Ausgabe 
22.6.1900 Erstes Blatt
 
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wagen stehen. Die besonderen Sicherheitswagen fürGeld- transporte zogen bis jetzt regelmäßig die Aufmerksamkeit der professionellen Eisenbahnräuber auf sich, und um diese Virtuosen der Einbrecherzunft, die die schlimmste Plage der Pacific Railway sind, zu täuschen, sollte die Sendung so unauffällig wie möglich passieren. Der Erfolg entsprach allerdings nicht den Erwartungen, denn die ganze Ladung wurde gestohlen. Zur Transportation der 20 bis 25 Ztr., die das Gold und Silber zusammen wogen, müssen offenbar eine ganze Anzahl Personen geholfen haben, und es ist nicht ganz klar, wie das den Aufsehern entgehen konnte. Die gesamte Polizei Chicagos ist natürlich alarmiert, und Chef Prnkerton hat seine geschicktesten Leute ausgeschickt, um die Spitzbuben zu fangen. Zum Zweiten: Im Zentralbl. f. Jagd- und Hundeliebhaber" erzählt der Geo­loge am Polytechnikum in Zürich Prof. A. Heim von einem klugen Hündchen. Er besitzt einen kleinen, keineswegs rassereinen Glatthaarpinscher. Das Tier ist intelligent beanlagt. Es hat durch mehrmaliges Zeigen rasch begriffen, daß man an bestimmten Stellen für ein Geldstück ein gutes Brötchen erhalten könne. Giebt man jetzt demFoxli" ein Fünf-Rappenstück, so faßt er es im deutlichen Bewußtsein seines Wertes begierig, ver­birgt es in einer Ecke unter der Holzwolle seines Lagers und schützt es. Rüstet sich seine Herrin am folgenden Tage zum Ausgang, und merktFoxli", daß er mitgehen darf, so holt er sein verstecktes Geldstück und trägt es verborgenj im Maul eine halbe Stunde oder noch länger mit. Kommt man an einem Bäckerladen vorbei, so legtFoxli" das Geldstück vor dem Laden zu Boden und bellt und zupft seine Herrin, wenn sie sein Belle icht versteht, am Kleid, bis sie ihm für das Geldstück ein Brödchen kauft. Giebt man im Polytechnikum dem Hündchen ein Geldstück, so läuft es damit zu der Eßwarenverkäuferin in der unteren Halle, legt das Geldstück vor sie hin und dellt sie an, bis sie ihm eine Semmel giebt, und dann darf sie auch das Geld­stück nehmen. Es kann vorkommen, daßFoxli" zwei oder drei ihm geschenkte Geldstücke an verschiedenen Orten tage­lang verborgen hält, bis ein Ausgang ihm Gelegenheit giebt, sie zu verwenden. Sicherlich vergißt er dann aber auch nicht, seinTaschengeld" mitzunehmen. Zum Dritten: Aus New Port wird berichtet: Die amerika­nischen Millionärssöhnchen habe jetzt eine neue Art Ides Amüsements entdeckt. In den südlichen Staaten besonders ist ein neuer Jagdsport Mode geworden, der an Grausam­keit und Scheußlichkeit alles bisher dagewesene übertrifft. Es handelt sich um eine Menschenjagd mit Blut­hunden. Ein Jagdklub von schwerreichen Leuten in Richmond, Virginia, unternahm dieser Tage eine auf­regende Jagdpartie. Ein Weißer und ein Neger wurden^ für diesen Zweck gemietet. Man gab ihnen einen Vor-« sprung von zwei Stunden. Drei wilde Bluthunde wurden dann auf ihrer Fährte losgelassen und die Jagdgesellschaft folgte zu Pferde. Die Jagd nahm zum Ausgangspunkt das Dorf Suffolk. Nach einigen Meilen im Galopp nah­men die Hunde unter fürchterlichem Gebell die vorausge- schickten Menschen wahr, die in ihrer entsetzlichen Angst nur noch mit Mühe einen Baum erklettern konnten, und so noch der Gefahr entgingen, in Stücke gerissen zu werden. Dieser unmenschliche Sport ruft in der amerikanischen Presse scharfe Proteste hervor. Nun wollen wir genug sein lassen des grausamen Spiels.

Universität und Hochschule.

