Besichtigung erfolgte in Begleitung des Stabes des Feldmarschalls und des Gesandtschaftspersonals unter Geleit einer Kompagnie Seesoldaten.
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Telegramme deS Gieheuer MazeigerS.
Berlin, 26. Oktober. Ein Telegramm aus Tient- sin besagt: Paotingfu ift am 19. Oktober von den verbündeten Truppen erobert worden. Es wurde kein ernster Widerstand geleistet. Eine kleine französische Truppen-Abteilung war schon am 13. Oktober vor Paotingfu angekommen. Die regulären chinesischen Truppen haben sich in südlicher Richtung zurückgezogen. Zwei Geschütze wurden erbeutet. Die zweite deutsche ostasiatische Brigade bezog einstweilen in Paotingfu Quartier.
London, 26. Oktober. Aus Canton wird gemeldet : Die Boxer haben fremdenfeindliche Plakate in Wenchau angeschlagen. Man glaubt, daß der Aufruhr. in den südlichen Provinzen dieselben Ziele verfolgt, wie der Boxer - Aufstand, nämlich den Sturz der Mandschu-Dynastie. In Canton ist man der Ansicht, daß der Volksaufstand nur schwer zu unterdrücken sein dürfte, da die chinesischen Behörden denselben nicht für ernst halten, und nur 6—7000 Mann gegen die Rebellen ausgesandt haben. Wie verlautet, bemächtigten sich die Rebellen mehrerer chinesischer Beamten, die sie enthaupteten.
Paris, 26. Oktober. Nach einer Privatmeldung aus Peking vom 23. Oktober wurde Punglu von Li- Hung-Tschang nach dem kaiserlichen Hofe gesandt, um vom Kaiser Kwangsü ein eigenhändig geschriebenes Edikt zu erlangen, welches die H i n r i ch t u n g aller Boxer-Chefs anbefiehlt. Trotzdem Tu an und die dem Hofe ergebenen Beamten noch am Leben sind, würde der öffentliche Anschlag eines solchen Edikts, so meint Li-Hung-Tschang, eine große Wirkung besonders in den südlichen Provinzen haben, wo der Kantoner Vizekönig solcher moralischer Unterstützungen ebenso bedürftig sei, wie der effektiven seitens der Mächte.
Rom, 26. Oktober. Die „Tribuna" erhielt aus Peking ein sensationelles Telegramm über einen französischen Bischof, der im Begriffe sei, mit einer Menge von Beute, die er während der blutigen Ereignisse in Peking gemacht hat, nach Europa abzudampfen. Selbst die französischen Behörden seien über das Verhalten des Geistlichen empört.
Washington, 26. Oktober. Der amerikanische Gesandte in Peking, (Songer, ist ermächtigt worden, sofort die Unterhandlungen mit den chinesischen Vermittlern zu beginnen und dabei als Grundlage mehrere Punkte der deutschen und französischen Note zu nehmen, die von den andern Mächten gebilligt wurden. Die Mächte werden später untereinander über die strittigen Punkte in Unterhandlungen treten. Man versichert, daß die übrigen Vertreter in Peking ähnliche Instruktionen erhalten haben. Betreffs der Dringlichkeit, mit welcher verschiedene Mächte die Frage der Vollmacht der chinesischen Vermittler behandeln, wird hier bemerkt, es sei Gebrauch, daß bei ähnlichen Fällen die Vermittler ermächtigt sind, ihre Vollmachten selbst richtig zu stellen. — Die Antwort der Vereinigten Staaten auf das deutsch-englische Abkommen ist noch nicht erfolgt. Die amerikanische Regierung wird sich vorläufig mit dem Artikel 3 dieser Konvention befassen.
Südafrikanisches.
