-weil bis auf den heutigen Tag als historisch, beglaubigt an- genommen wurde, daß der Schöpfer dieses weltbekannten Kunstwerkes ein gewisser, im Jahre 1692 auf dem Messing- Hofe bei Kassel geborener Kupferschmied Namens Otto Philipp Küper, Sohn eines dort beschäftigten fürstlichen Hammerschmiedes gewesen fei, dem infolge dieser hervorragnd künstlerischen Leistung verschiedene Auszeichnungen und Vergünstigungen zu teil wurden. So wurde Küper, wie aus einer bei den Erben der Familie Küper noch vorhandenen, vom Landgrafen Karl am 8. Juni 1717 ausgestellten Urkunde hervorgeht, ohne vorhergegangenes Meisterstück in die ehrsame Zunft der Kupferschmiede um deswillen ausgenommen, weil die verfertigte Arbeit Herkules zur Genüge bekannt gebe, daß Küper das erlernte Kupferschmiedhandwerk wohl verstehe.
Vermischtes.
* Dortmund, 25. Juli, lieber das Eisenbahnunglück in (Samen ist noch folgendes mitzuteilen: Der Köln-Berliner Schnellzug, mit Schlafwagen ausgestattet, geriet bei der Einfahrt in den Bahnhof in ein falsches Gleis und stieß mit voller Wucht auf einen dort stehenden Güterzug. Der Anprall war ein furchtbarer; die Lokomotive des Schnellzuges wurde aus dem Gleise geschleudert und bohrte sich in das Erdreich ein, der Tender riß sich los, wurde mit mehreren nachfolgenden Wagen an der Lokomotive vorbeigeschoben, wobei insbesondere die Holzteile der EckkoupeeS zerstört wurden. Der Packwagen wurde um- geworfen, schwer beschädigt ist auch der Postwagen. Von dem Güterzuge find gegen sechs Wagen ganz zerstört, ein Wagen ist direkt aus sein Vorderwagen gefahren. Zahlreiche Passagiere waren zwischen den Trümmern eingezwängt, es dauerte eine Stunde und länger, ehe man sie aus ihrer entsetzlichen Lage befreien konnte. Arbeiter der benachbarten Zeche „Monopol", sowie das Stationspersonal leisteten die erste Hilfe. Es sind bei dem Unglück zu Tode gekommen der Lokomotivführer Schneider und der Heizer Lubinger, beide aus Dortmund, sie hatten den Zug erst hier übernommen. Schwer verletzt ist der Zugführer Emil Hartmann aus Berlin-Schöneberg und der Packmeister Wilhelm Gröper aus Berlin. Leicht verletzt, so daß er es unternehmen will, die Reise heute noch sortzusetzen, ist der Kaufmann Saurier aus Paris, der über eine Stunde in einem Abteil 2. Kl. zwischen den Trümmern eingeschlossen war. Vier andere Personen, ein Restaurateur aus Wesel, der Schlafwagenschaffner und der Postschaffner, sowie eine kranke Dame, sind ganz leicht verletzt und konnten die Reise mit dem nächsten Zug fortsetzen. Direkte Ursache des Unglücks war, daß der Wärter des vor dem Bahnhof liegenden Blocks dem Schnellzug eigenmächtig das aus Halt stehende Einfahrtssignal frei gemacht hat. Da die Weiche für das dritte Gleis, in das der Güterzug eben eingefahren, noch nicht herumgelegt war, so mußte der Schnellzug in dieses Gleis einfahren.
* Berlin, 26. Juli. Gestern und heute waren hier mehrere Fälle von Hitzschlag zu verzeichnen, die aber, so weit bekannt, durchweg einen guten Verlaus nehmen.
* Im Duell erschoß am 1. Weihnachtsfeiertag der Leutnant Rau vom 150. Jnf.-Regt. den Oberleutnant Stielow vom selben Regiment im Stadtwalde bei Allen- stein. Leutnant Rau ist jetzt nach der „Pos. Ztg." wegen dieser That zu 2 Jahren Festung verurteilt worden.
* Thorn, 26. Juli. Hier ereignete sich heute früh ein schweres Unglück. Bei einem Umbau stürzte der vordere Giebel ein, durchschug die Decken und verschüttete alle Arbeiter. Bisher sind 1 Toter und 3 schwer Verwundete geborgen.
