Ausgabe 
21.10.1900 Zweites Blatt
 
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Nach einer Meldung derDaily Mail" aus Lou- * renzo MarqueS vom 19. ist Krügers Gold immer noch nicht gesunden. Das holländische KriegsschiffGelder­land" wird heute zu Ehren der Verlobung der Königin _ dekoriert sein und 101 Schüsse feuern. Krüger wird wahrscheinlich heute an Bord gehen, und eine besondere Veranstaltung um seinetwillen könnte so vermieden werden. Eine weitere Depesche auS Lourenzo Marques vom 19. Oktober meldet: Präsident Krüger hat sich heute an Bord des holländischen KriegsschiffesGelderland" ern- geschifft. Sein Gepäck wurde ihm zugestellt.

Aus Pretoria wird berichtet, die telegraphtsche Ver­bindung zwischen Pretoria und Johannesburg ist abge­schnitten. Die Delagoabai-Bahn wird durch tägliche An­griffe der Buren unsicher gemacht. Lord Roberts hat eine Proklamation erlassen, worin er die Ausfuhr von Waren aus Transvaal und dem Freistaate, mit Ausschluß von Gold in Barren und Kriegsmunition, erlaubt.

Der frühere Parlamentsabgeordnete Michael Davitt hat, wie demDaily Chronicle" aus Dublin gemeldet wird, eine Adresse veröffentlicht, die dem Präsidenten Krüger nach seiner Ankunst in Holland im Namen deS irischen Volkes vorgelesen werden soll. Die Adresse wird in irischer Sprache abgefaßt sein und in dieser Sprache auch verlesen werden. Daraus wird man sie holländisch verlesen.

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Telegramme des Gießener Anzeigers.

London, 20. Oktober. Aus lourenzo Mar­ques wird gemeldet: Präsident Krü g e r wurde gestern früh 5 Uhr heimlich auf dieGelderland" gebracht. Der Grund hierzu ist darin zu suchen, daß Krüger einen Angriff der Buren-Flüchtlinge befürchtete. Er verließ das Haus des Gouverneurs in einem Mietwagen, begleitet von Dr. Heymann. Der Gouverneur folgte ihm in einem Privatwagen. Sie fuhren durch das Zollhaus und gingen über die Zollbrücke -auf das Schsff.

L o n d o n, 20. Oktober. Aus Lourenzo Marques wird gemeldet: Eine große Anzahl Buren aus Baberton stellte sich unter den Befehl von I o s u a I o u b e r t, der nach Baberton vordringt, um diese Stadt wieder ein­zunehmen.

London, 20. Oktober. Nach einem Telegramm aus Lourenzo Marques fand gestern nachmittag 3 Uhr an Bord derGelderland" ein Empfang statt, zu welchem kein englischer Offizier oder Beamter eingeladen war. Tie Abreise nach Europa erfolgt jedenfalls heute nach­mittag.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Oktober. Aus Homburg v. d. H. wird gemeldet: Gestern vormittag unternahm das Kaiser- paar einen Spaziergang im Kurparke. Der Kaiser sprach später den Geheimrat Mießner und den Hofjuwelier Sy. Dann unternahm die kaiserliche Familie und die hier anwesenden Würdenträger mit der elektrischen Bahn einen Ausflug nach der Saalburg. Beii dieser Gelegen­heit wurde dem Kaiser mitgeteilt, daß die elektrische Bahn von der Saalburg nach Homburg in nächster Zeit bis nach Frankfurt ausgebaut werden solle. Der Kaiser sagte hierauf, er begrüße dieH Projekt mit Freuden, denn eine jede Verkehrserweiterung könne für diese Gegend nur von großem Nutzen sein. Heute morgen "nahm die kaiserliche Familie im Bibliotheksaale des Königlichen Schlosses das heilige Abendmahl. Reichskanzler Graf Bülow ist heute vormittag 11 Uhr nach Berlin zurückgereist. Der Kronprinz reist erst heute abend ab. Er begiebt sich direkt nach Berlin. Heute abend 11 Uhr trifft de'r Kriegsminister v. Goßler hier ein.

