Ausgabe 
22.8.1900 Erstes Blatt
 
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befischen Wolken jetzt nicht erwünscht sein konnten, japanischen Parlamente hat Eraf Ito die unzufriedenen Summen damit vertröstet, daß Japan auf der Insel Tfu- sima dicht vor Mafampo einen Kriegshafen besitzt, wel­cher jene fragwürdige russische Erwerbung völlig beherrscht.

Ta die jetzigen Wirren hauptsächliche den tcoroeu Chinas berühren werden, so ist nicht zu bestreiten, daß hauptsächlich! Rußland und Japan betroffen suid, wenn auch alle anderen Mächte durch die blutigen Thaten zu Peking in Mitleidenschaft gezogen sind und daher nicht zurückstehen können. Rußland und Japan aber sind natür­liche Widersacher an Ostasien, ein Punkt, welcher sich nicht bemänteln läßt und bei Beurteilung des militärischen Ein­greifens der Mächte gegen China zu beachten ist Japan, das verhältnismäßig nur kleine Jnselreich, sucht nicht allein für seine kraftvoll aufstrebende Industrie, sondern auch -für seinen beruhigend schnell anwachsenden Menschenüber- sluß geeignete Msatzgebiete. Ein solches Gebiet glaubten die Japaner im nahegelegenen Korea und den benachbarten -mandschurischen Landstrichen gefunden zu haben. Aber kaum haben fke China stegreich aus dem Feld egeschlagen, La. macht "ihnen Rußland den Preis streitig, indem es selbst Korea ^nd die Mandschurei als Durchgangsgebiete nachdem Ozean fordert. Rußland ist auf dem besten Wege, seinen großen Plan zu verwirklichen- Schon besitzt es in Wladiwostok und Port Arthur starke Stützpunkte, wenn aber erst die sibirische Bahn bis Wladiwostok und bis Port Arthur beide Linien durch die Mandschurei fertig sein wird, so muß Rußland militärisch und politisch der mächtigste Staat in Ostasien werden. Zur Zeit geht die Bahn bis Strjetensk in Sabaikalien, 1903 spätestens wird die Mandschurei durchquert sein. Allerdings ist der Kampf in China für Rußland dennoch etwas zu früh ausgebrochen, immerhin aber kann es mit Hilfe jener Teilstrecke und der Amur-Tampfschiffahrt Truppen nach China werfen. Die Gegnerschaft zwischen Rußland und Japan in Ostasien birgt eine unheimliche Menge von Zündstoff, allein beide Staa­ten und mit ihnen alle in Ostasien interessierten anderen Mächte verhehlen sich nicht, daß die Wirkung des Zu­sammenstoßes furchtbar sein wird. Hierin aber liegt wie­derum die Gewähr, daß die Mächte eine vorsichtige, den Krieg vermeidende Politik einschlagen werden.

An das russische Einflußgebiet reiht sich nach Süden hin die, wie gesagt, noch nicht beanspruchte Provinz Tschili mit Peking, doch strebt Rußland nach Einfluß auf die Provinz Schansi (westlich und südwestlich von Tschili). Der Bau der chinesischen Zentralbahn (Peking-Kaiföng-HanLau am Jang-tse-Kiang) würde das norochinesische Netz mit den Häfen am mittleren Jang-tse-Kiang, mit dem Hauptpro­duktionsgebiet des Thees um Hankau, verbinden. Diese Bahn vereinigt russische und englische Interessen; sie soll, wie es bei ihrer Konzession hieß, allen Mächten zugute kommen und das so oft gebrauchte Schlagwort derPolitik der offenen Thür" in China bewahrheiten. Uebrigens hat gerade die Anlage dieser Bahn die Gemüter stark erregt, da-sie das Her^ Chinas durchfchneidet.

Deutschlands Einflußgebiet umfaßt die stark bevölkerte, wichtige, aussichtslose Provinz Schantung, ein Land mit bedeutenden natürlichen Schätzen, doch nicht ohne Gefahr für Kämpfe mit der ziemlich hoch stehenden Bevölkerung. Deutschland hat nicht gezögert, das Hinterland von Kiau- tschou durch die Eisenbahn Tsintau-Tsinau zu erschließen und dieser Hauptlinie ein Netz von Nebenbahnen anzu­gliedern. Leider scheint der auch, in Schantung aus­brechende Aufstand dre Bahnbauten gestört zu haben. Eng­land, welches sich an der Nordostspitze von Schantung in Wei-hei-wei festgesetzt hat, ist durch die Verpflichtung gebun­den, daß es nicht in den deutschen Einflußkreis nach Schan­tung übergreifen wird. Tschifu (Nordküste von Schantung) hat sichj bis jetzt internationale Bedeutung erhalten.

