Wn 228 Zweites Blatt.
Samstag den 22. September 15». Jahrgang !!>»<>
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GraÜsLeüaMl: Gießener FamiUenblätter, Der hefßsthe Kandwitt, Mtter für heWhe Nstdstwnde.
Paris, 21. September. Der „Soir" berichtet aus dem Munde eines russischen Diplomaten über die Ursache der Mißbilligung der Absendung der belgischen Frei- willigen-Expedition nach China seitens her verschiedenen Regierungen. Diesem StaatSmanne zufolge wurde die Haltung der belgischen Regierung als eine große Taktlosigkeit angesehen, da die Großmächte von der Organisation eines Expeditions Korps erst nach dessen Zusammenstellung Kenntnis erlangt hätten.
über emzunehmende Haltung gefaßt. Derselbe enthält im Wesentlichen Folgendes: England unterstützt die Vorschläge jeder Macht, die eine energische Haltung China gegenüber einnimmt. Dies geschieht besonders, um den Oppositions- Parteien keinen Anlaß zu geben, der Negierung eine schlaffe, unentschlossene Haltung in der Regelung der China-Wirren zum Vorwurf machen zu können.
Paris, 21. September. Wie die hiesigen Blätter zu berichten wissen, ist die französische Negierung der Ansicht, daß die Periode der militärischen Operationen! in China beendet ist.
sekretärs Grafen v. Bülow hat in Washingtoner Regierungskreisen Bestürzung hervorgerufen. Es wird bereits bekannt, daß das Kabinett in Bezug auf den russischen Vorschlag gespalten ist. Das Staatsdepartement ist ratlos. Staatssekretär Hay ist noch abwesend. ES geht das Gerücht von seinem Rücktritt. Der stellvertretende
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Der „Post" zufolge war an amtlicher Stelle in Berlin bls Donnerstags mittag ein Gegenvorschlag des amerikanischen Kabinetts ans das Zirkular- Le leg ra'mm der deutschen Regierung Letr die an China zu stellenden Forderungen nicht eingelaufen Der amerikanische Gesandte Conger spricht die Ansicht aus, daß Peking von den fremden Truppen solange besetzt gehalten werden müsse, bis eine gewisse Regelung der Verhältnisse erzielt sei; andernfalls würde jeder Nutzen der Expedition der verbündeten Truppen verloren gehen.
Aus Washington liegt folgende Kabelmeldung der „Paris Nouvelles" vor: Bei Ueberreichnug der Cirkular- depesche des Grafen v. Bülow erklärte der deutsche Geschäftsträger Frhr. Speck von Sternburg, daß Deutschland in erster Linie auf der Bestrafung der Urheber des Aufstandes in China bestehe und daß die deutsche Note den Zweck habe, einen Meinungsaustausch zwischen den Mäch^- ten herbeizuführen. Der Vertreter der „Paris Nouvelles" hatte eine Unterredung mit dem deutschen Geschäftsträger, ^.dieser erklärte, Deutschland wolle die Einigkeit der Machte und habe durchaus nicht die Absicht, allein vorzugehen. Die deutsche Regierung mache Vorschläge, da- ■
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Äbrcfie für Depeschen: Anzeiger , Fernsprecher Nr. 5L
NewYork, 21. September. Die Note des Staats-
Die Wirreu itt China.
Nach einer Meldung aus Hongkong werden dort unter den Eingeborenen massenhaft Flugschriften verteilt, in denen mitgeteilt wird, die verbündeten Truppen seien von denChinesen geschlagen, Peking werde nock) belagert, die G r o ß m ä ch t e müßten d e nC h i n e s e n bedeutende Entschädigungen zahlen und sämtliche von den Verbündeten im Süden besetzten Gebiete müßten an China zurückerstattet werden. — Infolge dieser aufwiegelnden und den Thatsachen direkt ins Gesicht schlagenden Flugschriften ist neue Gährung unter der chinesischen Bevölkerung nicht unwahrscheinlich.
