Ausgabe 
28.9.1900 Erstes Blatt
 
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-p- Bad Nauheim, 26. September. Wie schon im Wochen­programm der Unterhaltungen kurz mitgeteilt wurde, wird sich die Frankfurter Quartett-Vereinigung (Herren Hock, Dippel, Allekotte, Appun) am Sonntag im Kurhaussaale für diese Saison von Bad-Nauheim verab­schieden. Das Programm des Abends weist u. a. auf: Mozart: Streichquartett C-dur; Beethovens Serenade op. 8 für Violine, Viola, Cello; Haydn'S G-dur- Quartelt.

Nauheim, 26. September. Wir lesen in einemEin­gesandt" des hiesigen Blattes einen längeren Schmerzens- erguß, dem wir folgendes entnehmen: Es ist ein offenes Geheimnis, daß das Kurpublikum im großen und ganzen mit der Kurmusik unzufrieden ist und die Leistungen einer Militärblechmusik, selbst wenn sie, wie es vor- gekommen ist, von mittelmäßigem Werte ist, denen des Streichorchesters vorzieht. Der Grund für diese merk­würdige Erscheinung liegt in der gänzlich mangelnden Akustik, die schon auf den letzten der unmittelbar vor dem Orchester aufgestellten Bänke Feinheiten der Streichinstrumente völlig verloren gehen läßt. Für die auf der eigentlichen Terrasse sitzenden Kurgäste und dies sind 9/10 aller Terrassen- besucher dringt überhaupt nur dasBlech" durch. Hieran trägt die Schuld sowohl die Lage wie der Bau des Orchestertempels, und ehe die beiden Mißstände nicht bis nuf die Wurzel beseitigt werden, helfen Maßregeln, wie die erfolgte Verstärkung des Orchesters auf 50 Mitglieder, nicht das Mindeste. Sie heben nur das Mißverhältnis zwischen Vernehmbarkeit der Streich- und Blasinstrumente um so mehr hervor. Unter dem jetzigen beschämendenZustand leidet nicht nur das Publikum, sondern schließlich auch die Höhe der musikalischenDarbietungen des Orchesters. Jede künst­lerische Leistung erfordert die völlige Hingabe des Künstlers an seine Aufgabe. Eine solche ist aber nur denkbar, wenn der Künstler des Bewußtseins sei, wenigstens gehört zu werden und bei seinen Zuhörern Eindruck zu machen und Beifall zu finden. Vor tauben Ohren zu spielen lähmt auf die Dauer den künstlerischen Ehrgeiz, ohne den hervorragende Leistungen nicht denkbar sind. Kommen dazu noch Situationen wie am Teichhaus, wo unsere Künstler mit ihren zum Teil kostbaren und empfindlichen Instrumenten auf dem nackten Boden wie eine Kirmeßmusik lagern müssen, so kann man sich nicht wundern, wenn die oben erwähnte Gleichgiltigkeit ebenso auf der Seite der Künstler sich ausbreitet.

Mainz, 26. September. Nach zweitägiger Verhandlung wurde heute abend in der Generalversammlung des deut­schen Tabakarbeiter-Verbandes die Abstimmung über die Einführung der Arbeitslosen-Unterstützung vor­genommen. Mit 47 gegen 17 Stimmen wurde der Antrag euf Einführung abgelehnt. Die Mehrzahl der Gegner sprachen sich im Prinzip für die Arbeitslosen-Unterstützung aus, halten aber den jetzigen Zeitpunkt für die Einführung in den Organisationsrahmen nicht für geeignet.

