Ausland.
Kopenhagen, 20. September. Eine Deputation überreichte dem König eine von achtzig westindischen Plantagenbesitzern unterschriebene Adresse, worin die dänische Negierung ersucht wird, die Inseln an Amerika zu verkaufen.
Haag,20. September. Die Königin und die Königin- Mutter begeben sich am 8. Oktober zum Besuch der Erb- gräfin von Erbach Schönberg nach König in Hessen.
— Der Minister des Aeußern erklärte in der heutigen Kammersitzung, die holländische Negierung habe dem Präsidenten Krüger ein holländisches Kriegsschiff zur Verfügung gestellt, nachdem sie vorher die englische Regierung davon in Kenntnis gesetzt hatte. Letztere habe erklärt, sie habe nichts dagegen einzuwenden.
e Brüssel, 20. September. Obgleich keinerlei offiziöse Bestätigung vorliegt, erhält sich hier das Gerücht, daß die Expedition des Oberstleutnants Five ermordet wäre. Zur Expedition gehören noch die Ingenieure Henrard und
Volltische Tagesschau.
Die neue deutsche Anleihe im Betrage von 80 Millionen M°rk ist bereits in New York zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt. Nach einem Bericht des „Standard" hat eine ueberzeichnung stattgefunden. Der Zeichnungspreis war auf 100 festgesetzt. Der O-ff-ntlichk-it ist bisher nach der Preis unbekannt, den die Reichsregierung erhallen hat. Die „Berl. Polit. Nachr." sprachen davon, daß, „soweit sie haben feststellen können", „ein dem Parikurse naher Preis erzielt worden" sei. Unter dem Parikurse ist der Preis also sicherlich geblieben. Damit stimmt überein, daß I "ach Anrechnung des Gewinnes der deutschen und ameci- l kanischen an dem Geschäft beteiligten Bankhäuser die An« leihe in New-York noch zum Parikurse den Zeichnern an- geboten worden ist. Es ist von Interesse, angesichts dies r Thatsache die Kurse deutscher vierprozentiger Werte zu betrachten. Nach dem amtlichen Bericht im „Reichsanzeiger" wurden an der Berliner Börse notiert: HessischeStaats- ?^bihe 10i,gg Schwarzburgische 99,90, Meininaische 100,7g, Weimarische 101,00; Provinzialanleihen notierten Hannoversche und Rheinische 100,eo, Westfälische III 100 40, von Stadtanleihen Charlottenburger II 100,80, Jenaer 100,10, von Pfandbriefen Berliner 103 30, Posensche VI-X 100,5g, von Rentenbriefen Kur- und Neumärkische 100 fin, Pommersche 100,20. Preußische 100,00, Posensche, Sächsische, Schlesische und SchleSwig-Holfteinsche 100,16, ferner Hypo« thekenpsandbriefe einzelner Emissionen verschiedener deutschen Hypothekenbanken 100,00 Nun hat auch in Dresden die! Zeichnung auf 5,000,000 Mark vierprozentiger Dresdener Stadtanleihe, unkündbar bis 1910, stattgefunden; es erfolgte eine bedeutende Ueberzeichnung. Der ZeichnunaS- PreiS betrug 99. Nach der Denkschrift des Reichsschadamts vom 1. Dezember 1899 war die seit 1875 aufge- nommene früher vierprozentige, jetzt dreieinhalbprozenrige Reichsschuld durchschnittlich zu einem Kurse von 99 o.„, die dreieinhalbprozentige zu 1O1,|O236, die dreiprozennge zu I 87'3167 begeben worden, sodaß der Zinsfuß, zu dem die Reichskasse den aufgenommenen Erlös zu verzinsen hat, sich I für die früher vierprozentige, jetzt dreieinhalbprozentige RerchSschuld auf 3,5987, für die Z'/zProzentige auf 3 461638 I und für die dreiprozentige auf 3/435768 v.H. berechnet. Die I thalsächliche Verzinsung des gesamten bis Ende Oktober I begebenen Anleihebetrages stellt sich im Durchschnitt aus 3'465502 V. H.
I geben, andererseits aber die Versammlüng nicht für korn- I Patent erachtet, einen endgiltigen Beschluß zu fassen. Jru I Einverständnis mit dem Referenten wird sodann die ge- I foulte Materie dem Vorstandsrat zur weiteren Beratung I überwiesen.