Aus Cron berg wird gemeldet: Heute nach­mittag war der Kaiser mit dem Prinzen Ädalbert auf Schloß Friedrichshof. Das Befinden der Kai­serin Friedrich ist dem Vernehmen nach unver­ändert. Die Hoffnungen auf eine längere Erhaltung der Kaiserin gründen sich in erster Linie auf den Umstand, daß die Natur der Kranken eine ursprünglich außerordent­lich kräftige und dazu das ganze Leben hindurch systema­tisch gestählt ist. Noch vor 78 Jahren war von einer Erkrankung oder auch einer Schwächung eines edlen inneren Organs keine Rede. Personen, die die Kaiserin noch vor 14 Tagen, also unmittelbar vor dem Ausbruch der jetzigen Krise gesehen haben, bekunden, daß sie damals noch sehr blühend aussah und äußerlich keine Spur eines schweren Leidens zeigte.

Nach einer Meldung aus Baden-Baden ist Fürst Hohenlohe heute abend dort eingetroffen.

TieNordd. Allg. Ztg." meldet: Der Kolonial- rat tritt Ende November zusammen. Der genaue Ter­min ist noch nicht bestimmt.

T r e s d e n, 19. Oktober. Von Moritzburg liegt heute über das Befinden des Königs folgende Nachricht vor:Se. Majestät der König haben in der vergangenen Nacht gut geschlafen und ist das Allerhöchste Befinden heute ein wesentlich besseres. Auch die Nervenschmerzen im linken Bein haben abgenommen." Prinz Georg und Prinzessin Mathilde, die seit vorgestern abend zu Besuch bei Ihren Majestäten weilten, haben heute vor­mittag Schloß Moritzburg wieder verlassen und sind nach Hosterwitz zurückgekehrt.

Der letzte Hofbericht schreibt: Die über dasBe- f i n den des Königs vorliegenden Nachrichten lauten: Der König brachte den größten Teil des Tages außer Bett zu und schlief vergangene Nacht recht gut. Die Kräfte heben sich sichtlich.

München, 19. Oktober. In der Kohlenfrage ist eine Ministerialentschließung an den Nürn­berger Magistrat gelangt, worin festgestellt wird, daß Produktion und Bedarf die jetzigen Preise nicht gerecht­fertigt erscheinen lassen. Die Preise würden durch den Zwischenhandel gesteigert. Es empfehle sich die Bildung und die Förderung von Kohleneinkaufsgenossen- schaften, sowie der direkte Bezug größerer Mengen durchdieVerwaltungendergrößerenStädte. Diese Kohlen könnten dann zu billigen Preisen an die Ge­meindeangehörigen abgelassen werden. Ter Magistrat wird die Ministerialentschließungen in Beratung ziehen.

Ausland.

Stockholm, 19. Oktober. Der König verbrachte eine gute Nacht. Die Kräfte nahmen zu, der Husten läßt nach. Tägliche Krankheitsberichte werden nicht mehr ausgegeben.

Kopenhagen, 19. Oktober. Die Prinzessin von Wales wird ihre Abreise von hier beschleunigen, um ihrer Schwägerin, der Kaiserin Friedrich, einen Besuch in Friedrichshof abzustatten.

London, 19. Oktober.KUnter Vorsitz der Königin sand gestern in Balmoral eine Sitzung des Geheimen Rates statt. Es heißt, das Parlament werde vorläufig aus 6 Wochen vertagt.

Paris, 19. Oktober. Unter dem Vorsitz Millerands fand heute ein Banket der Arbeiter statt, die bei der Weltausstellung mitwirkten. 1500 Arbeiter aller Nationen, darunter besonders stark vertreten die deutschen Arbeiter, nahmen an dem Banket teil. Millerand feierte unter enthusiastischem Beifall die Solidarität der Arbeiter und deren Mitwirkung an dem internationalen FriedenSwerke der Ausstellung.

Madrid, 19. Oktober. Silvela bezeichnete die Mel­dung über eine Abtretung Ceutas an Frankreich als Blödsinn. Solche Abtretungen seien überhaupt bedenk­liche Unternehmen, in die sich einzulassen Spanien keine Lust trage.

