schlichtet, der schon seit Monaten zwischen der Militär - Verwaltung und der Stadt Ma in z schwebt. Es hatte sich nämlich alsbald nach der Fertigstellung des neuen städtischen Schlacht- und Viehhofes die Verwaltung der Kgl. Konservenfabrik geweigert, ihre Schlachtungen in dem städtischM Schlachthofe bethatigen. zu lassen, und die Verwaltung vertrat den Standpunkt, daß sie nicht verpflichtet werden könne, in einer städtischen Anlage zu schlachten; die Stadt Mainz vertrat den gegenteiligen Standpunkt, da dies auch eine Mindereinnahme von etwa 12000 Mark pro Jahr für den Schlachthof bedeuten würde. In der geheimen Sitzung der Stadtverord- neten-Versammlung wurde von der Bürgermeisterei der Vorschlag gemacht, die Kgl. Konservenfabrik von dem Schlachthauszwang zu entbinden, da em etwa entstehender Prozeß einen für die Stadt Mainz immerhin ungünstigen Ausgang nehmen könnte.
Marburg, 19. Juli. Der Kultusminister Dr. Studt und der Oberpräsident v. Zedlitz-Trützschler trafen heute abend hier ein und nahmen im Hotel Pfeiffer Wohnung.
»» Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Bensheim ist der Bergrat i. P. Jäger im 78. Lebensjahre gestorben. Der Verstorbene war von 1876 bis 1891 als Vorstand der Großh. Badedirektion und des Großh. Salinen- und Bergamts in Bad-Nauheim thätig. — In Kassel ertrank der zirka 18jährige, hoffnungsvolle Sohn des früheren Butzbacher Stationsvorstehers Lucan. — Der über 80 Jahre alte Medizinalrat Laist in Osthosen bei Worms erlitt durch Explosion einer Petroleumlampe derartige Brandwunden, daß er alsbald verstarb. — Die Freie litterarisch-künstlerische Gesellschaft in Darmstadt veranstaltet am 22. d. M. eine „Sonnenwendfeier" zu Auerbach a. d. Bergstr. — In Volkmarsen wurde das Bahnhofsgebäude vom Blitz getroffen. Ein Telegraphenbeamter, am Apparat beschäftigt, wurde betäubt und ein alter Mann, der sich unter einen Weidenbaum geflüchtet, getötet.
Nervnschter.
• Wenn mau Zeitungsnotizen aufbewahrt — so kann I das unter Umständen von großem Nutzen sein; das hat I dieser Tage ein Grundbesitzer in Weißensee erfahren. Er I hatte vor einigen Monaten sein Grundstück verkauft. Als I der neue Besitzer den Boden zur Fundamentierung eines I Hauses ausschachten ließ, sand man in der Nähe eines Obst- I baumes in einer Tiefe von etwa Va Meter eine alte Blech- I dose, die bis zum Rande mit Thalerstücken gefüllt war. | Der frühere Besitzer konnte nun Zeitungsnotizen vorzeigen, I inhaltlich deren ihm im Jahre 1882 von einem Knecht eine I Summe von 48 Thalern gestohlen worden war. Der Knecht I wurde seinerzeit wegen des Diebstahls zu einer Freiheits- I strafe verurteilt und starb im Gefängnis. Schon damals I hegte man die Vermutung, daß der Dieb seine Beute ver- I graben habe, doch war er zu einem Geständnis nicht zu be- I wegen. Da die Anzahl der jetzt gefundenen Thaler genau mit der damals entwendeten übereinstimmt und die Zeitungs- I notizen die Angaben bestätigten, wurde der Fund anstandslos I dem früheren Besitzer des Grundstücks ausgehändigt. 1