Das Thal des Jang-tse-kiang, die Hauptader des zen­tralen Chinas, betrachtet England als sein Einflußgebiet, obwohl gerade hier die Interessen aller Nationen an der Schiffahrt auf dem gewaltigen Strome beteiligt sind. Eng­lands Absichten erstrecken sich vorzugsweise aus die Pro­vinzen Kiangsu (mit Shanghai), Nganhwei (mit Nanking), Hupe (mit Wutschang und Hankau), doch, dürfte es nicht leicht sein, gerade diese dicht bewohnten Länder gegen andere Ansprüche oder Gegenströmungen zu behaupten.

Aus die südlich sich anschließende Provinz Tschekiang (mit Hangtschou und Ningpo) scheint Italien seine Aufmerk­samkeit gerichtet zu haben, wenngleich diese Aussichten mehr ideellen als praktischen Wert haben dürften. Ebenso frag­lich sind die Hoffnungen Japans auf die der japanischen Insel Formosa gegenüberliegenden Provinz Fokion (mit Futschou und Amoy) nebst deren Hinterland Kianasi.

Die Südprovinzen Kwangtung (mit Kanton) und Kwangsi, sowie die gebirgige, von kriegerischer Bevölke­rung bewohnte Binnen-Provinz Jünnan beansprucht mit Nachdruck Frankreich- welches das dem Namen nach noch chinesische Tongking längst förmlich einverleibt hat. In­dessen macht England sowohl Kwangtung als Hinterland von Hongkong, wie auch Jünnan als Grenzland des briti­schen Birma (Hinterindien) streitig. Französische und eng­lische Ansprüche stehen sich hier ziemlich schroff gegenüber.

Aus Stadt und Kaud.

Gießen, den 21. August 1900.

* * Personaluachrichten. Dem Psarrverwalter Jakob Biegler zu Pfeddersheim, Dekanat Worms, wurde die evangelische Pfarrstelle daselbst übertragen.

Auszeichnung. In der Kollektivausstellung der deutschen Gesellschaft für Mechanik und Optik in Paris wurde in der Abteilung L:Metrologie", und in Ab­teilung HL b.:niedere Geodäsie", der Mathematisch- physikalischen Wertstätte von W. Spörhase, vormals C. Staudinger u. Co. hier, die goldene Medaille erteilt.

* * Das Regierungsblatt, Beilage Nr. 22, vom 18. August enthält: 1. Bekanntmachung, die Wahl der Beisitzer zum Schiedsgericht in Bauunfallfachen des SelbstversicherungS- verbandes der Kreise des Großherzogtums Hessen betreffend. 2. Bekanntmachung, die Organisation der Unfallver­sicherung betreffend. 3. Bekanntmachung, das Schieds­gericht für Invalidenversicherung im Großherzogtum Hessen betreffend. 4. Bekanntmachung, die Organisation der Unfallversicherung, sowie der Invaliden- uud Altersversiche­rung betreffend. 5. Vorlesungsverzeichnis der

Großherzoglich Hessischen Ludwigs-Universität zu Gießen für das Winterhalbjahr 1900/1901. 6. Be­kanntmachung, Vorarbeiten für eine elektrische Straßenbahn von Bad-Nauheim nach Friedberg betreffend. ?. Bekannt­machung, Vorarbeiten für eine Kleinbahn von Gernsheim nach Zwingenberg betreffend. 8. Bekanntmachung, den Steuerausschlag zur Bestreitung der Bedürfnisse der Land- udenschaftskasse für das Rabbinat Darmstadt II für 1900/1901 betreffend. 9. Bekanntmachung, die für das Etatsjahr 1900/1901 zur Bestreitung der Kommunalbedürs- niffe der Stadt Bingen zu erhebenden Umlagen betreffend. 10. Bekanntmachung, die Umlagen, zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religionsgemeinde Gensingen ür 1900/1901 betreffend. 11. Bekanntmachung, die für >aS Jahr 1900/1901 zur Bestreitung der Bedürfniffe der israelitischen Religionsgemeinde des Kreises Mainz. 13. Dienstnachrichten. 14. Konkurrenzeröffnungen.

