— Wie das „Berl. Tagebl." aus London erfährt, sollen Transvaaler Ingenieure die Kohlen- -gruben von Dundee zerstört haben.
— Die Kommandanten der englischen Kriegsschiffe erhielten Befehl, die die Delagoabai verlassenden Schiffe auf Goldtransporte zu untersuchen. Gold soll als Kriegskontrebande betrachtet, und die Schiffe sollen beschlagnahmt werden.
Petersburg, 28. März. Der russische Militärattachee beim englischen Heere in Südafrika sandte einen ausführlichen Bericht, in welchem die Bravour und Ausdauer der englischen Truppen hervorgehoben wird. Der Zar ließ den Bericht der Königin Viktoria mitteilen.
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Telegramme deS „Gießener Anzeiger".
London, 29. März. Die „Times" melden aus Lorenzo Marquez vom 28. ds. MtS., den letzten Nachrichten aus Pretoria zufolge bestätigt sich das Gerücht, daß Beamte von Transvaal beauftragt worden sind, alles vorzubereiten, um die Haupt-Goldgruben und die Maschinen in denselben im Notfälle in die Luft zu sprengen. In mehrere Gruben sind eigens zu diesem Zwecke hergestellte Explosivstoffe geschafft worden. Man versichert, daß diese Maßregeln aus Anregung der Präsidenten Krüger mnd Steijn getroffen worden sind, obgleich einflußreiche Bürger sich dagegen ausgesprochen haben. Man glaubt allgemein, daß die Präsidenten hoffen, hierdurch die Fremden zu veranlaffen, bei ihren Regierungen auf eine Intervention hinzuwirken.
Loudon, 29. März. AuS Pretoria wird vom 27. ds. MtS. gemeldet: Ein amtliches Telegramm bestätigt, daß dei Maseking heute morgen eine schwere Beschießung st alt fand. Die Buren-Geschütze sandten Shrapnels in die Stadt, welche von allen Seiten, beschoffen wurde. Die englischen Geschütze erwiderten das Feuer lebhaft.
Loudon, 29. März. Aus Faurefmith wird gemeldet: Infolge heftigen Regens konnte die Kolonne des Generals Clements Philippstown erst am Sonntag verlassen. Unsere Soldaten haben schlechte Schlafstellen, weil es an Zelten fehlt. Am Sonutag legten wir 13, am Montag 12 Meilen zurück. Dienstag trafen wir in JagerS- fontein ein.
Loudon, 29. März. Aus P r ä t o r i a wird telegraphiert, daß die Buren die noch nicht durch Feuer zerstörten Kohlenb ergwerke in Natal in die Luft sprengen und alle Maschinen zerstören. — Aus Blömfontein wird der „Zentral News" depeschiert: Die Zeit unserer Unthätigkeit ist zu Ende. Die Truppen werden zur Front vorgeschickt, die nötigen Vorräte sind zusammenge- tragen, die Mannschaften sind in guter Verfassung, die Pferde gut erholt.
Loudon, 29. März. Reuters Berichterstatter drahtet aus Maseru vom 27. März: Die Nachricht, daß Lady- brand gestern von der britischen Streitmacht besetzt worden fei, rief die größte Aufregung und Freude im Basuto- Lanve hervor. Man hielt das Ende unserer langen Vereinsamung endlich für gekommen. Unsere Ueberraschung und Entsetzen war daher groß, als Berichte gegen Sonnen- Untergang einliefen, daß eine große Buren st reit macht Ladybrand wieder besetzt hätte, und die früher behaupteten Stellungen am Platberg und Modderpoort wieder in Besitz genommen. Einzelheiten sind noch nicht eingetroffen, da der dazwischen liegende Landstrich wieder in Feindeshand sich befindet.
Loudon, 29. März. Nach einer Meldung aus Kimberley drücken die daselbst ansäßigen Engländer ihre Mißbilligung darüber aus, daß die englische Regierung die aufständischen Buren mit zu groß er Milde behandelt. — Wie auS De Aar gemeldet wird, ist Lord Kitchener mit seinen Truppen auS PrieSka zurückgekehrt, nachdem er die Unterwerfung von 200 Buren vollzogen hatte. Alle Rebellen, welche sich nicht ergeben wollten, zogen sich über den Oranje-Fluß zurück.
