Ausgabe 
25.10.1900 Erstes Blatt
 
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wiese^ daß die Burengenerale Joubert, Lukas Meyer und Speemann Verräter waren. Joubert, der einige Häuser in Ladysmith besessen, habe, um sein Eigentum vom Bombardement zu schützen, freiwillig die Belagerung ausgegeben. Meyer wurde von De Wet erschossen

DieTimes" berichtet au- Brüssel, die belgische Regierung habe Dr. Leyds mitgeteilt, daß sie einen längeren Aufenthalt des Präsidenten Krüger in Belgien nicht gerne sehen würde, da dessen Anwesenheit zu englisch­feindlichen Kundgebungen Anlaß geben würde, die die belgische Regierung nicht dulden könne.

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Telegramm des Gießener Anzeigers.

Paris, 24.Oktober. Präsident Krüger soll sich nach Ajaccio begeben, wo eine Villa für ihn gemietet sein soll. Diese Nachricht bedarf jedoch noch der Bestätigung.

Deutsches Reich.

Berlin, 23. Oktober. Aust Homburg wird ge­meldet: Heute vormittag unternahm das Kaiserpaar einen Spazierrit. Zur Frühstückstafel sind geladen der Großherzog und die Großherzogin von Hessen, Großfürst Cyrrll und Großfürstin Helene von Rußland, sowie die Prinzessin Marie von Meiningen. Um 3 einhalb Uhr be- gaben sich der Kaiser, die Kaiserin und die vier Prinzen nach Schloß FriedrichDhof zur Verabschiedung von der Kaiserin Friedrich

TerReichsanzeiger" meldet: Der Kaiser und die Kaiserin verlassen abends 11 Uhr Homburg und machen morgen den für den 13. d. M. beabsichtigt ge­wesenen Besuch in Barmen, Elberfeld und Vohwinkel. Sie treffen nachmittags 2 Uhr 20 Minuten in der Villa Hügel ein. Von dort erfolgt die Abreise am 25. d. M., abends 10 Uhr über Soest, Hildesheim und Braunschweig nach Berlin, wo die Ankunft auf dem Potsdamer Bahn­hofe am 26. d. M., früh 8 Uhr 50 Min. erfolgt.

, . Im Befinden der Kaiserin Friedrich hält die Besserung, wie aus Cronberg gemeldet wird, dauernd an. Die Kräfte nehmen stetig zu, sodaß die Kaiserin gestern abend wiederum einige Zeit außer Bett zubriugen konnte. . '

. . Staatsministerium trat, wie angekün- dlgt, heute nachmittag 3 einhalb Uhr in seinem Tienst- gebaude zu einer Sitzung, der ersten unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Grafen Bülow, zusammen.

r. "Pvst" wird aus Wien telegraphiert, daß der österreichische Ministerpräsident v. Körber heute persön- lich beim deutschen Botschafter erschien, um seine Gluck- ernennun9 des Grafen Bülow zum Reichskanzler auszusprechen.

- Wie dieRat. Ztg." erfährt, hängt die Verleihung des Kronenordens 2. Kl. an Ernst v. Wildenbruch damit zusammen, daß der Dichter aus seiner amtlichen -Lhatigreit im Auswärtigen Amte aus Gesundheitsrück- sichten ausgeschieden ist. Reichskanzler Graf B ü l o w hat Veranlassung genommen, ihm schriftlich seine wärmste Anerkennung als einer bisherigenZierde des Auswärtigen Amtes" auszusprechen.

DieD. Tageszeitung" hatte die Frage aufge­worfen, wie es sich zusammenreime, daß trotz des Ver­bots der Einfuhr ausländischer Wurst und aus­ländischen Büchsenfleisches die Marinever­waltung beabsichtige, weitere anderthalb Jahre sich mit diesen ausländischen Waren zu verproviantieren und in Aussicht stelle, daß die Schiffe sich nach wie vor im Hamburger Freihasengebiet damit versorgen sollen? Dazu bemerkt dieRordd. Allg. Ztg.": Sofort nach dem Erlaß des Gesetzes sei angeordnet worden, daß die be­züglichen Lieferungsverträge gekündigt wurden und Neu­beschaffungen ausländischen Büchsenfleisches nicht mehr er­folgen durften. Die Versorgung der Schiffe mit Büchsen- flersch im Hamburger Freihafengebiet sei ausgeschlossen, weil es Vorschrift sei, daß die Schiffe in den heimischen Gewafsern ihre Ausrüstung und den Dauerproviant von den Marmeverpflegungsämtern zu entnehmen haben.

