Ausgabe 
30.5.1900 Erstes Blatt
 
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nicht etwa weil ich als Landmann da mein Fortkommen ge­habt hätte, sondern weil ich erkannte, daß es für unser Vaterland zum größten Schaden gereichen würde, wenn Berater des Kaisers einmal ohne genügende Beachtung des Landwirtschafts-Standes auszukommen meinen. Ohne den Stand der Bauern, ohne die Thätigkeit auf dem Lande wird unser Vaterland nicht bestehen können. Die Landwirtschaft sei und bleibe das Fundament unseres Vaterlandes.

Hannover, 28. Mai. Der Kaiser wird^ am 15. Juni zur Teilnahme an der Gedenkfeier des Sieges bei Waterloo hier eintreffen und bei dieser Gelegenheit das KönigS-Ulanen-Regiment aus der Vahrenwalder Haide be« sichtigen.

Dortmund, 28. Mai. Nach dem großartigen Zapfen­streich, der am Samstag Abend stattfand, erfolgte gestern Mittag die Begrüßung der amerikanisch-deutschen Krieger durch den Oberbürgermeister Schmieding, der gleichzeitig an das Sternenbanner ein prachtvolles Fahnenband knüpfte. Der New. Yorker Präsident Müller dankte und versicherte, daß diese Stunden in Dortmund ihnen unvergeßlich bleiben würden. Der Artillerie-Verein stiftete für das Sternenbanner einen Goldenen Nagel. Die Amerikaner trugen ihre Namen in ein goldenes Buch ein. Nach der Feierlichkeit wurde ihnen von der Stadt ein Imbiß angeboten. An dem historischen Festzuge, der nachmittags stattsand, nahmen 25 000 Personen teil.

Cobleuz, 28. Mai. Die Torpedobootsdivision ist gestern nachmittag hier eingetroffen. Das Divisionsboot fuhr ihr bis Oberlahnstein entgegen. Am deutschen Eck begrüßte der erste Beigeordnete Ortmann die Gäste, worauf sich die Offiziere zum Festmahl in das Zivilkasino be­gaben. Hier brachte der Erbgroßherzog von Baden ein Hoch auf den Kaiser aus. Oberprässident Nasse be­grüßte die Gäste, in deren Namen Kapitänleutnant Funke dankte. Die Mannschaften wurden im Görresbau bewirtet. Vormittags fand ein Ausflug in den Stadtwald, abends ein Kommers statt.

München, 28. Mai. Im Landtage ist ein Nachtrag- Postulat im Betrage von Mk. 80 000 zugegangen, behufs Errichtung eines Projektierungs-Bureaus für den Main in Aschaffenburg.

3m6toid.

Christiania, 28. Mai. Die Sanktionsweige-, rungdesKroNprinzen-Re gen t en gegenüber dem rein norwegischen, gar nicht unioüellen Gesetze über dies Konsulat steuern erregt hier große Mißstimmung. Auch sämtliche liberale Zeitungen in Schweden beklagen die Weigerung als einen fatalen politischen Fehler. Die Sitzung des Storthing am Nachmittag zeigte stark besetzte Galleries Nach einer lebhaften Debatte zwischen den Führern der liberalen Mehrheit und der Rechten wurde der Vorschlag der Präsidentschaft, das Ministerium zu ersuchen, nicht zu demissionieren, mit 79 (alle Mitglieder der Linken) von 114 Stimmen angenommen. Der Stoi> thing bewilligte einstimmig eine Million Kronen für neue Schnellfeuer-Feldgeschütze und mit 55 gegen 48 Stimmen eine halbe Million Kronen als erste Rate für die B e f e st i g u n g von C h r i st i a n ia.

London, 28. Mai. Nach einem Telegramm aus. Shanghai teilt dieChina Gazette" mit, daß die diplo­matischen Vertreter die Antwort des Tsung-li-Yamen auf ihre Vorstellungen in Betreff derBoxer" für unbe­friedigend und für geeignet hallen, die Fortdauer der in manchen Gegenden bestehenden Schrecken sherr- fchast zu fördern. Die Gesandten hielten eine neue Kon­ferenz ab, um darüber zu diskutieren, auf welche Weise die chinesische Regierung veranlaßt werden könne, wirkungs­volle Maßregeln zur sofortigen Wiederherstellung der Ruhe in den betreffenden Gegenden zu ergreifen. Die Unruhen haben sich bis jetzt bis nach Lukan ausgedehnt, wo der! Eisenbahnbau gehindert ist. 500 Flüchtlinge haben in der französischen Kathedrale in Peking Zuflucht gesucht.