Lodon, 29. März. Kapstädter Meldungen bestätigen den Tod Jouberts, General White hielt demselben eine Gedenkrede, in welcher er sagte, Joubert sei ein Soldat, ein Gentleman und ein tapferer ehrenweter Gegner gewesen.
Kapstadt, 29. März. General White ist nach England abgereist.
Deutsches Reich.
Berlin, 28. März. Der Kaiser hatte heute vormittag im Auswärtigen Amt eine Besprechung mit dem Staatssekretär Grafen v. Bülow und hörte im Schlosse die Borträge des Finanzministers v. Miquel, des Ministers des Innern, Frhrn. v. Rheinbaben und des Chefs des Civil- kabinettS v. LucauuS.
— Nach den neuesten Depeschen, die über das Mißgeschick der Strafexpedition des Hauptmanns von Besser aus dem Gouvernement Kamerun tm hiesigen Kolonialamt eingelaufen sind, stellt sich das Gerücht von der Niedermetzelung dieser Expedition als unzutreffend heraus. Der Assistenzarzt Dr. Dittmar, der in dem Gefecht mit den Eingeborenen schwer verwundet wurde, ist, dem „Lok.-Anz." zufolge, inzwischen seinen Verletzungen erlegen.
— Der Bischof von Südschantung, Dr. von Anzer, wurde, wie der Lok.-Anz." berichtet, heute vom Kaiser in Audienz empfangen.
— Die „Berl. Reuest. Nachr." schreiben: Einige Blätter glauben die an sich selbstverständliche Thatsache besonders betonen zu müffen, daß auS Anlaß der Verlobung der ältesten Tochter des Herzogs von Cumberland mit dem Prinzen Max von Baden zwischen dem Kaiser, dem Großherzog von Baden und dem Herzog von Cumberland Glückwunschtelegramme gewechselt worden sind
— Die Aussichten der Flottenvorlagewerden, dem „Lok.-Anz." zufolge, von unbefangener parlamentarischer Seite als günstig betrachtet. Dieses Urteil wird auch durch den Verlauf der gegenwärtigen Verhandlungen in der Budgetkommission bestätigt. In den Regierungskreisen ist man derselben Meinung, zumal an den maßgebenden Stellen nicht die mindeste Besorgnis besteht, daß es wegen der Deckungsfrage zu keiner Verständigung kommen könnte. Die Kommission hofft morgen die Generaldebatte zu beendigen.
— In der Budgetkommission des Reichstages wurde heute in die Generaldebatte über die Flottenvorlage eingetreten, und zwar kam man überein, von den vier Hauptabschnitten des Antrags Müller-Fulda zunächst die Notwendigkeit und den Umfang der Flottenvermehrung zu verhandeln. Im Laufe der Debatte erklärte Staatssekretär Graf Bülow: Die Flottenverstärkung solle lediglich defensiv wirken. Unsere Politik habe weder phantastische, noch aggressive Tendenzen. Ihr Bestreben sei lediglich, den Frieden aufrecht zu erhalten und die Würde des Reiches zu wahren. Unsere Diplomatie gehe mit aller Vorsicht vor, die notwendig sei. Die Vorsicht und auch die Geschicklichkeit genügen jedoch nicht, wenn nicht Machtmittel dahinterstehen. Unsere Beziehungen zu England seien z. Zt. die besten, jedoch seien die Zeiten, wo die Auffassung der Kabinette allein maßgebend waren, vorüber, und die Volksleidenschaften spielen heut zu Tage eine große Rolle. Die Flottenvorlage habe den Zweck größere FriedenSgarantieen zu bieten. Abg. Gröber (Zentr.) hob hervor, daß sich die Zentrumsfraktion für ihre Entschließungen freie Hand Vorbehalte. Jedenfalls scheine ihm ein Maßhalten in der Erwerbung neuer Kolonieen im Interesse des Friedens geboten. Alsdann wandte sich die Debatte zum zweiten Hauptabschnitt der Generaldiskusfion: Kosten und Beschaffung der Mittel. Hierbei machte Staatssekretär Frhr. v. Thielmann zahlenmäßige Angaben über die Reichseinnahmen, deren Lage für die Zukunft durchaus günstig sei. Morgen findet Fortsetzung der Beratung statt. Die Generaldebatte soll jedenfalls vor den Osterferien zum Abschluß gebracht werden, die Kommission ihre Verhandlungen auch fortsetzen, falls das Plenum früher in die Ferien geht.
