Ausgabe 
22.12.1900 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Die Meldung von dem plötzlichen Ableben Ihres Gatten hat mich mit aufrichtiger Teilnahme erfüllt. Ich gedenke gern der ver­dienstvollen Tätigkeit des Verstorbenen als Landrat wie als Vor­sitzender deS Provinzialausschusses der Rhetnprovtnz und als Prä­sident deS deutschen Vereins vom heiligen Lande. Gott der Herr wolle Ihnen und den Ihrigen in der großen Trübsal mit seinem Tröste betstehen. Wilhelm L R.

Im besonderen Auftrage des Sultans ist ein Flügeladjutant desselben von Konstantinopel nach Berlin abgereist. Der Beauftragte hat unserem Kaiser ein prachtvolles Geschenk zu überreichen. Dasselbe besteht auS zwei großen Kavalleriesäbeln, zwei Jnfanteriedegen und vier orientalischen Reitpeitschen. Die Säbel und Degen sind aus massivem Gold mit hoher Gravierung. Die Waffen sind mit Brillanten und Edelsteinen besetzt. Die Reit­peitschen find ebenfalls aus massivem Gold gefertigt und mit Edelsteinen garniert. Die Gegenstände sind antik und entstammen dem türkischen Kronschatz.

Der Urlaub, auf dem sich der Oberhofmeisster der Kaiserin, Frhr. v. Mirbach, befindet, wird mit den Vorkommnissen bei den Spielhagenbanken in Ver­bindung gebracht. Nach derBerl. Ztg." soll Freiherr v. Mirbach vom Amte suspendiert worden sein, weil er Sanden zur Adelung vorgeschlagen hat.

DasB. T." berichtetauf Grund von Infor­mationen an wohlunterrichteter Stelle" von einem Ge­treidezoll-Kompromiß, der bereits zwischen Centrum, Konservativen und Freikonservativen abgeschlossen sei, und dem ein Teil der Nationalliberalen bereits beige- treten sei".

Von einem deutsch-türkischen Geheimver­trag, der Deutschland die Perlenfischerei imper- sischen Golf zur Ausbeutung überläßt, und einige Stütz­punkte zur Errichtung von Fischereistationen und Notbauten zugesteht, wird in Konstantinopel gesprochen. Eine Klausel in dem Vertrage soll besagen, daß die Ausbeutung durch eine private Gesellschaft und nicht durch den Staat zu er­folgen habe, und daß eine jährliche nominelle Pachtsumme zu erlegen ist. (Daraus, daß wir diese märchenhafte Nach­richt hier mitteilen, darf nicht gefolgert werden, daß wir fie für wahr halten. D. Red.)

Die in Dar-es-Salaam erscheinende Deutschafr. Ztg. erhob Beschwerden gegen die subventionierteDeutsch- Ostafrikalinie, die Deutsch-Afrika mit seinen"Bedürf­nissen und Wünschen vernachlässige. Demgegenüber erklärt dieNord. Allg. Ztg." daß die Reichsbehörden bei dem Abschlüsse des neuen Vertrages mit der Deutsch Ostafrika- Linie in jeder Weise bestrebt gewesen find, das Interesse des deutsch-ostafrikanischen Schutzgebietes in jeder Weise wahrzunehmen, namentlich den Hafen Dar-eS-Salaam zu einem Hauptstützpunkt des ostafrikanischen Dampferverkehrs der subventionierten Linie zu machen. Dies Bestreben ge­lange u. A. darin zum Ausdruck, daß in diesem Hafen ab 1. Januar 1901' für sämtliche Postdampfer ein Mindest­tarif und Mindeftaufenthalt von 24 Stunden festgesetzt wurde.

Baden-Baden, 20. Dezember. Reichskanzler Graf Bülow traf heute mittag hier ein. Mit ihm kamen der badische Minister des Auswärtigen v. Brauer und der preußische Gesandte v. Eisendecher, die den Reichskanzler von Karlsruhe aus begleiteten. Graf Bülow wurde sofort vom Großherzog empfangen und zur Frühstückstafel zugezogen. Zu dem Diner, das im Schloß stattfand, er­schienen sämtliche badischen Minister.

Stuttgart, 20. Dezember. Reichskanzler Graf Bülow hat hier durch sein Auftreten den besten Eindruck erzielt, namentlich dadurch, daß er fich den Einzelstaaten gegenüber durchaus auf den Boden der den förderativen Charakter des Reiches verbürgenden Reichsverfassung stellt.

Ausland.