Krankenkassen und Aerzte in Hessen. Die Aerzte deS Großherzogtums Hessen sind bestrebt, mit den Krankenkaffen des Landes andere, für sie günstigere Vereinbarungen zu erreichen. Nach einem Beschlüsse des Landesverbandes der )esfischen Aerzte werden darüber statistische Erhebungen von amtlichen Aerzten des Landes gemacht, wie hoch sich aus hren Einnahmen das Honorar für die Einzelleistung, resp. ür jeden einzelnen Besuch berechnet. Auf Grund dieses fier gesammelten Materials sollen dann weitere Schritte in neser Angelegenheit gethan werden.

b. Klein Linden, 20. August. Gestern hielt unser Kriegerverein eine 30jährige Gedenkfeier der Schlacht bei Gravelotte ab. Nachdem der Verein um 722 Uhr an dem Gottesdienst teilgenommen hatte, ver- ammclte er sich am Nachmittage in der Gartenwirtschaft iurBurg". Die ganze Gemeinde beteiligte sich an der chönen Feier, und die geräumigen Gartenanlagen waren kaum ausreichend, um die Teilnehmer alle auszunehmen. In der Festrede wurde aus die geschichtliche Bedeutung des Tage- hingewiesen und der gefallenen Veteranen gedacht. Sie schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und unseren Landesherrn, Großherzog Ernst Ludwig, worauf der hiesige Posaunenchor das LiedHeil Dir im Siegerkranz" intonierte. Unser hiesiger Posaunenchor nahm überhaupt regen Anteil an der Feier und trug durch seine Musikvorträge viel zur Verherrlichung des Festes bei, was auch in einer späteren Ansprache rückhaltlos und mit Dankbarkeit anerkannt wurde. Wohl noch nie ist der Schlachttag von Gravelotte in so erhebender Weise in unserer Gemeinde begangen worden.

! Grurtterg, 20. August. Mit dem am 23. dS. MtS. hier stattfindenden Vieh markt soll auch eine Fasel- schau verbunden werden. Von den vorgesührten Tieren werden die schönsten angekört werden. Nach altem Brauche tagt am 25. August, dem LudwigStage, die Hauptversammlung des Spar- und Leihkasse­verein S Grünberg, der sich aus sämtliche zum früheren Kreise Grünberg gehörigen Gemeinden erstreckt.

-nn. Bon der mittleren Nidda, 20. August. Dank des seit einigen Tagen herrschenden schönen Wetters ist man mit den Erntearbeiten eher zu Ende gekommen, als man vor 14 Tagen bei der Ungunst der Witterung zu hoffen wagte. Nun zeigt es sich auch, daß der viele Regen nicht 'geschadet hat; denn es ist nichts ausgewachsen. Mit dem Ernteaussall kann man recht wohl zufrieden sein, wenn es auch nicht nötig werden wird, so viele Strohhausen ins Feld zu setzen, wie in den letzten Jahren. Im Durchschnitt wurden auf dem sog. kleinen Morgen (% Hektar) gebunden: Weizen 1 Fuder (30 Gebund), Korn V/a, Gerste V]a, Hafer 1% Fuder. Bis jetzt wurden im Durchschnitt auS- gedroschen vom Fuder Weizen 3, Korn 2y3, Gerste 3 und Hafer 4 Doppelzentner. Von Jahr zu Jahr steigert sich bei uns im Landwirtschaftsbetrieb die Zuhilfenahme der Maschine. Die Aberntungskosten waren darum dieses Jahr trotz der fehlenden Arbeitskräfte nicht höher als früher. Die Hackfrüchte haben sich bis jetzt ebenfalls recht schön entwickelt und versprechen einen sehr guten Ertrag.

