Ausgabe 
27.5.1900 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

gänzliche, baut!- rufen wir mit Schiller klagend aus. Die Hoffnungen unseres Großherzoglichen Hauses, die Hoffnungen des ganzen Hessenvolkes haben sich nicht erfüllt, und die innigen Gebetworte, die unser Oberkonsistorium für den Gottesdienst am morgenden Sonntag angeordnet hatte, bleiben ungesprochen. Unsere Sorge aber bleibt es, daß über den Toten die Lebenden nicht vergeflen werden mögen. Wir wollen nicht jammern über das, was uns genommen wurde von finsteren Schicksalsmächten, sondern Gott danken für das, was er uns ließ! Alle unsere Wünsche vereinen sich in dem einen:

Gott schütze unser Großherzogliches Haus!

Paris, 25. Mai. Der Senator Choumie stellte heute nachmittag an die Regierung die Frage, ob es wahr sei, daß Dokumente, die mit der Dreyfus-Angelegen- heit in Zusammenhang ständen, aus dem Kriegs­ministerium entwendet worden sind, zum Zwecke der Wiederaufnahme der Agitation in der Angelegenheit der DreyfuS-Affaire, und welche Maßnahmen das Kabinett zur Verhütung ähnlicher Vorkommniffe zu treffen gedenke. Der Kriegsminister Gallifet antwortete, er habe nach der vor­gestrigen Kammersitzung sich daS gesamte Dossier der Dreyfus-Angelegenheit unterbreiten laffen, und t hat säch­lich nach eingehender Untersuchung festgestellt, daß Dokumente durch einen Offizier Ministerium entwendet worden sind, tigung rief große Sensation hervor. Der betreffende Offizier, so erklärte Gallifet weiter, erhielt sofort seinen Abschied, besonders weil er versicherte, eS handle sich um einen politischen Akt. Der Kriegsminister er­

richt von dem Tode Sr. Großh. Hoheit des Prinzen Wilhelm im Kriegs- | folgt diese erschütternde Kunde auf dem Fuße.Was sind Diese Bestä- | Hoffnungen, was find Entwürfe, die der Mensch, der ver-

** Aus Anlaß des Ablebens S. G. H. des Prinzen Wilhelm sandte unser Oberbürgermeister folgendes Telegramm nach Wolfsgarten:

Seiner König!. Hoheit dem Großherzog, Wolfsgarten.

Die überraschende Nachricht vom Ableben Seiner Großh. Hoheit des Prinzen Wilhelm hat, wie sicherlich das ganze Land, so namentlich auch unsere Stadt Gießen aufs schmerzlichste betroffen; hatten wir doch noch vor kurzem den nunmehr Dahingeschiedenen zu unserer Freude hier begrüßen dürfen. Namens unserer Stadt und ihrer Vertretung bitte ich, Eurer König!. Hoheit bei dem schweren Verluste, welcher das Groß­herzogliche Haus betroffen, in treuer Anhänglichkeit den Ausdruck all- seitigen herzlichen Beileides übermitteln zu dürfen.

Oberbürgermeister Gnauth.

Es traf darauf folgende Antwortdepesche ein:

Aus Wolssgarten an Oberbürgermeister Gnauth, Gießen

Für Ihre und der Stadt mir ausgesprochenen herzlichen Beileids­worte bei dem Verlust in meiner Familie herzlichen Dank.

Ernst Ludwig.

Dem Beileid der Stadt Gießen über die Geburt eines totenHPrinzen gab Herr Oberbürgermeister Gnauth durch folgendes Telegramm Ausdruck:

Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog, Wolfsgarten.

Auch bei dem neuen schweren Leid steht schmerzbewegt und teil­nahmsvoll zur Seite seines Fürstenhauses unser Gießen.

Gnauth.

Die darauf eintreffende Antwortsdepesche lautet:

Aus Wolfsgarten an Oberbürgermeister Gnauth, Gießen.

Haben Sie für Ihre tiefempfundenen Worte unseren herzlichen Darck.

Ernst Ludwig.

** Der Zweiten Kammer der Laudstäude ging 1. eine Anfrage des Abg. Köhler (Langsdorf), betreffend die An­stellung von hessischen Beamten unter der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft zu. 2. eine Vorstellung der Kanzleibeamten der Großh. Ober-Rechnungskammer, betreffend Die Neuregelung ihrer Gehaltsverhältnisse. 3. eine Regierungs-

Aus Stadt und Kand.

(Anvubm« Ssinsettdange», gleichviel werchen 3ul>oiif4, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)

Gießen, 26 Mai 1900.

** Aus Darmstadt erhalten wir folgende telephonische Meloung:

Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin Viktoria Melitta wurde heute nacht von einem toten Prinzen entbunden. Die hohe Mutter befindet sich den Nmstände« entsprechend wohl.

Die Totenklagc ist in diesen Mauern kaum verhallt, und eine Leiche drängt die andre fort ins Grab." Der Nach­

Ausland.

London, 23. Mai. DenDaily Expreß" zufolge sind in Deutsch-Südwestafrika Gold, Silber, Kupfer und Ble.ierze in großer Menge, ungefähr 400 eng­lische Meilen landeinwärts von Walfischbai gefunden worden. Die englisch deutsche Westafrika-Gesellschaft, zu der Rhodes gehört, will 100,000 Pfund Sterling auögeben, um festzustellen, ob die Erze in genügender Menge vor­handen sind, sodaß sich die völlige Ausbeulung lohnt. Sollte dies der Fall sein, so würde für zwei Millionen Pfund Sterling eine Eisenbahn von Walfischbai dorthin gebaut werden, und eine gleiche Summe würde für Minen daselbst verausgabt werden. Mitte Juni wird aus England eine Expedition nach dem betreffenden Gebiete in Deutsch- Südwestafcika abgehen.

DerDaily Mail" wird aus Tientsin tele- S'aphiert: Aus Paotingfu, 80 Meilen von Peking, kommt eine ernste Kunde: General Iangfutung, der vom Vizekönig Mluh mit Truppen gegen die Boxer geschickt war, soll bei einer Zusammenkunft mit ihren Anführern er­mordet worden sein. Es wurden weitere Truppen nach Paotingfu gesandt. Der französische Admiral des Küsten­geschwaders traf in Peking ein. Die Ermordung der Christen bei Paotingfu wird der zweideutigen Haltung von FakaS zugeschrieben, der Petschili praktisch regiert und die Boxer begünstigt.

Einer Meldung des Bureau Dalziel auS Shanghai zufolge machten Mitteilungen aus Szuchuau und Hupei zufolge die Boxer dort ähnliche Angriffe auf fron- fische Konvertiten, wie vor einigen Tagen auf das christliche Dorf Laishun bei Peking. Zwei Dörfer find zerstört und viele christliche Einwohner nieder­gemetzelt worden. Der in Shinanfa kommandierende General schickte ein Regiment Soldaten gegen die Boxer aus, aber das Regiment wurde von ihnen von einem Hinter­halte aus überfallen und verlor 26 Tote und eine Anzahl. Verwundete. Der Vizeköuig von Changchitung ordnete an, daß weitere Verstärkungen von Jchang aus geschickt werden.

Vorteile der Meistbegünstigung zu gewähren, über der» 30. Juni hinaus verlängern soll.

Karlsruhe, 26. Mai. Bei der Reichs tag s- ftichwahl im Wahlkreis Offenburg-Oberkirch-Kehl wurde Schüler (Zentrum) mit 9534 Stimmen gewählt, Rein­hard (natl.) erhielt 9048 Stimmen.

r Straßenbrücke kommend bot die Stadt einen prächtigen Anblick. In Erwartung der Ankunft des Kaisers hatten die Dampfer und Fahrzeuge auf dem Rhein über den Koppen geflaggt. Von allen Seiten war die Bevölkerung herbeigeströmt, um dem Schauspiel beizuwohnen. Die Torpedoboote lagen nebeneinander am Kai. An der

