Bildung von Vereinigungen in die Hand genommen, für die der freieste Geist unseres Volkes zum Pathen gewählt worden ist, Goethe. Ihrem Beispiel zu folgen sind wir durch Gründung eines Goethe-Bundes in Gießen bestrebt. In die hier und dort ausgelegten Listen haben ftffy 46 Herren aus alten Kreisen unserer Gesellschaft als Mitglieder eingetragen. — Es ist an dieser Stelle der Vorschlag gemacht worden, der Gießener Goethebund möge bei gleichzeitiger Durchführung eines aufgedrungenen Kampfes, in Befriedigung eines unverkennbaren Bedürfnisses eine dauernde Stätte für die Pflege künst - lerischer, insbesondere li t t e r a r i sch e r Bestrebungen werden. An alleBewohner unserer Stadt, denen die ungebundene Bethätigung des Geisteslebens, die Sicherung freier Bewegung in Kunst und Wissenschaft am Herzen liegt, richten wir erneut die Aufforderung, dem Goethebund in Gießen sich anschließen zu wollen. Anmeldungen nimmt bis aus weiteres die Redaktion des Gießener Anzeigers entgegen.
•• Perssnalnachrichten. Der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Lorsch, Eugen Gerlach, wurde zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt I mit Wirkung vom 1. Juli 1900, der Pfarrverwalter Kehr zu Londorf zum Pfarr- affistenten in Neu-Isenburg und der Pfarramtskandidat Scriba zu Alten-Buseck zum Verwalter der Pfarrgehilfenstelle zu Londorf ernannt.
** Das Verordnungsblatt für die evangelische Kirche des Großherzogtums Hessen Nr. 12 vom 18. Juni enthält: Bekanntmachung vom 2. Juni, den Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben des evangelischen Zentralkirchen- fouds für das Großherzogtum Hessen für das Jahr 1900 bis 1901 betreffend, mit folgender Anmerkung: Zu den Rubriken 2, 6, 11 der Ausgaben wird bemerkt, daß bei den Mitgliedern des OberkonfistoriumS, den Professoren des Predigerseminars und den Geistlichen für das Rechnungsjahr 1900/1901 die Differenz zwischen den gegenwärtigen Gehalten und den höheren Sätzen der neuen Gehaltsordnung wegen Mangels an ausreichenden Mitteln um 25 Prozent gekürzt werden muß.
** Zur Erleichterung des Besuches des vom 23. bis 26. Juni 1900 in Mainz stattsindenden Gutenbergfestes haben die beteiligten Eisenbahnverwaltungen folgende Maßnahmen getroffen. 1) Auf denjenigen Strecken des Direktionsibezirks Mainz, auf welchen Sonderzüge verkehren (siehe die auf allen Stationen aushängenden Plakate), werden zu diesen Zügen Sondex- rücksahrkarten zweiter und dritter Klasse nach Mainz zum einfachen Personenzugfahrpreise mit Giltigkeit bis zum 30. Juni 1900 verausgabt. Diese berechtigen auf der Hinfahrt ausschließlich zur Benutzung der Sonderzüge. Zur Rückfahrt gelten sie am 24. und 25. Juni nur für die Sonderzüge, pn d'en folgenden Tagen nur für die fahrplanmäßigen Personenzüge. Im übrigen gelten für diese Karten die Bestimmungen zu 2. Weitere FahrpreisevmäßU gungen treten für diese Strecken an den Tagen, an welchen Sonderzüge verkehren, nicht ein. 2) Aus den Strecken des Dtrektiionsbezirks Mainz, auf welchen Sonderzüge nicht verkehren, sowie von sämtlichen Strecken der Direktionsbezirke Frankfurt a. M., Köln, Saarbrücken, der Main- Neckarbahn, der Pfälzischen Bahnen, sowie der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft sind alle in der Zeit vom 21. bis einschl. 26. Juni 1900 nach Mainz gelösten einfachen Personen- und Schnellzugsfahrkarten erster, zweiter und dritter Klasse zur Rückfahrt nach der. Abgangsstation ohne weiteres bis einschließlich 30. Juni 1900 giftig. Die Rückreise muß vor Mitternacht des letzten Giltigkeitstages beendet sein. Einer Abstempelung vor dem Antritt der Rückreise bedarf es nicht. Auf dem Hin- und Rückwege ist je einmalige Fahrtunterbrechung gegen Bescheinigung des Sta- tionsbeamten gestattet. Kinder im Alter bis zu 10 Jahren genießen die tarifmäßigen Vergünstigungen. Personenzugsfahrkarten berechtigen bezüglich der Hin- und Rückfahrt nur zur Benutzung der Personenzüge, während die Fahrkarten für Hlle Züge auch zu den Schnellzügen Giltigkeit haben. Bei Benutzung der D- und L-Züge ist der tarif- nräßige Zuschlag zu zahlen. Freigepäck wird nicht gewährt.