Amsterdam, 28. Mai. Der zweiten Kammer wur­den zwei Entwürfe, betr. die Friedenskonferenz, unterbreitet. Tie Anwendung der Genfer Kon- ventioniafuf^en Seekrieg (Artikel 10) wurde nur mit einer Stimme Mehrheit angenommen. Die Bestimmungen über den Landkrieg vom 28. Juli 1899 wurden nur von der Schweiz und von China nicht unterzeichnet.

Brüssel, 28. Mai. Bei den gestrigen Kammer­wahlen haben, soweit bisher ersichtlich, die Klerika- fen eine Mehrheit von ca. 20 Stimmen in der Kammer Gehalten. Die von der Opposition gehegte Erwartung einer Vernichtung der bisherigen, katholischen Kammermehrheit, dürfte sich demnach nicht erfüllen.

Paris, 28. Mai. DieJndependance" meldet, der deutsche Kronprinz habe heute die Pariser Aus-. Kellung besucht. (?)

Die heutige Interpellation des Nationalisten Castel- Lane in der Kammer über die Wiedereröffnung der Dreyfus-Angelegenheit nahm einen äußerst tumultuösen Verlauf. Der Kriegsminister G a l l i f e t nahm in einer längeren Rede die volle Verantwortlichkeit in Betreff des jüngsten Zwischenfalls Tomps auf sich; er wurde wegen dieser Erklärung mehrmals heftig unter­brochen ;Waldeck-Rousseau betont den festen Willen des Ministeriums, die Affäre Dreyfus durch eine Amnestie abzuschließen. Er spricht von der Pflichtverletzung des Hauptmanns Frisch und gebraucht das Wort Felonie. In diesem Augenblick bricht ein unbeschreiblicher Tumult aus. Die Linke applaudiert, die Rechte tobt und heult unaus­gesetzt, und einzelne Gruppen stellen sich wie zum Kampf zusammen. Die Huissiers sperren das Halbrund vor der- Rednertribüne ab, weil Abgeordnete der Rechten sich auf den Mimsterpräsidenten stürzen wollen. Deschanel Schreit keuchend und bittet durch heftige Gesten um Ruhe. Die Kammer singt die Marseillaise, trommelt auf den Pulten und pfeift und heult unablässig. Nun hebt Deschanel die Sitzung für eine Stunde auf. Bei der Wiedereröffnung der Sitzung erklärt Krantz: Er könne nicht mit einem MurWrium gehen, das der Armee feindlich gegenüberstehe.

Auch die Umtriebe zur Wiederaufnahme der Affäre seien erwiesen. Bourgeois verteidigt energisch und eindrucks­voll die Politik des republikanischen Gedankens. Er spricht trotz der fortdauernden Unruhe mit Bonhommie und in fast salopper Haltung. Meline, der sich jetzt erhebt, wird mit minutenlangem Geheul begrüßt. Er wiederholt die alten Vorwürfe gegen das Kabinett. Fünf Tages­ordnungen werden eingebracht. Waldeck-Rousseau acceptiert die Tagesordnung Bourgeois', die das Vertrauen zur Re­gierung und zur Armee ausspricht. Die Gesammtabstimm- ung ergiebt'ein^ Majorität von, 46 Stimmen, 293 gegen< 247.

Wien, 28. Mai. In parlamentarischen Kreisen wird die innerpolitische Situation als äußerst kritisch be- zeiichnet. Es zirkulieren Gerüchte von einer partiellen Ministerkrisis. Andererseits verlautet, Ministerprä­sident Körber werde, falls seine Bemühungen, das Parla­ment arbeitsfähig zu machen, scheitern sollten, formell die Demission des Gesamt-Kabinetts einreichen und erst dann das Parlament auflösen.

