Aus Stadt und Land.
Gießen, 27. September 1900.
♦ * Auszeichnung. Dem Fabrikbesitzer Dr. phil. Wilhelm Merck zu Darmstadt ist der Rote Adlerorden 4. Kl. und dem Kabinettssekretär des Großherzogs, Dr. Kranzbühler, dem Oberkonsistorialsekretär Hermann Sonne und dem Kaufmann Konrad Egenolf zu Darmstadt der Königliche Kronenorden 4. Klasse verliehen worden.
* • Salzsteuer. In dem abgelaufenen Rechnungsjahre hat die Salzsteuer in Hesseu eine Einnahme von Mk. 1,110,726 oder Mk. 51,620 mehr als im Vorjahre ergeben.
- h- Steinberg, 26. September. Unter der Stichmarke: „Ein milchgebender Ziegenbock" schreibt man uns: Heute ließ ich den zufällig hier anwesenden Tierarzt Dr. Köhler von Lang-Göns zur Untersuchung meines Ziegenbockes kommen. Ein angebliches Geschwür in der Nähe des Hodensackes entpuppte sich als Milchdrüse, aus der zirka Liter Milch gemolken wurde. Die Zu- kunft wird lehren, ob der Milchertrag zunimmt.
Schwurgericht.
, -x- Eießen, 26. September.
I r. wtte Sa$e kam heute die Anklage gegen die I Ehefrau, Marie ged. Zeiter zu
^la9öcvfn$ä zur Verhandlung. Als Beisitzer fungierten die LaudgerichtSräte Dr. Möbius und Hellwig, die Anklage vertrat Staatsanwalt Koch, Ver- te diger war Rechisanwalt H o o 8. Als Geschworene wurden ausgeloosti 1. Hemr. Phil. Kotter, Landwirt zu Altenstadt;
I 2°h- L-nz, Hüttenbeamter zu Lollar; 3. -sobs Phil! Srötf, Landwirt zu Heuchelheim; 4. Otto Robert, Buchecker zu Grunberg; 5. Heinrich Volkmann II., Landwirt | iu Heuchelheim; 6. Heinr. Reuter V., Landwirt zu Wieseck- ^.^dw. Görnert VIII., Landwirt zu Oueckborn; 8. Wilb' XownQ IV.. Landwirt zu Groß-Felda; 9. Karl Haas VI, Schuhmacher zu Steinbach; 10. Moritz Ohly, Landwirt zu Holzheim; 11. Karl Berg, Schuhmacher zu Gießen; 12.Heinr.
I ^lomberger VIII., Landwirt zu Unterseibertenrod.
Nach dem Eröffnungsbeschlusse wurde der Angeklagten zur Last gelegt, daß sie sich am 5. Juni 1900 zu Vilbel etncs $erbre4)en3 des Versuchs des Totschlags im Sinne des § 212 Str.-G.'B. schuldig gemacht habe. Der That- I ueflano, wie ihn die heutige Beweisaufnahme ergab, ist der folgende: Die Angeklagte ist sei Oktober 1894 mit dem Maurer Joseph Aulbach verheiratet. Aus dieser Ehe, die I offenbar von Anfang keine glückliche war, sind vier Kinder hervorgegangen. Die Schuld an diesem ehelichen Unfrieden lag an dem Verhalten der beiden Ehegatten, der Ehemann Aulbach, der in Frankfurt und Vilbel einen ausreichenden Ber- oienst hatte, hatte andererseits nicht unbedeutende persönliche Ansprüche. Er wird von den Zeugen zwar nicht als Trunkenbold geschildert, wohl aber als ein Mann, der sich sehr leicht zum Trinken und Feiern verführen ließe und dann keine Grenzen kannte. Die Angeklagte ihrerseits stammt aus einer wegen lhres Jähzorns bekannten Familie und ist selbst in hohem Grade leidenschaftlich. Geringfügiger Anlaß führte häufig die heftigsten Familienszenen herbei. So war es auch am 6. Psingstseiertage l. IS. Der Angeklagte hatte, wie alle I Maurer von Frankfurt und Umgebung an diesem Tage gefeiert, nur seinem Hauseigentümer bei einer kleineren j Arbeit geholfen und war am Abend von diesem hierfür zu einem Glas Bier eingeladen worden. Als die Angeklagte hörte, daß ihr Mann ausgehen wollte, geriet sie in die größte Wut, fing an zu schimpfen und lief ihrem Manne, als dieser sich trotzdem entfernte, bis zur Hausthüre nach und rief: „Verlaß Dich drauf, bis Du heim kommst, sind wir alle aufgehoben." Der Ehemann Aulbach drehte sich an der Thüre um und versetzte seiner Frau einige Schläge. Diese sprang daraufhin in höchster Erregung die Treppe wieder hinauf, ergriff eine Tasse, goß Wasser hinein und hierzu aus einem Fläschchen Schwefelsäure. Von diesem Gemisch gab sie ihren ältesten Kindern zu trinken und trank selbst den Rest aus. Die Angeklagte stürzte bald ohnmächtig