Paris, 20. Dezember. Kammer. Bei der heutigen -Beratung des Marinebudgets sagte Lockroy, ein un- . widerstehlicher Zug weise alle Mächte auf daS Meer hinaus. Redner beklagt ßch über den minderwertigen Stand der französischen Marine und die Langsamkeit deS Schiffsbaues. Die Marine Frankreichs habe nicht allein diejenige Englands, sondern auch die Deutschlands zu Konkurrenten und könne ihre Stellung verlieren, die sie jetzt einnehme. Lockroy bringt verschiedene Beschwerden vor und schließt, Frankreich sei jetzt weniger sicher vor einem Seekrieg als vor einigen Jahren.

Cettiuje, 20. Dezember. Aus Anlaß des heutigen 40jährigen Regierungsjubiläums des Fürsten Nikolaus bat der Ministerpräsident den Fürsten in einer Ansprache, den TitelKönigliche Hoheit" sich beizulegen. Der Fürst nahm dies Anerbieten an und dankte in seiner Erwiderungsrede allen Herrschern Europas, die in dieser Angelegenheit ihm einen neuen Beweis ihrer Freundschaft durch Anerkennung des neuen Titels gegeben.

Tanger, 20. Dezember. Die Regierung von Marokko zahlte der Familie Marcos 25000 FrS. Sühnegeld für die Ermordung des amerikanischen Staatsangehörigen Marcos, der in einem französischen Handelshause in Fez angestellt war.

New-Nork, 20. Dezember. Der Achtundvierziger Hugo Wesendonk ist heute gestorben.

Der Nicaraguakanal-Vertrag wurde rati­fizier^______________________________________________________________

Prozeß Sternberg.

Berlin, 20. Dezember.

Zu Beginn der heutigen Sitzung sind die ncugeladcnen Hwölf Zeugen zur Stelle, ebenso die Zeugin Schnörwange, die gestern Nacht in einem Quartier in der Alexandrinen- straße ermittelt worden ist.

Prediger Griese bekundet, daß die Schnörwange in der Konfirmation zurückgestellt worden sei, weil ein Verfahren wegen Diebstahl gegen sie eingeleitel ge­wesen sei.

Tie Zeugin Schnörwange bestätigt, daß sie nicht eingesegnet sei.

Frau Semler weiß nur, daß die Schnörwange ein lockerer Vogel ist.

Zeuge Steinke, Pfleger der Schnörwange, giebt der­selben das Zeugnis, daß sie ein sittenverdorbenes Mädchen sei. Ueber ihre Unglaubwürdigkeit könne er nichts aus­sagen.

Berwaltersfrau Grebowski bekundet, daß alle Augenblicke über die Schnörwange von den Leuten erzählt worden sei, daß sie gestohlen habe, sich herumtreibe re.

Auf Befragen des Rechtsanwalts Fuchs I. beschränkt die Zeugin Schnörwange einige früher von ihr ab­gegebene bestimmte Aussagen, die zu Ungunsten des An­geklagten ausfielen, dahin, daß sie diese Daten nur vom Hörensagen hat. Die Zeugin wird jetzt vereidigt.

