Abend entschädigt werden.
Pr.
tragenden für diesen fesselnden Vortrag.
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Der „Manchester Guardian" Flottenliga verlange den
Frankreich bestellte auf den zwei Panzerkreuzer für
Genua, 21. Februar. Schiffswerften von Ausaloi 60 Millionen Franks.
London, 21. Februar, meldet, das Komitee der
Bau von 30 neuen Kreuzern und Vermehrung der Marinemannschaften um 70000 Mann. Das Komitee stellt ferner die Forderung, die englische Regierung möge den Verkauf von Kohlen an fremde Marinen der Regierung von Neusüdwales untersagen.
am Samstag voi mittags: Hnijügt große Parade at Ministeriums be! ZWeMdn
11 W: * mit Absingen v urkohlige Auffi ^eftrebe f)ält . Dremmel. Nb der Stadt. M 11 Minuten: $ korso durch die fahrt, welche i find btnitS zahl: Originelles bitter Mtäftnlrttötn it
Astrales und Provinzielles.
** Von der Universität. Dem Assistenten am chemischen Laboratorium, approb. Apotheker und NahrungS- mittelchemiker Dr. Will). Eid mann ist die venia legendi für Chemie erteilt worden. Sperr Eidmann, aus Stockhausen, Kreis Lauterbach, Oberhessen, gebürtig, steht im 29. Lebensjahre.
** Lesehallenverein. Wir machen auch an dieser Stelle darauf aufmerksam, daß morgen, Freitagabend, im Cafee Ebel die diesjährige -Mitgliederversammlung des Lesehallenvereins stattfindet. Eine recht zahlreiche Beteiligung ist wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung erwünscht.
** „lieber die Tellfrage und Schillers Wilhelm T e l l" sprach im gestrigen gemeinsachaftlichen Vortragsabend des kaufmännischen und des Gewerbe-Vereins Herr Geheimrat Professor Dr.O n ck e n in einem etwa zweistündigen fesselnden Vortrag im Einhornsaale zu einer aufmerksam lauschenden Zuhörerschaft. — Was die Sage über diesen Gegenstand überliefert, und ältere und neuere Geschichtsforscher darüber festgestellt, und wie ein Schiller dem allem, was eine freiheitsliebende Volksseele bewegt, treffenden poetischen Ausdruck verliehen, und an den geschichtlich festgestellten Kern angegliedert hat,, insbesondere auch der Einblick in die Geistesarbeiten der Geschichtsforscher wie in die gründlichen „Vorarbeiten" eines Schiller, welcher nie an die Formgestaltung eines größeren Werkes ging, ehe das ganze Material gleich einer flüssigen Erzmasse wohl vorbereitet war — das alles aus einem solch berufenen Munde schildern zu hören, war ein besonders belehrender Genuß. — Wie die Heldengestalt des „deutschen Michael" mit dem „d e r T e l l" in eine gewisse Parallele gestellt wurde, so hat auch dieser seine starken, wie anfechtbaren Seiten aufzuweisen; der „Wilhelm Tell" von Schiller aber wird fortleben bis in die fernsten Zeiten! — Reicher Beifall lohnte dem Herrn Vor-
tL Körber, daß er, falls keine Restitution der tschechischen Sprache bei den landesfürstlichen Behörden bewilligt werde, die Obstruktion beschließen werde.
Wien, 21. Februar. Der Polenklub beschloß in seiner heutigen Konferenz, dahin zu wirken, daß das Rekrutengesetz im Reichsrat auf das Rascheste erledigt wird.
Budapest, 21. Februar. Das Befinden des Kaisers ist wieder vollständig befriedigend. Die Audienzen sind wieder ausgenommen. Morgen wird der Kaiser das Opernhaus besuchen.
Drr Krcka gegen die Wahl Henn, beide von gericht der Stadt vorn 15. Dtzembe der «rifltzrr für d die beiden oben Ge -nlt 12 Stimmen ■ Ersatz durch das
Ausland.
