Ausgabe 
21.11.1900 Drittes Blatt
 
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Bemerkenswert ist die Erklärung der Verleger und Herausgeber, daßDas Deutsche Jahrhundert" keiner Partei und keiner Fraktion gehören, sondern allen dienen soll. Tas wird ein Vorzug dieses Buches sein, indem es sich dadurch z. B. von dem Bondischen Verlagsunter- nehmen, dessen Stärke gerade mit in seiner Parteinahme liegt,unterscheidet.

So soll eines der Werke geschaffen werden, die, im besten Sinne belehrend und unterhaltend, einen geistigen Schatz M bilden geeignet und zu einem wahren Hausbuch zu werden berufen sind.

Der Inhalt der zwei Bände wird sich folgendermaßen gliedern: Band I: Litteratur von Dr. Carl Busse, Kunst von Dr. Max Osborn, Musik von Dr. Leop. - Schmidt, Wirtschaft und Recht von Dr. A. Bert­hold, Geschichte von Dr. Richard Schmitt, Prof, a. d. Univers. Berlin, Philosophie von Dr. I. D u b o c und Paul Wiegler; Band II enthält: Physik von Prof. Dr. Wunschmann, Chemie von Dr. A. Wil­helm i, Hygiene von Dr. A. Go t Ist ein, Bio­logische Wissenschaften von Dr. Udo Dammer, Custos am botanischen Museum in Berlin, K r i e q s k u n st von Carl Bleibtreu, Kriegs-Marine von Erwin Schaefer, Kapt.-Leut. im Reichs-Marine-Amt

Die beiden ersten Lieferungen beginnen mit der L i t t e r a t u r g e s ch i ch t e des 19. Jahrhunderts von Dr Karl Busse, einem jungen Poeten, der bekanntlich selbst mitten in unserer Litteraturbewegung steht. Er beginnt seine Einleitung mit Klopstock und gelangt vorläufig auf 110 Seiten bis an den Ausgang des Jahres 1848. Was uns besonders anspricht, ist des Verfassers echt deutsches Wesen, das auch derGräkomanie" keine Sympathien abgewinnen kann. Herders große Bedeutung hat Busse wie nur sehr wenige . der Heutigen erfaßt. Unantastbar nach unserm modernen Geschmack ist sein maßvolles Urteil

und Toilettemittel als: Kopfroaffer. Kaaröt, F'omade ZSrillantine, H'uder, Schminke, <£odhtt- wasser, Zahnpulver, Mundwasser, Iahn- palla, Zahntinktur. Mundcachu, Seife, Schwämme, Zahnbürsten, Kautöürken, Zusatz, Streupulver, Kußleife, Auß- sptritus, Kühneraugcnrioge, L>aut- crcam, Mandelkleie. Hlycerin, Medi­zinische Seifen, Haschentuch-^arfüm, Echt Kau de Kologne von Zohann Maria Aartna, gegenüber dem Juüch lag

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Vllgemeiner deutscher Sprachverein. Von drechie Zweigvereinen des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins war an vrv Vorstand der Industrie, und Gewerbe Ausstellung, die >902 inDui1e dorf statifinden soll, das Ersuchen gerichtet, bei den Veranstaltungen ve Ausstellung des WahlspruchsKein Fremdwort für das, was deut,w gut ausgedrückt werden kann" eingedenk zu sein, im besonderen tn au Vcröffentlichungen, in der Ausstellungszeitung, bei den Aufschriften> der Ausstellung, in dem Ausstellerverzeichnis die Fremdwörter mügi zu vermeiden und der deut'chen Sprache zu ihrem Recht gu '

Ferner wurde gebeten, auch auf die Aussteller in demselben Smn -

zuwirken, damit auch sie sich in den Warenverzeichnissen, P"islM Aufschriften auf den Ausstellungsgegenständen fremdsprachlicher » - drücke möglichst enthalten. Auf dieses Sch eiben ist nun der folgen»- erfreuliche Bescheid erteilt worden:Antwortlich Ihrer gefl. E 9 teilen wir Ihnen ergebenst mit, daß wir gern gewillt sind, . strebungen um Förderung deS deutschen Sprachbewußtsems stützen. Wir haben den Vorsitzenden unserer Ausschüsse und> Gr pp Abschrift Ihrer Eingabe mit der Bitte um Beachtung l"gehen TI und werden auch ferner nicht verfehlen, soweit in unseren Kräften p ' in Ihrem Sinn zu wirken. Industrie- und Gewerbe Ausstellung ' Rheinland Westfalen und bc.-n-chfarte Bezirke, verbunden mit em deutsch-nationalen Kunst-Ausstellung Düsseldorf 1902. gez. xueß.

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über den Poeten Sckfiller, den er andererseits als Pro­pheten, Prediger, Füyrer und darum als den instinktiven- Liebling der Nation preist. Bedauerlich' ist Busses Unter­schätzung Grillparzers. Auch Hebbel wird er. nicht voll gerecht. Geistreich, aber nicht geistvoll ist seine ausführ­liche Behandlung Jmmermanns, bei der er zu paradoxen Vergleichen mit Luther, Björnson und Stöcker kommt. Sehr viel Wahres sagt er fiber Heine, richtig charakterisiert er Lenau, Hossmann von Fallersleben, wenn auch wohl allzu scharf, u. s. w. Doch genug der Einzelheiten. Wir versprechen uns von der Fortsetzung viel Anregung.

Die dritte Lieferung bringt den Anfang des Werkes von Dr. Max Osborn über die Deutsche K u n st im vergehenden Jahrhundert. Dr. Osborn hat sich als Kunst­schriftsteller namentlich durch seine Mitarbeit an einigen unserer vornehmsten Zeitschriften bekannt gemacht. Er steht als Kunstkritiker auf dem Standpunkte einer auf­geklärten Moderne, die die Steifheiten und Einseitig­keiten der auf veralteten Kunstprinzipien Verharrenden wie die Auswüchse einiger Neuerer verwirft. Er ist vor­eingenommen gegen Männer der Kunst wie Carstens und> die Cornelianer, im übrigen aber erkennt er an, was an ihrem Meister anzuertennen ist. Auck)> wir sind der Ansicht, daß die Werke dieser Künstler durch ihre ge­wissermaßen gymnasiale Richtung Osborn gebraucht dieses Wort nicht sich von der eigentlichen Malerei soweit entfernen wie die rein didaktisckM Poesie etwa eines Gottsched von echter Dichtung. Andererseits huldigt er und wir können in seine Lobreden nur freudig einstimmen der selbständigen Größe ebensowohl eines Moritz v. Schiwind wie eines Alfred Rethel. Er gelangt in dieser Lieferung bis Piloty, dem ler sehr richtig Meiningi- schen Theaterrealismus nachsagt und dessen Geschmack er als naiv-trivial angemessen kennzeichnet.

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