zusammen. Durch das Schreien der Kinder wurden Hausbewohner aufmerksam gemacht, und es gelang ihnen, durch rasch angewandte Gegenmittel jede Lebensgefahr zu beseitigen. Die Angeklagte gab selbst zu, daß sie den Vorsatz gehabt, sich und ihre Kinder durch Einnehmen der Schwefel säure zu töten, und daß sie geglaubt habe, die den Kindern eingegebene Quantitäten reichten zu diesem Zwecke aus. Sie will aber im Zustande höchster Zorneserregung ohne Ueberlegung gehandelt haben. Der Kardinalpunkt in den Ausführungen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung war die Frage, ob die Angeklagte zurzeit der That sich in einem Zustande von Bewußtlosigkeit oder krankhafter Störung der Geistesthätigkeit befunden habe^ durch den die freie Willensbestimmung ausgeschlossen war, für den Fall des Vorliegens nach § 51 Str. G. B. eine strafbare Handlung nicht vorhanden wäre. Diese Frage wurde von der Staatsanwaltschaft verneint, von der Verteidigung bejaht. Der Sachverständige, Medizinalrat Dr. Haberkorn, sprach sich über diese Frage dahin aus, daß die Angeklagte zurzeit der That nicht in einem Zustande der Bewußtlosigkeit, auch nicht in einem Zustande einer Geistesstörung, die die freie Willensbestimmung ausschließe, gewesen sei; doch sei ihre freie Willensbestimmung gehemmt gewesen, die Angeklagte sei durch die Hitze des Zornes in „Zornestrunkenheit" aus der Stelle zur Thal hingerissen worden. Der Affekt bei der in Verzweiflung geratenen Angeklagten habe der Grenze des Krankhaften sehr nahe gestanden.
Die Geschworenen verneinten die an sie aus Grund des § 212 Str. G. B. gestellte Schuldsrage und darauf wurde die Angeklagte von Strafe und Kosten freigesprochen. Der erlassene Haftbefehl wurde ausgehoben.
pichen Form zurückkehre und die Markhöhle an der Bruchstelle bic Verbindung übernehme.
Ueber „Ausdehnung und Zusammenhang verdeutschen S t e i n k o h l e n f e l d e r" sprach hier"
Prof. Tr. Holzapfel- Aachen. Redner ging von dem Gedanken aus, daß wohl niemand bei (einer Reise durch die rheinisch-westfälischen Bezirke sich dem wenig anmutigen, aber um so stärkeren Eindruck entziehen 'könne, den die hoch aufsteigenden Kamine, die rauchgeschwärzten Häuser machen, und der stets ein Zeichen einer hochentwickelten Industrie ist, besonders der Eisen- und Kohlenindustrie. Während aber früher das Eisen mittels Holz- totste da verarbeitet wurde, wo man es gewann, benötigt jetzt die Eisenindustrie, wie fast alle anderen größeren sZweige der Industrie, der Kohlen. Von dem Kohlenreich- itum ist daher wohl das finanzielle Wohlergehen «eines Staatskorpers hauptsäckstich abhängig. Schwarze Diamanten hat man die Kohlen benannt, aber Redner möchte dies als eine Ueberschätzung der Tiamanten bezeichnen, da Kohlen wirtschaftlich von größerem Wert sind. Teutsch- land ist recht reich an Kohlen, bisher hatte die erste Stelle darm England, jetzt die Vereinigten Staaten. Ein Blick auf die Ergiebigkeit und die Aussichten unserer Kohlen selber ist daher wohl interessant. Tie Ausdehnung und Grenzen der Becken sind selten genau zu bestimmen, da sie nur Denig an die Oberslache treten, dagegen meist mit einer Schicht jüngeren Gestems bedeckt sind, die z. B. bei Tortmund 400 Meter öttf i)t. So setzt sich das westfälische Kohlenbecken unter der ganzen Kreidedecke des Münfterlandes fort. Zwischen Aachen und Ruhrort haben Bohrungen auch Verbindung . der dortigen Becken ergeben. Tie nördliche Grenze des
Aachener Beckens ist unbekannt. Rach Westen zu setzt es I fta) über die Maas sort nach Ramnr stnd selbst bis Ostende. । Redner erklärt seine Ausführungen näher an der Hand I einer Tafel. Er leitet diese westlichen Kohlenbecken fdar- «uf zurück, daß früher hier ein großer Meerbusen bestand, da Bohrrlngen auch bei oberflächlichen Unterbrechungen stets Verbindungen ergaben.