Nieder Florstadt, 18. August. Beim Häuserbau in der Nähe der Dorslinde stieß man beim Graben der Keller auf einige wohlerhaltene Skelette. Dieselben lagen nur etwa einen halben Meter tief. Die Leute erzählen, sie rührten von hier in früherer Zeit begrabenen Ruffen her (1813), doch scheint dies sehr unwahrscheinlich zu sein. Ein Skelett zeichnete sich durch die Dicke der Knochen aus, ein anderes (das sich im Besitze des Herrn v. Leonhardi be­findet) ist wegen der Länge des Schädels sehr bemerkens­wert; es scheint von einem Germanen aus den ersten Jahr­hunderten n. Ehr. G. herzustammen. Ein Grab war mit weißem Sandstein ausgestellt, was auf römischen Ursprung hindeutet. Neben Knochenresten fand matt darin die Reste eines Halsbandes, in Perlen und runden Steinchen be­stehend (im Besitze von Dr. Metzner). Allem Anscheine nach hat man es mit einer römisch-germanischen Grabstätte zu thun. (N. F. Ztg.)

b. Friedberg, 20. August. Der hiesige Veteranen- und Militärverein feierte am 19. und 20. August den 30. Gedenktag der Schlacht bei Gravelotte und zugleich die Einweihung der neuen Vereinsfahne. Eine kleine Vorfeier fand bereits Samstagabend auf dem Festplatze statt. Am Sonntag früh 6 Uhr war Weckruf. Um Va9 Uhr marschierte der Verein nach dem Friedhose, wo er eine Gedenkfeier am Grabe der Krieger abhielt, die 1870/71 hier beerdigt wurden. Mehrere Kränze wurden niedergelegt und auch der Veteranen gedacht, die bereits in frühem Siechtume verstorben sind. Hieraus nahm der Verein mit den bereits eingetroffenen Gästen am Gottes­dienste teil. Von 11 bis 12 Uhr war Konzert auf dem Fefiplatze, und während dieser Zeit wurden die auswärtigen Vereine empfangen, die sehr zahlreich aus der Nähe und Ferne eintrasen, sodaß ca. 25 Vereine anwesend waren. Der stattliche Festzug bewegte sich um Vi3 Uhr vom Mainzerthor aus durch die prächtig mit Fahnen^ und

Blumen geschmückte Kaiserstraße nach der Burg und dem großen Festplatze auf der städtischen Seewiese. Hier hielt Präsident Dönges die Begrüßungsrede; er besprach die Bedeutung des Tages, nahm Abschied von dem alten, teueren. Panier und begrüßte die neue Fahne; sein Hoch galt dem Kaiser und Großherzog, worauf die MusikHeil Dir im Siegerkranz" spielte. Oberstleutnant Cramolini, der Vor- itzende des HassiaverbandeS, weihte nunmehr die neue Zahne und betonte die wichtige Bedeutung, die die Fahne chon seit alters her hat; er forderte zu Treue für Kaiser und Reich, Fürst und Vaterland auf und übergab die Fahne dem Präsidenten und dieser dem Fahnenträger, der versprach, der Fahne treu zu sein bis zum Tod, wie kS einem echt deutschen Krieger geziemt. Hieraus überreichte- Geh. RegierungSrat Dr. Braden das vom Kaiser verliehene Fahnenband mit Fahnennagel. Seine markige Ansprache chloß mit einem Hoch auf daS liebe deutsche Vaterland. Präsident DongeS übernahm dieses Zeichen der Huld des obersten Kriegsherrn mit Worten innigster Dankbarkeit. Er agte, Bänder und Nägel seien von jeher Befestigungsmittel gewesen, und so solle das Fahnenband und der Fahnen­nagel uns fortan noch inniger und fester mit dem geliebten Kaiser verbinden. Im Namen des Vereins legt Redner >as feierliche Gelöbnis ab, allzeit dem Wahlspruch treu zrr ein:Mit Gott für Kaiser und Reich!" Unter Leitung >eS Dirigenten Hertel wurde hieraus daS erhebende, feierliche Weihelied vorgetragen. Die ehemaligen Friedberger Jäger, )ie recht zahlreich erschienen waren, versammelten sich alS- rann uud feierten im Beisein eines ihrer Führer, Oberst­leutnant Cramolini, ein frohes Wiedersehen. Es begann nunmehr bei Konzert und Tanz ein lebhaftes Treiben auf )em Festplatze. Kaum vermochte der geräumige Festplatz die Zahl der Gäste zu fassen. In jeder Hinsicht hatte der sestgebende Verein den Wünschen der Teilnehmer Rechnung getragen. An die verschiedenen WirtschattShallen reihten sich Buden an Buden; ein Doppelkarussell, Schieß- und Photographiehalle, Waffelbäckerei u. s. w. waren vorhanden. Bei einbrechender Dunkelheit stellte der hiesige Turnverein prächtige Pyramiden und lebende Bilder, die die Feier­außerordentlich verschönerten. Einen erhebenden, herrlichen Verlaus nahm daS ganze Fest dank der günstigen Witterung und den genauen Vorbereitungen des festgebenden Vereins und dank der schönen Musikvorträge, die von der Kapelle des 2. bayerischen Jäger-BataillonS (Aschaffenburg) auS- geführt wurden.