* Fürst Ferdinand von Bulgarien, der sich I in stetigen Geldverlegenheiten befindet, hatte, um kurz zu I erzählen, wiederholt einem Münchener Hoteldirektor die Bezahlung eines Betrages von 3000 Mk. versprochen, um die der Hoteldirektor durch den Privatsekretär des Fürsten geprellt worden war. Trotz des Versprechens kam aber kein Geld und nach jahrelangem Hinhalten klagte der Ge- I schädigte gegen den Fürsten. Am 3. Juli sollte nun vor I dem Landgericht in München ein Termin stattfinden. Doch der Erste Staatsanwalt ließ dem Gerichtsvorsitzenden die Mitteilung zugehen, daß mit Entschließung des Staats- I Ministeriums der Justiz in Verbindung mit den Staats- ininisterien des kgl. Hauses und des Aeußern beschlossen wurde, die erbetene Mitwirkung zum Zweck der Zustellung der Klage abzulehnen, da fremde Souveräne der I deutschen Gerichtsbarkeit nicht unter wo r f e n seien. Die Verhandlung konnte demnach nicht stattfin- I den, da dem Beklagten die Klage nicht übermittelt war. |
* Persönliche Erinnerungen an einen der Toten von Peking. Dem Franks. Gen.-Anz. wird aus Berlin geschrieben: .... „Hier möchte ich nur ein paar kurze schlichte Erinnerungen an die beiden Mänuer wachrusen, mit denen ich einst — es sind nun auch schon zehn bls zwölf Jahre her — in manchem Hörsaal beisammen saß und manchen Becher zusammen lehrte. Cordes und Merckling haus, die unserer Gesandtschaft als Dolmetscher beigegeben waren, haben zu Ausgang der achtziger Jahre in Berlin studiert. An der Universität die Rechte, am orientalischen Seminar das fremde Idiom, deffen Kenntnis ihnen einen schnelle« Ausstieg eröffnen sollte und nun, ach | I wie bald zum Verderben wurde. Bei Cordes war es mit I dem Rechtsstudium übrigens nicht sonderlich ernsthaft be- I stellt. Er hatte entsetzlich viel zu arbeiten; die Mittel, die I ihm vom Elternhause kamen, reichten auch zum Not- I dürftigsten nicht aus; er mußte Stunden geben, wenn er sich sortbringen wollte. Aber er verstand es zu schaffen.
I Nach fünf, sechs Privatstunden täglich sand er noch Zett, sich zu einem der besten Schüler des chinesischen Zirkels
I durchzuarbeiten, und nachdem er das Dolmetscherexamen I mit Auszeichnung bestanden hatte, baute er noch recht uno schlecht seinen Referendar. Als er sich - so 1»^ over
I 1893 — nach China einschiffte, schien dem mit erstaunlicher Willenskraft und seltenem Sprachtalent Begabten eme
I glänzende Karriere sicher." (Cordes war auch em Studten- I genösse von mir. Der Fleiß des in der Kleidung fast I immer etwas reduziert aussehenden Studenten in höheren I Semestern war geradezu unheimlich. Er hatte eme Oder- I realschule absolviert und mußte, um sich für das erste I juristische Examen vorbereiten zu können, zunächst das I Gymnasialabiturium ablegen. DaS ging aber bei ihm alles | mit staunenswerter Schnelligkeit. Immer hatte er eS
Messing, sondern die Angel der Klinge wird un Griff durch zwei gekerbte Holzschalen nach außen abgeschlossen. ^>er Karabiner 98 ist in gleicher Weise konstruiert, nur ist er kürzer als das Jnfanteriegewehr, Mit dem auch die asiatischen Pioniere bewaffnet wurden, und es fehlt ihm das Haubajonett. So werden unseren ausreisenden Truppen die hervorragendsten Schußwaffen mitgegeben . / und auch hierin hat sich unsere Heeresverwaltung weitsichtig gezeigt, als sie nach Erkennung der Mangel des Gewehrs 88 sofort an deren Abstellung ging und die N m konstruktion zur Ausführung brachte sodaß breChtN^ Wirren unser Heer vollständig vorbereitet angetrosseui haben.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Frankfurter Börse vom IS. Juli.
Wechsel auf New-York zu 0.00*00. .
Prämien auf Kredit per ult Juli l.bl)0/o, do. per ult Kng. 2 900/. Diskonto-Kommandit per ult. Juli 1.80%, do. per ult Aug. 2.50% Lombarden per ult Juli 0.55%, do. per ult. Aug. l.CO%. Deutsche Bank per ult. Juli 0.00 °/0.
