(Schluß folgt.
und schön!
Was ist nun zu thun?
für die Einführung von Unterstützungszweigen, tocil gerade der zu gewinnende zumeist noch in di ff, rent e Berufsgenosse am ehesten nach den Leistung einer Gewerkschaft fragt, und dann am sichersten, durch eine Unterstützung in den schlechtesten Lebenslagen an den Gewerkverein gefesselt werden kan. In einer anderen Nummer wird gerügt, daß viele yx.' I werkschaften zu geringe Mitgliederbeiträge — nur 10 bis I 20 Pfg. die Woche — erheben, und es wird dazu bemerkt-
Daraus erklärt sich auch der unerhört starke Mit^ gliederwechsel, weil bei derartig niedrigen Beiträge keine die Arbeiter an die Organisation feffelnde Unterstützungseinrichtungen geschaffen werden könnet, und somit das einzelne Mitglied beim Austritt nichts aufgiebt. Die Menschen sind nun einmal nicht am Idealismus zusammengesetzt, sondern wollen recht praktische und greifbare Vorteile durch ihre Organisation geboten erhalten; derartige Einrichtungen kosten aber Geld, und für 10 oder 20 Pfennig wöchentlich kann man dies nicht leisten. Diese Summe zahlt fast jeder Arbeiter wöchentlich füt irgend einen Vergnügungsverein; kein Wunder, datz dann viele ihre Organisation auch nicht höher bewerten. Will man die Millionen indifferenter Arbeiter, diese Hauptstützen arbeiterfeindlicher Unter nehmer, für die Gewerkschaften gewinnen und diesen erhalten, dann führe man höhere Beiträge ein, und schaffe Unterstützungseinrichtungen.
I Also, um die Millionen indifferenter Arbeiter, der Ar- I beiter, denen das Verständnis für den wirtschaftlichen und I politischen Kampf des Proletariats abgeht, deren Begehrlichkeit noch nicht geweckt ist, kurz der „Gimpel", in die Gewerkschaften hineinzuziehen und in ihnen festzuhalteu, werden die Unterstützungseinrichtungen errichtet und auSge. baut. Ist der Arbeiter, den der wirtschaftliche Kampf gegen das Unternehmertum ebenso wenig interessiert wie der Uwsturz der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, nur erst in der Gewerkschaft eingefangen, so ist dafür gesorgt, daß er nicht nur bei Streiks und Boykotts mitthut, sondern auch den sozialdemokratischen Gewerkschaftsführern bei den Reichs tagswahlen folgt. Man muß bedenken, daß es in den Ge-
I werkschaften zumeist keinen rechtlichen Anspruch auf irgend ' eine Unterstützung gibt; ob der Einzelne in einer Notlage etwas erhält, hängt von dem Ermessen der Gewerkschasts leitung ab. Wer sich einem Gewerkschaftsbeschluß nicht fügen wollte, würde selbstverständlich „hinausfliegen"; wer etwa nationalliberal oder freisinnig wählte, wäre nicht sicher, noch etwas aus der Gewerkschaftskasse zu erhalten, selbst wenn er seit Jahren getreulich seine Beiträge bezahlt hätte. Auch wer nur unterläßt, regelmäßig zu den Zusammen fünften zu erscheinen, in deren nicht offiziellem Teil sozial demokratische Zeitungen gelesen und gefinnungstüchtige Reden und Gespräche geführt werden, muß sich darauf gefaßt machen, daß ihm eine Geldstrafe auferlegt oder bei einer Arbeitslosigkeit der Brodkorb höher gehängt wird. So erklärt sich, was der Abgeordnete Molkenbuhr auf dem Lon doner Gewerkschaftskongreß 1896 sagte:
Die Gewerkschaften machen die Arbeiter zur politischen Macht, weil sie die Arbeiter organisieren. Nur mit politischer Macht ist Umsturz möglich.
Die politische Auffassung darf keinen trennenden Grund im wirtschaftlichen Kampfe bilden. Es ist aber eine aus dem Wesen des proletarischen Klassen- kampfes sich ergebende Pflicht der Arbeiterorganisation, ihre Mitglieder zu Sozialdemokraten zu machen.