Der Lektor der englischen Sprache an der Universität Straß» bürg, Dr. John Robertsohn, hat den kürzlich erhaltenen Ruf an die nordamerikanische Universität Ann Arbor im Staate Michigan abge­lehnt. In Berlin beging der Philosoph und Pädagoge Profeffor Dr. Friedrich Paulsen das 25jährige Jubiläum als Universitätslehrer. Professor Daulsen hat seine Thätigkeit ausschließlich der Berliner Hoch­schule gewidmet. Die Lehrstelle für Untersuchung der pflanzlichen und tierischen Fette, Oele und Wachsarten, der Mineralöle und übrigen Naphthaprodukte in Berlin ist dem Vorsteher der Abtellung für Oel- prüfung an der mechanisch-technischen Versuchsanstalt Dr. Holde vom 1. Oktober ab übertragen worden. Der außerordentliche Profeffor Dr. Paul Schoen in Jena ist zum ordentlichen Profeffor der juristischen Fakultät ernannt worden.

Aus Würzburg wird geschrieben: Als Nachfolger des »er­storbenen Profeffors für Archäologie Dr. Sittl ist der Privatdozent Dr. Wiedemann, früher in Freiburg in der Schweiz, gegenwärtig in München, ausersehen. Der Direktor des Verwaltungs'Departements des Reichs-Marineamts, Wirklicher Geheimer Admiralitätsrat Ferdinand Perels ist zum o. Honorar-Profeffor in der juristischen Fakultät der Universität zu Berlin ernannt worden.

zandwirtschast.

Die «aschinen für die Landwirtschaft finden bei de«- anhaltenden und fortwährend steigenden Mangel an Arbeitskräften mehr und mehr Anwendung. Eine Maschine, die ganz besonder« geeignet ist, als Ersatz menschlicher Arbeitskräfte zu dienen, ist die Mähmaschine, deren Anschaffung jedem Landwirt anzuraten ist. Zweck dieser Zeilen ist es nun, auf eine Marke aufmerksam zu machen, deren Leistungen die Handarbeit nicht nur ersetzt, in viel kürzerer Zeit ausführt, sondern auch an Güte übertrifft. Wir meinen dieMaffey-Harris" Mähmaschinen .Brandford Nr. 3" für Gras und Klee, .Brandfort Nr. 3 mit Hand, ablage" undImperial mit Selbstablage- für Getreide und, last not least, denOffenen Elevator-Binder*, der nicht nur mäht, sondern das Getreide auch in Garben bindet und ablegt, also das vollkommenste dar. stellt, was die Maschinentechnik zu gunsten der Landwirtschaft geschaffen hat. Die vorerwähnten Maschinen sind amerikanischen Ursprungs und von der rühmlichst bekannten Firma Ph. Mayfarth u. Co. in Frank­furt a. M. in Deutschland eingeführt Diese Firma, im Jahre 1872 begründet, führt die MarkeMaffey.Harris" seit 14 Jahren und hat davon in den letzten drei Jahren über 6000 Stück äbgesetzt, Heuer allem etwa 3000 Stück.

Die Zeit der Reife verschiedener Obstsorten, wie Erd-, JohanmS- und Stachelbeeren, Heidel- und Himbeeren, Kirschen, Aprikosen. Pfirsiche, Pflaumen, ist da oder steht nahe bevor und wir wollen daher alle Produzenten und Kaufliebhaber wieder auf die Frankfurter Zentral, stelle für Obstverwertung aufmerksam machen, die cs den Ver­käufern und Käufern so sehr leicht macht, die Obsternte an den Mann zu bringen bezw. den Bedarf an Obst zu decken. Die Interessenten haben nur das zur Verfügung stehende Quantum oder die benötigte Menge der Zentralstelle anzugeben, um sofort von dieser, und zwar ohne daß irgend eine Vergütung für die Vermittlung zu zahlen wäre, mit einer größeren Zahl von Produzenten und Kaufliebhabrrn in Verbindung gesetzt zu werden. Bedingung ist nur, daß das abgesetzte oder erworbene Quantum immer sofort der Zentralstelle mitgeteflt wird. Es wird natür­lich erwartet, daß immer nur gutes Obst geliefert wird; die Käufer sind gebeten, von nicht befriedigenden Lieferungen dem Komitee Mitteilung zu machen. Gut ist es, wenn mit den Anmeldungen nicht zu lange ge­zögert, sondern schon vor der Reife von dem erwarteten Ertrage bezw. der benötigten Menge der Zentralstelle Mitteilung gemacht wird, damit die Vorverhandlungen vor der Reifezeit erledigt werden können und seinerzeit auf Grund der geschehenen Abschlüffe sofort mit dem Versandt begonnen werden kann, denn manche Obstsorte verträgt ja kein langes Lagern. Es werden auch für Spätobst, insbesondere Aepfel und Birnen, etzt schon Anmeldungen angenommen.

