Ausgabe 
29.8.1900 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Er hat von neuem das Kommando über seine Ostarmee übernommen, um ihre beinahe seit Monatsfrist stockenden Operationen wieder in Fluß zu bringen. Seine letzten Berichte vom 24. waren schon aus Wonderfontein datiert, und am 25. befand er sich in Belfast beim Gros. Hier stehen sich jetzt die feindlichen Streitkräfte unmittelbar gegen­über. Belfast wurde von Pole-Carew am 24. unter Ver­lust von nur 14 Verwundeten besetzt. Vor Belfast, östlich von Dalmanuthal, der nächsten Eisenbahnstation, bewegte sich am 24. French mit seinen vier Kavalleriebrigaden. Den rechten Flügel der Engländer bildet jetzt Buller, der endlich auf seinem zögernden Marsche von Paardekopp über Ermelo, Twyfelaar und Geluk am 24. Leeuwkloof 10 Kilo­meter südöstlich von Dalmanutha erreicht hat» Ihre erste Stellung haben die Buren zwischen Belfast und Dalmanutha, und es scheint demnach, als ob Buller ihre linke, südliche Flanke umgehen will, während French sie in der Front sesthält. Uebrigens hat Buller, wie schon mitgeteilt, wieder einmal Lehrgeld zahlen müssen. Sein Vormarsch fand am 23. heftigen Widerstand. Man erinnert sich, daß die Buren eine lange Linie von Machadadorp bis Carolin be­setzt hatten, die so gut gewählt, war, daß sich Buller nicht an sie heranwagte. Schließlich kam er bei Leeuwkloof doch mit ihr in Berührung. Die Buren versuchten zunächst, Bullers Kavallerie eine Falle zu legen. Als sie glaubten, sie drin zu haben, eröffneten sie auf ganz kurze Entfernung mit Fünfzehnpfündern und Maschinengewehren heftiges Feuer. Nur das schleunige Eingreifen einer Abteilung der 21. Batterie, das die feindlichen Geschütze zum Schweigen brachte, rettete die Kavallerie aus der Falle. Dafür aber gerieten zwei Kompagnieen des Liverpoolschen In­fanterie-Regiments in eine andere Falle, die wirksamer war. Sie drangen, wie Buller berichtet, infolge eines Mißver­ständnisses feuernd in einen Hohlweg vor, wo sie ungefähr 1500 Meter vorrückten und der Hauptmacht aus dem Ge­sichtskreis kamen. Hier wurden sie von den Buren um­ringt und erlitten schwere Verluste. 10 Mann fielen, 1 Hauptmann, der in Gefangenschaft geriet, und 45 Mann wurden verwundet und 32 Mann gefangen ge­nommen. Auch die umzingelte Kavallerie kam nicht ohne einige Verluste davon. Man darf daraus gefaßt sein, daß ähnliche Manöver der Buren jetzt öfter wiederkehren, denn das Gelände von Machadodorp an nimmt wieder den Cha­rakter eines wilden Gebirges an, das viel Aehnlichkeit mit dem von Natal hat, in welchem Buller so unangenehme Erfahrungen gemacht. Aus den Kriegsschauplätzen im Norden und im Westen von Pretoria hat sich nach Roberts letztem Berichte nicht viel geändert. Baden- Powell und Paget haben am Pienaars - River durch Hamilton, der seit einiger Zeit verschollen war, Verstärkung erhalten. Alle drei scheinen über die Station PienaarS- river noch nicht vorgerückt zu sein, da in deren Nähe noch 13 Buren gefangen werden konnten. Das Gelände ersor- dert hier auch die größte Vorsicht. Denn das Boschveldt ist von dichten Waldungen bedeckt, in denen jeder Ueber- blick verloren geht. Das Hauptquartier Groblers, der hier kommandiert, befand sich vor mehreren Tagen bei Cyferkuil am Platflusse, etwa 15 Kilometer nördlich von der Station Pienaarsriver. Von dem äußersten Westen verlautet, daß Methuen die Meldung ist vom 24. datiert endlich in Zeerust angekommen und mit Carrington, der noch immer in Ottos Hoop steht, Fühlung genommen hat. Ihnen wird vermutlich bald Delarey wieder zu schaffen machen, der be­kanntlich De Wet bei Bank über die Eisenbahn geleitet hat. Von Kitchener und den Kavalleriebrigaden fehlt da­gegen jede Spur.

