Ausgabe 
30.5.1900 Erstes Blatt
 
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Landtags-Ersatzwahl für unseren Wahlkreis statt, wobei Schneidmühlenbesitzer und Bauunternehmer L. Schu­bert-Beerfelden zum Abgeordneten gewählt wurde. Schu­bert wird sich der nationalliberalen Fraktion an­schließen und somit die Lücke, die der Tod des seitherigen Abg. Breimer in dieser Partei geschaffen, wieder ausgefüllt.

Frankfurt a. M., 28. Mai. Nach dem Polizeibericht sind noch drei weitere Teilnehmer an den Ausschreit­ungen im Stadtwalde am Himmelfahrtstag ver­haftet worden. Es sind das der Schreiber Emil Eser, der Taglöhner Georg Simon und der Laboratoriumsgehilfe Anton Köhnlein, sämtlich aus Niederrad. Der Exzeß am Himmelfahrtstag wäre übrigens, wie dieFrkf. Ztg." meint, zu vermeiden gewesen, wenn unsere berittene Schutzmann­schaft, wie das sonst der Fall, während der Nacht, etwa von zwei Uhr an, den Wald abpatrouilliert hätte. Das ist eben nicht geschehen, und damit war für die Sicherheit im Wald in jener Nacht nicht genügend gesorgt. Die Burschen, die das Attentat verübten, sind fast während einer ganzen Stunde auf einem der gangbarsten Wege wohl vielfach von Spaziergängern, aber nicht von einem Wächter der Sicher­heit beobachtet worden, sie konnten deshalb ungehindert ihr Bubenstück aussühren.

Butzbach, 28. Mai. Auf dem hiesigen Bahnhofe ver­unglückte der Viehhändler Löser aus Niedergemünd, der einen Biehtransport zum hiesigen Markt begleitet hatte. Ec hatte sich in den Wagen begeben und die Rollthür hinter sich geschlossen. Als er den Wagen wieder verlaffen wollte, gelang es ihm nicht, die Thür von innen zu öffnen. Er mußte also wohl oder Übel seinen Weg durch ein Fenster nehmen. Hierbei kroch er zuerst mit dem Oberkörper hin­durch, konnte sich nicht halten und stürzte so unglücklich herab, daß er mehrere Rippen brach. Der Verunglückte wurde sofort in ein Frankfurter Hospital geschafft.

§ Butzbach, 28. Mai. Die Hundesteuer bringt dieses Jahr unserer Stadtkaffe 1000 Mk. ein, und ebensoviel dem FiskuS. Während der am nächsten Donnerstag hier stattfindenden Bezirkstierschau wird die ganze Kapelle des 11. Hess. Jägerbataillons konzertieren.

Darmstadt, 28. Mai. Die Großherzogin hat eine gute Nacht gehabt; das Befinden ist fortgesetzt befriedigend. -- Der Großherzog hat sich bald nach 11 Uhr nach Jagdschloß Wolfsgarten zurückbegeben. Nach der Bei- setzungSfeier fand im Alten Palais Frühstückstafel statt. Die Königin Viktoria von England hat am Sar­kophage des Prinzen Wilhelm ein goldenes Kreuz nieder­legen laffen.

A Seligenstadt, 28. Mai. Eine, heute unsere Stadt durchstreifende Zigeunersippe bot einer hier zu Besuch weilenden Dame allen Ernstes ein Zigeunerkind zum

Die Beerdigung des ermordeten Ernst Winter in Könitz.

Am Sonntagnachmittag fand, wie wir bereits kurz I mitteilten, die Beerdigung des ermordeten Gymnasiasten I Winter statt. Sie gestaltete sich zu einer imposanten I Feier, an der sich nicht allein fast die gesamte Bevölkerung | von Könitz, sondern auch sehr viele Auswärtige beteiligten. | Die Zahl der Fremden ging in die Tausende. Alle Straßen, die von dem Trauerzuge passiert werden sollten, waren von gewaltigen Mengen gefüllt. Gleichwohl wurde die Trauerfeier durch keinen Mißton gestört. Dank den von den Behörden getroffenen Maßregeln ist nichts vor­gekommen, was der Gendarmerie und der Polizei zum Ein­schreiten Veranlassung gegeben hätte. Würdig und ruhig vollzog sich die düstere Feier auf dem Kirchhof, worauf sich die Menge allmählich zerstreute.