Budapest, 19. Oktober. Im Iustizausschusse des Abgeordnetenhauses wird heute über die Ge­setzesvorlage betr. biie Eheschließung des Erzherzogs Franz Ferdinand verhandelt. Gegenüber den von der Opposition erhobenen .Eüuväudeu erklärte Wer Minister­präsident von Szell, die morganatische Ehe sei ein auf dem ganzen Kontinent anerkanntes Rechtsinstitut. Die Erklärung des Erzherzogs besage, daß er eine mor­ganatische Ehe schließe. Die aus dieser Ehe etwa hervor­gehenden Kinder seien keine Erzherzöge. Nur Erzherzöge seien aber im Sinne der pragmatischen Sanktion thron­folgeberechtigt. Die Kinder aus dieser Ehe des Erzherzogs Franz Ferdinand seien also von der Thronfolge aus­geschlossen, eine Aenderung der Thronfolgeordnung sei nicht eingetreten. Der Ministerpräsident sei der Ansicht gewesen, daß dieser Vorgang im Herrscherhause dem Reichstage habe zur Kenntnis gebracht werden müssen und daß die Erklärung des Erzherzogs in die Gesetzsammlung ausgenommen werden solle. Die Hausgesetze der Dynastie enthielten nichts, was der pragmatischen Sanktion wider­spreche. Die Verhandlung soll morgen fortgesetzt werden.

Petersburg, 19. Oktober. In den nächsten Tagen trifft hier eine Kommission ein, die von der japan­ischen Regierung nach Rußland gesandt ist, um Handel und Industrie zu studieren. Der Führer der Kommission, Jesaki, überbringt einen Brief des japan­ischen Handelsministers an den Finanzminister Witte.

N e w A o r k, 18. Oktober. Der Streik der Kohlen- gruben -Arbeiter ist noch nicht beendet. Die Arbeiter verlangen eine absolute Lohnerhöhung ohne Ver­rechnung einer Ermäßigung des Preises für Pulver. Jeden­falls wird der Abschluß eliner weiteren Konvention not­wendig. In den Bergwerken werden zur Wiederauf­nahme der Arbeit Vorbereitungen getroffen. Die Wieder­aufnahme erfolgt, sobald der Führer der ausständigen Arbeiter Mitchell den Minenarbeitern den Befehl giebt, wieder an die Arbeit zu gehen. Mitchell sagt, er werde die Wiederaufnahme der Arbeit nicht anordnen, bis nicht alle Bergwerksbesitzer die Forderungen des Gruben­arbeiterverbandes bewilligt hätten. Es scheint näm­lich, daß dies von einigen Bergwerksbesitzern noch nicht geschehen ist.

Politische Tagesschau.

Durch eine kaiserliche KabinettSordre vom 26. September wird bestimmt, daß die folgenden, von Teilen der Schutztruppen für Deutsch-Oftasrika und Kamerun im Jahre 1899 gelieferten Gefechte und aus geführten KriegSzüge als ein Feldzug gelten sollen, für welchen den daran beteiligt gewesenen Deutschen ein Kriegs­jahr in Anrechnung zu bringen ist.

I. Schutztruppe für D e u t s ch - O st a f r i k a. 1. Zug nach Upo- goro im Februar 1899. 2. Gefecht mit Ben Watende am 13. und 14. April 1899. 3. Zug nach Ssekke im Juni 1899. 4. Gefecht mit den Waburungu am 12. Juni 1899. 5. Expedition gegen den Sultan Matschemba im Juni und Juli 1899 und Einnahme des Dorfes des­selben am 9. und 10. Juni 1899. 6. Strafzug gegen den Muezi von Urundi vom 31. Mai bis 9. August 1899.

II. Schutztruppc für Kamerun. 1. Die Wute-Adamaua-Expe- dition vom 13. Dezember 1898 bis 10. November 1899. 2. Straf­expedition gegen die Bakoe vom 19. August bis 10. November 1899 3. Strafzug gegen die Soghe-Gane vom 27. bis 31. Dezember 1899.

Die Proklamation der Königin von Hollandj, deren Wortlaut im Haager RegierungS- und Staatsblatt veröffentlicht, und an allen Rathäusern des Reiches ange­schlagen ist, lautet:

Wir, Wilhelmina, von Gottes Gnaden Königin der Niederlande, Prinzessin von Oranien-Naffau rc. rc.

An mein Volk!

