Gerichtssaal
Mainz, 28. Oktober. Die schon lange schwebenden Verhandlungen wegen der Abfuhr der städtischen Fä. kalien in den Rhein dürften demnächst zu einem gewissen Abschlüsse gelangen. Um nämlich die Frage mit aller Gründlichkeit zu lösen, ist die hessische Regierung bereit, die Hälfte der auf etwa 8000 Mk. veranschlagten Kosten für Studien za übernehmen, die unter Mitwirkung eines Vertreters des Reichsgesundheitsamtes im Rheinstrom unternommen werden sollen. Bei dem hohen Interesse, das nicht allein die Stadt Mainz, sondern auch alle unterhalb der Sadt gelegenen Orte an der richtigen und sachgemäßen Lösung dieser Frage haben, und im Hinblick auf die zwischen Mannheim und Worms seinerzeit ausgebrochenen Differenzen wegen der Ableitung der Fäkalien in den Rhein durch erstere Stadt, ist es nur freudig zu begrüßen, daß unsere Regierung ein pekuniäres Opfer nicht scheut, um das Richtige in dieser Frage zu ermitteln. Es ist nicht ausgeschloffen, daß auch das Reich sich pekuniär an den Ermittelungen be- teiligt, da es durch die hiesige starke Garnison wesentlich an der Frage interessiert erscheint.
des letzten Semesters nach Berlin als kommiffarischer Dozent am dortigen orientalischen Seminar beurlaubt — An der Unwersität Amsterdam hat sich Dc. W. Vogelsang-Freiburg i. B. als Privatdozeni für Kunstgeschichte habilitiert. — Der Professor der Architektur an der Akademie der Künste in St. Petersburg Anton Tomischko ist am 21. ds. gestorben. Prof. Tomischko war 1851 in Böhmen geboren. Außer zahlreichen Gebäuden in St. Petersburg wurde nach seinen Plänen das kaiserl. Palais in Alexandria bei Neu-Peterhof gebaut.
stellung wohl befriedigen, weirn man Mängel, die in der Kleinheit unseres .Personals begründet sind, in Abrechnung bringt.
** Theater-Verein. Die für Dienstag angesagte Vorstellung findet bestimmt am Donnerstag, dem 1. November statt. Eine Repertoiränderung im Berliner Theater hat das Kommen der Frau Prasch-Grevenberg erst für Donnerstag ermöglicht.
** Verein für innere Mission. Der Oberhessische Verein für innere Mission wird sein Jahresfest am 13. und 14. November in der gewohnten Weise hier halten. Er wird außer dem Festgottesdienst am 13. November abends 6i/i Uhr, in dem Pfarrer Grünewald aus Mainz predigen wird, und der so beliebten Abendversammlung in Steins Garten, für die allerlei Ansprachen vorgesehen sind, bedeutsame Verhandlungen bieten, einmal über „Fürsorge für die schutzbedürftige und verwahrloste Jugend, besonders ein Blick auf das Bürgerliche Gesetzbuch", worüber Pfarrer Röschen aus Freienseen Bericht erstatten wird, sodann über den gegenwärtigen Stand und die Aufgaben der Alkoholfrage." Für letzteres Thema ist Herr Ernst Just, Geschäftsführer des deutschen Vereins gegen Mißbrauch geistiger Getränke, gewonnen. Der Verein steht außerdem noch in Unterhandlung mit einem auf diesem Gebiet hervorragend tüchtigen Arzt.
** Einen Riesenhecht hat, wie man uns schreibt, Herr von Düring am gestrigen Sonntag in der Lahn gefangen. Der Hecht wog knapp 29 Pfund und hatte eine Länge von zirka li/2 Metern. Der Fisch stand an der Wißmarer Brücke und wurde mit der Angel dem nassen Element entrissen. Es dürfte der schwerste Fang sein, der überhaupt seit Jahren in der Lahn gemacht wurde. Der Hecht wurde als Dedikation nach Bremen gesandt. Es ist überhaupt für die Fischer heuer ein glückliches Jahr. Mitte der vorigen Woche fing, wie berichtet, Herr Geißler in seinem Fischereibezirk bei Dutenhofen einen 183/4 Pfund schweren Hecht, nachdem einige Tage zuvor ein Fischer bei Wetzlar einen solchen von 22% Pfund an der Angel gefangen hatte.