Folgende Meldungen ergänzen das Obige: Der Kriegs­berichterstatter derMorning Post" meldet aus Belfast: Roberts kam hier Samstagmorgen von Wonderfontein an und nahm eine Rekognoszierung der Buren st ellung vor, die sehr stark ist und sich über einen langen, hohen Berg­rücken, acht Kilometer östlich von Belfast, erstreckte. Buller und French stehen sieben englische Meilen von Belfast. Die Buren halten auch die dazwischen liegende Hügelkette. Bullers Streitkräfte, sowie Stephensons Brigade am äußersten linken Flügel wurden SamStagmorgen von den Buren heftig beschossen, zwei Granaten fuhren in die Stadt. Die Buren beschießen auch das britische Zentrum. Die britische Artillerie erwidert das Surenfeuer. Das Gelände ist überaus schwierig. Wenn die Buren Stand halten, sei ein Entscheidungskampf zu erwarten.

Der Standard meldet aus Belfast vom 25. ds., die Hauptstellung der Buren ist ein starker Halbkreis von Bergen, dessen Durchmesser durch Belfast geht. Den Höhen- zügen sind Ausläufer vorgelagert, die nur durch Moräste erreichbar sind. Die Stellung hat eine Front von 40 Kilo­metern. Der Feind ist gut verschanzt. Die Buren sind offenbar zum Widerstande bereit. Ob sie unfern Angriff abwarten werden, wird sich zeigen. Ihre Stellung ist bis­her durch die dreitägigen Angriffe Bullers nicht erschüttert.

Reuter meldet aus Geluksfarm vom 26.: Pole Carew bekam am Samstag, nachdem er Belfast besetzt hatte, Fühlung mit der Hauptmacht des Feindes bei Dalma­nutha. Seme Artillerie zerstörte eine Pflanzung östlich von Belfast. Die Buren erwiderten das Feuer aus weit­tragenden Geschützen. General French steht in Bullers Flanke. Dort fand ein lebhaftes Artilleriegefecht zwischen den Engländern und den Buren statt. Die Geschütze deS Feindes haben eine starke Stellung. Der Feind beabsichtigt augenscheinlich, im Gebiet zwischen hier und Machadodorp aufs zäheste zu kämpfen.

Lord Roberts meldet aus Belfast vom 26. ds. 11 Uhr nachts: Wir waren den größeren Teil des heutigen Tages in einem Umkreis von 30 Meilen in ein Gefecht verwickelt. Die Division Lyttleton mit zwei Kavallerie-Brigaden, daS Ganze unter Buller, manöverierte südöstlich von Dalmanutha. French marschierte mit zwei Brigaden Ka­vallerie nordwärts auf der westlichen Seite an Belfast vor­

bei und trieb den Feind nach Lekenvlei an der Straße Bel­fast Lydenburg zurück. Als French Lekenvlei erreicht hatte, rückte Pole Carew mit feiner Gardebrigade zur Unterstützung von Belfast aus. Der Feind, der augenscheinlich von Norden und Osten her bedeutende Verstärkungen erhalten hatte, leistete dem Vormarsch Bullers und Pole Carews hartnäckigen Widerstand. Er hatte drei solcher Geschütze wie denLangen Tom" und viele andere Artillerie im Gefechte. Sein Feuer war sehr heftig und dauerte bis zur völligen Dunkelheit. Buller hofft (?), daß seine Ver­luste über 40 Mann betragen werden. Von den anderen Truppenteilen wurden noch keine Verluste gemeldet. Die Buren leisteten entschlossenen Widerstand und haben zahlreiche Geschütze zusammengebracht. Das Gelände ist sehr schwierig, wohl geeignet für die Taktik der Buren, aber ungünstiger für die Verwendung der britischen Kavallerie, als dies nach unseren seitherigen Erfahrungen irgendwo der Fall gewesen ist.