Eine Depesche Lord Roberts aus Pretoria vom 22. ds. meldet: General French erreichte von Carolina aus am 20. ds. Bethel, nachdem er den größeren Teil des Marsches, besonders in der Gegend von Ermelo, auf Widerstand gestoßen war. Bon seiner Abteilung wurden am 16. ds. 1 Offizier und 5 Mann getötet, 3 Offiziere und 16 Mann verwundet, während 5 Mann vermißt wurden; am 17. ds. wurden 4 Mann verwundet, am 20. ds. 1 Mann getötet und 4 verwundet. — Die Kolonne Settle erreichte Hoop st ad. Auch sie wurde unterwegs von den Buren angegriffen. Ein Offizier und 15 Mann wurden verwundet. Bei Zeerust geschah ein Angriff auf den Konvoi der Kolonne Lord Methuens. Ein Offizier und ein Mann fielen, während ein Offizier und acht Mann verwundet wurden. Eine aus Fouragierung begriffene Abteilung der Truppe Barto ns wurde am 18. ds. bei Frederiksstad angegriffen. Zwei Offiziere und zwei Mann gerieten in Gefangenschaft, zwei Mann fielen, vier wurden verwundet. Am 21. d. M. kam Barton nochmals mit den Buren, die mit großer Kühnheit vorgingen, ins Gefecht. Dabei fiel ein Offizier. Bei PienaarSriver wurde eine Burenabteilung mit Erfolg überrascht. Ein Engländer wurde verwundet, 18 Buren wurden gefangen genommen.
Wie aus Kapstadt vom 25. gemeldet wird, rückt die Streitmacht General Frenchs gegen Heidelberg vor und hat täglich Scharmützel zu bestehen. Oberst Hunt mit der Aeomanry nahm 35 Buren gefangen und erbeutete viel Vieh. Paget machte in drei Tagen 65 Gefangene.
Wie das Londoner Kriegsamt mitteilt, hofft Lord Roberts etwa am 15. November Südafrika zu verlassen.
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Telegramme des Gießener Anzeigers.
Loudon, 26. Oktober. Nach einer Meldung aus Kapstadt nimmt die Unzufriedenheit der aus Johannesburg Geflüchteten täglich zu. Sie sind über die Verzögerung ihrer Rückkehr nach Transvaal sehr entrüstet.
London, 26. Oktober. „Daily Mail" meldet aus Kapstadt, Lord Roberts habe beschlossen, infolge der dringenden Vorstellungen der australischen Regierung wegen der Rückkehr der australischen Truppen die freiwilligen Australier in die Heimat zurückkehren zu lassen, damit sie den Festlichkeiten anläßlich des Jubiläums der autonomen Föderation beiwohnen können.
Paris, 26. Oktober. Der „Malin" meldet au« A l gie r: Der holländische Konsul wurde von der Negierung benach lichtigt, daß Präsident Krüger an Bord der „Geld.r-
land" im Hasen von Algier eintreffen und dort landen werde. Krüger wird aus unbestimmte Zeit dort verbleiben und später an Bord der „Gelderlaud" nach Frankreich abreisen.
Deutsches Reich.
Berlin, 25. Oktober. Wie aus Essen gemeldet wird, ist daD Kaiserpaar heute abend nach Berlin abgereist.
— Der Kaiser ließ für M o l t k e s Sarkophag einen mächtigen reichvergoldeten Lorbeerkranz nach Creisau sen- )en «mit Her Midmung d „Dem Feldmarschall.Grafen Moltke ein treuer Kaiser Wilhelm II."
— Aus Cronberg wird gemeldet: Das Befinden der Kaiserin Friedrich ist fortgesetzt befriedigend.
— Anläßlich des 10 0. Geburtstages Moltkes and im Hotel Kaiserhof ein Festmahl der Offiziere des Generalstabes statt. Der Chef des Generalstabes, u o n] Schliessen, hielt eine Ansprache, in der er die Verdienste Moltkes feierte.
