Ausgabe 
22.9.1900 Erstes Blatt
 
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Lichtungshieben und Ausscheidung geeigneter Horste und Bestandsabteilungen sür eine spätere Nutzholzperiode.«

2) Im reinen Buchjenbestand ist die Verzögerung der Verjüngung in der Kronenspannung des Vorbereitungs­schlages zu r Ausnutzung des Wertzuwachses an gezeigt.!

3) In den Verjüngungsschlägen rverden schwächere, aber gut geformte Stämme zweckmäßig durch Langsame Hiebsführung der Nutzholzstöcke entgegengeführt. Der Unterhalt ist nur unter besonderen Verhältnissen empfeh­lenswert.

b. In den Stangenorten der 60- Pis 100-jähr. Alters­klassen kann der Hieb zur Begünstigung per nutzholztüchti­gen Stämme über Pas bisherige Maß erheblich verstärkt werden. Das den jeweiligen Wirtschaftszwecken ent­sprechende Optimum der Bestandesdichte wird zweckmäßig Lis zum Alter von 100 Jahren ,hergestellt. Hierzu bietet die Stammzahl den für die Praxis bequemsten Maßstab.

c. In jüngeren Beständen ist zu stärkeren Hiebs-Ein­griffen ein Anlaß nur dann gegeben, wenn der Durch- forstungshicb eine Verbesserung des herrschenden Be­standes bezweckt. Bei Belassung des nachwachsenden Be­standsmaterials liefern aber auch hier die Durchforstungen höhere Erträge als seither.

IV. Auf rasche Förderung des Nutzholzstammes ge­richtete Hiebe sind in allen Altersstufen -auf großen Flächen jur Ausführung gekommen. Sie haben durchweg für Boden und Bestand günstige Wirkungen gehabt. Ihre weitere Anwendung ist daher als waldöaulich möglich und wirtschaftlich gerechtfertigt anzusehen. Soweit die Leit­sätze des Regierungs- und Forstrats W e r z.

Das Korreferat des Forstmeisters Elze-Königstein hat folgenden Hauptinhalt: Im nassauischen Berglande sind noch über 30000 Hektar hiebsreifer, alter, reiner Buchenbestände vorhanden, an denen sich nichts mehr er­ziehen läßt. Beim Angriff derselben ist zu entscheiden: Soll die Buche beibehalten oder eine andere Holzart an ihre Stelle gebracht werden? Die geringe Rente des reinen! Buchenwaldes, die Unmöglichkeit der natürlichen Ver­jüngung der Buche auf schlechtem Boden und in den oberen Höhenlagen drängen zur Umwandlung in andere Holz­arten.

Mitteilungen über Versuche, Beobachtungen, Erfahr­ungen und beachtenswerte Vorkommnisse im Bereiche des Forst- und Jagdwesens werden eingeleitet von Oberforstrat Dr. Fürst-Aschaffenburg für Süddeutschland und dem Forstmeister Dr. Kienitz-Chorin für Norddeutschland. Ersterer empfiehlt dringend das Bespritzen der jungen tranken Kiefernsaaten mit Bordelaise-Brühe zur Tötung der Pilze (Schütte) und erläutert einige Novitäten in Werk­zeugen. Forstmeister Dr. Kienitz bezeichnet als die ge­eignetste Zeit für das Spritzen den DLonat August. Im übrigen befürwortet er den Ersatz der Schutzstreifen seit­wärts der Eisenbahnlinien (zur Verhinderung von Wald­bränden) durch Kiefer-Anpflanzungen, welche stets nach oben brennten und daher an sich bei Freihaltung der bett. Komplexe von Gestrüpp rc. den denkbar sichersten Schutz gegen Waldbrände böten. Oberförster Emmelhainz- Hahnstätten giebt seine Erfahrungen bei der Bekämpfung derSchütte" mit Bordelaise zum besten, während Forst- amtsassessor Fischer-Ansbach einen Meßapparat vor­führt und erläutert. Damit ist der Beratungsstoff erschöpft, und der Vorsitzende schließt die erste Haupt-Ver- sammlung der Deutschen Forstvereine, die 28. der Deutschen Forstmänner, auf deren Verlauf, nach jeder Richtung hin, man mit Befriedigung zurückblicken könne.

Vom sozialdemokratische» Parteitag.

Nachdruck verboten.

IV.

Mainz, 20. September.

