Ausgabe 
26.1.1900 Erstes Blatt
 
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vr. Leyds sagte, England

ringsteu Zweifel hegen.

es seine Armee

könnte Transvaal, selbst wenn

* Vom Kriegsschauplatz.

DaSReuter'sche Bureau" in London hat am Dienstag bei dem bis oben herauf zugeknöpften KriegSamt Erkundig­ungen über die

Lage am oberen Tugela eingezogen, aber nur bezüglich des auswärts verbreiteten Gerüchtes von einer Niederlage Bullers und bezüglich der weiteren Meldung, Dundonald sei mit 1600'Mann in Ladysmith eingerückt, erfahren, daß daS Kriegs­amt weder der einen, noch der andern Meldung Glauben beimißt und meint, daß die Meldungen zu Börsenzwecken verbreitet worden seien. DaS Kriegsamt er­wartet vor zwei oder drei Tagen keine entschei­denden Nachrichten von Buller oder auS Ladysmith, da Bullers Operationen notwendiger Weise ausgedehnter Art seien. Da Buller weiter schweigt, Reuter aber, wenn er sein Nachrichtenbureau nicht ganz diskreditieren will, reden muß, läßt er sich seit einigen Tagen Telegramme über Prätoria-Lourenco Marquez aus dem Burenlager

Lokales und Ursvinfielles.

Stadttheater. Die nächsten Vorstellungen finden erst wieder am kommenden Sonntag statt. Nachmittags wird als Kindervorstellung zu ermäßigten EmtrUts- preisen das MärchenDer gestiefelte Kater" gegeben, während abends wieder eine der großen Gesangspossen »ur Aufiührung gelangt, welche bei unserem Sonntags­publikum so sehr beliebt sind.Der Postillon vom

Ausland.

Rom, 24. Januar. Selloux beabsichtigt, behufs Re­organisation der Artillerie, durch Verkauf aus Fortifikationsgründen aufgelasiener Festungen und von außer Gebrauch gesetzten Gewehren alten Systems die hierzu nötigen Mittel zu beschaffen. , _

* Paris, 24. Januar. Im Assumptlonisten-Prozeß wurde heute abend das Urteil gefällt. Sämtliche 12 Angeklagte wurden wegen ungesetzlicher Vereinigung zu je 16 Franks Geldbuße bestraft. Außerdem lautet das Urteil auf Auflösung des Ordens. .

Madrid, 24. Januar. Die Begnadigung der ver­urteilten Anarchisten von Montjuich sollte heute erfolgen. r

Konstantinopel, 24. Januar. Hier fofl em neuefi Garde-Kavallerie-Regiment in der Starke von etwa 500 Mann errichtet werden. Sättel und Zaumzeug beab­sichtigt man in Berlin zu bestellen.

Athen, 24. Januar. Wie verlautet, willigte die deutsche Regierung darin ein, daß ein deutscher Offizier ^ Lei­tung des großen Generalstabes der griechischen Armee übernimmt.

9^Abg.^r h iele (Soz.) hält seine Behauptung unter Namensnennung ausrecht. . ,

Abg. Dasbach (Zentr.) bezeichnet ein Reichsberg- qesetz als unumgänglich notwendig. In demselben mußten strenge Strafbestimmungen enthalten sein, denn durch ge­linde Strafen lasse sich die Prositwut nicht zur Innehal­tung der gesetzlichen Vorschriften bewegen.

Die Debatte wird geschloffen. - Nach den Schluß­worten des Abg. Sachfe (Soz.), der unter anderem von dem Leibesumfang des Abg. Oertel spricht, bemerkt

Präsident Gras Ballestrem, der Vorredner habe von der körperlichen Beschaffenheit eines Abgeordneten gesprochen. Er bitte, daß die anderen Herren nicht dem Beispiele des Abg. Sachse folgen. Denn wohin solle das führen! (Beifall.»

Die Anträge werden alsdann mit dem Zusatze Letocha angenommen. Morgen 1 Uhr: Beratung der lex Heinze. Schluß 5 Uhr.

schicken, wo man die Oeffentlichkeit weniger fürchtet als in | Spearmans Camp. Und das hat noch etwas ganz beson­deres für sich. In England und namentlich außer Eng land mißtraut man schon längst den Nachrichten I aus englischer Quelle, während man zu der Wahrheitsliebe der Buren mehr Vertrauen hat Meldungen aus dem Burenlager werden also überall für l bare Münze genommen, was den großen Vorteil hat, daß man sie zu Gunsten Englands umredigieren kann. Die burische Flagge deckt dann auch dieses Schmuggelgut ebenso wie die Zusätze des amtlichen Zensors. Diese Nachrichten sind mithin, namentlich wenn es sich um burische Verlust- I riffern handelt, erst recht mit Vorsicht aufzunehmen.