Dresden, 23. Oktober. Der König und die Königin trafen mittags in Villa Strehlen ein. Der Kräftezustand des Königs macht gute Fortschritte, die Ruhe der ver­gangenen Nacht war ungestört. Der Stadtrat lehnte die Umsatzsteuer ab; er will das Vorgehen der Re­gierung abwarten.

München, 23. Oktober. Nach einer authentischen Information derFr. Bayerischen Schulztg." beginnt im Februar eine Landtagssession behufs Ehrung des Prinzregenten aus Anlaß seines 81. Geburts­tages und Aufbesserung der Gehälter der Lehrer und Geistlichen.

Ausland.

Chr istiania, 23. Oktober. Für die Aufhebung des gemeinsamen Konsulatswesens kämpfen in Norwegen beide Gruppen der Linken und sogar unter den Konservativen giebt es manche Leute, die gegen eine Trennung, wenn nur im Uebrigen die Union bestehen emzuwenden haben, aber wenigstens eine ,^c erst uach der Verständigung mit Schweden herbei­fuhren wollen.

London, 23. Oktober. L o r d S a l i s b u r y ist nach Balmoral zur Königin gefahren Seine Reise soll mit der Neubesetzung der Stelle Gosche ns im Kabinett und den sonstigen eventuellen Kabinettsveränderunqen zusamnienhangen. a

London, 23. Oktober. Eine aus Glasgow einae- troffene Depesche meldet: Angesichts der Teilnahme Rußlandsan der 1901 stattfindenden internatio­nalen Ausstellung in Glasgow telegraphierte der russische Finanzminister Witte an den Oberbürgermeister von Glasgow: Ich benutze die Gelegenheit, um die leb­haftesten Gefühle aufrichtiger Sympathie und Hochachtung für Ihre große Nation auszusprechen. Ich freue mich daß meine Bemühungen, die Handelsbeziehungen zwischen Rußland und Großbritannien zu entwickeln, von den Briten gewürdigt werden, und hoffe, daß die Teilnahme Rußlands an der Glasgower Ausstellung ein neuer Schritt zur Herstellung und Befestigung der freundschaftlichen

Beziehungen, welche so wichtig für beide Länder sind, sein werde.

Paris, 23. Oktober.La France militaire" meldet, daß der Kriegsminister den Gesetzentwurf betr. die Ge­stattung der Kriegsgerichte nunmehr feststellte. Das ^Hauptmerkmal der geplanten Reformen sei, daß die mili­tärischen Richter in Friedenszeiten durch Zivilrichter ersetzt würden.

Paris, 23. Oktober. Vor nahezu drei Jahren wurde Oberst Picquardt auf Grund des Urteils des Ehren­gerichts pensioniert; er erhob jedoch beim Staatsrat Ein­spruch gegen die Kompetenz des Pariser Disziplinar- Gerichts, weil er damals einem tunesischen Schützen- Regiment angehörte. Nach demGaulois" verhandelt der Staatsrat jetzt endlich jüber die Beschwerde Picquarts, und nach dem Gutachten des Berichterstatters stehe fest, daß das Plenum des Staatsrats in vierzehn Tagen mit großer Mehrheit das Pensions-Dekret annulliere. Picquart tritt dann wieder in die Rechte eines aktiven Offiziers ein, doch ist derGaulois" der Meinung, daß der Miegs- minister ihn sofort vor ein neues Ehrengericht verweisen müsse, das ihn wieder verurteilen werde.

