aus Warschau» wegen Körperverletzung, beide vom Großh. Amtsanwalt zu Mainz; Schreinergehilfe August Karl Merz aus Darmstadt wegen Diebstahls vom Großh. Amtsanwalt I zu Darmstadt; Metzgergehilfe Andreas Moos aus Lampertheim wegen Betrugs vom Großh. Amtsanwalt zu Zwingenberg; Zimmermann Friedrich Papendieck aus Blankenburg wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Worms; Schmied Jakob Reitz aus Offenthal wegen Betrugs und Diebstahls von der Polizeiverwaltung Offen- bach; Dienstknecht Georg Siegmayer aus Wissel wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Darmstadt II; ein Unbekannter, angeblich Diener und Kutscher Fritz Zerreich aus Luxemburg, wegen Zechbetrugs und ein Unbekannter, der sich den falschen Namen Johann Blattner aus Pfeddersheim beilegt, wegen Mietgeldschwindel, beide vom Großh. Amtsanwalt zu Worms; ein Unbekannter, angeblich Georg Abt aus Seligenstadt wegen Unterschlagung vom Großh. Amtsanwalt zu Zwingenberg; Komiker Georg Emrich aus Worms wegen Unterschlagung von Großh. Staatsanwaltschaft Mainz.
** Stadttheater. (Der P r o b e k a n d i d a t.) Ueber die am nächsten Freitag im hiesigen Stadttheater zur Aufführung gelangende sensationelle Novität „Der P r o b e k a n d i d a t" schreibt der „Hannoversche Courier" : Das war eine Max Dreyer-Woche, die das Residenztheater hinter sich hat, kein bloßer Abend, der unserem nunmehr in den Vordergrund des deutschen Bühnenlebens der Gegenwart gerückten Humoristen gewidmet war. Und allem Anschein nach wird sein Name noch lange auf den Theaterzetteln vorherrschen: denn ein Erfolg, wie ihn sein neuestes Schauspiel „Der Probekandidat" am Sonnabend und Sonntag hier erzielte, ist seit langer Zeit keinem modernen Stücke in Hannover zu teil geworden. Nicht nur nach jedem Aktschluß, sondern fast nach jeder prächtigen Szene — und ihrer giebt cs viele in diesem gelungenen Schauspiel — erhob sich rauschender Beifall, der oft in stürmisches Bravorufen ausklang. Fragt man nach den Gründen dieses fast in allen Städten durchschlagenden Erfolges, so treffen hier einmal Glück und Verdienst zusammen. Ein Glück für Dreyer ist die bis zu einem gewissen wirkenden Grade erstarkte Abneigung des deutschen Volkes gegen die geistige und kirchliche Bevormundung, in der leider wieder einmal das Allheilmittel gegen gewisse gefährlich dünkende Strömungen im Volke erblickt wird. Wir sind nun heutzutage entschieden an einem Punkte angelangt, wo das latente Widerstreben gegen erneuerte Versuche geistiger und kirchlicher Bevormundung ganz langsam in Aktion sich umsetzt, und ein deutliches Zeichen dieser beginnenden Aktion ist auch das neue Stück Max Dreyers. Das ist die glückliche Zeitstimmung, die eine Gewähr seines Erfolges ward. Dreyer leuchtet mit gutem deutschen Humor in die verdumpfte Luft mancher Schulen hinein. Ein solcher Stoff in dieser Form, das engere Gebiet der Schule betreffend, würde vor einem Jahrzehnt noch nicht auf solche Teilnahme im Publikum haben rechnen können: vor einem Jahrzehnt wäre das Schauspiel Dreyers schwerlich über die Bühnen gegangen. Es hat alles seine Zeit. Jetzt wirkt auch das in die Augen springende Verdienst, das Geschick und Talent zu der günstigen Aufnahme mit, das aus dem Werke spricht und die großen Fortschritte lehrt, die Dreyer seit seinem hier ja auch