Unsere telegraphische Nachricht von vorgestern über die eklatante Niederlage Bullers begegnete hier lebhaftem Zweifel, namentlich abends nach Eingang> derFrankfurter I Zeitung" was nämlich nicht in derFrankfurter steht, I glaubt ein richtiger Gießener überhaupt nicht-- die fern Wort von dem Siege der Buren enthielt. Auf unsere telegraphische Anfrage am gestrigen Morgen bei unseren Bureaus in Frankfurt und Berlin wurde uns die Richtig­keit der Meldung bestätigt, mit dem Hinzufügen, daß alle süddeutschen Blätter die Nachricht ebenfalls bereits enthielten. Desgleichen lesen wir in einem Leipziger Blatte von gestern abend: . o

London, 23. Januar. General Joubert wies den erneuten Versuch der Generale Warren und Hart, seinen rechten Flügel zu umgehen und den Spionkop wegzunehmen, zurück, und wars beide südwestlich zurück, sie vom Zentrum abschneidend, nachdem er Clery erlaubt hatte, etwas vor; idringen. Bullers einzelne Korps find dadurch ge- trennt und sein ganzer Operationsplan ist vereitelt. Bullers Augriffskraft scheint erschöpft.

Das ist fast wörtlich unsere Meldung von gestern. Jetzt kommt nun auch das auf demselben Standpunkt wie dieFranks. Zig." stehendeBerl. Tagebl." mit folgendem Telegramm:

Brüssel, 24. Januar.Nachts eingetroffene Depeschen aus Pretoria bestätigen die Nachricht von dem endgiltigen Scheitern des Vormarsches des Gene- rals Warren gegen Ladysmith. Die Buren schreiben sich den vollständigen Sieg zu. Die Armee Warrens erlitt derartige Verluste, daß fie bis aus weiteres kampfunfähig ist."

London, 24. Januar. DemStandard" Mrd aus Ladysmith vom 22. Januar gemeldet, die Einschließ­ung sei d ichter als je. Das Bombardement dauere I fort. Wie aus Prätoria gemeldet wird, versuchte die Besatzung von Ladysmith während der Kämpfe am Samstag I eine Demonstration, die aber durch /die Wachsamkeit der

verdoppeln würde, nicht besiegen.

London, 25. Januar. Um 11 Uhr erklärte das Kriegs­amt, daß bis jetzt keine Depesche von Buller ein- g elauf en sei. Inzwischen hielten sich gestern seit mittag mehrere Minister in Erwartung neuer Nach­richten fast ununterbrochen im ^^räude des Kriegsamtes auf. Die militärischen Klubs waren mit Wartenden dicht an gefüllt. Die Abendblätter erklären den gestrigen Tag für den sorgenvollsten seit Beginn des Krieges.

Loudon, 25. Januar. Unterm 24. wird auS Kap­stadt gemeldet: Man erwartet hier mit größter Unruhe die Nachrichten über das Vordringen Bullers am Spionkop. Mehrere einflußreiche Mitglieder des Afrikander-Bundes organisieren eine Bewegung, welche be­zweckt, beim ersten Eintreffen über einen Waffen- Erfvlg der Engländer eine allgemeine Inter­vention zur Herbeiführung des Friedens zu bewerkstelligen.

London, 25. Januar. DieTimes" berichtet vom Modder River, daß einige Ueberläufer, welche im englischen Laaer eingetroffen seien, berichteten, daß der Gesund­heitszustand imBurenlager bei Magersfontein viel zu wünschen übrig ließ. (?) Es herrsche da­selbst der Typhus und andere Krankheiten. Gemüse fehle vollständig, (?) nur Fleisch sei vor­handen. Der Gesundheitszustand im englischen Lager sei befriedigend. (Natürlich!) (Einen großen Teil der englischen Depeschen lassen wir unberücksichtigt, da der Inhalt so nichtssagend und geradezu lächerlich ist, I daß wir es für nicht angebracht halten, unseren Raum mit derartigen durchsichtigen Renommier- oder Beschwichtig- unasnachrichten, die nicht den mindesten thatsächlichen Hinter­grund haben, zu füllen. Wir können unseren Lesern auf die Dauer die Lektüre von derartigem Material auch nicht zumuten. Die Redaktion^___

Deutsches Reich.

