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23.2.1900 Erstes Blatt
 
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Myes Blatt.

^rettaq den 23. Februar

1900

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Fernsprecher Nr. 51.

* Dom Kriegsschauplatz.

Der Anfang vom Ende.

Die letzten Siegesnachrichten der Engländer, die von jedem, der die Ereignisse auf dem Kriegsschauplätze auf­merksam verfolgt, mit großem Zweifel ausgenommen wurden, hsben nun ihre, wahrscheinlich endgiltige, Erledigung ge­funden. Wir registrieren die Meldungen, wie sie uns zu« grgangen sind, und geben auch die letzten Depeschen kom­mentarlos wieder, da sie an Deutlichkeit nichts mehr zu wünschen übrig lassen.

Brüssel, 21. Februar. Die Burenkreise bezeichnen in» folge der veränderten Kriegslage alle bis­herigen Positionen in Natal als unhaltbar, w eShalb General Joubert die vollständige Rück­wärtskonzentrierungaller Streitkräfte anord- n» t e. Natal wird sonach geräumt. Die Belagerung von Lady- sinyth wird aufgehoben, um die Truppen zur Verteidigung bt t Transvaalgrenze zur Verfügung zu haben. Man glaubt hier(!), daß General Buller noch im Laufe der Woche in Ladysmith einziehen wird. (WaS nicht allesgeglaubt" n ird!)

Loudon, 21. Februar. In militärischen Kreisen hdlt man den zweifachen Plan Lord Roberts, das Erdrücken der Armee deS Generals Cronje und btn Marsch gegen Bloemfontein als vereitelt. Bin entscheidender Zusammenstoß aus dem Freistaat^Gebicte dürfte nicht vor nächster Woche zu erwarten sein.

Loudon, 21. Februar. Lord Roberts verlangte tele# graphisch die Absendung von Offizieren.

Loudon, 21. Februar. Der nicht unberechtigte Jub ejl über die Wendung der Dinge auf dem Kriegs­schauplatz dauert in London fort, und die Zu­versicht nimmt zu. Doch herrscht die Ansicht, daß nun, WENN eS gelingt, General Cronje vor der Konzentration auf das Haupt zu schlagen, man vom Anfang vom Ende reden kann. Geschieht daS nicht, so steht General Roberts einer Burenarmee gegenüber, die so stark ist, Witz die seinige, uud im eigenen Lande kämpft.

London, 21. Februar. DieCentral News" meldet a»8 Ladysmith durch Heliogramm nach Weenen vom gestrigen Tage: Hier herrscht große Befriedigung über Bullers Einnahme des Bloys Hill, welcher von Ladysmith aus vollkommen sichtbar ist. Die Garnison beobachtete das Bombardement aus die Stellungen der Buren am Sonntag, und die englische Infanterie konnte genau gesehen werden, wie sie den Hügel erstieg. Es giebt eine vortreffliche Position diesseits des Tugela gegenüber Bloys HM, Namens ASvogel Krantz, welche, wenn sie besetzt würde, die Eisenbahn bis nach Nelthorpe und den Rücken und Gipfel des Bulwane Hill beherrschen würde. Man .rvvärtet vom Aufruf der Königin, daß er 45000 Mann gedienter Soldaten den Royal-Reservebataillonen zu- sühren wird.

*

Telegramme desGietzeuer Anzeiger".

Loudon, 22. Februar.Daily Mail" fordert die Nbsendung weiterer Truppen. Das Blatt ver­öffentlicht eine Meldung aus Lorenzo Marquez, wonach der Auren-Kommandant Wite eine großen Sieg über die Eng- läuder davougetragen habe.

Loudon, 22. Februar. Im Kriegsamt erwartet man für heute das Resultat der Schlacht zwischen der englischen Armee unter dem Befehl von Lord kstchener und General French und den Buren unter der Leitung von Cronje und Joubert. Die kngländer verfügen über etwa 50000 Mann gegenüber 30 000 Buren. Das ganze Schicksal des Feldzuges dürfte sich daher in dieser Woche zeigen.