* Gräfin v. Schlieben, die, wie wir vor einiger Zeit berichteten, unter dem dringenden Verdachte verhaftet wurde, daß ftie ihre Villa in Steglitz in Brand gesteckt habe, hieß vor ihrer Verheiratung schlicht bürgerlich Marie Hartog. Sie befaß in der Potsdamerstraße schon seit mehreren Jahren ein Blumengeschäft und daneben eine „Gartenbauschule für Frauen", die dank der außerordentlichen Geschicklichkeit der Inhaberin im Entwerfen geschmackvoller Arrangements jeder Art bald ausgezeichnet florierten. Namentlich in den Kreisen der guten Berliner Gesellschaft, auf Wohlthätigkeitsfesten und Bazaren wußte Fräulein Hartog ihre Erzeugnisse abzusetzen und ihrem Institut seinen guten Ruf zu verschaffen. Um so erstaunter war man, als sich die Dame einem neuen' Erwerbszwtzig zuwandte und Redaktrice der Zeitschrift „Neues Frauenblatt" wurde. Die redaktionelle Leitung dieser Wochenschrift war ihr von der Herausgeberin, Frau Madsack in Hannover, übertragen worden, unb Fräulein Hartog übernahm die Dchriptleitung des Blattes, deren Redaktion nun nach der Potsdamerstraße verlegt wurde. Die neue Redaktrice wußte ihrem Blatt, das durch einen grellen Titelkopf leicht ins Auge fiel und sich „Zeitschrift für alle Interessen der Frauenwelt" nannte, bald einen erfreulichen Aufschwung zu geben, indem sie es als Propaganda für die Frauenbewegung benutzte oder umgekehrt die Bewegung für ihre Zeitschrift nutzbar machte. Zu diesem Ztveck gründete sie einen Verein „Frauenerwerb", dessen Organ das Blatt wurde. Dor neue Verein wurde bald die Zentralstelle für Zweigvereine, die in Hannover, Königsberg und Danzig erstanden und sich hauptsächlich damit befaßten, bie wirtschaftlichen Interessen der erwerbenden Frauen zu heben durch Errichtung einer Zentralauskunftsstelle, eines Rechtsschutzbureaus, durch Ausstellungen von Frauenarbeiten und anderes mehr. Fräulein Hartog war die Seele des Ganzen und hatte fid), durch ihre Thätigkeit, wenn auch nicht unter den eigentlichen Führerinnen der Frauenbewegung, einen namhaften Anhang geschaffen. Etwas Überraschend kam es nun, als neben der Dame plötzlich ein junget Graf v. Schieben auftauchte, den Fräulein .Hartog zufällig kennen gelernt hatte. Plötzlich zu Beginn des vorigen Jahres machte Graf Schieben die Redaktrice des „Neuen Frauenblattes" zur Gräfin, indem er sie eheliche. Der Altersunterschied zwischen der im Alter von vierzig Jahren stehenden Gräfin und ihrem kaum dreißig Jahre alten Gemahl war aller dings etwas groß, immerhin hörte man in den Kreisen, die' dem Ehepaar nahe standen, nur das beste über die
junge Ehe, » Man wußte, daß die Gräfin sich in ifyretm Heim in der Potsdamerskraße mit einem erlesenen Kreise von Schriftstellerinnen und Damen der Berliner Gesellschaft zu umgeben pflegte. Im vergangenen Winter veranstaltete die Gräfin auch eine Ausstellung des Vereins „Frauenerwerb". Das gräfliche Paar bezog bald darauf eine eigene Villa in Steglitz, die die Gräfin aus ihren Mitteln hatte erbauen lassen, und hier ist dann die schieß- licbe Verhaftung wegen Verdachs der Brandstiftung erfolgt. Die Angehörigen der Gräfin haben bisher vergeblich für ihre vorläufige Haftentlassung bedeutende Kautionen angeboten.
* Im Salmschacht bei Polnisch-Ostrau schlug eine mit neun Grubenarbeitern besetzte Förderschale mit solcher Wucht gegen ein vorgeschobenes Prellgestell auf, daß dieses in Stücke ging. Alle neun Arbeiter erlitten sehr schwere Verletzungen. Dreien müssen die Füße amputiert werden.
* Eine klassische Begründung. In einem Orte Oberbayerns reichte kürzlich der Totengräber fein Entlassungsgesuch mit der klassischen Begründung ein: „Wenn fein Mensch stirbt, so kann der Mensch nöt leben." Ob dem Ansuchen stattgegeben wird, darüber soll die nächste Gemeindeausschußsitzung bescheiden. So berichtet die „Landshuter Zeitung".
