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Nr. 143
Freitag den 22. Juni
Drittes Blatt
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Heneral-AHeiger
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•* Das Amtsblatt Nr. 9, des Ministeriums des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten vom 2. Juni enthält ein Ausschreiben an die Kreisschulkommissionen, sowie die Direktionen der höheren Mädchenschulen und des Lehrerinnenseminars.
Zwischen der hessischm und der preußischen Regierung ist bereits im Jahre 1880 eine Vereinbarung dahin getroffen worden, daß die im Königreich Preußen auf Grund der Prüfungsordnung vom 24. April 1874 ausgestellten Befähigungszeugnisse für Lehrerinnen an den höheren Mädchenschulen auch im Großherzogtum Hessen als gültig anerkannt und somit deren Inhaberinnen auch in Hessen zum Schuldienste zugelaffen werden, und daß die im Großherzogtum Hessen auf Grund der Verordnung über die Prüfung der Aspirantinnen für das Lehramt an höheren Mädchcnschulen vom 10. März 1880 ausgestellten Befähigungszeugnisse auch im Königreich Preußen als gültig anerkannt und deren Jnhabe- rinnen auch in Preußen zum Schuldienst zugelaffen werden. Nachdem für das Großherzogtum Hessen, unter Aushebung der Verordnung vom 10. März 1880, eine neue Verordnung über die Prüfung der Anwärterinnen für das Lehramt an höheren Mädchenschulen untern 6. Januar 1900 erlassen worden ist (Reg.-Bl. Nr. 8), ist mit der preußischen Regierung eine weitere Vereinbarung des Inhalts zustande gekommen, daß das frühere Abkommen zwischen den beiderseitigen Regierungen wegen gegenseitiger Anerkennung der Befähigungszeugnisse für Lehrerinnen an den höheren Mädchenschulen auch fernerhin bestehen bleibt. Unberührt hierdurch bleibt die aus der Einführung der wissenschaftlichen Prüfung der Lehrerinnen in Preußen (Prüfung für das Amt von Oberlehrerinnen und Leiterinnen) sich ergebende Beschränkung. Ferner dürfen Lehrerinnen, welche die Lehrerinnenprüfung im Großherzogtum Hessen abgelegt haben, an öffentliche;» und privaten Schulen im Königreich Preußen erst nach vollendetem 19. Lebens'ahr beschäftigt werden, und im Gesang und in den weiblichen Handarbeiten erst dann unterrichten, wenn sie sich einer besonderen Prüfung in diesen beiden Fächern unterzogen haben.
*• Die Kranken, und Begräbniskaffe des Verbandes Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig bietet den jungen Kaufleuten zu sehr mäßigen Beiträgen eine standesgemäße Krankenversicherung in 6 verschiedenen Klassen bis zu täglich 5 Mark Krankengeld und ohne besondere Beiträge außerdem
einen Begräbnis-Anspruch, der nach ojähriger Mitgliedschaft in der höchsten Klasse 300 Mark beträgt. Unter solchen günstigen Bedingungen für die Versicherten ist die Kasse stetig gewachsen und zählt gegenwärtig über 20 000 Mitglieder, die über 2139 verschiedene Orte des Reiches verteilt sind; in 315 Städten werden Zahl- und Verwaltungsstellen unterhalten. Die Kasse steht mit 1521 Aerzten und Zahnärzten, sowie mit 1350 Arznei und Heilmittel Lieferanten in Verbindung, die Mitglieder sind aber nicht gezwungen, sich von Kassenärzten behandeln zu lassen. Für Krankenunterstützung und Begräbnisgelder zahlte die Kasse bisher über 3 Millionen Mark aus und ein Vermögen von 477 000 Mark in Wertpapieren stellt die Einhaltung der Kassenleistungen sicher. Im Jahre 1899 entfielen auf je 100 Mitglieder 92 Krankenmeldungen überhaupt und davon waren 25 mit Erwerbsunfähigkeit verbunden. Die freie Behandlung wird für 26 Wochen und das Krankengeld für 52 Wochen bei jeder Erkrankung nach 6monatiger Mitgliedschaft gewährt. Die Kassenmitgliedschaft befreit von der Zugehörigkeit zu Zwangskasien.