Es ist Mir ein Bedürfnis, dem Niederländischen Volke, von dessen inniger Teilnahme an Meinem und Meines Hauses Glück ich so tief überzeugt bin, persönlich Mitteilung zu machen von Meiner Ver­lobung mit Seiner Hoheit Herzog Heinrich von Mecklenburg Schwerm.

Möge dieses Ereignis, unter Gottes Segen, der Wohlfahrt Un­seres Landes und seiner Besitzungen in Ost und West förderlich fein.

Wir beauftragen und befehlen, daß diese Proklamation tm Staats- anzeiger und Staatsblatt ausgenommen und an den hierfür gebräuch­lichen Plätzen angeschlagen werden soll

Gegeben aufhet Loo", heute am 16. Oktober 1900.

Wilhelmina.

Die Proklamation ist von sämtlichen Ministern gegen« gezeichnet. _____

Aus Stadt und Kund.

Gießen, den 20. Oktober 1900.

Auszeichnung. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde den Mitgliedern der frei­willigen Feuerwehr zu AlSseld: Karl Ramspeck II., Georg Ludwig Heidelbach, Werner Müller IV., Gustav

Schmidt, Werner Melchior, Johannes Ernst Plauz, Heinrich Kemmer III. verliehen.

** Vortrag. Im Anschluß an die General-Ver­sammlung der Gewerkschaften, die morgen Nach­mittag 4 Uhr im Lokale O r big stattfindet, wird Gewerbe- Inspektor Engeln in einem Vortrage schildern, was von dem auf der Pariser Weltausstellung auf technischem, fach- gewerblichem und sozialpolitischem Gebiete Dargebotene das besondere Interesse der Arbeiter beansprucht.

M. Stadttheater. Der Name Oskar Blumenthal scheint auch berm hiesigen Publikum seinen zauberhaften Klang und Duft noch nicht eingebüßt zu haben, denn das von Blumen­thal verfaßte LustspielGräfin Fritzi" hatte gestern abend ein gut besetztes Haus angelockt. Derberühmte Bühnenschriststeller" hat dieses Stück allein, ohne einen seiner Compagnons und Complicen verbrochen, zu seinem Tantiömenvorteil, aber zum Nachteil des Stücks, das als Fabrikat derFirma" vielleicht etwas besser, wenn auch nur witziger geworden wäre. Wer die Lust verspürt, auch mal so einLustspiel" zu schreiben, dem sei das Rezept ver­raten. Man nehme einen alten JahrgangFliegende Blätter", suche eine spaßhafte Situation, in der womöglich einer in der Klemme sitzt, und erfinde eine kleine Vor­geschichte dazu; das braucht man sich nicht schwer zu machen, aus Motivierung usw. kommt nichts an. Die betreffende Situation verbräme man mit ein paar Witzen, die man zweckmäßig einem noch älteren Jahrgang derFliegenden Blätter" entlehnt. Das alles mache man unter Beibehaltung der Personennamen so ost, als das Stück Akte haben soll. Wenn es möglich ist, zwischen den einzelnen Akten ein bischen Zusammenhang herzustellen, so ist das ganz gut; geht es nicht, so tröste man sich mit Blumenthal, der thuts auch manchmal nicht. Damit nun allerdings ein so fabriziertes Stück auf dem Theatermarkt Anklang findet, dazu muß man schon den Namen einesberühmten Bühnenschriftstellers" tragen, man muß schon Kabelburg ober Schönthan oder Blumenthal heißen; Etikette ist alles, das Publikum trinkt Etiketten. Die Gräfin Fritzi deS Fräulein Schoeler­

mann war nett, graziös, liebenswürdig. Die Operetten­diva Zerline Grundel hatte in Fräulein Eich enw ald ein passende Verkörperung gesunden, wenn auch die Darstellerin zu Anfang mit demweanerischm" Dialekt nicht recht heraus konnte. Herr Helm beutete die im Kommerzienrat Mein­hardt liegenden schauspielerischen Chancen in altgewohnt kräftiger Weise aus. Flott und sicher spielten Herr di Ba lt hy ni den Franz Helling und Herr Ramsey er den Rechtsanwalt Opitz. Für Frau Ernst ist die Rolle der Frau Kommerzienrat wie geschaffen; auch die ihrer Tochter wurde von Fräulein Kugler gut gespielt. Trefflich wie immer war Herr Lie b sch er als Kapellmeister Ambrosius.

