Sem Lande als eine äußerst unangenehme Maßregel em- pfunden werden würde, und daß eine Entschädigung dafür von der ReichIPostverwaltung in keiner Weise geboten werden könne. Wir erklärten u. a. auch, daß allein der Expreßbotendienst es für Gießen und andere Nachbarstädte von Frankfurt a. M. ermögliche, die dort erscheinenden Blätter noch am Tage ihrer Ausgabe in den genannten Städten zu bestellen, die Morgenblätter etwa 2 Stunden früher als bei der Beförderung durch die Post zum Austrag kommen zu lassen, und Deren Behändigung an die Abonnenten an Sonn- und Feiertagen überhaupt zu bewirken.
Am 3. März 1899 richtete die Handelskammer Mannheim in einer ausführlich begründeten Eingabe an den Reichskanzler die Bitte:
„bei Festlegung der Ausführungsbestimmungen des Vertrags mit dem Norddeutschen Lloyd die Aufnahme einer Vorschrift in Erwägung zu nehmen, nach welcher die Reichspostdampfer der drei Hauptlinien nach China, Japan und Australien auf der Aus- und Heimreise Rotterdam anlaufen möchten."
Die Eingabe wurde entsprechend der Stellungnahme einer größeren Anzahl von Schtvesterkammern und des deutschen Handelstages unterstützt, da Rotterdam den deutschen Exportinteressen viel näher liegt als Antwerpen. Gleichzeitig wurde eine Umfrage über die Höhe des von hiesigen Firmen nach Ostasien exportierten Warenbetrags unternommen und das Ergebnis der Mannheimer Kammer mitgeteilt. Vor Drucklegung dieses Berichts erfahren wir, daß vom 13. Juni 1900 ab versuchsweise die Reichspostdampfer der ostasiatischen Linien auf jeder zweiten Ausreise Rotterdam — und zwar neben Antwerpen — anlaufen werden.
Im Berichtsjahre machten sich weitgehende Bestrebungen geltend, welche die Einführung einheitlich e r P o st w e r t z e i che n bei sämtlichen deutschen Postverwaltungen bezweckten. Wir unterstützten die leider bis jetzt erfolglose Bewegung.
Entsprechend einer Eingabe der Handelskammer Essen richteten wir im November 1899 an den Herrn Staatssekretär des Reichspostamts die Bitte, die hohen Portokosten für Briefe schwereren Gewichts nach dem Auslande einer Revision zu unterziehen. Tie Herabminderung der Portosätze bedeute eine außerordentliche Erleichiterung des Verkehrs mit dem Auslande. Zudem könne erfahrungsgemäß daran festgehalten werden, daß infolge der sicher sich wesentlich steigernden Zunahme dieser Korrespondenz ein fiskalischer Ausfall nicht zu erwarten stehe. Eine Antwort ist bis jetzt nicht eingelaufen.
Von zuständiger Seite wurde die Einrichtung verschließbarer AbholungsfächerindenPostämtern angeregt. Wir ^erkannten nicht, daß die Einführung solcher unter Verschluß des Empfängers stehender Fächer für die Geschäftswelt manche Vorteile biete, beschlossen jedoch, von einem Eintreten für diese Institution abzusehen, da an mittleren und kleineren Plätzen ein fühlbares Bedürfnis nach solchen Fächern nicht hervorgetreterk ist.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 22. August 1900.
♦* Das Regierungsblatt Nr. 61 vom 20. August enthält die Bekanntmachung, die Ausgabe von Schuldverschreibungen der Stadt Bingen auf den Inhaber betreffend.
** Grand prix. Aus der Pariser Weltausstellung wurde der Firma Schiedmayer, Pianosortesabrik in Stuttgart (Vertreter Wilh. Rudolph-Gießen), für ihren dort ausgestellten , wunderbar schön ausgestatteten Konzertflügel (Wert 20,000 Mk.) die höchste Auszeichnung, der grand prix, zugesprochen.