In der Sitzung von heute vormittag wurde zunächst beschlossen, das Protokoll des Frauenkongresses in das Parteitagsprotokoll aufzunehmen. Alsdann wurden ver­schiedene Beschwerden verlesen, darunter eine der Buch­drucker in Bant, wobei der Parteitag erklärte, daß er sich nicht in die Streitigkeiten der Gewerkschaften ein­mische.

Hierauf wurde die Diskussion über die Resolution Cal wer fortgesetzt, zu der u. a. auch August Bebel das Wort ergriff. Er sprach mit Frische und Lebhaftig­keit gegen einzelne Positionen der Calwerschen Resolution, von der er nur das annehmen will, was vom Ausbau und der Verbesserung der Wasserstraßen und der Reichseisen­bahn handelt.

v. Voll mar erklärt, die Uebernahme der Eisen­bahnen durch das Reich wäre ein wirtschaftlicher Schaden.

Dr. David hält es für unmöglich, sür die Resolution Calwer zu stimmen. Das Interesse der Konsumenten sei gleichmäßig, während das Interesse der Produzenten sehr verschieden sein könne. Wir Hessen haben das Bahn­abkommen mit Preußen. Miquel ist drauf und dran, mit diesem hessischen Keil auf die übrigen süddeutschen Bahnen, zunächst die badischen, zu drücken. Hessen habe heute in Eisenbahnfragen nichts mehr zu reden, alles unterstehe dem preußischen Verwaltungsrat.

Bebel bemerkt nochmals, daß die Reichseisenbahn heuhe> nur theoretisch sei, auch wenn die Partei Stellung tmzu nehme. Die süddeutsche Eisenbahngemeinschaft richte rhre Spitze gegen Preußen. Allein er fürchte, daß diese Gemeinschaft bald in die Brüche gehe. Je mehr man die Einzelstaaterei stütze, desto mehr gehe man Hand in Hand Mit dem Junkertum. Bei der Reichseisenbahn habe das Parlament emen viel größeren Einfluß und damit auch aus die wirtschaftliche Stellung vieler Tausende von , Beamten und Arbeitern.

Ulrich-Offenbach: Nicht dagegen wenden wir uns daß das gesamte Verkehrswesen ans Reich kommt, sondern daß es von Preußen aufgesogen werden soll, und daß Preußens Interessen dann allein bestimmend wären. Miquels fiskalische Politik führt uns in Hessen durch die Bahngemeinschaft sogar reichliche Mittel zu, aber sie macht uns zugleich zu Vasallen, ja zu Knechten Preußens. Wir können nicht die kleinste Bahn in Hessen selbständig bauen und sitzen in einer argen Zwick­mühle. Wir haben in Hessen bei der Verwaltung der hessischen Bahnen, obwohl wir die Ludwigsbahn gekauft haben, überhaupt nichts mehr mitzureden. Der preußisch- hessische Direktor steht im hessischen Landtag nicht Rede. Mollen wir Nebenbahnen bauen, so sagt man nur: ihr

Hessen habt genug Nebenbahnen, ihr habt verhältnis­mäßig mehr als Preußen. So müssen wir die Bauern wirtschaftlich zu Grunde gehen lassen oder Privatbahn­konzession erteilen. So lange Preußen das Fiskalitäts- prinzip über alles stellt, können wir der Reichseisenbahn- gemeinschaft nicht beipflichten. Wir kennen in Hessen auch die Neigung der preußischen Verwaltung, die Löhne der Bahnarbeiter zu drücken und sie zu versklaven.

Geck-Offenburg betont, daß der sich ausbreitende Einfluß Preußens in der Eisenbahnfrage Baden schon 700 000 Mark Schaden gebracht hätte. Er sei nicht gegen die einheitliche Verstaatlichung der Eisenbahnen, aber die gegenwärtige Lage im Reiche mache den Süddeutschen die Vorsick)t zur Pflicht.

Mol ken buhr-Hamburg bespricht die Lage des unteren Eisenbahnpersonals.

Trotz großen Widerspruchs besonders der Süddeutschen wird schließlich die Calwersche Resolution mit dem Satz der Uebernahme der Eisenbahnen auf das Reich angenommen. Der Passus wegen Aus­baues des Wasserstraßen-Systems uud namentlich des Mittelland-Kanals wurden abgelehnt. Die Amendements Rosa Luxemburg zu der obigen Resolution betreffend Er­mäßigung des Gütertarifs für Lebensmittel und Ab­lehnung der Zölle besonders auf Lebensmittel sanden Annahme.

