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01/03/1901 Erstes Blatt
 
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können zum Besuch der Werkstattlehre Unterstützung er­halten.

Der Unterricht wird durch 4 Fachlehrer erteilt, «nd durch eine reiche Modell- und Vorbildersammlung, sowie gut auSgeftattete Werkstätten unterstützt.

Das Schulgeld beträgt 15 Mk. im Halbjahr.

Unbemittelten Schülern kann die Entrichtung des Schul­geldes nachgelaffen, auch kann im Großherzogrum Ansässigen der Besuch der Schule durch einen Unterstützungsbeitrag er­leichtert werden.

Anmeldungen und Gesuche sind an den unterzeichneten Leiter der Anstalt zu richten, welcher weitere Auskunft erteilt.

Schulprogramm kostenlos.

Erbach i. O., den 26. Februar 1901.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats: Stegmüller, Bürgermeister. Der Dirigent der Anstalt: Klein, Großh. Hauptlehrer.

Ein Augenzeuge über die Pekinger Schreckenstage.

(Unterredung mit einem aus China zurückgekehrten Deutschen.)

Herr Cordes, der zeitweilig in Berlin weilende Tvl metscher unserer Pekinger Gesandtschaft, der bekanntlich anläßlich der Ermordung des Frhrn. v. Ketteler in Peking selbst schjwere Verwundungen erlitten hatte, ist, wie wir bereits gestern mitteilten, nach einem kurzen Aufenthalte an der Reviera nach Berlin zurückgekehrt.

Ein Mitarbeiter derD. W." veröffentlicht folgende Unterredung mit ihm:

Cordes sagte:Leider konnte ich nicht aktiv wirken ich lag eben schwerverwundet im Lazarett, das in der Englischen Gesandtschaft, der Mitte des ganzen Ge- landtschastskomplexes errichtet war. Natürlich habe ich, soweit es mein bedenklicher Zustand damals gestattete, meinen Rat nicht vorenthalten indes" Herr Cordes brach hier ab. Ich hatte das Gefühl, daß er bescheiden. Reber von den anderer! als von sich reden wollte. Nun, sein Name und sein Wirken sind für immer mit der heldenhaften Verteidigung der Pekinger Gesandtschaft eng derstststpft.

Indes?" fragte ich.

Ich muß vor allen Dingen drei Herren hervorheben, für welche kein Lob zu hoch ist. Das sind Graf Soden, Herr v. Strauch und der Legationsarzt Dr. Velde. Was den Ersteren anbetrifft, so muß ich einen großen Teil seiner ganz hervorragenden Erfolge der ausgezeich^ neten Behandlung seiner Leute, deren Zahl im Laufe der Belagerung bekanntlich von 50 auf 20 zusammenschntolz, zuschreiben. Er war vor allem ein leuchtendes Vorbild für seine Leute. Streng, wie im Friedensdienste, ging es bei ihm zu. Bis zületzt hielt er Appell ab, und ich mußte manchmal lachen, wenn er Einen im vollen Ernste andonnerte:Noch einmal so eine Bummelei, und er fliegt ins Loch !" Am nächsten Tage lebte der Mann viel­leicht nicht mehr. Oder er verkündete einem Manne, daß, er von einer Bestrafung absehen wollte, da er sich iw der Nacht gut geschlagen hätte. In der Nacht war alles! auf den Beinen, bei Tage lösten sich die einzelnen Leute stundenweise ab. Von wirklichem Schlaf war natürlich keine Rede. Denken Sie nur innerhakb acht Wochen kaum ein Auge zuthun zu können! Und er war immer munter, un­ermüdlich im Dienst, für alles sorgend; ich glaube keiner feiner Leute hätte es über das Herz bringen können, etwas zu thun, was ihmunser Graf" nannten sie ihn nur entfernt unangenehm hätte sein können. Gerade diese gleichmäßige, gerechte, fürsorgliche Behandlung übte auf unsere Leute einen so vortrefflichen Einfluß aus".

Waren unsere Leute sonst beliebt?"

Man begegnete ihnen überall mit besonderer Achtung alsdeutsche Soldaten". Ganz besonders beliebt waren' jie im Lazarett bei den englischen und amerikanischen Pflegerinnen und Aerztinnen, die sich auch ausgezeichnet bewährt haben, durch ihr anständiges und freundliches Wesen. Hier konnte ihnen wieder unser Legationsrat Dr. Velde vorbildlich sein, dessen liebenswürdiges, einfaches und stilles Wesen, ebenso wie die Tüchtigkeit in seinem Berufe allen imponierte".