Ter Redner führt im weiteren aus, daß es leider noch rmmer nicht gelungen sei, die Umgrenzung unserer Heut- schen Kohlenbecken genau festzustellen. Tas kommt daher, daß ^iefbohrungen so kolossale Kosten verursachten Redner ist die Memung, daß die Geologie allein die Um I E^Ä”9 Mächtigkeit unserer Kohlenlager nicht wird feststellen können, man werde dazu vor allem der Hilfe und -Mitwirkung der Technik und des Staates bedürfen. Tenn I gerade die Tiefbohrungen seien es, die uns zur Seite stehen niusien, und ihre Ausführung ist in erster Linie Sache der I Technik, ihre materielle Durchführung Sache des Staates I sind die Gründe, weshalb wir 'bisher über die Ge- I So l 9 Sa9e unserer Kohlenfelder so wenig wissen. Es hat Millionen gekostet, um festzustellen, daß sich die I Xager vielfach unter dem jüngeren Gestein hinziehen und daß sie teUweile in noch ganz unerreichbarer Tiefe liegen Abg. Schulze-Bochum hat seinerzeit im Abgeordneten- yause unseren Kohlenvorrat im westfälischen Becken als I noch Jur 200 Jahre ausreichend berechnet. Tabei hat I er redoch die Kohlenschätze der niederrheinischen Tiefebene I uicht mitgerechnet. Auch Oberschlesien wurde damals
berücksichtigt. Run haben aber die Bohrungen in I Paruschowitz 9J. 5 kürzlich einen ganz kolossalen Kohlenschatz ergeben, den Redner durch ein reiches Zahlenmaterial I veranschaulicht. Damit ist ein neuer Quell aufgesckckossen I der uns erkennen läßt, daß das oberschlesische Becken dem rheinisch-westfälischen an Reichtum kaum nachsteht. Es ist I deshalb anzunehmen, daß die von dem Abg. Schultze an- I genommene Ziffer viel zu niedrig gegriffen ist und wir I unfern Kohlenvorrat um einige hundert Jahre länger be- I rechnen dürfen.
Professor Tr. Hansemann-Berlin sprach über I „emige Zellprobleme und ihre Bedeutung! furdie wissen schaftlicheBegründungderOr - | zan-Therapi e".
Sie Schlüsse, die sich für die spezifische Organtherapie I ergeben, sind folgende:
1) Es f)at nur einen Sinn, die Organtherapie anzu- I wenden bei Erkrankungen von Organen mit nur innerer | Sekretion.
2) Man wird keinen Erfolg von der Therapie erwarten I können bei altruistischer Hypertrophie, sondern nur bei | altruistischer Atrophie.
3) Es ist nicht gleichgiltig, von welcher Tierart die I 'Drganpräparate hergestellt werden, sondern es muß die | Tierart gesucht werden, deren Organprodukte denen des I Menschen am nächsten kommen.
4) Von der chemischen Beschaffenheit des inneren I Dekrets der Organe wissen wir noch fast nichts. Diese | muß also zunächst erforscht werden.
5) Wenn man auch heute noch nicht jagen kann, was I Ennnal aus der Organtherapie wird, so erscheint dieselbe I frtnbiert™ Alogischen Standpunkte aus durchaus sicher I jneraui nahm das Wort Professor Tr. Erich jü. Dry- I gahski-Berlin zu seinem Vortrag über „Plan und Aufgaben der deutschen Südpolar-Expedi-, !l°P, ' che auf Kosten des Reiches gegenwärtig in Vor- |
* mnbJTTT August 1901 zur Abreise kommen wird. I »ei anderen Rationen seien große wissenschaftliche Expedi- | uicht neu, und war es immer ein I hohen ckuffchwungs, wenn sie auch bei schwieriger I
^a9c entsandt wurden. Mit großer Freude ist I es daher zu begrüßen, daß Deutschland sich zu diesem I
&?f' von welchem die Wissen- ^(an cht seit lange gehegt und m Deutschland selbftandig entwickelt. Er fügt sich ieboch I
m ein System von internationalen Forschungen em ivelche gleichzertig stattfinden fallen. Bei der Größe des »och gänzlich unbekannten Gebieten im südlichen Eismeer ist dort Raum für die gleichzeitige Tha'ttgkeit pieler Er- peditionen. 4 I
Die Ausreise wird durch den atlantischen Ozean in* .Kupstadt erfolgen, da im südlichen Teil desselben schon wichtige ozeanographische Probleme zu lösen sind Von Kapstadt geht die geplante Route sodann nach den Ker- | guelen, auf welchen einige Teilnehmer der Expedition I Zurückbleiben sollen, um ein Jahr hindurch wesentlich ?>rd- I magnetische u,nd meteorologische Beobachtungen anzu- I stellen. Die Hauptexpedition braucht diese Beobachtungen, I um ihre mehr südlich im Eismeer gewonnenen Ergebnisse |
I . cu»en festen Stützpunkt beziehen zu können. Die I Kerguelen liegen sehr günstig dafür.
I , Anfang Dezember 1901 will die Hauptexpedition die I ^orguelen verlassen. Als ihr Arbeitsgebiet betrachtet sie | ö/w Eivnieer südlich vom indischen und vom atlantischen | ^äean. Welche Route sie darin nehmen wird, jäßt sich | naturlickpbei der Schwierigkeit der Eisschiffahrt,nicht vorher | ßßen. Sie hofft etwa an der Westseite pes von Roß im I ??uou befahrenen Viktorialandes ein Land zu finden, wo I überwintern kann. Tort würde sie eine wissenschaft- | Station anlegen und auf derselben ein Jahr hindurch I physikalische und biologische Arbeiten ausführen. Schlitten- | könnten von dort aus einzelne Teilnehmer weiter I «üblich gegen den Erdpol hin führen und auch gegen den mag- | ne tisch en Südpol hin, dessen Lage noch sehr unbestimmt ist, | über auf dem Biktorialande vermutet wird. Rach der Ueber- | Winterung würde die Expedition von der Station die Fahrt I uach Westen fortsetzen und zwar, wenn es möglich ist, | 'Üblich von Kemps- und Enderbyland vorbei nach dem | Weddelmeer, um von dort über Süd-Georgien und Tristan I da Cun ha heimzu kehren.
I . . Dieser Plan kann innerhalb zweier Jahre durchgeführt | KIN, sodaß die Expedition im Sommer 1903 zurückkehren | konnte. Ter im südlichen Eismeer zugebrachte Winter | wurde unserem Sommer 1902 entsprechen. Tie Aus- ^^Üung wird aber auf drei Jahre beschafft, um für alle | »ulle gerüstet zu sein. Bei dem zu lerwartenden Reichtum | Robben, Walen und Vögeln wird außerdem auch an | frischer Rahrung kein Mangel sein. Nutzfische sind da- I gegen^ aus jenen Gegenden noch nicht bekannt.
Tie wissenschaftliche Ausrüstung wird in allen Richt- I ungen so vollständig gewählt, daß damit alles ausgeführt | werden kann, wozu sich Zeit und Gelegenheit bietet. Was I ^.usgesührt wird, läßt sich natürlich aber erst an Ort und | Aelle entscheiden. Man darf in dem Umfang der wissen- | schaftuchen Ausrüstung deshalb keine Gefahr sehen. Eine I Ache würde nur dann bestehen und zur ^.leberlastung | fuhren, wenn 'Die Expedition auf ein bestimmtes zu Hanse | ausgearbeitetes Programm verpflichtet wäre. Bei der gänzlichen Unbekanntschaft des Südpolargebietes geht das natürlich nicht^ an. Tie Expedition muß ihre Arbeiten an Ort und Stelle frei bestimmen und der Umfang der Ausrüstung soll sie nur in die Lage setzen, alles arbeiten . gu können, wozu sich Gelegenheit findet. Hieran hat es i bei anderen Expeditionen, z. B. auch bei Nansen, gefehlt.