** Der Ausflug Der Gießen er Kriegervereine nach den Schlachtfeldern bei Metz und den Spicherer Höhen, der vier Tage dauerte, nahm, vom schönsten Wetter begünstigt, seinen programmmäßigen Verlauf. Jedem der Teilnehmer, 32 an der Zahl, war ein vollständig ausgearbeiteter Reiseplan ausgehändigt wor-, den, der in seiner Genauigkeit und Ausführlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Am 16. August sanden sich die Teilnehmer morgens 5 Uhr auf dem hiesigen Bahnhof ein. Nach ca. 8 stündiger Fahrt in Metz angekommen, wurden wir, so schreibt man uns, von Mitgliedern des Kriegervereins Metz empfangen und nach dem Sammelplatz, bezw. ihren Quartieren geleitet. Abends fand den Gästen zu Ehren ein Konzert statt, gegeben von der Kapelle des 174. Regiments. Am 17. früh morgens fuhren wir auf fünf Wagen nach den westlich von Metz gelegenen, Schlachtfeldern über Gravelotte und Mars-la-tour und besichtigten sämtliche Denkmäler und Massengräber unter der vorzüglichen Führung des 1. Kassierers des Metzer Krieger-Vereins, Herrn Pfennings. Auf Einzelheiten einzugehen, würde zu weit führen. Am 18. morgens teilte uns beim Antreten der Führer mit, daß der Gouverneur von Metz, Exzellenz von Froben, sämtliche Ausflügler für diesen Abend zum großen Zapfenstreich eingeladen habe, ausgeführt von sämtlichen Musikkorps der Garnison. Da wir aber programmgemäß abends 6,35 nach Saar- mußten, konnten wir der Einladung leider ^^^-ootge leisten. Nur drei Teilnehmer blieben zurück und kamen am anderen Morgen nach Saarbrücken nach. Wrr gingen also am 18. auf die nordwestlich von Metz liegenden Schlachtfelder bei Amanweiler. Hier wurde von dem 2. Vorsitzenden des Kriegervereins Gießen, Herrn Bommersheim, namens der Reisegesellschaft, unserm vortrefflichen Führer, Herrn Pfennings, unter entsprechender Ansprache ein Geschenk als Dank für seine liebenswürdige, uneigennützige Bemühung überreicht. Von hier ging es nach St. Privat und von da nach dem Denkmal der hessischen Division, wo die Ausflügler freudig überrascht waren, einen Gießener Veteran, Herrn Louis Petri, 1. Vorsitzender des Veteranen-Vereins unser harrend,। dort anzutreffen. Herr Petri schilderte uns in ergreifenden Worten den vor dreißig Jahren dort in der hessischen Division kämpfend verlebten, unvergeßlichen Tag, sodaß alle zu Thränen gerührt wurden. Mancher suchte die Stelle auf, an der er verwundet wurde und liebe Kameraden den Tod fürs Vaterland starben. Namens des Kriegervereins Gießen ergriff dann Herr A. Dickore
das Wort und legte unter entsprechenden Worten einen prachtvollen Kranz mit weißer Schleife am Denkmal nieder mit der Inschrift: „Der Kriegerverein Gießen den gefallenen Helden der 25. (Hess.) Division". In seiner Ansprache hob Herr Dickore besonders hervor, daß die allgemeine Schmückung der Kriegergräber besonders durch die Vereinigung zur Schmückung der Gräber geschehe, die vom Metzer Kriegerverein ins Leben gerufen sei und dem er dafür den allseitigen Dank aussprach. Dann führte der Redner aus, daß es vielen von den Helden, die den Tod fürs Vaterland starben, nicht mal vergönnt sei, in deutscher Erde gebettet zu fein, und schloß mit den Worten: „Doch wer den Tod im Heldenkampfe fand, ruht auch in fremder Erd' im Vaterland!" Hierauf legte dann Herr P fen n i n g s, der Führer der Gesellschaft, persönlich einen Kranz nieder und führte aus, daß er eingedenk der heutigen Feier dies fortan am Denkmal der hessischen Division thun werde. Nachdem wir in Gravelotte zu Mittag gegessen hatten, ging's über Ars a. d. Mosel zurück nach Metz, von wo wir alsdann zur obenangegebenen Zeit nach Saarbrücken abfuhren. Am Bahnhof St. Johann wurden wir durch Vorstandsmitglieder des Saarbrücker Kriegervereins nach einer Stunde gemütlichen Beisammenseins in unsere Quartiere geführt. Am andern Morgen, den 19., wurden wir von den Herren wieder abgeholt, und es ging nach dem Lulustein auf dem Exerzierplatz von Saarbrücken, von dort nach dem Ehrenthal und schließlich nach den Spicherer Höhen, wo wir staunend unserer Kameraden gedenken mußten, die im Kugelregen solche Höhen zu erklimmen und zu nehmen vermochten. Die nötigen Erläuterungen an diesem Tage gab uns ein Vorstandsmitglied des Saarbrücker Kriegerverems, Herr Kopelke, unter Einflechtung eigener Erlebnisse am Tage des Sturms der Spicherer Höhen. Dann ging es zum gemeinsamen Mittagmahle in das Vereinslokal des Saarbrückener Kriegervereins, wo diesem Verein und den liebenswürdigen Führern herzlichster Dank ausgesprochen wurde. Von dort begaben wir uns direkt zum Bahnhof zur Rückfahrt nach Gießen. Die in diesem wohlgelungenen, zur allseitigen Zufriedenheit verlaufenen Ausfluge erhaltenen Eindrücke werden den Teilnehmern ihr Leben lang unvergeßlich fein.
