Ausgabe 
28.10.1900 Drittes Blatt
 
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^)ic Reichsbankhauptkasse, sowie die Zweiganstalten der Reichsbank mit Kasseneinrichtung werden Nickelzwanzig­pfennigstücke in jeder Höhe in Zahlung nehmen und diese Stücke in beliebigen Mengen gegen andere Reichs­nickelmünzen, Thccker oder Reichssilbermünzen umtauschen, soweit die Bestände an solchen Münzsorten dies zulassen. Die Verpflichtung zur Annahme und zum Umtausch findet auf durchlöcherte und anders als durch den gewöhnlichen Umlauf im Gewichte verringerte, sowie auf verfälschte Münzstücke keine Anwendung.

** Schntz gegen das Ueberfahr en w erd en. In demEls. Journ." wird eine Vorrichtung beschrieben, wie sie an den Wagen der Straßenbahn in Nancy an­gebracht ist zum Schutze gegen das Ueberfahrenwerden. Es heißt dort: An sämtlichen Motorwagen sind vorn und hinten aufklappbare Schutzvorrichtungen angebracht; die­selben bestehen aus' zwei in der Höhe von ungefähr 50 Zentimeter vom Wagen ausgehenden seitlich! gebogener, Eisenstücken, die an ihrem vorderen Ende durch eine starke runde Eisenstange verbunden sind. Diese Eisenstange liegt, wenn die Vorrichtung herabgeklappt ist, unmittelbar über dem Schienengeleise. Die Seitenteile und die Stange sind durch elastische Stahlbänder verbunden, so daß das Ganze ein konkavgebogenes elastisches Gestell bildet. Eine auf oder zwischen den Schienen befindliche Person wird beim Heranfahren des Wagens auf dieses Gestell ge­worfen und durch beit Wagen so lange mitgeführt, bis er zum Stehen gebracht worden ist. Ein Ueberfahrenwerden ist also vollständig ausgeschlossen. Ebenso verhindern seit­wärts an den Wagen angebrachte bis unmittelbar über das Straßenpflaster reichende Eisendänder, daß von der Seite her jemand unter den Wagen geraten kann.

** Die Einnahme der vereinigten preußischen und hessi­schen Staatseisenbahnen hat für die erste Hälfte des laufenden EtatSjahres 723,7 Millionen Mark, 51,5 Millionen mehr als im gleichen Zeiträume des Vorjahres betragen. Von den Einnahmen entfallen 226,1 Millionen auf den Personen- und Gepäckoerkehr, 456,5 Millionen aus den Güterverkehr und 41,1 Millionen auf sonstige Quellen. Die Einnahme aus dem Personen- und Gepäckverkehr hat sich um 18,8 Millionen, die aus dem Güterverkehr um 32,4 Millionen Mark gegen das erste Semester des Vorjahres erhöht.

Darmstadt, 25. Oktober. In der heutigen Sitzung des Schöffengerichts wurde der Milchhändler Johann Georg Uhrig dahier wegen Verkaufs gewässerter Milch aus Grund des § 10 pos. 1 und 2 des Nahrungsmittel­gesetzes in eine Geldstrafe von 180 Mk. eventuell 36 Tage Gefängnis und in die Kosten verurteilt. Die Staatsbehörde hatte sechs Wochen Gefängnis beantragt.

G G G TAFELKARTEN @ @ ® BALL- UND TISCHKARTEN HOCHZEITSTAFELKARTEN

REIZENDE NEUE MUSTER IN EINFACHER UND GLÄNZENDER o o o o o AUSFÜHRUNG o o o o o BRÜHLSCHE UNIV.-BUCH- UND STEIN­DRUCKEREI, GIESSEN, SCHULSTRASSE 7.

Niedrigwasser und Flutzregulierung.