Heber den dritten der Herren, den sie anfangs her- varhoben, und der wohl nicht aktiv war, habe ich nun wenig gehört."

Eben, deswegen schon verdient er, jetzt besonders genannt zu werden. Echtes Soldatenblut rollt in seinenj Adern. Er war im chinesischen Zolldienst angestellt unb1 früher, wenn ich nicht irre, Leutnant im preußischen 4. Garde-Regiment. Mit welcher Schnelligkeit er aus der kleinen internationalen Schar von Zollbediensteten ein schlagfertiges Korps schuf, das hervorragende Dienste leistete, zeugt von besonderem Talente. Er besetzte immer besonders exponierte Punkte und gefährliche Posten, so z. B. den sogenanntenMongolenmarkt". .Hier hatte er mit Zuhilfenahme von Mauerlöchern einen tadellosen Be­obachtungsdienst eingerichtet, der durch eine äußerst ge­wandt hergestellte Spiegelung vorzüglich unterstiitzt wurde. Jeder, der die Gesandtschaften damals verteidigte, schätzt ihn besonders hoch".

Wie war nun das Verhältnis zu den übrigen Truppen der Belagerten?"

Zu den Franzosen das denkbar günstig st c. «re französischen Marinesoldaten waren uns nach unseren Een bie liebsten, und der Kapitän Tarey war ein aus- Jagca.!? unb liebenswürdiger Mensch. Die fran- tDar der unsrigen benachbart, unb wir ihiP» 8re^-?' mit welcher Schnelligkeit bie Leute, . öwer Drittel ihrer Gesanbtsckmft in bie Luft floaen ""ccitci:

&Uen ihm Ä Äp äT-Ct narf,fam '-achts Das macht wohl ber reichlich genosseneWobka"?" Wenn er ihn hat, trinkt er ihn. Seine ganze Natur ist etwas schlaff. Jebenfalls ist er mir aber viel lieber als ber amerikanische Solbat, ber im hohen Grade unzu­verlässig ist und durch falsche Meldungen uns rechte lln- gelegenheiten bereitet hat. Der Chinese wird als Solbat stier vielfach unterschätzt. Der Chinese hat eine große Eigen

schäft als Soldat er ist todesbereit. Aber ihm fehlt gänzlich ber Antrieb zum letzten Ansturm, sonst hätte bas Drama in Peking vielleicht anbers geenbet."

Wie ich las, waren bie Barrikaben ber Chinesen schon sehr nahe an bie Gesanbtschaftsmauern herangerückt"

Ja, sie verstauben es überhaupt, tabellos schnell solche zu errichten unb so geschickt anzulegen, baß eine bie andere flankierte. Aus ihren letzten Barrikaden bewarfen sie uns mit Granaten und gleichzeitig mit Backsteinen, so nahe waren sie uns. Die ganze Boxerbewegung geschieht auf Antrieb der fremden- und besonders christenfeindlichen chinesischen Regierung, das ist jetzt klar erwiesen. Tie Re­gierung ist in China der Hof, und dieser besteht in der Hauptsache aus dem Kaiser, der Inhaber des Reichs­siegels ist, und der Kaiserin-Witwe, die ihre Autorität zu Gunsten ber Boxerbewegung hergiebt."

Unb Prinz Tuan?"

Das ist bie Triebfeber bes Ganzen. Er ist, da der Kaiser kinberlos ist, ber Vater des erwählten Kronprinzen und in Wirklichkeit Organisator und Leiter ber ganzen Be­wegung."

Aber Prinz Tsching gehört boch auch zum Hofe?"

Ja, er ist uns allen aber feit Jahren bekannt als Diplomat unb burchaus frembenfreunblich gesinnt."

Wie lange, meinen Sie, wirb sich bie Klärung ber Sache noch hinziehen?"

Meiner Ansicht nach, jahrelang. Angenommen, wir hätten bie Grunblage zum Abschluß unserer Vereinbar» ungen in Form ber Einsetzung einer georbneten Finanz­verwaltung. Gut! Nun müssen wir aber mit ber Ver­schlagenheit ber Chinesen rechnen. Sie haben sicherlich ben Hintergebanken, uns bei ber Ausführung im einzelnen bas stückweise toieber zu nehmen, was sie uns im großen zuge- stanben haben. Eine Besatzungsarmee wirb vorläufig noch immer China in Schach halten müssen. Nur burch Angst unb immerwährenbe Drohungen können wir ettvas er­reichen. Ich glaube persönlich, baß bona fibe uns nur Eng­land wirklich uüterstützt. Sie sehen, welch schwierigen Staub Graf Walbersee in China hat. Er ist gewiß auerkanuter- maßeu ber geeignetste Manu für biefe äußerst schwierige Stellung. Wie schwierig sie ist, mögen seine eigenen Worte kennzeichnen:Ich muß meine Befehle so eiurichteu, baß ihnen uachgekommen wirb, unb ich muß vorher wissen, ob bie fremben Truppen es thun werben. Gehorcht man mir nicht, so ist meine Stellung unhaltbar."

