Ausgabe 
29.11.1900 Erstes Blatt
 
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Gerding in einem Aufsatze derDeutschen Kolomalzeiwng" folgendermaßen:

Bezüglich der Rentabilität will ich nur kurz erwähnen, daß der von mir für die Linie Dar-es-SalaamMrogoro aufgestellte Kosten- Überschlag mit der Gesamtsumme von 14 700 000 Mark abschlreßt, was einem Preis von rund 64 000 Mark für das Kilometer entspricht. Sxe von mir gleichfalls zunächst nur für die Linie Dar-es-Salaam-Mrogoro ausgestellte Ertragsberechnung schließt mit einem jährlichen uebers^utz von 5,6 v. H. der Anschlagssumme unter Einrechnung einer ausreichen- den Abschreibung auf den Reservefonds ab. Den Einnahmeberechnungen habe ich einen jährlichen Gütertransport von 12 000 Tonnen in jebet Richtung, also unter Annahme von 300 Betriebstagen 40 Tonnen täg­lich, zum Durchschnittstarif von 40 Pfg. für das Tonnenkllometn zu­grunde gelegt. Diese Zahlen halte ich für durchaus nicht zu hoch ge­griffen. Mit Rücksicht auf das außerordentlich ertragsfähige und günstige Gelände, welches die Linie durchzieht, und dm Umstand, daß die Bahn sofort den ganzen Karawanenverkehr an sich ziehen wird, steht für mich die spätere Rentabilität sowohl der ganzen Centralbahn, wie auch die, jentge der zunächst geplanten Anfangsstrecke außer jedem Zweifel. Die­selbe wird sich nicht nur rentieren, sondern mit der Zeit eine bedeutende Einnahmequelle füe die Kolonie werden und dazu beitragen, die letztere unabhängig von der Unterstützung des Reiches zu machen und auf eigne Füße zu stellen.__

Volltische Tagesschau.

Abermals ein Beitrag zu dem Thema Polizei und Kunst ia Preußen.' Für den Totensonntag war im Stadttheater zu Dortmund die Aufführung von SchillersMaria Stuart- angesetzt. Kurz vor der Vorstellung sah sich jedoch die Polizeibehörde auf drahtliche Anordnung der Re­gierung in Arnsberg veranlaßt, die Aufführung zu ver­bieten, da der Charakter des Stückes mit dem Ernst des Totensonntags nicht verträglich sei! Der Direktor war genötigt, den Besuchern des Hauses von der Bühne herab die Zurückzahlung des Eintrittsgeldes an­zubieten. StattMaria Stuart- gab er dann, da nur wenige Personen fortgingen, musikalische und deklamatorische Vorträge, während zugleich die Eintrittskarten Giltigkeit für die nächste Vorstellung vonMaria Stuart- behielten. Nach der Berliner Polizeiverordnung vom 19. März 1898 soll am Totensonntag in den Theatern nurder ernste Charatter gewahrt- werden. Aehnlich wird es in Dortmund sein. Meint man in Arnsberg oder Dortmund, daß Maria Stuart- ein lustiges Stück sei? An demselben Sonntag wurden in FrankfurtNora-,Faust" und Walküre-, auf den königlichen Bühnen in BerlinLohen griu-,Faust",Nathan der Weise" aufgeführt, cms den übrigen Theatern der ReichshauptstadtRosenmontag", Johannisfeuer",Ueber unsere Kraft",Fer­nande",Gerda Mohr",Die Jüdin",Die Glocken von Corneville",Der Troubadour-,Jugend-,Die Räuber-,Der Prozeßhansl" rc. Vermutlich wäre in Berlin, wenn dieRäuber" erlaubt wurden, auchMaria Stuart" nicht verboten worden. Auch dieser Vorfall zeigt wieder, in welchem Maße die Bühne dem wechselnden Er- rneffen der Verwaltung überliefert ist. Was der eine Zensor erlaubt, das verbietet der andere. Natürlich kann auch der Dortmunder Theaterdirektor an das preußische Oberver­waltungsgericht gehen. Aber was nutzen nachträgliche Ent­scheidungen? Der angerichtete Schaden wird damit nicht wieder gut gemacht.