M ad r i d, 23. Oktober. Es gelang Azcarraga, folgendes Kabinett zu bilden: Präsidium: Azcarraga; Justiz: Vadillo; Auswärtiges: Campos; Finanzen: Allen de Salazar; Inneres: Ugarte; Oeffentlicher Unterricht: Garcia Alix; Ackerbau: Sanchez Toca; Krieg: General Linares. Als Marineminister wurde Mozo, bisher Hafen- admiral in Cadiz, ernannt. Senatspräsident wird Teja- da de Valdosera. Die Minister leisteteten heute vor­mittag im Königsschloß unter dem gewöhnlichen Zere­moniell den Amtseid. r- Die neuen Minister be­schlossen in der gesttigen Abendsitzung, die Politik des letzten Kabinetts fortzusetzen.

Der Unterstaatssekretär des Innern, der Präfekt und der Bürgermeister von Madrid, sowie die Präsekten mehrerer Departements demissionierten. Es wird erwogen, die Garnison zu konsignieren. Bis jetzt wurde die Ordnung nicht gestört.

Innsbruck, 23. Oktober. Der Tiroler Landtag tritt vor Weihnachten zu einer kurzen Session zusammen. In Bruneck war vorgestern eine Wähler Versamm­lung. Anwesend waren die Gemeindevertretungen des Bezirks, Propst Walter von Jnnichen, die Dekane von Bruneck rc. Die Versammlung lehnte einstimmig Dipaulis Kandidatur ab und stellte mit allen gegen 3 Stimmen den klerikalen Landtagsabgeordneten und Bürgermeister von Sillian, Josef Schraffl, als Kandidaten der fünften Kurie auf. Propst Walter trat gegen das Schlagwort auf: Wer gegen Tipauli sei, der sei gegen den Bischof.

Konstantinopel, 23. Oktober. Der Sultan rich^ tete an Kaiser Wilhelm ein Telegramm, worin er seinen Wünschen für die Wiederherstellung der Kaiserin Friedrich und bei dieser Gelegenheit den Gefühlen besonderer und unwandelbarer Freundschaft für den Kaiser neuerlich Ausdruck verleiht. Der Kaiser dankte dem Sultan in herzlichen Worten für den Beweis der Sympathie.

T o k i o, 23. Oktober. Das neue Kabinett ist folgendermaßen zusammengesetzt: Präsidium: Marquis Ito, Aeußeres: Kato, Jnnerös: Suyemateu, Handel und Ackerbau: Hagaschi, Kommunikationen: Hoschi, Unterricht: Matsuda. Tie Minister für Krieg und Marine behalten ihre Portefeuilles. Ter neue Minister des Aeußern war Direktor der politischen Abteilung im auswärtigen Amt während des japanisch-chinesischen Krieges, nachher japa­nischer Gesandter in London, wo er bis zum vorigen Jahre blieb.

New-York, 23. Oktober. Gestern abend wurden in einigen Kohlengruben in der Nähe von Wilkes- bare Arbeiter, die nicht in den Ausstand getreten waren, von aus ständischen Arbeitern angegriffen, beschossen und mit Steinen beworfen. Polizei schoß auf die Ruhestörer. Etwa 100 Personen wurden verletzt. DieTribüne" meldet: In Scranton ist die Nachricht eingetroffen, der Führer der ausständischen Kohlenarbeiter, Mitchell, habe dem Anerbieten der Arbeitgeber zugestimmt. Der Streik sei somit beendet.

Washington, 23. Oktober. Präsident M c Kinley begab sich nach (Santon (Ohio) und bleibt dort bis nach der Präsidentenwahl.

Verband mitteldeutscher Handelskammern.

Am Samstag sand in H a l b e r st a d t die dritte ordentliche Tagung des Verbandes mittel­deutscher Handelskammern statt. Dem Verbände gehören zurzeit folgende vierzehn Handels- bezw. Handels­und Gewerbekammern an: Brandenburg, Braunschweig, Cassel, Dessau, Goslar, Gotha, Halberstadt, Halle a. S., Hildesheim, Magdeburg, Nordhausen, Potsdam, Hildburg- hausen und Sonneberg. Im Vordergründe der Verhand­lungen standen zwei wichtige Fragen: die Aufhebung der zinsfreien Zollkrediteund die Er Neuer­ung der Handelsverträge. Die Versammlung trat einstimmig für die Erhaltung der zinsfreien Zollkredite ein. Mit gleicher Einstimmigkeit einigte sich die Versamm­lung hinsichtlich der neuen Handelsverträge auf folgeüde Resolution der Handelskammer zu Magdeburg:

Der Verband mitteldeutscher Handelskammern erklärt sich für den Abschluß der bevorstehenden Handelsverträge nach den zur Zeit herrschenden Prinzipien:

1. Der Bindung der hauptsächlichsten Tarifpositionen auf einen Zeitraum von 10 bis 12 Jahren.

2. Die Anwendung eines Generaltarifes und der Ge­währung von Vertragstarifen an die vertragschließen­den Staaten.

3. Der Forderung und Gewährung der Meistbegünstig­ungsklausel.

Der Verband mitteldeutscher Handelskammern erklärt ferner, daß neben der Festsetzung der Tarifsätze in den Handelsverträgen namentlich folgende Punkte in den Ver­trägen soweit sie nicht durch besondere Abmachungen geregelt sind sorgsam zu behandeln und nach den Prinzipien der gegenseitigen Förderung des internatio­nalen Verkehrs zu erledigen sind:

1. Das Verfahren in Zollstreitigkeiten.

2. Das Recht auf Grunderwerb und das Recht ber Freizügigkeit im Lande der Gegenkontrahenten.

5 1 Veredlungsverkehrs.

' rechten^m s."w.b Von P^nt- und Musterschutz-

7' ber Geschäftsreisenden.

hygienisch verdächtiger War em Beanstandung f ^er Verband ernvfahl u. a. im Zollaeseü rusäü- lrch auszusprechen: Laß die Zollbehörden M ihrer Organe m gleicher Weise wie Post und Echenbahn haftbar zu machen sind. Von einer Verhandln ig über bie Hohe einzelner Zollsätze wurde grundsätzlich Absttmd genommen, da dies den einzelnen wirtschaftlichen Ver­banden und Interessengruppen zu überlassen sei. Wobl aber glaubte die Versammlung zur Wahrung der Inter­essen von Handel und Industrie gegenüber den Bestreb- ungen einzelner Berufskreise, die Eingangszölle auf Roh- Produkte übermäßig zu erhöhen, Stellung nehinen zu müssen, und sprach sich in einer R e s o l u t i o n dahin aus -

daß die Interessen von Handel, Industrie und Ver- dre letzte Berufs- und Gewerbezählung aus- werst, für die Zukunft Deutschlands ausschlaggebend geworden sind. Da die heimische Industrie nur bei ^sfenhaltung auch der fremdländischen Absatzgebiete gedeihen kann, ist zu fordern, daß die Zollsätze für Rohprodukte, dre rn Deutschland nicht oder nicht aus­reichend erzeugt werden, über die jetzt geltenden ver­tragsmäßigen Sätze nicht so erhöht werden, daß da­durch der Abschluß der künftigen Handelsverträge unmöglich gemacht wird.

Aus den sonstigen Verhandlungen sei noch die An­nahme eines Antrages der Handelskammer zu Kassel auf Erlaß eines Checkgesetzes erwähnt, das als Grund- prrnzrpren für einen geordneten Checkverkehr die Regreß- Pflrcht, die Präsentationspflicht und die Stempelfreiheit enthalten soll. Ferner fand noch auf Veranlassung der Handelskammer zu Halle a. S. die Notlage des Kleinhandels eingehendere Beratung. Großes Inter­esse erregten dabei die von der Handelskammer zu Braun­schweig unternommenen Erhebungen, deren Ausdehnung auf das Gebiet sämtlicher mitteldeutscher Handelskammern Beifall fand.

Aus Stadt und Land.

Sieben, 24. Oktober 1900.

* * Perfonalnachrichteu. Der praktische Arzt Dr. med. Fritz Kullmann in Heßloch wurde zum Anstaltsarzt an der Zellenstrafanstalt Butzbach und dem Landeszuchthause Marienschloß mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts au ernannt; in den Ruhestand wurde versetzt der Wagen- meister in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Jakob Emil Günther zu Burgham mit Wirkung vom 1. November l. IS. an.

Dekanatssyuode Gießen. Die heute hier tagende Dekanatssynode wählte mit 38 Stimmen Herrn Pfarrer Strack-Leihgestern zum Dekan und mit 22 Stimmen Herrn Pfarrer Dr. Naumann-Gießen zum Stellvertreter des Dekans.