— Die heutige Plenarsitzung des Bundesrats eröffnete der Reichskanzler Graf Bülow mit einer Ansprache, in der er der Verdienste seines Vorgängers, des Fürsten Hohenlohe, mit herzlichen Worten gedachte und hervorhob, er werde alle seine Kräfte daraw- etzen, um im Sinne des ersten Kanzlers das gute Einvernehmen unter den Regierungen der einzelnen Bundes st aaten unvermindert zu erhalten. Er entspreche damit nur den Intentionen des Kaisers, der überzeugt sei, daß in dem einmütigen Zu» arnrnenwirken aller Glieder des Reiches die Stärke unseres geliebten Vaterlandes begründet liege. Schließlich ersuchte der Reichskanzler um die Unterstützung des Bundesrats. Der bayerische Gesandte Graf Lerchenfeld drückte die volle Befriedigung seiner Regierung über die Ernennung des Grafen Bülow und ihr Vertrauen zu dessen Person mit d em Bemerken aus, daß er auch im Sinne der übrigen Bundesregierungen spreche. Nach Eintritt in die Tagesordnung wurde dem Entwurf eines Gesetzes wegen Kontrolle des Reichshaushaltes, des Landeshaushaltes von Elsaß-Lothringen und des Haushalts der Schutzgebiete ür 1900, sowie dem Entwurf einer Verordnung über das Verfahren von Schiedsgerichten für Ar beit er - versicherung die Zustimmung erteilt. Die Uebersicht der Reichs-Ausgaben und -Einnahmen für 1899 und ein Antrag wegen Entlastung der Rech-nungskasse, der Ober- rechnungskammer und des Rechnungshofes für 1898/99 werden dem Ausschüsse für das Rechnungswesen überwiesen. Außerdem wird beschlossen, daß die in der letzten Session des Reichstages nicht erledigten Entwürfe einer Seemannsordnung und der Nebengesetze unverändert wieder vorgelegt werden sollen.
— Die „Neuest. Nachr." glauben aufs bestimmteste versichern zu können, daß die Aussichten auf Aushebung les Jesuitengesetzes heute nicht bester sind als bisher.
— AuS Hamburg wird gemeldet: In der General» Versammlung des deutschen Schulschiffs-Vereins /unter dem Vorsitze des Großherzogs von Oldenburg) wurde bekannt gegeben, daß das erste deutsche Schiffsjungen-Schulschiff voraussichtlich Anfang März von Stapel gelassen und wenige Monate später in Fahrt gesetzt werden wird.
München, 25. Oktober. Der Prinzregent sandte an den früheren Reichskanzler Fürsten Hohenlohe unter dem 19. ds. Ms. aus Hintersee folgendes Hand chreiben:
„Mein lieber Fürst! Einer Mittellung Sr. Majestät des Deut- chen Kaisers habe ich entnommen, daß Sie wegen Ihrer geschwächten Gesundheit den Rücktritt von Ihren Aemtern erbeten und erhalten haben. Diese Nachricht erfüllt mich vom allgemeinen wie vom besonderen bayerischen Standpunkte mit großem Bedauern. Sie haben mit ruhiger Sicherheit die Geschäfte des Reiches geleitet und zugleich die Zugehörigkeit zu dem engeren Vaterlande niemals verleugnet. Immer durfte ich die Ueberzeugung haben, daß Sie auch den bayerischen Jn- tereffen und Anliegen ein wohlwollendes Verständnis und thunlichste Rücksichtnahme jederzeit entgegenbringen. Dafür spreche ich Ihnen bei Ihrem Scheiden aus dem aktiven Dienste meinen warmen Dank aus. Mögen Sie sich des wohlverdienten Ruhestandes noch lange erfreuen. Mit hoher Wertschätzung verbleibe ich Ihr wohlgewogener Luitpold."
Darauf erwiderte Fürst Hohenlohe:
„Ew. König!. Hoheit bitte ich, meinen ehrfurchtsvollsten Dank für die huldvollen Worte entgegennehmen zu wollen, die Ew. Königl. Hoheit anläßlich meines Rücktrittes an mich zu richten die Gnade hatten. Ich bin glücklich, daß meine amtliche Thätigkeit Allerhöchstdero Zufriedenheit sich erwarb und daß Ew. Königl. Hoheit davon überzeugt sind, daß ich die Zugehörigkeit zum engeren Vaterlande nie verleugnete und daß ich, soweit es in meinen Kräften stand, die Rechte und Interessen Bayerns zu wahren bestrebt war."
Ausland.
London, 25. Oktober. Das Reuter'sche Bureau meldet aus Yokohama: Nach Meldungen aus Söul soll der Bau der Bahnlinie Söul-Wija nunmehr begonnen werden. Den Bauvertrag erhielten französische Ingenieure.