I Stuttgart, 19. September. Die staatsrechtliche I Kommission über die Bebenhäuser Konvention beschloß, die I Regierung zu ersuchen, dahin zu wirken, daß auch während I bes Bestehens des Befehls die Geschlossenheit des würt- I temb er gischen Armeekorps eine Einbuße nicht er- I lowe, daß die Abkommandierungen im Rahmen des wirk- I lachen Bedürfnisses vorgenommen werdeii, und daß das I württembergische Armeekorps vor allem in den höheren I Kommandostellen in der .Hauptsache von würt- temb er gischen Offizieren geführt wird.
M ü n ch e n, 20. September. Gestern abend wurde, wie schon kurz berichtet, die Leiche des Prinzen Heinrichv o n H e s s e n nach dem Zentralbahnhof übergeführt, um sodann nach Darmstadt verbracht zu werden. Um J Uhr verließ der Trauerzug das Palais in der Königinstraße. Berittene Schutzleute machten den Vortrab. Dann । folgte eine Hofequipage mit dem Adjutanten des Verstorbenen, Baron Starck, ein Piqueur mit Fackel, hierauf der sechsspännige Hof-Leichenwagen mit dem Sarge, be- deckt mit zahlreichen Kränzen, das Bahrtuch, behangen mit dem Wappen des Prinzen, dessen Helm und Degen auf dem Sarge lagen. Zu beiden Seiten des Leichenwagens schritten ein Seraant und die 12 Mann der Ehrenwache vom Jnfanterie-Leib-Regiment, sowie 14 Flambeaur tra- j genbe Lakaien von Mitgliedern des königlichen und des herzoglichen Hauses. Sechs Unteroffiziere vom 1. Schweren Reiter-Regiment trugen den Sarg in den Wagen und nahmen gleichfalls am Zuge teil. Dem Leichenwagen folgten die prinzliche Equipage mit dem ältesten Sohn des Prinzen, dem Grafen zu Nidda, sodann einige I Hofeqnrpagen mit dem Flügeladjutanten des Großherzogs von Hessen, Major Frhrn. v. Röder, und dem Major v. G e l d e r n. An der Einladerampe wurde, während die begleitende Ehrenwache präsentierte, der Sarg in den Waggon gebracht, der mit dem um zehn drei Viertel Uhr abends München verlassenden Würzburger Schnellzuge nach Darmstadt abging. Mit demselben Zuge reisten auch Graf zu Nidda, Baron Starck, Major Frhr. v. Röder und Major I v- Geldern nach Darmstadt ab. Freifrau v. Dorn- I berg, die Witwe des verstorbenen Prinzen Heinrich von I Hessen, war bereits mittags mit ihrem Sohne, dem Frhrn. I v. Dornberg, dorthin abgereist.
- Ter preußische Hof legte heute für den Prinzen Albert von Sachsen auf acht Tage und für den Prinzen Heinrich von Hessen auf 5 Tage Trauer au.
— Aus Anlaß der großen Manöver Hut der Kaiser an den kommandierenden General des 2. Armeekorps die nachstehende Kabinettsordre erlassen:
„Es ist Mir stets eine besondere Freude, das zweite Armeekorps, das Mein in Gott ruhender Herr Vater be- sehllgt und zu großen Thaten vorbereitet hat, vor Mir üben zu lassen. Ten vortrefflichen Eindruck, den Ich von dem Zustande des Armeekorps bei der Parade empfing, haben die nachfolgenden Manöver voll bestätigt. Sie ließen bei allen Gelegenheiten das eifrige, verständnisvolle Streben nach einer kriegsmäßigen Schulung der Truppen erkennen. Ich kann daher heute mit denselben Worten scheiden, die einst der unvergeßliche große Kaiser der der letzten Heerschau an das pommersche Armeekorps richtete: Es ist jeder Aufgabe gewachsen; so habe Ich es immer gekannt, so habe Ich es auch jetzt gefunden, und so Wunsche Ich von Herzen, daß es jederzeit bleiben möge, Tann werden die pommerschen Regimenter ihre erneuerten Fahnen und Standarten gleich den alten nur zu Ruhm und Sieg führen. Ich weiß, welcher Fleiß und welche unermüdliche