Ausgabe 
25.8.1900 Erstes Blatt
 
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"und das Phlegma blieb übrig. Es war von der Feier nrcht viel mehr zu sehen, als was amtlich angeordnet war.

In Berlin war es in dieser Beziehung am schlimmsten. Einige große Städte wir wollen nur des Beispiels halber Leipzig, München und Bremen nennen haben! sich dadurch ausgezeichnet, daß sie es längere Zeit hindurch verstanden haben, dem Sedanfest einen größeren Schwung zu geben. Allmählich sind auch! dort die Farben verblaßt.

Es können ja für diese Erscheinungen Gründe geltend gemacht werden, die erfreulicher Art sind. Ter Besitz des Gutes nationaler Einheit ist uns mit der Zeit so vertraut geworden, daß uns die Befürchtung, es könne jemals wieder verloren gehen, fern bleibt. In einem Menschen­alter ist ein neues Geschlecht herangewachsen, das stets nur ein mächtiges und einiges Deutschland vor sich ge­sehen hat weit) den Zustand nicht aus eigener Anschauung kannte, in dem ein von einem preußischen Gerichtshof ge­sprochenes Urtell in Sachsen nicht vollstreckt werden konnte und in dem sieben grundverschiedene Münzsysteme eine Reise durch Deutschland erschwerten.

Die Frage ist schon längst erörtert worden, ob die Sedanfeier in ihrer jetzigen Gestalt noch zeitgemäß ist, und die Antwort darauf muß lauten, es sei besser keine Feier zu haben, als eine solche, die den Charakter des Er­zwungenen trägt. Wohnt das Verlangen, den Erinnje- rungstag festlich zu begehen, nicht mehr im Herzen des deutschen Volkes, so ist es ein Fehler, die Feier durch An-, ordnungen von oben her aufrecht erhalten zu wollen. Die Frage, ob die Sedanfeier noch zeitgemäß ist, ist schon längst aufgeworfen worden, ohne dabei auf die französischen Em­pfindungen besondere Rücksicht zu nehmen.

Run kommt in diesem Augenblicke allerdings ein be­sonderer Umstand hinzu. Tie französische Regierung hat eingewilligt, französische Truppen dem Oberbefehl eines deutschen Feldmarschalls zu unterstellen. Die Einwilli­gung ist allerdings in sehr unfreundlicher, mürrischer Form erfolgt; ob ihr eine große praktische Bedeutung bei- zumesfen ist, ist zu bezweifeln. Aber trotzdem müssen wir uns vergegenwärtigen, wie schwer es den Franzosen ge­worden ift, zu einem solchen Entschlüsse zu kommen. Ter ; Entschluß, auf eine offizielle Sedanfeier zu verzichten, kann uns nicht schwerer werden. Wenn wir uns auch bewußt sind, mit «unseren bisherigen Feierlichkeiten eine Unfreund­lichkeit gegen die Franzosen nicht beabsichtigt zu haben, so können wir uns doch nicht verhehlen, daß sie sie als eine Unfreundlichkeit empfunden haben.

Patriotische Begeisterung für das Deutsche Reich wird niemals erlöschen, aber diese Begeisterung ist nicht an bestimmte Formen gebunden, denn jede Form kann und muß sich mit der Zeit überleben. Im rechten Augenblicke wird diese Begeisterung den rechten Weg finden, um sich Ausdruck zu geben. Veränderte Zeiten bedürfen ver­änderter Mittet.

Sitzung der Stadtverordneten

Gießen am 23. August 1900.

Anwesend die Beigeordneten Georgi, Grüneberg und Wolff, die Stadtverordneten Brück, Emmelius, Euler, Faber, Flett, H anau, Haubach, Helfrich, Huhn, Jughardt, Keller, Loos, Orbig, Schmal! und Wallenfels.

Der Vorsitzende, Beigeordneter Wolfs, bemerkt nach Eröffnung der Sitzung, daß die Ferien der Stadtverord­netenversammlung diesmal einiger dringlicher Beratungs­gegenstände wegen unterbrochen werden mußten.