Hessischer Kandtag.

Zweite Kammer der StLrrde.

nn. Darrnstabt, 26. Febr.

Die Sitzung wirb um 10 Uhr 15 Min. burch Präsibent Haas eröffnet Er gebenft zunächst bes verstorbenen Abg. Brunner unb wibrnet ihm einen ehreubeu Nachruf. Zum Anbeuten an ben Dahiugefchiebeuen erhebt sich bas Haus von ben Sitzen. Die Ersatzwahl für ben Wahlkreis Tarrn- tabt wirb im Plenum für gütig erklärt unb bie Vereidigung des Oberbürgermeisters Morueweg gesetzmäßig vorge- nornmen.

Der Antrag des Abg. N o ack u. Gen., das Gesetz die Be- olbuugen der Staatsbeamten betr., wird nach einer Befür­wortung des Staatsministers an einen Ausschuß verwiesen. In gleicher Weise werden der Antrag des Abg. Kohler- Langsdorf, die Stellung der Großh. Regierung im Bundes­rat bezüglich der Getpeidezolle, sowie der des Abg. U1 r i ch in gleichem Betreff dem Ausschuß überwiesen. Tas gleiche Schicksal erfahren der Anttag des Abg. Schmitt u. Gen., die pensionierten Volksschullehrer betr., die Vorstellung der Lehrer au ber Großh. Taubstummen­anstalt zu Bensheim um Neuregulierung ihrer Gehalts- unb Rechtsverhältnisse, bie Vorstellung bes Hauptlehrers Gärig um Erhöhung feiner Pension, bie Vorstellung ber angestellten KreiSarntsgehilfeu wegen Regelung ihrer Ge­halts- unb Anstellungsverhältuisse, sowie ber Antrag bes Abg. Leun, bie Ausführung bes Gesetzes über ben Ur- kunbensternpel usw. Hierauf tritt bas Haus in bie Beratung ber Regierungsvorlage, ben Gesetzentwurf über bie Ge- meiube-Urnlagen betr., unb bie hierzu eingegangenen Vorstellungen ber Bewohner ber Grube Messel, ber Hanbels- fammern zu Mainz unb Bingen unb bes Farbwerks Mühl­heim.

Staatsminister Rothe bautt dem Ausschuß und dem Berichterstatter für feine vorzügliche Arbeit. Er bedauert aber, daß auf die Beratung der Vorlage fo viel Arbeits­zeit verwendet worden sei. Die Vorlage bilde ein Prvvi- orium bis zum Jahre 1903. Neue Gesichtspunkte in der Besteuerungsform habe auch der Finanzausschuß der Vor­lage nicht geben können, und es müsse feiner Ansicht nach in dieser Frage mit der allergrößten Vorsicht vorgegangen werden.

Abg. Ulrich kann sich mit den in der Vorlage nieber- gelegten Prinzipien nicht einverstanden erklären. Er ver­kennt nicht, daß es sich hier nur um ein Provisorium handelt, aber er muß sich dagegen werden, daß man für die Gemeindesteuer - Gesetzgebung nicht dieselben Grundsätze gelten lassen will, die für die Staatssteuern gelten. Dem kleinen Mann ist mit ber Vorlage nicht geholfen. Die ge­plante Besteuerung bes kleinen Grunbbesitzes werbe eine große Unzufriebenheit in ben Gemeinben Hervorrufen. Die letzigen Gesichtspunkte ber Regierung hinsichtlich ber Be­steuerungsform bei ben Gemeindeumlage werde zu großen Mißgriffen führen. Der kleine Bauer werde mit feinem Stückchen Land am schwersten getroffen.

Abg. Wolf glaubt, daß niemand im stände fei, eine Besteuerungsform einzuführen, die allen Wünschen entspreche. Die Regierungen haben sich redlich Mühe ge­geben, bestehende Härten zu mildem.