Wie man aus Shanghai meldet, nahmen die Verbündeten die Peitang- und die Lutai-Forts JJJ1* großen Verlusten ein. — Nach zuverlässigen Nachrichten dringt Deutschland darauf, die Mächte sollten die Schleifung derKüstenbesestigungen und der Yangtse-Forts zur Vorbedingung für die Friedensverhandlungen machen.
Der Tatarengeneral Schangschan sammelt eine große Truppenmacht in der Mandschurei, um noch einen letzten Versuch des Wid er sta n d e s g e g en d ieRu s s e n ^machen. Die Generale Tsching und Tschaug stehen mit 15000 Mann rn Schanting. — Der „Standard" erfährt, Hsi-Lrang, der mandschurische Provinzial-Kämmerer in Hunan, traf am 9. ds. Mts. in Tatungfu mit 8000 Soldaten ein und versicherte der Kaiserin, noch, größere Truppenmassen seien unterwegs. Die Kaiserin drückte den wärmsten Dank für die Loyalität der Vizekönige und Gouverneure aus.
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mit zum Zwecke einer Verständigung ein Meinungsaustausch stattsinden könne. Im amerikanischen Ministerium des Aeußern wurde übrigens Herrn v. Sternberg erklärt, daß im nächsten Ministerrat über die deutsche Note beraten werden wird. — In Washington ist man der Ansicht, daß durch die deutsche Note die Krisis in China noch verschärft wird.
Der P a r i s e r „Figaro" meint, der deutsche Vorschlag habe Aussicht, von sämtlichen Großmächten angenommen zu werden. Das Blatt gckaubt, daß Deutschland vor der Veröffentlichung.-der Note sich mit Rußland verständigt habe. — „Gaulois", der sich ähnlich äußert, ist der Ansicht, daß keine Großmacht begründete Ursache habe, den Vorschlag abzulehnen. — „Echo de Paris" ifb dagegen anderer Meinung. Das Blatt sagt, eine brutale Politik sei für China nicht, angebracht und werde daher auch nicht zu dein erwünschten Ziele führen. Ein solches Vorgehen entspreche nicht der russischen Politik, nähere sich aber der englischen.
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Der englische Gesandte in Japan wird seinen Kollegen in Peking ersetzen, während dieser nach Japan übersiedelt. Tie in Japan ansässigen Engländer sind mit dieser Maßregel sehr unzufrieden und protestieren gegen dieselbe.
Aus Shanghai wird gemeldet, daß der Gouverneur von Shensi Geldsammlungen veranstaltet, die zu Rüstungszwecken verwendet werden sollen. Der Vicekönig einer anderen Provinz hat 11000 Mann ausgehoben, die zum Schutze des Kaisers abgehen sollen.
Sekretär Hill versuchte vergebens, die Einigkeit des Kabinetts wieder herzustellen nnd begab sich mißvergnügt nach Hause. Mac Kinley berief ihn jedoch zurück. Die Mit- glieder des Kabinetts sind bis auf eins noch von Washington abwesend.— Das Kabinett beschloß, die deutsche Note in einem Sinne zu beantworten, welcher einer Weigerung gleichkommt.
Washington, 21. September. General Chaffee telegraphiert, daß er sich augenblicklich mit der Frage der Verteilung der amerikanischen Truppen, in Peking in den Häfen im Yaugtse-Thale und Tientsin beschäftige. Diese Maßregel werde notwendig, um eine Ueberfüllung der eiu- zelnen Ortschaften mit Militär während des Winters zu verhüten. Die anderen Befehlshaber warteten; diesbezügliche Befehle ihrer Regierungen ab. Die allgemeine Lage sei befriedigend.
Washington, 21. September. Mau legt hier der Erklärung des chinesische Gesandten in London, wonach
Telegramme bett Gießener Anzeigers.
London, 21. September. Ein Telegramm aus Shanghai berichtet: Den letzten Erklärungen der Kaiserin-Witwe zufolge soll dieselbe bereit sein, unter der Bedingung nach Peking zurückzukehren, daß die Großmächte sich für ihre Sicherheit verbürgen.