In der That: die Gewerkschaften sind die sozialdemo- kratischen Kadettenschulen, aber es wäre unerklärlich, daß die Kadetten ihren Lehrmeistern so schön gehorchen und nicht entlaufen, wenn sie nicht durch recht handgreifliche materielle Interessen an diese Erziehungsanstalten gekettet wären. ।
ES soll nicht behauptet werden, daß alle Gewerkschasts- I führer oder Leiter anderer Arbeitervereine die Gewährung s von Unterstützungen lediglich als ein Mittel betrachten, die Arbeiter an sich zu locken und gefügig zu machen. Bei vielen spielt gewiß das menschenfreundliche Bestreben mit, die Not im Kreise der Berufsgenossen zu mildern, manche mögen sich nur dieses Strebens bewußt fein. Daß aber andererseits manche Arbeiterführer die Unterstützungen nur als Mittel zu dem Zwecke, ihre Herrschaft über die Arbeiter sicherzustellen, schätzen, dürfte eine Aeußerung des sozialdemokratischen Abgeordneten ParvuS darthun. In seiner Broschüre „die Gewerkschaften und die Sozialdemokratie" sagt er: .
Die Arbeitslosenunterstützung ist ein vorzügliches Organisationsmittel, weil die Arbeiter in ihr ciien handgreiflichen und mehr beständigen Nutzen erblicken. Die Erfahrung beweist auch, daß die Gewerkschaften, in denen die Arbeitslosenunterstützung anwendbar ist, ein regelmäßiges Wachstum und die stärksten Kassen aufweisen. Wie mit der ArbeitS losenunterstützung, so steht es auch mit den Arbeitsnachweisen, den Einigungsämtern u. s. w. Sie haben nur einen Sinn und eine Bedeutung, wenn sie von Arbeiterorganisationen im gewerkschaftlichen Kampf ausgenutzt werden. Als selbständige und „sozialreformerische" Einrichtung friedliebender ®our geois find sie der widerwärtigste heuchlerische Humbug.
Die Meinung ist offenbar: Arbeitslosenunterstützungen, Arbeitsnachweise und ähnliche gemeinnützige Einrichtungen find verwerflich, weil sie die Verelendung der Massen, die Grundlage der sozialdemokratischen Hoffnungen, beeinträchtigen. Aber als Mittel, die Arbeiter der Herrschaft der sozialdemokratischen Führer zu unterwerfen, find sie gut
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Abg. Ulrich ist schon im Ausschuß gegen die Vorlage gewesen. Er will aber nur feststellen, daß die Herren, welche die Lotterie sanktioniert haben, jetzt auch die Folgen tragen müssen. Die Forderung wird hierauf gegen 6 Stimmen angenommen.
Zu den Wahlprüfungen übergehend, gelangt zunächst die Wahlanfechtung des gewählten Abg. Leun- Gießen (Land) zur Beratung. Der Ausschuß beantragt in seinem schriftlichen Bericht, die Wahl für ungiltig zu erklären, während er heute die Giltigkeit der Wahl beantragt. Für die Ungiltigkeit der Wahl sprechen die Abgg. Kramer, David und Pennrich, während die Abgg. Schmeel, G u t s l e i s ch und I ö ck e l für Zurückweisung an den Ausschuß eintreten. Abg. Ulrich stellt fest, daß die Mahlzeit durch Vorstellung der Uhr zu Heuchelheim um 10 Minuten verkürzt worden sei. Aus diesem Grunde sei die Wahl ungiltig. Er bittet in diesem Sinne zu beschließen.
Der Antrag des Abg. Gut fleisch auf Zurückverweisung der Sache an den Ausschuß wird mit großer Majorität angenommen.
Auch die Wahl des Abg. Wolff-Stadecken wird angefochten wegen eines Vorfalles in Schimbsheim. Der Ausschuß beantragt, die Giltigkeitserklärung der Wahl, und das Haus beschließt demgemäß.
Die Wahl des Abg. Erk-Nidda, für welche die Ungiltigkeit beantragt ist, wird nach dem Antrag des Ausschusses für giltig erklärt.
Die Kammervertagt sich hierauf b i s zum Ende April dieses Jahres.