Lord Roberts berichtet ferner über die Operationen, die zum Entsatz des Obersten Ridley führten, der bei Wyn- burg mit 250 Berittenen und 25 Infanteristen von 1000 Buren mit zwei Geschützen angegriffen und umzingelt worden war. Ridley verlor einige 30 Mann. General Run die meldet, daß sich in Harrysmith 169 Buren ergaben.

Aus Transvaal trafen in Wien 55 von England aus Johannesburg Ausgewiesene ein. Sie beabsichtigen, beim Grafen Goluchowsky Beschwerde wegen der Aus­weisung zu erheben und durch das Auswärtige Amt ihre Schadenersatz-Ansprüche gegen die englische Regierung geltend zu machen. Die Ausgewiesenen wurden wie die wilden Tiere eingefangen und zur Küste geschleppt, obwohl sie sich nicht das Geringste hatte zu Schulden kommen lassen. Man holte die Leute aus den Werkstätten, aus den Wirt­schaften, aus ihren eigenen Wohnungen, ja selbst aus den Betten, ob angekleidet ober nicht. Barfuß oder in Pan­toffeln wurden sie von dannen geführt. Wie ein Trans­port Schlachttiere, Männer, Frauen und Kinder, wurden sie fortgeführt zu den Schiffen und mit anderen Ausländern des Landes verwiesen. Die Leute beklagen den Verlust ihrer gesamten Habe.

* *

Telegramme des Gießener Anzeigers.

London, 28. August. Die Morgenblätter besprechen die Lage in Transvaal und beglückwünschen sich dazu, daß Lord Roberts selbst die Direktion der Operationen gegen Botha übernommen hat. Botha ist stark verschanzt im Norden von Belfast. Seine Stellung ist nahezu un­einnehmbar. Er leistet hartnäckigen Widerstand. Ferner drücken die Morgenblätter ihre Genugthuung über die Ge­fangennahme von Olivier aus.

London, 28. August.Daily Mail" meldet aus Pietermaritzburg: Die Buren, die in Natal eingedrungen sind, beschlagnahmten 200 Pfund Dynamit in der Kohlengrube von Jngagan. Die englischen Militär- Behörden verboten infolgedessen den Grubenbesitzern, mehr Dynamit auf Lager zu halten, als für einen Tag not­wendig wäre.

Loudon, 28. August. Das Kriegsamt veröffentlicht die Verlustliste über die Operationen bei Belfast. Buller verlor 3 Tote und 24 Verwundete, die übrigen bei Belfast operierenden Truppen hatten 4 Tote und 30 Verwundete.

Polttische Tagesschau.

Etwa 150 Zeitungsverleger Sachsens unb Thüringens traten dieser Tage im Deutschen Buchgewerbe- Hause in Leipzig zusammen, um für ihren Teil Stellung zu nehmen zur Erhöhung der Papierpreife und zu ber dadurch bedingten erheblichen Vertheuerung der Zeitungsherstellung. Die Versammlung nahm gegen zwei Stimmen folgende Re­solution an:

Die am 26. August im Deutschen Buchgewerbehause zu Leipzig tagende Versammlung sächsischer und thüringischer Zeitungsverleger er­achtet im Hinblick aus die eingetretene Erhöhung der Papierpreise, sowie aus die Mehrbelastung, die der Postzeitungstarif für die Zeitungen bringt, eine entsprechende Erhöhung der Abonnements- und Inseraten­preise als eine Notwendigkeit. Sie beauftragt die Vorstände des Deutschen Buchdrucker-Vereins und des Thüringischen Zeitungs­verlegervereins, diese Erhöhung in Sachsen und Thüringen mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln in die Wege zu leiten, und richtet an die Kollegen der genannten Staaten das dringende Ersuchen, sich dem Vorgehen der beiden Vorstände allseittg anzuschließen. Gleichzeitig werden die genannten Vorstände beauftragt, dem Publikum die notwendige Er­höhung in geeigneter Weise durch die Tagespreise bekannt zu geben. Die im Laufe der Verhandlung gemachten Vorschläge für die Neu­regelung der Abonnements- und Inseratenpreise werden den beiden Vor­ständen als Material zur Berücksichtigung überwiesen."

Deutsches Reich.