Wie in der Denkschrift ausgeführt wird, die von der Deutschen Kolonialgesellschaft ihrer in der Frage der Zollvergünstigungen für deutsch-koloniale Erzeugniffe an den Reichskanzler gerichteten Eingabe als Begründung bei­gegeben ist, hat die Tabakskultur sowohl in Neuguinea wie in Kamerun bis jetzt Ausbreitung in weiterem Um­fange nicht finden können, obwohl die Boden- und klimatischen Verhältnisse der Kultur günstig sind. Widrige Verhältniffe bezüglich der Beschaffung geeigneter Tabakarbeiter beein­flußten bislang die Versuche ungünstig, vor allem aber war es nicht möglich, mit den alten, Tabak produzierenden Kolonialländern in Konkurrenz zu treten, weil deren alt­bewährten Einrichtungen gegenüber die Herstellungskosten der Tabake in den deutschen Kolonien zunächst noch zu hoch sind. Hat sich erst diese Kultur in unfern Kolonien ein­gebürgert, so dürften die Kosten sich mit der Zeit ermäßigen; vorläufig aber ist die Konkurrenz z. B. mit Sumatra aus­geschlossen. Hier würden Zollerleichterungen Wandel schaffen können. Sie würden nicht, wie von mancher Seite be­fürchtet wird, dem Tabakbau in Deutschland selbst Konkurrenz schaffen, da hierzulande nur Einlage- uud Umblatttabake gebaut werden, in Neuguinea ünd Kamerun aber nur Deckblatttabake. Letztere gewährt der Boden und das Klima in Deutschland nicht; Deutsch­land ist gezwungen, diese Tabake zu importieren. Das Quantum der aus Amsterdam, dem ersten Markte der Welt, für Deckblatttabake beträgt ca. 60,000 bis 80,000 Ballen zu 80 Kilogramm im Jahre, die Bezüge find in sieter Zunahme begriffen; man kann ca. 20 Millionen Mark jährlich rechnen, die für solche Deckblatttabake allein aus Deutschland nach Holland wandern. Zollerleichterungen, wenn nicht völlige Beseitigung des Zolles von 50 Mark für 100 Kilogramm, würden allein imstande fein, es deutschen Tabakspflanzungs-Unternehmungen zu ermöglichen, den Konkurrenzkampf gegen das auf diesem Gebiete über­mächtige Holland einzuleiten und mit Aussicht auf Erfolg durchzufi'chren.

TieKöln. Volksztg." glaubt, im F r e i h e r r n v o m Stein einen Eideshelser gegen die Polen Politik derpreußischeu Regierung ausspielen zu können. Sie zitiert nämlich aus einer Denkschrift Steins vom Jahr 1807 folgende aus die Polen bezügliche Stelle: Soll die Ration veredelt werden, so muß man dem unterdrückten Teil derselben Freiheit, Selbständigkeit und Eigentum geben und ihm den Schutz der besetze ange­deihen lassen." Daß diese Worte des großen Staats­manns heutemit doppeltem Interesse" zu lesen sind, darin pflichten wir derKöln. Volksztg." vollkommen bei. Denn jene Worte erinnern die preußischen Staats­bürger polnischer Zunge an die Pflicht der Dankbarkeit,

die sie dem preußischen Staate schulden. Hat doch der unterdrückte Teil" des polnischen Volkes aus den pol­nischen Bauern und den spärlichen Trümmern polnischer Handwerker und Kaufleute bestanden, und sind doch die Unterdrücker der polnische Adel und der polnische Klerus gewesen! Gegen letztere beide Faktoren hat der preußische Staat, ganz nach dem Verlangen des Freiherrn ^vorn Stein, dem unterdrückten polnischen Bauernstände Frei­heit, Selbständigkeit und Eigentum gegeben. Gerade des-, halb aber ist der polnische Adel und der polnische Klerus zum Feind des preußischen Staates geworden. Schon W i l h e l m I o r d a n hat im Frankfurter Parlament hier­über sich zutreffend wie folgt geäußert:

So lange Preußen sie (Adel und Klerus) ruhig gewähren ließe und sie nicht daran hinderte, das Volk in der alten geistigen Bevormundung und leiblichen Erniederung festzuhalten, ließen sie sich die Fremd­herrschaft ruhig gefallen und erwiesen sich als gehor­same Unterthanen. Als aber die preußische Regierung anfing, eine Gleichstellung aller Stände anzubahnen und die Bauern zu befreien, da war es ihnen ein unerträglicher Gedanke, die ihnen bisher untergebenen Leute ihres Volksstamms aus ihren Banden gelöst zu sehen, da erst entbrannte ihr Haß, und von diesem Augenblick an haben sie mit unablässiger Hartnäckigkeit auf die Empörung hingearbeitet, indem sie ihrer eng­herzigen Selbstsucht, der es nur um Erhaltung ihrer alten unwürdigen Zustände zu thun war, den Mantel der Vaterlandsliebe und der Begeisterung für die pol­nische Rationalität umhingen."