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Ucber „politische Gimpelfallen."
Dem unter diesem Titel angekündigten, am 8. d. M. im nationalliberalen Verein gehaltenen Vortrag des Herrn Professor Dr. Leist entnehmen wir Folgendes:
Die von der CentrurnSpartei und den freisinnigen Parteien ausgehenden Anträge auf Verleihung der Korporationsrechte an die „Berufsvereine" werden demnächst den Reichstag aufs neue beschäftigen. Die nationalliberale Partei sollte diesen Anträgen entschieden widersprechen, weil die Verleihung der Korporationsrechte (der „Rechtsfähigkeit") an die Berufsvereine nicht, wie efl den Anschein haben mag, eine liberale Maßregel wäre, sondern im | Gegenteil politische Unfreiheit zur Folge haben würde.
Unter den „Berufsvereinen" (Vereinen, welche die Wahrung und Förderung der Berufs- und Standes-Jnte- reffen bestimmter Personenkreise bezwecken) ragen hervor die „Gewerkschaften" (Vorsitzender der Generalkommission der sozialdemokratische Abgeordnete Legien) mit über 500 000 Mitgliedern, die katholischen Arbeitervereine mit etwa 150 000 Mitgliedern, die „Gewerkvereine" (Verbandsan' walt der freisinnige Abgeordnete M. Hirsch) mit etwa 80 000 Mitgliedern.
So verschieden die Tendenzen dieser Arbeitervereinigungen sind, gemeinsam ist ihnen allen, daß sie ihren Mitgliedern Unterstützungen in Notlagen gewähren. So verteilt z. B. die größte der deutschen .Gewerkschaften, der Verband der deutschen Buchdrucker (Vermögensbestand am 31. März 1899: 2 106 822 Mk., wozu noch die Jnvaliden- kasse mit 769 365 Mk. kommt; Einnahme im Jahre 1898: 1 212 694 Mk.) unter feine Mitglieder im Jahre 1898 an Arbeitslosenunterstützungen 141 688 Mk., an Reiseunterstützungen 115177 Mk., an Jnvalidenunterstützungen 67 949 Mk., an Krankenunterstützungen und Sterbegeldern 391 366 Mk. Die Hirsch-Dunker'schen Gewerkvereine haben in den .Jahren 1869 bis 1895 11 Millionen Mark an Kranken- und Begräbnisgeldern, 1 750 000 Mk. an Jnvalidenunterstützungen, 2 850 000 Mk. für Rechtsschutz, j Bildungszwecke, Reise-, Notstands- und Arbeitslosenunter- i stützung ausgezahlt. Geringer, aber immerhin doch schon recht ansehnlich sind die Unterstützungen, welche die Mitglieder der der Centrumspartei nahestehenden Arbeitervereine aus der Vereinskasse beziehen.
Nun ist es gewiß sehr schön und gut, daß die Vereinsgenossen sich gegenseitig bei Arbeitslosigkeit, bei Krankheiten der Familienangehörigen usw. unterstützen, daß der Arbeiter aus der Vereinskasse das Reisegeld erhält, um an einen Ort verziehen zu können, wo er besser gelohnte Arbeit findet, daß den Hinterbliebenen vom Verein die Sorge für das Begräbnis abgenommen wird. ES wäre sicherlich höchst illiberal, den Arbeitervereinen diese Unterstützungen ihrer Mitglieder aus der Vereinskaffe zu verwehren.
Aber die Sache hat doch noch eine andere Seite. Die Unterstützungen in Notlagen, denen der einzelne Arbeiter hilflos gegenübersteht, sind dieLockspeisen, mit betten die Arbeiter für die Berufsvereine eingefangen werden.
In einer der neuesten Nummern der von dem früheren Minister von Berlepsch inspirierten sehr gewerkschaftsfreundlichen Zeitschrift „Soziale Praxis" findet sich folgende Notiz:
Ein Teil der Gewerkschaften arbeitet jetzt an dem I Ausbau der Kasseneinrichtungen. Besonders von der I Einführung der Arbeitslosenversicherung erwartet I man eine größere Stabilität der Mitgliederzahl. I Bis jetzt glichen die Gewerkschaften vielfach „Tauben- I schlügen." Die Arbeiter müßten durch das Unter- 1 stützungskaffenwesen mehr an die Gewerkschaften ge- I fesselt werden.