London, 21. September. Nach einem Telegramm wird aus Peking gemeldet: Wahrscheinlich würden 10 000 Mann dort überwintern. Die D e u t sche n seien atn zahlreichsten. Japan werde seine meisten Truppen! nach; Nagasaki zurückziehen. Die Russen würden 2 00 0 Mann in Peking belassen. Es sei eine vereinigte Expedition, bestehend aus deutschen, englischen und französischen Truppen zur Abpatrouillierung des Landes geplant.
London, 21, September. Die englische Regierung hat
China die Beschießung der Befestigungen von Peitang als status belli betrachten würde, großen Wert bei. f.
Washington, 21. September . Admiral R e m e y telegraphiert aus Taku, daß er dem dort eingetroffenen Li-Hung-Tschang einen Besuch abgestattet habe. Li-Hung-Tschang habe ihm seine Gefühle der Dankbarkeit gegenüber den Vereinigten Staaten ausgedrückt.
P e k i n g, 21. September. (Kabelmelduug der „Paris- Nouvelles".) Der chinesische Soldat, der im Besitze der Uhr des Barons v. Ketteler befunden worden ist, wird in Freiheit gesetzt werden. (!?!) Derselbe erklärte, daß er den deutschen Gesandten.' auf Befehl eines Offiziers ermordet habe, dessen Name ihm unbekannt sei.
Peking, 21. September. Die nach L i a n g - C h a ng abgegangene deutsche Expedition ist gestern hierher zurückgekehrt, nachdem sie die erwähnte Stadt zerstört hat. Bei dem Kampfe wurden 500, Boxer und ein Deutscher,getötet.(
Ein Telegramm des Kapitäns des Dampfers„Auping" besagt, daß Li-Hung-Tschang am Mittwoch auf der üiyede von Taku eingetroffen ist. — Reuters Büreau meldet aus Taku vom 20. ds.: Die Verbündeten griffen heute früh die Forts bei Peitsang an. Eine heftige Kanonade dauert noch an.
In Shanghai hat die Berliner Meldung, daß der Kaiser vor Eintritt in die Verhandlungen die Auslieferung der Anstifter der Verbrechen wünsche, eine hohe Befriedigung hervorgerufen. Nachdem die Sicherheit Shanghais nunmehr gewährleistet ist, stellen die Konsuln die regelmäßigen Versammlungen ein.
Zum Angriffe und zur Eroberung Lianghiangs durch
das erste und zweite deutsche Seebataillon wird , ________ „. ............ __ ulCMlttuuu .....
aus ShcmghaitzSmeldct daß, der Ort voll von Boxern endlich einen festen Entschluß über ihre China aeaen. und kaiserlichen chinesischen Truppen war. Die Thore wur- 1 ---------- 9 -».9™
den mit Dynamit gesprengt und alsdann entspann sich ein Straßenkampf. 500 Mann von den Boxern wurden getötet, von den regulären Truppen 100.
In Shanghai werden große Vorbereitungen für den Empfang des Grafen Waldersee getroffen, der an Bord des Kreuzers „Hertha" heute (Freitag) dort eintreffen soll und eine Parade über alle fremdländischen Truppen abnehmen will. Die Käufer werden festlich geschmückt. Graf Waldersee bleibt 24 Stunden in Shanghai und steigt bei dem deutschen Gesandten von Mumm ab. Dann setzt er seine Reise nach Norden fort. — Die Mannschaft des Kapitäns Pohl, die an der Expedition gegen Peking teilnahm, ist nach Tsingtau zurückgekehrt.
Um zu verhindern, daß dieNachfuhrvonWaffen yj1 r i e q § nt at.e ria! für die in Ostasien befindlichen Eriche Streitkräfte erschwert oder verzögert wird, hat der Reichskanzler, auf Grund der ihm erteilten Ermäch- ttgpng die Ausfuhr aller Sendungen von Waffen und Kriegsmaterial, die von einer Reichs- oder Staatsbehörde ausgehen, oder deren Bestimmung für China durch Be- fchernigung einer suchen Behörde nachgewiesen wird all- gemein gestattet. Die in Betracht kommenden Behörden sind hiervon benachrichtigt.
Der Krieg itt Südafrika.