Die Trauerfeier begann, während eine Menge von etwa 10,000 Köpfen die Hauptstraßen, die der Leichenzug passieren sollte, besetzt hielt, mit einer Vorfeier in der Hospitalkirche, wo die Leiche Winters, wie gemeldet, auf­gebahrt worden war. Der einfache, zinnerne Sarg ver- schwand unter der Fülle der Kränze. Die anspruchslose | Feier bestand aus Gebet, Segen und Gesang geistlicher Lieder. Dann wurde der Sarg auf den vierspännigen Leichenwagen gehoben. Die Fenster der israelitischen Ein­wohner waren dicht verhängt, und die Thüren der Häuser waren geschlossen. Ein Rundschreiben des Gemeindevorstehers hatte sie aufgefordert, sich so zurückhaltend wie möglich zu verhalten, und alles zu vermeiden, was die Menge reizen könnte. Dem Sarge voran schritten drei Primaner mit der Fahne des Gymnasiums. Es folgten dann Vertreter einzelner Klassen, je eine Kranzspende tragend. Die Ober- Tertia, der der Verstorbene angehört hatte, war vollzählig erschienen. Nächst dem Sarge schritten die Eltern, die nächsten Angehörigen, das Lehrerkorps des Gymnasiums 1 und einige offizielle Persönlichkeiten. Was weiter kam, war kein eigentlicher Trauerzug mehr; denn eS war zum größten Teil die Menge, die sich dem in dem Charakter der Feier gekleideten Teil der Trauerversammlung anschloß.

Prediger Hammer betonte in seiner Einsegnungsrede, daß nicht die Zeit und nicht der Ort feststehe, wann und wo der unglückliche Jüngling geendet habe. Sicher sei eS lediglich, daß er ein Opfer eines von langer Hand vor­bereiteten Verbrechens geworden sei. Finsterer Aber­glaube , Eifersucht oder Rachsucht seien die Ursache seines Todes gewesen. Der Mörder werde der Strafe nicht entgehen, ob er von der irdischen Gerechtig­keit erreicht werde oder nicht. Unstät und flüchtig werde er sein, und der Schatten des Gemordeten werde vor seinen Bugen stehen ob er ein Gläubiger sei oder Ungläubiger wenn dereinst seine Todesstunde kommen I wird. Auch um Erbarmen für den Mörder möge man I Gott bitten; er selbst flehe zu Gott, daß dieser die Er­mittelung des ThäterS fügen und so die Blutschuld von I der Stadt nehmen möge.

Universität und Hochschule.

Ernannt l Der bisherige Assistent der Universitäts-Sternwarte in Bonn, Privatbozent Prof. Dr. Mönnichmeyer, zum Observator dieser Sternwarte.

Berufen r Auf den Lehrstuhl des Strafrechts an der Uni­versität Bern der Straßburger Professor van Calcker. Wie verlautet, hängt diese Berufung mit dem Bestreben zusammen, gleichzeitig eine weitere tüchtige Kraft zur Mitarbeit bei der Lösung der großen gesetz­geberischen Aufgaben zu gewinnen, die gegenwärtig und für die nächste Zukunft unsere Bundesregierung beschäftigen.

- Ferienkurse in Marburg. Die Marburger Ferienkurse mit Vorlesungen in deutscher, französischer und englischer Sprache finden vom 9. bis 28. Juli und vom 6. bis 24. August statt. Vorlesungen halten u. a Prof. Bornecgue, Prof. Charlöty, Cointot, Cowl, Dr. Finck, Prof. Griffin, Hermann, Prof. Kühnemann, Prof. Natorp, PLris, Dr. Schaum, Prof. Edw. Schröder, Tilley, Prof. Bietor. Prospekte werden auf Verlangen von Oskar Ehrhardts Universitäts-Buchhandlung, sowie von Herrn A. Locker, Billa Cranston, unentgeltlich versandt.