eben erst aufgeführten Drama „Winterschlaf" bis zu diesem neuesten Schauspiel in der Führung der Handlung, im Dialog, in der Charakterzeichnung gemacht hat. Während er in den ersten Gaben seiner dramatischen Muse, besonders im Winterschlaf noch merkbar namentlich unter dem Einfluß Jbsen's und der deutschen Jbsenjünger steht, hat er sich in dem „Probekandidaten" zu einer ganz persönlichen Eigenart durchgerungen; sein ureigener Genius spricht hier zu uns, und es ist eine kernhaft deutsche, eine sonnenhaft humorvolle Weltanschauung, eine prachtvoll heimatliche, im besonderen niederdeutsche Weltanschauung. Sein Humor ist von der Art des echten germanischen, der selbst die Gegner durch ein fröhliches Lachen versöhnt, wenn sie überhaupt lachen können, der natürlich einer gewissen Uebertreibung nicht ermangelt, aber auch das Unangenehme und Anstößige durch eine goldige Gutmütigkeit erträglich erscheinen läßt. Solch eine ursprünglich deutsche Begabung haben wir seit Jahrzehnten, seit Anzengruber, in diesem hervorragenden bestimmenden Maße auf der deutschen Bühne nicht begrüßt. Dazu kommt etwas ausgesprochen Männliches. Es ist von der Berliner Kritik schon angedeutet, daß wir an Dreyer, wenn er sich so weiter entwickelt, einen deutschen Moliere
als Vorbereitung: „Thu Geld in deinen Beutel, oder, wie wir's auszudrücken belieben: „steck die nötigen blauen Lappen ein". Man vertraut sich einer Reisegesellschaft an, die nicht nur für das körperliche, sondern auch für das geistige Wohl ihrer Passagiere sorgt. Alle Sehenswürdigkeiten werden an der Hand geprüfter Führer erledigt oder mit Hilfe vortrefflicher Reisehandbücher „abgebädekert". Man läßt sich die Empfindungen vorschreiben, mit denen man vor ein unsterbliches Kunstwerk hinzutreten habe, und man setzt seinen Ehrgeiz darein, nichts zu versäumen, was sich der Gunst eines oder gar mehrerer Sternchen erfreut. So schlägt die süße Gewohnheit modernen Reisens alle Schuhe über einen Leisten. Nichts davon bei dem ehemaligen Neu-Ruppiner Apothekergehilfen, der seine Pillen gedreht und seine Medikamente gebraut, und doch den Drang zur Bethätigung seiner Eigenart nicht unterdrückt hat. Selbstherrlich lehnt er sich auf gegen diese Unsitte, „die, wie überall, so auch in Schottland herrscht, dem Reisenden gleichsam eine bestimmte Reiseroute, eine bestimmte Reihenfolge von Sehenswürdigkeiten aufzudrängen .... Der Reffende überläßt sich wie ein Gepäckstück den Entrepreneurs und bringt sich dadurch um den vielleicht höchsten Reiz des Reisens, um den Reiz, das Besondere, das Verborgene, das Unalltägliche gesehen zu haben. Eine kleine Schönheit, die wir für uns selber haben, ist uns lieber wie die große und allgemeine".
Freilich zür Entdeckerfreude wird nur der berufen sein, der die Kunst des Beobachtens besitzt. Und das ist der dritte Vorzug, der Fontane's Reiseskizzen — wenn auch in viel beschränkterem Maße — nachzurichrnen ist. Wo in aller Welt giebt es noch ertwas zu beobachten, tönt
haben werden. Mit gewohnter Geschicklichkeit hat Herr Haack das Schauspiel inszeniert, auch der Akt in der Aula, der leicht durch szenische Versehen hätte Schaden nehmen können, war wohl gelungen. Den Mitwirkenden fühlte man es ordentlich nach, daß sie mit besonderer Lust und Liebe diese volkstümlichen Gestalten ergriffen hatten.