Die englischen Operationen im östlichen Transvaal I haben mittlerweile das Spannende, das sie anfangs hatten, I verloren. Die Auflösung in viele Teilunternehmungen I zeigt, daß der Hauptschlag dort gefallen ist und daß es I sich jetzt um Kleinarbeit handelt, die freilich infolge der I Hartnäckigkeit der fechtenden Buren und der Schwierigkeit I des Geländes den Engländern recht viel Mühe macht und I bei der Zersplitterung der Streitkräfte das aufmerksame I Verfolgen sehr erschwert. Das Zentrum der britischen I Armee unter Pole-Carew, d. h. die Gardebrigade von dessen I Division! iiiiTib Hamiltons Abteilung, hat bei seinem Vor- I rücken längs der Eisenbahn am 18. September Kaapmuiden I erreicht, die Station, von der sich der Bahnstrang nach I Babartvn abzweigt, und dort eine große Menge rollenden I Materials nebst Lokomotiven erbeutet. French ist von I Barberton aus der Bahn nordöstlich gefolgt nild hat die | Station Avoca durch seine Avantgarden-Kavallerie besetzt. I Er hat hier 50 weitere Lokomotiven genommen. Von I Buller fehlen nähere Nachrichten. Eine Depesche des Feld- I marschalls Roberts aus Nelspruit meldet: „Von den I B u r e n, 3000 an der Zahl, die sich nach Komatipoort I zurückzogen, haben 700 die portugiesische Grenze I übers ch-r itten; die übrigen haben sich zerstreut, nach^ I dem sie vorher die schweren Geschütze und die Feldgeschütze I zerstört haben. Von dem Burenheer ist nichts mehr übrig I geblieben ;akls einige marodierende Banden."
Das gemeldete Gefecht an der portugiesischen I Grenze war, wie sich hcrausgestellt hat, nur ein Schar- I urützel zwischen Kaffern und Buren gewesen, welch letztere I sich in einer starken Stellung 300 Yards von der Station I Ressone Garcia befanden. Portugiesische Truppen pa- I trouillieren in den Bergen uud beobachten scharf die Vor- I gange.
I Tie Belgier wetteifern mit den Holländern in den I Vorbereitungen für den Empfang des Präsidenten I Krüger. In Antwerpen ist ein Ausschuß gebildet wor- I den, der die Empfangsfeierlichkeiten leiten wird. Die erste Begrüßung soll in Vlissingen an Bord des holländischen Kriegsschiffes stattfinden, das den Präsidenten nach Europa bringen wird. Außerdem wird die Errichtung eines Müger- denkmals in Vlissingen geplant. Die Kosten für dieses Denkmal sollen durch öffentliche Geldsammlungen in Holland und Belgier, gedeckt werden. Aus Lourenzo Marques wird der..„Daily Mail" gemeldet, Präsident Kluger habe bei einer dortigen Bank eineinhalb Millionen Pfund Sterling Wertsachen niedergelegt. — Ter Londoner ! „Standard" veröffentlicht einen heftigen Artikel gegen die holländische Regierung, weil diese dem Präsidenten Müger einen Platz auf einem holländischen Kriegsschiffe ange- imefen hat. Das Blatt bezeichnet dies als eine ebenso un v er sch ä inte wie herausfordernde Handlung.
Aus Kgpstadt wird gemeldet, die P o r t li g i e s i s ch e n Behörden verboten den Bureuflüchtlingcn, nach Transvaal zu r ü ckzu ke h r e n.
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Telegramme deS Oiesteuer Anzeigers.
Loudon. 21. September. „Daily Mail" berichtet aus Pretoria: Kommandant De Wet, der noch immer int Freistaat thätig (also nicht tot! D. Red.) ist, ist daS einzige Hindernis für die Pacifizierung des Landes. — Aus Kapstadt wird gemeldet, General Rundle behält trotz seiner Verletzung durch einen Granatsplitter fein Kommando bei. — Aus Johannesburg wird telegraphiert, daß die meisten Einwohner von Pootschefstroom in Johannesburg eingetroffen sind.
London, 21. September. Aus Lourenzo Marquez kommt das Gerücht, Krüger wolle nach England reifen und eine persönliche Zusammenkunft mit der Königin Viktoria zu erlangen suchen. (?)
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger


