Ausgabe 
21.11.1900 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

400

19 so 7*

450

9l 85 "

470

19 95 ' 400 '

-86:

6667

;l 20.

echnetz

sich des Telephons zu!

1 -AA :innttung.

itwe Leib.

farigsplait 13

er Weine 1

ler Tageszeit gen.

M

»H.

1 nnb Umgcgeab du«

abrikl

5.2 P4-

tfeorgj

sgäünel.

373 Erstes Blatt Mittwoch den 21. November 150. Jahrgang 1900

Gießener Anzeiger

L j monatlich 76 Pfg.

9 mit Bringerlohn;

General-UHeiger

durch die Abholestellc» vicrteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 viertcljährl. mit Bestellgeld.

Nezugspreis vierteljährl. Mk. 2,26

Me Anzeigen-BermittlungSstellen des In« und AuSlaaöes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegn». Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

Annahme dvn Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten« abends vorher.

Orfchetni tLgNch mit Ausnahme deS

Montags.

Die Gießener Mamitieuvkätter «erden dem Anzeiger tim Wechsel mitHess. Landwirt- u.Blätter (6t beff. Volkskunde- todchtl. 4 mal beigelegt.

Amts- nnd Airzeigeblrrtt für den Ttreis Greszen.

Adreffe für Depeschen: Anzeiger Siehe«.

Fernsprecher Nr. 51.

vedaktisn, Expedition und Druckerei: Fchukstraßc Nr. 7.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Dtütler für hessische UolKslrunde.

ieeeiuuRjaueeMJjieiiiliWieiiiiei1i1jiiILTe^-|uieje_ui»ieeeeiuiieeieee*iTTTTTr--.i.r-..L-iirii , i. ..........iiiiimin iiiimniei m

Amtlicher Teil.

Bekauvtmachuug.

Betr.: Maul« und Klauenseuche.

Die Maul- und Klauenseuche in Allendorf a. d. Lda. und Allertshausen ist erloschen, und die Sperrmaßregeln

sind aufgehoben worden.

Gießen, den 19. November 1900.

Großherzoglic^s Kreis amt Gießen.

Bekanntmachung.

Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Allendorf a. b. Lda. erloschen ist, und auch in der Umgebung dieses Ottes nicht mehr herrscht, kann die Abhaltung deS auf den 28. November vorgesehenen ViehmarkteS unter folgenden Bedingungen stattfinden:

1. Alles nach dem Marktorte gebrachte Vieh muß auf den Marktplatz gebracht und daselbst der veterinär- ärztlichen Untersuchung unterworfen werden.

2. Geschieht dies nicht, so ist das Vieh quarantäne- pflichtig.

3. Vieh aus Orten, in welchem die Maul- und Klauen­seuche herrscht, darf nicht aufgetrieben werden.

Zuwiderhandlungen werden bestraft.

Gießen, den 19. November 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Dor Weihnachten wird der Verein nachfolgende Bor- träfle halten lasten:

1. zu Beltershain am Sonntag, dem 25. No­tz ember, nachmittags 4 Uhr in der Wirtschaft von Max Becker überJungviehaufzucht".

2. zu Grüningen am Sonntag, dem 2. De­zember, nachmittags 4 Uhr im Rathaussaal überVieh­zucht insbesondere Schweinezucht und Schweine- müstung" von Herrn Oekonomierat Leithiger.

3. zu Annerod amSonntag, dem 9. Dezember, nachmittags i/34 Uhr in der Wirtschaft von PH. Mohr VIII. ü6<cZüchtungsgrundsätze" von Herrn Oekonomierat Leithiger.

4. zu Utphe am Sonntag, dem 9. Dezember, nachmittags </t4 Uhr im Lokale von August Neunobel überrationelle Boden-Bewirtschaf tung" von Herrn Direktor Dr. v. Peter in Friedberg.

5. zu Treis a. d. Lda. am S anhS t ag dem 15. De­zember, abends 7 Uhr in der Wirtschaft von Wilhelm Benner überDüngung der landwirtschaftlichen Kulturpfl anzen" von Herrn Landwirtschaftslehrer Keichelt in Alsfeld.

