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Nr. 124 Erstes Blatt. Mittwoch den 30 Mai
1900
Gießener Anzeiger
Heneral-Anzeiger
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Die Gießener W«»itie«ßtLtter »erben bem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt- «. „BlLtter *t Heß. volkrkunde- WTchN 4»«U beigelegt.
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Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Garbenteich.
In der Zeit vom Samstag 2. Juni lfd. Js. bis einschließlich Freitag 15. Juni lfd. Jrs. liegen auf dem Rat- chause zu Garbenteich zur Einsicht der Beteiligten offen.
1. DaS Wiesenmeliorationsprojekt (drei Pläne);
2. Das Protokollbuch.
Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt
Samstag, 16. J««i lfd. IS., Vormittags 91/, bis ioy2 Uhr im Rathause zu Garbenteich, wozu ich die Beteiligten sinter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschloffen sind. Die Einwendungen sind schriftlich abzufassen, zu begründen, und auf Papier in Aktengröße, (mindestens ein halber Bogen) einzureichen.
Friedberg, den 26. Mai 1900.
Der Großh. Bereinigungskommiffär Süffert, Regierungsrat.
Der Krieg in Südafrika.
Die Exchange Company verbreitet ein Gerücht aus, JifcTpftabt vom 28. Mai, demzufolge General French in Johannesburg ein gerückt ist. Man hat in den letzten Tagen von Lord.Roberts bezüglich des englisches Kriegsamts recht wenig zu hören bekommen. Der letzte «mtliche Bericht des Feldmarschalls stellte nur die nackte Thatsache fest, daß die englische Armee den Vaal am Morgen des 27. überschritten und am Nordufer des Flusses lagere. Von French war in Roberts Meldung überhaupt »licht die Rede gewesen. Man konnte annehmen, daß die Avantgarde, die bei Parys den Uebergang über den Vaal bewerkstelligt hatte, unter Frenchs Kommando stand. Später hieß es sin einer Reutermieldxmg aus Taaibosch vvm 26., French habe bei der Lindequees Drift nördlich von Boschbank am 25. den Fluß überschritten, während^ Roberts in seinem Berichte vom 26. Jan Hamilton bei Boschbank meldete. Nähmen wir an, die Reutermeldungi entspräche den Thalsachen, so hätte French von der Lindequees Drift bis Johannesburg eine Strecke von etwa 75 Kilometer zurückzulegen gehabt und dazu die Zeit vom 25. bis zum 26. gebrauch) t. Die Leistung an sich ist für eine berittene Truppe nicht übermäßig, nur ist bei dieser Be^ Rechnung ein etwaiger Wider st and der Buren gar nicht in Betracht gezogen. Es darf aber als sicher angesehen werden, daß ihm die Buren auf diesem Wege energisch entgegengetreten wären, da sich ihr Hauptquartier bei Meyerton nur etwa 16 Kilometer von der in Rede stehenden Straße befand. Von einem derartigen Kampfe hätte man aber wohl etwas gehört. Wahrscheinlich iffy daß French schon am 24. bei Parys den Vaal überschritten und von hier aus versucht hat, auf einer weiter nach Westes ausbiegenden Straße Johannesburg zu erreichen. Ob ihm das aber gelungen ist, erscheint so lange fraglich, als es nicht von amtlicher Seite bestätigt ist, denn man müßte doch sonst voraussetzen, daß in den Reihen der Citren Zerfahrenheit und Kopflosigkeit epidemisch geworden seien. Das Gelände nördlich vom Vaal nach Johannesburg und Pretoria zu bietet dem Angreifer, der noch dazu des Landes unkundig ist, große Schwierigkeiten. Außerdem ist aber doch auch ein solches kühnes Reiterkuüststück von wenigen tausend Mann mitten in Feindesland ent allzu gewagtes Unternehmen. Bei Kimberley und Ladysmith ließ sich das wohl ausführen, weil erstens die Entfernungen nicht so groß waren und zweitens die Operationen im eigenem Lande erfolgten, und die anrückenden ReitertrAPpen an der eigenen Garnison einen starken Rückhalt fanden. Auch liegt eine Reutermeldung aus New Castle vom 27. ds. vor, die von einem abermaligen Erstarken des burtschen Kriegs- aeistes zeugt. Sie tautet: „Die angestrengten Bemüh- ungen, ihre Leute wieder zu vereinigen, haben einen großen Teil der Buren veranlaßt, in die Nähe von Laings^ mk zurückzukehren. Eine bedeutende Streitmacht der Buren ist aus der Richtung von Ladybrand her nach Laings- rwt gezogen Neue Kommandos aus Pretoria sind zum General Botha gestoßen." Wenn es hier heißt, daß eine bedeutende Burenstreitmacht aus der Richtung von Ladybrand nach Laingsnek gezogen ist, so haben doch die Oranje- buren den Nordosten ihres Landes keineswegs aufgegeben. Mindle hat hier im Gegenteil harte Arbeit. Heber seines letzten Operationen meldet die Exchange Company aus. Senekal vom 27.: „General Rundle hat mit Artillerie, und Infanterie Senekalbesetzt, nachdem er den Feind durch einige Granatschüsse daraus vertrieben hatte. Ein Mbcornet und mehrere andere Buren wurden getötet, die Engländer verloren elf Mann." Der Berichterstatter bemüht sich freilich, diesen Vorgang als eine Art Kinder
spiel hinzustellen; die Verluste indessen, die auf englischer Seite größer sind als auf buri scher, (trafen ihn Lügen. Man liest vielmehr zwischen den Zeilen, daß der Kampf jedenfalls nicht leicht gewesen ist, und daß er in mehr bestanden haben muß, als in dem Ab feuern! einiger Granaten. Senekal liegt nur etwa 40 Kilometer nördlich von Rommel, wo Rundle schon vor Tagen gemeldet wurde; man ersieht daraus, wie schwer ihm die Lösung feiner Aufgabe fällt.