Wien, 21. Februar. Infolge der morgen stattsindenden Eröffnung des Reichsrates hielten heute sämtliche parlamentarische Klubs Konferenzen ab.
Wien, 21. Februar. Nach Meldungen tschechischer Blätter verständigte der Tschechenklub den Ministerpräsidenten
Idiom und schien nicht ganz sicher in seiner Rolle rir sein, wenigstens hörte man in seiner Szene die ©ouffleuf.- etwas zu stark. Alles in allem aber war der Abend eir wirklicher Ehrenabend für den Benefiziaten.
** Saalbauverein. Der gestrige zweite Vereinsabend dieser Saison war der Kammermusik gewidmet, un > zwar war es die in Gießen bisher noch nicht bekannt Quartettvereinigung der Herren Hock, Dippel, A l l e- kokte und Appunn aus Frankfurt a. M., welch Kammermusikwerke von Beethoven, Dvorak und Haydi zum Vortrag brachte. Ter Besuch des Konzerts war nu ein mäßiger, doch ist es nach den vielen musikalischen Gc nüssen, welche in den letzten Wochen hier geboten wurden kein Wunder, wenn unser Musik liebendes Publikum ettoa? konzertmüde wird, um so mehr, als auch sonst noch genug Anforderungen geselliger Art an den Teil unseres Publi kums gestellt werden, welcher die Konzerte zu besuche» pflegt. Das Streichquartett (opus 18 Nr. 6) von Beethoven, welches das gestrige Konzert eröffnete, ist hier nicht unbekannt, da es vor einigen Jahren in einem Kammermusü- abend des Konzertvereins gespielt wurde. Ob die mäßige Besetzung der Universitätsaula auf die Künstler lähmend wirkte, oder ob sonst eine Indisposition sie an der vollen Entfaltung -ihres Könnens hinderte, soll hier nicht entschieden werden: jedenfalls vermochte die gestrige Wiedergabe des Werkes das Publikum nicht zu starken Beifallsäußerungen zu veranlassen. Gleichwohl wollen wir gern anerkennen, daß die Herren auch im Vortrag dieses Werkes sich als ein gut eingespieltes Ensemble erwiesen und das, es namentlich im ersten und letzten Satz an hervorragenden Glanzstellen nicht fehlte. Eine interessante Novität war das Trio für zwei Violinen und Viola von Dvorak, dessen Wiedergabe man um so mehr bewundern mußte, als nicht nur die hohe Künstlerschaft der Vortragenden dabei im schönsten Lichte erschien, sondern auch die prachtvolle Ton fülle, welche bei dieser an sich seltenen Zusammenstellung von Streichinstrumenten entfaltet wird, in ganz hervor ragender Weise zur Geltung kam. Den Schluß des Konzerts bildete das Quartett (opus 64 Nr. 5) in D-dur von Haydn, dessen Vortrag gleichfalls ein vorzüglicher war, und in welchem die Vorzüge des Herrn Hock als Primgeiger beson ders günstig hervortraten. Große technische Fertigkeit und seine musikalische Nüancierung sind die Hauptvorziige, die der Wiedergabe dieses interessanten Werkes in erster Linie nachzurühmen sind. So viel uns bekannt, ist im Saalbau verein noch ein zweiter Kammermusikabend mit der Quartettvereinigung der Herren Hock und Genossen geplant, und hoffen wir, daß die geehrten Künstler im nächsten Konzert durch recht zahlreichen Besuch für den gestrigen
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** Theater. Als Benefiz für Herrn Walther wurde am Dienstag „Der G'wissenswurm" von Anzengruber zur Darstellung gebracht. Der Besuch der Vorstellung war leider nur ein mäßiger, trotzdem sich Herr Walther in Gießen allgemeiner Beliebtheit