Berlin, 27. August. Der Kaiser hörte heute vor­mittag von 9 Uhr ab den Vortrag des Chefs oes Zivil- Kabinetts von Lucanus und Marine-Vorträge. Heute nach­mittag wohnten per Kaiser und die K a i s e r i n dem Adler- schießen beim 1. Garde-Regiment zu Fuß bei. Den ersten Schuß auf den Adler gab der Kaiser ab, der sich sodann auch an hem Schießen auf den anderen Schießständen be­teiligte. An dem Schießen beteiligten sich auch der Kron­prinz und die übrigen bei dem Regiment stehenden Prinzen. Das Kaiserpaar begab sich sodann nach dem Neuen Palais zurück. ,

Morgen vormittag findet in Gegenwart des Kaisers und vieler geladener Gäste die E n t y ü l l u n g d r e i e r neuer Denkmalsgruppen in der Sieges-Allee statt. Es handelt sich um die Standbilder der Kurfürsten Albrecht Achilles, Friedrichs I. und Joachims I.

Auf Befehl des Kaisers findet am 30. ds. vor­mittags 10 Uhr im Zeughause die feierliche Nagelung und Weihe von 64 neuen Fahnen und Stan­darten statt. Darunter befindet sich die für das 1. und 2. Bataillon der sechs ostasiatischen Infanterie-Regimenter (und des ostasiatischen Reiter-Regiments. Die Nagelung findet in der Rubmesholle statt. Derselben wohnen bei der Kaiser und die Kaiserin, der Kronprinz, die übrigen

hier anwesenden Söhne des Kaiserpaares, der Kriegsmi- nrster, Graf Bülow unb andere. Die Militär-Bevollmäch- trgten der fremden Staaten beteiligen sich an der Nagelung ber Feldzeichen für das ostasiatische Expeditions-Korps. Nachdem der letzte Nagel eingeschlagen, findet die Weihe der Feldzeichen xm Lichthofe statt.

Ein Geldgeschenk von 10000 Mark hat der Kaiser,aus seinem Dispositionsfonds der katholi­schen Schulgemeinde zu Gnesen als Beihilfe zu den Kosten für den Bau eines neuen Schulgebäudes über­weifen lassen.

Wie diePost" hört, hat der Präsident des preußi- schM Oberverwaltungsgerichts Persius seine Ent­lassung aus hem Staatsdienste nachgesucht.

Der Bundesrat beginnt seine regelmäßigen Sitzungen wieder Mitte September.

Das preußische Staatsministerium trat heute nachmittag äu einer Sitzung zusammen.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Zeitungen lassen nicht ab, auf die baldige Berufung des Reichs­tages hinzudrängen und zwar rufen darnach solche Blätter am lautesten, die im Juli dieselbe bekämpften. In Bezug auf das Bedürfnis der Versammlung des Reichs­tages liegen die Dinge gegenwärtig nicht anders. Auch jetzt ftjt kein Grund vorhanden, die parlamentarische Ruhepause vorzeitig zu unterbrechen.

DieBresl. Ztg." schreibt, die fiskalische Zentral­verwaltung in Oberschlesien beschloß, zum kommenden Winter keineSteigerung der Kohlenpreise vor­zunehmen und auch auf den üblichen Winterzuschtag zu verzichten.

Das Deutsche Hilfskomitee für Ostasien teilt mit, daß der Staatssekretär des Reichspostamtes von Podbielski sämtliche Po st an st alten angewiesen hat, Geldbeträge für die in Ostasien kämpfenden Deutschen anzunehmen. Durch diesen Erlaß ist jeder­mann Gelegenheit gegeben, Beiträge auf bequeme Weise an die Sammelshelle der Postämter gelangen zu lassen. Daß diese Verfügung ihren Zweck nicht verfehlt, beweist die Thatsache, daß täglich bei dem Deutschen Hilfskomitee für Ostasien in Berlin 200 bis 400 Anweisungen vom Post­ämtern aus allen Teilen des Reiches im Betrage von 25000 Mark eingehen. Alle Mitteilungen sind zu richten an den General-Sekretär Emil Selberg, Wilhelmstraße 68 in Berlin.