6. Staufenberg am Sonntag, dem 16. De­zember, nachmittags 4 Uhr im Burgsaale überFrucht­folge, Viehfütterung und anderes" von Herrn Oekonomierat Leithiger.

Ich bitte die Herren Bürgermeister der Voriragsorte und Der Nachbarorte um Bekanntmachung im Orte und labe jedermann der sich für die Vorträge interessiert, dazu ein.

Gieß en, den 19. November 1900.

Der Direktor des landw. Bezirksvereins.

v. Bechtold.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 19. November.

Am Bundesratstische der Reichskanzler Graf Bülow mit sämtliclfen Staatssekretären und den meisten Preußi- skhen Ministern. Der Reichstag ist ziemlich gut, die Tn- bmnen sehr dicht besetzt. Nach Erledigung einer Reche «chchäftlicher Mitteilungen wird zuerst ein Antrag auf Einstellung eines Straf-Verfahrens gegen den Mg. Schmidt-Sachsen für die Dauer der Session an- zsenommen. Zur Beratung steht alsdann die sozial- de inokratische Interpellation wegen der 12 000 Ma rr- A sfäre. Der Reichskanzler erklärt sich bereit, die Jnter- ftrllation am nächsten Donnerstag zu beantworten. D«r Gegenstand wird deshalb für heute von der Tages- "r-dnung abgesetzt.