Die außergewöhnliche Trockenheit, die seit Monaten geherrscht hat, ist die Ursache für einen Tiefstand der Flüsse gewesen, wie er an vielen Stellen bisher noch nicht beobachtet worden ist. Darunter hat insbesondere die Schiffahrt außerordentlich gelitten, und Klagen über Be­triebsstörungen, Leichterkosten und kaum die Ausgaben deckenden Verdienst sind vielfach laut geworden. Wäh­rend sich einerseits gerade unter diesen ungewöhnlichen Umständen erwiesen hat, daß die Trockenheit auf Kanäle und kanalisierte Flußstrecken einen die Schiffahrt schädigenden Einfluß nicht a u s g e ü b t hat, wie denn auch bezügliche Klagen nicht laut geworden sind, ist andererseits überzeugend klar hervor­getreten, von welchem Nutzen die in den letzten Jahr­zehnten vvrgenommenen Regulierungsarbeiten gewesen sind. Wenn in früheren Jahren Niedrigwasser eintrat, welches noch keineswegs den diesmaligen Tiefstand er­reichte, so stockte £>ie Schiffahrt selbst mit den früheren, viel kleineren Kähnen vollkommen, während in diesem Sommer doch auf iten weitaus meisten Flußstrecken ein, wenn auch erheblich eingeschränkter, Verkehr aufrecht er­halten werden konnte. Tort, wo er auch jetzt gänzlich versagte, werden noch weitergehende Maßregeln zu er­

wägen sein, die für einige der verkehrsreichsten Strecken bereits Aufnahme in der zu erwartenden wasserwirtschaft­lichen^ Gesamtvorlage finden dürften.

Im einzelnen teilen wir über den wasserbaulichen Zu­stand an einigen natürlichen Hauptschiffahrtsstraßen fol­gendes mit:

Auf der Oder herrscht schon seit längerer Zeit ein anhaltender, ausnahmsweise niedriger Wasserstand, der während (einer kürzlich abgehaltenen Stromschau unter­halb Breslau 20 (Zentimeter unter dem gemittelten niedrigsten Wasserstand stand.

Während nun vor der Regulierung der Strom bei Niedrigwasser fast in seiner ganzen Länge durch hoch über Wasser ragende Mittelsände in mehrere ganz unregel­mäßig verlaufende Rinnen gespalten war, von welchen keine eine für die Schiffahrt benutzbare Tiefe hatte, sind jetzt alle Mittelsände verschwunden, und das Flußbett zeigte eine einheitliche, schlank verlaufende Stromrinne mit mindestens 1 Meter Wassertiefe, sodaß der Schiffsverkehr sich noch mit einem Tiefgang der Fahrzeuge von 90 Ctm. im Betriebe befand.

Hiernach läßt der jetzige niedrige Wasserstand erkennen, daß das seinerzeit für die Regulierung festgestellte Ziel, bei dem gemittelten niedrigsten Wasserstande einer Wassertiefe von wenigstens 1 Meter herzustellen, nunmehr erreicht ist, wodurch in gleicher Weise die Schiffahrt sowie durch die Beseitigung der Sandbänke und damit erfolgte Senkung der Flußsohle auch die Vorflut gefördert wird. Der Erfolg der Regulierung und die Thätigkeit der Strom­bauverwaltung haben dem Vernehmen nach auch bei einer in der letzten Zeit burch die Rhedereien vorgenommenen Bereisung der Oder volle Anerkennung gefunden.

Nach einer am 18. September d. I. vorgenommenen L'.iigspeilung der Netze von der Drage-Mündung abwärts bi* zur Warthe-Mündung und einer ebensolchen auf der b i dem gemittelten niedrigsten Wasserstande eine stände, der den tiefsten bisher jemals beobachteten Wasser­stand noch um 27 Ctm. unterschritt, Wassertiefen nicht unter 1,1 Meter gepeilt. Diese geringste Tiefe wurde nur auf ganz kurzen Strecken sestgestellt, im allgemeinen war auf der oben bezeichneten Flußstrecke eine Wassertiefe von 1,3 Meter vorhanden. Auf der Netze von der Drage-Mün- dung aufwärts bis an die kanalisierte untere Netze ist aller­dings bei der ganz außerordentlichen Dürre dieses Som­mers der Wasserstand so außerordentlich abgesunken, daß für längere Zeit nur eine Wassertiefe von 0,70 Meter der Schiffahrt zur Verfügung stand.