Marseille, 22. Februar. Mit jedem Dampfer, der tiach Madagaskar und Südafrika abgeht, schiffen sich^z a h l- reiche französische Freiwillige nach Trans- vaal ein.

London, 22. Februar. Seit gestern mittag herrscht Jiffic unbeschreibliche Begeisterung. In allen Kreisen >it man der Meinung, daß das Ende des Krieges gekommen ist- Nach der in Schloß Windsor eingetroffenen Meldung to'ti dem Entsatz von Ladysmith haben die meisten Häuser geflaggt und heute abend soll die Stadt illuminiert iverden.

London, 22. Februar. Die Morgenblätter be- spue-chen die letzten Gefechte der Armee Lord Roberts, und jimd der Ansicht, daß derselbe sich in fortwährenden Sühnpfen mit General Cronje befindet. Mehrere Blätter Halben, daß eine mehrtägige Schlacht im Gange sei, b e i

der die Verluste der Engländer sehr bedeu­tend seien.

London, 22. Februar.Daily Mail" veröffentlicht ein Telegramm aus Kapstadt, worin berichtet wird, daß das BlattCap Argus" das Vorhandensein von mindestens 250 000 Mann englischer Truppen für erforderlich hält, um Herr der Situation werden zu können. Der Korrespondent derDaily Mail" versichert, aus bester Quelle zu wissen, daß die Afrikanderpartei mit dem allgemeinen Aufstande droht, falls die englische- Invasion im Oranje-Freistaat fortdauere. Die allgemeine Ansicht geht dahin, daß der Krieg jetzt erst begonnen habe.

Brüssel, 22. Februar. Alle hier eingetroffenen Nach­richten bestätigen den Rückzug der Buren aus Natal, dessen Räumung bereits vollzogen ist. Die hiesigen Burenkreise erklären jedoch, daß jetzt der Buren- Krieg erst beginne, da die Buren entschlossen sind, bis zum äußersten zu kämpfen; auch wenn die Engländer Blömfontein und Natal besetzen, werden die Kämpfe fort- dauern.

Kapstadt, 22. Februar. General Cronje ist bei Paardsberg eingeschlossen. Diese Nachricht ist bis jetzt nicht bestätigt. Ebensowenig die im Schlosse von Windsor eingetroffene Nachricht, daß Ladysmith entsetzt sei, noch nicht vom Kriegsamt bestätigt worden. (Die Depesche ift bereits durch neuere, vgl. unten, überholt. D. Red.)

London, 22. Februar.Daily Mail" veröffentlicht eine Mel­dung aus Lorenzo Marquez, wonach der Buren-Kommandant Wite auch einen großen Sieg über die Engländer davon getragen habe. Desgleichen wird von dort unterm 21- ds. Mts. gemeldet: Delarey habe die Kolonne des General French angegriffen und geschlagen und 80 Wagen und 2800 Ochsen den Engländern abgenommen.

Wien, 22. Februar. Nach hier eingelaufenen, angeblich von authentischer Seite kommenden Meldungen soll die Ein­schließung des General Cronje nicht gelungen fein. Die Eng­länder hätten vielmehr eine große Schlappe erlitten, und mehrere englische Generale, unter ihnen Kelly-Kenny, seien verwundet. General Roberts sei nur mit knapper Not der Gefangenschaft entgangen.

Hessischer Landtag.

Zweit»- Kammer der Larrdstände.

nn. Darmstadt, 21. Februar 1900.

Die Sitzung wird um einviertelzehn Uhr eröffnet. Am Ministertisch: Staatsminister Rothe, Finanzminister K ü ch l e r, Justizminister Dittmar sowie die Ministerial- Räte Braun, Ewald und B r e i b e r t.

Vor Eintritt in die Tagesordnung nimmt der Justiz­minister Veranlassung, einen Bericht derFrankfurter Ztg." richtig zu stellen, wonach der Abg. Ulrich gesagt haben soll, die Reden des Herrn Justizministers entsprächen nicht immer den Thatsacheu. Solche Redewendung sei ihm nicht zu Ohren gekommen, sonst hätte er hierzu nicht geschwiegen.

