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22.6.1900 Erstes Blatt
 
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und Bq f beiten.

Freitag den 22. Juni

1900

str. 143 Erstes Blatt.

Gießener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

ZZezugipreii viertrljährl. Mk. 2,9t monatlich 75 Psg. mit Bringcrlohn; durch die AbholksteÜ« vierteljährl. Mk. 1^1 monatlich 65 Pftz.

Br» Postbezug Mk. 2,40 vicrteljährt. mit Bestellgeld.

Alle LnzeigeN'BermittluugSstcllen deS In- und AuSlaudeL nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeh». ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., airLwärlS 20 Pfg.

leee^ee Anzeigen zu der nachmittag» für bei felgende» Xeg «scheinenden Nummer bis »arm. 10 Nhr. AddeßeLnngen spätestens efceMfl vorher.

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Aide» dem Anzeiger te Wechsel mHHefl. imbtohrt* x. ^Blätter he«. Volkskunde- Hchtl. 4 mal deigelrgt.

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Amts- unb Anzeigeblatt für den Areis <8ichen.

RedoAii», Expedition und Druckerei: >4»(#r»6t Nr. 7.

Gratisbeilagea: Gießener Famitienblätter, Der heWhe Landwirt, Ktättrr für hrMche UMskundr.

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Adresse für Depeschen: Anzeiger chtch«, Fernsprecher Nr. 51.

Abonnements - Einladung.

Der erfteulicherweise andauernde

Aöonnenteuzuwachs

baxf als sprechender Beweis dafür gelten, dah der

Gießener Anzeiger"

ben Anforderungen der Jetztzeit Rechnung zu tragen versteht.

Er wird auch weiter ebensowenig Kosten als MLHe scheuen, seinen Berus als

größte Tageszeitung Höerhesseus zu erfüllen und jede Gelegenheit ergreifen, die In­teressen der gesamten Bevölkerung der Provinz wahr- Wehmen.

DieGießener Famitienblätter" wahr- hafi unterhaltend und belehrend zu gestalten, den »Hessischen Landwirt" zum zuverlässigen Be­rater zu befähigen, und durch dieBlätter für Hessische Volkskunde" den Sinn für hessische Vtz-enart zu erhalten, gilt uns daneben als vor- nebmstes Ziel. Daß mit der Mehmvdea SerbreitMy

Steßenrr Avreigers seine Wirkung als

Infertionsorgan

immer nachhalttger wird, werden die ihn benutzenden Zmerentenkreise mit Genugthuung erfahren haben.

Wir ersuchen namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post bezw. den Zweigstellen PaGbqefl. aufgeben zu wollen. S»hmMttwdt hlkßgk Dmnlleu ntzslik« vom Sage btt StfkMnng bis 30. Juni itg Jnitigtr bspraftti jageßtHt, wie wir auch gerne deneit find, Probe-Nummern nach auswärts postftei m versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden mr, wie seither, den Anzeiger wcitersenden und jm Wonnementsbetrag durch Quittung erheben I«ss«n, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.

Hochachtungsvoll

Verlag desGießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erben).

Amtlicher Teil.

Gießen, den 18. Juni 1900.

Petr.: Ermittelung der landwirtschaftlichen Boden­benutzung im deutschen Reich.

ras Grotzherzogliche Kreisamt Gießen

.die Grosth. Bürgermeistereien des Kreise».

Statt der nach dem Beschlüsse des BundeSra» vom ; ->uli 1892 im Jahr- 1903 auSzusührenden Ermittelung landwirtschaftlichen Bodcnbenutzung soll eine solche von ,>,i>tiem Umfangt schon im laufenden Jahr- ftaltfinden. ' B-i der bevorstehenden Ermittelung ist das (Ihnen nächster Post in zwei Exemplaren zugehend-) Formular 1 mvaebend Aus btt ersten Seite di-s-s Formulars ist M°r L der Fläch-ng-hal. d-r G-markung nach Kultur. h, aus Grund d-S Z-ntralkatast-rS -,ng-schri-b-n.