Vermischtes.

* Berlin, 28. Mai. Der des Mordes an der Lehrerin Medenwaldt dringend verdächtig gewesene Willy Gluth ist heute mittag aus der Haft ent­lassen worden. Eine greifbare Spur des Thäters ist bisher nicht gefunden.

Wien, 28. Mai. Zwischen den Stationen Meidling und AltmannSdorf stürzte eine Lokomotive den Bahndamm hinunter, wobei der Maschinist getötet und der Heizer schwer verwundet wurde.

ArdeiterbewezrmH.

W. Gietzeu, 29. Mai. Zum Maurerstrike. Wie wir bereits mitteilten, haben sich die hiesigen Maurermeister einem Verbände an­geschloffen, der sich schon jetzt über einen großen Teil unseres Reichs­gebietes erstreckt und in der Folge über das ganze Reich ausgedehnt werden soll. Die Folge der Organisation sollte bereits ein Maurer aus der hiesigen Umgebung in Marburg, wohin er sich um Arbeit zu finden begeben hatte, erfahren. Denn dort erhielt er, nachdem man sich in sehr eingehender Weise über seine Personalien informiert hatte, den Be­scheid, daß er in Marburg Beschäftigung nicht finden könne, weil er zu den Maurern gehöre, die am Samstag um 12 Uhr in Gießen die Arbeit niedergelegt hätten. Zum Weißbinderausstand. Bei den strikenden Weißbindern,- wenn auch vorläufig bei einem verschwindend kleinen Teil, scheinen die Folgen des Ausstands und der damit ver­bundenen Verdienstlosigkeit, die durch den ihnen aus der Strikekaffe ge­zahlten Betrag noch nicht zur Hälfte ausgeglichen wird, schon jetzt un­angenehm empfunden zu werden. Hat doch einer der strikenden Ge­sellen, von dem man uns mitteilt, daß er trotz minimaler Leistungs­fähigkeit gern das große Wort führe, an einen hiesigen Bauunternehmer das Ersuchen gerichtet, chm in einem Neubau die Ausführung der Weiß­binderarbeiten zu übertragen, ein Ansinnen, das der Meister zurück­gewiesen hat. Irren wir nicht, so ist den Strikenden von der ihrerseits gewählten Kommission die Verpflichtung auferlegt, bei Uebernahme von Arbeiten nicht eigenmächtig vorzugehen.

Breslau, 28. Mai. Die gesamten, am oberschlesischen Bahnhofe beschäftigten Kutscher, ihrer 50 an der Zahl, haben heute früh 51/2 Uhr die Arbeit eingestellt, nachdem ein Gesuch um Lohnverbefferung, das sie am letzten Freitag an die Verwaltung richteten, und dessen Be­antwortung sie bis heute früh erbeten hatten, erfolglos geblieben war. Der bisher gewährte Anfangslohnsatz beträgt 1,70 Mk., der Maximal - lohnsatz 2,10 Mk. pro Tag.

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Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Frankfurter Börse vem »8. Mai.

Wechsel auf New-York zu 4L0</^21%.

Prämien auf Kredit per ult Mai 0.45 %, do. per ult. Juni 1.55%, Diskonto-Kommandit per ult. Mai 0.45%, do. per ult. Juni 1.60%, Lombarden per ult Mai 0.25%, do. per ult. Juni 0.70%, Berliner Handelages. per ult. Juli 0.00

Kotierungen: Kreditaktien 222.60-223-0, Diskonto Kommandit 182 80-183.30-183, Staatsbahn' 189.00-0, Gotthard 141.20, Lombarden 25.60-00.00, Ungar. Goldrente 96.10, Italiener 94.70, Sproz. Mexikaner 25.30, Oesterr. Coupons 84, Amerik. Coupons 4.18%, Privat-Diskont 4%e% G.

l%-2% Uhr: Kreditaktien 223.10-221,60, Diskonto-Kom- mandit 182.181-90, Staatsbahn 139.0, Lombarden 25.60, Bochumer 245.00-241.90.