Budapest, 28. Mai. Auf seinem Schlosse zu Vukorar starb Graf Karl zu Eltz, kgl. preußischer Wirkt. Ge­heimrat und Schloßhauptmann von Homburg vor der Höhe, kaiserlich österreichischer Wirkt. Geheimrat und Käm­merer, Großkomthur des Ordens vom h. Georg, erbliches Mitglied des Ungarischen Oberhauses. Graf Eltz war 1823 zu Aschaffenburg geboren. 1848 wohnte er in Eltville; er machte als Adjutant des Generals von der Tann den Feldzug in Schleswig-Holstein mit. Bei Altenhof wurde er verwundet. Nach seiner Wiederherstellung war er für den Rest des Krieges Ordonanzoffizier im Hauptquartier der Schleswig-Holsteinischen, und Adjutant des Prinzen Friedrich von Holstein-Augustenburg.

In der österreichischen Delegation hielt der Minister des Aeußeren, Graf Goluchowski eine Rede, in der er die Tschechen ernstlich vor einem weiteren Angriff auf den Dreibund und der Fortdauer der Obstruktion warnte, da sonst der Staat und das Volk ernstlichen'Schaden leiden würden. Der gemeinsame Finanzminister von Kallay erklärte in der un garischen Delegation, die Agitation in Bosnien und der Herzegowina, deretwegen Deputationen hier weilten, habe einerseits nur lokale Gründe und andererseits das der ganzen Balkanhalbinsel übliche Bestreben, den Staat in konfessionelle Teile zu atomisieren. Demgegenüber müsse die Staatsmacht um so energischer betont werden. Er werde den Empfang der Deputationen beim Monarchen nicht befürworten, weil das Anliegen derselben schon einmal vom Monarchen ab­schlägig beschieden worden sei. Diese Erklärungen wurden von der Delegation mit eisigem Stillschweigen entgegen­genommen.

Aufbahrung und Leichenbegängnis des Prinzen Wilhelm.

Am Samstag war die Leiche des Prinzen Wilhelm im Palais ,auf der Rosenhöhe in Darmstadt aufgebahrt und dem Publikum vormittags von 9 bis halb 12 und nach­mittags von 3 bis 6 Uhr der Zutritt gestattet. Schon vor 9 Uhr morgens hatte eine vielköpfige Menge vor dem Palais Aufstellung genommen, die mit jeder Stunde wuchs. Vor dem Thor und im Garten hatten Schutzleute, vor dem Palais Gardeunteroffiziere in Galauniform Aufstellung ge­nommen.

Der Verblichene lag auf einem hohen Katafalk und war mit der großen Generalsüniform und dem Bande des, Ludwigsordens bekleidet. Zu Häupten stand ein großes, silbernes Kruzifix, zu beiden Seiten des Katafalkes stanoew je drei umflyrte Kandelaber mit fünf brennenden Lichtern; zu Füßen lagen auf zwei Kissen die zahlreichen Orden desj Verschiedenen. Die Leiche war ganz von prachtvollen Pal­men und Kränzen umgeben, die den Katafalk bedeckten und auch den übrigen Teil des Zimmers ausfüllten, das durch sie einen ernsten, weihevollen Trauerschmuck erhalten hatte. Zu Füßen lagen die Kränze des Großherzogs und der Groß­herzogin iu»ib der Kaiserin Friedrich, des Prinzen Heinrich und der übrigen Verwandten des Großh. Hauses und der sonstigen Fürstlichkeiten. Die Zahl der ein gegangenen, Kränze war überreich; außer den Städten Darmstadt, Mainz, Worms und Gießen waren die Hessischen In­fanterie- und die übrigen Regimenter, die Behör­den, die Studentenschaft der LandesUniver-^ s i t ä t und der Technischen Hochschule, zahlreiche Vereine und Korporationen, Beamte, Offiziere und sehr viele Pri-i vatpersonen aus Stadt und Land vertreten, die die Kränze zum großen Teil durch Deputationen im Palais hatten abgeben lassen. Die Wache an der Leiche hielten bei Tage uno Nacht Gardeunteroffiziere und Unteroffiziere des 117. und 118. Regiments abwechselnd, während in der Zeit der öffentlichen Ausstellung der Leiche die Ehreüwache die Kammerherren und Unteroffiziere des 117. und 118. Regi­ments hielten, die rechts und links zu Häupten des Ver­blichenen standen.