Die Ermittelung des Umfanges der Hauptnotzuttg ll6 Ackerlandes, sowie des Umfanges d-r übrigen Kultur­en ist im 3uni v°r,un°hm°n Dag-g-n bleibt als ^iivunkt für die Ermittelung des Umfanges der Nebeu- .«««a des Ackerlandes der Monat September bestehen.

übrigen finden die von Großh. Ministerium des , 3m gongen I unter bcm 14 Oktober 1892 er- ichm°n "B-stimmung-u nebst «nleitung finngemäß- An-

wollen mit Rücksicht aus die Anordnung d-S «timdeSratS über die Zeit der Aufnahme dieselbe möglichst L-uwg-n nnd dak auSg-Mt- Formular 1 in ttn-« kre'invlar (das andere verbleibt als Konzept bei Ihren L) biS spätestens 10. J«li l. IS einsenden.

Zur Eintragung der Flächen der Nebennutzungen werden die Formulare den Gemeinden alsdann bis September wieder mitgeteilt werden.

Weiter find auf dem Formular 2b (das Ihnen eben­falls mit nächster Post zugehen wird) Nachweise über die Ernte an Wein, den Obstbau und die Obstnutzung im laufenden Jahre zu erbringen, sowie auf der Rückseite dieses Formulars die vorgeschriebenen Angaben über die Hagel­und andere Feldschäden zu machen.

Bon der von Großh. Ministerium deS Innern bezüg­lich der Zählung der Obstbäume genehmigten Anleitung erhalten Sie zwei Exemplare.

Das ausgefüllte Formular 2d wollen Sie spätestens am 1. Dezember l. IS. hierhersenden. (Ein Exemplar bleibt als Konzept bei Ihren Akten.)

v. Bechtold.

Sir brutsch» lüifrtrfitötta nab bie jlotitubtrntgung.

Es ist wiederholt an verschiedenen Stellen und von verschiedenen Seiten betont worden, ein wie großer Fonds von Idealismus in der Flottenbewegung zum Ausdruck ge- kommen ist. Der weitaus größte Teil der Nation begriff, um was es fich bei der neuen Marinepolitik handelte, und welche neuen Aufgaben die veränderte politische und wirt­schaftliche Lage der deutschen Politik gestellt habe. Diese neuen Aufgaben dem Volke zu zeigen, auf Grundlage exakter, in wissenschaftlicher Weise gewonnener Beobachtungen das Bild zu entrollen, das die veränderten Verhältnisse, die Ausbildung der großen Weltmächte, die Verknüpfung der deutschen DorkSwirtschaft mit der Weltwirtschaft böten, find bereits beim Flottengesetz von 1898, vornehmlich aber seit dem denkwürdigen 18. Oktober v. I. eine große Anzahl der besten Männer unseres Volkes in selbstlosester Weise thätig gewesen. Gelehrte von europäischem Ruf wie Gustav Schmoller und Adolf Wagner haben sich nicht gescheut, die deutschen Gaue zu bereisen und in ihrer geistvollen Weise weitesten Kreisen die Erscheinungen der Gegenwart unter Aufdeckung ihrer Entwickelungstendenzen zu erklären und ihnen die Fragen der Gegenwart unter großen histo­rischen und volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu erläutern. Und dem Vorgehen Schmoller's und Wagner'S haben sich eine große Zahl unserer ersten Universitätslehrer, unter ihnen bekanntlich auch der weitbekannte Historiker unserer Universität, Geh. Hofrat Profeffor Dr. Oncken, ange- schlofien, immer bemüht, die Schätze ihres Gelehrtenfleißes für die nationale Politik der Gegenwart nutzbar zu machen. Ein loses äußeres Band verknüpfte sie in der freien Ver­einigung für Flottenvorträge.