* Kellnerin und Dichterin. Die illustrierte Wochenschrift „Ue 6 er Land und Mee r" (Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart) brachte kürzlich die Biographie und das Bildnis einer Dichterin, die nunmehr die Fesseln ihres bisherigen Berufs als Kellnerin abzustreifen und sich dem Lehrerinnenstande zuzuwenden beginnt. Grethch en Baldauf, so heißt sie, verdiente in den verflossenen Wintermonaten im Cafe Austria, im Restaurant Rheingold und im Restaurant Hohenzollern in Leipzig als Kellnerin ihren Unterhalt und dichtete nebenher. Von hier ging sie in ein Restaurant des Weltbades Baden-Baden, wo sie gegenwärtig ob ihrer poetischen Schöpfungen von sich reden macht. Grethchen Baldauf, die Kellnerin-Dichterin, ist die Tochter eines Korbmachers im sächsischen Erzgebirge und zählt 22 Jahre. Von ihr stammen eine Serie Gedichte, die unter dem Titel „Lieder des Mädchens aus dem Volke" erschienen sind und die in litterarischen wie in studentischen Kreisen deshalb Interesse fanden, weil ihre Verfasserin, wenn sie nicht dichtete, das schäumende Naß kredenzte.
* Von b er Weltausstellung. Der Geh. Kommerzienrat Lanz, Chef ber Maschinenfabrik Heinrich Lanz in Mannheim, führte kürzlich in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des Preisgerichtes der Klasse 19 (Dampfmaschinen, Lokomobilen, Kessel) den Präsidenten der Republik im die französische Abteilung dieser Klasse. Der „Figaro" berichtet darüber und erwähnt, daß der Präsident unter anderem gesagt habe: „Ich weiß, daß Sie in einer benachbarten Abteilung eine ganz unvergleichlich gute Maschine ausgestellt haben; ich verspreche Ihnen, mir oieselbe noch genauer anzusehen." Der „Figaro" berichtet ferner, daß Herr Lanz in den Champs Elhsees ein Haus gemietet hat, in dem er den ersten Stock selbst bewohnt, während der zweite seinen Hauptangestellten reserviert ist, die er abwechselnd zu sich einlabet. Auch über bie deutsche Abteilung, in bter Präsibent Landet sich lange aufhielt, halten die Franzosen mit den Ausdrücken ihrer Bewunderung nicht zurück und die genannte Zeitung behauptet, daß jeder, der genauer prüfe, sagen müsse, „wie viele Fortschritte hat Deutschland in den letzten 10 Jahren gemacht!" Generalkommissar Dr. Richter wurde wiederholt und eindringlich vom Präsidenten beglückwünscht.
*Estracht bereit sinder: Weltausstellung. Die sogenannten „attractions" der Pariser Weltausstellung umkreist der „Pleitegeier". Es herrscht Heulen und Zähne- klappern, Thränen fließen, Flüche steigen zum Himmel empor, und ein Riesenbankerott breitet seine schwarzen Fittige aus. Die unverbesserlichen Spekulanten, so schreibt ber „Matin", bie bei ber Grünbung der „attractions" von fabelhaften Glücksgütern und von chimärischen Reichtümern träumten, sitzen an den Wassern der Seine und weinen bitterlich. An allen Ecken und Enden kracht es, als Gerichtsvollzieher verkleidet geht der Tod um. Es wird ein großes Sterben werden! Nicht alle „attractions" werden zusammenbrechen, aber fast alle sind gezeichnet. Vor vierzehn Tagen ging das „Riesentheater Columbia" den Weg aller Riesentheater und schloß die Pforten, jetzt legt sich „Paris im Jahre 1400" ins Grab. Welches Theater wird jetzt folgen? Düstere Gerüchte sind im Umlauf, und die bemalte Leinwand der Panoramen zittert und bebt. Das „Riesentheater Columbia" war mit einem Kapital von 600 000 Franks (6000 Aktien pro Stück zu 100 Franks) gegründet worden. Heute sind die Aktien nicht einen Pfennig wert, selbst als Zimmertapete sind sie zu schlecht. Von 850000 Franks, die „Paris im Jahre 1400" gekostet hat, wird man auch nichts Wiedersehen. Aber das sind nur Lappalien im Vergleich mit dem übrigen. Drei Dutzend „attractions" befinden sich auf dem Ausstellungsgebiete und in der Nachbarschaft des großen Jahrmarktes. Wir wollen nur die „schönsten" von ihnen samt den riesigen Summen, die bei ihrer Gründung wnschwendet wurden, hier aufzählen: Die „Luftreifen" (1 Million Franks), „Andalusien zur Zeit der Mauren" (650 000 Franks), das „Cineorama" (500 000 Franks), die „Seeschlacht" (1 Million Franks), die „Lebenden Dioramen" (1250000 Franks), „Faschoda" (250 000 Franks), „Unterirdische Bergwerks- Ausstellung" (400 000 Franks), „Himmelsglobus" (5 Mill. Franks), das „Große Rad" (4 Millionen Franks), der „Vesuv in Paris" (1 Million Franks), „Hippodrom^ (3 Mckl. Franks), „Französisch-Indien" (1 Million Franks), das „Verkehrte Haus" (750000 Franks), das „Mareorama (1 250 