Kotierungen: Kreditaktion 206-206 30-00-0, Diskonto-
Mark. Die Stadt könne für die Hälfte der Summe herangezogen werden, was also ungefähr 36 000 Mark ausmachen würde. Stadtv. Dr. R a u - tert sagt, Alles deute darauf hin, daß der Staat der Meinung sei, der Universitätsfond sei für den Staat und nicht für die Mainzer Studienanstalten da. Wenn seinerzeit das Gymnasium aus Mitteln des Fonds erbaut worden sei, so sei das nur geschehen, weil der Staat in Geldverlegenheit war. Deshalb sei er heute verpflichtet, für das Gymnasium Miete zu zahlen und es müsse dafür ein Posten in das Staatsbudget eingestellt werden. Der Antrag des Finanzausschusses wird einstimmig genehmigt. — In der geheimen Sitzung der Stadtverord- neten-Versammlung wurde auch endlich der Streit ge-
ungeheuer eilig, sowohl im akademischen Hörsaal wie auf der Kneipe, wo er sich übrigens nur selten sehen ließ. Sein Ehrgeiz war außerordentlich, ebenso sein Wiffensdurst. Er interessierte sich so ziemlich für alles, was einen einigermaßen wissenschaftlichen Anstrich hatte, so z. B. auch für Phrenologie und Graphologie, kaufte sich Bücher aus allen Wissenschaften trotz seines sehr kleinen Geldbeutels und arbeitete von morgens früh bis abends spät, und von abend- spät bis morgens früh. Alles in allem war er ein Mensch, dem jeder, der ihn kannte, von Herzen die beste Zukunft wünschte. D. Red. d. G. A.)
» Chinesisches Mimatur-Wörterbuch. Zur Bequemltchkett ihrer Leser veröffentlichen englische Blätter eine Art „Miniatur-Wörterbuch" der chinesischen Sprache, Ueber- setzungen der in den Depeschen und Berichten am häufigsten vorkommenden Ausdrücke, und fügen daran knappe Mitteilungen über die heute in China die Hauptrollen spielenden Persönlichkeiten. Ein solches Wörterbuch im Westentaschen- sormat lautet:
Chtfu, ein Präfekt. . u».
Chihtai, ein Generalgouverneur (gewöhnlich an der L>pt»e der Verwaltung von je zwei zu einem Verwaltungsdifirikt zusarnrnm- gezogenen Provinzen).
Chun-Chi, der größte Staatsrat.
Chung Tang, der Amtstitel eineS'jeben der sechs Minister. Comprador, der Dolmetsch und Unterhändler, dessm sich rede große europäische Firma bedient.
9 Fan-Kw ei, der Ausdruck sür „Fremder". Wörtlich: „Fremder Teufel".
Fu, eine Präfektur.
Futai, der Gouverneur einer Präfektur.
Ho, ein Fluß.
Hsiang, ein Dorf.
Hsien, ein Distrikt.
Hu, ein See.
Kiang, ein Fluß.
Kiao, eine Sekte ober Brüderschaft.
Kotow, eine demütigende Handlung im allgemeinen — speztt» eine in früheren Tagen dm Gesandten fremder Mächte aufgezwungme Demütigung. gleich einem Drittel einer englischen
Melle oder gleich 444 Meter.
Sh an, ein Berg.
Tae^^ie^chinchsihe"WLhrungseinheit und Zirkulationsrnünze ^E^Tao, ein Sammelname für eine Gruppe von Departements, auf jede Anzahl von Abteilungen anwmdbar, die zu Berwaltungs- trotden mtetnt Beamte eines solchen kombinierten Ver-
waltungskörpers^a^en, Has chinesische Ministerium de- Aeutzrrm saearündet 1861' nach dem Vertrag von Tientsin).
Yamen, der offizielle Wohnsitz eines Regierungsbeamten.
Ae - Ho - Chuan. jene Geheimgesellschaft, welche als die „Boxers" bezeichnet wird. In wörtlicher Uebersetzung: Gerechttgkeits- finn, Eintracht, Fäuste. __ ________
Wteratur.
— Die Mainzer Gntenvergfeier hat eine überaus reiche Litteratur hervorgerufen. Wir haben bereits mehrere aus diesem Aiüaß in Zeitschriften enthaltene Artikel und auch selbständige Schriften erwähnt, u. a. namentlich die als selbständige Broschüre erschienene Festrede von Adolf Köster und eine Schrift des Direktors Frschbach über dre Entstehung der Buchstaben Gutenbergs. Das wertvollste Erzeugnis dieser Festlitteratur aber ist die in der Mainzer Verlagsanstalt und Druckern A.-G. erschienene, im Auftrage der Festleitung vom Landgerichtsdrrektor K. G. Bockenheimer herausgegebene Festschrift, ein starker und stattlicher Band in gediegener Ausstattung. Sechs Aufsätze von erheblichem Umfang enthält dieses Buch, sowie em Gutenberg gewidmetes I vierakttges Drama von Alfred Börckel. Von besonderer Bedeutung erscheint uns der Aufsatz des Herausgebers, der mit großer Emsigkeit alles zusammengetragene Material gesichtet und beleuchtet hat, was über das Leben Gutenbergs an Ueberliefeningen vorhanden ist. AuS- I führlich behandelt sind namentlich die verschiedenen Rechtsstreite Guten- I bergs, und sehr bemerkenswert das Kapitel von Anna zu der iseren Thür, die der Verfasser nicht als Gattin Gutenbergs zu erkennen ver. mag. Eine vortreffliche litterargeschichtliche Studie über Gutenberg I bietet Dr. Heinrich Heidenheiner. Was Quetsch von der Entwickelung I des 8eitungswesens und Lehmann von dem Wiedererwachen der Buch- I druckerkunst im 19. Jahrhundert sagen, ist nicht besonders neu und I namentlich der zuletzt genannte Aufsatz recht einseitig. Die Betrage I von Dr. Schrohe und Dr. Seidenberger behandeln spezielle Mamzer I Verhältnisse im 15. Jahrhundert.