•• Bon der Bieberlhalbahn. Die Arbeiten an der Personenhaltestelle „Abendstern" sind soweit ge- . diehen, daß bereits die Fundamente für das Stationsgebäude aufgemauert und die Auffüllungsarbeiten für den Bahnhof fast beendet sind. Bei günstiger Witterung wird die Fertigstellung der ganzen Anlage zum Frühjahre sicher sein. Zu der Herstellung dieser Personen-Haltestelle sind von privaten Jntereffenten 2000 Mk. beigesteuert - die der gesamten Kosten der Anlage hat vertraglich die Bieberthalbahn zu leisten, sodaß dem Eisenbahnfiskus die Einrichtung vielleicht noch 1000 Mk. Kosten verursacht.
** Am Donnerstag abend wird, wie im Inseratenteil «»gekündigt, der Zauberkünstler Herr Mellani in „Steins I Saalbau" die 1. Soiree in der höheren Magie und mo dernen Illusion geben. Herr Mellani wird sein Bestes thun, die Besucher der Soireen in einer angenehmen, amüsanten Täuschung auf einige Stunden zu unterhalten. Alle Produktionen, die Herr Mellani ausführt, zeichnen sich, wie ein Wiesbadener Blatt schreibt, durch Eleganz und rasche Kunstfertigkeit aus.
Hessische Landeslotterie. Man schreibt aus Darmstadt: „Schon seit längerer Zeit plant die hessische Lotteriedirektion eine Abänderung des Planes der Hessischen Klassenlotterie. Am gestrigen Tage erhielten nun sämtliche Hauptkollekteure drei Lotteriepläne zugeschickt mit dem Er- I suchen, sich hierüber auszusprechen. Künftig soll die Lotterie I in sechs Klassen eingeteilt werden, anstatt wie seither in I fünf. Nach dem einen Plane sollen 42 000, nach dem an- dern 37 500 und nach dem dritten 36 000 Lose zur Verausgabung gelangen. Eine der wichtigsten geplanten Aende- I rungen besteht darin, daß in der letzten Klasse eine bedeutende Vermehrung der Treffer vorgesehen ist. I Die jetzige hohe Prämie im Betrag von 400 000 Mk. soll I in Wegfall kommen, dafür sollen aber zwei Prämien zur I Verteilung gelangen und zwar von 300 000 Mk. und von I 200 000 Mk. Eine dieser neuen Prämien soll bereits am I 1. Januar 1901 in Wirksamkeit treten."
und ganz besonders Volkslieder vor, woran sich alsdann Konzert und Tanz schließen. Die Kapelle des Jnk.-Regts. Nr. 166 wird für eine ausgewählte Musik sorgen. '„Liederkranz" ist der älteste hiesige Männergesangverein; er besteht bereits 66 Jahre und wird seit Jahren von Taubstummenlehrer Schneider geleitet.