000 Franks), die „Optik" (1 Million Frank»), der „Palast des Tanzes" (750000 Franks), der -Pa ast der Frau" (650 000 Franks), der „Palast des Meere» (£>0000 Franks), das „Panorama von Rom" (000 000 Frank.), der „Kostümpalast" (2 Millionen Franks), -Tonsins leuchtender Palast" (400 000 Franks), das „Schwerzerdorst (3 Mill. Franks), das „Marchand-Panorama" (500 000 Franks), das „Panorama von Madagaskar" (500 000 Frank»», das „Phonorama" (150000 Franks), die „Straße von Kairo (1500 000 Franks), die „Lebenden Bilder' (150 000 Franks), das „Indo-chinesische Theater" (350 000 Franks), „das Panorama der Reise um die Welt" (2 Millionen Franks), das „Trottoir rvulant" (4 Millionen Franks), „Venedig
in Paris" (950 000 Franks). Wohlverstanden: diese Summeß repräsentieren nur das Aktienkapital, nicht auch die „Gründeranteile" und die „Obligationen". Der Zusammenbruch wird also geradezu „phänomenal" sein.
* Paris, 26. Juli. In vergangener Nacht brach auf, dem Terrain der Weltausstellung in dem Keller des Kolonialgebäudes von Guyanq und Martinique Feuer aus, welches bald lokalisiert wurde. Anscheinend liegt Brandstiftung vor.
* Paris, 24. Juli. Ein durch bie Kämpfer wie durch bie Veranlassung gleich bemerkenswerter Zweikampf beschäftigt heute bie Oberschicht ber Pariser Gesellschaft. Der G r a f „B o n i" (Bonifazius für biejenigen, die keinen Grund haben, den edeln Herrn mit seinem Kosenamen zN bezeichnen), der Gatte der Erbin des amerikanischen Milliardärs G o u l d, nationalistischer Abgeordneter und Börsenspekulant von wechselndem Glück, hatte neulich seinen angeheirateten Vetter, den Sekretär der russischen Gesandtschaft in München Grafen Orlows ki, und den nationalistischen Abg. Julius Dumas bei sich zum Frühstück. Die Unterhaltung kam auf das französische Heer und besonders auf die Verabschiedung des Generals Jamonü Der Russe verriet seinem Wirt und dessen anderen Gaste etwas von seinen Anschauungen über Jamont. Die beiden Franzosen muckten sofort auf, ein Wort gab das andere und Graf Orlowski ließ sich durch feinen Aerger hinreißen, seine volle Meinung über die von den Nationalisten so hochgepriesenen französischen Generale der Mer- cierschen und Rogetschn Schule auszusprechen. IN den Hitze des Gefechts Überwachte er seine Zunge nicht im mindesten und gab seinen Gedanken eine verallgemeinernde Form, welche die Deutung zuließ, daß er in sein vernichtendes Urteil alle französischen Generale und das französische Heer im allgemeinen einschoß. Daraufhin begnügte fein Wirt und Vetter Gras Castellane sich nicht mit heftigsten Widerspruch, sondern schloß ihm mit Hanoanle gun g den Mund und gab ihm ein) geräuschvolles Zwangsgeleit über d i e Treppe bis an die Außenthür. Zu Hause wurde Graf Orlowski ruhiger, überlegte die Folgen seiner Heftigkeit und erkannte auch, daß er seine Worte nicht mit der gehörigen Sorgfalt gewählt hatte und zögerte nicht, dem Grafen Castellane einen durchaus würdigen Brief zu schreiben, worin er feine Aeußerungen genauer faßte, sodaß sie nicht mehr den Anschein einer nicht beabsichtigten Verallgemeinerung erwecken konnten und nicht mehr für das französische Heer und seine Führer in Bausch und Bogen verletzend klangen, sondern sich nur noch auf ganz bestimmte wenige Personen bezogen. Damit schien oie peinliche Angelegenheit, die außer den beiden unmittelbar Beteiligten nur noch einen Zeugen gehabt hatte, erledigt. Es sollte jedoch anders kommen. Ein hiesiges Klatschblatt hängte die Sache an die große Glocke, übertrieb die Einzelheiten und stellte die Rolle des Grafen Orlowski in sehr ungünstiges Licht. Der russische Diplomat schrieb darauf einen zweiten Brief an seinen französischnationalistischen Vetter und machte ihn in den härtesten Ausdrücken für die boshafte Veröffentlichung verantwortlich Graf Castellane erklärte, er stehe dem Zeitungsaufsatz völlig fern, forderte aber gleichzeitig feinen Vetter. Er wählte zu Zeugen den/ Grafen de Dion und den Abg. Julien Dumas, während Gras Orlowski den Obersten a. D. des russischen Garde- Hiisaren-Regiments Fürsten Sergius Galitzin und einen» hier als Kenner in Ehrenhändeln angesehenen Klubmann, Xaver Feuillant, als seine Zeugen bestellte. Man war geschmackvoll genug, die Sache geheim zu halten. Gleich beim ersten Gang erhielt Graf Orlowski an der rechten Brustseite eine Muskelwunde, die dem Kampf ein Ende machte. Es wird nicht gesagt, ob die Gegner sich auf dem Kampfplätze versöhnt haben.