Ufctu # 29. Mai. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. 0.901.10, Hühnereier per St. 5-6 4, 2 St. 1011 H, Enteneier 2 St. 1214 4, »änsr. ein per St. 10-11 Käse 1 St. 57 A, Kasematte 2 St 5-6 A, Erbsen pn Litn 19 A, Linsen per Liter 30 A, Tauben per Paar X 1.80-1.20, Hühner per SL vH. 1.20-1.80, Hahnen per Stück vH. 1.80-1.80, Enten per St. X 2.00-2 50 Ganse pn Pfund X 0.00-0.00, Ochsenfleisch per Pfd. 68-74H,Kuh.und Mndfleisch per Pfd. 6264 A, Schweinefleisch per 5070 4, Schwernr«

RrSÄ oM: x 8.00-9.00,

Milch pn LUn 16 A-

Kaufe an.

Osthofe«, 28. Mai. Der Abgeordnetentag der K r i e g e r - I komeradschaftHassia" fand hier am 27. Mai statt. I Zu den Verhandlungen hatten sämtliche Bezirke des Groß- I Herzogtums Abgeordnete gesandt. Der 1. Präsident des I Landesverbandes, Oberstleutnant Cramolini, eröffnete I um 9 Uhr die Sitzung, begrüßte die Kameraden und ge- I dachte in herzlichen Worten des schweren Verlustes, der das I Großherzogtum und der Landesverband durch das Hin- I scheiden des Prinzen Wilhelm, der bekanntlich Ehrenpräsident I des Verbandes war, betroffen hat; sodann gedachte er der I «erstorbenen Kameraden Burkhardt in Seligenstadt. Der I bei diesen Verhandlungen übliche Toast auf Kaiser und I Großherzog unterblieb diesmal. Als Vertreter der Feldpost I war der geschästsführende Direktor Gersbach aus Berlin I 11 nd Schweikert aus Ludwigshafen als Vertreter der pfälzi- I schen Kampfgenossenschaft erschienen. Bürgermeister Konrad I b<grüßte die Versammlung namens der Gemeinde Osthofen. I Bei Feststellung der Präsenzliste ergab sich, daß sämtliche I 34 Bezirke Vertreter gesandt hatten. Der Jahresbericht I des 1. Schriftführers, Medizinalrats Dr. Bogt, und der I Kassenbericht des Hauptmanns Waldecker wurde nicht be- j anstandet; ebenso oer Providentiabericht. Die Einnahmen I ton der Providentia betrugen 15131 Mk. und die der Züricher I Versicherungsgesellschaft 564 Mk., die Einnahmen aus dem I Jahrbuch 5096 Mk. Die Vorstandsmitglieder, die satzungS- I gemäß ausscheiden mußten, wurden einstimmig wiedergewählt. I Als Ort für den nächstjährigen Abgeordnetentag wurde I Wimpfen bestimmt. Die Nummern 8, 9, 10, 11 I Prinz Ludwigstiftung, Ernst Ludwig- und Viktoria Melita- I ftiftung, Kyffhäuserdenkmal und Voranschlag der Tages- I ordnung wurden ohne Beanstandung gutgeheißen. Ferner I wurden die durch den Neudruck der Satzungen bedingten Lnd vorgenommenen redaktionellen Aenderungen bei ver- I schiedenen Paragraphen genehmigt. Der Antrag des Prä­sidiums, im Herbst im Verband eine Gesellschaftslottene zu veranstalten, bei der 60000 Lose L 20 Pfg. verausgabt werden sollen, wobei ein Reichsstempel nicht zu entrichteu ist, wurde genehmigt. § 21 der Satzungen erhält den Zu­satz : Die Aufnahme solcher Kameraden als Mitglieder von Berbandsvereinen, die schon einem militärischen Verein des Großherzogtums angehören, ist dann untersagt, wenn dieser Verein nicht dem Landesverband nngehört. Ausnahmen je­doch kann das Präsidium gestatten. § 22 erhält folgenden Zusatz: Ein Verein kann nur aus derHassia" ausgeschloffen | werden, 1) wenn er trotz Ermahnung des Präsidiums den I Satzungen des Verbandes oder den Beschlüssen des Ab- ! geordnetentageö zuwiderhandelt, 2) wenn er im Verkehr mit dem Präsidium 2c. wissentlich unwahre Angaben macht, 1 3) wenn er durch sein Verhalten sich der Zugehörigkeit zum Verband unwürdig macht oder dem Verband Schaden zu. fügt 2C. Der Ausschluß erfolgt durch das Präsidium nach Anhörung des Vereins. Dem Verein steht jedoch das Recht zu, gegen diesen Beschluß Berufung an den nächsten Ber- bandstag einzulegen 2c. Nachdem eine Pause gemacht worden war teilte Oberstleutnant Cramolini der Versamm­lung mit daß er im Namen des Verbandes dem Prinzen Heinrich das herzlichste Beileid über den Verlust seines Bruders ausgesprochen habe, wofür er danke und den Kameraden die besten Grüße über­mitteln laffe. Der Soldatenverein Alzey wurde wegen Absichtlicher Nichtbeachtung des § 21 aus dem Landes­verband ausgeschlossen. Der Antrag des Bezirks Friedberg, diejenigen Vereine, die das Pflichtexemplar der Parole richt halten, aus dem Landesverband auszuschließen, wurde ««genommen. Nachdem noch der 1. Schriftführer Dr. Vogt mitgeteilt hatte, daß Verhandlungen wegen eines anderen Verbandsorgans in der Schwebe seien und Zeichnungen für Ehrenscheine besichtigt wären, schloß Oberstleutnant Cramolini die Sitzung. Hierauf fand ein Festmahl ohne Tafelmusik statt, an dem etwa 300 Personen teilgenommen laben Nach dem ersten Gang nahm Oberstleutnant Cramolini das Wort und hob hervor, daß für unseren Kaiser echte deutsche «nd wahre Liebe im Volke herrsche, sowie daß tiefes inniges Beileid im Hessenvolke aus Anlaß der schweren Verluste im Großh. Haus für die Großh. Familie Platz gegriffen labe Die Versammlung erhob sich von den Sitzen und weihte ein stilles Glas. Eigentliche Toaste wurden wie bei Leu Verhandlungen, auch bei dem Festmahle nicht aus- «ebracht. (Darmst. Tgbl.)