Wie weit Freiherr vom Stein davon entfernt war, den preußischen Staatsangehörigen polnischer Zunge eine Bewegungsfreiheit zu gewähren, die den Wünschen der ) üonalpolnischeii Agitatoren entspricht, geht unwider le!:sich aus seiner Haltung zu den russischen Plänen hervor, '''ölen in Personalunion mit Rußland, Selbständigkeit im Innern und eine ton,stitutionelle Verfassung zu geben. Als im Winter 1812 die polnische Umgebung Kaiser Alexanders I. derartige Absichten nährte, hat Stein die Gefahr einer in ihnen liegenden polnischen Propaganda klar erkannt: seine damaligen Briefe enthalten hierfür die Belege. Damals war es, daß Stein die Frage auf­warf, obein aus Edelleuten, Juden und tiefgebeugten Leibeigenen bestehendes Volk, verbildet durch eine zwei­hundertjährige Anarchie, des Genusses einer vernünftigen Freiheit fähig" sei. Sobald später auf dem Wiener Kongreß die polnische Frage eine überwiegende Bedeutung, gewonnen hatte, machte Stein am 6. Oktober in einer Eingabe an Kaiser Alexander seine Bedenken gegen die russischen Pläne betreffs Polens geltend und wiederholte sie in einer Unterredung am 19. Oktober. Er fügte hinzu, daß die Gründung eines selbständigen polnischen Staates den Keim der Uneinigkeit zwischen dem despotisch re­gierten Rußland und dem verfassungsfreien Nachbarstaat enthalte, während sie in denjenigen polnischen Landes­teilen, die Preußen und Oesterreich zufielen, eine fort­währende Gährung erhalten werde.

Prozeß Sternberg.

Berlin, 27. November.

Zuerst wird Schriftsteller Stockhausen vernommen. Er kennt den Schutzmann Raupach), der Ordonanz des Direktors v. Meerscheidt-Hüllessem war, seit etwa zehn Jahren und hatte ihn in einer außerdienstlichen An­gelegenheit auszusuchen sich vorgenommen. Als der Zeuge zu Raupach kam, hat er diesen u. a. gefragt, ob es denn jetzt Mode bei der Polizei sei, daß Beamte Briefe an Zeugen schreiben, sie zu beeinflussen ? Er habe noch hinzu­gesetzt: Sie werden schon wissen, was ich meine. Auf diese Weise sei wohl Herr Raupach dazu gekommen, später Herrn Stierstädter einmal vorzuhalten, daß er an die Briefe denken möge.

Gerichtsassessor Dr. Herz hat als Untersuchungs richter die Ehlert und die Schnörwange in Kottbus ver­nommen und -flieht Auskunft über den Eindruck, den beide auf ihn gemacht haben. Sie machten keinen be­sonders glaubwürdigen Eindruck. Die Ehlert erkannte damals in der ihr vorgelegten Photographie Sternberg wieder.

Hierauf wird die Zeugin Klara Fischer der Zeugin Frl. Bieber gegenüber gestellt. Sie habe sofort gesagt, daß sie mit einem Herrn Beziehungen habe und Besuche von ihm empfange. Die Zeugin schildert unter lebhaftem Protest des Frl. Bieber den Verkehr in dem Bieberschen Pensionat in sehr ungünstigen Farben. Sie giebt zu, bei dem Gespräch über Sternberg recht horte und unfreundliche Ausdrücke über ihn gebraucht zu haben, ebenso wie Frl. Pfeffer. Als sie mit Herrn Schneider nach London gegangen war, hatten sie von der Pfeffer einen Brief erhalten, in dem sie dringend aufgefordert wurden, nicht hierher zurückzukehren, da hier die ungeheuerlichsten Dinge gegen sie vorgebracht werden sollten. Später hätten sie von Fräulein Pfeffer erfahren, daß alle diese Dinge von Frl. Bieber herrührten. Letztere erklärt darauf, daß sie dem Frl. Pfeffer nur das erzählt habe, was ihr Frau Schneider über ihren Ehemann und Frl. Fischer mit­geteilt habe.