Alsdann ergriff Bebel das Wort über die Betei­ligung an den Landtagswahlen. Durch die reaktio­näre Strömung, die aus dem preußischen Landtag komme, beständen Gefahren für die Arbeiter. Unbedingt sei eine Beteiligung au den Wahlen notwendig. Wohl seien die Kompromisse ein Uebelstand, weil auch) die linksstehen­den bürgerlichen Parteien oft in das reaktionäre Lager hinüb erschrecken, aber wenn die Parteien sich auf gewisse Forderungen der Sozialdemokratie verpflichten, könne man nach !.age der Sache die Korn pr om i s s e g u th eiß en. Wohl hätte im Wahlkreis Torgau verhütet werden müssen, daß der Arbeiterfeind Fetisch gewählt worden wäre. In Berlin sei die Eroberung der Mandate in drei Wahl­kreisen sicher. Auch in anderen Städten könnten Erfolge errungen wetden.

Bebel sprach nur sehr fur^ Ihm trat als erster Redner Singer entgegen. Durch die Kompromisse leide die Selbständigkeit der Partei, also grade der Punkt, der die Partei groß und stark gemacht habe.

Geck-Offenburg berichtet über die Erfolge der Kom­promisse in Baden, die die Partei nicht befriedigt und eine fürchterliche Korruption herbeigeführt hätten.

Haase-Königsberg ist für die Wahlbeteiligung. Nicht um die Mandats-Erlangung handelt es sich, sondern um das Eindringen in Kreise, die uns bisher verschlossen sind.

Es sprechen ferner noch Fendrich- Karlsruhe, Frau Jrer und I f f e l - Berlin, Dr. Qu a r ck-Frankfurt am Main, der für die Beteiligung an den Wahlen eintritt und zwar mit ausgesprochen sozialistischen Wahlmännern. Man möge doch das Liebknecht'sche Verwirrungs-Prinzip weglassen. Et habe mit einem ausländischen Genossen ge­sprochen, der ihm gesagt habe, wir Sozialdemokraten sind zwar chne sehr prinzipienfeste Partei aber wir mogeln, w o ro ir mogeln können.

Grenz-Leipzig spricht gegen die Beteiligung.

Riemann- Chemnitz spricht in heftiger Weise gegen Grenz. In Sachsen hätte man allerdings zwei Wahl­niederlagen erlitten, die aber die Leipziger verschuldet hätten. Sie hätten in Sachsen sich lange genug durch die Minderheit terrorisieren lassen, aber in Zukunft werde das nicht mehr geschehen. Wer nicht pariert, wird hinausgeworfen!

Hofmann- Berlin spricht sich gegen die Beteiligung aus. Er wundere sich nicht, daß die Beteiligung Freunde fand, habe man doch im Organisationsstatut auch indirekte Wahlen geschaffen, in dem die Kontrolleure unter Um­ständen zwei Vorstandsmitglieder wählen.

An der weiteren Debatte beteiligen sich noch Frau Jrer-Berlin und Bändert-Apolda, welche die Be­teiligung für die Sache der Arbeiter fordern.

Stadthagen -Berlin will die Beteiligung den ein­zelnen Wahlkreisen überlassen.

Ullenbaurn-Elberfeld ist für Beteiligung an den Wahlen, desgleichen Gewehr-Elberfeld, der sich im übrigen gegen die Berliner Reden wendet.

Geller-Frankfurt bezeichnet die Sozialdemokratie als den Eckstein, an dem sich die Reaktion den Kopf ein- rennen werde. Das wäre aber nicht möglich, wenn man bei den Landtagswahlen zu Hause blieb.

Damit wird die Beratung abgebrochen. Als Ort für die Abhaltung des nächsten Parteitages wird Lübeck gewählt. Es folgt die Bekanntgabe des Resultats der Wahlen. Darnach sind in den Vorstand gewählt: Be- b c l und Singer als Vorsitzende, Auer und Psann - kuch als Schriftführer, Gerisch Kassierer. Als Kon­trolleure werden gewählt: Bruhne-Frankfurt, Cra­mer - Darmstadt,' David - Mainz, Ehrhardt-Lud- wigshaven, Kaden-Dresden, Könen-Hamburg, E i st e r - Hannover, I e tz n e r - Berlin und Klara Zetkin- Stuttgart. Morgen früh erfolgt der Schluß des Partei- tages.