§ § Seder», 19. August. Große Aufregung mußte heute eine hiesige Familie erleben. Ein hiesiges Mitglied des Kriegervereins war auf daS Kriegerfest nach Ober- Seemen gegangen, während die Ehefrau nebst zwei Kindern zu Hause blieb. Das älteste derselben, im Alter von drer Jahren, entfernte sich' am Nachmittag aus der Wohnung, und die Mutter war der Meinung, daß dasselbe wie ge­wöhnlich mit seinen Kameraden spiele. Als es aber zu lange blieb, ging die Mutter aus die Suche, aber nirgends war das Kind zu finden. Nach langem Suchen kam man auf den Gedanken, daß es wohl nach Ober-Seemen ge­gangen sei, um zum Vater 'zu kommen. ES wurde nun dorthin geeilt, und richtig war der kleine Racker, obwohl schon die Dunkelheit eingetreten war, noch aus dem Fest­platze. Er hatte also den Weg über den Berg, nahezu eine Stunde, ganz allein gesunden.

§§ Hercheuhain, 19. August. Von Seiten des Tiefbau- amtS Franksurt a. M. sind durch einen Beamten kürzlich verschiedene Quellen in den Gemarkungen Herchenhain, HartmannShain, dem Oberwald usw. zum Ankauf ausgesucht worden. Es sind geaichte Waffertröge an die Quellen ge­legt worden, und die Messung der Leistungsfähigkeit jeder Quelle ist dem hiesigen Flurschützen übertragen worden. Allem Anschein nach ist jetzt der Ankauf weiterer Quellen in unserem Vogelsberg sicher. Dem Vernehmen nach sollen diese Quellen zusammen mit der Wafferleitung Fischborn nach Frankfurt a. M. geführt werden.

ft Bermuthshain, 20. August. Das fünfjährige Söhnchen des hiesigen Landwirts und Musikus Jakob Lauser fiel von einer Leiter in der Scheuer rückwärts in die Tenne, wobei das Kind einen Schenkelbruch erlitt.

Darmstadt, 17. August. Der Jahresbericht der Darmstädter Handelskammer für 1899 führt in seinem allgemeinen Teil, nachdem er das Wirtschaftsjahr 1899 im allgemeinen als ein sehr gutes bezeichnet hat, folgendes über die bevorstehenden Handelsvertrags­verhandlungen aus:Wenn wir auch die Zustimmung zum Fleischbeschaugesetz mit Bedauern wahrgenommen haben, so wollen wir doch auf das bestimmteste hoffen, daß sich die Reichsregierung dem Drängen der Agrarier gegen­über stark genug erweisen wird, um die einseitige Aus­gestaltung der Handelsverträge zu verhindern. Es wäre ein nationales Unglück, wenn die Reichsregierung die Re­daktion der Handelsverträge unter dem Drucke weitgehenden Eigennutzes der Agrarier vornehmen würde. Nichts konnte der überwältigenden Mehrheit des deutschen Volke» größere Einbuße verursachen, als eine Tarifpolitik, die kurzsichttgew und egoistischen Bestrebungen nachgiebt. In­

dustrie haben ein warmes Interesse an dem Wohlergehen der Landwirtschaft, aber auch den anderen Faktoren- der Nationalwirtschaft muß er wohl-rgeh-n, wenn durch den U-b-rschuß ihrer Produlte da« Ausland für alle- das bezahlt werden soll, wofür wir dem Auslande für die Be- dürfnisfe de» täglichen L-benS unter allen Umstanden tribul- vstichtia find. Eine Tarifpolitik, die uns in Zollkriege mit wirtschaftlich befteundeten Nationen treibt, schädigt nicht minder Industrie wie Handel. Möge darum die deutsche ReichSreaierung beim Abschluss- neuer Handelsverträge von dem Streben geleitet werden, unsere auf den Export an. gewiesene Industrie aus dem Weltmärkte konkurrenzsähig zu erhalten und unserem Handel die Wege zu gedeihlicher Wirksamkeit zu ebnen, denn daS Wohlergehen der immer rascher wachsenden Bevölkerung Deutschlands erfordert, daß