Abg. Schmitt giebt Namens seiner Partei die Er­klärung ab, daß dieselbe den vorliegenden Gesetzentwurf pure annehmen und den Anträgen des Ausschusses zu- ftimmen werde. Sein Standpunkt sei, daß die gegen­wärtige Besteuerungsform nicht beibehalten werden könne, daß aber das Staatssteuersystem unter keinen Umständen als Norm für bie ©emeinbeumlagen bienen könne.

Abg. Erk erkennt ben Stanbpunkt ber Regierung an, bie für Leistung eine Gegenleistung forbere. Der Versuch müsse gemacht werben, eine Gemeindesteuergesetzgbung zu '-Wege bringen, bie allen gerechten Anforberungen ent­spricht. Um dies erreichen zu können, müßten aber auch alle diejenigen Einrichtungen, meläje im öffentlichen Jn- tereffe liegen, auf die Staatssteuem abgelaben werden, ^n Kommunalsteuergefetz, welches solche Mißständs auf meife, müsse zurückgewiesen werden.

Abg. Weidner steht auf dem Standpunkt des Ab-. Ulrich und hofft von dem demnächst zu erlassenden neuen Gesetz-Entwurf, daß bei den Umlagensätzen mehr Gerech- tigteit walte. Ein Vermögen bis zu 3000 Mark steuerfrei zu halten, bezeichnet et als ein Unding. Die Leute seien sogar hierüber unzuftieden, daß sie keine Steuer zu zahlen brauchen. Hier müsse Abhilfe geschaffen werden.

Abg. Dr. Gu t f l e i s ch als Berichterstatter betont, daß bei Steuergesetzen nicht jeder zufriedengestellt werden könne. Tie Herbeiführung eines Provisoriums fei erfolgt, um ben Gemeinden Gelegenheit zu geben, sich mit ber Materie zu beschäftigen. Das Aufgeben ber Autonomie ber Gemeinden sei nicht durchführbar, da hierbei eine Reihe von Gesichts punkten maßgebend seien. Die größte Vorsicht müsse hier obwalten, um jeden Schein der Ungerechtigkeit zu ver- meiden. Der Gesetz-Entwurf sei wohl ein Provisorium unb in diesem Sinne aufzunehmen. Von dem demnächst zu erwartenden definitiven Gesetz könne bie Kammer mit ben gemachten Erfahrungen bann weiter arbeiten. (Bravo!)

Ter Gesetz-Entwurf wirb hierauf bis zu Art. 4 nach ben Ausschußanträgen angenommen. Schluß der Sitzung 1 Uhr. Morgen früh 9 Uhr Sitzung.

Darmstadt, 27. Februar.

Das Hauptinteresse des Verhandlungstages konzen­trierte sich auf die Beratung des von der Regierung ein­gebrachten und vom Ausschuß bereits durchberatenen Ent­wurfes eines Gesetzes betr. die Gemeindeumlagen.

Nachdem ber Staatsminister bie Annahme bes Gesetzes in ber vom Ausschuß beantragten Form empfohlen hatte und bem Ausschuß ben Dank für feine Thätigkeit ausgesprochen hatte, entspann sich eine lebhafte Debatte barüber, ob es ratsam sei, bas Kommunalsteuergesetz nach bem Modus ber bei bem Staatssteuergesetz angewenbeten Sätze ober nach ben ErwägungenLeistung gegen Gegenleistung" zu entwerfen fei. Da bas vorligenbe Gesetz vorberhanb nur als ein Provisorium angesehen werden darf, so war eine definitive Entscheidung hierüber noch nicht notwendig.

Abg. Ulrich trat eifrig für bie Verteilung gemäß bem Steuergesetz ein, inbem er bie seitherigen Grunb- steuern als überlebt unb veraltet charakterisiert. Und ge­rade weil schon einmal von einem gesetzgebenden Faktor dieser Grundsatz als richttg anerkannt worden sei, wäre es inkonsequent von diesem einmal vorgeschlagenen Wege abzugehen; und da gerade die verschuldeten Landwirte durch bie Staatssteuern entlastet worben seien, würben sie sicherlich unwillig barüber werben, wenn es bei ben Ge­meinbesteuern toieber beim alten bleiben solle.

Abg. Wolf machte, obwohl er ben Ansichten Ulrichs im allgemeinen beipflichtete, boch Bebenken bahin geltend, daß es in ber Praxis boch anbers aussehe. Hier wirt) bas Prinzip Leistung unb Gegenleistung zu gelten haben.