erfreut. Vielleicht lag der geringe Besuch daran, daß gleichzeitig verschiedene Festlichkeiten in der Stadt stattfanden, vielleicht hat sich auch mancher Hurch die Dialekt- und Bauernkomödiö abschrecken lassen. Sehr mit Unrecht, denn „Der G'wissens- wurm" ist, wenn er auch verhältnismäßig seltener zur Aufführung gelangt als die anderen Anzengruberschen Bauernkomödien, doch eine prächtige, litterarisch hochbedeutende Arbeit. Die Gestalten des Stückes sind durchweg echt aus dem Leben gegriffen, mit einem gesunden Humor gezeichnet, und frei von jeder falschen Sentimentalität, naturwahr, wie eben nur ein Anzengruber, der sein Volk durch und durch kannte, und in ihm lebte, sie schaffen konnte. Freilich machen sich bei allen Dialekb- aufführungen, wenn sie nicht gerade von den Schlierseeroder Tegernseer-Bauern selbst aufgeführt werden, allerlei Dialektfehler seitens der Darsteller bemerkbar, im großen und ganzen aber war die Aufführung am Dienstag eine sehr wohl gelungene, und die Besucher des Theaters werden sowohl an dem Stück wie an der Darstellung Gefallen gefunden haben. Vor allem bot der Benefiziant eine prächtige Leistung. Wir hatten schon oft Gelegenheit, das große schauspielerische Talent des Herrn Walther in der Darstellung von Bauerntypen zu bewundern, fein „Dusterer" aber ist in der That eine hervorragende, in jeder Beziehung mustergiltige Leistung, die dem Künstler an jeder größeren Bühne einen durchschlagenden Erfolg sichern wird. Durchaus dialektsicher, in jeder Miene, jeder Bewegung echt, stellte Herr Walther den Dusterer dar in seiner bäurisch, listigen Verschlagenheit, wie er den reichen Grillhofer durch die Schilderung der ewigen Höllenqualen zu verleiten sucht, sein Gut den Armen, das heißt ihm zu verschreiben, und durch diese Büßfertigkeit der Verdammnis zu entgehen. Bis in die geringsten Details war die Leistung durchgearbeitet, z. B. das Spiel mit der Tabakspfeife, an welcher dem Dusterer die Lust verging, sobald die Situation bedenklich wurde, um desto eifriger weiter zu paffen, wenn er den Erfolg feiner Beredsamkeit sah — „beispielmäßig" . Auch die übrigen Darsteller thaten ihr bestes, dem Eene- fiziaten, und dem von ihm gewählten Stück Ehre zu machen. Herr R o l a n spielte den Grillhofer und war das Zu- fammenfpiel mit dem Dusterer ein wohlgelungenes. Eine brillante Leistung bot ferner Frl. Eichenw a l d als Hor- lacher Lies. Ihr Spiel war frisch, natürlich und dialekt- sicher, so daß sie die Sympathien des Prcblrkums sofort auf ihrer Seite hatte. Herr Henry als Großknecht Wastl sah brillant aus und spielte, wenn auch fein Dialekt nicht immer einwandsfrei war, den Bauersjungen, als wäre er in den Bergen groß geworden. Die übrigen Darsteller waren gut am Platze. Hervorzuheben sind Frau Kruse als Ros'l;1 Herr Wilhelmi iäls Polderer Bauer mit feinen zwei Jungen (Kirchhof und Eckertz) erregten viel Heiterkeit. Frl. Zimmermann beherrschte den Dialekt zwar sehr mangelhaft, spielte aber sonst gut. Herr Paren als Lehud'l sprach ein zum Teil nicht verständliches eigenes