Berlin, 24. Januar. Der Kaiser hörte heute morgen die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts v. LucanuS und deS Ministers des Innern Freiherrn v. Rheinbaben, um 11 Uhr wohnte der Kaiser einer Probe im Schauspielhause bei. Abends gedachte der Kaiser den Vortrag des MajorS Dickhut vom Großen Generalstabe über die Schlacht bet Roßbach in der militärischen Gesellschaft zu hören.

DieWahlprüfungs-Kommission deS Reichs­tages hat die Wahl des Abgeordneten Grafen Dön- Hosf-Friedrichstein beanstandet.

Wie diePost" erfährt, ist dem in der Delagoabat aufgebrachten deutschen SegelschiffHans Wagner" von den britischen Behörden in Port Elisabeth aufgegeben worden, die von^ihnen als Kriegskontrebande bezeich­neten Güter zu löschen. Das Schiff ist darauf weiter* $ s £_ Gegen den verantwortlichen Redakteur des Simplicisfimus" ist wegen einer in Nr. 43 des ge­nannten Blattes gebrachten IllustrationIm Himmel" das gerichtliche Verfahren auf Grund desgroben Unfug"- Paragraphen eingeleitet worden. ,,..

Berlin, 24. Januar. DenBerl. Reuest. Nachr.

| wird bestätigt, daß eine Reform der Eifenbahnper- sonentarise beabsichtigt sei. Es finden gegenwärtig Erwägungen in dieser Angelegenheit statt. Näheres darüber ist noch nicht bekannt.

Berlin, 24. Januar. Wie aus -Straßburg berichtet wird, trat Domkapitular vr. Jrder ln Beglei ung des Dom­herrn Adloff die Reise nach Rom an, um als Delegierter I des Straßburger Domkapitels für die Beibehaltung des Priesterseminars und gegen die Errichtung einer I katholisch-theologischen Fakultät an der Uni* I versität beim Papst zu wirken.__________

Leute *) . I

Loudon, 24. Januar. Aus dem Burenlager bei Ladysmith wird über Lorenzo Marquez berichtet, daß I die Engländer mit mehr als 30000 Mann und 40 Kanonen I einen verzweifelten Versuch machten, die Anhohen am I Tuqelaflusse zu nehmen; die englische Artillerie habe I dabei das ärgste Feuer entwickelt, welches man int gegenwärtigen Kriege gesehen habe. Dreimal hatten die I englischen Regimenter die Anhohen gestürmt, I wobei sie stets durch neue Truppen verstärkt wurden; I jedesmal aber sei der Angriff durch die Buren I unter Botha, General Burgher und Lukas Meyer zurückgeschlagen worden. Als der zehn­stündige Kampf aufhörte, waren die englischen Am­bulanzen sehr beschäftigt.

* *

Telegramme desGieheuer Anzeiger".

Berlin, 25. Januar. DasBerl. Tagebl." meldet aus Brüssel: In den Kreisen der Transvaal. Gesandt- schäft wird die Kriegslage dahin zusammengefaßt, daß der Umgeh ungsplan Warrens endgiltig gescheitert ist. Warren muß jetzt einen verzweifelten Front- augriff gegen die sestePosition derBuren wagen, weil sonst das ganze Armeekorps Bullers mit dem Tugela im Rücken in eine äußerst gefährliche Situation gerät. Man zweifelt hier, daß das Korps etne derartige Aufgabe wird erfüllen können. Alle Nachrichten über eine bevorstehende Friedeusvermittelung seien leere Kom­binationen.

Paris, 25. Januar, vr. Leyds erklärte einem Korre­spondenten der New Yorker World, daß die Buren jeder Zeit bereit seien, einen annehmbaren Frieden zu schließen, (»gl. oben) obgleich sie über das Endresultat des Krieges zu gunsteu Transvaals nicht den ge-

gegcnbringt. Es hat vielleicht Rocht, °bzuw°rten daß wir

D-ÄÄWEW« Wühlen des deutschen Kaisers das deutsche Reich gebraclch, lirrb iur Zeit, wo England zur Einsicht erwacht i|t, MB es unvermeidlich ist, und gleichzeitig Eng- lands beste HoffnungGermamam esse delendam .

«m 23. Auausi folgte d^m Besuche des deutschen Kaiser­paares am rutst'chen Hose der Besuch des Präsidenten der fran­zösischen Republik.

Deutscher Reichstag.