Der nächste Zeuge ist der Kaufmann Berg m a n n , der in dem Goldgeschäfte von Belmonte thätig ist. Gr macht Aussagen, woraus hervorgehen soll, daß der gestern vernommene Zeuge Hofmeier, der in dem nämlichen Ge­schäft eine Nebenbeschäftigung hatte, in dieser Strafsache für Luppa ober Sternberg sehr thätig gewesen sei. Er weiß, daß Hofmeier sich bestrebt habe, Blümke in dem Geschäft anzubringen. Er habe sogar sich bereit erklärt, das Gehalt gleich auf drei Monate ans seiner Tasche zu deponieren. Er habe auf Befragen auch zugegeben, daß er von Blümke etwas herausbekommen möchte. Wenn er mir alles sagen wollte, was ich wissen will, könnte Blümke sofort 10 000 Mk. verdienen und ich 30 000 Mk. Zeuge Hofweier bleibt dabei, daß dies ein Scherz sei. Zeuge Bergmann behauptet dagegen, daß es sehr ernst gemeint gewesen sei. Einmal habe Herr Hofmeier auch gesagt, der fremde Mann habe erklärt, er komme von Dr. Wert­hauer. Als bann in ben Zeitungen Mitteilungen darüber standen, daß mehrere Personen in der Sternbergschen Sache wegen Beeinflussimg verhaftet seien, habe der In­haber des Belmonteschen Geschäfts, Herr Levv, den Zeugen

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friegen die Aester nicht, ich bin schlauer ipj, f i e. Der Zeuge erkennt in der ihm vorgelegten graphie Luppas den Herrn wieder, den er bei Hofmc» gesehen habe. Dieser wird vom Präsidenten unter Warnung vor dem Meineide befragt, ob er nicht zugetr< wolle, daß der angebliche Jänicke Herr Luppa war. Zeu, Hofmeier giebt zu, daß ein egewisse Ähnlichkeit h liege. Der Zeuge Bergmann beschwürt seine Aussage. T« Angeklagte Sternberg stellt durch Befragen fest, Herr Hofmeier seine Bemühungen für ihn, die ohne pra! tisches Ergebnis gewesen, eingestellt habe, als er die Polizei zu seiner Vernehmung zitiert worden sei.

Zeuge Kaufmann Kelbe ist mit dem gestern bet nommenen Zeugen Häusler bekannt. Dieser hat ihm et zählt, daß er auf Anregung des Herrn Wolf versuch solle, aus der Margarete Woyda herauszubekommen.« etwa Frieda Woyda der Schwester etwas über die Sten

Hofmeier gewarnt. Dieser habe aber gesagt: M ft «-"S1 .....- ...... .....ntes

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fc. tzM Zweigverl imTaunus' ab. Den 8 GeMsberic -liederzahl ift M 1899 in stiegen. Die schästjsthrr 4 Verwögen bti dem Bericht Mteilung t Pflichtbeiträge geMchch (2 längere die ebenfalls vorn Hauptberö 1 Anfrage für g, c bar gehalten. 5 - Boirlen durch ! entworfen gegenseitig

Aus Stadt un- Kund.

Gietzen, 28. November l^-

** Aus dem Büreau des Stadttheaters wn uns geschrieben: Herr Karl William B ü l l e r g > im hiesigen Stadttheater an drei Abenden uno - am Donnerstag den 29. ds., Freitag den 30: os. Sonntag den 2. Dezember. Das Gastspiel f,1,bct ^enI? höhten Eintrittspreisen statt, indes haben Abonnemen^ billets mit Zuzahlung Giltigkeit. Am Donnerstag kom Zirkusleute" zur Aufführung, worin Herr -vu denLandowsky" spielt. ^-»burtS

-pf. Nidda, 27. November. Zur Feier des Gevu tages des Großherzogs und der Großherroa fand gestern abend imHotel Traube" ein fofang kommers statt, an dem, eingeladen von der fteiwM Feuerwehr, die hiesigen Vereine (Gesang-, Tarn-, Ra s y Krieger- und Bahnbeamten-Verein) und em großer ci Bürgerschaft sich beteiligten. Den musikalischen L-u y

bergsche Sache gesagt habe.

Nach einer kurzen Pause wird Frl. Bieber m Grund einer eingegangenen Karte darüber befragt, ci sie Herrn Sternberg vor diesem Prozeß gesehen ober g- fannt oder von Herrn Sternberg größere Geldsumv-r erhalten habe. Sie erklärt unter Hinweis auf ihren r leistenden Eid, daß dies entschieden nicht der Fall sn

Der Vorsitzende läßt hierauf Frau Hausmann M mals vortreten und befragt sie nochmals über ben fc fall, bei dem sie den Kommissar Thiel in ihrer Wohn.-> gesehen haben will. Der Vorsitzende will namens wissen, ob seit dem Tage, an dem hier vor Gericht dust Vorfall erwähnt worden, etwa Herr Luppa bei ihr gt wesen sei.