Das feierliche Leichenbegängnis

fand gestern morgen statt. Bald nach 9 Uhr erschien der Großherzog, worauf die Einsegnung der Leiche in den Zimmern Wes Verblichenen durch den Pfarrer Deggau, stattfand. Anwesend waren der Großherzog, Prinz Fried­rich Karl von Hessen, Prinz Franz Joseph von Battenberg, Prinz Albert zu Schleswig-Holstein, die Grafen zu Erbach- Schönberg, Schlitz gen. von Görtz, zu Solms-Laubach, zu Erbach-Fürstenau, die Großb. Hofstaaten, der funktionie­rende Generaladjutant und Die Flügeladjutanten, der Di-, Visionskommandeur und die nicht in der Trauerparade stehenden Bezirkskommandeure, der preußische Gesandte, Prinz zu Hohenlohe-Oehringen, Deputationen der Jnf.q Regimenter Nr. 116 (s. gestrige Meldung), 117 und 118, die Minister, der Oberbürgermeister von T-armstadt und der erste Präsident derHassia". Auf der Ostseite des! Palais hatten sich die anderen Leidtragenden versammelt. Die Unteroffizier-Kompagnie bildete längs des Weges Spalier.

Nach beendigter Einsegnungsfeier brachten zehn Haupt­leute Den Sarg auf den Leichenwagen unter Vortritt des die Funktionen des Oberzeremonienmeisters versehenden Frhm. Volprecht Riedesel zu Eisenbach, und der reiche Schmuck der Kranzspenden wurde aus Den Sarg gelegt. Die Kapelle des 1. Großh. Infanterie (Leibgarde-) Regts. Nr. 115 spielte die Trauermusik aus Richard Wagners Götterdämmerung". Alsbald, ordnete sich der £ r ci * e r =

zug. Dem mit sechs Pferden bespannten Leichenwagen Mitten der Hoffourier, Die Dienerschaft, zwei Kammer- Diener, soDann Der Oberbürgermeister, Die Beigeordneten, die Stadtverordneten Darmstadts, Deputationen der Hassia' der Regimenter Nr. 117 und 118, Hofprediger Ehrhardt und Pfarrer Deggau, der Oberzeremonienmeister, der Adjutant des Prinzen, Hauptmann' von Zangen, sowie zwei die Orden des Verblichenen tragende Offiziere voraus. Zu Seiten des Großherzogs schritt hinter dem Leichenwagen Leutnant v. Lichtenberg, der Sohn des Prinzen, Dann folgten Die Fürstlichkeiten, Die Häupter Der standesherrlichen Familien, Die Minister unD Die Vertreter des diplomatischen Korps, Mitglieder bex Ersten Kammer, das Gefolge der höchsten Herrschaften, die Generalität, die Wirkl. Geheime- täte, die Vertreter des Bureaus der Zweiten Kammer, die Präsidenten der Landeskollegien und die Mitglieder des Staatsministeriums, die Geistlichkeit, die Kammerherren, Kammerjunker und Hofjunker, die. Offizierkorps und Mili­tärbeamten, sowie die Zivilbeamten. Sämtliche Glocken der Stadt läuteten, als sich der Trauerkondukt durch das Hauptportal des Gartens und die Ringstraße nach dem Mausoleum hin in Bewegung setzte. Der Zug zählte mehrere Hundert Teilnehmer. Am seitlichen nördlichen Eingang des Gartens hatten auf dem Wege, den der Zug passierte, die Vertreter der Studentenschaft Darmstadts, die Chargierten im vollen Wichs mit umflorten Fahnen, Aufstellung genommen. In Trauerparade standen sodann auf dem Seitersweg und dem angrenzenden Gelände zwei Bataillone des 1. Großh. Jnf.-(Leibgarde-)Regts. M. 115,. drei Eskadrons der Großh. Dragoner-Regimenter Nr. 23 und 24 nud zwei Bataillone des Großh. Felb-Art.-Regts. Nr. 25; beim Vorüberfahren der Leiche präsentierten die Truppen.

Bevor der Zug am Mausoleum angelangt, war, wie wegen des beschränkten Platzes (aus diesem Grunde war auch eine Vertretung Der Stadt Gießen bei der Trauer­feierlichkeit nicht gewünscht) vorgesehen, der größte Teil der Teilnehmer ausgeschieden und nach Ankunft daselbst wurde die Leiche vom Wagen genommen und unter Voran tritt des Oberzeremonienmeisters, des Staatsministers und der Geistlichen in den südlichen Pavillon des Mausoleums verbracht, wo der Sarkophag seine vorläufige Aufstellung gefunden hat.

