Ausgabe 
26.1.1900 Drittes Blatt
 
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kar Blaschke und Paul Schlote. Beide haben die That eingestanden.

* Heidelberg, 24. Jan. Wegen Herausforderung zum Zweikampf wurde von der Strafkammer ein Student zu zwei Monaten und dessen Kartellträger zu einem Monat Festungshaft verurteilt. Anlaß zu der Herausforderung war eine Schöffengerichtssitzung im Juli vorigen Jahres, in der der Amts an walt das Benehmen des wegen nächtlicher Ausschreitungen angeklagten Stu­denten als unverschämt bezeichnete. Infolge dieser Aeußerung ließ der Student dem Amtsanwalt eine schwere Säbelforderung überbringen. Das Offiziersehrengericht, dem der Geforderte die Angelegenheit vorlegte, verbot aber den Zweikampf.

# Karlsruhe, 24. Januar. Die Frau des kürzlich verunglückten und gestorbenen Kammersängers Plank starb nach längerem Leiden. Acht Kinder betrauern die Eltern.

* Würzburg, 23. Januar. Dem Gemeindekassierer Schamberger in Sechsthal wurden 2300 Mark an Gemeindegeldern und das Kassabuch gestohlen. Bom Thäter findet sich keine Spur.

* Stuttgart, 24. Januar. General v. Knörzer ist 80 Jahre alt gestorben.

* München, 23. Januar.Als wir jün gst in Regensburg waren". Eine unbeabsichtigte Reise hat ein hiesiger Bürger machen müssen, der einen Verwandten zur Bahn brachte. Der Münchener nahm auf dem Bahnhof eine Bahnsteigkarte, um das Reisegepäck des Verwandten in dem Nord-Süd-Expreßzug unterbringen zu können. Im Eisenbahnwagen überhörte er plötzlich das Abfahrtssignal und sah plötzlich, daß der Zug aus der Halle herausfuhr. Er mußte also als unfreiwilliger Passagier die Reise bis Regensburg mitmachen. Hier durfte er, nachdem er die nötige Aufklärung gegeben, die Sperre passieren. Da er jedoch erst anderen Tages die Rückreise mit dem Schnell­zuge antreten konnte, so blieb ihm nichts weiter übrig, als in Regensburg ein Hotel aufzusuchen. Tie Kosten für Hotel und Rückfahrt hatte er bereits verschmerzt, als er ein Schreiben des Oberbahnamts Regensburg erhielt. Da­rin wurde unter dem Hinweise, daß er ohne Fahrkarte den Wagen nicht hätte betreten dürfen, ein Betrag von 16 Mark für eine Fahrkarte erster Klasse nebst Expreß­zuschlag, sowie eine Mark laut Artikel 21 der Verkehrs- ordnung von ihm gefordert. Schweren Herzens entrichtete er auch diese Summe. Am meisten aber ärgert es ihn, der als' gewaltiger Sänger einem Verein angehört, daß ihn jetzt seine Sangesbrüder, sobald er das Vereinslokal betritt, mit dem schönen Liede begrüßen:Als wir jüngst in Regensburg waren".

* München, 24. Januar. Zentrumsabgeordneter Gschweüder (Wahlkreis Kaufbeuren) ist an Lungenent­zündung g e st o r b e n.

* Straßburg, 24. Januar. Der Luxhof, eines der ältesten hiesigen Patrizierhäuser und bekanntes bayri­sches Bierlokal, ist heute morgen 4 Uhr fast vollständig ab­gebrannt.

* Wie«, 24. Januar. Der bekannte Komiker Karl Adolf ist nach langem Siechtum in größter Armut ge­storben. Er war 69 Jahre alt.

* Rom, 24. Januar. In ganz Italien grassiert leichte Influenza, besonders in Turin. In Livorno und Flo­renz sind die Elementarschulen geschlossen. In Rom ist die Krankheit stark, aber in milder Form verbreitet.

Paris, 24. Januar. Ein zerfetztes Ver­möge n. Tas Opfer einer ungemein boshaften Rache ist die berühmte, auch in der deutschen Hauptstadt bekannte und beliebte Schauspielerin Mme. Rejane geworden. Als die Künstlerin vor wenigen Tagen von ihrem Gastspiele in Monte Carlo nach der Seinestadt zurückkehrte, wartete ihrer beini Auspacken der Garderobe eine höchst unange­nehme Ueberraschung. Kaum hatte eine Dienerin den Koffer mit den Kostümen derMadame de Lavalette" ge­öffnet, als sie in einen Schreckensruf ausbrach, der die im Nebenzimmer weilende Herrin herbeieilen ließ. Starr vor Entsetzen hielt ihr die Zofe eine Toilette entgegen, die von oben bis unten wie mit einem Rasiermesser total zer­schlitzt war. Die einzelnen Schnitte hielten unzählige Steck­nadeln zusammen, sodaß es den Eindruck machte, als hätte man dadurch zu verhüten gesucht, daß das hinterlistige Verbrechen gar zu schnell entdeckt würde. In derselben schändlichen Weise, wie diese eine Robe, war der gesamte Inhalt des Koffers zugerichtet worden. Das bedeutete einen Verlust von mindestens 15 000 Francs. Die Rejane geriet außer sich vor Zorn, und öffnete mit eigenen zittern­den Händen den zweiten Koffer, der die noch prächtigeren Gewänder derMme. Sans Genc" enthielt. Mit einem Schrei prallte die Künstlerin zurück. Auch diese Toiletten, die einen 'Mert,vow,mehr gls(20 000 Francs repräsentierten, waren in schmale Streifen zerschnitten und mit Stecknadeln zusammengesteckt. Die unvergleichliche Darstellerin der Madame Sans Gene brach in heiße Thräncn aus, als sie ihre eleganten, entzückenden Kostüme in wertlosen Fetzen auf dem Fußboden liegen sah. Sie behauptet, und gewiß nicht mit Unrecht, daß nur eine Frau oiese Nichtswürdig­keit begangen haben kann. Daß ein weibliches Mitglied ihrer Truppe die Schuldige sein könnte, hält Mme. Rejane für vollkommen ausgeschlossen. Die Künstlerin hat sofort die Polizei mit der Unterjud)ung der rätselhaften Ange­legenheit beauftragt. (Sollte dies nicht auch ein Reklame­stückchen sein, wie die so ost gestohlenen Brillanten der verrückten Sarah?),