Ausland.
Wien, 28. März. Die Versuche des Bürgermeisters Dr. Lueger, die fortschrittlichen Gemeiuderäte zur Zurücknahme ihrer Mandastniederlegung zu bewegen, sind gescheitert. Dieselben beharren auf ihrem Entschluß.
Wie«, 28. März. Bürgermeister Dr. Lueger und die beiden Vizebürgermeister werden morgen dem Kaiser ihren Dank für die Sanktionierung der Wahlreform in einer Audienz aussprechen.
Paris, 28. März. Der frühere Botschafter Bene- detti ist heute gestorben.
Loudon, 28. März. Die Residenz des Herzogs von Orleans, das Aork-House, wird zum Verkauf angeboten.
Sofia, 28. März. Hier verlautet bestimmt, daß ein dortiges Blatt berichtet, zwischen Rußland und Bulgarien sei ein geheimes Abkommen zustande gekommen, mit folgendem wesentlichen Inhalt: Bulgarien soll zum unabhängigen Königreich erhoben und Macedonien zwischen Bulgarien und Montenegro ausgeteilt werden. Ferner sollen die bulgarischen und montenegrinischen Truppen im Kriegsfall in die russische Armee eingereiht, der südwestliche Teil des Hafens von Burgas auf 50 Jahre als Flotten- und Kohlenstation, sowie als Garnisonsort an Rußland abgetreten werden. Weiterhin solle Bulgarien von Rußland ein Darlehen von 100 Millionen Francs erhalten. Schließlich hätte Bulgarien sich verpflichtet, alle antirussischen Elemente aus Heer und Flotte zu entfernen. Hierzu schreibt die „Nat. Ztg.": Man wird gut thun, die Bestätigung dieser Nachricht abzuwarten. Eine russische Aktionspolitik in Bulgarien, wie sie sich nach diesem angeblichen Abkommen darstellen würde, müßte alle Balkanfragen fragen in Fluß bringen und unter Umständen Verwickelungen innerhalb Europas zur Folge haben. Solche Verwickelungen hat man bisher nur als im Interesse Eng- langs liegend angesehen. Sollte dies gerade jetzt durch den Gang der russischen Politik hervorgerufen werden, wäre mit der Thatsache zu rechnen, daß die Handelsfreiheit Englands in Südwestafrika von Rußland nicht nur keineswegs eingeschränkt, sondern sogar durch Ablenkung der Festlandsmächte auf südosteuropäische Fragen wesentlich gefördert wird.
Lokales und Urovinfielles.
(Ammyme Einsendungen, gleichviel welche« Inhalte», werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)
Gießen, 29. März 1900.
*• Bon der Universität. Der ordentliche Profeffor der Theologie, Dr. H. A. Köstlin, hat sich durch Gesundheits- rücksichten gezwungen gesehen, für das Sommersemester Urlaub zu nehmen. Es wird ihm ein Vertreter bestellt werden. — Der hierher berufene ordentliche Profeffor der Nationalökonomie in Greifswald, Dr. Biermer, hat de» Ruf angenommen.
•• Das feit 3 Jahren bestehende Rheinische Technikum Bingen wird zurzeit von 600 Studierenden besucht. Diese hohe Frequenz hat ohne Zweifel die Anstalt den Erfolgen zu verdanken, die der Besuch derselben für die Schüler hat. Bei den diesjährigen Osterprüfungen haben die Herren Wilh. Hennings und Karl Petri aus Gießen die Diplom-Prüfung für Elektro Ingenieur mit den Prädikaten „Mit Auszeichnung", bezw. „Gut" bestanden.