KasA, 26. September. In der Kaiserstraße ereignete sich gestern vormittag ein Unglücks fall. Der Bursche eines Ofsiziers bewegte in der Nähe des Tannenküppels die Pferde seines Herrn, auf einem derselben reitend und das andere an der Hand führend. Durch das Gebell einiger Hunde scheu gemacht, gingen die Tiere durch. Das eine derselben rannte gegen einen Pfeiler der elektrischen Bahn und verletzte sich dabei an Kopf und Brust so schwer, daß es auf der Stelle verendete. Der unglückliche Reiter flog bei dem Anprall über den Kopf des Tieres und trug im Sturze ebenfalls erhebliche Verletzungen davon. Die Verletzungen des zweiten Tieres, das ebenfalls stürzte, sind weniger schwerer Art. Der Bursche, der wahrscheinlich eine Gehirnerschütterung davongetragen hat, wurde dem Garnison- lazareth zugeführt.

Vermischtes.

* Unser Kaiser mag die radelnden Damen nicht. Von einem Leser unseres Blattes in Tilsit wird uns ge­schrieben:In dem Festzuge, der am 22. d. M. aus Anlaß der Anwesenheit des Kaisers bei der Enthüllung des Denk­mals der Königin Luise hier veranstaltet wurde, befanden sich auch Radler und Radlerinnen. Als diese vor dem Kaiser vorüberkamen, wandte er sich an die neben ihm st.henden Ehrenjuagfrauen, die ihm kurz zuvor dn Gedicht rezitiert und einen Strauß überreicht hatten, mit den Worten:Ich bitte Sie, meine Damen, steigen Sie nicht aufs Rad!" Daß sich im übrigen alle Sport­vereine der besonderen Gunst des Kaisers erfreuen, betonte auf dem an demselben Tage stattfindenden großen Kommers der Tilsiter Sportvereine unser Erster Bürgermeister Pohl."

* Dortmund, 26. September. Auf der Zeche Schwerin wurden durch schlagende Wetter zwei Bergleute getötet und fünf schwer verletzt.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Frauktüirter SÖffMe vom 26. September.

Wechsel au? New-York zu 0.00-00.

Prämien auf Kredit per ult Sept. 0.952/g, do. per ult Okt. 2.15O/o, do. per ult. Novbr. 3.50 %, Diakonio-Kommandit per ult. Sept 0.95 %, do, per ult Okt. 2.40 %, Lombarden per uk. Sept. 0 300/», do. per ult Okt. 0.900/,. Deutsche Bank per ult. Sept. 0.00%.

ÄotieriUlgeEl: Kreditaktien 202.90-203,30-000, EHskonte- Kommandit 168.10-90-000.00, Staatsbahn 141-141.20, Lombarden 25.10-00, Italiener 93.70, Spanier 71.70.00, Sproz. Mexikaner 25.15, Bochumer 169-171.50-000.00 bz., Laura 189.50-191.00 bz,, Harpener 175-6.50-000.00 bz. G., Gelsenkirchen 185-186.50 bz., Privat-Biß- keut 4%% G.

1 biß 2% Uhr;: Kreditaktien 203.20-204.00-000 bz., Dis- konto-Kommandit 168.90-169.20-00 bz., Staats: ahn 141.10-20 bz. Lombarden 25.10-25.C0 b., Laura 000-00, Berliner Handelsgesell­schaft 000.00 bz., 3proz. Mexikaner 00.00 bz , 3proz. Portugiesen 00.00-00 bz., Ottomanbank 000.00 bz Bochumer 000.00 bz , Deutsche Bank 000.00-000 bz.