Wie man vor hundert Jahren sich verlobte, zeigt die Anzeige eines Privatsekrelärs Kleinert in Groß- Schönebeck. Er meldete am 5. Januar 1800 seine Ver­lobungmit der Demoiselle Frcischeidten, Tochter des ver­storbenen StadtchirurguS zu Templin allen seinen und ihren Verwandten gehorsamst". Dieser Anzeige fügte er aber noch hinzu:Die genaueste Sympathie unserer Liebe, der reinste Einklang unserer Gesinnung und die uns beiwohnende Genügsamkeit und Zufriedenheit mit jeder Lage unseres Schicksals, sowie Anhänglichkeit an die Grundsätze der Tugend wird unser künftig Eheglück auf immer sichern, daher wir

jede Bezeugung von Glückwünschen verbitten! Der Wackere war seiner Sache jedenfalls sicherer, als manches Liebespaar heutiger Zeit.

Universität und Hochschule.

Ernannt r Der Landesgeologe und außerordentliche Professor Dr. Chelius von der Technischen Hochschule in Darmstadt zum Vor­steher des Salinen- und Bergamts, sowie der Bade Direktion Bad- Nauheim unter Verleihung des TitelsBergrat". Der bisherige Vor­steher, Geh. Bergrat vtlo Weiß tritt nach mehr als 50jähriger Wirksamkeit in den Ruhestand. Professor Max v. Pettenkofer ander Münchener Universität zum stimmberechtigten Ritter des OrdensPour le Merite für Wissenschaften und Künste.

Verschiedene* r Aus Straßburg schreibt man: In dem reichs­ländischen Landeshaushaltsetat für das nächste Rechnungsjahr ist nun­mehr endlich einmal eine erste Rate für den Neubau eines pharma» zeutischen Instituts der Universität in der Höhe von 18U,0ü0 Mk. eingesetzt; die Gesamtkosten des Neubaus sind auf 340,000 Mk. veran­schlagt. Wie dieBossische Zeitung" mitteilt, feierte am 22. Januar der Professor der Theologie Geh. Rat Karl Siegfried ,n Jena seinen 70. Geburtstag. In Sachen der Promotionsordnung der TechnischenHochschule wird aus Berlin berichtet, daß das Promotions­system nach preußischem Vorgang bereits Baden und Hessen angenommen haben, daß Sachsen, Württemberg und Braunschweig zu folgen beab­sichtigen, daß aber Bayern vorläufig noch mit dem Anschluß zu zögern scheint. Zwischen den Vertretern der fünf erstgenannten Staaten und Preußens haben in Berlin bereits Beratungen stattgesunden, um die Bedingungen für die Ausübung des Promotionsrechts in diesen Staaten thunlichst einheittich zu gestalten. Die Verhandlungen haben in allen Hauptfragen eine vollständig- Uebereinfiimmung erzielt.

Kunst und Misseusthast.

Der BaziüuS der Pferde-Juflnenza ist, wie dieAllg. Miss. Ser." au» London erfahren, von dem Bakteriologen der Schule für Tropenkcankheiten in Liverpool emd-ckt worden.

Petersburg, 23. Januar. Graf Leo Tolstoi ist von seiner Krankheit vollständig genesen und hat seine litterarische Thätigkeit wieder ausgenommen.

Wetterbericht. Während die gestrige tiefe De­pression im Abziehen begriffen ist, hat sich im Westen des Erdteils bereits ein neues Gebiet niederen Druckes einge­stellt, das sich in der Richtung von Nord nach Süd keil­förmig über die britischen Inseln und über den Kanal bis zum französischen Küstengebiet erstreckt. DaS barometrische Maximum bedeckt den Südwesten des Erdteils. Das Wetter war am Morgen meistenorts trüb und regnerisch. Unter Tags trat int Alpenvorlande Aufklärung ein. Die Tempe­raturen liegen für die Jahreszeit in ganz Europa hoch.

Voraussichtliche Witterung. Im allgemeinen unbe­ständiges, aber ziemlich mildes Wetter mit zeitweisen Niederschlägen.

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