Zahllose Aeußernngen von Gewerkschasts- und Gewerk- I Vereinsführern bestätigen, daß Arbeitervereine, die ihren I Mitgliedern nur geringe materielle Vorteile bieten, trotz der I schönsten Programme keinen erheblichen Zuwachs und keinen I sicheren Bestand haben — daß sie Taubenschlägen gleichen I — daß dagegen Vereine mit reichen Unterstützungskaffen I blühen und gedeihen. I
So wird z. B. im „Korrespondent für Deutschlands I Buchdrucker", dem Organ des Buchdruckerverbandes, einmal I gesagt:
Die fortschreitende Erkenntnis unter den Gewerk- I schäften von dem Nutzen der Arbeitslosenunter- I stützung und unsere langjährigen Erfahrung sprechen «
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fischen! 286 gegen 152 Männer haben ihm die Reinheit seines Charakters durch ihr Votum bescheinigt: „Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann, das sind sie alle, alle ehrenwert". Nur eines hat man vergessen, als man im Parlament di^ Stimmen zählte: Mit jenen 152 Männern der Minderheit stimmt noch ein anderer, ein armer, zerlumpter, zerprügelter Bursche, der allerdings nicht zu den edlen Lords und zum Hause der Gemeinen gehört, Tommy Atkins, der dort unten aus den Schlachtfeldern von Natal hungert und durstet und blutet, und der selbst in den Cho- kolaoentafeln der gütigen Queen keinen Ersatz findet für das Elend, das die Männer der eisernen Stirn, das Cham-, berlain und Cecil Rhodes, über ihn und seine Kameraden verhängten.
Hessischer Kandtag.
Zweite Kammer der Landftäude.
nn. Darmstadt, 23. Februar 1900.
Die Sitzung wird um/ 9 Uhr 30 Min. eröffnet. Am Ministertisch: Finanzminister Küchler, Geh. Staatsrat Krug z. Nidda, sowie die Ministerialräte Deißler und Ewald.
Zur Beratung steht die Regierungsvorlage „d i e N e u - gestaltung des Kassen wesens im Großher- zogtum Hessen. Die Regierung fordert für diese Neuorganisation eine Mehrausgabe von Mark 19 007 jährlich, und empfiehlt der Ausschuß die Bewilligung dieser Summe.
Abg. Noack giebt einigen Bedenken gegen diese Neuorganisation Raum, und wünscht, daß eine Anzahl in der Denkschrift niedergelegte Gesichtspunkte von der Regierung erläutert werden möchten. Er wünscht noch zu wissen, ob der nach dem Organisationsplan ernannte Steuererheber auch die nötige Befähigung habe, und die erforderliche Garantie biete.
Finanzminister Küchler bringt in eingehender Rede seinen Plan für die Kassenorganisation zur Kenntnis des Hauses. Danach soll der Gemeindebeamte, der ja schon ein Rendant en Miniatur und demnach wohl befähigt sei, die Einnahmen des Staates zu erheben. Die Distrikts- : einnehmereien sollen danach in Wegfall kommen, und an deren Stelle die Gemeindeeinnehmereien treten. "Dadurch | soll den Steuerzahlern eine bedeutende Erleichterung und j ein besserer Verkehr mit der Zentralkasse geschaffen werden.
Abg. Wolf kann sich mit der Neuorganisation nicht befreunden. Er wünscht insbesondere die Belassung der Distriktseinnehmereien, welchen man die Auszahlung der einzelnen Bezüge für Beamte und Lehrer übertragen könnte. Er wünscht dabei noch, daß die Regierung den Beamten die größte Zuvorkommenheit gegen das Publikum I empfehlen wöge.