I Landungsbrücke hatte eine Ehrenkompagnie des Infanterie- Regiments Nr. 87 Aufstellung genommen. Um 2 Uhr traf der Kaiser von Wiesbaden kommend in Marineuniform ein, mit ihm die in Wiesbaden versammelten Herren des Ge­folges, außerdem der Ehef des Marinekabinetts v. Senden- Bibran. Ter Kaiser schritt die Front der Ehren­kompagnie ab, und nahm den Vorbeimarsch entgegen. Der Kaiser unterhielt sich darauf einige Zeit mit dem Pro­vinzialdirektor v. Gagern und Oberbürgermeister G a si­ne r und begab sich dann an Bord des Torpedobootes S 8, auf dem die Kaiserstandarte emporstieg. Tie Flottille setzte sich darauf in Bewegung. Von Kastel her wurde Salut geschossen und die Glocken der Stadtkirchen erklangen. Auf dem Rhein von der Straßenbrücke bis zu der Eisenbahn­brücke hatte eine große Anzahl festlich geschmückter Schiffe in Längsrkihe Aufstellung genommen. Unter ständigen Salutschüssen fuhr die Torpedodivision zunächst rheinauf­wärts und drehte dann bei der Eisenbahnbrücke bei, um die Richtung rheinabwärts zu nehmen. Sämtliche Fest­schiffe schlossen sich an. Am Mainzer Ufer bildete die ganze Garnison Spalier. Bei der Vorbeifahrt der Torpedo­boote spielten die Musikkapellen den Präsentirmarsch, die Truppen riefen Hurra. Um drei Uhr passierte die Flottille Biebrich, auf der ganzen Fahrt von stürmischen Zurufen der Bevölkerung und Böllerschüssen begleitet. Auf dem Boote des Kaisers befanden sich, der Chef des Marine­kabinetts v. Senden-Bibran, v. Hahnke, Graf Waldersee, General v. Lindequist. Tas kaiserliche Gefolge verteilte sich onf die übrigen Boote. In der Unterhaltung mit dem »aiser nahm Provinzialdirektor v. Gagern die Ge- legenheit wahr, auf die Entfestigung von Kastel hinzuweisen, worauf der Kaiser erwiderte:Ja der Reichs­tag will von dem Preise für das Gelände nicht abgehen". Oberbürgermeister Dr. Gasiner bemerkte hierzu, die Stadt Mainz habe damit nichts zu thun, worauf der Kaiser lächelnd erwiderte:Ja Sie sind in Mainz fein heraus". Bevor der Kaiser nach! Wiesbaden zurückkehrte, verlieh er verschiedene Ordensauszeichnungen. Für morgen sind die Offiziere der Torpedoboote zu einem Fest bei Kupferberg eingeladen. Mittags begeben sich die Schiffe nach Biebrich, von wo die Offiziere einer Einladung nach Wiesbaden ; folgen werden. (Mainz. Anz.)

Vorlage betreffend den Gesetzentwurf, die Legitimation' durch nachfolgende Ehe.4. ein Bericht des Vierter- Ausschusses über die Vorstellung der Gemeinde Frischborn betreffend die Erbauung einer Nebenbahn von Lauter- I bach nach Grebenhain.

I ** AuS dem Militär Wochenblatt. Scholtz, Oberst­leutnant, beauftragt mit Wahrnehmung der Geschäfte des Chefs des 18. Armeekorps, zum Chef dieses Geueralstabes

I ernannt» Pappritz, Major im Generalstabe der 22 I Div., zum Generalstabe des 18. Armeekorps, v. Krosigk I Oberstlt. und Bats.-Kommandeur im 1. Großh. Heff.

I (Leibgarde-) Regt. Nr. 115, unter Versetzung in den General- I stab Der Armee, mit Wahrnehmung der Geschäfte als Ches ! des Generalstabes des 17. Armeekorps beauftragt. v. Linsingen, Major aggreg. dem 6. Rhein. Jnf.-Regt.

| Nr. 68, als Bats.-Kommandeur in das 1. Großh. I Inf. (Leibgarde-) Regt. Nr. 115, v. Lochow, Major aagrea I dem 5. Großh. Heff. Jnf.-Regt. Nr. 168, als Bats.

I mandeur in das Füs.-Regt. von GerSdorff (Hess.) Nr. 80 I versetzt. Lang, Major und Bats.-Kommandeur im I 8. Rhein. Jnf.-Regt. Nr. 70, mit Pension und der Uniform I des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Heff.) Nr. 116.

f chimpff, Hauptmann z. D., unter Enthebung von der tellung als BezirkSosfizier beim Landw.-Bezirk Saarge- I münd und Erteilung der Aussicht auf Anstellung im Civil- I dienst, mit Pension und der Uniform des 3. Großh. Heff

Jnf.-Regts. (Leib-RegtS.) Nr. 117, der Abschied be. I willigt.