Aus Stadt und Land.
Gi-tzm, den 20. Juli 1900.
»' Bersonaluachrichten. Der Gerichlsassessor Schumacher I in Gießen wurde mit Wahrnehmung der Di-nstverrichtungen I eines Staatsanwalt» am Landgericht der Provinz Oberhesien und derG-richtSassesior Dr. Goldschmidt in AlSseld mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsanwalts I in Gießen^beauftragt; der Diener atn Schullehrer-Semi- I nar zu Alzei, Karl Fröhlich, wurde zum KreiSdrener an ' dem Kceisamt Alzey ernannt; der Pedell bei der Realschule I und dem Progymnasium zu Alzey, August Köhler, wurde I zum Diener bei dem Schullehrer - Seminar zu Alzey I ernannt.
a. Bad-Nauheim, 19. Juli. Vor einigen Tagen weilte der Geh. Medizinalrat Professor Dr. Brieger 'm Auftrage des preußischen Kultusministeriums hier, um bei Pro- I fessor Dr. Schott deffen Methode der Behandlung chronischer Herzkrankheiten zu studieren. Professor Dr. Brieger ist bekanntlich der Lehrstuhl für physikalisch- diätetische Therapie an der Universität in Berlin übertragen I worden. Die in Nauheim ausgeübte Methode wird von I ihm doziert werden. , , .
8. Romrod, 19. Juli. Am Sonntag feiert der Als- I felder Zweigverein der Gustav-Adolf-Stiftung I hier sein Jahressest. Der Festgottesdienst beginnt nachmittags um 2 Uhr, woran sich eine Nachversammlung im I Hose des Schlosses anschließen wird. Verschiedene Redner werden auch hier noch zu Worte kommen.
Darmstadt, 19. Juli. Der Provinzialausschuß der I Provinz Starkenburg verhandelte am 5. Mai d. Js. über I den Rekurs dreier Gasthofbesitzer von Lindenfels gegen I Genehmigung einer zweiten Privatkrankenanstalt I des Kreisassistenzarztes Dr. Schmitt. Der Kreis- I auSschui hatte durch Entscheidung vom Oktober v. Js. nach I längerem Verfahren dieses Gesuch genehmigt, woraus der I Ortsvorstand von Lindenfels, der sich gleichfalls vorher I unter den Einsprucherhebern befunden hatte, sich bei diesem I Urteil beruhigte und nur die drei Erwähnten sich an die I höhere Instanz wendeten. Dr. Schmitt habe durch Eroff- I nung des Betriebs sein Hinwegsetzen über gesetzliche Vor- I schriften und Maßnahmen der Behörden dargethan, daß I von ihm eine Zurückstellung von Privatinteressen in Konflikt I solcher mit öffentlichen nicht zu erwarten stehe. Es muffe befürchtet werden, daß er etwaige auserlegte Bedingungen I bezüglich Ausschließung bestimmter Arten von Kranken nicht sorgfältig beobachten werde; er erscheine daher als unzu- I verlässig in Bezug auf Leitung und Verwaltung der Anstalt. Unter Aushebung der Entscheidung des KreiSausschusseS I wurde deshalb die Genehmigung für jene neue An- I ftalt versagt. — Dem Gesuchsteller, der inzwischen den Betrieb vorläufig eingestellt hat, bleibt nunmehr nur der weitere Rekurs an das Ministerium des Innern, dessen Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege im Verfahren vor dem Kreisausschuß durch zwei Gutachten das Gesuch befürwortet hat.