Auch auf der Elbe herrscht schon seit einiger Zeit ein sehr niedriger Wasserstand, bei dem die Erfolge der Regu­lierung in ähnlicher Weise wie an der Oder erkennbar sind.^ Während früher bei gleich geringer Wasserführung des Stromes ausgedehnte und hohe Sandfelder inmitten des Strombettes zutage traten und in den dazwischen sich durchwindenden Rinnen zahlreiche Untiefen und schroffe Llebergänge die mit kleinen Fahrzeugen betriebene Schiff­fahrt zum Erliegen brachten und die Vorflut beeinträch­tigten, bewegt sich jetzt in der einheitlich ausgebildeten und gleichzeitig an Tiefe, Breite und Richtung verbesserten Stromrinne ein außerordentlich lebhafter Verkehr mit schweren Schleppzügen und Schiffen von einer Größe'und Tragfähigkeit, die von Jahr zu Jahr sich gesteigert hat und, wenn sie auch bei kleineren Wasserständen nicht immer voll ausgenutzt werden kann, doch einen zutreffenden Maß­stab für die Beurteilung der durch die Regulierung erreich­ten großen Verbesserungen abgiebt. Wie sehr auch von den Schiffahrttreibenden die Erfolge der Stromregulierung an­erkannt werden, beweist u. a. das von diesen dem lang­jährigen ersten Strombaudirektor der Elbe im Sommer dieses Jahres zu Magdeburg errichtete Denkmal.

An der Weser konnte trotz der sehr niedrigen Wasser­stände dieses Sommers die Schiffahrt infolge der gün­stigen Ergebnisse der Stromregulierung ständig aufrecht erhalten werden; der Schiffsverkehr hat sogar gegen das Vorjahr noch etwas zugenommen. Selbst in den obersten Strecken war bei dem für die Regulierungsarbeiten maß­gebenden niedrigsten Wusserstande auch an den schlechtesten Stellen mehr als 1 Meter Fahrtiefe vorhanden.

Wenn trotz dieser unzweifelhaften Erfolge der Regu­lierungsarbeiten Klagen der Binnenschiffahrt laut werden, so liegt es leider außerhalb der wirtschaftlichen, wenn auch! weniger der technischen, Möglichkeit, selbst bei außer­gewöhnlich niedrigen Wasserständen eine stets genügende Fahrtiefe zu schaffen.

Universität und Hochschule.

Der Privatdozent der Nationalökonomie Dr. I. Schmöle in Greifswald ist zum a.-o. Profeffor ernannt und gleichzeitig für das laufende Wintersemester beauftragt worden, an der Universität Mar­burg vertretungsweise nationalökonomische Vorlesungen zu halten.

Nach dem Universitätskalender betrug, wie dieD. medizin. Wochenschrift" mttteilt, die Zahl der Medizin-Studierenden im

Sommersemester an den einzelnen Universitäten: München 1421, Berli« 106T, Wien 1033, Leipzig 561, Würzburg 549, Freiburg 509, Bern 343,. Graz 340, Erlangen 331, Straßburg 315, Zürich 315, Genf 305, Heidelberg 301, Gießen 293, Tübingen 279, Greifswald 275, Breslau 249, Königsberg 246, Marburg 239, Innsbruck 234, Halle 215, Göttingen 213, Jena 188, Kiel 185, Lausanne 160, Basel 133, Rostock 124, Czernowitz 6. Man berichtet aus Bonn vom 24 Oktober: Heute fanben an der hiesigen Universität zwei Habilitationen von Dozenten !?au ^501u.®en' Assistenzarzt in der Klinik für Hautkrank.