Abg. Schroeder verkennt die Mängel der seitherigen I Kassenorganisation nicht, und auch von der Mehrheit des | Hauses sei die Beseitigung der Mittelstellen angeregt wor- I den. Für jetzt schon mit dem ganzen System, das seit I 50 Jahren bestehe, zu brechen, halte er für bedenklich. Es I frage sich ferner, ob die Organisation überall durchführbar I sei, und dann, ob nicht ein viel strengeres Kontrollsystem' I eingeführt werden müsse. Er glaube, daß die Gemeinde- I Einnehmer den großen Aufgaben nicht gewachsen seien, I welche ihnen zugewiesen werden sollen, und die Vergütung I von 2 Prozent halte er für nicht ausreichend. Er empfiehlt I ein langsames Tempo in dieser großen Frage, bei welcher | ohne Zweifel eine Reihe von Widerwärtigkeiten zu über- I winden seien. Die Sache habe ihre zwei Seiten, und dio I Vorteile überwiegen die Nachteile.
Abg. Korell begrüßt die neue Vorlage, wünscht I aber noch Aufklärung über einige Punkte derselben. Mit I der Einführung der Kasse-Visitatoren kann er sich nicht I befreunden, und wünscht die Beibehaltung der Distrikts- I Einnehmereien. Das Institut habe sich vorzüglich bewährt. I Das Institut der Kasse-Visitatoren werde geschaffen, um I die Rentamtmänner unterzubringen. Die Neuorganisation I mißfalle ihm nur hinsichtlich der Mehrausgaben die seiner | Ansicht nach erspart werden könnten.
Finanzminister Küchler stellt fest, daß eine möglichst I scharfe Kontrolle der Kassenbeamten nötig fei. Das sei I kein Mißtrauen, sondern es geschehe dies im Interesse des I Beamten, damit sich derselbe ruhig zu Bett legen könne. I Er sei sich wohl bewußt, daß die Sache nicht so glatt gehen, I vielmehr mit bedeutenden Schwierigkeiten verknüpft fein I werde. Er hoffe aber auf den allseitig guten Willen der I Beamten, um die Schwierigkeiten beseitigen zu helfen. Er I fei stolz darauf, daß er sich in kurzer Zeit das Vertrauen I dieser Beamten erwerben werde.
Abgg. Brauer und Guntrum sind mit der Neu- I Organisation vollkommen einverstanden, sie wünschen nur | in einigen Punkten Aufklärungen, die ihnen vom Finanz- I Minister sofort gegeben werden.
Abg. Ullrich erklärt sich namens feiner Partei für | die Vorlage, weil darin der Weg betreten werde, um dem I Publikum eine Erleichterung zu verschaffen. Gerade die I Einrichtung, daß der Gemeinoe-Einnehmer berechtigt werde, I die Steuern des kleinen Mannes zu erheben, bedeute einen I Fortschritt. Dabei möge aber die Regierung daraus hin- I jnrfen, daß die Gemeinde-Einnehmer ihre Arbeit nicht im I Wirtshaus erledigen. Tenn dadurch werde das Publikum I §u einem besonderen Tribut verpflichtet. Die Kasse-Revi- I foren bau er für unbedingt nötig und im Interesse der I Gemeinde-Einnehmer gelegen. Redner ist erfreut, daß das I Institut der Rentämter endlich beseitigt wird; denn es I sei ein altes Möbel und koste viel Geld.
Die Vorlage wird hierauf gegen die Stimmen der Anti- | femiten angenommen.
Zur Debatte gelangt nunmehr die Regierunas- Vorlage betreffend die Landeslotterie —I Die Regierung fordert hierfür einen jährlichen Betrag von 92 850 Mark und eine einmalige Ausgabe von 15 416 I Mark.
Abg. Molthan als Berichterftatter, empfiehlt dem I Haus die Annahme der Vorlage. Dabei bringt er eine An- I zahl Mißstände zur Sprache, welche sich im Lauf der letzten I Monate auf dem Gebiet des Lotteriewesens eingestellt I haben. Bereits habe die Regierung einen Teil dieser Miß- I stände beseitigt. Die Hauptklage liege in bet mangelhaften I Anstellung der Kollekteure, welche nicht richtig Plaziert seien. I
Abg. Schroeder wird gegen die Vorlage stimmen, I weil ihm die Kosten derselben zu hoch erscheinen, und weil I er keine Garantie dafür habe, daß dieselben durch die | Lotterie gedeckt würden. 1