§ Butzbach, 28. März. Der hiesige Bürgermeisterei- Gehilfe Kreuder, welcher bereits 40 Jahre lang diesen Posten zur allseitigen Zufriedenheit versieht, tritt mit dem 1. April d. Js. im Hinblick auf sein vorgerücktes Lebensalter, in den wohlverdienten Ruhestand. Seitens unserer Stadtverwaltung ist dem Genannten in Würdigung der treuen, langjährigen Dienstleistungen eine Jahrespension von 1000 Mk. und freie Wohnung zugebilligt worden. — Durch die Ungunst der letzttägigen Witterungsverhältniffe herrschen hier und in der Umgegend noch Influenza sowie andere Erkältungskrankheiten.
§ Sichenhausen (Kreis Schotten), 26. März. Heute fand im hiesigen Gemeiudewald die Versteigerung der diesjährigen Holzernte statt. Die Preise waren ziemlich hoch. Für Scheitholz, erster Klasse wurden im Durchschnitt 6 bis 7 Mk., für Prügelholz (Buche) 5 bis 6 Mk. bezahlt. Für das Fichtenstammholz wurden 20 bis 25 Mk. pro Festmeter gelöst.
t Burkhards, 26. März. Nachdem am 17. d. M. die erste Bürgermeisterwahl von dem Wahlkomito für ungiltig erklärt worden war, fand heute eine nochmalige Wahl statt, aus welcher unser früherer Bürgermeister Herr Heinrich Klein II. mit 55 Stimmen als Sieger hervorging. Sein Gegenkandidat, der seitherige Bürgermeister, Herr Kunkel, erhielt 50 Stimmen. — Schon mehrere Wochen vor der ersten Wahl, begann die Wahlagitation, die bis zur heutigen Wahlschlacht ihren Höhepunkt erreichte.
§ Volkarlshain (Kreis Schotten), 27. März. Ein Landwirt in dem nahen Hettersroth hat eine Kuh, welche eine Mißgeburt zur Welt brachte, nämlich ein hundeartiges Geschöpf.
§§ Ober-Seemen (bei Gedern), 27. März. Gestern fand hier Bürgermeisterwahl statt. Obwohl die Wahl auch eine sehr lebhafte war, erhielt doch der seitherige Bürgermeister Peppel die Mehrheit mit 110 Stimmen. Der Gegenkandidat blieb mit vielen Stimmen in der Minderheit.
A Mainz, 27. März. Zwischen dem Militärfiskus und der hiesigen Eisenbahndirektion schweben seit einiger Zeit wegen Erwerbung des von der Bahn zur Anlage der Projektierten Verbindungslinie Mainz-Mom- bach-Kostheim-Bischofsheim benötigten Geländes in der nordwestlichen Enceinte der hiesigen Festung. Bekanntlich hat der Militärfiskus das frei werdende Festungsgelände an der Nordwestseite der Stadt zum Verkauf ausgeboten, ohne, daß bis jetzt bekannt geworden, daß sich irgend ein Kaufliebhaber gemeldet. Die Eisenbahnverwaltung befürchtet daher, daß bis zu einem en LIoo-Verkauf des Geländes noch viel Zeit vergeht, und man daher mit der Ausführung der Bahnanlagen sehr behindert werden könnte, was im Interesse des allgemeinen Verkehrs von großem Nachteil ist. Mit Rücksicht hierauf sucht nun die Bahnverwaltung den von ihr benötigten Geländeteil separiert zu erhalten, wozu aber, wie wir hören, die Militärverwaltung sehr wenig Neigung zeigen soll, vielmehr nach wie vor darauf besteht, das ganze Gelände ungeteilt zu verkaufen, — Als einen schlagenden Beweis der Solidarität der Arbeiterschaft läßt sich die That- sache betrachten, daß den hier streikenden Tünchern aus der hiesigen Kasse des deutschen Holzarbeiter-Verbandes eine Summe von 1000 Mk. überwiesen wurde.