-X- Nidda, 27. Oktober. Heute fand hier im neuen Kraft'schen Saalbau die Generalkonserenz der Lehrer des Kreises Büdingen unter dem Vorsitze des Kreisrats Jrle statt. Auch die übrigen Kreisschulkommissionsmit- güeder Schulrat Buß, Dekan Hofmeyer und der Land- tagsabgeordnete Erk waren anwesend. Von der Statistik, die Schulrat Buß gab, erwähnen wir nur, daß sich zurzeit 107 Schulklassen mit der gleichen Anzahl Lehrer im Kreise befinden, die eine Schülerzahl von 6261 Kinder unterrichten. ES kommen also nur 58,5 Schüler auf eine Schulklasse. Nach Erschöpfung des geschäftlichen Abschnitts wurde in die eigentliche Tagesordnung eingetreten, aus der sich als erster Gegenstand befand: „Wodurch erhält sich der Lehrer die geistige Frische zu seinem Berufe?" Der Referent, Lehrer Lenz, Aulendiebach, löste seine Aufgabe in ansprechender, klarer und treffender Weise. Das zweite Thema der Tagesordnung behandelte „Den Rechenunterricht in der Volksschule". Referent: Lehrer Schultheiß- Berstadt. Auch dieser Herr entledigte sich seiner Aufgabe m recht zufriedenstellender Weise. Nach einigen Erläuterungen des Schulrats Buß über dieses Thema schloß der Vorsitzende mit warmen Worten des Dankes an die Refe- I reuten die Versammlung, worauf sich die Teilnehmer vollzählig zur gemeinsamen Mittagstafel vereinigten. Die üblichen Toaste auf Kaiser und Landesfürst brachte der Vor- I sitzende aus. Der Redakteur des „Schulboten", Herr I Ruppel«Düdelsheim, gedachte des großen Strategen und Schweigers Moltke, da gestern 100 Jahre verflossen waren, I daß er das Licht der Welt erblickte. Er weihte sein Glas I dem Andenken des großen Feldmarschalls.
I -r- Haiugrüudau, 27. Oktober. Ein industrielles Unternehmen großen Stils ist hier soeben im Entstehen begriffen. Eine hannoversche Aktiengesellschaft beabsichtigt, I hier eine umfangreiche Backstein- und Zementfabrik anzulegen. Bereits sollen 60 Morgen Land zu diesem Zweck I angekauft, weitere noch ausgedehntere Ländereien gepachtet I fein. Die Leitung der zunächst erforderlichen Hoch- und Tiefbauarbeiten hat Prof. B. Roß von der Technischen Hochschule in Hannover. Bereits jetzt sind über 30 Arbeiter beschäftigt, deren Zahl später noch beträchtlich steigen wird. Wie man hört, wird von der Gesellschaft geplant, zum Zweck möglichst raschen Versandts des fertiggestellten Materials ein Bahnstrecke Haingründau—Mittelgründau auszubauen im Anschluß an die Strecke Gießen—Gelnhausen. Für die hiesige Gegend ist eine solche neue Arbeitsgelegenheit sehr willkommen.
Darmstadt, 27. Oktober. Der Großherzog beehrte | heute vormittag die Ausstellung des Vereins für Vogel- und Geflügelzucht mit seinem Besuche. In seiner Begleitung befand sich Flügeladjutant Rittmeister Kraemer.
Darmstadt,28.Oktober. Die Mainzer Deputation in Darmstadt wurde vom Finanzminister Gnauth am 25. d. M. empfangen. Nach Darlegung der Bahnkonzes- sions-Verhältmffe durch die Deputation verwies Ministerial- Präsident Gnauth zunächst auf die von ihm im Finanzausschuß der Kammer abgegebene Erklärung. Wie er weiter ausführte, wird er beim Wettbewerb um die Konzession > von Nebenbahnen unter sonst gleichen Verhältnissen einer j finanziell und technisch genügend leistungsfähigen Gemeinde oder einem solchen Verband von Gemeinden grundsätzlich denVorzug vor derPrivatunternehmuna geben, weil er überzeugt sei, daß die Wahrung der in Betracht kommenden öffentlichen Interessen bester durch die Gemeinden erfolge. „Allerdings", fügte der Redner hinzu, „ser bei solcher Bevorzugung zu wünschen, daß die Gemeinden die beanspruchte Priorität ihrerseits auch zeitlich sich dadurch sicherten, daß sie — die ja den örtlichen Verhältnissen und Bedürfnissen am nächsten ständen — mit Einreichung von I Konzessionsgesuchen und Beschaffung ihrer Unterlagen nicht erst ein Vorgehen der Privatunternehmung abwarteten oder gar ein solches erst als Aufforderung zu ihrer eigenen Be- I schäftigung mit diesen Fragen nähmen."