•• Radfahrer, die etwa die Absicht hatten, zum Guten- bergfest nach Mainz zu fahren, feien darauf aufmerksam gemacht, daß an den beiden Hauptfesttagen (24. u. 25. Juni) die Benutzung der Fahrräder und Motorwagen innerhalb des ganzen Mainzer Stadtgebietes unter Strass androhung verboten ist.
** Telegrammübermitteluug durch Telephon. Für die Benutzung des Fernsprechers zur Uebermittelung an die Teilnehmer der Stadtfernsprech-Einrichtungen und für die Aufnahme der Telegramme von diesen Teilnehmern gelten die folgenden Bestimmungen: A. Uebermittelung an« kommender Telegramme. Die Gebühr für das Zusprechen eines angekommenen Telegramms an den Teilnehmer beträgt ohne Rücksicht auf die Wortzahl 10 Pfg. Die Uebermittelung durch den Fernsprecher erfolgt nur auf schriftlichen, an die OrtSvermittelungsanstalt zu richtenden Antrag des Teilnehmers. Chiffrierte Telegramme und solche in fremder oder verabredeter Sprache können von der Ueber- mitteluug durch den Fernsprecher ausgeschlossen werden. — Die zugesprochenen Telegramme werden dem Empfänger in einem verschlossenen Umschläge unter gleichzeitiger Einziehung der Gebühr für das Zusprechen durch die Post zugestellt. — Die Gebühr für das Zusprechen eines Telegramms wird nicht erhoben, wenn der Aufgeber Eilbotenlohn vorauSbe- zahlt hat. Eine Rückzahlung des überschießenden Betrages des Eilbotenlohnes findet nicht statt. — B. Aufnahme abgehender Telegramme. Die Aufnahmegebühr beträgt 1 Pfg. für das Wort, mindestens aber 20 Pfg. für das Telegramm. Ueberfchießende Beträge werden auf die nächsthöhere durch 10 teilbare Summe abgerundet. Die für die Aufnahme und die Weiterbeförderung der Telegramme zu entrichtenden Gebühren werden am Schluffe eines jeden Monats oder früher, sobald sie den Betrag von 10 Mk. erreichen, erhoben. — Die Aufgabe von Telegrammen mittels Fernsprechers kann seitens der Teilnehmer jederzeit erfolgen, ohne daß es eines Antrages oder einer vorherigen Benachrichtigung der Vermittelungsanstalt bedarf.
AevMerurigszunahme durch Heöurten.
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In fast allen Ländern der Erde macht sich das Anwachsen der Bevölkerung durch den Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle geltend, in einigen in höherem, in anderen in niedrigerem Maße. An der Spitze steht das Deutsche Reich, dessen Bevölkerung von Jahr zu Jahr steigt, am schlechtesten steht Frankreich da, hier sind die Geburten nicht imstande, die Sterbefälle zu erreichen, infolgedessen geht die Bevölkerung ständig zurück. In unserer beifolgenden Uebersicht sind nur die Geburten, nicht die Sterbefälle, bildlich dargestellt, und zwar durch die Größe der Kinder. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika stehen mit
1526 000 Geburten an erster Stelle, dann folgen da« Deutsche Reich mit 773990, England mit 452861, Japan mit 366096 und Italien mit 343256 Geburten. Frank« reich mit seinen 51520 Geburten kommt kaum in Betracht. Diese Zahlen gelten für 1899, sie bewegen sich — mit alleiniger Ausnahme Frankreichs — in aufsteigender Linie. Im prozentualen Verhältnis zur Bevölkerung ist die Zahl der Geburten bei uns am größten (14,6 %e)# sie beträgt in Amerika 11,16 •/«, in England 11,5 o/fle, in Italien 11%» in Japan 8,7 °/M, in Frankreich dagegen nur 1,2 «/w.
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Bad Nauheim, 20. Juni. (Unterhaltungen). Donnerstag, den 21.: Konzert der Kurkapelle. Abends Sinfonie-Konzert. Freitag den 22.: Konzert der Kapelle des Ulanen-RegimentS aus Hanau. Bei gutem Wetter spielt die Kurkapelle nachmittags von 4 bis 6 am Teich- Hause. Abends 8 Uhr Theater: „Boccaccio". Samstag den 23.: Konzert der Kapelle des Jäger-BataillonS aus Marburg. Bei gutem Wetter spielt die Kurkapelle von 11 bis 12 Uhr vormittags am Teich. Abends von 8 bis 10 Uhr im Saale Tanz. Sonntag den 24. auf der Terrasse: Konzert der aus 60 Künstlern bestehenden amerikanischen Militärkapelle Sousa.