Thätigkeit erforderlich sind, um dleses Ziel zu erreichen, und spreche Ich hierfür gern Meine warme und dankende Anerkennung aus. Ich er- suche L-ie, dies allen Generälen, Kommandeuren und Offizieren unter Bekanntgabe der in der Anlage verzeichneten Gnadenbeweise mitzuteilen, auch den Unteroffi- zieren und Mannschaften Meine vollste Zufriedenheit ! mit ihren Leistungen auszudrücken. Ihnen selbst ver- wihe ^ch zum Zeichen Meines Königlichen Tankes für » ♦ ^Kreich^ Kommandoführung das Großkreuz des Roten Adlerordens nut Eichenlaub. Meine besonderen ^bvie^kungen über die Manöver behalte ich Mir vor Stettin, 14. September 1900. (gez.) Wilhel m." v. c. Ar preußische Minister für Handel und Gewerbe ^s^b^A^eraamter zu Erhebungen darüber veranlaßt, welche R e u a n I a g en auf den S t e i n ko h l e n b e r g
r V1 P.r °" k e n zurzeit in der Ausführung be- gnffen ,md und m welchem Maße diese in den nächsten Zähren zu der Kohlenproduktion beitragen werden. Diese I Äsungen haben ergeben, daß in den Steinkohlenbezirkeu Preußens gegenwärtig 72 Neuanlagen in der Herstellung I Pttn A 9 rx VI ) . - ., eine Förderung von I
??? 2'° dAUronen Tonnen und für das Jahr 1905 eine solche von über 12 Millionen Tonnen erwarten lassen Ta I nut den bereits vorhandenen Förderanlagen die Produk- I tl0n ™ demselben Maße gesteigert werden! kann wie in | den letzten Jahren, so ist anzunehmen, daß die gesamte I K o h l e n p r o d u k t i o n, die in den letzten Jahren jähr- I M nnt 6 bis 7 v. H. imDurchschni11 gestiegen. I ist, in den nacksten Jahren mindestens in demselben Maße I zunehmen wird, vorausgesetzt, daß es den Grubenverwalt- I Hn?en die nötigen Arbeitskräfte zu beschaffen I
uEr dieser Voraussetzung würde die gesamte Kohlenpro- I duktion Preußens für das Jahr 1901 zu 106,5 Mill. I ? °t.n n fy.. Millionen Tonnen mehr als im I •öogre 1899 gefordert wurden, anzunehmen sein.
— Die Deutsche Kolonialgesellschaft hat mit ihren Bemühungen, den Ansiedlern in Teutsch-Südwest- l a f r i k a bie Gründung eines Hausstandes mit d e u t s ch e n Mädchen zu ermöglichen, bisher gute Erfolge erzielt. I
L°"zen 60 Personen auf Kosten der Ge- 1 Mchaft nach Deutsch-Südwestafrika befördert worden ®tn. Au von ihnen waren Dienstmädchen, ein anderer Braute, Ehefrauen und sonstige Angehörige von Ansiedlern I Die Hinaussendung geschah in jedem Falle nur unter der Bedingung, daß vom kaiserlichen Gouvernement eine Be- I statigung dafür gegeben wurde, daß die Hinausgesandteu rn der Kolonie ein gesichertes Unterkommen finden würden. Von den übergesiedelten Mädchen sind alle, mit wenigen Ausnahmen, bereits verheiratet oder verlobt. Die An- I '^vler begrüßen das Unternehmen der Deutschen Kolonial- I gesellschaft mit der lebhaftesten Anerkennung. I
•ft ^^isee, 19. September. In Freiburg i. B. und hier ist die 9 Generalversammlung desVerbandes deutscher G e w e r b e v e r e i n e abgehalten worden. I Anwesend waren u. a. die Vorstände der Gewerbever- I banbe Baden, Bayern, Württemberg, Pfalz, Hessen, Kassau, Thüringen, Hannover, Mecklenburg und Elsaß- Oothringen, im ganzen etwa 200 Personen. Von der Ver- APn^nw,„»U1:be bi,e Bildung von Rohstoff- und Werk- Genossenschaften, wo sie nur irgend möglich sei, empfohlen. bnfinhrPmrrra-rt ber Berbandstag: 1) Es ist notwendig, daß dem kleineren und Mittleren Gewerbestand die Seq- uungen einer Invaliden - und Altersversiche r- trüiU 1 ^rbandsleikung wird beauf-