K. Büdingen, 20. Juni. Am Sonntag feierte der Büdinger Zweigverein der Gustav-Adolf-Stiftung fein Jahresfest in der Kirche zu Rohrbach. Die große geräumige und festlich geschmückte Kirche war dicht gefüllt. Nach Abhaltung des Altardienstes und Absingen des Lutherliedes: „Ein' feste Burg" hielt Pfarrer Goebel von Wolf die Festpredigt über das Losungswort des Gustav-Adolfs« Vereines: Lasset uns Gutes thun an jedermann, allermeist aber an den Glaubensgenossen (Gal. 6, 10) und zeigte der Festgemeinde, wie notwendig das Werk des Gustav-Adolfs- vereines sei im Hinblick auf die Not der Glaubensgenossen in der Diaspora. Sodann verlas der Sekretär des Vereins, Pfarrer Schn st er- Glaeubrg, den Rechenschaftsbericht, aus dem hervorging, daß die Einnahmen des Vereins im Berichtsjahre die frühere Höhe wieder erreicht haben. Nach Schluß des Gottesdienstes fand im Saale des Gastwirtes Jaeger die sehr gut besuchte Nachversammlung statt, die
einen schönen Verlauf nahm. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Koehler, begrüßte im Namen der Gemeinde die erschienenen Festteilnehmer, woraus der Präsident des Vereins, Pfarrer Goebel-Büdingen der Gemeinde und allen, die zur Verherrlichung des Festes beigetragen, herzlich dankte. Pfarrer Kalbhenn von Ober-Mockstadt hielt sodann eine Ansprache über die Bedeutung des deutschen ev. Kirchenliedes für unsere Kirche und unser ev. Volk, besonders aber auch für unsere DiaSporagemeinden unter Einflechtung interessanter Erzählungen aus seiner Thätigkeit als DiaSporapsarrer. Pfarrverwalter Korell-Düdelsheim schilderte sodann Land und Leute aus Südtirol und Oberitalien in sozialer und kirchlicher Hinsicht, wie er solches aus eigener Anschauung kennen gelernt hatte. Reicher Beifall lohnte beiden Rednern für ihre interessanten Vorträge. Mit einem DankeSwort an alle Festteilnehmer schloß der Ortsgeiftliche gegen abend die schön verlaufene Versammlung. Die Festkollekte im Betrag von 32,60 Mk. wurde Bümgel und Fürth überwiesen.
** Kleine Mitteilungen ans Heffen und den Nachbarstaaten. Die aus Friedberg stammende Mitteilung in Nr. 138 (2. Bl.) des „Gießener Anzeigers" vom 16. d. M. betr. die von dem Lehrerkollegium des dortigen Gymnasiums angeblich geplanten Zusammenkünfte der akad. gebildeten Lehrer Oberhessens, entbehrt, wie uns Prof. Löbell, Großh. Gymnasialdirektor in Friedberg, schreibt, jedes thatsäch- lichen Untergrundes. — Bei Allendorf a. d. W. war Montag mittag am sogen. Damflnhaus dicht an der Landstraße von Allendorf nad) Eschwege, ein großes Sandschiff auf dem Baggereibetrieb des Herrn Eduard Langefeld mit vier Mann plötzlich in der angeschpwllenen Werra unter-, gegangen. Den lauten Hilferufen konnte keine Folge geleistet werden, da niemand in der Nähe war. Drei Manu find ertrunken, und zwar der Stiefsohn des Herrn Langefeld, Theodor Heckmann, der eine Frau und ein Kind hinterläßt; der Schiffer Reutermann, der eine Frau und drei Kinder hinterlaßt, und der ledige Georg Leimbach, der einzige Sohn einer Witwe. Der vierte, August Scharff, hat schwimmend das User erreichen können. — Die Errichtung eines städtischen Elektrizitätswerks in W o r m s wurde
ZLerliner Kunstausstellungen.
(Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.)
II*).
Die Sezession.
1.
(Was ist Sezession? — Marses. — Böcklin. — Hans Thoma.)