Berlin, 26. Scpt.ntter. In der gestrigen Sitzung des Antiar- Aussckusses der Reichsbank wies Präsiden! Koch tacauf hin, d»ß die Ansprüche an die Retchsbank seit dem Juni 1900 geringer seien als im Vorjahre. Die Anlage sei zwar seit dem 31. August um 80 Millionen Mark gewachsen, darunter befinden sich aber nur etwa 53 Millionen Mark Wechsel. Die Gesamkanlage stehe gegen- wärttg hinter der vorjährigen um etwa 108 Millionen Maik zurück, während die Metall Vorräte um etwa 30Mtllionen Mmk größer seien. Die steuerfreue Notenrrselve betrage noch etwa 46 Mill. Mk., im Vorjahre waren dagegen etwa % Mill. 9Jit steue!pflichtiger Noten am 23. S-vtemker im Umlaufe. Die fremden Wechselkurse, besonders ter kurze Kurs auf London, ermöglichten keine Goldau'sfuhr, im Gegenteile erfolgten in den letzten Tagen Goldeingänge in Deutschland. Der Privatbtskont ist in letzter Zeit gefallen, allerdings ist gegen bm Quartalschlug dne erhebliche Steigerung der Anlage erwartbar, indessen wird jetzt eine DtSkontoände- rung nicht beabsichtigt. Widerspruch gegen diese Ausführungen wurde von kciner Sette geäußert.

Märkte.

r. Limburg a. d. Lahn, 26. September. Fruchtmarkt. (Durchschnittspreis pro Malter.) Roter WUzen, neuer, Mk. 12 96, weißer Weizen Mk. 00.00, Korn, neues, Mk. 11.73, Gerste Mk. 00 00, Hafer, neu<r, Mk. 5 90.

Grrichtssaal.

Mainz, 26. September. Der Fabrikarbeiter Lorenz Walter aus Büdesheim, der anfangs Februar in Weisenau den Arbeiter August Don aus Hörde durch Messerstiche derart schwer verletzte, daß dessen Tod vier Tage darauf eintrat, wurde vom Schwurgericht unter Annahme mildernder Umstände zu IV, Jahren Gefängnis verurteilt.

Arbeiterbewegung.

Mainz, 26. September. In der gestern abend stattgehabten Unterredung zwischen dem Vorstand der Küferinnung und dem Gesellen» ausschuß wurden seitens der ersteren folgende Zugefiändnifle gemacht, vorbehaltlich der Genehmigung der auf morgen abend anberaumten Jn- nungsversammlung.- 1. Die Arbeitszeit ist eine 11 stündige, Frühstück und Vesper eingeschloffen. 2. D^r Minimallohn für den ordnungsmäßig ausgelernten Gesellen beträgt 15 Mark wöchentlich, bei sechs Arbeits­tagen, nach Leistungen steigend bis zu 25 Mark. 3. Auf die bestehenden Löhne werden 5 Prozent Zuschlag gewährt.

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SchMnachrichten

Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertrete durch die Agerttev Lrrl Loos und I. M. Schulhof.

Bremen, 25. September. sPer transatlantischen Telegraph.) Der SchnellpostdampferAll, t", Kapt. B Wilhelmi, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 12 Uhr mittags wohlbehalten in Newyork angekommm.

Der PostdampferFriesland" derRed Star Line" in Ant­werpen ist laut Telegramm am 25. September wohlbehalten in New- Uork «»gekommen.

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Bekanntmachung.

Samstag den 29. September, nachmittags 3 Uhr ke- ginnend, soll das Obst von den städtischen Bäumen in der Verlängerung der Alicestraße, am Krosdorfer Weg, am Wiesecker Weg, in dm Anlagen vor dem Friedhof, am Steinbacher Weg, am Lutherberg, an der Ltcher Straße, am Anneröder Weg und im Lärchenwäldchen, sowie einiges Abfallholz von den Bäumen in der Oftanlage an Ort und Stelle meist­bietend versteigert werden. Weiter werden gegen 4 Uhr im Bürger- metstereihof einige Körbe Aepfel versteigert.

Die Zusammenkunft ist auf der Frankfurterstroße, an der Kreuzung mit der Alicestraße.