Es folgt die erste Beratung des Nachtrags etats jitfir eie China-Expedition

Der Reichskanzler ergreift das Wort, indem er ausjührt, daß er die erste sich bietende Gelegenheit wahr- zunchmen wünsche, um über die chinesische Angelegenheit zu sprechen, denn er sei der Meinung, daß die Regierung die Fühlung mit der Volksvertretung nicht verlieren dürfe (Lachen links), daß das Land und der Reichstag Anspruch darauf hätten,'zu erfahren, wohin die Fahrt gehen soll. Der Reichskanzler geht dann auf die Vorgeschichte der Chinawirren ein. Den Vertretern in China sei alles geboten worden, was sie forderten und noch darüber hinaus. Wenn sie die Lage nicht rechtzeitig erkannten, so solle ihnen daraus kein Vorwurf gemacht werden, vor allem nicht dkm ritterlichen Ketteler. Aber alle hätten sich über die Tragweite der fremdenfeindlichen Bewegung getäuscht und für die Zukunft werde man deshalb ein schnelleres Unterrichtetsein im Auge behalten müssen. Es wurde nun im Auslande gesagt, daß Deutschland die Schuld an den Wirren trage, daß diese ihren Grund in der Festsetzung in Ostasien hätten. (Sehr richtig! links.) Es haben auch andere Staaten lange vorher Gebiete in Ostasien besetzt und auch früher gab es in China schon Anwesen. Deutschland Hat sich länger wie alle anderen Staaten zurückgehalten. Erst als unsere Bescheidenheit dazu führte, daß andere volle Konzessionen ohne uns erhielten, als eK Men, daß wir dann ausscheiden würden, erst da schritten wir ein aus rein wirtschaftlichen In­teressen. Wir stehen in China als Besitzer einer mit der chinesischen Regierung in freiem Einverständnis verein­barten Konzession. Wir haben uns immer freundlich gegen China verhalten, so noch vor 4 Jahren. Wir sind im Stande der Notwehr gegenüber dem zweideutigen Ver­halten der chinesischen Regierung, und mußten die not­wendigen Maßnahmen zum Schutze unserer Interessen Und zur Wahrung unserer Ehre treffen, und dasselbe gilt von den anderen zivilisierten Nationen. Die Zivili­sation steht hier der Barbarei, der Boxerbewegung, gegen­über. In China gilt die Politik der Abenteurer, aber wir wollen unsere Interessen so wahren, wie ein Volk seine Interessen und seine Ehre behaupten soll. (Beifall.) Wir führen besonders keine Eroberungspolitik, wünschen aber eine rasche und schnelle Beilegung der Unruhen und eine Sühne für die Unthaten und eine Sicherstellung der Zukunft. Die Europäer sollen in China nicht gehaßt werden, und Deutschland muß den ihm zukommenden Einfluß haben und seinen Anteil an dem, was d a zu gewinnen ist. Deutschland hat kein Interesse an einer Aufteilung von China. Wir drängen nicht zu einer vollen Aufteilung, glauben auch nicht, daß China schon d e m Untergänge geweiht ist. Unser Interesse ist, daß China sich jetzt in die Neuordnung der Dinge einlebt und wir erwarten, jetzt unsere Beziehungen mit China auszu - bauen und zu festigen, daß es zahlungsfähig bleibe, im übrigen aber seine/V erwaltung ineigner Hand behalte. Wir haben keinen Grund über die Grenze des Vertrages von 1898 hinauszugehen und uns militärisch und politisch zu sehr zu enga- aieren. Wir haben auch kein Interesse daran, uns tn China in ein bestimmtes Landesgebiet festnageln zu lassen und wir haben den Grundsatz des Lebens und Lebenlassens auch ick dem deutsch-englischen Abkommen bethätigt. Mit diesem Grundsätze haben sich auch die anderen Staaten einverstanden erklärt. Natürlich setzen wir voraus, daß auch die anderen Staaten nicht territoriale Erwerbungen in China machen. Wir wollen nicht in Äonflitt mit anderen Staaten kommen, wir werden auch in Zu­kunft unsere Schritte genau abmessen, damit nicht ein Schritt zu weit uns bloßstellt. Zu fordern haben wir eine Sicherstellung gegen die Wiederkehr solcher Vorkommnisse, eine angemessene Entschädigung und Sicherstellung unseres eigenen Besitzes. Der Redner teilt dann den -Inhalt der Note mit, die gemeinsam von den Mächten an die chinesische Regierung gerichtet tverden soll, sobald die einzelnen Gesandten die Ermächtigung ihrer Regier­ungen erhalten haben. Die weitere Entwickelung läßt sich heute noch nicht voraussehen. Hoffentlich aber werden die Mächte die angestrebten Ziele erreichen. Wir werden uns von einem gemeinsamen Interesse der Nationen leiten lassen, sobald es sich mit unseren In­teressen deckt, wie es bis jetzt der Fall ist. Bei der Be­deutung unserer ethischen und materiellen Interessen konnten wir aber nicht bei Seite stehen, weil wir fönst die Zukunft unseres Volkes unverantwortlich preisgegeben haben würden. Wir mußten auch in der einer großen Macht würdigen Weise vertreten sein und nur durch rasches Vorgehen konnte die weitere Verbreitung des Aus­standes verhindert werden. Der Redner spricht darauf über die Frage der Verfassungsmäßigkeit. Meinem Amts­vorgänger hat jede Absicht ferngelegen, die Rechte des Reichstags zu kürzen. (Unruhe.) Ich will aber für meine Person als verantwortlicher Reichskanzler erklären, daß mir nichts ferner liegt, als eine Verletzung des verfassungsmäßigen,unbe st rittenenRechjts!