Da von allen Seiten auf weitere Beweisauf­nahme verzichtet wird, wird diese endgiltig ge-- schlossen und es ergreift das Wort zur Schuldfrage Staatsanwalt Braut. In seinem Plaidoyer zieht der Staatsanwalt zuerst Vergleiche zwischen dem ersten und dem zweiten Prozeß, dabei hauptsächlich auf die zweierlei Aussagen der Frieda Woyda hinweisend und auf das un­geheuere Maß von Beeinflussungen, das bei diesem Prozeß zur Anwendung gekommen sei. Der erste Gedanke sei gewesen, daß Blümkes die Woyda beeinflußt hätten; der Versucher sei ja früh an dieses Ehepaar herangetreten. Ein wirklicher Beweis, aber dafür, daß die Woyda von Blümkes bearbeitet worden sei, sei nicht erbracht. Blümkes hätten alle an sie herangetretenen Versuche, sie zu bestechen, der Polizei gemeldet. Daß die Woyda eine sehr große Augst vor dem Waisenhause habe, sei aus den Verhandlungen sehr deutlich hervorgegangen. Da sei es wohl möglich, daß sie hoffe, bei Blümkes bleiben zu können, wenn sie bestreite, daß mit ihr irgend etwas Un- sittliches passiert sei. Vielleicht sei auch, das alte Spruch- wort: Schweigen ist Gold! nicht ohne Einfluß aus das Mädchen gewesen. Vielleicht hoffe sie auf die spätere Dankbarkeit Sternbergs. Der Staatsanwalt geht auf die Ehlert ein, und, nachdem er bemerkt, daß er von derselben ganz absehen wolle, auf die Callis. Diese habe wochen­lang gelogen, daß sich die Balken bogen, und erst, als sie gesehen, daß sie vor dem Eide stand, habe sie der Wahr­heit die Ehre gegeben. Ganz anders aber sei es mit der Woyda. Von Reue könne bei diesem Mädchen keine Rede sein; man könne sich nicht sagen, sie sei ein Kjnd, das jetzt bereue, daß es durch Lügen einen Menschen unglück­lich gemacht habe und nun die Wahrheit sagen wolle. Wenn sie sage, Stierstädter habe es ihr eingeredet, -so sei das nicht wahr. Diese Behauptung liege in demselben scheuß­lichen System, in der Art, wie Stier'städter hier angegriffen worden sei. Und was sei von allen diesen Angriffen an Stierstädter hängen geblieben? Er habe sich als. ein Mann gezeigt, der durch keine Verlockungen vom Wege der Pflicht abzubringen gewesen sei. Allerdings habe er sich als Beamter des Ehebruchs schuldig gemacht, und dafür werde er die Folgen zu tragen haben. Aber er habe unter seinem Eide erklärt, daß es nur einmal geschehen sei. Ter Staatsanwalt rekapituliert nun die Vorgänge bei der Vernehmung der Frieda Woyda vor dem Kriminalkom­missar v. Tresckow und stellt dann die Frage: Was war das Motiv, was giebt uns eine Erklärung für die Annahme, daß Frieda Woyda früher gelogen haben sollte? Es sei ja richtig, daß die Frieda Woyda kleine Unwahrheiten gesagt habe; aber daraus könne man doch nicht folgern, daß sie fähig ses, eine so große und, wenn es eine Lüge wäre, über alle Maßen und über alle Begriffe hinaus schamlose und rücksichtslose Lüge zu sagen. Wenn die Sach^- verständigen sagten, daß die Woyda sexuelle Anlagen habe, dann frage er, aber weshalb? Der Fall Sternberg habe die Anregung dazu gegeben. Habe jemand sie beeinflußt, oder habe der Prozeß die Wirkung gehabt, daß sie den Entschluß gefaßt habe, so zu werden, dann möge den Fluch, dieses Kind verdorben zu haben, derjenige tragen, der sie dazu veranlaßte. Wenn es ausgeschlossen sei, daß Frieda Woyda bewußt gelogen, daß sie sich Die ganze Sache aus­gedacht, so gebe es keine Motive für ihren Umfall, so müsse man zu dem Resultat kommen, daß die Woyda damals nach bestem Wissen Erlebtes erzählt habe. Das würde aber nicht ausreichen zur Ueberführung eines Mannes; die Aussagen eines solchen Kindes könnten keine bündigen Beweismittel abgeben und keine Richter würden darauf allein verurteilen. Aber es kämen noch viele Momente hinzu. Man wisse aus Sternbergs Vorle'ben, daß er seit vielen Jahren in ausgedehntem Maße Ehebruch mit jugendlichen Personen getrieben habe. Dank der eigenen Unvorsich? tigkeit Sternbergs sei eine ganze Reihe von Zeugen vor­handen, die gegen ihn sprechen. Tu sei z. B. die Zeugin Pfeffer, der wohl niemand im Saale die Glaubwürdig­keit versagen werde. Sternberg könne sich nicht über das hier aufmarschierende weibliche Zeugenmaterial be­schweren. Die Schnörwange sei sicher keine Tugendperle, aber Geheimratstöchter würden sich Gottlob nicht mit ihm abgegeben haben. Er habe sich in dem Schlamm der Straße bewegt, und wenn die Gestalten aus diesem Schlamm hervorgeholt würden, so könne er sich nicht dar­über beschwert. Sternberg habe im Kuppelquartier der Margarethe Fischer verkehrt und habe sicher noch mehr solcher Plauderboudoirs gehabt. Uebrigens habe ja die Margarethe Fischer selbst zugegeben, daß Sternberg der Maler sei. Aus seinem Verhalten der Fischer gegenüber gehe unzweifelhaft hervor, daß er Furcht vor dem Zeugnis der Margarethe Fischer gehabt habe, aus diesem Grunde habe er sie auch nicht aus Amerika herholen wollen. Nachdem der Staatsanwalt noch den Brief der Marga­rethe Fischer an die Pfeffer einer Besprechung unter­zogen, bemerkt er, daß der Fall Callis als solcher aus­zuscheiden habe. Aber er churakterisiere doch den Ange­klagten. Tie Teichert lüge ohne Zweifel. Dieselbe sei damals schon ein verdorbenes Mädchen gewesen. Stern­berg hätte sich sagen müssen, daß sie auch unter 14 Jahre alt sein könne, und er habe sich dies auch gesagt. Es liege also mindestens der Dolus eventualis vor. Sei der Angeklagte also schuldig, so trete die Frage nach mil­dernden Umständen und nach dem Strafmaß heran. Die ersteren seien ihm rundweg abzuschlagen. Wer sich so verteidige, wie Sternberg sich verteidigt habe, gehe der mildernden Umstände unter allen Umständen verlustig. Er beantrage wegen des Falles Woyda die in der ersten