Universität und Hochschule.
. „—Der an Stelle des nach Breslau übersiedelnden Professors der Agrikultur, Dr. Pfeiffer, nach Jena berufene Dr. Böttcher aus Möckern hat seine Zusage, dem Ruf nach Jena zu entsprechen, wieder 9°fien' f° baß die Stelle wieder vakant geworden ist. — An Stelle des als Ordinarius nach der Universität Leipzig zurückberufenen a..o. Professors Dr. Zimmern-Breslau ist Dr Karl Bockelmann, zur Zeit in Berlin, als a o. Professor an die Universität Breslau berufen worden. Prof. Dr. Bockelmann war seit 1893 Privatdozent für orientalische Sprachen an der Breslauer Hochschule und während
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. I „ » Grünberg, 27. Oktober. Fruchtmorkt. Weizen 15,60—15,80 I Mark, Korn 15,00—15,50 Mark, Gerste 14,00—14,50 Mark, Hafer 12,00—13,00 Mark, Erbsen 00,00—00,00 Mark, Linsen 00,00—00,00 ! Mark, Samen 18,00—00 Mark, Kartoffeln 0,00—0,00 Mark.
_ Getreide.
Sn der abgelaufenen Woche bewegte sich das Getreidegeschäft in engen Grenzen bei nachgebenden Forderungen, wenn auch nicht zu ver- 5ntlcrn a baß sich zu den nunmehr sehr billigen Preisen wieder mehr i Kauflust geltend macht. Dem Markt fehlt nur noch der Anstoß und wir werden dann ein recht lebhaftes Geschäft bekommen. Roggen ruhig, Hafer ohne Verkehr, Gerste unverändert. Mais gut gefragt i bei kaum behaupteten Preisen. Die heutigen Notierungen sind: Redwinter 2 135 Mk., Kansas 2 133—134 Mk., Südrufs. Weizen 127 bis 142 Mk , Rumän. Weizen 130—142 Mk., russ. Roggen 105-110 Mk., Ä"Berste E Mk., russ. Hafer 100-116 Mk., amerikan. Hafer 102 Mk., Mixed Mais 95 Mk. pr. Tonne cif Rotterdam.
~ t Tabak.
Im Laufe der Berichtswoche wurden die Orte Waldsee und Haardthausen zum Preise von Mk. 25 bis 26 verkauft. Da in oeiden Ort-n die Raiffeismvereine im Vordergründe stehen, ist das verkaufte Quantum (ca. 2500 Zentner) kein großes. In Lorsch wurden die noch «stierenden einige hundert Zentner, die nur aus ordinärer Ware bestanden, zu Mk. 20 bis 23 verkauft, während noch vor acht Tagen für die besseren Tabake Mk. 27 bis 28 gelöst wurde. Die genannten Orte haben sämtlich abgehängt. In alten Tabaken war es während dec Berichtswoche lebhafter, es wurden von der Spekulation an einen Speyerer und Mannheimer Händler ca. 1700 Zentner in der Preislage von Mk. 27 bis 28 verkauft. Es scheint, daß einzelne Fabrikanten, die bet dm hohen Preisen von der neuen Ernte nichts kaufen konnten, oder wollten, sog. Drckungskäuse vornehmen. In alten Sandblättern wurden einige hundert Zentner rheinbayeitsche Oberländer in der Preislage von Mk. 28 bis 30 petfauff. Dke Oberländer Sandblatt werdm eben empfangen, man mit der Qualität zufrieden, doch dürften dieselben billiger sein. Heddesheim, das noch im Sturme genommen wurde, hat abgehärmt, wir können vielleicht nächstens näheres über die heurige Ernte berichten. In losen Pfälzer Rippen geschäftslos, lose seine Mk. 9, gebündelte Mk. 10 bis 11 verpackt.