Zur Grundsteinlegung des Germaueuhauses wird uns I geschrieben: Bei der Berichterstattung über die Grundstem- I legung des Germanenhauses in Nr. 119 ds. Bl. hat der I Herr Verfasser übersehen mitzuteilen, daß Herr Land- I gerichtsdirektor Thaler von Mainz in seiner Eigenschaft I als Mitglied des Vorstandes des Ehrenmitgliedervereins der I Burschenschaft Germania der Feier beigewohnt und als I fünfter in der Reihenfolge die drei Hammerschläge mit den I Worten begleitet hat:Germania vivat, crescat, floreat I in aeternum. Es sei dies hiermit nachgetragen.

** Städtisches Elektrizitätswerk. In der nichtöffentlichen Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung vom 23. d. Mts.

I wurde, wie wir gestern bereits mitteilten, die Lieferung und Ausführung des elektrischen Teiles für das geplante Werk der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm.Schuckert u. Cie. in Nürnberg übertragen, während zuvor schon die Lieferung der zur Ausnützung der Wasserkraft der Neu­mühle erforderlichen FranzciS-Turbinen samt dem zugehörigen Wasserbau dem Vertreter der Firma Briegleb, Hansen u. Cie. in Gotha, Zivilingenieur Leithäuser in Kaffel, und die Lieferung der zur Ergänzung der Wafferkraft erforderlichen Gasmotoren samt der zugehörigen Generatorgasanlage der

I Gasmotoreufabrik Deutz übertragen worden waren. Nach den Vertragsbedingungen wird Danach spätestens auf 1. April n. I. die vollständige Versorgung des gesamten Bahnhofes Gießen mit elektrischem Strom in Kraft treten, unter gleichzeitigem Anschluß auch derjenigen Privaten, für deren Straßen auf demnächst zu veranstaltende Umfrage eine genügende Anzahl von Ab­nehmern sich ergeben. Die Stelle des Betriebsleiters des neuen Werkes wurde in derselben Sitzung dem Ingenieur Paul Mulert aus Dresden, z. Z. auf dem Ingenieur- Bureau Erfurt der Allgemeinen Elektrizitäts Gesellschaft Berlin, übertragen; der Gewählte wird voraussichtlich schon auf 1. Juli d. I. seinen hiesigen Posten antreten und da­nach in erster Linie die Unterlagen für die Anmeldungen der Privaten (Preise und Bedingungen) zu bearbeiten haben.

Darmstadt, 25. Mai. Prinz Heinrich von Hessen wird am Samstag hier eintreffen. Aus Anlaß des Ab­lebens des Prinzen Wilhelm erscheinen auf den öffentlichen Gebäuden die Flaggen auf Halbmast gehißt.

