Ausgabe 
27.9.1900 Drittes Blatt
 
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I5auer aus Jugenheim geriet in einer Maschinenfabrik in Darmstadt zwischen einen 24 Zentner schweren guß­eisernen Deckel und ein eisernes Rad. Er wurde derartig an der Brust gequetscht, daß er eine Stunde darauf im städtischen Krankenhaus verstarb. Bon einem Güterzuge wurden am Donnerstag bei Limburg 3 Streckenarbeiter überfahren und getötet. Die Stadt Mainz beabsichtigt, von der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft die Mainzer Straßenbahn zu erwerben, um sie elektrisch zu betreiben. Die Gesellschaft hat dafür Mk. 2 400 000 gefordert. Es ist. fraglich, ob die Stadtverordneten soviel bewilligen. Ick'Mainz hat sich ein auf Besuch weilender junger Mann mit Phosphor vergiftet. Der junge Mann war erst kürz­lich aus einer Irrenanstalt entlassen worden. Zu dem in Frankfurt Aufsehen erregenden Falle Marx wird mitgeteilt, daß seine Spekulations-Verluste bei einem dortigen Bankier sich auf Mk. 148 000 belaufen haben. Einen Teil davon hatte M. bei seinem freiwilligen Tod noch nicht berichtigt. Seine Börsen-Spekulationen datieren übrigens schon Jahre zurück. U. a. soll er vor fünf Jahren bei einem anderen Bankier Spekulationen in Minen unter­nommen haben, die ihm der Bankier damals ausFreund­schaft" vermittelt haben will. Die alte Schiffbrücke in Worms ist nunmehr samt allem Zubehör unter den Hammer gekommen; der ganze Erlös betrug nur Mk. 19 250,60. Die Zahl der Steigliebhaber war sehr gering; 6 Brücken- joche mit 18 Schiffen sollen noch einmal zum Ausgebot kommen.

An einen sensationellen Vorfall erinnert ein in Berlin vorgekommener Selbstmordversuch, über den, wie folgt, berichtet wird: Elise Sänke, die vor 5 Jahren ihren Geliebten Dr. Steinthal erschoß, versuchte in der kSonntag, sich durch Oeffnen der Pulsadern und Gift das Leben zu nehmen. Dr. Steinthal hatte schon wahrend seiner Studienzeit Beziehungen zu Elise Sänke unterhalten, obwohl er wußte, daß sie unter der Kontrolle der Sittenpolizei stand. Schließlich wollte er jedoch der Geliebten, von der er in unbegreiflicher Verirrung als Student auch Unterstützungen angenommen hatte, den Lauf­paß geben. Darüber kam es am 18. August 1895 in der Wohnung des Arztes zu einer blutigen Auseinandersetzung, die mit dem Tode Dr. Steinthals endete. Elise Sänke, die damals ungefähr 25 Jahre alt war, tötete ihn nach kurzem Ringen durch einen Schuß in die Brust. Zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, verbüßte sie nur Vk Jahre, dann wurde sie begnadigt. Ueber den Beweggrund zu ihrem Selbstmordversuch verweigert sie der Polizei jede Auskunft. Die Ermittelungen ergaben, daß er in einem gescheiterten Heiratsplane zu suchen ist. Ein Witwer, ein ehrbarer Arbeiter, hatte sich der Näherin zugewandt, die Beziehungen zu ihr jedoch vor ungefähr einem Monat ab­gebrochen, nachdem die Vergangenheit seiner Braut zu seiner Kenntnis gelangt war.

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