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** Bürgergesellschaft. Arn vergangenen Sonntagabend fand in den Räumen von Steins Saalbau die diesjährige karnevalistische Abendunterhaltung der hiesigen Bürgergesellschaft unter ungemein zahlreicher Teilnahme der Mitglieder und vieler Gäste statt. Das Programm setzte sich aus Chorgesängen, vokalen Solovorträgen, einem humoristischen Operetten-Einakter und Instrumentalmusik zusammen. Die Chorgesänge wurden unter der gewandten und verständigen Leitung des Dirigenten, Herrn Lehrer Mulch, sehr exakt und vokal wie textlich mit bewundernswerter Sauberkeit vorgetragen. Nicht ein einziges Mal trat, wie sonst bei dergleichen größeren Aufführungen zu passieren Pflegt, eine Entgleisung ein, fein Vorschlag allzu eifriger und fein Nachklappen säumiger Sänger war zu hören; der Taktstock wurde in jeder Hinsicht musterhaft gehandhabt. Auch die Sologesänge gelangen dem Tenor- Solisten des Vereins, Herrn Martin Dörr, ganz trefflich und wir dürfen dem Verein zu dieser gesanglichen Kraft unseren Glückwunsch nicht versagen. Ein ganz allerliebstes Terzett führten die Herren Roth, Brückner und Arnold auf, das gesanglich wie darstellerisch großen Beifall fand. Nach Erledigung des musikalischen Teiles entwickelte sich im Nebensaale ein äußerst geschmackvoll und geschickt arran gierter „Gießener Jahrmarkt", der bald an Originalität und drolligen Lokalsituationen nichts zu wünschen übrig ließ. Den Schluß bildete ein fröhliches und langandauern des Tanzvergnügen.
** Dem Marine Verein ging auf die am Samstag an Se. Kgl. Hoheit den Prinzen Heinrich von Preußen gerichtete Begrüßungsdepesche folgende Antwort zu:
An den Vorstand des Marine-Vereins, Gießen.
Kiel, 16 Februar 1900.
Seine Königliche Hoheit Prinz Heinrich von Preußen lasten den Marine-Verein Gießen für die telegraphische Begrüßung vielmals danken
Aus Höchsten Befehl Freiherr von Seckendorff.
Hofmarschall.
** Reicher Kindersegen. Man schreibt uns unterm 18. d. Mts. aus Gießen: Heute wurde dem Schausteller I. W. von hier das 20. Kind (ein Mädchen) geboren.
— Lollar, 21. Februar. Hier wurde diese Wocht während der Nachtzeit in zwei Wirtschaften ein gebrochen. Der oder die Diebe schnitten die Fenster aus und stiegen ein. Einige Kistchen Zigarren und ein Fahrrad fielen ihnen zuw Opfer. Das ist in den letzen Jahren das siebente Mal. daß hier und besonders in Wirtschaften Einbrüche verüb! werden. Wann wird einmal die nötige Sühne eintreten 7
A Von der Lahu, 21. Februar. Nachdem vor mehi denn Jahresfrist eine Anzahl der an der Straße Ruttershausen—Wißmar stehender junger Ob st bäume von ruch loser Hand abgebrochen worden war, wiederholte ftd dieser Frevel wieder an einem Abend dieser Woche. Biei schöne Bäumchen wurden geknickt. Hoffentlich werden btt gemütsrohen Attentäter entdeckt. Eine exemplarische ©traft dürfte ihnen sicher sein.
(§) Elpenrod, 21. Februar. Von anderen Gegender ist schon verschiedentlich über die Erhöhung der Holj' preise in diesem Jahre berichtet worden. Auch die hier und in der Nachbargemeinde Hainbach aus den Waldungen der Oberförsterei Hainbach abgehaltenen Holzversteigerun^ bestätigen die anderenorts gemachten Erfahrungen. S» stark hatte man aber doch nicht die Preiserhöhung gehauer, wie sie thatsächlich die Versteigerungen brachten. Dtest Preisunterschiede gegen das Vorjahr gehen am besten aus einem Vergleich hervor: Es kosteten jetzt 4 Raummeter Buchenscheit 30-32 Mk. gegen 20-24 Mk. im Vonahrc.