Beerfelden i. ©., 28. Mai. Am Freitag fand die

Verschiedenes r Man berichtet aus Tübingen: Privatbozent Dr. Küttner, Assistenzarzt an der hiesigen chirurgischen Klinik, der mtt einer deutschen Ambulanz zu den Buren entsendet worden war, wird demnächst den Kriegsschauplatz verlaffen und gedenkt etwa am 20. Juni wieder in Tübingen zu sein. In Zürich ist Frl. Selma v. Lenge­feld, die erste Dame, die sich dem Archivfach zug-wandt, nach Ablegung ein Examens in Geschichte, Sanskrit und Diplomatik, verbunden mit Archivlehre, Paläographie und Chronologie zum Doktor phil. promoviert worden. Der derzeitige Rektor der Universität Genf, Professor der Physik Charles Soret hat, aus Gesundheitsrücksichten seinen Rücktritt vom Lehramt erklärt. Aus Amsterdam wird geschrieben: Anläßlich des 500jährigen Jubelfestes des Universität Krakau wurde der Rem- brandtforscher Dr. Bredius zum Dr. phil. honoris causa ernannt. Dr. Bredius ist bereits Ehrendoktor der Universität Gießen. Wie auS Konstantinopel gemeldet wird, hat der Sultan dortigen Blättern zufolge die Errichtung einer Universität in der türkischen Hauptstadt angeordnet. Diese Hochschule wird in zwei Sektionen eingeteilt werden, in welchen, wie verlautbar wird, die Wiffenschaften und Künste,den Bedürfniffen der Verwaltung des Reiches entsprechend", gelehrt werden sollen. In der medizinischen Fakultät zu Würzburg war, wie wrr bereits mitteilten, ein Hörerstreik ausgebrochen. Run ist die,er Boykott durch einen Widerruf Professor Schönborns beigelegt worden. Prof. Schdnborn sprach in seinem Kolleg am Montag, zu dessen Besuch er seine Hörer durch Anschlag gebeten hatte, über den Vorfall sein lebhaftes Bedauern aus, und damit war der Friede wiederhergestellt. Zur Feier der Immatrikulation des 1000. Studenten an der Uni­versität Kiel veranstaltete die Stadtverwaltung einen Festkommers, zu dem die Professoren, die Studentenschaft und die ehemaligen Angehörigen der Universität geladen waren. Der Universität Heidelberg wurden von einer ungenannten Persönlichkeit 15,000 Mk. Stipendien für junge Gelehrte geschenkt.