Auch Abg. Schönberger erachtete es für schwierig, bieses Prinzip stets zur Geltung bringen zu lassen. Er weist aber hier hin auf bie Eingabe, bie bie Grube Messel an die Kämmer gelangen lzeß, wonach dieses Prinzip unter Umständen Berücksichtigung verdient. Die Bewohner dieser Grube zahlen an die Gemeinden Georgenhausen und Klein- Zimmern Steuern, ihr Ortsgericht und Standesamt be­findet sich in Zeilhard, und von diesen drei Orten ist Die Grube in der Luftlinie 11 Kilometer entfernt; infolge dieser Entfernung schickten sie ihre Kinder in bie Gemeinde schule nach Messel, wurden dort aber ausgewieseu und mit staatlicher und Hilfe ber Gewerkschaft Haden sich bie Be­wohner eine eigene Schule gegrünbet, bie beiben Gemein ben, an bie sie Steuern bezahlen, leisten jeboch hierzu keinen Zuschuß. Steht hier ber Leistung ber steuerzahlenben Bürger eine Gegenleistung ber Gemeinbe gegenüber? (SS würbe aber von feiten ber Regierung in Aussicht gestellt, baß bei einer erneuten Verfolgung dieser Angelegenheit im Berwaltungsgerichtswege Abhilfe geschafft toerben würbe, bie seither aus formellen Gründen noch nicht er­folgen konnte.

Auch Abg. Schmitt, der namens feiner politische» Freunde die Zustimmung dieser zum Entwurf in Aussicht stellte, gab auch zu bedenken, daß eine reine Ueberführung der Grundsätze des Staatssteuergesetzes in die Gemeinde­steuergesetze zu Resultaten führe, die als nicht erwünscht bezeichnet werden könnten. Er erzählte ein Beispiel, daß in der Kommissionsverhandlung gelegentlich ber Beratung bes Staatssteuergesetzes verhanbelt wurde. Wenn in einer zurzeit gut situierten bäuerlichen Gemeinde eine große Fabrik errichtet werden sollte unb burch biefe viele Arbeiter unb Beamte angezogen unb beschäftigt werben, fo wachsen infolge ber steigerten Bevölkerung unb des gesteigerten Verkehrs auch die Aufwendungen der Kommune. Es ist da­durch vielleicht ein neues Schulhaus zu bauen, die Sicher­heitsbeamten sind zu vermehren, neue Straßen sind anzu­legen usw. Was nun jiber, wenn sich am Ende des Jahres bie Zahlungsunfähigkeit ber Fabrik herausstellt? Wer zahlt bie Neuerungen, bie burch bie Neugrünbung erfolgten? Nicht bie Fabrik!!

Abg. Erck glaubt bafür eintreten zu müssen, daß bei biesem Gesetze bie Gesichtspunkte, bie beim Staatssteuer­gesetz gelten, angeroenbet werben sollen. Er erroartet zwar gegenüber ben seither erzielten Gemeinbeeinnahmen einen Ausfall, will biefe aber baburch decken, daß er die Ge­meindeeinrichtungen, die lediglich im öffentlichen Interesse liegen und bisher der Gemeinde zur Last gefallen sind, vom Staate übernommen werden sollen, so z. B. das Weg- und Straßenwesen und die Volksschule Er wünscht unter Würdigung der Schwierigkeiten bei dem später zu erlassen­den Gesetz, bei der Verteilung der Gemeindeumlagen Zu­ziehung von Grundbesitzern, Arbeitern und Vertretern aller steuerpflichtigen Klaffen.

Gießens Abgesandter Dr. Gutfleisch verbreitete sich schließlich als Berichterstatter des Ausschusses mit Wärme über ben Entwurf unb empfahl ihn zur Annahme. I« biplvmatischer Weife führte er aus, baß jeher der ver­tretenen Standpunkte, sowohl der, die Gemeindesteuer nach ben bei ber Staatssteuergesetzgebung gehanbhabten (Srund- sützep zu behanbeln, als der sich bei der Erhebung ber Gemeindesteuern von dem GesichtspunkteLeistung unb Gegenleistung" leiten zu lassen, anerkennenswert und berück­sichtigungswert sei. Aber jetzt schon die Gemeindesteuern nach dem Muster der Staatssteuern zu verteilen, fei vein- früht, erst auf Grund jahrelanger Erfahrung und erst dann, wenn man sagen Fann, das Gesetz hat sich bewährt, kau» man deren Einrichtungen nachahmen. Während er im aCk gemeinen das Prinzip des Staatssteuergesetzes verteidigte, hob er aber doch auch hervor, daß auch der Gesichtspunkt, A'eiftung unb Gegenleistung' Berechtigung verdiene. Zwischen