Gießen, den 25. September 1900.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

I. V.: Wolff. 6338

Bekanntmachung.

werben 45 Maller Sp-iskkartoff-ln benötigt, deren Lieferung auf dem Snbmissmn?weg° »ergeben werdea foff.

h -» PrEngabe und Proben sind bis znm 4. Oktober

ni'ebnjut^em ht 4 in bem Sofpitale - Settersweg 11 - Gießen, den 25. September 1900. 6321

______________Die Armen-Deputation der Stadt Gießen.

Die bekannte Mme-WeWr Xick. tzncNchrr 11 gmWttc 11 Giessen 11 Yeuesos«« u empfiehlt

Lose Nr 2. GW. Hess. KiNs-Kttem

710 3.30, V5 JL 6.60, V2 UK 16.50, 33 pro Klaffe.

Haupttreffer event. ML. 700000. ML. 600000, ML. 500 000 «. f.

zusammen 4 Millionen 446000 Mark. r.956

Ziehung der 1. Klaffe schon am 8. Oktober 1900.

Verkaufsstellen meiner Kolkektur: Uhrmacker Kauße, Maiklstr.; HewerSevanK in Lollar; Aerd. Kaufm. Marr in Gr.-Linden; Z>. Oswald Wwe. in Grünberg.

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Näheres in der Expedition d. Bl.

KaufmännischeFachschule.

Wir machen hiermit bekannt, daß in dem

Wontag den 1. Hktoöer er.

beginnenden Winter-Bemester in unsirer Fachschule auch ein Dameu- Kursns und Bortrags-Kursus abgehalttn werden soll.

Anmeldungen zum Besuche der Schule und der beiden Kurse können vom 24. September an täglich von 1 bis 2 Uhr nachmittags bet unserer Schulleitung Schillerstraße 5, sowie am 26. und 28. September, abends von 8 bis 10 Uhr, in der Schule Nordanlage 15 erfolgen.

Die Eröffnung: a) der Fachschule ist auf Montag den 1. Oktober, abends 8 Uhr; b) des Damen-Kursus auf Samstag den 29. September, nachmittags 1 Uhr; c) des Vortrags-Kursus auf Dienstag den 2. Oktober, abends 9 Uhr, festgesetzt und wollen sich die Angemcldeten an diesen Tagen pünktlich in der Schute einstnden, um Stundenplan und andere Mit­teilungen entgegen zu nehmen.

Das Schulgeld beträgt:

1. Für einfache Buchführung, Korrespondenz, Rechnen, Wechsel- leh.e und Handels,;eograph!e zusammen 15 Mk.

2. Für doppelte Buchführung......10

3. Für Französisch und Englisch je.....10 ,

NB. Wer Korrespondenz, Wecksellehre oder Rechnen in Klaffe I besucht, hat für doppelte Buchführung nur 5 Mk. zu zahlen.

4. Für Damen-Karsus (einfache Buchführung, Rechnen,

Schreibrn, Korrespondenz und Wechsellehre) . . 20 ,,

5. Für Vortrags-Kursus......io

6. Für Schönschreiben.......3 ö

7. Für Stenographie.......5

8. Für Maschinenschreiben......10

Schüler, deren Prinzipale oder Väter nicht Mitglieder des Kauf, männischen Vereins sind, zahlen für pos. 1, 2, 3 und 6 das doppelte Schulgeld.

Auf Ansuchen können durch die Schulkommiffion ganze oder halbe Freistellen bewilligt werden.

Der Besuch der kaufmännischen Fachschule befreit vom Besuch der obligatorischen Fortbildungsschule.

Wir ersuchen nun die Herren Prinzipale und Geschäftsführer, unsere Schule zu unterstützen, indem sie ihr Gehtlfen-Personal darauf aufmerksam machen, sie zum regelmäßigen Besuche der belegten Unterrichtsstunden anhalien und ihnen die nötige Zett namentlich auch zum Besuche des Tagesunterrichts gütigst gewähren. 6204

Ait ZchnlkomnGon -er kanfmijnnischn» Fachschule.

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Zwiebelkuchen Montag, Mittwoch und Freitag, von 9 Uhr ab. 4684 Hofbäcker Noll, Mäusburg 12.

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