Und es sind keineswegs vornehmlich protestantische Ge­lehrte zu Wort gekommen, in zahlreichen Artikeln, Univer­sitätsreden und Vorträgen haben Männer der katholischen Wissenschaft, Schulte, Schröder, Englert, Pohle, Grauert, v. Tessen-Wesierski, ebenso fleißig für die Flotte gewirkt, wie Schmoller, Wagner, Onckeu, Schäfer, Ratzel, Brentano.

Die Bedeutung der Universitäten für das geistige Leben unserer Nation kann nicht hoch genug geschätzt werden, und der Segen, der von ihnen auf unser Volk ausgeströmt ist, muß sehr hoch veranschlagt werden, wenn es gilt, einmal die Bilanz aufzumachen. Der deutsche Profeffor ist zeitweise eine originelle Figur gewesen. In der Enge der Univer­sitäten in den kleineren deutschen Staaten lebte er mitunter weltabgewandt. Und doch, welche sittliche Größe lag so vielfach in dem stillen Gelehrtendaseiu, das unter Verzicht auf die äußeren Güter des Lebens nur dem einen Ideal, der Erforschung der wiffenschaftlichen Wahrheit lebte, häufig bedrängt und bedrückt von der Not des Lebens und doch immer nur bestrebt, die Schätze der Wissenschaft zu mehren, ohne zu fragen, ob ihm selbst dabei Gewinn erwüchse. Man vergegenwärtige sich einmal das Leben, das Deutschlands größter Philosoph, Kant, jahrzehntelang in Königsberg führte, und man wird begreifen, daß es nicht nur seine Lehre war, die für ein ganzes Geschlecht eine Quelle höchster Erhebung bildete, sondern daß seine Persönlichkeit hinzukam, die so zu sagen diese Lehre vorbildlich lebte.

Die hohe geistige Kultur, deren wir uns heute in Deutschland rühmen können, ist entstanden durch die fahr- hundertelange Arbeit unserer Hochschulen, in deren Händen ihre Gegenwart und Zukunft noch immer ruht. Fast jede geistige Bewegung hat bei uus von den Universitäten ihren Ausgang genommen, in den Zeiten geistiger Wandlung haben sie im Vordergrund gestanden. Die Zeiten der Reformation sind unverständlich, wenn man nicht den Anteil berücksichtigt, den die deutschen Humanisten an der religiösen Bewegung

haben. Die deutschen Universitäten find es auch gewesen, die die neue Lehre fortbildeten und vertieften. Und was an geistiger Kultur und Wiffenschaft durch die Stürme deS 30jährigen Krieges hinübergerettet wurde, ist durch die Pflege der Universitäten zu neuem Leben erweckt worden.

Immerhin kann es scheinen, als ob erst das 19. Jahr­hundert so recht die Blütezeit der deutschen Hochschulen ge­wesen sei, und zugleich die Zeit, wo sich ihr Einfluß auf das ganze Leben der Nation am deutlichsten offenbarte. Wir haben vorhin Kant'S und seiner Lehre Erwähnung ge- than, sie erzog das Geschlecht der Helden, die Deutschland aus seiner tiefsten Schmach erheben sollten. Unter den Trommelwirbeln der französischen Besatzung richteten in Berlin Schleiermacher und Fichte ihre Reden an die deutsche Jugend und erfüllten sie mit heißer Begeisterung für Deutschlands Größe und Deutschlands Freiheit.