ttagt, an der Hand des von den Referenten Geißler und Sckswank eingegangenen Materials dem nächsten Verbands- ^eignete Vorschläge zu unterbreiten. Oberrcchnungs- g e I b arf) = Darmstadt referiert über das Thema „Versicherung aus Sterbefall für Mitalieb^ Verbandes deutscher Gewerbevereine" unter Hinweis auf die gut prosperierende Sterbekasse des hesftsZn Landes! gewerbevereins, die auf das Umlageverfahren aufaebnut fet. Der Antrag geht dahin, 1) es möchten sich Aßere Verbände gewerblicher Vereinigungen ber Sterbekasse des hessischen Landesgewerbevereins anschließen dH bie Leitung dieser Verbände mit der Leitung der genannten Sterbekasse in schriftlichen Verkehr treten und dahin wirken, daß die Mitglieder dieser Verbände der genannten Sterbekasse beitreten ober 2) bie Leitung des Berbanbes Möchte bei bett einzelnen Unterverbänben auf den Anschluß an bie Sterbekasse des hessischen Vereins hinwirken. In der Debatte wirb bie Wichtigkeit ber Materie zuge-
Deutsches Reich./
Berlin, 20. September. Der Kaiser nahm gestern nach seiner Ankunft in Kabinen den Vortrag des Ehefs des Zivilkabinetts von Lukanus entgegen. Heute vormittag hörte der Kaiser in Kadinen die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts von Lukänus und empfing dann den Grafen Wolff-Metternichs
— Der Kaiser reist am Samstag fjrüh 10 Uhr vow Elbing nach Rominten und trifft in Tilsit gegen 2 Uhr ein. Es wird angenommen, daß die Kaiserin direkt von Kabinen nad) Rominten fährt. Ter Kaiser unternahm heute Ausflüge in ben Wald unb wohnte ber Schlußsteinlegung eines neuen Ringofens bei.
I nPrh,A,.„Sle toar ®om König zur Anknüpfung von Handklr- Verbindungen ausgesandt. Für das Gelingen der Expedition awällloen"« r'Ct auLben E-nfluß des lange in der Mongolei Än S Sp'ingarte, der dort den Mandarinen, titel erhlelt. Auch er soll ermordet sein.
m20-.September. Bei der heutigen Truppen- «n!1 6ra*tc der Kriegsminister den Toast dent^Loubet^^" 0Ud* 9luf denselben erwiderte Präsi- die an' unsern MM^v?r'n^teilg7^ ^3/h^sie^daß"Sü" alle
I dem Ihnen bereiteten Empfanq ein autes 9inhpJv2 ®le aDe
Si- können Ihren Kegie/ui^
Zr°nkr-ichs -b-nso »ieS5«S«meS iufbem^
Empathie seitens der ÄfW» äX Änb» I haben. Ich bedauerte sehr, daß im voriaen ^iabre wea?n hPa roofnnti- I h^rtszustandes die großen Manöver unterbleiben mußten. Mit arober I kiieUbhi.>’'?e\0He Patrioten Frankreichs heute an dieser Truppenschau ÄnntV0? bem General Brugöre, dessen Hingebung und dessen Truppenschau a?xbc,?nnt geleitet wurden. Diese u bcn ^ten J°hren erreichten Fort-
I S S <ec 3U konstatieren. Die Truppenschau hat aezeiat, I ” unl. roeIt^e Ausdauer herrscht bei den Truppen aller
WrÄ nS er/etfirajj^c Regierung hofft ganz^besonders
I -und sie schreckt vor keinem Opfer zurück, um
BMe(fittoenäi5i8 ? 9r8? gestalten. Die erzielten Resultate
I ^nb ouf unsere Armee. Die Armee hat
aeütat Ls fte ftü$en kann. Die Manöver haben
I gezergt, daß das Volk und Die Armee ein ganzes bilden. Der Datrio- ÄVhao6 ?^tung, welche die Armee der Konstitution uiw den
Landes erweist, bedeuten das beste. Die Armee hat be- uues-N, daß die Truppen Vertrauen setzen auf ihren Chef. Indem wir uns der Kraft und der Macht unserer Armee versichert halten dürfen ^»dieselbe eme Gewähr für uns, daß die Ehre und die Interessen eSrS66r"iM?b " f*nb U"b b“,Üt' b“6 bCt uns
Truppenschau fand ein Bankett statt, an dem famtliche Armeekorpskommandanten und fremden Offiziere ! tettnahmen. General Brugöre dankte dem Präsidenten Loubet für ferne Teilnahme.