des Reichstages, daß für alle Ausgaben die Zu­stimmung des Reichstages in Form einer Etats­forderung eingehalten werden muß, und zwar ^möglichst im Voraus. Ich ersuche das Haus, für Ausgaben, für welche die Zustimmung des Reichstags noch nidyt ein­geholt worden ist, uns durch nachträglich genehmigte Indemnität zu erteilen. Wenn der ReickMag Wert legen sollte auf eine das WortIndemnität" enthaltene Formulierung des § 3 der Vorlage, so werde ich meine .Hand dazu bieten, um eine lieber ein stimmung zwischen dem Reichstage und den verbündeten Re­gierungen herbeizuführen. Ich erkläre ferner, daß während meiner Amtsdauer an der Ueberzeugung von dem verfassungsmäßigen Recht des Reichstags un bedingt festgehalten und darnach verfahren werden wird. Daß unsere Politik sch des Vertrauens der anderen Mächte erfreut, beweist die Uebertragung des Ober­befehls an uns, und wir konnten uns dem An­trag nicht entziehen, weil damit anerkannt war, daß unsere Politik nichts enthielte, was den an­deren Mächten Veranlassung zu Befürchtungen geben könnte. Ter Redner betont besonders die guten Beziehungen mit Rußland. Zwischen einer gut geleiteten deutschen und russischen Politik könne über­haupt fein unüberbrückbarer Gegensatz bestehen. (Beifall). Durch das Oberkommando werde die deutsche Politik m China nicht verändert. Wir lassen uns nicht über unser Programm hinausdrängen. Im Gegenteil, wir müssen nun erst recht vernünftig und besonnen bleiben, wir wer­den nirgends über die Grenze unserer Leist­ungsfähigkeit hinausgehen und uns nickst ent> fernen von der Grundlage, auf der das Deutsche Reich, aufgebaut worden ist. Unsere Weltstellung auf Grund unserer wirtschaftlichen Interessen werden wir erhalten und schützen, aber nicht vergessen, daß unser Zentrum in Europa ist. Wir werden nichts thun, wodurch die Sicherheit in der Heimat, die Wehrk r a f t unseres deutschen Volkes irgend geschwächt werden kann. Durch die Truppensendungen nach China ist unsere Schlagfertigkeit in Europa nicht be­einträchtigt worden. Wir werden uns hüten, in China die Geschäfte anderer zu besorgen. Wir nehmen teil an der gemeinsamen Aufgabe aller Kulturvölker, denken aber nicht daran, für eine andere Macht den Blitzableiter abzugeben. Wir denken auch nicht daran, die Vorsehung auf Erden zu spielen. Das Beispiel Napoleons treibt uns nicht zur Nachahmung. (Beifall.) Wir werden unsere Stellung in Ostasien wahren, aber eine andere Richtschnur als dasi Interesse des Landes gebe es nicht. Wir werden uns nicht in So n d e r ak t i - o n e n einlassen, und an dem Zusammengehen mit den Mächten festhalten. Der R^chskanzler hebt weiterhin rühmend die Schnelligkeit der Truppenexpedition nach China hervor, ein Beweis für unsere Wehrhaftigkeit, ebenso das rühmliche Verhalten unserer Soldaten im Felde. Die Regierung habe gethan, was sie thun mußte. Die uns widerfahrene Verletzung, das Blut des Gesandten durfte nicht ungesühnt bleiben. Er bitte, die Mittel zu gewähren, um die chinesischen Händel besonnen, aber auch in Kraft und Ehre auszutragen. (Beifall.)

Abg. Dr. Lieber (Ztr.) versichert, daß niemand von seiner Partei daran denkt, die Notwendigkeit der Abwehr­unternehmungen gegen China zu bezweifeln. Es ist richtig, daß eine Reihe der von den verbündeten Regier­ungen erstrebten Ziele noch nicht erreicht ist; in allen diesen Zielen sind meine Freunde mit denverbün- deten Regierungen durchaus einverstanden und danken für das, was zur Erreichung derselben bisher ge­schehen ist. Was hinsichtlich der Mobilmachung, der Ein­schiffung und der militärischen Haltung unserer Truppen bemerkt worden ist, hat ebenfalls unsere Billigung. Aber hier muß ich einem Bedauern meiner Freunde Ausdruck geben. Es sind die Nachrichten über Grausamkeiten in der Kriegsführung, über Massenmorde durch untergeordnete Organe, lieber das Ausgaben- bewilligungsrecht des Reichstages hat der Kanzler erklärt, er wolle alles thun, um auch, menu es der Reichstag verlangt, die Annahme einer Jndemni- tätserteilung durch die verbündeten Regierungen in die Wege zu leiten. Eine solche Auffassung klang schon durch die Worte der Thronrede hindurch; was sie in ihrem Wortlaut besagt, ist eine höchst fadenscheinige Be­gründung der Unterlassung der Reichstags beruf ung. Sie sagt, man habe den finanziellen Be­darf nicht übersetzen können. Hat man das gekonnt, als plötzlich Frankreich 1870 an Preußen den Krieg erklärte? Und kam man nicht trotzdem an den norddeutschen Reichs­tag mit der Kriegsanleihe? Hat man ihn nicht nackcher um eine Erhöhung ersucht? Und nach diesem Vorgang kommt man mit solcher Argumentation in einer Thron­rede ? Das ist eine Sp e ku l a t i o n a u f d i e Ged ächt- nisschwäche, welche wir unsererseits uns gehorsamst verbitten. Wir empfinden die Umgehung des Reichs-