WöchentlicheNebersicht der Todesfälle in Gieße«.

24. Woche vom 10. Juni bis 16. Juni 1900.

(Einwohnerzahl: angenommen zu 24 800, inkl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitsziffer: 10,48»/<»o, nach Abzug der Ortsfremden 4,190/*.

Kinder

Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom

1. Lebensjahr: 2.15. Jahr:

Lungenschwindsucht 3 (1) 3 (1)

Lungenentzündung 1 (1) 1 (1) 1

Krämpfsn ______1 (1)____________1 CO__________

Summa : 5 (3) 4 (2) 1 (1)

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel« der Todesfälle in der betreffenden Krankhett auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Frankfurter Börse von SO. Jaul.

Wechsel auf New-York zu 4.20Ve-21Vt-

Prämien auf Kredit per ult Juni 1.20 %i do. per ult Juli 3.000/q, Diskonto-Kommandit per ult. Juni 1.20%, do. per ult. Juli 2.80 */», Lombarden per ulh Juni 0.40 "/o, do. per ult Juli 0.80°/, Deutsche Bank per ult. Juni 0.00, Staatsbahn-Aktien per ult. Juli 0.000 Berliner Handelsgesellschaft per ult. Juli 0.00 o/o.

Notierungen: Kreditaktien 216.30-216-50, Diskonto Komman­dit 178.50.90-60-80, Staatsbahn 142.20-000.00, Gotthard 138.00, Lombarden 27.80-00.00, Ungar. Goldrente 96.10, Italiener 94.10, Sproz. Mexikaner 24.80, Oesterr. Coupons 84, Amerik. Coupon! 4.171/* Privat-Diskont 5 % G.

lV«-28/a Uhr: Kreditaktien 215.50-217.30-000.00 bz., Diskonto- Kommandit 178.90-179.70.00. b?, Staatsbahn 142.10-50 bz., Lom­barden 27.80-00.00 bz., Laura 235-235.80-235.50 bz., Harpener 00-000 bz., Bochumer 222.60-223.60 bz., Portugiesen 00.00.

Limbttrg tu d. Lahn, 20. Juni. Frachtmarkt. Durch, schntttspreis pro Malter. Roter Weizen 18.76 Mk., Weißer Weizen Mk., Korn 12.00 Mk., Gerste 0 00 Mk., Hafer 7.70 Mk., Erbse« Mk., Kartoffeln. Mk.

Schiffsnachrichte«

Norddeutscher Lloyd. Vertreten in Gießen durch die Agenten: Tarl Loos und I. M. Schulhof.

Bremen, 20. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Postdampfer Großer Kurfürst, Capt. W. Reimkasten, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 11 Uhr vormittags wohlbehalten in New-Kork angekommen.

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Heidelberg, 20. Juni. Zu einem Studenten- krawall größeren Umfangs kam es gestern Nacht. Ein Student war wegen Unfugs und Widerstands festgenommen, und in das Amtsgefängnis gebracht worden. Seine Korps- brüder versuchten ihn zu befreien, indem sie erst dem Amts aefängniS zuliefen, und dann zum Nachtlokal im Rat- häuse stürmten und die Thür mit Fauftschlägen und Stockhieben bearbeiteten. Etwa 40 Studenten waren an dieser Ausschreitung beteiligt, während mehrere hundert Zuschauer sie durch Johlen und Pfeifen animierten. Erst rnchdem mehrere Studenten verhaftet, und einem verhör unterzogen worden waren, gelang es der Polizei, die Menge zu zerstreuen und die Ruhe wieder herzustellen.

* Belagerte Professoren. Die Studenten der Universität Catania baten dieser Tage den Rektor der Hochschule, die Prüfungen zu verschieben, da sich! die Prüf­linge noch nicht sicher fühlten. Der akademische Senat wies die Bitte jedoch zurück. Kürzlich nun zogen die Stu­denten scharenweise in die Universität und zerbrachen in der Vorhalle das Pförtnerhäuschen und sämtliche Fenster­scheiben der Laboratorien. Dann verschlossen und ver- rmmmelten sie das große Thor, so daß die Professoren nicht ins Freie gelangen konnten. Die Polizei kam den Belagerten zu Hilfe. Sie mußte jedoch durch die Fenster in die Universitätsräume klettern, da sämtliche Thüren versperrt waren. Es wäre sicher zu einem blutigen Zu­sammenstoß zwischen Studenten und Polizisten gekommen die letzteren standen schußbereit da wenn nicht der Rektor Ricco die Polizei aufgefordert hätte, zu verschwin- den, da der Zwist nur die Hochschulkreise interessiere. Server beleidigt ^ogen sich die Polizisten zurück, indem sie wieder den Weg durchs Fenster nahmen. Die Belagerung der Professoren dauerte sieben Stunden. Dann trat der Senat zu einer neuen Sitzung zusammen und bewilligte tert verlangten Aufschub der Prüfungen. Die Studenten liefen sich, dann,noch das Versprechen geben, daß sie nicht disziplinarisch bestraft werden würden. Nachdem alles ge­ordnet worden war, wurden die Thüren geöffnet, und die Professoren durften nach! Hause gehen!