Au das Wort Sezession knüpft sich immer noch die falsche Deutung, als ob ihre Gründer auf irgend eine ncrabc herrschende Mode in der Kunst eingeschworen wären.....Kunst ist — nach dem Worte des Heiligen
Augustinus —, was die großen Künstler gemacht haben. Mit diesen Sätzen hat Professor Max Sieber mann das Programm (man darf nicht sagen: einer Richtung) ausgestellt, er hat die denkbar weitesten Grenzen gezogen und damit von vornherein den Einwand, Sezession sei eine Tageserscheinung, eine a la mode-Richtung, gar nicht auf» kommen lassen. Von Richtung spricht man beim Militär, ist einmal geistreich bemerkt worden; je weniger Richtung die Kunst hat, um so heilsamer für sie, denn um so vielgestaltiger wird sie sein. „Kunst ist, was die großen Künst- ler gemacht haben". Dieser prachtvolle, kindlich naive, aber in dieser Naivetät durchschlagende Ausspruch des berühmten Kirchenvaters ist zwar von einer Definition fast ebenso weit entfernt, wie wenn man einen Begriff sich selbst gleich setzt' aber gerade das Fließende, aller Norm widerstrebende der Kunst wird in glücklichster Weise betont. Und die Se- ression ist ja gerade darauf aus, der Kunst ewig neue Nah- runq znznsühren und nur das Starre und Erstarrte, das Topische und Ueberlebte auszuschließen. Insofern läßt sich von ihr behaupten, sie habe ein eigenes Programm. Wo immer Her Versuch gemacht ist, eine neue Form zu finden, den Gedanken in eine eigene, selbständige Gestalt emzuklei- den ist der Kunst ein größerer Dienst geleiftet, als mit her' glatten Routinearbeit. Freilich dieses Ringen nach Selbständigkeit, diese Verachtung des Hergebrachten ist von Auswüchsen nicht immer frei In dem löblichen Bestreben, das, was gesagt werden soll, auf eine eigene Weife zu faaen überflutet das Temperament oft die Schranken der T^hnik Und andererseits entspricht die Ausführung nicht immer bem Willen zur That. So kommt es, daß die Gegner diese Vorzüge als Originalitätssucht und Bizarrerie verschreien während das große Publikum die Schwächen für vollständige Unfähigkeit nimmt.
Zum Glück hat sich die Sezession auch in diesem Jahre
♦) vgl. Nl. 124, 30. Mai.
eine Reihe von anerkannten Meistern gesichert, die neben den sich absurd gebärdenden Talenten wie ein willkommener Ruhepunkt wirken. Zu Hans von M a r e e s allerdings, dem großen Toten, vermag die Mehrheit kein rechtes Zutrauen zu gewinnen. Das Königliche Filial-Museum in Schleißheim hat bereitwillig sechs Gemälde von ihm geliehen, darunter den Raub der Helena und die drei Jünglinge. Diese Bilder sind in einer ganz merkwürdigen Manier gemalt. Sie erwecken den Eindruck, als ob der Künstler, mit seinen Schöpfungen unzufrieden, diese nachher noch einmal übermalt hätte, und zwar mit einer schwärzlichen Farbe, die feinen nackten Figuren einen rußigen Anstrich verleiht. Am sympathischsten wirkt das Porträt, das Marees und Lenbach zusammen zeigt, durch seinen überlegenen Humor. Marees hat in der Geschichte der modernen' Malerei seinen festen Platz. Er ist mehr durch das, was er angestrebt hat, als durch das, was er erreicht hat, zu Ansehen gelangt. Mehr als Bahnbrecher, ein Künstler als ein Vollender und Erftiller.