Aus Stadt und Sand.

Gieße«, 21. September 1900.

** Zum Ladenschluß. Man schreibt uns: Wegen des gesetzlichen Ladenschlusses haben nun auch Bäcker und Metzger eine Beratung abgehalten. Jene haben beschlossen, bei der Verwaltungsbehörde vorstellig zu werden, daß ihnen gestattet wird, ihre Läden von 5 Uhr früh bis 9 Uhr abends ununterbrochen offen zu halten. Es sei, so erklärten die Beteiligten, niemand dadurch geschädigt, da in den Bäcker­läden hierorts keine Verkäuferinnen thätig seien und diesen, selbst wenn es der Fall wäre, die gesetzlich verlangte Ruhe­pause gewährt werden könne, auch wenn die Läden länger als 13 Stunden offen seien. Die Metzger einigten sich dahin, vorstellig zu werden, daß ihnen gestattet werde, ihre Läden im Sommer von 5 Uhr früh, im Winter von 6 Uhr früh bis abends 9 Uhr, Sommer und Winter gleich offen lassen zu können. Obermeister Pirr und mit ihm eine

Minorität seiner Kollegen traten lebhaft dafür ein, im Sommerhalbjahr den Geschäftsschluß abends um 8 Uhr zu beftimBien, da dadurch wenigstens ein einheitlicher Laden- L-a f < tn Gießen herbeizuführen angestrebt werde. Die Mehrheit war aber für diesen sehr vernünftigen Antrag utcht zu haben.

** Personeustauds Register. Die Fortführung des Per­sonenstands-Registers für unsere Stadt, womit seither unsere Ratsdiener betraut waren, ist für dieses Jahr der Polizei­behörde übertragen worden. Augenblicklich sind unsere Schutzleute sehr gründlich an der Arbeit, indem sie in jeder Wohnung anfragen, um nach den erhaltenen Auskünften die Listen zu vervollständigen. Die Arbeit scheint außerdienstlich besorgt zu werden, da die Beamten statt im Helm nur mit der Mütze bekleidet find. Nach dem städtischen Etat find für diese Arbeit pro Jahr 300 Mk. ausgeworfen, die jeden­falls dieses Mal den Schutzleuten zufallen.

** Die Hilf8gerich18schreiber aus dem Großherzogt«« Hessen hielten imStorchen" zu Frankfurt a. M. eine Versammlung ab, die von etwa 60 Interessenten be­sucht war. Der Zweck der Beratungen war aber n cht die Herbeiführung besser Gehälter denn mit diesen find die Hilssgerichtsschreiber sehr zufrieden sondern die Ver­sammlung beschäftigte fich vorzugsweise mit den gegen­wärtigen Anstellungsverhältnissen. Die geäußerten Wünsche sollen in einer Eingabe der vorgesetzten Dienst­behörde unterbreitet werden.

+ Lützellinden, 20. September. Schon 26 Jahre sind es, daß unser Dors nicht die Freude genießen konnte, seine Kirmes zu feiern. Obwohl in jedem Jahr sich die Wünsche von Jung und Alt darauf richteten, gingen sie doch nicht in Erfüllung. Nun ist es aber dem Bemühen des Wirtes Friedrich Jung zu verdanken, daß Sonntag den 23. und Montag den 24. September unsere Gemeinde wieder einmal Kirmes feiern kann.

Nidda, 20. September. Die Handelskammer Friedberg erhielt auf eine Eingabe betreffs Später- legung des ersten Zuges von Schotten nach Nidd» im Winter und Einführung von Rückfahrtkarten von der Eisenbahndirektion Frankfurt untern 8. September fol­gendes Antwortschreiben:

Aus das gefällige Schreiben vom 10. v. Mts., betreffend Ver- befserung der Zugverbindungen von Schotten nach Frankfurt a. M., teilen wir ergebenst mit, daß im nächsten Winterfahrplan für den gemischten Zug 1084 SchottenRidda die Lage des vorjährigen Winterfahrplanes beibehalten wird. Der Zug wird somit ab I. Oktober um 6,15 Uhr vorm. von Schotten abfahren und um 7,02 Uhr vocrn. in Nidda eintreffen, woselbst der Zug an den Personenzug 604 nach Gelnhausen und in Gelnhausen an den Personenzug 218 nach Frank­furt unmittelbaren Anschluß vermittelt. Eine Verlegung des Zuges 1084 dergestalt, daß die vorerwähnte Verbindung aufgehoben würde, ist nicht angängig, weil alsdann andere wichtige VerkehrSinteresien erheblich ge­schädigt, und zahlreiche und begründete Beschwerden von dieser Serie hervorgerufen werden würden. Zur Einlegung eines neuen Morgen­zuges SchottenNidda etwa in der Lage des ZugeS 1082, welcher tn Nidda an den Zug 1154 nach Friedberg anschließt, liegt angesichts der im Sommer bereits festgestellten sehr schwachen Benutzung des Zuges 1082 ein Verkehrsbedürfnis für den Winter nicht eor.