Der Zeugin Callis wird vom Vorsitzenden borge halten, daß sie auch in einer Kuppelsache Krüger als Zeug-, vernommen worden sei und auch bei dieser Gelegenbci sofort von ihrem Verkehr mit Sternberg gesprochen bob- Die Callis wird wiederum vom Vorsitzenden ernstlich er mahnt, die Wahrheit zu sogen und auf die Strafen Meineids verwiesen.

Zeuge Ludwig R i 11 e r h a u s i-stl ein Freund de- Sternberg'schen Hauses und kennt £>errn Sternberg y.' etwa 10 Jahren. Als Sternberg verhaftet worden im hat der Zeuge Frau Sternberg in größter Aufregung g: funden. Sie habe erklärt, daß sie ihrem Manne ein sollt« \ Vergehen an einem kleinen Mädchen nicht zutraue habe den dringenden Wunsch ausgesprochen, daß doch mc dem Leumund des betreffenden kleinen ^Rädchens Emir telungen angestellt werden möchten. Er habe sich schlief lich etwas gegen seinen Wunsch bereit erklärt, Rachsohld ungen anzustellen und habe ebenso wie seine Ehesnrn unb eine Frau Trapp Erkundigungen nach der Friet>s 'Äonby bei dem Rektor und einem Lehrer in Reydorf unb vn einigen Schülerinneii angestellt. Die Auskunft stv nut günstig ausgefallen Frieda Woyda sei ihm als inigxmit würdig und als windbeukelig geschildert wurden.

Staatsanwalt Braut macht darauf, aufmerksam, dv. der Zeuge in der vorigen Verhandlung mchk vereidet wo^ den ist, weil er der Begünstigung verdächtig erschien, a nun der Zeuge diesmal nach unb nach doch schon mehl Ermittelungen zugegeben habe, als er anfänglich ar deutete, ersuche er ihn, alles mitzuteilen, was er |onj noch zur Sache wisse. Der Zeuge bekundet unter M- hilfenahme seines Notizbuches noch mancherlei. Eine? Tages habe ihm Frau Sternberg erzählt, es sei ein -Ram bei ihr erschienen, der einen falschen Bart getragen habe, und habe ihr an geboten, daß er ihren Man-K gegen 20000 Mark befreien könnte. Der Main I sei dann noch einmal wiedergekommen unb habe ein an geblich von (Sternberg herrührendes Papier mitgebratfr auf dem die Worte standen:Errette mich, errette muh, sonst bin ich verloren. Dein Gatte." Da die Worte w- orthographisch geschrieben waren, habe er sofort ge/cM daß es sich um einen Menschen handele, der M er­pressen wollte. Frau Sternberg habe fity ferner dE - - beklagt, daß sie von allen möglichen Personen überlaut werde, die immer behaupteten, sie wußten etwav. £ habe sich auch, über die Machen schäften gegen ihren Ja in der Presse beklagt und behauptet, biefe gingen voncink« bestimmten Journalisten ans. Auf Verlangen dev B - i sitzenden nennt der Zeuge nach längerem Strauben Dm | Namen des Journalisten Borges, mit dem er fuj w Verbindung gesetzt habe, um ihn zu ersuchen, doch dM agressiven Artikel zu unterlassen. Der Gerichtshof bfr schließt, den Zeugen u n v e r e i d i g t zu lasten, da er oe- Begünstigung verdächtig erscheine.

' Die Aussagen der Frau R i t t e r h a u s und der (M j Trapp über die Mitteilungen, die ihnen die Mitschüler innen der Frieda Woyda bezüglich- des Charattere der letzteren gemacht haben, sind ohne Mang, ebenso die uns fagen dreier Mitschülerinnen der Woyda, die nur allen von anderen Mädchen gehört haben wollen. Mi em, Frau Biebas hat die Callis einige Zeit gewohnt, o- biefe eines Tages aus ihrer Wohnung weggebliebcn _ Als die Callis nicht mehr bei ihr war, seien eine- W Frau Krüger und Frau Stabs bei ihr erschienen, sich nach, der Callis zu erkundigen. j

Der Vorsitzende bricht hier die Beweisaufnahme uni) vertagt die Verhandlung auf Donnerstag.