Hofprediger Ehrhardt wies unter Zugrundelegung des Schriftworts aus dem Evang. Johannis: Ich bin die Auferstehung und däs Leben ... auf die jetzt vollendete Lebensarbeit des Verblichenen hin und segnete die Leiche ein. Nach dem Vater Unser wurden von Der Artillerie 24 Schuß, von Der Infanterie 6 Salven Trauersalut ab­gegeben. Mit Segen endete die würdige Feier.

Wie man uns schreibt, hat im direkten Anschluß an Die Trauerfeier im Mausoleum, nur in Anwesenheit des Grvßherzogs und einiger Hofbeamten, sowie des Staats­ministers Die Beisetzung Der Leiche Des totge­borenen Prinzen in dem Garten der Rosenhöh» stattgefunden.

In Darmstadt fiel am Montagvormittag aus Anlatz der Beisetzung der Unterricht in allen Schulen aus.

Aus Stadt und Sand.

Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnete«- Bersauunlung am Donnerstag, nachrnitta gs 4 */, Uhr: 1. Der Verkehr der Radfahrer aus öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen, hier: Erlaß eines Lokal-Reglements. 2. Die städtischen Last­waagen, hier: Gesuch um Herabsetzung der Wieggebühren für Heu und Stroh. 3. Reklamation gegen die Veran­lagung der Grundsteuer der katholischen Kirchen­gemeinde zu Gießen.

** Zur Beobachtung der gestrigen Sonnenfinsternis hatte sich die gesamte wissenschaftliche Welt gerüstet. Mehr als hundert Expeditionen waren nach jenen Punkten gesandt, von denen aus das Phänomen am nutzbringendsten be­trachtet werden könnte, um einiger köstlichen Sekunden willen. Währte doch in jener Zone der stärksten Ver­finsterung, die von Europa aus am leichtesten zu erreichen ist, auf der Linie Valencia Tunis Assuan, die frucht­bare Zeit nur wenig über eine Minute. Vorläufig liegen nur kurze Berichte aus Bouzareah (Algier) und BarneSville (im nordamerikanischen Staate Ohio) vor. Hier wie dort wurden zahlreiche photographische Aufnahmen ge* macht. Bei uns in Gießen ist von dem seltenen Schau­spiel nicht viel zu beobachten gewesen, da der Himmel stark bewölkt war. Nur eine kurze Zeit lang, etwa um 5 Uhr am Nachmittag, sah man die Sonne etwa in der Größe des Mondes durch die Wolken schimmern. Es war ein kleiner Temperaturrückgang zu bemerken.

** Lohuerhöhuug im Barbier- und Friseurgewerve. In der gestrigen Versammlung wurden die verlangten Löhne der Gehilfen, sowie der 8 Uhr-Ladenschluß von den an­wesenden Prinzipalen bewilligt. Wochenlohn für Gehilfen unter 21 Jahren je nach Leistung 5.50 Mk. bis 6 Mk.; über 21 Jahre 6 bis 7 Mk.

* Die Steuographeu GesellschaftGabelsberger" beging am SamStag die Feier ihres 3. Stiftungsfestes durch einen wohlgelungenen Kommers, der die zahlreich Erschie­nenen noch bis zu später Stunde zusammenhielt. Mit stolzer Befriedigung kann der junge Verein anf eine segens­reiche Wirksamkeit zurückblicken, die eine Reihe schönster Erfolge zeitigte, und ihm einen geachteten Namen in der Gabelsbergerschen Schule erwarb. Wir erwähnen nur die Gründung der Vereine in Grünberg nnd Lich, von denen der Grünberger Verein seinerseits einen Damenverein, der in Lich einen Verein in Hungen ins Leben rufen konnte. An die Feier schloß sich am Sonntag ein Ausflug mit Damen nach Wetzlar, wo unter der Führung des Wetzlarer Brudervereins ein Spaziergang nach der Metzeburg und dem Kalsmunt unternommen wurde. Der Abend ver­einigte die Teilnehmer im VereinslvkalZum Riesen- und- verlief bei Liedern und Vorträgen in angenehmster Weise. Ein flottes Tänzchen bildete den Schluß und ließ die Teil nehmer erst in später Stunde an die Rückfahrt denken.