* * Hessische Anwalts kämme r. Nach dem so­eben erschienenen Jahresbericht der hessischen Anwalts­kammer waren im letzten Vereinsjahre im Großherzogtum Hessen 140 Rechtsanwälte vorhanden, abgegangen sind durch Tod 3, durch Niederlegung der Rechtsanwaltschaft 1, neu zugelassen wurden 7, so daß nunmehr die Zahl der im Oberlandesgerichtsbezirk Darmstadt zugelassenen An­wälte 143 beträgt. Ein Zulassungsgesuch wurde nicht be­fürwortet, und die Zulassung ist verweigert worden. Wegen eines andern Gesuchs um Zulassung sind die Er­mittelungen noch nicht abgeschlossen. In der Provinz Starkenburg waren 52, in der Provinz O b e r h e s s e u; 32 (33; und in der Provinz Rheinhessen 59 (55) Rechts­anwälte zugelassen. Am 1. Oktober 1879, bei dem Ueber- gang zum neuen Verfahren, waren 114 Rechtsanwälte zugelassen. Der Vorstand besteht aus den Geh. Justizrat Metz I. (Vorsitzender), Justizrat Massot, Justizrat Schädler in Darmstadt, Geh. Justizrat Dr. Kratz, Justizrat Dr. Gu t- fleisch in Gießen, Justizrat Jockel in Friedberg, Geh. Justizrat Tr. Reinach, Justizrat Dr. Struve in Mainz; Justizrat Zuckmayer in Mainz ist infolge der Aufgabe der Rechtsanwaltschaft aus dem Vorstand ausgeschieden. Vorstandssitzungen haben 6 stattgefunden. Eine Anzahl Anwälte wurden als Verteidiger bei den Militärgerichten zugelassen Vermittelungsanträge und Beschwerden waren im verflossenen Jahre in großer Anzahl eingeengt Un­erledigt blieben 15 Beschwerden. Beschwerden gegen An­wälte von anderen als Auftraggebern lagen 76 vor. In zwei Anklagen gegen Rechtsanwälte erkannte das Ehren­gericht auf Freisprechung und in einer weiteren Anklage auf Warnung. Die ordentliche Kammerversammlung fand am 7. Oktober 1899 in Gießen statt. Sie war von 52 Mit­gliedern besucht. Aus der Hilfskasse Deutscher Rechts­anwälte wurden in zwei Fällen 600 Mark im Bezirk der Kammer ausbezahlt. Der durch Beschluß der Kammer bewilligte Betrag von 1000 Mark ist zur Hilfskasse bezahlt worden. Die ordentlichen Einnahmen betrugen 1460 Mk., die außerordentlichen 3802 Mk. 20 Pf., zusammen 5262 Mk. 20 Pfg. Tie Ausgaben betrugen 1794 Mk. 18 Pf., das Ver­mögen der Kammer beträgt 3668 Mk. 2 Pf. In Zivit- prozeßsachen wurden Rechtsanwälte zur Parteivertretung im Jahre 1899/1900 im Armenrecht bestellt Oberland­gericht Darmstadt 43, Landgericht Darmstadt 230, L and - g e r i ch t Gießen 60, Landgericht Mainz 139. Ber dem Oberlandesgericht in Darmstadt wurden in 44 Fallen die Gesuche um Gewährung des Armenrechts abgelehnt.

**M. Stadttheater. Gestern abend ging vor einem auf den besseren Plätzen erschreckend leeren, sonst leidlich gut besetzten Hause SchillersM a r i a S t u a r t" in Szene. Man kann unseren sogen.Gebildeten" die Teilnahmlosigkeit diesem Schiller sch en Drama gegenüber nicht allzu Übel nehmen. Tas Stuck, dem sein Verfasser allerdings auch tiefe Schönheiten mitgegeben hat, leidet unter einer ermüdenden Breite; es ist im Grunde nur ein letzter Akt, den der Dichter auf dem Prokrustesbette gewaltsam in fünf Akte gedehnt hat. Dazu bietet das- | Stück soviel Unwahrscheinlichkeiten in der Zeichnung der