Ausgabe 
27.9.1900 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt.

Donnerstag den 27. September 15«. Jahrgang 1900

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Aints- und Anzeigeblntt für den ICreis Gieren

grössere Karte von China unentgeltlich

zu liefern.

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Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schukstraße Ar. 7.

Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den 'folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr, Abbestellungen spätestens abends vorher.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße»« Fernsprecher Nr. 51.

b. durch die Distrikts Einnehmerei Gießen II (Amts­lokal Grünbergerstraße 1211) werden sämtliche Ge. halte, Pensionen, Witwen- und Waisengelder für Rechnung der Hauptstaatskaffe, der Reichshaupt­kaffe, der Regierungshauptkaffen zu Kassel und Wiesbaden, der Landeshauptkasse zu Straßburg u. s. w. geleistet.

Gießen, den 25. September 1900. Großherzogliches Rentamt Gießen. Hiemenz.

Alle Anzeigen-Verrnittlungsstellen des In« und Auslandes Rehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilcnpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Psg.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde.

Bekanntmachung.

ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis.:gebracht, daß Auszahlungen von dem unterzeichneten Großh. Rentamte nur noch bis zum 29. dss. einschließlich geleistet werden. Nach dieser Zeit werden die von dem Rentamt Gießen seither besorgten Zahlungen in folgender Weise geleistet:

a. durch die Distrits-Einnehmerei Gießen I werden die Invaliden Pensionen bezahlt;

reits Vollmacht erhalten, in direkte Verhandlungen mit Li-Hung-Tschang und dem Prinzen Tsching zu treten. .Man weiß in Washington ebenso gut wie in der ganzen übrigen Welt, daß die eigentlichen Anstifter der Verbrechen sich iin Kaiservalast zu Peking befanden und daß, wenn in der That den Chinesen die Bestrafung der Mörder Kettelers überlassen würde, nach dem alten Worte von der Krähe, die der anderen Krähe nicht die Augen uushackt, höchstens, ein absurdes Gaukelspiel den Abschluß des furchtbaren Dramas bilden würde. Die kaiserliche Regierung würde sich einfachrehabilitieren", indem sie ein paar armselige Kulis in einem Käfig irgendwo, aber jedenfalls so hoch aufhängen läßt, daß man die Unschuldsbeteuerungen der armen Opfer nicht hören kann. Und die Tuan und Punglu und wie sie alle heißen, würden behaglich ihren Thee schlürfen und mit den Empfindungen des notorischen Be­trügers sich in das keineswegs von Reinlichkeit strotzende Fäustchen lachen. Gewiß, die Schwierigkeit, an dem Haupt oder den Mitgliedern der Mandschu-Dynastie Rache zu nehmen, müßte vermieden werden, man dürfte schon aus Gründen der Staatsraison es nicht dahin treiben, paß der chinesische Krieg die äußerste Verschärfung erhielt. Graf Bülow hat in seinem Rundschreiben auch ganz «offen zuge­geben, daß nicht nur eine Massenexekution einemcivili- sierten Gewissen" widersprechen würde, sondern daß man auch durchaus darauf gefaßt sei, daß man selbst dieGruppe der Leiter" nicht vollständig werde ermitteln können. Aber andererseits ist gerade uns Deutschen gegenüber das Völker­recht in einer so flagranten Weise verletzt worden, daß, eine Regierung, die auf sich selbst etwas hält, nicht ohne weiteres mit den Machthabern von Peking in »Verhand­lungen treten kann. So lange nicht zum mindesten voll- giltige Garantien dafür gegeben werden, daß der Mord Kettelers seine Sühne finden wird, so lange verbietet es uns die nationale Ehre, mit der chinesischen Regierung anders als per Distanz zu verkehren.

Aber es scheint, als wenn in den Bereinigten Staaten auch für die Politik der Grundsatz gelte, daß die Rücksicht auf the busineß höher stehe, als jede sittliche Verpflichtung.

Wir erinnern ferner an die bevorstehende Einberufung des deutschen Reichstages, dessen Beratungen die ernsthafte Aufmerksamkeit jedes denkenden Mannes in hohem Grade beanspruchen werden.