Ihrem weiteren Anträge, den Rückfahrkarten von Friedberg und hintergelegenen Stationen nach Schotten, sowie diejenigen von Schotten nach Friedberg rc. zur Rückfahrt auch Gültigkeit auf der Strecke Lau- bachFriedberg, bezw. FriedbergLaubach und den Rückfahrkarten von Gelnhausen und hintergelegenen Stationen nach Schotten sowie den­jenigen von Schotten nach Gelnhausen rc. zur Rückfahrt auch Gültigkeit auf der Strecke GedernGelnhausen bezw. GelnhausenGedern betzu­legen wollen wir entsprechen und haben dieserhalb das Erforderliche angeordnet."

Herbstei«, 18. September. Am Sonntag fand hier eine Sitzung des Bezirksausschusses Alsfeld Lauterbach statt, in der Hauptlehrer Schindel-Alsfeld vor den vollzählig er­schienenen Delegierten des Verbandes und zahlreichen Gästen in einem Referat überdie Beziehungen, die sich zwischen dem Paragraphen 133 des neuen Handwerkergesetzes und der Gewerbeschule entwickeln werden," sprach. Als wesent­lichste Bedingung der künftigen Führung des Meistertitels kennzeichnet obiger Paragraph die Ablegung der Meister­prüfung. Mit überzeugender Logik wies der Referent nach, daß die hierzu bezw. zum erfolgreichen Betrieb eines Ge­werbes erforderlichen umfassenden Kenntnisse am zweck- mäßigsten durch den Besuch einer Gewerbeschule erworben werden, ja, daß alle Anzeichen darauf hindeuten, daß eines Tages die bei Ablegung der Meisterprüfung gestellten An­forderungen geradezu den erfolgreichen Besuch der Gewerbe­schule bedingen. (Alsf. Oberh. Ztg.)

Ulrichstein, 18. September. Daß auch im hohen Vogelsberg Erfindungsgeist herrscht, so schreibt derGrün­berger Anz.", beweist, daß in letzter Zeit sich zwei hiesige Herren Wit der Erfindung einer F l u g m a s ch i u e beschäftigten, die zwar keine Techniker sind und doch bei ihrem Werk gute und gesunde, wenn auch nicht erfolgreiche Ideen entwickelt haben. Die Erfindung soll sich nämlich auf die Kunst der Nachahmung des Vogelflugs gründen. Demgemäß stellten sie einen Körper her, der dem Bogel ähnelt, und mit zwei großen, beweglichen Flügeln versehen ist. Als sie nun längere Zeit nachts allein im geheimen Kämmerchen au dem Kunstwerk gearbeitet und es so weit gebracht hatten, daß sie einmal Flugversuche machen zu können glaubten, bestimmten fetei1te/W' in der beim Monden schein die Versuche auf dem Schloß­berg vor sich gehen sollten, sich öffentlich bei Sage $u produzieren, dazu hatten sie keine Kourage. Doch es stellte sich gleich ein nicht vorausgesehenes !Qi.nberntS entgegen. Als sie nämlich das Ungetüm Mr Xljure hinausthun! wollten, gewahrten sie zu ihrem Aerger, daß es zu groß war Nachdem sie hin und her verhandelt hatten, vb sie die Maschine entsprechend Heiner machen oder die Thür Pfosten herausnehmen wollten, entschiiedeu sie sich fürs erstere Als nun dieses Hindernis glücklich überwunden war ging es auf den SMoßberg. Dort begannen jetzt bie Versuche, die jedoch, nachdem ein jeder von ihnen die Abhänge und Steinhaufen des Schloßbergs gehörig ge­küßt hatte, bald endigten. Mit verschundenen Nasen kehrten beide zurück und waren froh, daß niemand ihr SckMlspiel, das für alle möglichen Gespenstergestalten hätte angesehen werden können, beobachtet hatte.