Warburg, 25. März. An Stelle des verstorbenen Herrn Professors Hölling ist Herr Mündelein, Oberlehrer am Gymnasium zu Rheine, vom Kuratorium zum Oberlehrer am hiesigen Gymnasium gewählt und höheren Orts bestätigt worden. Als Geistlicher gehört Herr Mündelein der Paderborner Diözese an.
GerSfeld (Rhön), 26. März. Ein in das Hammelburger Amtsgerichtsgefängnis eingelieferter Stromer machte auf die Frau des Gefängniswärters, während dieselbe den Haftraum öffnete, einen thätlichen Angriff, indem
es uns aus den Reihen der Bebrillten entgegen, das nicht vor uns beobachtet worden wäre? Fontane's Auge ist uicht so scharf wie das modernerer Plauderer von der Art Peter Altenberg's, das Beobachten war nie seine stärkste Seite; aber er schmuggelt unbemerkt einen Ersatz dafür ein. Ein Beispiel: wenn er an dem prächtigen Wasserfall steht, den der Foyersfluß vor seiner Mündung bildet, so erwähnt er wohl die hohe Meinung, die die Schotten von diesem Gefälle haben, daß nur die Kaskaden von Tivoli schöner seien. „Mag sein; wir aber, ohne der Schönheit der Szene zu nahe treten zu wollen, sahen öfter nach dem Mädchen im blauen Kittel, das jetzt auf einem Felsenvorsprung umschäumt und umdonnert, lachenden Auges dastand, als auf die Wassermasse, die fast an ihren Füßen vorbei in den dunklen Schlot hinabstürzte. Die Staffage ging über die Landschaft". Der einzelne Fall Ist typisch für Fontane, den die menschliche Natur immer interessanter dünkte als die sogenannte schöne Natur, für deren dekoratives Gepräge ihm das Organ fehlte. Ja, er läßt sich hier zu folgendem Geständnis hinreißen, das ihm in Brighton, „einem Hause voll von lauter Prunkgemächern", aufdämmert: „Was einzig und allein dauernd dem Menschen genügt, ist nur immer wieder der Mensch. Nichts ermüdet schneller als die sogenannte schöne Natur; wie Guckkastenbilder müssen ihre Zauber wechseln, wenn man sie überhaupt ertragen soll". Zeitlebens hat er an diesem Standpunkt festgehalten. Für Reiseskizzen wäre das kaum ein geeignetes Motto. Für Fontane trifft es den Nagel auf den Kopf.
Wollte man diesem Buche, und besonders seinem zweiten Teile, ein anderes Motto vorausstellen, so könnte es nur der Vierzeiler sein, den Fontane einer „echte»»
0000001
8 Gel
D Hiermit i
er der Frau mit dem Closetkübel auf den Kopf schlug, daß dieselbe zu Boden stürzte. Die Frau hatte jedoch so oi" Geistesgegenwart, um den nächstliegenden Haftraum, tr welchem sich zum Glück drei wegen ganz geringer Vergeig eingezogene Häftlinge befanden, zu öffnen. Diese Famen der Frau zu Hilfe und es gelang ihnen, den sicherheit^. fährlichen Stromer, welcher es auf einen Ausbruch QCe. sehen hatte, wieder in den Haftraum zu bringen.
Aus der Rhöu, 23. März. Ein recht frecher stahl wurde des Nachts in dem Dorfe Bor sch bei in der Rhön ausgeführt. Durch das Zurückschieben dez Riegels öffneten die Diebe die Hausthür des Bürgermeister- Röhr und stahlen zunächst aus dem Schornstein zwei schmeü Schinken ä 15 Pfund, sowie vier große sogenannte Rippen, stücke. Während nun offenbar der eine Dieb seinen Ra^ in Sicherheit brachte, ging der andere in die Wohnste und stahl aus dem Kasten eines Schrankes 100 Mk. Papiergeld; durch das Geräusch, das er hierbei verursache, erwachten die Röhr'schen Eheleute, die in der anstoßenden Kammer bei offener Thüre schliefen. Der Dieb entfloh, unk so entging ihm eine weitere Summe von ca. 150 Mk., dir sich in dem nämlichen Kasten befand, und die er in der gilt mitzunehmen vergaß. — Die jüngste Kälte hat die Aus. sichten für eine gute Obsternte wesentlich gt. steigert. Milliarden von schädlichen Larven und Insekt die in den warmen Februartagen an die Oberfläche du Bodens kamen, sind durch die Kälte vernichtet worden.
