend auf solche, die gerne einige Anhaltspunkte erhalten möchten.

Wer durchaus tadeln will, kommt schließlich auch hiier auf seine Rechnung; freilich oft in höchst drolliger Weise. So hörte ich neulich in voller Entrüstung einen älteren Herrn zu einer Dame sagen:Aber das werden Sie doch zugeben, gnädige Frau, daß man diese Treppen unmöglich gehen kann, wenn man etwas im Kopfe hat!" Auch ein Standpunkt! Ein anderer ereiferte sich über die Kopie des Parthenon: Frieses, in dexHalle", weil er ihn für eine Habichsche Arbeit inunmöglichem Jugendstil" hielt!

Dabei möchte ich nochmals hervorheben, was ich schon einmal im Anfänge der Ausstellung gesagt, daß das Habich-Haus an seinen Innenwänden reichlichen Platz für bildlichen Schmuck besitzt, und auch in ergiebiger Anwend­ung zeigt. Wir finden im Erdgeschoß, wie in den oberen Räumen Gemälde, die Selbstzweck sind und nicht nurde­korativ" in Betracht kommen. Ter Gold ton spielt eine hervorragende Rolle bei Habich. Die Hausthür, diese porta aurea, ist an sich schon ein Glanzstück, ebenso das neben der Halle links liegende blaue Zimmer, dessen Wände tu gleichem Glanz erstrahlen. Dabei jedoch kein grelles, un­

ruhiges Geflimmer sondern klare, antike Einfachheit. An der Anlage des Baderaumes übertrifft das Habich- Haus alle Nachbargebäude. In diesem giebt sich der elastische Sinn zu erkennen, welcher in ununterbrochener Fühlung mit der Formenwelt der Griechen und Römer geblieben ist. Tas zeigt sich auch an der schön empfun­denen Brunnenfigur an der Wand des Olbrichschen Hauses owie an verschiedenen Statuetten.

Wenig Anziehungskraft übt in der Ausstellung der Blumentempel". Tas blau angestrichene Oktogon recht- ertigt diesen Namen durchaus nicht; das ihm zu Grunde liegendekünstlerische Thema" zu zeigen, in wie weit es möglich wäre, auf einem kleinen Raum, der gewiß jedem Hause für den Blumenkult abgezwungen werden könnte (!!) blühende Pflanzen in Verbindung mit künstlerisch er­dachten Schmuckgegenständen etwa Bronzen oder Kera­miken aufzustellen, hat eine sehr mangelhafte Bearbeit­ung gefunden.

Namentlich die Frankfurter, die durch Palmen- und Zoologischen Garten ganz andere Arrangements gewöhnt sind, staunen über die Dürftigkeit der Anlage, die um so auffallender zu tage tritt, als sie sich inmitten eines wun­dersam üppigen Parks erhebt.

Jagdschloß Wolfs garten. In der soeben er­schienenen Nr. 35 der Jll. Jagdztg.St. Hubertus" (Verlag von Paul Schettlers Erben in Köthen) finden wir eine Abbildung des Schlosses Wolfsgarten nebst! Medaillon­porträt des Großherzogs Ernst Ludwig. Dazu schreibtRancillio" folgendes:

Im schönen Hessenlande, wo Großherzog Ernst Ludwig als eifriger Jäger und Heger waltet, giebt es noch brave Hirsche, die in ihrem Eharaktertypus dem Elbe- und Oder- Hirsch ziemlich nahe stehen. Ein bedeutender Wildpark ist es, von über 2500 Hektar Wald und Wiesen, die das groß? herzogliche Leibgehege Kranichstein bilden. Jagdschloß Wolfsgarten" abex, bei Langen, 'aus dessen altersgrauen Mauern leider so wenig an die Oeffenllichkeit dringt, birgt fast jedes Jahr einen hohen Jagdgast auf längere Zeit. Ter Schwager des Großherzogs, Zar Nikolaus von Rußland, mit seiner erlauchten Gemahlin hält dort Ein­kehr zu fröhlichem Gejäide, denn der deutsche Wald und sein Wild läßt den Wunsch auf Wiedersehen immer wieder gerne reg werden. Ta ziehen die Hohen dann nach alter Sitt' und Brauch hoch zu Roß hinaus zur Beizjagd, denn Zar Nikolaus ist ein eifriger Verfechter dieser alten edlen hergestammten Jagdart, die leider in den deutschen Landen keinen Protektor mehr finden will, so daß wieder das Beiz­

zeug aus den alten Rumpelkammern der Schlösser hervor­geholt werden kann, wo es jetzt den Motten und Spinnen einen willkommenen Unterschlupf gewährt. Ter einzige Fürstenhof im großen deutschen Reiche ist es, an dem man der Beizjagd noch huldigt, und der Zar nebst seiner hohen Gemahlin übt mit Vorliebe die Jagd mit dem Falken aus. Bis zu Wochen dehnt sich der Aufenthalt des Zaren im Jagdschlos Wolfsgarten aus. Ist dieses doch der Ort, wo seine hohe Gemahlin ihre Jugend verbrachte, die dort auch als eifrige Jägerin manchen Braven erlegte. Ebenso ist die Großherzogin von Hessen eine passionierte Jägerin, die es ihrem leider so früh Heimgegangenen Vater, dem Herzog Alfred von Sachsen-Koburg-Gotha nachthut, Wild und Wald zu verehren und zu schätzen. Tie im Jagd­schloß zu Wolfsgarten schön arrangierte Trophäen-Samm- lung ist, eine der bedeutendsten auf dem Kontinent, und durchweg sind die frei zur Schau gebrachten Präparate vollendete künstlerische Kabinettstücke. Ein Dreistangengeweih, ein starker Sechzehnender, wurde von dem Großher^og am 24. August. 1900 im Wildparke Kranichstein erlegt und zierte auch mit einem kapitalen Achtzehnender und zwei braven Vierzehnendern aus demselben Wildparke, nebst den guten Geweihen aus den großherzoglichen Oberförstereien Vier­heim und Lampertheim, welches freie Wildbahnen sind, die diesjährige Berliner Geweihausstellung. Durch ratio­nelle Fütterung mit Hohlfeldschem Pulver und künstliche Düngung der Waldwiesen mit ihrem roten Sandboden, des weiteren die reichliche Winterfütterung find die Ur­sachen, daß feit einigen Jahren schon die Geweihbildung des dortigen Rothirsches sich sehr gehoben und sicherlich ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hat. Möge vielleicht das nächste Jahr schon zeigen, daß die großherzoglichen Leibgehege ihr bestes hergeben zur Freude oes hohen Jagd- Herrn, dieses Gönners der grünen Gilde, dem ein Weid­mannsheil stets gesichert bleiben soll.

Man schreibt uns aus Darmstadt: |

Die litterasrifdj - künstlersiche Gesell­schaft hat am Geburtstage Goethes ihre alle zwei Wochen wiederkehrenden Vereinsfitzungen wieder ausgenommen und zwar mit einem Vortrage des Prof. Dr. Otto Hamack über:Wandlungen des Urteils über Goethe. Aus dem gediegenen Vortrag, an den sich eine kleine Diskussion schloß, ergab fich, daß diese Wandlungen gleich laufen mit den bedeutendsten Wendepunkten in unserem litte* rarischen Leben. An diesen Gesellschaftsabenden sind regel­mäßig vertreten Mitglieder der jungen, rührig strebenden Sodener Dichter-Kolonie".