b"11hn.V8

1 Memmen -Veni

bas . N

ton^"

,JSr

Aus Stadt und Land.

Sieten, 21. Dezember 19W.

* * Weihnachten steht nun unmittelbar bevor, dlndeo» so langen Abenden mit den traulichen Dämmerstunde» es sich gut träumen. Die Erinnerung trägt den SrvB' . den Fremdling zurück in die Heimat, in das väterW^^ wo die Mutter in solchen Dämmerstunden den & dem beschneiten Walde und den Wölfen erzählt . röschen und Rotkäppchen, Aschenbrödel und Schutt«> .

und all die andern Gestalten der deutschen Märchens ihrer märchenhaften Pracht und Herrlichkeit ihren hielten. Und wenn die Mutter dann die Anw i Christkindleins verkündete, wie glänzten dann die y wie stürmisch pochten die Herzen! UnauSlöfW I ganze Leben hat sich uns die Erinnerung an W ,c lichen Dämmerstunden eingeprägt, als wir zu ven v * der Mutier am knisternden Feuer saßen, während die weißen Flocken in der Luft tanzten und m ihre schneebedeckten Häupter an die Fenster neig etwas giebt es heute nicht mehr. Grauer Neve», A, und schmutzige Straßen, auf die man nur wider begiebt, das ist die heutige Signatur des naheno uachtsfeftes. Trotzdem wird uns diese sowohl Du$ Erinnerung an fröhliche, längst verklungene Kmverrag und wert, als auch um deswillen reizvoll, al 1 freudiger Ahnungen und Ueberraschungen ifl. £ oder weniger erwachsenen Töchter des pa s h Stick-, Strick , Näh- und Häkelwerk beendet, uuv wo in den letzten Wochen und Tagen Die man w ßg glieder der Familie ungerufen eindrangen,

f» tzrntunuugeu. I » umbtr bin Professor I ! ium ersten Direktor ul , Schmit in Mainz M I Germanischen Zentrale ! Hoftierarzt zu Franks i RxtiWnärarji W : ernannt

" Hessische

l Ziehung sielen 2 Gewi : 31936 -m 300(

11580, 13725, 1522 . - 9 ö 2000 Mk. ai . 12761, 18539, 21,57 !Ml. auf Nr. 2716, 36 115797, 16017, 17 36: ; 24442, 26658, 27 26- i 2W-, 64W. - 5

1167,1300,1551, 24 585, 5815, 6110,

10170, 10715, 120 : 13915, 13 994, 14 2

17 654,17 793, 181 19825, 20518, 2081 24753, 24 862, 2608 29856, 29969,31 321

* WW Stt i uns heute aus btm 1 Herr Vorredner aus 1 seine Grenze." Sola

..stequentierte'Llldn M ruhebedürftigen wert im Vergleiche r urteiUfttit Geschöpf Mttmutt unb überföü wMiftfyomttiffys L ' N so laut find ' bis früh .st : SPW iit 4 jät

Min kurzer Zeit e1

5jnWtb7t»

®ihuib m

I »Qh W heute, |On leuer-

mitten W| pi Md 's1111

i i*',.'31

I «apaS iegen i ,

! * m,Äw| !

; ®ii<l , » raten ß"d.

I MmneMk d»« p1

! * «ch ' i Frieden des Festes W | £ viele milbtW S ; unb von ihrem Hebers

Instanz festgesetzte Gefängnisstrafe von 2 wegen des Falles Teichert eine Zuchthausstrafe' 2 Jahren und bitte, diese beiden Strafen zusammcnzuii in eine Gesamtzuchthausstrafe von 3 SJ? Außerdem beantrage er, gegen Sternberg Aberkenn der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre auszwpri? Gegen die Juta Wender beantrage er secl-s Monate z f ä n g n i s, gegen die Scheding 20 Tage wegen i ung und 3 Tage wegen der Beleidigung im Gerichts ' insgesamt 3 Wochen Gefängnis, gegen Lupva > setzung des Urteils.

Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbie l erklärt, bafo i nur auf allgemeine Bemerkungen beschränken wolle u- zwar wende er sich zunächst der Presse zu, die eh Justiz schwer gemacht habe, ihres schweren Amtes. walten. Wenn der Vorwurf erhoben worden sei, > einjünger unerfahrener Staatsanwalt" beauftrag! > den sei, in diesem Prozesse gegen sechs der gewieM Berliner Rechtsanwälte zu plaidieren, so frage er man diese Behauptung wohl heute noch aufrecht erh^ werde. Während des Verlaufes des Prozesses feien 2^ Rechtsanwälte abgetreten, und der Staatsanwalk soeben eine Schlußrede gehalten, wie sie von feint anderen vortrefflicher hätte erwartet werden können4 die Bemerkung derStaatsbürgerztg.", es fei auHallin- daß Dr. Romen von der Bildfläche weggetreten sch n widere 'er, Staatsanwalt Dr. Romen habe sich qt Amt nicht fesseln lassen, als er eine Stelle betör' 3i ihm besser zusage. Der Oberstaatsanwalt weist ferm'^ von der Verteidigung gemachten Vorwurf, Lich Schatten würden nicht gleich verteilt, entschieden selten habe es einen ungerechteren Vorwurf gegeben, \ diesen. Nachdem Tr. Jsenbiel noch eingehend ein.ei- Vorkommnisse aus dem Verhandlungen erörtert hatte er hervor, daß kein Angeklagter jemals schlechter verleid, worden sei, als der reiche Sternberg. T^en Verteile: selbst sei kein Vorwurf zu machen, denn der Ange kl,r; selbst habe sich die Führung nicht nehmen lassen. Li­er als reuiger Sünder gestanden haben, daß er? Opfer seiner perversen Leidenschaften geworden sei, bc? würde man ihm mildernde Umstände haben bcroilhg- können; nun aber habe er sich jede Sympathie versche:, Rechtsanwalt Fuchs I findet es unbegreiflich, t im Falle Teichert eine Zuchthausstrafe beantragt iver?- könne. Ein derart hohes Strafmaß sei nur erflärlr wenn man berücksichtige, wie nervös dieser Prozeß *.< Beteiligten gemacht habe. Was den Fall Woyda anlQiinl so liege nichts vor, was das gestrige Zeugnis der Fricil als unglaubwürdig erschüttern könne. Wo die liege, ob bei bfi: ersten oder der letzten Aussage « Frieda, wisse man reicht, und auch der Gericbtsdl'r föi r daraufhin nicht sein Votum geben. In bubin pro r< j nach diesem alten Rechtssatze müsse auch hier verfahr n werden. Stierstädter l>abe gewiß nicht aus böfer Abir gehandelt, als er die Frieda beeinflußte, aber bie ^- wie er sich in der Sache benommen, sei wenig geM i gewesen. Der polizeiliche Trieb und der Ehrgeiz hält« Stierstädter verleitet, seine Befugnisse zu übersäMr Tas Gericht möge nicht die Wahrheit als Gesck>enk ar den Händen des Herrn Stierstädter entgegennehmen, c bitte um Freispruch des Angeklagten Sternberg.

Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel erwidert in länger1. Rede auf die Ausführungen des Rechtsanwaiks 3-nrb und geht dann auf die. Angelegenheit der Verteidig' ein, dabei bedauernd, daß er nun Namen nennen muss Dr. Werthauers Briefhandel könne er nimmermehr a! einen geraden Weg ansehen. Auch daran nehme t Anstoß, daß Justizrat Dr. Sello, trotzdem er gewiH: daß Thiel ein bestochener Beamter war, nock) rndjrin?-' mit ihm konferiert habe.

Staatsanwalt Braut bemerkt, die Verhandlung Mi ein schauderhaftes Bild von der BerlinerAW Prostitution entrollt. Letztere könne nur unterdW - den, .wenn man gegen d ie Männer, die mißbrauchten und ihnen dann Goldstücke in die steckten, ganz energisch vorgehe. W . I

Rechtsanwalt Fuchs tritt den beiden Vorrednern^ längeren Ausführrrngen entgegen. Nachdem nod) anwalt Wronker eine kurze Bemerkung gemach-. die Fortsetzung der Plaidoyers auf morgen vormum«) vertagt. > ,^'^j

Die Voruntersuchung gegen den Kommissar Thi^ wegen Bestechung im Amte, ist geschstrssen worden.