Beigeordneter Georgi bringt hierauf folgendes Schreiben des Herrn Präsidenten Gnauth zur Kenntnis der Versammlung:

An die Stadtoerordneten-Versammlung der Stadt Gießen, zu Händen des Herrn Beigeordneten, Kommerzienrat Georgi, Gießen.

Die Zuschrift, welche Sie unterm 11. ds. Mts. wir haben zu- gehen lassen, die darin enthaltene Mitteilung meiner Erwählung zum Ehrenbürger unserer lieben Stadt Gießen, wie die Begründung dieses einstimmigen Beschlusses der Stadtoerordneten-Versammlung haben mich hoch erfreut; wenn es überhauptmöglich war, daSBand zwischen der Stadt Gießen und mir, das mein dortiger Aufenthalt und eine nahezu 1bjährige Arbeit in der Stadtverwaltung geknüpft, noch enger zu schließen, so mußte dieser Beschluß es thun, der nun­mehr auch äußerlich die Unlösbarkeit der Beziehungen zwischen Gießen und mir bekundet.

noch! zum Sterben den rechten Mut. Später verliebt er sich in ein vortreffliches Mädchen, Lotte Gmelin, die Tochter eines Professors der Rechte an der Universität Tübingen. Sie begeistert ihn zu seinen wundervollenS ch i l f l i e - Lern", die zu dem schönsten gehören, was die deutsche Lyrik besitzt, er kann es aber zur Heirat nicht kommen lassen, do seine materiellen Verhältnisse es, wie er glaubt, unmöglich machen. Alsdann läßt er sich zwölf Jahre lang von einer verheirateten Frau regieren und verlobt sich zwischendurch mit der bekannten Opern - Sängerin Katharina Unger. Das Verlöbnis geht aber sehr bald auseinander und endlich findet der Zwei­undvierzigjährige ein liebenswürdiges Mädchen von sanfter Anmut und holder Weiblichkeit, Marie Behrens aus Frankfurt a. M., das er zu seiner Frau zu machen sich entschließt. Er wird trotz seiner Jahre ein überaus feuriger Liebhaber, schreibt aber gleichzeitig an seine ver­heiratete Freundin:Wenn Sie es nicht wünschen, dann verheirate ich mich nicht", und bald darauf:Meine ganze Seele gehört Ihnen auf ewig".

Fragen wir nach den tiefsten Ursachen von Lenaus wandelbarem Charakter, seinem gährenden turbulenten Temperament, dem unruhig Flackernden in seinem Wesen, der weichlichen Rückgratlosigkeit seines Handelns, nach den Ursachen feiner unsteten und zerfahrenen Lebensweise, seinem unmäßigen Weingenuß usw., so kommen wir von dem kranken Enkel und Sohn zu Großvater und Vater Beide waren unbezähmbarer Spielwut ergeben, beide er­schütterten ihre Gesundheit durch Ausschweifungen. Eine Schwester Lenaus starb früh an einem Gehirnleiden, sein Vater pn der Schwindsucht. Rach dem Tode ihres ersten Gatten heiratet die Mutter einen Arzt ohne Praxis und die Familie lebt in erbärmlichen Verhältnissen. So giebt uns des Dichters Lebensgang anschaulichen Unterricht im

Empfangen Sie mit der städtischen Vertretung meinen herzlichen Dank für die große, mir erwiesene Auszeichnung und seien Sie ver­sichert, daß ich eS für alle Zeit mir zur besonderen Ehre rechnen werde, in allen unser Gießen berührenden Fragen als Bürger dieser Stadt mit Ihnen zu fühlen und zu arbeiten.

Das Lob aber, welches beim Rückblick auf mein dortiges Wirken meiner Thütigkeit und meiner Person gezollt wird, kann ich Nicht ohne starke Einschränkung gelten laffen: was immer von meiner dortigen Thatigkeit gesagt wird, so darf doch niemals vergeßen werden, daß der Bürgermeister schon nach der Städteordnung lediglich berufen ist- die Beschlüße der Stadtoerordneten-Versammlung vorzubereiten und auszuführen.