BadNauhei«, 21. Juni. Am 28. Juni findet die Weihe des neuen Sprudels statt, wie man sagt, iu aller Stille. Am Abend des genannten Tages ist Feuerwerk und am nächsten Tage gelangt im Kurtheater das Bad-Nauheimer Festspiel „Hier geneset man!" von Wilhelm Wagner zur erstmaligen Aufführung.
Darmstadt, 20. Juni. Der Großherzog empfing am 20. Juni u. a.: den Amtsrichter Dietz von Beer- selben, den Oberlehrer Dr. Bernbeck vom Gymnasium zu Gießen, deu Oberarzt Dr. Textor vom Laudeshospital Hofheim.
Darmstadt, 21. Juni. Der Großherzog wird sich schon Freitag, 22. Ium, zu den Festlichkeiten nach Mainz begeben.
Mainz, 21. Juni. Der von der Großh. Handelskammer Mainz verfaßte Entwurf eines neuen hessischen Handelskammergesetzes wurde vom Großh. Ministerium des Innern sämtlichen hessischen Handelskammern mit dem Ersuchen unterbreitet, eine Beratung des Entwurfs vorzunehmen und die erforderlichen Vorschläge dazu bis längstens 1. August dem Ministerium wieder zuzusenden.
Mainz, 21. Juni. Die Zurüstungen zum Guten- bergfeste in Mainz sind nahezu vollendet. Eine reiche Zahl von Gästen wird zum Feste eintreffen. Seine Kgl. Hoheit, Großherzog Emst Ludwig von Hessen, Vertreter der verschiedenen Staaten und Städte und zahlreiche Gelehrte des In- und Auslandes haben ihr Erscheinen zu- ;esagt. Gleichzeitig tagen die Jahresversammlungen der Buchdrucker und Journalisten in Mainz. Zwei Festschriften, eine, an der Gelehrte aller Länder mitgearbeitet haben, und eine solche von Mainzer Herren, sind erschienen. Die überreich beschickte typographische Ausstellung wird pünktlich am Samstag, dem 23. Juni, eröffnet Am Sonntage ist große akademische Feier und darauf Huldigung am Denkmale. Ein Festessen am Nachmittage und ein Kommers am Abend füllen den Rest des Tages aus. Montag, den 25., findet der große Festzug statt. Zahlreiche Fremde haben bereits Fenster gemietet oder aus den Tribünen Plätze belegt. Man hat bereits eine Erweiterung >er Tribünen, die an bevorzugten Stellen errichtet sind, vornehmen müssen. Karten zu denselben sind zu 5 Mark in Mainz bei Heim und Rachor zu haben. Am Abend vereinigen sich die Zugteilnehmer zu einem Kostünffeste in der Stadthalle, zu deren Garten noch der Brückenplatz hinzugenommen wurde, um ein Lager der Zünfte zu arrangieren. Am Dienstag ist großes Volksfest in der Stadthalle und eine Rheinfahrt, die in der That großartig zu werden verspricht. In Bingen und Eltville hält die Flottille an. Ein vorzüglicher Trunk ist von den beiden Weinstädten für die Festeste bereit gestellt. Abends wird >as Rheinufer illuminiert. Wir sehen, die Mainzer trengen sich an, ihren größten Mitbürger gebührend zu feiern.
Wetzlar, 18. Juni. Vor langen Jahren ist ein Herr Max Schäfer von hier nach Amerika auSgewandert, dem es durch feine Thatkrast, Geschicklichkeit und Umsicht ge- ungen ist, in dem fremden Lande zu großem Wohlstände und Einfluß zu gelangen. Herr Schäfer, welcher die zweitgrößte Bierbrauerei New Yorks fein eigen nennt, hat nun im Vorjahre feiner Vaterstadt Wetzlar einen Besuch abgestattet, und bei dieser Gelegenheit 3000 Mk. zu Gunsten )eS hiesigen Kinderheims mit der Bestimmung geschenkt, daß er über die Zinsen derselben durch einen mit ihm verwandten Herrn verfügen lassen werde. Nachdem nun die
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Jahreszinsen fällig geworden find, hat der Bevollmächtigte des Stifters nach Verabredung mit den Herren des Armen« kollegiums verfügt: 3/s des fraglichen Einkommens sollen nach Bestimmungen des Armenkollegiums für Zwecke deS KinderheimS verwandt werden- Vs der jährlichen Zinfen soll dagegen am 16. Juni jeden Jahres, dem Geburtstage des Geschenkgebers, der jeweiligen Vorsteherin des Kinder« heimS übergeben werden, mit der Bestimmung, daß die Genannte diesen Betrag nach eigenem Ermessen für da- Wohl des Kinderheims verwenden soll. In tiefem Sinne find die Zinsen des Kapitals erstmalig zur Auszahlung gekommen.