Düsseldorf, 27. August. Der hiesige Schlachten­maler Rocholl wurde dem Stabe Waldersees bei­gegeben. Rocholl befindet sich an Bord derSachsen".

Kronberg, 27. August. Das griechische Kron­prinzenpaar hat heute vormittag die Heimreise nach Athen angetreten.

München, 27. August. Nach denNeuesten Nach- richjten" mutmaßte man auf Schloß Hohenburg bei Tölz, daß ein Attentat auf den Erbgroß Herzog von Luxemburg beabsichtigt fei, weil Drohbriefe und Warn­ungen einliefen. Die Münchener Polizei stellte Nachforsch­ungen an. Eine ernste Bedeutung der Attentatsgeschichte wir di mb er bezweifelt. Der Erbgroßherzog ist übrigens noch immer leidend; die Wirkungen der vor zwei Jahren eingetretenen Fußlähmung machen sich fortgesetzt be» merkbar.

Ausland.

Paris, 27. August. Nach einer Meldung der hie­sigen Abendblätter übersandte die Polizei der Staats­anwaltschaft in Mailand die den Aufenthalt Bres cis in Havre und Paris betreffenden Aktenstücke, die wich­tige Aufschlüsse über die Vorgeschichte des Attentats enthalten.

R o m, 27. August. DerPfarrervonSanktSe- b a st i a n (Rom) wurde unter der Anklage der Verherr­lichung des Königsmordes verhaftet.

Wien, 27. August. Heute trafen die aus Trans­vaal von der englischen Regierung aus gewiesenest 56 Kroaten im größten Elend ein. Das Mini­sterium des Aeußern verfügte telegraphisch die Sicher­stellung ihrer Habseligkeiten. (Siehe auch:Der Krieg in Südafrika")

Der Fürst von Bulgarien passierte heute Wien und begab sich direkt nach Sofia. In diplomatischen Kreisen ist man der Ansicht, daß nach seinem Eintreffen hort die r u m ä n i s ch - b u l g a r i s ch e n D i f f e r e n z e n in beiderseits ' zufriedenstellender Weise betgelegt werden. t m ;

Prag, 27. August. Gestern fand bet Nachod tn einem Walde an der preußischen Grenze eine von ca. 35 000 Personen besuchte czechische Volksversammlung statt Der Hauptredner, Dr. Herold, erging sich in heftigen Angriffen auf Deutschland, das er beschuldigte, daß es die Annexion Böhmens plane. Böhmen, das ein Damm gegen die germanischen Bestrebungen sein sollte, sei ein Tummelplatz deutscher Agitatoren; die öster­reichischen Staatsmänner müßten darauf bedacht sein, daß Böhmen nicht das Schicksal Elsaß-Lothringensl teile. Das czechische Volk müsse sich rüsten für den Zeit- puntt, wo es sich entscheiden werde, ob auf dem Prager Dome die Fahne des heiligen Wenzel oder die preußische Fahne wie 1866 aufgepflanzt werde. Ein Vertreter der Czechisch-Radikalen ierHärte, Böhmen habe tnaitj ^u fürchten, solange Frankreich und Rußland besteyen. ^n einer zweiten czechischen Volksversammlung auf dem Georgsberge bei Raudnitz sprach Abg.Dr.Gregr vor etwa 40000 Personen. Er bezeichnete das böhmische Staats­recht als das einzige Ziel und ruW^ofe Opposition als die allein richtige Taktik der Czechen. Der Radikale Baxa erklärte, 'für die Czechen, tenen am Reiche nichts aelegen sei, müsse die Losung abgegeben werden:Für das Par ament giebt es keinen Pardon! Die Ser- Achtung des^Parlaments sei die erste Etappe zur Erreichung des Staatsrechtv.

Budapest, 27. August. Hiesigen Berichten zufolge werden in allen bulgarischen Grenzstädten die rumänischen Reisenden und Waren zuruck- gewiesen. Fast alle in Rumänien lebenden Bulgaren reisen heim. DerBudapesti Hirlap" meldet, der Unter­such ungsrichter Florescu hätte auch ein bulgarisches Komvlo11 gegen König Karol entdeckt, und daß | chich schon im Mai gelegentlich ber Verhaftung dreier ver-