Auf die Erweiterung und Vervollkommnung unserer Nachrichtenaus Stadt und Land sind wir, wie unsere Leser wohl bemerkt haben werden, in der letzten Zeit ganz besonders bedacht gewesen, und wir werden in diesen Bemühungen rüstig vorwärts schreiten. Die Zahl unserer Berichterstatter in Stadt und Land hat sich in den letzten Monaten sehr erheblich vermehrt. Tüchtige Mitarbeiter sind uns auch weiterhin jederzeit willkommen.

Der Unterhaltung und Belehrung dienen nicht nur die mit feffelnden großen und kleinen Erzählungen und interessanten Original Abhandlungen aus allen Wissensgebieten reich d ausgestattetenGiessener Familienblatter, die unsere Leser vier mal wöchentlich als Beilage zu den jeweiligen TageSnummern erhalten, sondern auch das Feuilleton des Hauptblattes, das in der bevorstehenden Saison über die Vorgänge auf dem Gebiete der Kunst, namentlich der dramatischen, ausführlich unterrichten wird.

Den Interessen des Handels und Verkehrs zu dienen, werden wir uns fortan ganz besonders angelegen sein laffen. Wünsche in dieser Hinsicht würden wir aus dem Kreise unserer Abonnenten gern entgegennehmen und nach Möglichkeit stets berücksichtigen.

Wir haben uns entschlossen, vom 1. Oktober ab einen täglichen telephonischen Kursbericht von der Frankfurter Börse zu veröffentlichen, womit wir unseren Lesern besonders entgegenzukommen glauben.

Die Landwirtschaft wird sowohl in dem monatlich einmal erscheinendenHessischen Landwirt wie in dem Hauptblatte stets zu ihrem vollen Rechte kommen. Die Ziehungslisten der Grossh. hessischen Lotterie werden wir auch in Zukunst vollständig veröffentlichen.

Trotz der allgemein anerkannten Erweiterung unseres Blattes nach jeder Richtung hin, trotz der enormen Steigerung der Papierpreise und sonstiger zur Herstellung einer Zeitung erforderlichen Materialien, und trotz des neuen erheblich verteuerten Postzeitungstarifs die letzteren beiden Umstände haben in vielen deutschen Orten die Veranlassung dazu gegeben, den Abonnementspreis zahlreicher Blätter zu erhöhen beträgt der Abonnementspreis desGiessener Anzeiger einschließlich derGiessener Familien­blätter, der MonatsbeilageDer Hessische Landwirt und der zwanglos erscheinendenBlätter für hessische Volkskunde (redigiert von Prof. Dr. Strack), vierteljährlich Mk. 2,20, monatlich 75 Pfg., für die Postabonnenten Mk. 2,40 pro Vierteljahr.

Abonnements werden in unserem Geschäftshause Schulstrasse 7 ^8$ jederzeit entgegengenommen. Wir bitten dringend um recht baldige Bestellung, damit der Andrang in unserer Geschäftsstelle und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten thunlichst vermieden werden.

Bestellungen durch die Post bitten wir umgehend bei dem zuständigen Postamte zu bewirken, damit keine Unterbrechung in der Zusendung eintritt.

Verlag und Redaktion des Gießener Anzeigers.

Die amerikanische Antwort.

Tas Staatsdepartement der Vereinigten Staaten hat, kühl bis ans Herz hinan, den in hem jüngsten Rund­schreiben des Grafen Bülow entwickelten Standpunkt ab­gelehnt und sich gegen die in ihrer eingeschränkten Form sicherlich nicht übertriebene Forderung erklärt, die noto­rischen Rädelsführer, die Verbrecher, deren Schuld er­wiesen ist, den beleidigten Mächten auszuliefern. Selbst der ledernste Yankee mag es freilich empfinden, daß es nicht gerade vornehm sei, eine opfer- und mühereiche Aktion in entscheidender Stunde aus einseitigen Motiven zu durch­queren, und darum haben die Herren in Washington sich gemüßigt gesehen, ihrem Treiben ein Mäntelchen umzu- hängeu: Sie, die weder auf Cuba, noch auf den Philippinen das nationale Recht anerkennen, die mit dem Versprechen, den gequälten Völkern die Autonomie zu verleihen, Krieg unternahmen, sie entdecken ihr Herz und wollen der chi­nesischen Regierung nicht die Demütigung auferlegen, die Gesandtenmörder, die gewissenlosen Frevler an dem uralt heiligen Heroldsrechte, zur Abstrafung den gekränkten Völ­kern zu überweifen, sie empfehlen es, daß Man der hoheits­vollen Tsu-Tsi und ihren ehrlichen Freunden die Ahndung der begangenen Verbrechen überlasse. Es scheine nur billig, China die Gelegenheit zu geben, sich auf diese Weise zu rehabilitieren".