** Theaterverein. Die Reihe seiner Veranstat- tungen beschloß der Theaterverein gestern für diesen Winter mit einer Aufführung von Hermann Sudermanns „M oritur i". Die drei Einakter, welche der Verfasser unter dieser Bezeichnung zusammengefaßt hat, schienen, I wie man aus den Unterhaltungen des Publikums eilt-
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nehmen konnte, hier fast unbekannt zu sein, was um s. mehr verwunderlich ist, als sie schon im Winter 1896/9! zur ersten Aufführung kamen und seitdem allerorts un zahlrge Male gegeben worden sind. Lebhaften Interesse« sind sie ja überall gewiß, nur schwanken die Meinung immer sehr in der gegenseitigen Abwertung der drei Stück? Den meisten gilt das moderne „Fritzchen" als das be,re die anderen erkennen „Teja" die Krone zu, wieder ander, aber wohl die Minderzahl, finden mehr Gefallen an " leichten Märchenspiel „Das ewig Männliche" Wirkung jedes Einakters hängt eben auch viel von Vertreter der betreffenden Hauptrolle ab, und die dieses wird daher die Meinung über den größeren 2 geringeren Wert jedes der drei Stücke stark beeinflusse» Bei der gestrigen Aufführung waren alle drei Hauptrolle in einer Person vereinigt, in der des Herrn Willy Loeb vom Hoftheater in Darmstadt, der sich, nachdem er vor 14 Tagen in der „Jugend von heute" schon mit großem Erfolge gastiert und den lebhaften Wunsch, ihn in einer bedeutenderen Rolle wiederzusehen, gezeitigt hatte, gestern abend als ganz hervorragender Künstler auswies. Es ivii» uns schwer, zu sagen, in welcher Rolle, ob als Gotenkönig als Leutnant Fritzchen oder als Maler er das meiste Lol! verdiente; in jeder war er gleichbedeutend, mochte er als der rauhe, grausame, nur auf kurze Zeit im Umgang nut seinem jungen Weibe zum lebenslustigen, tändelnden Jüno. litt9 umgewandelte, zum Tode entschlossene Teja vor uns stehen, oder mochte er den durch des Vaters und durch eign? Schuld in eine schimpfliche, nur mit dem Tode zu sühnenl- Lage gebrachten Leutnant darstelleu, oder sich uns al, fröhlichen Maler zeigen, der sein Haschen nach dem Farben spiel des Lebens mit dem Leben zu bezahlen bereit ist. Tu- Abend wurde, wie herkömmlich und vom Dichter auch vo: geschrieben, eröffnet mit „T e j a", dessen markig-düsterer Handlung das trotz der Universitätsferien in großer Zahl erschienene Publikum in lautloser Aufmerksamkeit folgte. Eine rührend-reizende Königin war hier Frl. Hammer, auch die übrigen Rollen, die sämtlich stark gegen Teja unb Balthilda zurücktraten, waren gut besetzt. Herr jkirchhoif gab uns als Theodemir Gelegenheit, sein schönes Lrgan zu bewundern, das natürlich zur vollen Entfaltung seiner Vorzüge noch aufmerksamer Pflege und Studiums bedari Dann folgte „Fritzchen", die selbst in weniger guter Darstellung immer ergreifende Tragödie. Von den Mi?, wirkenden traf Frau Kruse ausgezeichnet den Ton für die leidende, zärtlich ihren Sohn liebende Majorin. Herr Walther als Major befriedigte erst gegen Schluß de- Stückes. Die Darstellung der inneren Unrufye des besorgt Vaters tzelang ihm nicht ganz, vielmehr erweckte bat häufige Wiederholen kleiner Worte, das ja vielleicht von ihm beabsichtigt war, zu sehr das Gefühl, daß er in feiner Rolle nicht sicher sei. Den Schluß bildete das heitere Spiel „Das ewig Männliche", das in bester Weise die düstere Stimmung der beiden ersten Einakter ablöst. Suder mann hat mit diesem Spiel seinen ersten Ausflug ins Märchenland gemacht, den er später in den „Drei Reiher, federn" wiederholte. Geschwätzig tändelt hier als Königin eine Neurasthenikerin und eitle Männerverderberin. Zum Glück richtet sie kein Unheil an, sie erntet nur Spott , bie Typen der schaffenden Männlichkeit, der Maler und der Marschall, kehren ihr lachend den Rücken, und als Ver- tretet dessen, was ihr das Ewig-Männliche ist, bleibt ihr nur der schöne Jean, der Kammerdiener. Die weibliche Hauptrolle der Königin spielte Frl. Haussig nach unserer Auffassung zu ernst, ein noch mehr kokettes tändelndes Spiel wäre richtiger gewesen. Der Marschall, Herr Kirch, hoff, sowie der Hofstaat der windigen Marquise und der mit körperlichen Gebrechen behafteten Hofdamen entledigten sich ihrer Aufgaben in bester Weise.