ES ist überflüssig, hier auf die große Rolle einzugehen, die die Universitäten in den trüben Zeiten von 18151848 spielten. Die glänzende Darstellung Treitschke's hat diese Kapitel unserer Geschichte zum Gemeingut deS ganzen Volkes gemacht. Auch die Schilderung der Teilnahme der deutschen Gelehrtenwelt an den Bestrebungen des Jahres 1848 sei uns erlaffen. Niemals hat ein Parlament so sehr die geistige Elite eines Volkes umfaßt, wie die vielgeschmähte Versamm­lung in Frankfurt a. M. Die deutschen Universitäten hatten im Volke den Gedanken der deutschen Einheit wachgehalten, eS war somit natürlich, daß sie die Männer stellten, die über die Neugestaltung des Vaterlandes beraten sollten. Daß das große Werk nicht im ersten Anlauf glückte, wer will deßhalb die Männer tadeln, die es mutig unternahmen? Haben sie doch immerhin einen großen Teil des Funda­ments gelegt, auf dem später der stolze Bau errichtet wurde.

ES kam die Zeit Kaiser Wilhelms I. Wer will heute schon im einzelnen klarlegen, welche Wechselwirkungen be­standen zwischen dem neu aufblühenden öffentlichen Leben und der deutschen Wiffenschaft! Eine ungeahnte Blüte, speziell der historischen und volkswirtschaftlichen Studien, brach herein, die Liebe zum Staat, das Verständnis für unsere grundlegenden deutschen Institutionen zu pflegen schien die besondere Aufgabe einer Anzahl unserer ersten Universitätslehrer. Treitschke, der begeisterte Verkündiger vaterländischer Macht und Größe, sammelte alljährlich Tausende um sein Katheder. Andere thaten dasselbe, und so kam es, daß sich da« Verständnis für das politisch Er­reichbare vertiefte, daß man fich von der Wertschätzung fremder Staatseinrichtungen abwandte und nur von der Pflege und weiteren Ausbildung der Faktoren, die Deutsch­land groß gemacht haben, auch für die Zukunft das Heil erwartet.

Die Früchte der letzten dreißig Universitätsjahre find der Bewegung der letzten Tage zugute gekommen. Ohne die Mitarbeit der Universitätslehrer, ohne ihre aufklärende Thätigkeit wäre schwerlich das große Werk sichergestellt worden. Sie haben das Material geliefert, das die Vereine und Vereinigungen bei ihrer Thätigkeit benutzten. Noch auf Jahre hinaus werden die Aufsätze über Handels- und Machtpolitik, die Schmoller, Wagner, Sering herauSgegebeu haben, eine Fundgrube der politischen und volkswirtschaft­lichen Belehrung und Anregung bieten.

So haben auch diesmal die deutschen Universitätslehrer ihren alten Ruhm, die geistigen Führer unseres Volkes zu sein, glänzend aufrecht erhalten. Und wir find es gewiß, daß es ihnen auch im kommenden Jahrhundert gelingen wird, die deutsche Jugend zu erfüllen mit echt patriotischem Geist und Verständnis für die großen Aufgaben unseres Volkslebens. Sie werden auch im 20. Jahrhundert ihre hohe Stellung im Geistesleben der Völker sich erhalten zum Heil und Segen unseres Vaterlandes.

Aus Stadt und Land.

** Goethebund. Seit Monaten geht eine tief- tzreifende Bewegung, hervorgerufen durch die sogenannte lex Heinze durchi unser Vaterland. Der Gesetzentwurf, der den äußeren Anstoß zu dieser Bewegung gegeben hat, ist für diesmal glücklA> beseitigt, nicht aber die beständige Bedrohung der höchsten geistigen Güter der Nation. Nur für den Augenblick ist der geplante Ansturm auf die Freiheit unserer Litteratur und Kunst abgeschlagen: er wird immer wieder von neuem versucht werden, und einem Sieg der rückwärts strebenden Elemente auf diesem Gebiet wurde unfehlbar ihr Feldzug gegen Wissenschaft und freie Forschung folgen. Darum gilt es, in mannhas^m sammenstehen Wache zu halten, damit nicht der Einbruch in das geistige Besitztum unseres Volkes doch noch erfolge. Andere Stöbt- hoben bie Lösung dieser Ausgabe durch ine