* Die Prinzessin Elvira von Bourbon, des spanischen Thronprätendenten Don Carlos' Tochter, die mit dem verheirateten Maler Folchi in wilder Ehe lebt, hatte gegen ihren Bruder Prinz Don Jaime einen Zivilprozeß angestrengt, um in den Besitz eines Bildes zu gelangen, das Don Carlos als karlistischert General dar- stellt und einen Wert von 40 000 Mark haben soll. In erster Instanz war Don Jaime zur Herausgabe des Bildes verurteilt worden. In der Berufungsinstanz wurde aber dieser Tage das erste Urteil aufgehoben und die Klage der Prinzessin zurückgewiesen. Da Prinzessin Elvira ihren Vater nicht dermaßen liebt, um sich nur „seiner schönen Augen wegen" nach dem Besitze seines Conterfeis zu sehnen, kann man nur annehmen, daß sie den gemalten Papa an den „Meistbietenden gegen gleich bare Zahlung" verkaufen wollte.
* Budapest, 25. Juli. Gestern wurde in Kisber der dortige Advokat Karl Csuthi, Direktor der Sparkasse, ein sehr angesehener Mann, zu Grabe getragen. Csuthi hatte sich erschossen. Das Leichenbegängnis gestaltete sich deshalb sensationell, weil der Geistliche in seinem dem Verstorbenen gewidmeten Nachruf die Mitteilung machte, daß ihm Csuthi, der zu seinen Freunden zählte^ das Geständnis abgelegt habe, er fei das Opfer eines amerikanischen Duells geworden. Vor zwanzig Jahren hatte Csuthi wegen eines Mädchens ein amerikanisches Duell, und Csuthi hatte die schwarze Kugel gezogen: durch volle zwanzig Jahre sei das Leben des Advokaten eine Kette von Aufregungen gewesen. An jedem Jahrestage des Duells erhielt er von seinem Gegner eine Erinnerung, und schließlich mußte er sich das Leben nehmen. _
* „Ländlich, sittlich". Unter diesem Titel erzählt der „Pester Lloyd" folgendes Geschichtchen aus Ungarn: Ort der Handlung: eine kleine Provinzstadt. Für die Richtigkeit verantwortlich: ein glaubwürdiges, ernstes ungarisches Provinzblatt. Georg Gyorgyek kommt mit einer großen Klage auf das Polizeiamt. Sem Weib ist nut feinem jüngeren Bruder durchgebrannt.' Obendrein hat das saubere Pärchen ihn bestohlen. Der Polizeibeamte wirst dem betrogenen Ehemann einen bedauernden Blick zu und schreitet darin zur Ausnahme des Protokolls: „W tote heißt Ihre ftrau 9" — Meine Frau?" — „Ja, es ist doch von ihr die Rede" — „Von ihr? Wer new! Meine Frau ist die beste Frau auf Gottes Erdboden. Sie lebt hier anständig mit dem Andreas Lovich. Nicht sie ist durchgegcmgen, sondern mein Weib, mit dem ich seit vier Jahren zusammen- feüe" — Dem Polizeibeamten wird es im Kopf erst ein wenig dumm. Er braucht einige Zeit, um sich zu erholen