BtMuw W m kam
SmN W' .
Ardritnl btl pro 0 Um geneigt
* ergcbenst an
Leipzig. 26- $ - -v Ernste dn i Li.\ v ÄMst 16io liti ÄMst 1895 di t (. n m Md der Äü M,(! beim AMM taditttr ihälig gemc M ö- am 18. > -utlil geworden \W 1 ai-.gemnderien, er tM\ m Anne ' TvüigeWnÄes ve ■ r Me M m «Bundesgebiet Verb >i\v. siebenden hei ;v. batte aber voi
t < 0 ebei
Vein
ulV'1' kleiden S «w veri.'
6 ES'Lü fee?
.. ZrnchOh" durch "
Tochter Erins", Miß Arabella Fitzpatrick, ins Stammbuch geschrieben hat:
„Es hat geklippt, es hat geklappt, Ich seh es wohl, ich bin ertappt; Erst Dichter, Leugnen dann — so geht-, Ein liebel gebiert das andere stets".
Tas Leugnen hilft nichts, der Poet bricht überall burch. Er braucht nicht immer in Verse»» zn reden. Aber bei jeder passenden Gelegenheit setzt er un» solche poetische Leckerbissen vor. Er begeistert sich für Schottlands Bal- ladendichtung, die dein Sänger heimischer Stoffe den lieber- reichen Mund erschloß. Er streut die Uebersetzung Burns scher Lieder ein. er singt Ä-omas Moore de»i Preis, er läßt sich von den Wellen des Loch Katrine die Geschichte der Jungfrau vom See, des bekannten Walter ScottsclM Epos, vorrauschen, er regaliert uns mit einer romantischen Einlage vom letzte»» Hochlands-Häuptling, die den Anschein erwecken möchte, als sei sie einen» schlichten Culloden Führer nacherzählt, in Wirklichkeit aber eine geschlossene Novelle darstellt, und ein Menschenschicksal ergreifend gestaltet. Oder er spielt sich zum warmherzige»» Verteidiger der berühmten Lady Hainilton, der Geliebte»» Nelsons, au| reitet den Hochmutsklepper der Heuchelei erbarmungslos nieder. Und wenn er eine seichte schottische Spukgesch»^^ wiedergiebt, unterläßt er es nicht, daran zu erinnern, oaG Schelling denselben Vorwurf in Terzinen eingekleidet ya». „die letzten Worte des Pfarrers zu Drotning" bettte»»- Wie sich überhaupt die tiefe litterarische Bildung Fontane s schon in diesern Jugendwerk verrät.
Schluß folgt.
*it sämtlich idäö-ero, Fe «rgebensi anjujeig
Gesurrdheitsftaud uud Sterblichkeit im Kreise Gießen während des Jahres 1899.
Die Summe aller im Kreise Gießen im Jahre 1899 verstorbene» Personen betrug 1448 gegen 1355 im Jahre 1898, die Totgeborenen find hierbei nicht mitgezählt. Die Sterbeziffer hat sich hiernach gegen über dem Vorjahre um 93 erhöht, sie erreicht aber trotz Zunahme der Bevölkerung noch nicht das Mittel der verflossenen 9 Jahre mit 1528.
Lei Berechnung der Sterblichkeitsztffer d. h. der Zahl der Set storbenen auf 1000 Lebende scheiden wir die in den Kliniken verstorbenen kreisfremden 175 Personen aus und lassen dieselben überhaupt bei den folgenden Zusammenstellungen außer Betracht; es verbleiben als Kreis angehörige 127 3, und die Sterbltchkeitsziffer beträgt bei einer aus den früheren Volkszählungen berechneten Einwohnerzahl ungefähr 79800. 15,94 o/qo gegenüber 14,76 o/M im Vorjahre.