^as schiff der Expedition wird gegenwärtig auf den vowaldtwerken in Kiel gebaut. Es wird ein starker Holzbau und durch Querhölzer im Innern gegen (bie Eispreß- | ungen so widerstandsfähig und fest, wie nur .irgend möglich, gemacht. Es wird mindestens ebenso stark gebaut, wie bie „Fram" war, erhält jedoch eine andere Form, weil die „Fram" kein gutes Seeschiff war und die Südpolar-Ex- pedition eine lange und schwierige Seereise zu machen hat. .ter Stärke des Schiffes thut die Aenderuug der Form keinen Eintrag.
Tie wissenschaftlichen Mitglieder der Expedition sind bereits gewählt, undzwar sind es außer jdem Vortragenden, | welcher zum Leiter bestimmt ist und dazu die physisch- | geographischen Arbeiten vornehmen wird, Tr. Ernst | -oanhösfen - Kiel als Zoologe und Botaniker, Tr. Hans | Gaze rt-München als Arzt und Bakteriologe, Dr. Emil P h ij i p p i aus Breslau als Geologe und Chemiker, Und | 2)r. Friedrich Bidlingmaier aus Lauffen am Neckar | als Erdmagnetiker und Meteorologe. Für die Kerguelen- | Station find Tr. Karl Luyken als Physiker und E. Werth als Biologe bestimmt. Tie seemännische Be- | fatzung des Schiffes ist noch nicht endgiltig bestimmt, doch I werden bereits wegen der Schiffsführung Verhandlungen I mit einem hervorragenden Seemann gepflogen, der in | der Eisfchiffahrt Erfahrungen hat.
Gleichzeitig mit der deutschen Expedition wird I eine, englische entsandt werden, die die pazifische Seite I des südlichen Eismeeres bearbeiten will. Bei aller Frei- | heit der Bewegung sind zweckmäßige Vereinbarungen über I die instrumeiitelle Ausrüstung und über die Art der I vorzunehmenden Arbeiten namentliche in erdmagnetischer I und meteorologischer Hinsicht bereits getroffen worden. I Auch Scho11la n d plant eine eigene Expedition I wesentlich zu oceanographischen Zwecken südlich von Amerika I und desgleichen S ch wede n. Diese Unternehmungen sind I aber noch nicht gesichert. Dagegen wollen die V e r e i n i g -- I ten Staaten von Amerika durch erdmagnetische I Arbeiten auf neu zu errichtenden Stationen die Ziele der I Südpolar-Expedition fördern helfen und vielleicht auch I Argentinien durch die Anlage einer Station auf ©taten | Island.
So ist das Unternehmen bereits weit über die ur- I sprünglich in Deutschland gezogenen Grenzen gewachsen I und verspricht reiche Erfolge für viele Zweige der Wissen- I schäft. Eine sehr große klaffende Lücke in der Kenntnis der I Erde soll ausgefüllt werden. Bisherwissenwirnoch I nicht einmal, ob im südlichen Eismeer ein I Ko n tin e n t ex istie r t o d e r n u r einzelne Inseln. I Alles, was darüber gesagt wird, istHypo-I these. Nansens Ansicht, daß dort nur Inseln sind, ist I durchaus nicht begründeter, als die Ansicht anderer For- I scher, die zusammenhängende Massen von Land ober Eis I annahmen. Letzteres ist aus meteorologischen Gründen I sogar eher wahrscheinlich. Auch geologische Gründe sprechen I dafür nach dem Charakter von Proben des Meeresbodens, I bie bisher gefunden sind. Doch nur direkte Forschung I kann entscheiden. Möge die deutsche Expedition dazu I einen wesentlichen Beitrag liefern. Die Vorbereitungen I können, dank dem opferwilligen und verständnisvollen I Eintreten der Reichsregierung, so umfassend, wie mir | irgend möglich, getroffen werden. Möge auch das Glück I dem Unternehmen hold fein und an das Schiff das Gute I sich> schließen.
Hierauf spracki der Vorsitzende Geh. Rat v. Leube- I Würzburg das Schlußwort, indem er zugleich einen Aus- I blick auf den nächsten Natnrforschertagin Ham- I bürg warf, dessen Gelingen bereits jetzt durch die Mit- I arbeit eines so bedeutenden Gelehrten wie des Geh. Rat I von Neumayer gesichert erscheine. Geheimrat W ü l l - I uer schließt darauf mit herzlichen Dankesworten an die I Erschienenen die Sitzung.