184. Sitzung vom 24. Januar. 1 Uhr.

Bei überaus schwach besetztem Hause wird iu der Etals- I beratung sortgefahren, und zwar beim Etat für das Reichs­schatzamt. . c M I

Abg. Lucke (wildkons.) will daraus aufmerksam machen, wie sehr im Ausschank der Branntwein verfälscht werde. Redner bemängelt ferner das Maischraumsteuer- I gesetz, und empfiehlt daran anschließend eine Reform der I Branntwein - Steuer - Gesetzgebung Daß das Gros der deutschen Landwirte kein Interesse am Getreidebau bezw. I Getreidezöllen habe, wie jüngst einmal wieder behauptet I worden fei, sei ein Märchen. Entgegen der Angabe des I Abg. Steinhauer behaupte er, daß es dem Bauern im all- I gemeinen schlecht gehe. , . I

Staatssekretär v. Thielmann entgegnet dem Vor­redner, daß bezüglich einer etwaigen Verfälschung des Branntweins das Reichsschatzamt nicht zulässig sei. Von Schwierigkeiten, die den Brennern durch Handhabung der Maischraumsteuerkontrolle bereitet würden, sei ihm, dem Redner, nichts bekannt. Er werde diesbezüglich aber Um­frage anstellen. r . . . . .

Der Etat des Reichsschatzamts, sowie derjenige der Reichsschuld umd des Rechnungshofes werden genehmigt. Sodann wird die Beratung der Anträge Agster und Lenz­mann auf baldigsten Erlaß eines Reichsberggesetzes fort­gesetzt. Es liegt dazu ein Zusatzantrag Letocha (Zentr.) vor, auf baldigen Erlaß einer Verordnung zum Schutze von Gesundheit und Leben der Arbeiter in Zinkhütten.

Abg. Thiele- Halle (Soz.) führt aus, die Gesund- heitsfchädlichkeit im Bergbau sei größer, als in jedem anderen Gewerbe. Abhilfe könne nur geschehen durch sorg­fältigere Kontrolle. Im Oberbergamtsbezirk Halle seien allerdings die Löhne etwas gestiegen, aber nur m Ver­bindung mit einer entsprechenden Erhöhung der Leistungen. In den Gruben der Mansselder Gewerkschaft mußten Kinder Kilometer weit schwer beladene Hunde in einem ganz niedrigen Gange ziehen, noch dazu mit dem rechten Bein au den Hund gekettet. Redner hält für wünschenswert die Abschaffung des Akkordsystems zu Gunsten des Gedinge- snstems, pro Tag 4 Mark. i ...

Abg. Franken (nl.) wendet sich gegen die neulichen Ausführungen des Abg. Sachse, namentlich gegen dessen Angaben über die aroße Rentabilität des Bnybau^.

Abg. Hilbek (nl.) giebt zu, daß die Arbeitsverhalt­nisse im Mansselder Bergbau sehr ungünstige eien Aber es dürfe nicht übersehen werden, daß der Mansselder Berg­bau mit sehr vielen Schwierigkeiten zu kämpfen habe, und daß er den Betrieb würde einstellen müffen, wenn diese Schwierigkeiten für ihn noch erhöht würden. Keinesfalls gehe es an,' im gesamten Bergbau den Akkord zu beseitigen. In seinen weiteren Ausführungen wendet sich Redner gegen den Abg. Sachse.

Abg. Arendt (Rp.) legt lebhafte Verwahrung gegen eine Angabe des Abg. Thiele ein, daß jede Kameradschaft monatlich 20 Mark Bestechungsgeld an den Steiger ab-

Vorposten vereitelt wurde.

Das von General Buller in früher Morgen­stunde hier veröffentlichte Telegramm wirkt depri­mierend. DieTimes" erklärt, es könne die schwere Spannung nur erhöhen. Klar sei, daß General Warren in den letzten 2 Tagen nicht avanciert sei; man müsse das Resultat des Angriffs, auf den Spwn Kop mit Mut und Kaltblütigkeit erwarten. So lange diese Stellung nicht genommen sei, und deren Verteidiger nicht zersprengt und aufgerieben, könne der Entsatz von Ladysmith nicht als gesichert betrachtet werden.

Wie ein von der Delagoabai in Kapstadt ange­langter Reisender erzählt, wüßten die Buren nicht, was sie mit öci ausländischen militärischen Ratgebern anfangen sollten. Dieselben beanspruchten große Rücksicht­nahme, ihr Rat basiere aber auf ganz verschie- denen taktischen Anschauungen. Wie hierzu dem Berl. Tagbl." aus London telegraphiert wird, soll Die Regierung Transvaals in der That Dr. Leyds ersuch haben, keine sogenannten militärischen Rat­geber nach Transvaal zu schicken, sondern nur Leute, die schießen, in den Bergwerken arbeiten oder Explosivstoffe fertigen könnten. (Praktische