-e- Launsbach, 19. Oktober. Die durch die Versetzung des Herrn Hoffmann hier sreigewordene 1. Lehrerstelle kann erst mit dem 15. November besetzt werden. Beide Schul­klassen werden zurzeit von dem 2. Lehrer verwaltet. Wie wir hören, ist die vakante Stelle dem Lehrer Bender aus

Simmern a. d. D. übertragen.

-i- Krofdorf, 20. Oktober. Für die Lehrer und Schulen der östlichen Hälfte des Kreises Wetzlar steht eine wichtige Veränderung bezüglich des Wechsels der Kreisschulinspektion bevor. Bisher war Superintendent Schöler-Wetzlar Kreisschulinspektor des Wetzlarer Bezirks. Wie uns nun aus sicherer Quelle mitgeteilt wird, übernimmt Pfarrer Geibel-Dutenhofen vom 1. November ab das Amt eines Kreisschulinspektors.

§ Butzbach, 20. Oktober. Seit einigen Tagen zirkuliert in den Kreisen der Manufaktur- und Spezereiwarengeschäfte hier eine Liste wegen Einführung des 2 Uhr Ladenschlusses und eine Gegenliste, die die Beibehaltung des bisherigen 4 Uhr-Ladenschlusses an Sonntagen erstrebt. Letz­teres Zirkular hatte bis gestern die Mehrheit von Unter­schriften und zwar jener Ladenbesitzer, die der Ansicht sind, daß auch den Kunden aus der näheren Umgegend Rechnung getragen werden muß, die der häuslichen Verhältnisse halber nicht so frühzeitig Sonntags mittags nach der Stadt gehen können.

Gederu, 19. Oktober. In diesen Tagen wurde em hiesiger Fischteich, dem Fürsten zu Stolberg-Wernigerode gehörig, behufs Ausfischung abgelaffen. Der Teich umfaßt zirka 70 Normalmorgen und wurden zirka 25 Gentner Karpfen ausgehoben. Im seichten Wasser und dünnflüssigen Schlamm zappeln nun hier und da noch Fische, die Fisch- reiher, Raben rc. anlocken. Mannshohes Rohr, Schilf und Gras/ die waldreiche Umgebung, Getier mancherlei Art geben'dem nun ausgefischten See ein eigentümliches, wild- schönes Gepräge. Der Fischer ist abgetreten und der Jäger waltet nun seines Amtes. So wurde gestern eine Fischreiher­familie im Röhricht von einigen Jägern angetroffen. Zwei Reiher wurden tätlich getroffen, während ein dritter nur geflügelt wurde und einem wertvollen Jagdhunde empfind­liche Hiebe außteilte. Einen der Jäger nahm der ange­schossene Reiher an, wurde aber durch einen wohlgezielten Schlag mit dem Jagdstuhl unschädlich gemacht.

Darmstadt, 19. Oktober. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen trafen heute vormittag zum Besuch auf Schloß Wolfsgarten ein, nahmen an der Fruh- stückstafel teil und begaben sich am Abend nach Kiel zurück.

Worms, 17. Oktober. Die Städte Germersheim, Speyer und WormS haben eine Eingabe an den Reichskanzler ge­richtet mit der Bitte, die von den Stabten Karlsruhe und Mannheim beabsichtigte Einführung ihrer Fäkalien in den Rhein zu untersagen.

Limvura a. d. Lahn, 19. Oktober: Der Bürgermeister »nte? dessen 22jähriger Amtszeit die Stabt Limburg einen sthr ^erfreulichen Aufschwung genommen, hat sich infolge eines leichtm m August erlittenen Schlaganfalls genötigt gesehen, dem Stadt- verordneten-Kollegium schriftlich anzuzeigen, daß ihn sein ©efunb; bettSrustand zwingt, sein Amt auszugeben. In der Sitzung der Stadtoertr-tung sprachen verschiedene Redner ihr tiefes Bedauern über dm der Stadt drohenden Verlust auS. Eine Kommission, die all-8 für die notwendig werdende Neuwahl oor bereiten soll, wird