Heiken, hickt seine Antrittsrede überDie Beziehungen von Hautver- anderungen zu Erkrankungen des Darmtraktus". Dr. Luctwaldt, der sich tn der philosophischen Fakultät habilitierte, sprach überWilliam Pitt". Ebenfalls als Privatdozent der philosophischen Fakultät wird sich morgen Dr. med. u. phü I. Rülf nut einer Antrittsrede über .Die Stellung der Philosophie zu den exakten Wissenschaften" einführen. Aus Berlin wird geschrieben: Dr. Emst Zupitza, des verstorbenen Anglisten Julius Zupitza Sohn, hat sich an der hiesigen Universität für das Fach der allgemeinen Sprachwissenschaft habilitiert, das durch Prof. Stetnthals Tod sreigeworden ist. Das Thema seiner Antrittsvorlesung lautete:Sprachen und ihre Träger".

Meratur.

Frauenreiz. Licht- und Schattenbilder aus dem modernen Frauenleben von Amand Freih. v. Schweiger-Lerchen­feld. Prachtwerk (Großquart) in 20 Lieferungen zum Preise von je 1 SRJ* ca' 250 Abbildungen hervorragender Künstler und zahlreichen Zlerstücken. A. Hartlebens Verlag, Wien. Wenn einem Werke, das sich ausschließlich und in wettausgreifender Weise mit dem Ewig-Weiblichen" beschäftigt, schon der Sache wegen das Interesse eines großen Leserkreises gesichert ist, dürfte das vorliegende den meisten ähn­lichen Publikationen einen ganz bedeutenden Vorspmng abgewinnen. Zwar die vorliegmde 1. Lieferung in ihrer glänzenden Ausstattung und pikanten Illustrierung läßt die Dinge, die zu erwarten sind, nur so obenhin ahnen, Prospekt und Inhaltsangabe aber enthüllen das Kommende. Obenan steht der Satz,daß das Weib von Gestem in dem Weibe von Heute fortlebt." Der Autor, der feine Aufgabe mit seltener Verve, mit viel Temperament und fiylistischer Meisterschaft vertritt, ver­wahrt sich gegen dennivellierenden Zeitgeist, der die scharfe Linie, welche die Geschlechter trennt, auszutilgen droht" . . . Das allein jedoch ist es nicht. Wir haben es hier mit einem modernen Frauenlob zu thun, der im Weibe denQuell des physischen und seelischen Glückes" erkennt. Schon das Wenige, was in der 1. Lieferung zu lesen ist, wirkt wie ein berauschender Trunk. Alles ist Stimmung, zuweilen eine Art erotisches Nervenfieber. Der Verfasser fühlt sich alles Zwanges ent- ledigt und sagt mehr, als zu sagen für gewöhnlich erlaubt ist. Aber er umhüllt die Dinge, die seinen erregten Stimmungen entsprungen, mit dem fiirrenden Gespinst poetischer Gestaltungskunst, die mit allem ver­söhnt. Kein Zweifel also, daß dieserNervenrausch in 20 Lieferungen" wie wir das Buch bezeichnen möchten durch unzählige Frauen­hände gehen wird, offen und geheim; den Leserinnen wird eine Ver­herrlichung ihres Geschlechtes vor Augen gehalten, wie sie ihnen kaum je geboten worden ist.

Wöchentliche llebersicht der Todesfälle in Gießen.

42. Woche vom 14. Oktober bis 20. Oktober 1900.

(Einwohnerzahl: angenommen zu 24 800, inkl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitsziffer: 2O,97%o, nach Abzug der Ortsfremden 12,58<>/oo>

Kinder

Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom

1. Lebensjahr: 2.15. Jahr

Krebs der Speiseröhre 11

Tuberkulose des Ge­

hirns u. seiner Häute 11

Lungentuberkulose 3 (1) 3 (1)

Bronchitis 11

Lungenembolin (Lungen­

blutschlag) 1 (1) 1 (1)

Organ. Herzkrankheiten 2 (1) 2(1)

Tod durch Ertrinken 1 (1) 1 (1)

Summa: 10 (4) 10 (4)

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Aus dem Geschästsleben.

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