Reichskanzler Fürst Hohenlohe bemerkt, der Herr Vorredner habe die Wünsche des Landes dargelegt, er, Redner, könne dem nur wenig praktischen Wert beilegen, weil er nicht in der Lage sei, die Erfüllung dieser Wünsche in Aussicht zu stellen. Er selbst habe neun Jahre dort gelebt, und müsse sagen, daß man sich damals nur wenig um den betreffenden Paragraphen bekümmert habe. Wenn neuerdings mehr von demselben die Rede sei, so könne er der dortigen Minderheit nicht den Vorwurf ersparen, daß sie damit, mit solchen Agitationen, Mißstimmung erregen wolle. Die Bevölkerung sei zumeist deutsch gesinnt, aber eine Minderheit hege doch antideutsche Gesinnungen. Das zeige sich jetzt wieder bei der Errichtung einer katholisch-theologischen Fakultät in Straßburg. Was die außerordentlichen Gewalten auf Grund dieses Paragraphen betreffe, so erklärten sie sich durch die außerordentlichen Umstände Die Beziehungen Deutschlands seien zu der französischen Regierung die denkbar besten, aber Angesichts der Thatsache, daß unsere Nachbarn an der Grenze leicht erregbar seien, sei eine Gewähr für die Dauer bi-fer Gesinnung nicht gegeben. Wir haben Elsaß-Lothringen nicht erlangt, schließt Redner durch eine Volksabstimmung, sondern durch Waffengewalt. Wir wollen Elsaß-Lothringen nicht aufgeben, sondern wollen es in dauerndem Besitz behalten.
Abg Riff (frs. Vg.) bedauert lebhaft die Erklärung des Reichskanzlers. Die große Mehrheit der Bevölkerung von Elsaß-Lothringen sei patriotisch und habe schwer zu leiden unter der Anwendung des Diktaturparagraphen Die Reichsregierung unterschätze das Gefühl der Demütigung, welches angesichts der Diktatur in den Elsaß-Lothringern Platz greife. Dieselben wollten nicht deutsche Staatsbürger zweiter Klaffe, minderen Rechts, sein
Abg Hauß (Els.) meint, gegen unzulässige Agitation vom Auslande habe die Regierung ja schon im Preßgesetz und im Vereinsrecht Waffen genug, daher sei dieser Paragraph wohl zu entbehren.
Abg Prinz Hohenlohe (b. k. F ) bemerkt, es sei wahr, daß im allgemeinen die Bevölkerung in Elsaß-Lothringen ruhig, friedlich und deutschgesinnt sei. Aber nicht die ganze Bevölkerung sei so. Ein Teil der Presse, und zwar gerade derjenige, der von katholischen Geistlichen geleitet werde, suche die bestehende Kluft noch zu erweitern. Und bei diesen habe sich die Bevölkerung zu bedanken, wenn der Diktaturparagraph immer noch nicht aufgehoben werden könne
Abg Hoeffel (Rp.) führt aus, der Diktaturparagraph schädige Elsaß-Lothringen politisch und wirtschaftspolitisch. Im Interesse des ganzen deutschen Vaterlandes liege es, endlich den Ausnahmerechtszustand aufzuheben.
Abg Groeber (Zentr.) plaidiert gleichfalls für den Antrag. Was die Frage der Errichtung einer katholisch-theologischen Fakultät in Straßburg mit dieser Frage zu thun habe, sei unerfindlich Dies sei doch eine innere Frage der katholischen Kirche. Kein einziger stichhaltiger Grund sei für die Aufrechterhaltung des Diktaturparagraphen geltend gemacht worden
Abg Singer (Soz.) ist ebenfalls für den Antrag und findet es etwas verwunderlich, wi: ein Mitglied der so ganz „internationalen" Familie Hohenlohe in den Verhältnissen Elsaß Lothringens, in dortigen internattonalen Bestrebungen und in Preßstimmen dortiger Blätter einen Grund erblicke für Aufrechterhaltung der Diktatur daselbst.