Darum muß auch bei diesem Anlaß ich wiederum hervorheben, welch großer Anteil an der Entwickelung unseres Gießener Gemeinwesens eben der städtischen Vertretung zukommt, und wie dieses erfreuliche Er, gebnis nur zu erzielen war aus der seltenen Einmütigkeit heraus, mit welcher unsere Stadtoerordneten-Versammlung seit Jahren in den aller­meisten wichtigen Fragen ihre Entschließungen getroffen hat.

Die Fortdauer solchen Verhältniffes auch für die Folge ist mein dringendster Wunsch für unsere Stadt, wie ganz besonders für meinen Nachfolger.

Mit wiederholtem, tiefgefühltem Dank für die mir erwiesene große Auszeichnung, und mit herzlichen Grüßen an die städtische Vertretung verbleibe ich

in treuer Anhänglichkeit an unsere Stadt und deren Bürger Ihr ganz ergebener

Darmstadt, 13. August 1900. F. Gnauth.

Zu Punkt 2 der Tagesordnung: Errichtung eines städtischen Elektrizitätswerkes, teilt Beigeordneter Georgi mit, daß Verträge wegen Lieferung von Maschinen abge­schlossen, die nötigen Umbauten an der Neumühle in die Wege geleitet seien. Neber die Arbeiten der mit dem Pro­jekt betrauten Kommission wird eingehend Bericht erstattet. Der Eigenart des Umbaues wegen konnte ein Voranschlag über die Gesamtkosten nicht vorgelegt werden; es wurde beschlossen, die Arbeiten aus der Hand, bezw. in beschränkter Sub­mission zu vergeben. Um betr. der Führung der Kabel durch die Stadt das nötige vorbereiten zu können, hat man in der Kommission es für zweckmäßig gehalten, vorerst Er­hebungen über die Anzahl der Privatanschlüsse anzustellen, zu welchem Zwecke eine Bekanntmachung erlassen werden soll, in welcher unter Hinweis auf die Bedingungen über die Abgabe von Energie zur Anmeldung von Privatanschlüssen eingeladen wird.

In der Generaldiskussion über die Bedingungen ver­anlaßt Herr Hanau eine Debatte über den Strompreis; er beantragt schließlich Herabsetzung des Preises für Be­leuchtung auf 60 Pfg. pro Kilowattstunde, für Motoren, Heizung und elektro-chemische Zwecke auf 20 Pfg. Der Antrag wird abgelehnt, und der auf 65 bezw. 25 Pfg. lautende, im Entwürfe niedergelegte Antrag der Kommission zum Beschluß erhoben. Die daraus ebenfalls genehmigten Bedingungen lauten:

Sttomliefenmg.

§ 1. Das städtische Elektrizitätswerk liefert elektrische Energie zur Beleuchtung und Arbeitsleistung, sowie zu sonstigen gewerblichen Zwecken in Gemäßheit nachstehender Bestimmungen.

Die Lieferung erfolgt Tag und Nacht ohne Unter­brechung in ausreichender Menge, soweit das vorhandene Leitungsnetz und die Betriebsmittel es zulassen. Von der Verpflichtung zur regelmäßigen Lieferung von Energie ist das städtische Elektrizitätswerk ohne Entschädigungs- berechtigung infolange und insoweit entbunden, als durch Betriebsunfälle, höhere Gewalt und andere unabwendbare Ursachen oder infolge von Kriegsereignisfen, Streik oder behördliche Anordnungen oder wegen Ausführungen von Messungen, neuen Anschlüssen usw. der Betrieb des Werkes gestört ober unterbrochen ist.

Anmeldung zum Strombezug.

§ 2. Anträge zum Bezug elektrischer Energie sind an das städtische Elektrizitätswerk, Neumühle, oder an die Bürgermeisterei zu richten unter Benutzung der daselbst kostenlos erhältlichen Formulare und Bedingungen. Ist der Antragsteller nicht selbst Eigentümer des Hauses, für welches

Darwinismus, so lehrt er von der Heimsuchung der Väter­sünden. Die wunderlichen und zerrütteten Verhältnisse im Elternhaufe waren es, die Lenau zu einem tief unglück­lichen Menschen machten, darum die Schwermut in seinem Blick, darum der müde Zug im durchgeistigten Gesicht. Darum enthalten seine Briefe so viele große Reden über weitgehende Pläne, und doch ist er so willenlos, so ganz ohne Thatkraft und Selbstzucht, daß ihn selbst der Tod seiner über alles geliebten Mutter nicht aufrüttelt.