Hopfen.
Dem Markte in Nürnberg gingen während der Berichtswoche äußerst große Zufuhren p r Bahn zu, während jene vom Lande verhältnismäßig gering zu nennen sind. Der Verkehr ist im allgemeinen ruhig und hierdurch die Preise auch gedrückt. In erster Linie brachte der Export etwas Leben in das Geschäft, denn es wurden größere Posten fränkischer Landware und bMige auswärtige Hopfen zu diesem Zwecke angekauft. Man zahlte hierfür Mk. 65—85. Bessere Kundschaftsware ist immer noch sehr vernachlässigt und entwickelte sich der Handel hierin lehr schwer. Preise stets maßgebend. Baden verhielt sich während der Berichtswoche etwas ruhiger, es wurden nur einige kleinere Posten umgesetzt. Württemberg etwas lebhafter, es wurden größere Partieen mittlerer Sorten zu vorwöchigen Preisen gehandelt. Im Elsaß entwickelte sich ein flottes Geschäft und dürfte die heurige Ernte bei den Produzenten sehr bald geräumt sein.
Biehmärkte.
Die einsch ägtgen Märkte erfreuten sich auch während bieftr Berichiswoche einer sehr lebhaften Frequenz. Im Vordergründe des Handels staub natürlich wieder prima Schlachtvieh, daß flctfen SlbfaManb. Mittlere und geringere Qualitäten fanden ebenfalls gute Beachtung, sodaß der Handel tu Großvieh im allgemeinen als mittelmäßig bezeichnet werden kann. Kälber waren wiederum sehr gefragt und and der Antrieb fast überall schlanken Absatz zu an- ziehenden Preisen. Schweine, prima gutgemäst-te Tiere, waren rasch abgesctzt und konnte der B-da; f an einigen Plätzen nicht gedeckt werden. Läufer und Milchschwetne waren ebenfalls sehr lebhaft gehandelt, doch blieb hierin an einigen Mä-.kten größerer Ueberstand.
Kohlen.
rro, notieren: Ruhr-Fettnuß Körnung I und II Mk. 270 bis Mk. 280, Nußschmiedekohlen Mk. 250 bis Mk. 260, Deutsche 360 bis 370, englische Anthracit-Nußkohlen
Ä?, b^ Mk. 440, Ruhr-Flammnuß Körnung I und II Mk. 260 bis Mk. 270, Ruhr - Flammnußkohlen III Mk. 250 bis
Mk. 235, Ruhr-Bruchcoks Mk. 360 bis Mk. 380, AuSsiebgries Mk. 170 bis Mk. 180. Alles per 10 To. ?b Mannheim. Durch das andauernd fallende Wasser steht Schiff- fshrtsschluß für die allernächste Tage bevor.
Mainz, 26. Oktober. Das Kriegsgericht tagte gestern hier zum erstenmale nach dem neuen Verfahren. Das Gericht befindet sich im MrlttärarresthauS an der Wallstraße. Das Gericht bestand aus drei Offizieren und zwei Juristen im bürgerlichen Rocke. Als Staatsanwall fungierte Kriegigertchtsrat Platz. Der Vertei- mger, ein Landwchroffifier, Rechtsanwalt Dr. Btllhardt, trug seine Robe. Die hier zugelassenen Rcchteauwälte, darunter mehrere Rrserve- osfiztere, haben beschlossen, nicht in Uniform, sondern in der Robe ^erscheinen. Bet der heutigen Verhandlung war die Oesfent- l "chkeit ausgeschlossen, da es sich um ein Stttlichkeitsverdrrchm handelte. Angeklagt war der Pionierunttrosfizier Strauß, der während der Einquartierung in Werschau (Kreis Wiesbaden) das Delikt an einem Ibiährigrn geistesschwachen Mädchen verübt haben soll. Ec wurde freigesprochen.