Wie aus London telegraphiert wird, veröffentlicht der „Standard" aus Taaibosch über den Einmarsch der englischen Truppen in Transvaal folgendes: Die Truppen der englischen Vorhut betraten Transvaal am 26. Mai vormittags 11 Uhr auf dem Wege über die Viljoensdrift. Eine Stunde vorher fuhr ein Burenzug über die Brücke, von der ein Bogen in die Luft gesprengt wurde. 30 Burenplänkler, die zurückgeblieben waren, um zu plündern, feuerten aus einem Versteck hinter einigen Häusern auf die englischen Truppen, deren Granatfeuer aber zwang sie zum schleunigen Rückzug. Etwa 100 Buren hatten eine Stellung in einem Kohlenbergwerk inne. Der Fluß wurde unter lauten Hurras überschritten. Die Truppen verfolgten die Buren, die mit genauer Not entkamen. Wie es scheint, erachtete General Botha die Vaallinie als unhaltbar; die großen Kanonen wurden nach Pretoria geschafft. Gegenwärtig gedenke der Feind am Klipflusse und vor Johannesburg Stand zu halten. Oberst Henrys berittene Infanterie besetzte am Samstagmittag Vereeniging.
Im Londoner Unterhaus führte Balfour infolge einer Interpellation aus, er habe keine Mitteilung über Friedensverhandlungen mit der Transvaalregierung. Es liege kein Beweis dafür vor, daß die englischen Gefangenen in Pretoria schlecht behandelt würden, auch Feine Bestätigung der Meldung bett, die Einleitung von Verhandlungen über Austausch der Gefangenen. Wyndham teilt mit, die Gesamtzahl der in Südafrika stehenden Truppen aller Gattungen betrüge 221000. Die Gesamtzahl der in der Heimat unter Waffen stehenden Mannschaften könne nicht mit Genauigkeit festgestellt werden, doch betrügen die Regulären einschließlich der königlichen Reserven etwa 120 730, die Miliz etwa 77 000. Redmond fragt an, wie viel Buren in Südafrika ständen, und ob es wahr sei, daß einer gegen zehn stehe. Diese Frage blieb unbeantwortet.
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Telegramme deS Gietzeuer Anzeigers.
London, 29. Mai. Aus New-Castle wird vom 27. ds. gemeldet: Es ist noch zweifelhaft, ob die Buren im Stande sein werden, dem englischen Bormarsch mit der Hartnäckigkeit entgegenzutreten, die ihre früheren Bewegungen kennzeichnete. Der Mullers- und der Botha-Paß find im Besitz der Buren. Die Engländer blokierten den Vanreenen-Paß. Abteilungen der Buren erscheinen häufig in der Nähe von Jngogo. Sie wurden in großer Anzahl auf einer Kopje gesehen.
London, 29. Mai. Aus Pretoria wird gemeldet: In der Stadt werden die Verteidigungswerke mit unglaublicher Schnelligkeit hergerichtet. Etwa hundert englische Gefangene sind nach dem Gefecht bei Lindley hier eingetroffen.
Loudon, 29. Mai. Ein Telegramm aus Groot Blei südlich von Wolwehoek berichtet: Unter den Flüchtlingen läuft u. a. das Gerücht um, Präsident Krüger werde eine Versammlung von Beamten und Kommandanten berufen, um die Frage zu erwägen, ob es ratsam sei, sich zu ergeben. Die Mehrheit der Burghers ist gegen die Belagerung Pretorias. Es wird als eine Unwahrscheinlichkeit erachtet, daß die Regierung nach Lydenburg verlegt werden soll, wo die Nahrungsmittel knapp sind. Die Buren halten den Klipriver-Berg für eine sehr starke Stellung. Die Bevölkerung von Johannesburg soll sehr erregt fein. Viele heimziehende Buren sprechen von einer möglichen Zerstörung der Minen.
London,29. Mai. General Schalk Burger erklärte am 24., daß es allen Burghers, die sich den Engländern unterwerfen wollten, ein Leichtes wäre, dies zu thun. Von 6000 Burghers haben aber nur 12 von dieser Erlaubnis Gebrauch gemacht. Die Buren bereiten einen großen Guerilla-Krieg im Freistaate vor. Sobald die englische Armee in Johannesburg eintrifft, werden furchtbare Explosionen die Minen und die öffentlichen Gebäude zerstören.