* Graf Tolstoi und die griechisch-katholische Kirche. Wir entnehmen demSwobodnoje Slowo" folgende Verfügung bei heiligen Synod« über den Dichter Leo Tolstoi.

Ztrkularisch. Vertraulich. Gin Ukas Seiner kaiserlichen Majestät bei Herrschers aller Reußen, aus dem Wladimierskschen geistlichen Kon- fisckrium. Nach dem Ukas Seiner kaiserlichen Majestät hat daS Wladi- miacsksche geistliche Konsistorium die Mitteilung deS Vorsitzenden des heiligen Synods, des Kiewschen Metropolitan Johanniky angehört; in bietet war auSeinandergesetzt, daß Graf Leo Tolstoi in den Werken, wo er seine religiösen Anschauungen zum Ausdruck bringt, sich als Feind der orthodoxen christlichen Kirche klar und deutlich gezeigt hat. Den Zinsen Gott in drei Personen erkennt er nicht an, die zweite Person der Dreieinigkeit Gottes Sohn nennt er einen einfachen Menschen, «Mellt den heiligen Text des Evangeliums, tadelt die heilige Kirche, intern er sie eine menschliche Einrichtung nennt, verwirft die kirchliche Hierarchie und spottet über die heiligen Sakramente und Gebräuche der heiLgen orthodoxen Kirche. Solche Leute erklärt die orthodoxe Kirche feiarlich am ersten Sonntag der großen Fasten in Anwesenheit chrer tteeen Kinder für fremd der kirchlichen Gaben. Daher wird die i^ialtung einer Seelenmesse über Graf Leo Tolstoi, falls er stirbt, ohne flupe zu thun und sich mit der Kirche zu versöhnen, unzweifelhaft das gewissen der treuen Kinder der heiligen Kirche aufregen und eine Ser (edhing Hervorrufen, die verhütet werden muß. In Angesicht deffen hat der heilige Synod beschloffen, die Abhaltung der Gedächtnisfeier und Seelenmessen für Graf Leo Tolstoi im Fall seines Todes ohne Buße zu verbieten. Auch hat derselbe befohlen: vom Inhalt tief« Mitteilung die Probfie zu benachrichtigen, damit dieselben davon die untergeordneten Geistlichen in Kentnis setzen.

5 April 1900.

Mitglied des Konsistoriums Oberpriester W. Kasatkin. Sekretär Grosdoff.

Tischvorsteher I. Tschistjanoff.

* Sommerliche Geschichten. Die große Hitze hat rwch vor den Hundstagen einige Seeschlangen, Enten und ähnliches Saure - Gurken - Gewürm ausgebrütet. In verschiedenen Zeitungen finden wir gleich drei hervor­ragende Züchtungen genannter Gattung. Zum Ersten: Ginschwerer Diebstahl" soll in Chicago ausgeführt wo cden sein. Gestohlen wurden fünf Millionen Mark Gold und für einige 500000 Mark Silberbarren. Das Geld bk stand aus 48 Barren, die je 100 Pfund wogen, .und ivucde aus einem Wagen der Chicago Terminal Transfer Aailway Linie gestohlen. Die Eigentümer der Sendung, die an eine Bank in Kalifornien bestimmt war, wollten! die Sache besonders schlau anfangen, um die kostbare Ladung zu sichern und, so unglaublich es klingt, ließen sie die Barren in gewöhnlichen Frachtkisten in einem Güter-

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Auf der Terrasse von 4.30 bis 6.30 Uhr und von 8 bis 9.30 Uhr.

Eintritt für Jedermann 2 Mark.

Bei schlechtem Wetter findet das Konzert im grossen Saale von 4.30 bis 8 Uhr mit einer % stündigen Pause statt.

Eintritt für Jedermann 4 Mark.

In letzterem Falle sind die für die Terrasse gelösten Billets mit Zuschlag für das Saal-Konzert zu verwenden. 4827

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