Abg Büsing (nl.) ist peinlich berührt von den vor 5 Jahren abgegebenen Erklärungen des Reichskanzlers und den heutigen. Damals habe Fürst Hohenlohe ausdrücklich erklärt, der Paragraph richte sich nicht gegen die Bevölkerung, heute habe er gesagt, der Paragraph sei nötig wegen einer Minderheit im Lande Gr, Redner, könne nicht glauben, daß die Verhältnisse in Elsaß-Lothringen sich seit 5 Jahren so verschlechtert haben sollten, wie das hiernach der Fall sein müffe Wenn der Reichskanzler sage, der § werde überhaupt kaum angewendet, so wolle er, Redner, sagen, daß er eben dann überflüssig sei. Der Schaden, der aus der Beibehaltung entfiebe, sei unendlich viel größer, als der Nachteil, der aus der Aufhebung des § entstehen könnte.
Geh. Rat Halley bittet um Ablehnung des Antrages, desgleichen Abg. Arendt Rp.) im Namen des größten Teiles seiner Freunde.
Abg. Werner (Antis.) empfiehlt den Antrag zur Annahme, desgleichen Abg. Rickert (frs. Bg).
Abg. Vonderscheer (Els.) hält dem Abg. Prinzen Hohenlohe vor, daß er in seiner Kandidaturrede bei den Wahlen sich für Aufhebung des S ausgesprochen habe. Derselbe habe sich damit in Widerspruch zu seinem Wahlkreise und zu dem ganzen Lande Elsaß-Lothringen gesetzt. Freilich sei derselbe ja auch Bezirkspräsident. (Präsident von Frege erinnert den Redner daran, daß es nicht Gebrauch sei, die Berufsstellung eines Abgeordneten in die Debatte zu ziehen).
Nach weiterer kurzer Debatte wird der Antrag mit sehr großer Mehrheit angenommen.
Morgen 1 Uhr: MUitäretat.
Schluß 6 Uhr.
Deutsches Reich.
Berlin, 21. Februar. Der Kaiser hörte heute vormittag im Jagdschloß Hubertusstock den Vortrag des Chefs des Zivilkabinets von Lucanus.
— Nach einem Londoner Telegramm der „Voss. Ztg." erfährt die „Trnth", die Königin Viktoria reife am 7. bber 8. März über die St. Gotthard-Tunnelroute nach Bordighera; der Kaiser und Prinz Heinrich würden wahr- scheinttch die Königin auf dem Babuhof in Straßburg begrüßen. Auf der Rückreise würde die Königin wahrscheinlich dem Darmstädter Hof einen kurzen Besuch abstatten. Wenn diese Absicht ausgeführt werde, würden das Kaiser- paar mit dem Kronprinzen und der Herzog und die Herzogin von Coburg der Königin in Darmstadt begegnen.
— Der Vater des Oberpräfidenten der Provinz Brandenburg. Landrat a. D. Felix v. Bethmann-Holl- w e g, Mitglied des Herrenhauses, ist heute auf Hohenfinow, im Kreise Oberbarnim im Alter von 75 Jajhren gestorben.
— Das Befinden des Abg. Lieber war am heutigen Vormittag andauernd gut. Auch die vergangene Nacht hatte der Kranke in ruhigem Schlafe verbracht.
— In der Budgetkommission des Reichstages wird am Donnerstag die Beratung des Marineetats beginnen. Die Beratung der Flottenvorlage wird, wie jetzt offiziell feststeht, erst nach völliger Durchberatung des Etats in Angriff genommen werden.
— Der Marine-Attachee bei der hiesigen russischen Botschaft, Korvettenkapitän Paulis, überbrachte heute im Auftrage des Kaisers von Rußland dem Staatssekretär des ReichsMarineamts, Vizeadmiral Tirpitz, den Weißen Adlerorden.
— Der nationalliberale Abgeordnete Dr. Kruse, welcher den l-annoverschen Wahlkreis Aurich vertritt, wurde heute vormittag im Reichstagsgebäude von einem Schlagansall betroffen. In einem der Kommissionszimmer wurde em provisorisches Krankenlager für ihn her- gerichtet. Nach der „Natztg." ist der Zustand sehr bedenklich.
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