^7. OHoöer. Das hiesige Oberlandes- S» qL6)?« L'ppt fchen Regierung gegen das Urtdl I
... . dg-richls tzchlngen, das den Anspruch des ehemaligen Kabi- nettem ntsters v. Oertzen auf Zahlung eines Wartegeldes bis zur Zeit seiner Anstellung im preußstchen Staatsdienste anerkannte, eingelegte Berufung verworfen.
. $erlin/ 26. Oktober. Wegen Anreizung ver-
iMbdener Klassen der Bevölkerung zu Gewalt- thatrgkerten standen der Rittergutsbesitzer Graf Puckler-Kl. Tschirne, der Schriftsteller Böckler und Redakteur Dr Paul Bötticher von der „Staatsb.-Zta." vor dem Landgericht I. Unter Anklage standen die Reden, die die beiden ersten Angeklagten am 13. Juli d. I. in rtlnCf Volksversammlung gehalten haben.
Graf v. Puckler sagten, a. „Durchhauen und rausschmeißen" ser das einzige Mittel, um mit der „Judenbande" fertig zu werden. Es sei ganz schnuppe, ob er mit oder ohne Amtsvorsteher auf die Judenbande losdresche, gedroschen müsse werden, bis die Juden windelweich gehauen und zerschmettert am Boden liegen. Böckler kam dabei auf die Stolper und Bütower Prozesse zu sprechen und soll das Bedauern ausgedrückt haben, daß die Bütower Aufrührer blos an die Fensterscheiben der Juden sich gehalten haben; es hätte gegen die Juden nnch dem Rezept des Grafen Pückler verfahren werden sollen, das hätte ihnen nichts geschadet. — Heber die Reden erschien in der „Staatsb.- Ztg." ein eingehender, in den Zi^aftstellen wortgetreuer
-11- Klein-Linden, 28. Oktober. Der Geselligkeits- verein „Konversation", der am Samstag abend eine Familienabendunterhaltung im „CafLLeib" abgehalten hatte, unternahm heute einen Ausflug nach hier und kehrte in dem ©aale des Gastwirtes Ludwig Spuck ein. Fröhliches unb °rst in später Abendstunde be- gaben sich die Teilnehmer auf den Heimweg.
_ a. d. Lahn, 28. Oktober. Man schreibt
uns. Das benachbarte Klein-Linden ist wohl der einzige .ga^en Umgegend Gießens, der noch ohne jeg- liche Straßenbeleuchtung ist. Zwar sind schon viele «lagen hiergegen -mg-lauf-n und Gesuche um Beleuchtung gemacht worden, aber bis,-tzt scheint man immer noch das Geld für diese notwendige Einrichtung sparen ,u wollen Besonders unangenehm ist dieser Mangel für die Arbeiter und Bahnbeamten, die abends spät durch das Dorf müssen Ferner ist eö ein großer Uebelftand, den gewiß auch schon Gießener empfunden haben, daß die neue Eisenbahnbrücke vor Klein-Linden ebenfalls nicht beleuchtet ist. Ein Dorf, das so nahe der Stadt liegt, sollte doch auch der Allgemeinheit ein Opfer bringen und sich nicht jeder Neuerung feindlich entgegenstellen. Wie man hört, soll die Direktion des geplanten Gießener Elektrizitätswerks in einem Schreiben unter andern auch die Gemeinde Klein Linden zum Anschluß aufgefordert haben. Man hofft, daß der Gemeinderat darauf eingeht.
b. Friedberg, 28. Oktober. Der Männergesangverein „Liederkranz", der durch seine vortrefflichen Oerstungen aus dem diesjährigen Mainthalsängersest A *"?rmfabt rühmlichst bekannt ist, feiert Sonntag, den V , i vember seine erste Winterfestlichkeit im Saale des n^otei Trapp-. Zuerst trägt der Verein mehrere Chöre I