Haag, 25. Oktober. Amtlich wird gemeldet: Die Königin und die K ö n i g i n - M u 11 e r reffen am 1. November nach Leusahn (Schleswig-Holstein), wo sie bet dem Großherzog von Oldenburg mit her Familie des Herzogs Heinrich von Mecklenburg Zusammentreffen.
Brüssel, 25. Oktober. Der außerordentliche f o - zialdemakratische Parteitag zur endgiltigen Regelung der Stellung der Partei zuv Wahlrechts! rag e ist auf den 18. November angefetzt. — Die Sozialisten beschlossen, an den großen geplanten Kun d g e bun g en für Krüger nur teilzunehmen, falls diese dem Burenvolk, nicht der Person des Präsidenten gelten sollen.
— Die „Gazette" erfährt, daß thatsächlich ein Gesuch, um Verhaftung Sipidos vor wenigen Tagen in Paris eingelaufen fei. Bisher konnte seine Spur nicht gefunden werden. Leutnant Tagart von der Brüsseler Polizei suche bisher vergeblich in verschiedenen französischen Städten.
Madrid, 25. Oktober. Der Vizeadmiral M o z o telegraphiert aus Cadiz, seine Gesundheit gestatte ihm kaum, das Portefeuille der Marine zu acceptieren, und kündigt einen Brief an, in dem er lvcchrscheinlich als Be
dingung die Erhöhung des Marinebudgets stellt. DiS Regierung befahl ihm, nach Madrid zu kommen; sie hofft, ihn zur Annahme bewegen zu können. Auch für den Posten- des Unterstaatssekretärs der Präsidentschaft will sich niemand finden.
Lissabon, 25. Oktober. Die Neuwahlen zur Kammer finden am 25. Januar 1901 statt.
Innsbruck, 25. Oktober. Der Wahlkompromiß im Tiroler Grundbesitz zwischen D e u t s ch l i b e ra- len und Deutsch klerikalen ist durch die Delegierten nun zum Abschluß gebracht. Die Verhandlungen über den Kompromiß wurden unter Patronanz des Statthalters zwischen Grabmaier und Dipauli geführt.
Budapest, 25. Oktober. Abgeordneter Csavorszky orderte in der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses bei der Beratung der Quote unter Zu- timmung eines Teiles der Unabhängigkeitspartei die Be- eitigung des Dualismus und die Gewährung der taatlichen Selbständigkeit an die czechische Nation. Die Interessen der Ungarn und der Czechen, die die gleiche Stellung gegen das Haus Habsburg einnehmen, seien identisch, und mcch nur die Errichtung eines selbst- tänbigen czechischen Staates könne Ungarn vor dem aus- trebenben Pangermanismus retten.
Bukarest, 25. Oktober. Das Amtsblatt veröffentlicht ein königliches Dekret, wodurch das Schwurgericht für den 12. November n. St. zu einer außerordentlichen Session einberufen wird, um über die der Ermordung rumänischer Staatsangehöriger angeklagten Bulgaren abzuurteilen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 26. Oktober.
** Personalnachrichten. Dem an Stelle des verstorbenen Charles Oppenheimer zum Königlich Groß- britannischen Generalkonsul für das Großherzogtum Hessen ernannten FraneisOppenheimerin Frankfurt a. M. ist Namens des Reichs das Exequatur erteilt worden; die Oberlandesgerichtsräte Dr. Franz Linkenheld und Dr. Philipp Hangen wurden für die Dauer der dermalen von ihnen bekleideten Aemter zu Mitgliedern des Verwaltungsgerichtshofs ernannt; es wurden beauftragt: der Gerichtsassessor Bechtold in Mainz mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters bei dem Amtsgericht Mainz, der Gerichtsassessor Fr ick er in Darmstadt mit Wahrnehmung solcher bei dem Amtsgericht Hungen, der Gerichtsassessor Schäfer in Darmstadt mit Wahrnehmung solcher bei dem Amtsgericht Wörrstadt, der Gerichtsassessor Dr. Goldschmidt in Gießen mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsanwalts in Mainz, der Gerichtsassessor Fresenius in Fürth mit Wahrnehmung solcher in Gießen und der Gerichtsassessor W e i b e m a n n in Darmstabt mit Wahrnehmung solcher in Fürth. _ M
** Das Regierungsblatt Nr. 71 vom 23.Oktober enthält: 1) bas Gesetz, betreffenb bie Abänberung des Gesetzes vom 7. Juli 1896, die Entschädigung für an Milzbrand und Rauschbrand gefallene Tiere betreffend; 2) eine Bekanntmachung, betreffend das Gesetz, die Entschädigung für an Milzbrand, Rauschbrand und Schweinerotlauf gefallene Tiere betreffend; 3) eine Bekanntmachung, die Errichtung eines hydrographischen Bureaus betreffend.