Die Zahlen getrennt berechnet für die Stadt Gießen und den Land bezirk ist: 12,53 beziehungsweise 17,47 o/flO, mit anderen Worten, e» starben in den Landgemeinden im Jahre 5 Personen mehr aus 1000 Einwohner als in der Provinzialhauptstadt.
Von den einzelnen Quartalen brachte die meisten Todesfälle das erste (418), die geringste Zahl das dritte (310); die sßr die Sterblichkeit ungünstigsten Monate waren der Dezember und Januar mit 152 resp. 148, die günstigsten der Oktober und Juli mit 91 und 98 Todesfällen, «nd zwar trug die erhöhte Gefährdung der Tuberkulösen in der kalten Jahreszeit und das vermehrte, zum Tode führende Auftreten akuter Lungenerkrankungen einschließlich der Influenza während der Wintermonate in erster Linie die Schuld an dieser Erscheinung. 254 der Verstorbenen hatten das erste Lebensjahr nicht überschritten, 186 waren zwischen 1—15 Jahre alt, im Mannesalter zwischen 15—60 Jahre» waren 380, im Greisenalter über 60 Jahre 453 verstorben, ei gehörten mithin 440 oder 34,56 % dem KindeSalter an und 833 oder 65,44», waren Erwachsene. Im Vorjahre waren die enffprechenden Zahlen 29,14 % und 70,86 e/e, und eS war die erhöhte Kindersterblichkeit im Berichts- gegenüber dem Vorjahre bedingt durch zahlreichere Todesfälle an Scharlach und akuten Erkrankungen der Lungen:
Von den Todesursachen interessieren zunächst die akuten Infektionskrankheiten, welche vornehmlich das Kindesalter bedrohen, an diesen sind zusammen 60 Kreisangehörige gestorben und zwar an Masern 5 (im Vorjahre 6), an Scharlach 25 (7), an Diphtheritis und Ross'3 (8)0^' °n Keuchhusten 10 (9), an Unterleibstyphus 1 (I), an
Die Masern herrschten in Gießen, Ruttershausen, Mainzlar, Rödgen, Annerod, Treis a. d. Lda., Lumda und Münster.
Scharlach trat in großer Verbreitung epidemisch auf und zwar in Gießen während des ganzen Jahres in 90 uns angemeldeten Fällen, wovon 2 gestorben sind, ferner in größerer Ausdehnung in Treis a. d. Lda. mit 40 Erkrankungen (t 5), in Steinbach mit 17 (f 3), in Lindenstruth mit 7 (f 4), in Gr. Buseck mit 16 (f 1), in Rödgen mit 8 (f 1), \ in Saasen mit 11 (f 1), in Münster mit 9 (f 0), in geringer Verbreitung und in Einzelfällen in 19 weiteren Gemeinden. Im ganzen sind zu unserer Kenntnis gekommen 254 Erkrankungen mit 25 —9,8°/« Todesfällen.
Die Diphtheritis ist in epidemischer Weise nur inTreiSa.d.Lda. neben dem Scharlach und in Burkhardsfelden im April und Mai ver- I breitet gewesen; es sind im ganzen 178 Kranke gemeldet worden mit I 15 = 8,4 o/o Todesfällen (im Jahre 1898: mit 15 — 5,8 % Toten. !
Die Sterbefälle an Keuchhusten ereigneten sich in Daubringen, s Dorf-Gill, Gießen, Lollar, Reiskirchen und Wieseck.
An Unterleibstyphus erkrankten nur 4 Kreisangehörige, 1 in Rodheim, 2 in Gießen, wovon ein junger Mann sich auswärts infiziert | hatte, und 1 in Kletn-Lindcn, welcher ebefalls krank zugezogen war.