Jagd und Sport.

O Ridda, 28. Mai, Das Radfahrerfest deS Gauver­bandes 9, Nordbeznk des Deutschen RadfahrerbundeS, verlief bei durchweg günstiger Witterung und zahlreicher allseitiger Beteiligung aufs schönste. Die ganze Stadt prangte im Schmuck von Kränzen, Guirlanden und Fahnen; an der Einmündung der Hauptverkehrö- wege waren mächtige Ehrenpforten errichtet. Samstagabend fand Sitzung der 93ei tretet zum Frühjahrs - Bezirkstag statt. Sonntag bis 11 Uhr war Empfang der Dauerfahrer und Gäste; von da ab 1 Frühkonzert mit Standartenweihe des Vereins Nidda. Ober- postaffistent Geißler hielt die Weiherede. Die Patenstelle nahmen an: der Vorstand des Nordbezirks, der Radfahrerverein Gießen 1 885, die RadfahrergesellschaftWanderer" Gießen und der Radfahrerklub Butzbach. Der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Zuschauer war nunmehr der Festzug unter Vorantritt der Kapelle der Marburger Jäger. Es fuhren in demselben von auswärtigen Vereinen die schon als Paten genannten Vereine, ferner Radfahrer­klub Germania von Gießen 1900, die Vereine von Limburg, Berleburg, Kirchhain, Laasphe, Biedenkopf, Herborn, Lollar, Als­feld, Wetzlar, Lauterbach und Marburg; ferner beteiligten sich die sämtlichen Vereine Niddas, ebenso der Stadtvorstand von Nidda an dem Zuge. Auf dem Feftplatz begann nunmehr das Niederrad- Reigenfahren; besonders das Niddaer Damenfahren fand allge­meinen Beifall. Amtsrichter Römheld hielt die Festrede. Bei der Preisverteilung erhielten an Ehrenpreisen: Vereins- I Dauerfahrt I Gruppe. 1. Preis VereinBlitz" - Kirchham; I 2. Preis Verein Laasphe' 3. Preis Verein Dillenburg; 4. Prns I Verein Herborn; 5. Preis Verein Berleburg; 6. Preis Verein Breden- I köpf. II. Gruppe. 1. Preis Verein Marburg; 2. Preis Verein I Wetzlar; 3. Preis Verein Lollar; 4. Preis Verein Alsfeld. I III. Gruppe. Verein Gießen 1885. Zum Niederradreigen- I fahren 1. Preis Verein Herborn; 2. Preis Verein Alsfeld. Der I Verein Nidda konkurrierte nicht mit. Was im Kunstfahren ge- I leistet werden kann, zeigte hierauf und auch abends in Krafts I Saalbau Vafseroth-Frankfurt a. M. Seine Leistungen erregten I allgemeines Staunen. Ein Ball schloß die Feier am Sonntag. I Montag fand nach nochmaligem Umzug allgemeines Volksfest statt.