** Von der hessischen Landeslotterie. Die Ziehungen der ersten hessischen Landeslotterie sind zu Ende und nach ihrem Verlauf kann nun mit Genugthuung verzeichnet werden, daß Zweck und Ziel, die vornehmlich zu ihrer Neueinrichtung Veranlasfung gaben und denen trotz mancherlei Bedenken auch die Vollberechtigung für die Gründung nicht versagt werden konnten, in der Hauptsache in vollem Maße erreicht worden find. Das hesfische Geld fließt jetzt nicht mehr zum Lotteriespiel nach anderen Bundesstaaten ab, und der letzteren Staatskassen werden jetzt nicht mehr zum Teil mit dem Geld hessischer Lotteriespieler gefüllt. Die hessische Landeslotterie verschafft vielmehr aus der Spiellust der Landesangehörigen, die sich sonst stets nach auswärts bethätigte, unserem eigenen Staate jetzt einen erklecklichen Ueberschuß, der ihm umso beffer zu statten kommt, als seine finanziellen Leistungen an fick von Jahr zu Jahr sich steigern und durch solche freiwilligen Zuschüsse die obligatorischen Steuerbeiträge einige Erleichterung erfahren können. Das Ergebnis der jetzt abgeschloffenen ersten Lotterie soll, wie der „Mainz. Anz." schreibt, für die Staatskasse ein wider Erwarten günstiges Resultat ergeben haben, da von den 33 000 Volllosen im ganzen nur eine unverhältnismäßig kleine Zahl, wie es heißt 1500 Stück, unabgesetzt geblieben ist. Der erste Erfolg der neuen Lotterie war demnach in Bezug auf die ihr vom Publikum bereitete Aufnahme ein ganz bedeutender, und in entsprechendem Maße wird sich der Endüberschuß dann beträchtlich höher stellen als zuerst vorgesehen war. Der höchste diesmalige Treffer von Mk. 500 000 (100 000 Mark Gewinn und Mark 400 000 Prämie) kam am letzten ZiehungStage aus dem Glücksrad und fiel nach Groß-Umstadt in Starkenburg. Ebenfalls zu Starkenburg gehört Groß-Bieberau, wohin der zweitgrößte Treffer von Mk. 300000 kam. Den dritthöchsten Treffer von Mk. 200000 holte sich Worms und nach Offenbach gingen die Treffer von Mk. 50000 und Mk. 30000. — Mainz fiel nur der Gewinn von Mk. 40000 zu, aber die Prophezeihungen, daß Oberhessen gewiß die dicksten Brocken bekommen werde, haben sich nicht erfüllt. Zum Schluß noch eine Aufklärung über die Ziehung der Prämie von Mk. 400000, da darüber auf vielen Seiten noch Unklarheit herrscht. Diese Mk. 400000 werden immer erst am letzten ZiehungStag der 5. Klasse gezogen und sie fallen dem höchsten Gewinn zu, der an diesem Tage noch zu ziehen ist. Ist an dem Tage kein einzelner größter Gewinn mehr in der Ziehungstrommel, sondern von dem noch auszulosenden größten Betrag mehrere gleichwertige Treffer zu ziehen, so erhält der davon zuletzt gezogene die Prämie von Mk. 400000. Sind nur noch niedrigste Gewinne zu ziehen, so kommt sie in diesem Falle ebenfalls dem zuletzt gezogenen zu, aber die letztere Even tualität dürfte kaum je eintreten.