Abg. Leun-Gießen (Land) weißt auf ben schlechten Zustand des Bahnhofs Großen- Lin den hin. Die Prä miierungssrage halte er für sehr wichtig, und die Wünsche des Abg'. Weidner seien nicht von der Hand zu weisen.

Abg. Weidner kritisiert in längerer und äußerst scharfer Rede die Thätigkeit des hessischen Landwirtschafts­rates und sucht die Ausführungen des Abg. Haas- Offenbach zu widerlegen. Er bemängelt die Thätigkeit der Zuchtinspektoren und der Körkommissionen hinsichtlich der Auswahl der Zuchtrassen, und erbittet Abhilfe von der Regierung.

Abg. Hei den re ich wünscht von der Regierung ge­naue Nachweisungen Über die Richtigkeit der Anschuldig­ungen, die der Abg. Weidner ins Land geschleudert habe. Er wisse aber heute schon, daß es dem Abgeordneten nicht gelingen werde, den Beweis der Wahrheit anzutreten. Unsere ganze landwirtschaftliche Organisation in Hessen habe es sicher nicht verdient, daß man dieselbe so herab­setze, wie dies von dem Redner geschehen sei.

Abg. Schmitt weist es entschieden von der Hand, als habe er ober seine Partei das Ministerium Rothe stürzen wollen. Er zollt dem Staatsminister hinsichtlich seiner Loyalität und Arbeitslust die höchste Anerkennung. Die Bischofsfrage könne nicht in Betracht gezogen werden; denn hier sei eine Mißstimmung nicht zu Tage getreten, weil dieselbe von der Großh. Regierung in raschester Weise erledigt worden. Die Erklärung der nationalliberaleu Partei für den Herrn Staatsminister sei seiner Ansicht nach nicht nötig gewesen, und wenn dabei noch gesagt wurde einen Kulturkampf wolle sie nicht, wenn sie nicht dazu gezwungen werde", so müsse er doch erklären, daß er bas Gefühl habe, baß entweder hier eine bestimmte Absicht ober ein unrichtiger Ausdruck vorliege. Er nehme bas letztere an; benn er würbe es lebhaft bebauern, wenn bie

Zeit der Ausnahmegesetze wiederkehren werde. Die Männer des Ministeriums seien ihm alle sympathisch, und bezüglich des Schulministeriums habe er sich nur orientieren wollen; ein Vorwurf habe in seiner Rede nicht gelegen. Abg. Schmitt, in seiner Rede fortfahrend, kommt nochmals auf die Bischofswahl in Mainz zurück und stellt namens seiner politischen Freunde fest, daß die ihm angedichtete Erzählung, als habe er von der Regierung Zusagen be­züglich der Bischofswahl erhalten, die gebrochen worden seien, von A bis Z jeder Grundlage entbehrte. Eine Reihe von Anerkennungen, aber auch scharfe Tadel habe er für seine Rede erhalten. Der Tadel sei erfolgt, weil er den Justizminister zu sehr gelobt habe. Er bedauert noch, daß die Wirkung seiner Rede weit über das hinausgegangen, was beabsichtigt worden sei. Die Versicherung könne er aber geben, daß alles, was er vorgebracht habe, nur im Interesse des Landes und der Kirche geschehen sei.