Wir sehen also erbliche Belastung, körperliche Ent­artung, verwahrloste Erziehung tragen Schuld an dem zwiespältigen Charakter Lenaus.

Von seiner Umgebung unverstanden, sowohl seinem Temperament und Willen nach, wie in seinem späteren geistigen Schaffen, gewinnt er zu Hause nie die notwendige Ruhe, und zeitlebens wird er von übler Unruhe geplagt. Er hat von Kindheit auf ein weiches, Anschluß suchendes Gemüt und viel Güte, kann aber selbst bei kleinen Anlässen in einen unbegreiflichen Berserkerzorn geraten. In seiner Brust hängen' durcheinander ungeordnet anerzogene Ge­fühle und selbsterworbene Ansichten. Das wirft ihn in ibjie wechselndsten Stimmungen. Bald ist er weich, bald hart, bald nachgiebig, bald unduldsam. Zwei Tod­feinde trägt er, wie er selbst einmal sagt, in sich selber herum wie Stein und Stahl; diese Todfeinde sind sein heftiges Gemüt und seine reizbaren Nerven.

In seiner Kindheit war Niki, wie er von seiner Mutter genannt wurde, sehr fromm. Er betete nach dem im Hause seiner katholischen Eltern eingeführten Gebrauche sein Morgen^ und Abendgebet recht fleißig, und hatte eine besondere Freude daran, vor einem zum Altar her- gerichteten Stuhl die Messe zu lesen; späterhin ministrierte er dem Priester die Messe.

Doch früh beginnen die Zweifel, und in peinvollem

Schluß gesucht wird, so ist die Zustimmung des Haus- Eigentümers dem Antrag schriftlich beizufügen. Bei Ge­nehmigung des Antrags wird dem Antragsteller auf Ver­engen die voraussichtliche Höhe der von ihm z« tragenden Kosten für den Anschluß mitgeteilt.

Hansanschlüffe.

§ 3. Die Anschlüffe an das Straßennetz werden aus­schließlich durch das städtische Elektrizitätswerk bestimmt und ausgeführt, ebenso die Lieferung und Anbringung des Haus- anschlußkaftens, ElektrizitätSmeffers und Hauptausschalters mit Zubehör. Genannte Teile, sowie das Leitungsmaterial bis zum Anschlußkasten werden von dem städtischen Elektrizitäts­werk geliefert und bleiben Eigentum desselben. Die Kosten dieser Zuführungen werden auf die Länge vom Hauptkabel bis zur Grundstücksgrenze in der Regel vom Elektrizitäts­werk übernommen, die übrigen Kosten trägt der Grundstücks­besitzer. Liegen außergewöhnliche Verhältniffe bezüglich des Grundstücks vor, fo unterliegt der betreffende Anschluß be­sonderer Vereinbarung.

Etwaige Aenderungen und Ausbesserungen an den Hausanschlußleitungen und den dazu gehörigen Apparaten, welche durch Verschulden oder auf Antrag des Abnehmers veranlaßt sind, werden ausschließlich vom städtischen Elektrizitätswerk auf Kosten des Abnehmers ausgeführt.

In den Wintermonaten, besonders aber während der Zeit starken Frostes werden in der Regel keine Anschlüffe ausgeführt. Im Uebrigen erfolgen die Anschlüsse möglichst nach der Reihenfolge der eingegangenen Anmeldungen. Ausführung elektrischer Einrichtungen im Innern der Gebäude und Grundstücke.

§ 4. Die Ausführung elektrischer Einrichtungen vom Elektrizitätsmesser ab, kann außer durch das städtische Elektrizitätswerk auch durch zugelaffene Installateure er­folgen. Die von der Großh. Bürgermeisterei festgesetzten und maßgebenden JnstallationSbedingungen sind gegen eine Gebühr von 50 Pfg. im Bureau des städtischen Elektrizitäts­werkes, Neumühle, erhältlich.