„i“ Rodheim a. Bieber, 21. August. Heute morgen wurde hier vom herrlichsten Wetter begünstigt das zweite Bezirkstierschaufest abgehalten. ES wurde nach dem Eintreffen des LandratS v. Heimburg eröffnet, und der dazu gewählte Platz war bald von einer großen Menschenmenge angefüllt. Zu der Bezirksschau waren etwa 50 Tiere aufgetrieben, darunter zunächst sämtliche Bullen der 8 Ortschaften des Bezirks Rodheim. Die Prämierungskommiffion hatte bei der reichen Beschickung der wohlgepflegten Tiere keine leichte Arbeit, und so konnte erst nach 12 Uhr zur Preisverteilung geschritten werden. Der Landrat hob in seiner Ansprache hervor, daß diese zweite Bezirksschau schon einen regen Fortschritt in der Veredlung deS Vogelsberger Rindes zeige, indem sämtliche zur Schau gebrachten Bullen in daS Herdbuch aufgenommen seien. Doch sei unter den Kühen und Rindern noch hier und da eine kleine Bean standung, die bei fortgesetzter Pflege bald schwinden werde. Einen ganz besonderen Fortschritt wies die Gemeinde Frankenbach auf; während ihre Bullen bei der ersten Be- 1
zirksschau ausgeschloffen wurden, erhielten sie diesmal die beiden ersten Preise mit je 30 Mk. Unter den ausgestellten Kühen fiel der erste Preis mit 30 Mk. nach Bieber. Nach Schluß der Prämiierung wurde unserm Landrat ein kräftiges Hoch von der tausendköpfigen Menge ausgebracht. Dann bewegte sich ein langer Zug durch die Hauptstraße unseres Dorfes, geleitet von zwei MusikkorpS, nach der Villa des Kommerzienrats Gail, wo Herr von Heimburg abgestiegen war.
O Kloppenheim, 20. August. In dem an der Straße nach Vilbel fich hinziehenden Walde ist in letzten Tagen eine grauenhafte That, vermutlich ein Raubmord, vollbracht worden, wie eine dort aufgefundene männliche Leiche zu erkennen gibt. Etwa 200 Schritte von der Straße entfernt, fand man gestern in einer Schlucht den entseelten Körper halb entkleidet mit zertrümmertem Schädel und zer- schlagenem Gesichte, das die Erkennbarkeit des Erschlagenen zur Unmöglichkeit machte. Einige Schritte davon waren zwei große Blutlachen, dabei ein ca. 2 Pfund schwerer, scharfkantiger Stein, in ein rotes Taschentuch gewickelt, das mit großen Blutflecken besudelt und vom Schlagen mit dem Stein durchlöchert war. Etwas seitwärts hiervon lag ein ca. 10 Pfund schwerer Stein, der ebenfalls vollständig mit Blut bedeckt ist. Auch befinden fich an diesem Stein Teile der Kopfhaut und darangeklebte Haare des Unglücklichen. Der Leichnam war bereits in Verwesung übergegangen. Bei dem Ermordeten fanden fich keine Papiere vor, die die Persönlichkeit desselben feststellen laffen. Unweit von der Leiche im Gebüsch sand man einen schwarzen Filzhut und eine Sammetklappmütze, ferner eine leere Flasche iw der anscheinend Branntwein gewesen ist. Auch ein Exemplar des „Frankfurter Generalanzeigers", eine Nummer des „Evangelischen Sonntagsblattes", eine Ausgabe des „Kleinen Witzblattes", eine Sägenfeile, ein Kneuel Garn und Kordes eine Tüte mit Kreide und eine solche mit Nägeln lagen amThat- orte zerstreut umher. Auch sind in dem Buschwerk noch abgerissene Hosenknöpfe gefunden worden. Der Leichnam war . nur noch mit Hemd und Rock bekleidet und lag in einigen Schritten Entfernung von den Blutlachen auf dem Rücken, mit dem Kopf rücklings in einen Graben überhängend» Solche Lage erleichterte es dem Räuber, dem Erschlagenen die Hosen auszuziehen. Die mit Blut getränkten Strümpfe lagen unter dem Leichnam; neben ihm ein Vorhemd und die ausgezogenen Stiesel. Die Sache gewinnt somit den Anschein, daß der Unglückliche sich hat auSruhen wollen, von dem Mörder überfallen worden ist, der ihm zuerst mit dem in das Taschentuch gewickelten Stein auf den Kopf geschlagen hat, bis der Ermordete zusammengesunken ist; dann wird der Mörder von dem großen, mit Blut getränkten <Stein bis zur völligen Tötung Gebrauch gemacht haben; denn für diese Thatsachen sprechen die Wunden am Kops. Nachdem der Mörder gemerkt, daß der Tod eingetreten, hat er den entseelten Körper etwas von dem Thatort fortgeschleppt und in der oben angegebenen Lage die Hosen mit Inhalt und sämtliche ihm zusagende Sachen dem Leichnam ab» genommen und mit ihnen das Weite gesucht. Sowohl von der Person des Mörders als des Ermordeten fehlt bis jetzt jede Spur. Heute vormittag war das Amtsgericht Vilbel und ein Beamter der Staatsanwaltschaft am Thatort. Der Ermordete konnte etwa 30 Jahre alt fein.