Madrid, 20. September. Ministerpräsident Silvela, der zugleich Marineminister ist, erklärte, daß seine Flotten- v 0 r la g e getrennt und unabhängig vom Budget vorgeleat und beraten werde.
Rom, 20. September. Die Anwesenheit des Königs ber der heutigen Feier des Jahrestages der Besetzung Roms wrrd vielfach abfällig beurteilt und die Befürchtung ausgesprochen, daß die Klerikalen dies als ein Zeichen der Schwäche auslegen werden.
Wien, 20. September. Heute vormittag empfing der Karser eine Deputation des Wiener Gemeinderats unter Führung von Dr. Lueger, bie ihm anläßlich seines 70. Ge. burtStages eine kunstvoll ausgestattete HuldigungSadreffe überreichte. Der Kaiser empfing die Deputation äußerst huldvoll und dankte herzlichst für diesen neuen Beweis von Anhänglichkeit und Liebe der Bevölkerung Wiens für feine Person. Zum Schluffe sprach er seine besondere Zufrieden» heit über den Fleiß des Wiener GemeinderatS aus.
■— Der Schah von Persien ist heute nachmittag hier eingetroffen. Kaiser Franz Josef und sämtliche Erzherzöge begrüßten den Schah auf dem Franz Josef-Bahnhofe und geleiteten ihn dann in Hofcquipagen nach der Hofburg.
Belgrad, 20. September. Michael Duitsch, der frühere radikale Finanzminister, ist zum Gesandten in Paris ernannt worden. Dieser gilt als ein hervorragender Finanzter und soll, gestützt auf die neue russische Freundschaft, in Paris eine finanzielle Mission erfüllen, UW Serbien aus den drohenden Geldverlegenheiten zu helfen. Die jetzige Regierung hat die Staatskassen so leer gefunden, daß sie 2y2 Millionen Francs bei der serbischen Bank zur Deckung der dringendsten laufenden Ausgaben aufnehmen mußte.
Aus Stadt und Kand.
Gießen, den 21. September 1900.
I ** Zur Burgermeisterwahl. In der gestrigen Kommissions- I Atzung soll, wie wir hören, unter den ««gelaufenen 25 Mel- I düngen eine endgültige Beschlußfassung über die Bewerber,.
die in engere Wahl zu stellen sind, noch nicht erfolgt sein Bevor zur Aussonderung für die engere Wahl geschritten wird, sollen Erkundigungen über einige etwa in Betracht kommende Bewerber eingezogen werden. Bon den auswärtigen Meldungen soll nur eine von einem Nichtjuristen fein. Ein Bewerber, Bürgermeister Dr. Köst er-Hadersleben, hat sich hier bei den Herren Stadträten persönlich vorgestellt.
** Finavzministrr Guauth. Wir lesen in der „Frkfi Ztg.": „Wie aus Kreisen, die man für orientiert halten darf, verlautet, ist die Nachricht von der Konfessionslosigkeit des neu ernannten Präsidenten des Finanzministeriums, des Herrn Gnauth, unzutreffend. Herr Guauth soll allerdings noch bei seiner Wahl zum Oberbürgermeister von Gießen konfessionslos gewesen sein. Ballt darauf jedoch aber, nach seiner Bestätigung durch den Groß- herzog, soll er der Landeskirche beigetreten sein und auch seine Kinder entsprechend haben erziehen lassen." — Uns ift nur bekannt, daß die Kinder des Herrn Gnauth beim Eintritt in die Schulen dem Religionsunterrichte unterworfen wurden.
**Der Theaterverein wird in diesen Tagen die Mitgliebsbeiträge erheben lassen unb hofft, baß ihm auch in bi cf em Winter zahlreiche Mitglieder beitreten werden. Viele hervorragende Gäste haben sich dem Verein für i diesen Winter zur Verfügung gestellt, insbesondere auch Fräulein Irene Triesch, die rasch zu so großer Berühmtheit gelangte Künstlerin, welche den Mitgliedern vom vorigen Jahre her als Nora-Darstellerin in guter Er- j innernng ist. Frl. Triesch wird in den nächsten' Monaten, große Gastspielreisen machen, int Oktober gastiert sie in London, im Dezember unternimmt sie eine Reise durch Rußland, L'ie sie bis nach Petersburg führt. Außerdem wird sie an einer Reihe großer deutscher Theater gastieren. Ihr hiesiges einmaliges Gastspiel wird Mitte November