Vermischtes.
* Vom Reichs-Limes-Mrrseum. Aus Bad Homburg, den 14. Juni, wird dem „B. T." geschrieben: Unser Kaiser liebt es, zu überraschen. Als unser Bürgermeister Dr. Tettenborn heute früh vom Reichs-Limes-Kommissar Baurat Jacobi gebeten wurde, einmal auf die Saalburg zu kommen, weil der Kaiser ihn zu sprechen wünsche, dachte er Aewiß eher an alles andere als daran, daß man ihn als Mitwirkenden bei der Zeremonie der Legung des ersten Steines für das Reichs-Limes-Musoum nötig habe. Auch der Gymnasialdirektor Dr. Schulze kam „wie von ungefähr" dazu. Er hat schon viel über die Saalburg und über das römische Soldatenleben im Taunus geschrieben und durste bei dieser Feierlichkeit natürlich nicht fehlen. Bildhauer Götz von Berlin war telegraphisch beordert worden; er soll bekanntlich die Statue des Antoninus Pius, ß>es Erbauers des Kastells, modellieren. Als Vierter im Bunde war noch Kommerzienrat Dessauer vom Aschaffenburg anwesend, der dem künftigen Museum bereits eine wertvolle Schenkung römischer Funde zugewandt hat. Nach dem Kaiser und der Kaiserin und ihrem Gefolge that jeder dieser Herren die drei üblichen Hammerfchläge auf einen Stein, der sich schon im alten Römerkastell befunden hat, und mit einem Hammer, von dem wenigstens der Stil römischen Ursprungs ist. Er ist aus jenem Holz gefertigt, H'as man in einem Brunnen der Saalburg gefunden hat und das durch das Alter und die Einwirkung das Wassers schwarz wie Ebenholz und hart wie Eisen geworden ist. Der Kaiser unterhielt sich lebhaft mit jedem der anwesenden Herren und sprach seine Befriedigung darüber aus, daß die Sammlungen für die Rekonstruierung der Saalburg einen so guten Fortgang nehmen. Er erklärte, sein liebes Homburg werde noch große Freude an der Saalburg erleben; er hoffe, den Platz zu einem Wallfahrtsort der europäischen Gelehrtenwelt auszugestalten. Die Saalburg im Süden müsse ein würdiges Gegenstück der Marienburg im Norden werden. — Als Kuriosum sei erwähnt, daß sowohl bei der Ankunft als auch bei bem Verlassen der Saalburg das Kaiserpaar durch die Klänge einer echten römischen Tuba begrüßt wurde. Das Jnstru- ment Ist, wie so viele andere Sachen, eines schönen Tages beim „Puddeln" gefunden worden. Ob sich der Ansatz bei diesem Musikwerkzeuge durch das lange Liegen verschlechtert hat, oder ob die Römer an ihre Militärmusiker höhere Anforderungen gestellt haben als die modernen Kulturstaaten, bleibt noch für die römischen Altertumsforscher zu entscheiden. Thatsache ist, daß es weit und breit nur einen einzigen Menschen giebt, der dem Ungetüm einige harmonische Töne entlocken kann; das ist der Kreisajusschuß- diener Kitz in Homburg. Der Mann war in jungen Jahren Trompeter bei der Reiterei. — Außer Kommerzienrat Dessauer — ,,Das ist ein vortrefflicher Mann!" sagte der Kaiser von ihm — haben auch der Prinz Solms- Braunfels und der Fürst zu Wied dem Kaiser ihre Sammlungen römischer Altertümer zur Verfügung gestellt. Diese werden nach Fertigstellung des Baues ebenso wie das im Homburger Kürhause befindliche Saalburg-Museum dem Reichs-Limes-Museum einverleibt werden.
* Eine Duellforderung. Wie verlautet, ist das Verfahren gegen einen Assessor der königlichen Staatsanwaltschaft in Dresden, der einen Vorgesetzten wegen eines angeblich verletzenden Verhaltens im dienstlichen Verkehr eine Duellsorderung hatte zugehen lassen, durch Niederschlag beendet worden. Gegen den Förderer war sofort ein Haftbefehl erlassen worden, der erst nad). Stellung einer hohen Kaution aufgehoben wurde.