DornAffenheim, 21. August. Kürzlich ging durch die Zeitungen die Notiz über die Enthüllung des Kriegerdenkmals, sowie über das Verhalten des Präsidenten des Krieger- vereinS, Herrn Heu- und Fruchthändler Johann Aloysius Eß, bei diesem Feste. Heute find wir, so schreibt die „N. Friedb. Ztg.", in der angenehmen Lage zu berichten, daß den wackeren Helden von 1866 die Nemesis erreicht hat. Im Auftrage des Vorstandes des Landes-Verbands „Hassia" erschien am 11. d. M. Herr Medizinalrat Dr. Bogt aus Butzbach, untersuchte die Angelegenheit und legte dem renitenten Präsidenten Eß nahe, daß er unter diesen Umständen fein Amt niederlegen möge. Eß verstand den Wink und dankte ab. Traurig aber wahr! ES ist dies das zweite mal, daß Eß in die traurige Notwendigkeit versetzt wurde, freiwillig abdanken zu müssen. Glaubte nun der Kriegerverein seine Fahnenangelegenheit sei geregelt, so befand er sich in einem großen Irrtum. Die Fahne war dem Präfix deuten a. D. so sehr anS Herz gewachsen, daß ihm die Trennung recht schwer fiel. Auf wiederholte- Ersuchen des Vorstandes wußte der Schlaue immer eine ausweichende Antwort, weshalb zur Erlangung der Fahne gerichtliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Bepackt mit allen möglichen Urkunden und einer Vollmacht wanderte daher am 15., 16. und 17. d. M. ein wackeres Mitglied des KriegervereinS, dem hier öffentlich unser Lob gespendet sei, nach Friedberg und erwirkte nach vielen Kreuz- und Quergängen von Großh. Amtsgericht Befehl, wonach der Großh. Gerichtsvollzieher beauftragt wurde, sofort nach Dorn-Affenheim zu gehen und dem Präsidenten a. D. die Fahne abzuuehmen, welches dann auch am 17. d. M., nachmittag« geschah. Bis auf die UeberlieferungSkosten dürfte somit die Fahnenangelegenheit geordnet fein.
tt Ober-Ofleiden, 20. August. Heute war ein Vertreter der Staatsanwaltschaft von Gießen hier in der Wohnung des H. W. III., dessen ledige Tochter der vorsätzlichen Tödtung ihres unehelich geborenen Kindes verdächtig ist. Die angestellten Ermittelungen haben ergeben, daß die Leiche des Kindes in einen Eimer gelegt und dieser in ein im Stalle stehendes Krautfaß gestellt und zugedeckt worden war. Daß das Kind gelebt hat, ist daraus zu schließen, daß doch kein Grund vorgelegen hätte, ein totgeborenes Kind auf diese Art beiseite zu schaffen zu suchen. Auf welche Weise das Kind getötet worden ist, dürfte die Sektion und die weitere Untersuchung ergeben.
Die deutschen ArdeUerveißcheruuseu iu sranMscher Beleuchtung.
Die so oft schon von ausländischen Soziatpolitikerw und sogar auch von den eigenen Genossen ad absurdum