Der Vertreter dtzs Sternenbanners in China hat he-

Nr. 22«

Hrscheint tägNch mit Ausnahme des

Montags.

Die Gießener AsamItierrötLtter werden dem Anzeiger im Wechsel mitHess. Landwirt" u.Blätter für heff. Volkskunde" wöchtl. 4 mal beigelcgt.

Bezugspreis vierteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bring-rlohn; durch die Abholestekleu vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 viertel/ährl. mit Bestellgeld.

Amtlicher Heil.

Gießen, 26. September (1900.

B e t r.: Jnvalidenversicherungsgesetz.

Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen o« die Großh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

r. .Von einem Beamten der Jnvaliden-Versicherungs-An- stalt Großherzogtum Hessen ist ein MerkchenArbeiter- surforge nach dem Jnvalidenversicherungsgesetz vom 1.5. ^uit loyj herausgegeben worden, das in pieler Be- zrehung für die mit der Durchführung des Gesetzes be­trauten unteren Verwaltungsbehöroen von nicht geringem Wert rst. Das Buch, Oktav-Format, 76 Seiten stark, ist rn der Hofbuchhandlung R. L. Schlapp in .Darmstadt er- sch)enen und Eoftet 1 TO Reim Bezug größerer Partien stellt sich der Preis auf 80 Pfg. pro Exemplar.

Wir können die Anschaffung des Merkchens zu Ihrem Dienstgebrauch, für die örtlichen Stellen und für die Fort­bildungsschulen nur empfehlen und sind zur Erlangung pes Massenbezugspreises zur Uebernahme der Bestellung bereit. Zu diesem Zweck sehen wir binnen 14 .Tagen Ihrem Bericht darüber entgegen, ob und in welcher Anzahl Sie an dem Bezug teilnehmen wollen.

v. Bechtold.

Abonnements-Einladung.

DerGiessener Anzeiger tritt am kommenden 1. Oktober in das letzte Viertel seines 150., seines Jubeljahrgangs, ein.

®erGiessener Anzeiger6 ist das älteste, reichhaltigste und für ganz Oberhessen und die angrenzenden Landesgebiete am weitesten verbreitete Organ «nd als solches hervorragend geeignet, Inseraten weiteste Verbreitung und Beachtung zu verschaffen.

Mit Genugthuung stellen wir fest, daß sich der Gießener Anzeiger dank seiner gedeihlichen Fortentwickelung und der beträchtlichen Erweisung seines Inhaltes nicht nur -fetne alten Freunde bewahrt hat, sondern fortwährend neue in stattlicher Anzahl hinzuerwirbt.

Die in letzter Zeit angeknüpften vorzüglichen Beziehungen desGießener Anzeigers« zum Mittelpunkte der Reichspolitik ermöglichen es ihm, die Leser aufs genaueste und schnellste mit allen bedeutsamen politischen Ereignissen bekannt zu machen.

3n politischer Beziehung richten wir unser Hauptaugenmerk aus China, das durch die jüngsten Unruhen im Mittelpunkte unserer auswärtigen Politik steht. Wir werden fottfahren, unsere Leser durch erschöpfende Berichte ständig und zuverlässig aus dem Laufenden zu halten. Im Laufe der nächsten Monate b-abfichtigeu wir unseren Abonnenten «ine in mehrfachem Farbendruck vortrefflich ausgeführte und auf das genaueste orientierende