Staatsminister Rothe betont, daß er der letzte sei, der dem Abg. Schmitt grolle; er bedauert aber, daß der­selbe ihm insofern unrecht gethan habe, als er an feiner Arbeitsfreudigkeit zweifele. Bezüglich der Landwirtschaft könne er konstatieren, daß hier ein frischer Wind wehe, und daß auch bei der Universität und der Technischen Hochschule Klagen nicht laut geworden seien. Die Arbeitsüberhäufung im Ministerium sei so groß, daß an eine Beamten­vermehrung gedacht werden müsse. Dabei wolle er noch feststellen, daß im Ministerium vom 1. April 1900 an eine besondere Abteilung für Handel, Landwirt­schaft und Gewerbe gebildet werde, weil dieselbe int Interesse der einzelnen wichtigen Erwerbszweige notwendig sei. Im einzelnen auf die ihm gemachten Vorwürfe noch­mals einzugehen, hält er nicht für nötig, und stellt die Thätigkeit seiner Person unter das Urteil des Hauses. An­erkennend nehme er Akt von dem ihm so wertvollen Beweis des Vertrauens, und es werde ihm dies von neuem ein Sporn sein, dieses Vertrauen zu rechtfertigen. Aus den Vorfällen in dem letzten Jahre werde sich jeder seine Lehre ziehen können. Der Schulabteilung habe der Abgeordnete besonderes Lob gespendet, und er freue sich, wenigstens hier Anerkennung zu finden. Sein ganzes Bestreben werde es aber sein, das hessische Schulwesen immer noch besser auszugestalten durch Heranziehung junger Kräste, welche sich in die Arbeit teilen. Mit dem Wunsche, daß jeder dem Lande dienen, und die Interessen desselben fördern helfen möge, schloß der Staatsminister seine Rede.

Nach einer kurzen Pause ergreift der Abg. Kohler- Darmstadt das Wort und stellt fest, daß es richtig sei, daß er den Standpunkt des Herrn Finanzministers bezüglich der Süddeutschen Eisenbahugesellschaft nicht teile. Man mache ihm den Vorwurf, daß er sich hierüber aus­geschwiegen habe, aber auf Grund der Geschäftsordnung sei es ihm nicht möglich gewesen, früher zu reden. Durch das Nebenbahngesetz seien die Städte vollständig in die Hände der Bahngesellschaften geliefert, ohne ein ent­scheidendes Wort in ihrer eigenen Sache sprechen zu dürfen. Diesen Gang auf dem Holzweg lehne er ab. Der von dem Abg. Schmitt am Freitag unternommeneHusarenritt" auf die Person des Herrn Staatsministers sei durch die Versöhnungsschalmeien des Abg. Brentano bedeutend ab­geschwächt worden. Das wichtigste aber sei, daß der Abg. Schmitt selbst zugestehen müsse, zu weit gegangen zu sein, und deshalb auf einmal die Friedensharfe schlage. Das Recht, ein Vertrauens-Votum zu stellen, halte er für sich und seine Partei in vollstem Maße aufrecht,, und lasse sich dieses auch nicht bestreiten.

Abg. Haas-Offenbach weist auf die großartigen Er­folge hin, welche in Hessen mit der landwirtschaftlichen Organisation erzielt worden seien. Die Silagen des Abg. Weidner würden geprüft, aber er könne heute schon sagen, daß vieles belanglos sei. Er fordert die Kammer auf, die Regierung in ihren Bestrebungen für die Hebung der Land­wirtschaft zu unterstützen.

Schluß der Sitzung um 1 Uhr. Donnerstag um 9 Uhr Fortsetzung der Debatte über das Finanzgesetz.

Deutscher Reichstag.

151. Sitzung vom 21. Februar. 1 Uhr.

Am Bundesratstische: Für st Hohenlohe und Gras Posa­da w s k y.

Bei fast leerem Hause beginnt die Beratung des Antrages Winterer und Genossen (Els) auf Aufhebung des sogen. D ikt a tu r p a r agrap h e n indem Verfassungs- und Verwaltungs- gesetz für Elsaß-Lothringen.

Abg. Winterer (Els) weist darauf hin, wie dieser ausnahme- gesetzliche Zustand noch älter sei, als das Jesuitengesetz. Seit 28 Jahren befinde sich Elsaß-Lothnngen fortdauernd unter dem kleinen Belagerungs­zustand. Der gegenwärtige Reichskanzler habe ja den Paragraphen etwas milder gehandhabt, aber die grundsätzliche Auslegung desselben sei unter allen Statthaltern die gleiche gewesen. Ein Ausnahmerecht, welches gestatte, harmlose Bürger auszuweisen ohne Vernehmung, sei exorbitant. Dabei sei das elsässische Volk ein friedliches, ordnungsliebendes, selbst die Ausstände daselbst seien stets ruhig verlaufen. Im Jahre 1895 habe der Reichstag den Antrag mit großer Mehrheit angenommen. Möge das auch diesmal geschehen.