Von den Lebenden verdient an erster Stelle Arnold Böcklin genannt zu werden. „Wie anders wirkt dies Zeichen auf mich ein!" Das Hauptgemälde von ihm, das sehnsüchtig erwartet wird, eine Melancholie, ist zwar noch nicht eingetnoffen. Anderes von ihm, wie der herrliche Jagdzug der Diana, ist längst bekannt und nach Gebühr gewürdigt. Nicht minder der den Fischen zuschauende Centaur. Dafür überrascht jedoch ein weibliches Bildnis, angeblich das seiner Frau, durch sprühende Lebensechtheit und zeugt von unverminderter Schaffenskraft. Tiefer eine Böcklin würde genügen, um den Besuch der Ausstellung zu empfehlen. Man staunt, mit wie einfachen Mitteln der Meister hier d'ie wundervollsten Wirkungen erzielt. Ein gelblich grauer Grundton und das Schwarz des Haars umb bes Schleierfhawls sind bie einzigen Farben, die er verwanbt hat. Diese Matrone von ausgesprochen römischer Rasse, strotzenb in ihrer brutalen Gesunbbeit, sieht aus wie ein Weiü aus bem Volke und ist babei doch von einem wahren Adelsstolz durchdrungen. Ein kraftvolles Memento vivere! Wie ein leiser Hauch von Todessehnsucht weht es dagegen zu uns herüber von dem„Ere- miten am Wasser". Ein altersgraues, in sich zusammengekauertes Männlein läßt mit heiliger Inbrunst die Kugeln seines Rosenkranzes durch die Finger gleiten. Zu seinen! Füßen plätschert der Bach, und der Wind streicht durch das Geäst der alten Bäume. Nicht so unbedingte Zustimmung verdient das mit einem Motto Schillers versehene Triptychon: „Horch, der Hain erschallt von Liedern, und die Quelle rieselt klar! Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar." Es ist das von einem!
Greis gesungene hohe Lied der Liebe. Die beiden Seiten- tafeln zeigen leider die erlahmende Hand des Alters. Das glücklich liebende Paar ist sehr obenhin behandelt, nur gleichsam hingepinselt. Und auch die landschaftliche Staffage, links ihr Hüttchen, rechts ein Knusperhäuschen, erhebt sich kaum über eine erste Skizzierung.*) Nur bie Blümlein sinb mit bem ganzen Farbenreichtum ber Böck- liu'schen Palette ausgestattet. Dagegen ist bas Mittelstück von reiner Poesie umleuchtet. Im nächtlichen Hain bläst ber Jüngling, ber mehr eine lebenbig geworbene Statue als ein Mensch von blühenbem Leben scheint, bie Flöte. Der Walbesausschnitt strahlt eine weihevolle Stimmung aus.
Nur Einer erreicht ben Altmeister in biesen gebämpf- ten gloriosen Effekten, Hans Thoma, von bem wir eine Kollektion von mehr ober minbcr bekannten Gemälben erblicken. Kein anberer weiß bie Innigkeit bes beutfchen Gemüts fo zu veranschaulichen wie er. Kein anberer weiß ber beutschen Lanbwirtschaft so heimliche Schönheiten abzugewinnen wie er. Das Leise, Dämmernde, Hingehauchte, Erinnerungsschwärmerifche hat er mit Theodor Storm gemein. Könnte dieser Torfgeiger nicht der Held einer Stvrm'schen Novelle fein? Er sitzt im Gärtlein, bas Notenheft quer über die Knie gelegt, beugt den Kopf andächtig darüber und erschauert unter seinen eigenen Klängen. Die kleine Mieze hat sich neugierig herangeschlichen und läßt sich von den Tönen dieses dörflichen Orpheus bannen. Weltentrückte Andacht, himmlische Ruhe atmet dieses Bild. Und wie ein sanftes Klingen umschwebt es auch den frumben Knecht, der gelassen neben seinem Röß- lein herschreitet, dieweil sich der kleine Amor unsichtbar: in den Sattel geschwungen hat und nun den andern Fridolin hinaus in den Liebesfrühling geleitet. Schwermütige Herbststimmung lagert über dem „Erika" genannten Bild, das freilich in der Komposition weniger glücklich ausgefallen ist.
Damit wären bie Heroen abgethan. Den eigentlichen Clou der diesjährigen Ausstellung bildet jedoch des Müncheners Louis Corinth „Salome mit dem Haupt des Johannes". Darüber sowie über einige andere biblische Vorwürfe, über Liebermann, Seiftitoro, Skarbina, Stuck, der ein Porträt des verstorbenen Generalmusikdirektors Hermann Sevi eingesandt hat, und namentlich über das Ausland, unter dessen Vertretern der Schwede Anders Zorn den ersten Rang einnimmt, wird in einem Schlußartikel zu handeln sein. xy.
*) Es ist bekannt, daß in der letzten Zeit wiederholt Gemälde deS Sohnes BöcklinS unter der Flagge des berühmten Vaters segeln.
Die Redaktion.