London, 29. Mai. Lord Roberts telegraphiert aus Klip River vom 28. Mai, 5 Uhr nachmittagD? Wir machten heute einen Marsch von 20 Meilen und befinden uns augenblicklich 15 Meilen von Johannesburg entfernt. Der Feind hatte mehrere Stellungen eingenommen, von denen au8»er beabsichtigte, unser Vordringen aufzuhalten.
Er verließ dieselben aber eine nach der andern, als wir erschienen. Wir drangen so energisch vor, daß der Feind kaum Zeit hatte, die Geschütze in einen Eisenbahnzug zu laden, um sie in Sicherheit zu bringen. Die Truppen der Generale French und Hamilton scheinen 10 Meilen von unserer Linie in ein Gefecht mit dem Feinde verwickelt zu sein. Wir haben aus dieser Richtung heftiges Geschützfeuer vernommen. Die Pächter unterwerfen sich auf unserem Wege und liefern Waffen und Pferde aus.
Washington, 29. Mai. Der Senator Wellington erklärte, die amerikanische Bevölkerung sympathisiere vollständig mit den Buren, aber die Regierung habe den englischen Einflüssen nachgegeben und sich unter die britische Gefolgschaft gestellt. England, so führte der Redner weiter aus, wagt es nicht, uns anzugreifen, aber es besiegt uns mit seiner Diplomatie. Der spanisch amerikanische Krieg war der Anfang einer noch heute fortdauernden, im Dunkeln geschloffenen Allianz zwischen beiden Nationen. England habe niemals ein Versprechen eingelöst, wenn es in seinem Interesse lag, es nicht zu halten.
Deutsches Reich.
Berlin, 28. Mai. Der Kaiser nahm heute vormittag im hiesigen Schlöffe die Votträge des Staatssekretärs Grafen Bülow, des Staatssekretärs Tirpitz, des Chefs des Civilkabinetts von Lukanus und des Chefs deS Marine- Kabinetts von Senden-Bibran entgegen.
— Der „Reichs-Anzeiger" schreibt: Der Kaiser hat dem Grafen Posadowsky seine Freude ausgesprochen über die seitens des Reichstages so einmütig erfolgte* Annahme des neuen Unfallversicherungsgesetzes, „dieses für den weiteren Ausbau der Fürsorge für die arbeitenden Klassen so bedeutungsvollen Werkes".
— Wie der „Reichs-Anzeiger" meldet, legt der preußische Hof für den Prinzen Wilhelm von Hessen eine fünftägige Trauer an.
— Der Schah von Persien wird nach den bis jetzt getroffenen Dispositionen, von Petersburg kommend, voraussichtlich am 23. Juli offiziell in Berlin eintreffen und mit seinem Gefolge als Gast des Kaisers im Schlöffe Bellevue Wohnung nehmen. Sein Aufenthalt hier ist nur auf vier Tage berechnet.
— Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt in offiziösem Sperrdruck an der Spitze ihrer heutigen Nummer: Die „Deutsche Tageszeitung" läßt sich versichern, Prinz Ludwig von Bayern habe durch einen höfischen Vorgang während der Festtage zur Feier der Großjährigkeitserklärung des Kronprinzen Anlaß zu Mißstimmung erhalten. Diese Behauptung ist wahrheitswidrig. Es ist nicht das geringste vorgefallen, insbesondere auch nicht auf höfischem Gebiete, was als Anhaltspunkt für dergleichen leichtfertige Ausstreuungen dienen könnte. Uebrigens war Prinz Ludwig während der Festtage am Anfänge des Monats gar nicht in Berlin. Der Vertreter des bayrischen Königshauses während jener Festtage war Prinz Leopold, der wie immer so auch damals den höflichsten und freundlichsten Empfang gefunden hat.
— Der Unterstaatssekretär im Kultusministerium, Dr. von Barth, der an den Folgen einer schweren Influenza leidet, hat seine Versetzung in den Ruhestand zum 1. Juli erbeten. Er vertritt bis auf weiteres den beurlaubten Kultusminister.
— Eine Deputation der Stempel-Vereinigung trug am Samstag dem Finanzminister von Miquel ihre Bedenken bezüglich der Beschlüsse der Budget-Kommission zur Börsensteuer-Frage vor. Der Minister nahm die ihm vorgetragenen Bedenken zur Kenntnis;
— Aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums ist der Vorsitzende der Anwaltskammer im Kammergerichtsbezirk, Geh. Justizrat Lesse, von der juristischen Fakultät der Berliner Universität zum Ehrendoktor ernannt worden.
— Bei einem Festmahl, das aus Anlaß der Kreistierschau in Oldenburg in Hollstein stattfand, hielt der Ober* Präsident von Köller einen Trinkspruch, in dem er nach einem Bericht der „Deutschen Tageszeitung" u. a. sagte: Trotzdem ich vom Kaiser zu den verschiedensten Aemter« berufen worden bin, haben meine besonderen Sympathieen für die Landwirtschaft nicht erschüttert werden können.


