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von dem Nachtwächter Stepputlis und mir arretiert und zur Wache gebracht. Bei diesem Vorfall schon waren mehr denn 20 Kameraden des Arretierten anwesend, die, die Säbel halb gezogen, dem Verhafteten fortwährend zuriesen, ob sie auf uns einhauen sollten. Nur dem Zufall, daß gerade der Zapfenstreich flattfand, können wir es verdanken, daß an diesem Abend eine Schlägerei nicht stattfand. Nachdem am SamStag unter den Dragonern das Gerücht gegangen, daß heute die beiden Wächter es abbekommen würden, gelang ihnen dies auch, indem die Dragoner bereits ohne Grund mit Zivilisten Streit anfingen, der jedoch von einem Infanterie- Unteroffizier geschlichtet wurde. Nach dessen Entfernung zogen aber mindestens zehn Dragoner blank und hieben auf die nichts ahnenden Zivilisten ein. Wie eS unsere Pflicht war, gingen Stepputlis und ich zwischen die sich schlagenden, nun richtete sich die Wut der Dragoner, die inzwischen aus mindestens 30 Mann angewachsen waren, gegen uns direkt, und so waren wir gezwungen, von unserer Waffe energisch Gebrauch zu machen. Wie viele Dragoner verletzt worden sind, ist uns unbekannt; jedenfalls haben wir gehört, daß zwei der Renitenten im Lazarett und mehrere andere im Revier liegen. Daß unser Kollege Stadtkus von einem Haufen Dragoner überfallen und sehr Übel zugerichtet worden ist, konnten wir leider nicht verhindern, da wir unsere eigene Haut schützen mußten.
Ueber den Erbprinzen Friedrich zu Wied, der sich im Herbst 1898 mit der Tochter des Königs von Württemberg' vermählt hat, tauchten im Frühjahr 1899 allerhand Gerüchte auf, die vom Biertisch ihren Weg auch in die Zeitungen fanden. Es hieß, der Prinz, der als Leutnant im 3. Garde-Ulanen-Regiment zu Potsdam steht, habe iim „Klub der Harmlosen" Millionen verspielt, er unterhalte Beziehungen zu einer verheirateten Frau, sei durch sein ausschweifendes Leben erkrankt, und die Prinzessin beabsichtige, ins Elternhaus zurückzukehren. Als diese Gerächte von dem Kaufmann Oskar Götzel in Neuwied weiter erzählt wurden, ging man der Sache nach. Götzel gab als seine Quelle den Wirt Alfred Heitzmann tu Frankfurt an, und so erhob die Staatsanwaltschaft tm öffentlichen Interesse gegen den letzteren Klage wegen Beleidigung. Heitzmann ist der Sohu eines langjährigen
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der Firma Schuckert u. Co. in Nürnberg übertragen. Die Kosten des ganzen Werks sind auf 1 100 000 Mark veranschlagt. — In Beerfelden verunglückte ein 72 fahriger pensionierter Briefbote dadurch, daß er, beim Holzfahren mithelfend, unter den geladenen Wagen kam. Borderund Hinterrad gingen ihm über das linke Bein, trotzdem kam er ohne Beinbruchs davon. Die Quetschungen sind aber derart, daß der Verunglückte nach Darmstadt gebracht wurde, wo ihm das Bein amputiert werden muß.
Niedergirmes ist der Taglöhner Phil. M u l l e r VII. verhaftet und zur Untersuchungshaft nach Marburg überführt worden. Der Verhaftete ist angeklagt, auf dem Wakdqirmeser Sängerfest einen unsittlichen Angriff auf eine Frau ausgeführt zu haben. - Der 11 lahrige Peter Kögel Sohn des Fuhrmanns Konrad K., ist beim Baden in der Dill oberhalb der Sophienhütte ertrunken. Die Leiche ist geborgen.______________________
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* Ein hübsches Witzwort eines bekannten Berliner Schriftstellers weiß die „Franks. Ztg." mitzuteilen. Dr. Alfred v. Berger, der sein Deutsches Schauspielhaus in Hamburg Mitte September mit den „Makkabäern" eröffnen will, hat sich für seine Bühne nicht nur das Aufführungsrecht vieler bereits erschienener, hervorragender neuer Bühnenwerke gesichert, sondern auch eine Anzahl erfolgreicher Dramatiker durch Zahlung fester. Jahresgehälter verpflichtet, ihm für Hamburg das Vorrecht aus ihre künftigen Schöpfungen zu überlassen. Er hat mithin die dramatische Produktion im voraus, auf dem Halme gekauft. Einer der also Angekauften, ein mehr durch seinen Bierhumor, als durch Fleiß bekannter Berliner Schriftsteller (Das ist zweifellos Otto Erich Hartleben. D. Red. d. G. A.) sagte, als er den Vertrag abschloß, hocherfreut: „Ach, wenn daS noch ein paar Theaterdirektoren so machen, dann brauche ich überhaupt nicht mehr zu schreiben."
* Eine Schlägerei zwischen Dragonern und Zivilisten hat in Tilsit stattgefunden. Der eine dabei beteiligte städtische Nachtwächter Schucklies giebt von dem Vorfall folgende Darstellung: Bereits am Freitag abend wurde auf Veranlassung des Amtsgerichtsrats M. der Dragoner Dreyer
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Kammerdieners des Fürsten zu Wied; nach, der Verheiratung des Erbprinzen trat er als Koch bei diesem in Dienst, wurde aber schon nach einer Woche mit Entschädigung entlassen, weil er den Haushalt zu großartig führen wollte. Beim Erbprinzen habe es nichts als Pellkartoffeln mit Hering gegeben, erzählte er neben dem klebrigen seinen Bekannten, und der Hering mit den Pellkartoffeln ist das Einzige, was an dem ganzen Gerede wahr ist. Während der Dienstzeit des Heitzmann hat es int erbprinzlichen Haushalte zu Potsdam wirklich einmal abends Pellkartoffeln mit Hering gegeben. Alles andere aber erwies sich im Lichte der vor der Strafkammer des Landgerichts zu Frankfurt a. M. dieser Tage geführten Verhandlung als müßige oder böswillige Erfindung. Mit dem „Klub der Harmlosen" hat der Erbprinz niemals auch! nur das geringste zu thun gehabt, das Geschwätz von seiner Krankheit wurde durch ein ärztliches Zeugnis widerlegt, und die Liebesabenteuer, wobei er von dem betrogenen Ehemann überrascht worden sein sollte, waren ebenso aus der Luft gegriffen, wie die Behauptung, der König von Württemberg habe beabsich^- tigt, seine Tochter zurückzuholen. Das einzige, was den angeklagten Wirt einigermaßen entlasten konnte, ist der Umstand, daß er nicht der Erfinder dieser verleumderischen Gerüchte war, sondern nur weiter erzählt hat, was ihm, wie es scheint aus Stuttgart, von einem inzwischen verstorbenen Gaste zugetragen worden war. Dieser Umstand veranlaßte das Gericht, nicht auf Gefängnis zu erkennen, wie der Staatsanwalt beantragte, sondern auf 600 Mk. Geldstrafe.
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