** Stadtthe ater. Wie wir schon mitteilten, findet morgen Freitag die erstmalige Aufführung des Dreyer- scheu Schauspiels „Der P r o b e k an d i d at" mit Herrn Marlitz vom Frankfurter Schauspielhause als Gast in der Titelrolle statt. Das Stück beherrscht gegenwärtig die Repertoirs aller namhaften Bühnen und erregt überall die größte Sensation. Es ist der rührigen Direktion unferc» Stadttheaters nur zu danken, daß sie die großen Erst- aufführungs- und Gast-Kosten nicht gescheut hat, um un* noch vor Saisonschluß mit einer so bedeutenden Novität, wie der „Probekandidat es ist, bekannt zu machen. Ter gestern gebrachten Kritik fügen wir noch die folgende bei, welche die „Münch. Post" unlängst brachte: Ein erster Akt mit treffenden Schlagern über den knechtenden Geist unserer staatlichen Schulen, als Exposition; ein famoser dritter Akt, in dem der reinigende Blitz herniedersaust, und ein sentimentaler vierter Akt — daraus wurde Dreyers „Probekandidat". Aber was verzeiht man einem Autor nicht alles, wenn er zum Sprachrohr unserer Leiden wird, wenn er eine brennende Frage auf das Tapet bringt ? Ties- mal saß der im Finden und Suchen glückliche Dichter fest, ; diesmal ist er sattelfest gegen bornierte Herkömmlichkeit zu Felde gezogen und hat mit derber Faust dem orthodoxen Muckertum, dem Zelotismus unserer humanistischen vü- dungscmstalten eins um die Ohren gehauen. Die MN pointierte Schlußsatire, die dem Märtyrer des freien Gedankens mit auf den Weg gegeben wird, ist für bie ganze Art des Stückes charakteristisch. Dreyers energisches prat- tisches Naturell weiß dem Ernst einen satirisch-komismen Einschlag zu geben, und der Autor verschmäht es nicht, um der besseren Wirkung willen gelegentlich ein wenig zum maitre de plaifir herabzusinken. Sein zupackendes Talent mit der überströmenden Verve stellt sich gern in den Diem der Tagesinteressen, nicht als ein ernster Weckrufer, wod aber als lustiger Geißelschwinger. Mit großer Tremmie - heit, wenn auch etwas karikiert, hat Dreyer eine sam Typen um die Gestalt seiner Helden gruppiert, alle! mey oder weniger gebrochene Individuen. Nach dem oru Akte, der großen Widerrufszene, brach stürmischer los. Herr Stollbe'rg dankte für den abwesenden w Er hat endlich sein langersehntes Kassenstück gefunden
•* Hessen unb das Fleifchbeschaugesetz. Auf dem am Sonntag in Mainz stattgehabten hessischen Handelskamm tag nahm der als Vertreter der hessischen Regierung wesende Ministerialrat Braun Veranlassung, sich über Stellung der hessischen Regierung gegenüber dem beschaugesetz oder richtiger dem Fleischeinfuhrverbo> z äußern Wir haben die trotz ihres persönlichen Charakte bedeutungsvolle Erklärung bereits kurz inhaltlich angeoem* und tragen sie heute in ihrem vollem Wortlaut nach.