•• Rekruteuvereidiguug. Die am 14. Oktober in das Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm hier eingestellten Rekruten leisteten heute auf dem Hofe der Zeughauskaserne nach vorausgegangenem Gottesdienste den Fahneneid.
** Für Militäranwärter. Im Oberlandesgerichtsbezirk Frankfurt a. M. können in diesem Jahre noch einige Militär-Anwärter zur Ausbildung für den Gefängnis- Oberbeamtendienst zugelassen werden. Meldungen sind an den Oberlandesgerichtspläsidenten und den Oberstaatsanwalt in Frankfurt a. M. alsbald einzureichen.
** Zitherverein. Angesichts des mit Sonntag dem 28. ds. herannahenden Festes des Main-Lahn- thal-ZitHerbundes möchten wir nicht versäumen, das musikliebende Publikum Gießens nochmals auf den zu erwartenden eigenartigen Kunstgenuß aufmerksam zu machen. Der Gießener Z i t h e r v e r e i n , dessen gut» geschultes Ensemble für wirklich erstklassige Darbietungen bürgt, hat es unternommen, das allerwärts steigende Interesse an der Zither auch in unserer Stadt zu beleben, indem er die zum Main-Lahnthal-Bund zusammen- geschlossenen Vereine veranlaßte, das beliebte Instrument auch! hier zur Geltung zu bringen Man erwartet, daß das Gießener Publikum seinen Dank in recht zahlreichem Besuch des Konzertes ausbrückt. .
*• Stadttheater. Am Mittwoch ging G. von Moser's Bureaukrat" unseres Wiffens zum ersten Male über die hiesige Bühne. Der Erfolg dieses in einzelnen Szenen äußerst erheiternden Lustspiels hängt säst ganz von dem Darsteller der Titelrolle ab; wenn der Bureaukrat so ausgezeichnet gespielt wird, wie es vorgestern von Herrn Liebscher geschah, so muß das Theater vom Lachen der Zuschauer widerhallen Leider war der Besuch aber wieder einmal sehr schwach, und das ist umsomehr zu bedauern, als wirklich durchweg sehr gut gespielt wurde, wir nennen besonders noch Herrn Lach mann als Ministerialbeamten Rosen, Herrn Ramsey er als Eberhard, Fräulein Kugler als Ella. Vielleicht entschließt sich die Direktion zu einer zweiten Aufführung. Ob das Theater dann voller sein wird? Fast mochten wir es bezweifeln. Denn was auch die Leitung des Stadttheaters in diesem Winter unternehmen mag, das Publikum bleibt teilnahmloS; höchstens am Sonn- tag ist da« Haus gesüllt, und dann nur aus den geringer bezahlten Plätzen. Glaubt da« Gießener Publikum wirklich, daß ein Theaterunternehmen bei so geringer Teilnahme bestehen kann? Die Subvention, die die Stadt Gießen und der Theaterverein g-b-n, ist ja gewiß recht wertvoll; aber bestehen kann das Unternehmen davon nicht, und deshalb befürchten wir, daß man bald sagen kann: Gießen hat ein Theater gehabt! — Heute abend gehen „die strengen Herren", Schwank in drei Akten von Blumenthal und Kadelburg, als Premiere über bie Bühne. Don dem Wert des Schwankes und von der günstigen Ausnahme