Dem städtischen Elektrizitätswerk steht daS Recht zu, die Ausführung der Arbeiten jederzeit zu überwachen.

Nach erfolgter Anmeldung über die Fertigstellung der Anlage seitens des Installateurs findet eine Abnahme­prüfung auf Grund der Jnstallationsbestimmungen statt, nach welcher, wenn die Anlage den Anforderungen genügt, der Anschluß erfolgt. Im verneinenden Falle wird der Anschluß verweigert, und findet später eine nochmalige Prüfung statt.

Eine Prüfungsgebühr wird seitens des städtischen Elektrizitätswerkes für die erste Prüfung nicht erhoben, sobald die Anlage sachgemäß ausgeführt worden ist. Die Kosten jeder weiter notwendigen Nachprüfung sind dem städtischen Elektrizitätswerk vom Installateur zu ersetzen.

Das städtische Elektrizitätswerk übernimmt durch die Abnahme der von den Installateuren ausgeführten Arbeiten keine weitere Garantie; der Betreffende bleibt dem Auftrag­geber allein für die solide Ausführung seiner Arbeiten haftbar.

Das städtische Elektrizitätswerk behält sich das Recht vor, die Anlagen von Zeit zu Zeit zu prüfen; auch ist es bereit, über innere Einrichtungen Rat und Auskunft zu erteilen.

Ohne vorherige schriftliche Genehmigung seitens des städtischen Elektrizitätswerkes dürfen keinerlei Aenderungen vorgenommen werden.

Elektrizitätsmesser.

§ 5. Die dem städtischen Elektrizitätswerk gehörenden ElektrizitätSmeffer werden von diesem gegen FeuerSgesahr versichert.

Die Größe und der Standort der Meffer wird vom Werk bestimmt und müffen dieselben auf Verlangen, sobald es die Verhältniffe erheischen, mit einem verschließbaren Schutzkasten umgeben werden.

Für getrennte Teile einer Anlage können verschiedene Elektrizitätsmesser aufgestellt werden. Für Motorenbetrieb, elektrochemische Arbeiten, Heizung u. f. w. wird stets ein besonderer Meffer verwendet.

Seelenzwiste ringt er sich den Glauben der Väter vont Herzblut ab. Zwischen Glauben und Wissen aber schwankt er sein Lebenlang. So wird er, wie Auerbach sagt, der Dichter der reinen Skepsis.Das Ringen nach absoluter Wahrheit, und nach der subjektiven, die, aus dem innersten Kern des eigenen Wesens geboren, nichts überkommenes an sich hat, ist nirgends dichterisch mächtiger hervor­getreten, als in Lenau". Aus seinem angenommenen Stand­punkt aber wird er nicht heimisch. Im Alter von 28 Jahren, entsteht das GedichtGlauben, Wissen, Handeln", das den besten Kommentar zu seiner Lebensentwickelung giebt, und noch pack; sechs Jahren ist er in seinemF a u st" über die ganze Reihe der Daseinsrätselfragen, die er hier aufwirft, mit sich nicht ins Klare gekommen. Erst in denAlbi­gensern" ist seine Weltanschauung reifer, geschloffener. Der Verlust seines Glaubens, für den der llnglülckiche nirgends Ersatz findet, ist, das sagen uns die meisten seiner Dichtungen, ein Grund seines ständigen seelischen Schmerzes. Dieser Schmerz des Zweifels lähmt ihn und nagt an ihm und fesselt ihn in Gestalt von allerlei Er­innerungen und Gefühlen an die Vergangenheit, von dessen Boden sich sein denkender Geist losgerissen hat. Das all­mähliche Erliegen der heiligsten Empfindungen zerreibt seinen Lebensnerv, beugt seine Willensfreiheit, und es entsteht durch den Zwiespalt zwischen Kopf und Herz seine innere Zerrissenheit. Mit diesem Zweifel geht er zu Grunde. _ . T .

Schluß folgt.

Kunst und Wissenschaft.

Die philosophische Fakultät der Universität Jena hat dem Maler Gabriel Max in München an seinem 60. Geburtstage bie Doktorwürde honorie oauea »erliehen.