Mainz, 19. Juli. In der gestrigen öffentlichen Stadtverordnetensitzung führte Stadtv. Michel als Be- | richterstatter über den Mainzer Universitätsfonds aas, daß 1 die Regierung an die Stadt das Ersuchen gestellt habe, den Fehlbetrag des Mainzer Universitätsfonds für die Kosten der' Mainzer höheren Lehranstalten zu decken. Das Mainzer Gymnasium ist seinerzeit aus den Mitteln des Universitätsfonds mit einem 5koftenaufwand von dOO bis 600 000 Mark erbaut worden. Infolge dieses Entgangs von Zinsenerträgnissen reichen die Mittel nicht mehr zur Deckung der Kosten für die Mainzer höheren Lehranstalten, für die der Universitätsfond besteht und auch sustentations- pslichtig ist. Der Staat sei aber verpflichtet gewesen, das Gymnasium aus eigenen Mitteln zu errichten; wenn heute die Zinsenerträgnisse des Universitätsfonds nicht mehr reichen, so müsse der Staat dafür eintreten. Der Finanzausschuß sei der Ansicht, daß die Stadt Mainz darauf bestehenmüsse, ebenso behandelt zuwerden, wie die übrigen Städte des Landes. In diesem Sinne müsse man nochmals an das Gerechtigkeitsgefühl der Regierung appellieren. Stadtv. Professor Schien g er giebt einen Ueberblicfi über die seitherigen Leistungen des Universitätsfonds. Der Fond habe solange die vollen Kosten für die Mainzer Studienanstalten getragen, als die Zinsen gereicht haben. Es sei nun Die Frage, ob man die Verpflichtungen des Staates kurzer Hano ignorieren wolle. Die vom Staate für die Mainzer Realanstalten zu leistenden Kosten betragen jährlich 71900
Gerichtssaal.
Breslau, 19. Juli. „Kohlendiebin" hatte eines Tages eine Frau der Aufwärterin eines hiesigen Rechtsanwalts zugerufen Dies empfand diese als eine sehr schwereBeleidlgung undlud diePer on vor den Schiedsmann. Der Sühnetermin verlref resultatlos, so daß s.ch das Schöffengericht für Privatklagesachen mit,der wlchtlgen Angelegenheit zu befaffen hatte. Auch hier wollte die Klägerm, dle tm Berstanh des Rechtsanwalts Roth erschien, von dem Dergleichsvorschlag den der Vorsitzende den Parteien stets oot ©mtutt tn bie Be^anNung 8“ pflegt, durchaus nichts wissen. Sie sei, so sagte sie rmi Tone sittlicher Entrüstung, stets eine ehrliche Frau gewesen und könne sich deshalb <mte solche Beleidigung nicht gefallen laffen. Die Beklagte gab unumwunden die inkriminierte Aeußerung zu, erklärte aber gleichzeitig den Bewers der Wahrheit dafür antreten zu wollen. Zwei Zeugmnen hatte sie deshalb rur Gerichtsstelle gleich mitgebracht. Dieie bekundeten überemstrmmend, daß die Klägerin ihre Stellung bei einem Re chtsanw alt dazu benutzte, um diesem fortgesetzt Kohlen und Petroleum zu entwenden. Auf d'e ftraae bei wem die Klägerin denn Bedienung mache, erfolgte die prompte Antwort- „Bei Herrn Rechtsanwalt Roth." Das lange Gesicht, welches der Rechtsbeistand der Privatklägerin, derselbe ^chtsanwalt Roth, bei dieser Bekundung der Zeuginnen machte, kann man sich unschwer vorstellen. Die Klägerin hatte die unerhörte Dreistigkeit beseffen, den von ihr Bestohlenen mit der Vertretung ihrer Klage zu betrauen. Er zog, ohne ein Wort in derAngelegeichelt weiterzu Volieren, die Klage zurück und verließ ben ®
hatte sich die damalige Privatklägerm, die Schloffersfrau Franz,ska Kausche, wegen Diebstahls in demselben Verhandlungssaal zu verantworten. Die Rollen waren jetzt vertauscht. S,e war jetzt, b,e An geklagte, und das Gericht erachtete sie durch d.e dEisaufnahme des Diebstahls auch sür überführt. Die Verhandlung ergab, daß sie Nicht ohne Grund, sondern mit Fug und Recht eme "Kohlendiebin genannt worden war. Das Urteil lautete auf 5 Tage Gefängnis.