M a i n z, 25. Mai. Die von den Vorständen der demo­kratischen, der deutschfreisinnigen, nationalliberalen und sozialdemokratischen Partei auf Mittwochabend mit der Tagesordnung 1. Protest gegen die in der Lex Heinze zu Tage getretenen Bestrebungen, 2. Grün­dung eines Goethebundes für Mainz und Um­gegend, einberufene Volksversammlung war von etwa 2500 bis 3000 Personen beiderlei Geschlechts besucht. Den Vorsitz führte Stadtv. Dr. R a u t e r t (natl.). Es sprack)en Dr. Pagenstecher für die nationalliberale, Dr. Horch für die demokratische, Dr. David für die sozialdemokratische und Professor Dr. Harnack-Darmstadt für die deutschfreisinnige Partei. R.-A. D?. Pagen stecher erörterte die juristische Seite. Anfangend mit der Zeit des Mittelalters, in der Künstler, Sänger, Schauspieler mit Stromern in einen Topf geworfen worden seien, kam er auf die Jetztzeit und sagte, daß es dem Ausgange des Jahrhunderts Vorbe­halten gewesen sei, Künstler und Gelehrte mit Zuhältern auf eine Stufe zu stellen. (Laute Pfuirufe.) Der Redner schloß mit den Worten:Wir protestieren gegen den Geist der Lex Heinze und wer-deu uns wehren gegen ihn, so lange er umgeht, jetzt und immerdar." (Großer Beifall.) Rechtsanwalt Dr. Horch, unterzog die Lex Heinze einer Betrachtung in Bezug auf die Gefahr für die Kunst im allgemeinen Politisch beleuchtete dann Landtagsabg. Dr. D a v i d Hie Lex Heinze. Professor Dr. H a r n a ck erklärte die Zwecke und Ziele des Goethe-Bulndes. Man wolle eintreten in den Kampf um die geistigen Güter, die Ge­meingut aller werden müßten. Man hätte gesehen, wie man auf der Wacht stehen müsse, damit uns die geistigen Güter nicht wieder genommen würden. Wenn einmal das geistige Leben initerbunben würde, würde auch das poli^ tische Leben sein Ende finden. Ter Goethe-Bund habe sich zusammengefunden, um drohende Gefahren abzuwenden. Er solle eine Wechselwirkung zwischen dem geistigen und künstlerischen Leben hervorbringen. Die Hauptaufgabe der Goethe-Bünde werde sein, die Freiheit der Wissenschaft und Kunst gegen Angriffe jeder Art zu schätzen und die wahre Kunst in allen Schichten des Volkes zu verbreiten. Möchten alle die beitreten, die das geistige Schaffen hoch­halten wollen. Man habe keinen würdigeren Namen, als den unseres großen Dichters finden können, denn die Auf­gabe der Bünde sei,Unendlich Lichi, mit seinem Licht verbindend." Schließlich wurde folgende Resolution, die ,

neuerte feine Worte, die er in Form eines Tages­befehls an die Armee in Betreff der DreyfuS- Affaire erlassen hatte, nämlich: Die DreyfuS-Affaire ist beendet. Der Kriegsminister versicherte schließlich, er werde alles thun, was in seinen Kräften stünde, um die Disziplin in der Armee aufrecht zu erhalten. Diese Worte riefen einen ungeheueren Beifall hervor. Auch der Senator Choumie erklärte sich durch diese Ausführungen des Kriegs­ministers für befriedigt. Waldeck-Rousseau erklärte, diese Angelegenheit betreffe auch sein Ressort. Er verteidigte den Agenten Thomps, gegen den seit einiger Zeit eine ver­leumderische Campagne ins Werk gesetzt worden ist. Das gestohlene Dokument ist ein Brief eines gewissen Geiger über die Dreyfus-Angelegenheit. Dieser Brief wurde von dem betreffenden Offizier abgeschrieben und weiter ver­breitet. Die Angelegenheit scheint auch in der Kammer Gegenstand einer Interpellation zu werden.

Der Kaiser und die Torpedoflottille in Mainz.

Mainz, 26. Mai.

Die Torpedoboote sind am Mittwochnachmittag um 6 Uhr wieder hier eingetroffen. Während die Offiziere abends einer Einladung der GesellschaftSchiff" in das Gutenberg-Kasino folgten, besuchten die dienstfreien Mann­schaften verschiedene Lokale der Stadt. Die auf den Booten verbliebenen Mannschaften arbeiteten emsig an der Schiffs- toilette. Am Mittwochvormittag trafen 30 Kisten Salut­kartuschen für die Boote ein, die vorläufig in einem Pulvermagazin untergebracht und abends in die Mu­nitionsräume der Boote verstaut wurden. Der Tag wurde von den Bootsmannschaften teils zur Instandsetzung der Boote benutzt, teils kamen die Blaujacken au Land und vergnügten sich dort. Am Freitag waren die Boote festlich aufgetakelt und zum Empfange ihres kaiserlichen Ober­befehlshabers klar gemacht. - Vom Wiesbadener Thor bis zum Landebock der Köln-Düsseldorfer Boote bildete der Weg, den der Kaiser bei der Ankunft nahm, eine via triumphalis. Am Fuße der mit Fahnen reich gezierten linksseitigen Brückenrampe waren zwei riesige Blumen schalen ausgestellt. Das Brückenthor inai mit Fahnen­wappen und Guirlanden sehr schön geschmückt. Am Rhein irfer waren bis zum Kaiserthore Flaggenmasten aufge- ftellt. Die Häuser in der Ufer, Rhein- und oberen und Unteren Taunusstraße waren sämtlich beflaggt. Von der